5.347 Wörter, 28 Minuten Lesedauer.
Absatz #1
„Der Landeanflug wird ziemlich ungemütlich, Leute …“, teilte April mit, als sie die aktuellen Wetterdaten der japanischen Militärbasis empfing. Fireball übernahm den Kurs und ließ die neuen Daten auf seine Anzeigen übertragen. Und dabei wurde ihm bewusst, dass er tatsächlich zum ersten Mal selbst in Japan landen würde. Und natürlich nicht bei klarem Himmel. Denn unter ihnen tobte ein ausgewachsener Schneesturm und die Sichtweite sank von Minute zu Minute. Fireball überflog seine Instrumente, die Schneefront erreichte sie bereits spürbar: „Na wunderbar“, murmelte er, „Wenn ich mich schon blamieren soll, dann wenigstens richtig.“ Colt grinste von seinem Platz aus: „Keine Sorge, Hombre, du hast noch genügend Möglichkeiten dazu. Zum Beispiel könntest du im falschen Land landen.“ Fireball warf dem Cowboy einen kleinen genervten Seitenblick zu: „Danke, genau die Art Unterstützung brauche ich gerade.“ Colt grinste, denn er wusste, dass sein Freund angespannt war. Schließlich wusste niemand genau, was tatsächlich geschehen war. Umso erstaunlicher war es, dass Fireball nach außen hin eine gefasste Ruhe ausstrahlte, wofür Colt gerade echt dankbar war.
Fireballs Blick blieb weiter konzentriert auf seine Anzeigen und Instrumente. Jede Kurskorrektur, die aufgrund des Wetters notwendig wurde, erfolgte von ihm präzise. Seine steuernde Hand bewegte den Sidestick ruhig und kontrolliert, während die andere fest umschlossen am Schubregler lag. Denn draußen existierte nur noch eine undurchdringliche grau-weiße Wand, die am Panoramafenster vorbeizog.
Doch das nahm Fireball nicht wahr, denn es gab nur noch ihn und Ramrod. Er verließ sich auf die Anzeigen, die Sensoren und die hochkomplexen Steuersysteme. Schließlich kannte er den Friedeswächter manchmal sogar besser als seine Westentasche und wusste, wie Ramrod reagierte. Es war kein blindes Vertrauen, sondern ein Zusammenspiel aus Feingefühl und Wissen. Fireball atmete ruhig und hielt den Kurs: „Noch drei Grad nach …“, murmelte er mehr zu sich selbst als zu den anderen und der Sidestick bewegte sich kaum merklich. Ramrod folgte kaum merklich diesem minimalen Befehl.
Saber beobachtete ihn einen Moment lang. Instrumentenanflüge und schwierige Landungen waren für Fireball nichts Ungewöhnliches. Doch diesmal war es anders. Er flog nicht einfach irgendeinen Einsatz, er flog nach Hause.
Nach der Landung verblieben die vier noch an Bord des Friedenswächters, da der Schneesturm weiterhin anhielt. So hatten sie Zeit, die letzten Vorbereitungen an den Systemen vorzunehmen, bevor sich das Technikteam in den nächsten Tagen darum kümmern würde. April spürte eine innere Aufregung und hoffte, dass Ramrod durch die neue Technologie keine Einbußen hinnehmen musste.
Saber war gemeinsam mit Fireball dabei, alles für die Übergabe vorzubereiten. Auch wenn sie bei den entscheidenden Arbeiten das letzte Wort behalten würden, musste Ramrod für die Dauer der Aufrüstung offiziell an das japanische Technikerteam übergeben werden. Nach etwa dreißig Minuten erhob sich der Schotte aus seiner Satteleinheit: „Ich bin gleich zurück.“ teilte er mit, Fireball sah darauf nur kurz auf und nickte stumm.

Saber machte sich auf den Weg zu seinem Quartier, um sich seine Captain-Uniform anzulegen. Schließlich waren sie offiziell hier, und unabhängig davon, wer sie empfangen würde, verlangte der Codex, dass er einem offiziellen Vertreter in entsprechender Uniform entgegentrat.
Colt betrat die Brücke, in seinen Händen hielt er zwei Tassen dampfenden Kaffee. Eine davon reichte er April, die vollkommen auf ihre Systeme fokussiert war und die Tasse, ohne aufzublicken, aber mit einem dankbaren Nicken entgegennahm. Die andere stellte er seinem Hombre direkt vor die Nase. Fireball saß zwar in seinem Cockpit, blickte jedoch nur auf dem Monitor der die Wetterlage grafisch darstellte, und beobachtete stumm wie die Sturmfront über sie hinweg fegte.

„Na, bereitest du dich schon auf den nächsten Sturm vor?“, holte Colt ihn aus seinen festgefahrenen Gedanken. Fireball blinzelte zweimal und der wohlige Kaffee Duft stieg ihm in die Nase. Er sah zum Cowboy und ein knappes, ertappt wirkendes Lächeln huschte über seine Lippen, als er dankend die Tasse entgegennahm und sich leicht zurücklehnte und Colt ließ die kleine Stille vergehen, bevor er schließlich wissentlich nickte: „Sie wissen nicht, dass du kommst“, sagte er. Fireball nahm noch einen Schluck vom Kaffee, nickte kaum merklich, ehe er die Tasse wieder vor sich abstellte: „Nein.“ antwortete er kurz. Colt musterte ihn von der Seite: „Und du hast auch keine Ahnung, was dich dort erwartet.“ kam es treffsicher, wie immer.
Fireball schüttelte langsam mit seinen Kopf: „Nicht wirklich, aber allein die Tatsache, dass Morel erwartet wird … reicht mir.“ öffnete er sich und Colt verstand. Natürlich waren Familienangelegenheiten, sobald sie mit dem Dienst kollidierten, schwer auszuhalten. Wahrscheinlich war das auch der Grund, weshalb Fireball seit ihrer Abreise kaum ein Wort darüber verloren hatte. Er hatte sich um die Organisation vor Ort kümmern und gleichzeitig einen klaren Kopf zum Fliegen behalten müssen. Panik oder übermäßige Sorge hätten ihn nur unkonzentriert gemacht. Doch nun schien das, was er die ganze Zeit verdrängt hatte, langsam an die Oberfläche zu kommen. Doch leider saßen sie wegen des Sturms noch immer auf Ramrod fest. Colt hockte sich neben die Satteleinheit, dabei warf er einen schnellen Blick auf den Satellitenbildschirm in Fireballs Satteleinheit. Wo die einst so dichte Schneefront inzwischen deutliche Lücken aufwies.
Fireball fuhr sich kurz mit einer Hand übers Gesicht: „Ich weiß gar nicht, was ich da groß machen soll …“, begann er schließlich: „Versteh mich nicht falsch, ich mache mir natürlich Sorgen, aber …“ stoppte er und blickte wieder auf das Satellitenbild vor sich. Colt nickte langsam, er kannte seinen Hombre gut genug, um zu wissen, dass hinter diesen wenigen Worten wesentlich mehr steckte: „Da gibt es nur eine Möglichkeit, finde es heraus“, sagte er ruhig: „Und keinen Stress, eins nach dem anderen! Denn weißt du, Hombre … ich bin mir Sicher, du wirst schon wissen, was du dort tun kannst, sobald du angekommen bist.“
Fireball atmete tief ein und sah Colt fragend an. „Du bist Sohn und das allein macht dich in deiner Familie wichtig.“ Fireball schwieg. Colt legte den Kopf leicht schief: „Vielleicht braucht dein Vater dich gerade mehr, als du denkst. Und deine Mutter ganz sicher.“ Er machte eine kurze Pause. „Du musst nicht alles lösen, du musst einfach manchmal nur da sein.“ Fireball senkte darauf seinen Blick.
„Und wenn du dort erstmal nur zuhörst, denn lass dir das von einem alten Scout gesagt sein: Das Wichtigste ist erstmal die Lage zu checken, dann weißt du auch, was du zu tun hast“, fügte Colt noch hinzu. Fireball atmete darauf langsam aus: „Man, du klingst plötzlich ziemlich vernünftig“, konnte er sich nicht verkneifen. Colt grinste: „Genieß es. Kommt nicht oft vor.“ und beide lachten kurz auf.
„Aber so geht es mir gerade auch mit dir. Vor nicht allzu langer Zeit wärst du jetzt vollkommen aufgeregt gewesen und hättest versucht, zehn Schritte gleichzeitig zu machen.“ Fireball hob überrascht eine Augenbraue. Colt nickte: „Heute sitzt du hier, analysierst die Lage und wartest erstmal ab“, fuhr Colt weiter fort: „Das ist schon ein Unterschied, ein ungewohnter, aber besserer!“ Fireball sah kurz auf seine Tasse und musste leicht lächeln: „Tja, vielleicht hab ich ja tatsächlich was gelernt.“ Colt grinste… und Fireball sah ihn an und ein kleines, dankbares Lächeln erschien auf seinem Gesicht. Colt lehnte sich zurück: „Und jetzt trinkst du deinen Kaffee, das ist ein Befehl.“ Fireball schnaubte leise: „Seit wann bist du mein Vorgesetzter?“ – „Ich bin dein Sergeant“, erinnerte Colt mit einem noch breiteren Grinsen.
Absatz #2
Zwei Stunden später kam endlich die ersehnte Nachricht, dass Saber, Colt, April und Fireball den Friedenswächter verlassen konnten. Gemeinsam betraten sie das Hauptquartier, wo sie bereits von jemand bekanntes erwartet wurden.
“Sie hätte ich eigentlich nicht hier erwartet.” gestand der Schotte nach dem Salut. Takjo erwiderte die Worte mit einem knappen Nicken. Saber schüttelte amüsiert den Kopf und sah zu seinem Piloten: „Er war also dein Ass im Ärmel.“ Fireball grinste: „Ich dachte mir, ein bisschen Heimvorteil kann nicht schaden.“ Takjo und zwei weitere Offiziere führten die vier in der Base herum. Und als der Schneesturm nachließ, landete auch der private Space Jet von König Jarred mit Dr. Morel an Bord.
„Du bist der First Grad, ich habe dich nicht dazu erzogen, dich von persönlichen Dingen aus der Pflicht bringen zu lassen“, sprach sein Vater mit seiner zwar ruhigen, aber unmissverständlichen Autorität auf ihn ein, denn schließlich war er es gewohnt, dass seine Worte nicht hinterfragt wurden. Bei Shinjiro kamen die Worte jedoch nur in einzelnen Fetzen an. Vieles von dem, was gesagt wurde, drang kaum zu ihm durch und doch waren die Worte laut, so laut dass sie in seinem Kopf zu explodieren schienen.
Royu, der etwas abseits aber immer noch zwischen den beiden saß, spürte die Anspannung und machte zu seinem Vater eine zurückhaltende Geste, schließlich waren Vorwürfe gerade das Letzte, was Shinjiro gebrauchen konnte. Doch weiter einzugreifen, wagte auch er sich nicht, doch alles in ihm spannte sich, weil er erkannte, dass diese Situation aus dem Ruder laufen konnte und schaute zu seinem Bruder.
Shinjiro saß seinem Vater gegenüber, doch von dem sonst so kontrollierten und aufmerksamen Mann war kaum noch etwas zu erkennen. Seine Schultern waren angespannt doch sein Blick ging ins Leere, als würde er seinen Vater zwar ansehen, ihn aber gleichzeitig überhaupt nicht wahrnehmen. Immer wieder blinzelte er, als müsste er sich mühsam immer wieder in den Raum zurückholen. Royu bemerkte das leichte Zittern, Shinjiros Atem war flach und zwischendurch hielt er ihn unbewusst für einige Sekunden an. Sein Gesicht wirkte blass, Royu kannte diese Anzeichen nur zu gut, das System seines Bruders war überlastet und war kurz davor, zusammenzubrechen, da half kein zu zusammenreißen, oder noch so strenger Kodex. Hier ging es gerade ums mentale Überleben, Kampf oder Flucht. Er kannte Shinjiro als jemanden, der selbst unter größtem Druck ruhig blieb. Als jemanden, der Entscheidungen traf, während andere noch darüber nachdachten. Doch jetzt saß sein Bruder vor ihm und schien mit jedem weiteren Wort ihres Vaters ein Stück weiter in sich selbst zurückzuweichen. Etwas, das Royu bei Shinjiro tatsächlich noch nie gesehen hatte.

Shinjiros Blick blieb leer auf einen Punkt gerichtet, in ihm bebte es, während sein Kopf und seine Ohren zu dröhnen begannen, als würde er jeden Moment explodieren. Alles um ihn herum schien sich spürbar wie ein Sog zu entfernen. Ein dichter kalter Nebel hüllte sich um ihn. Die Stimme seines Vaters war noch da, aber sie klang weit entfernt, verzerrt und kaum verständlich. Immer wieder kamen die Bilder in ihm hoch, nicht eines nach dem anderen, sondern gefühlt alle gleichzeitig. Grelles, kaltes Licht schien auf ihm und er hielt reflexartig eine Hand vor seinen zusammengekniffenen Augen, er hörte, wie sich eine Tür langsam aufschob. Dunkelheit dahinter erdrückte ihn als sich die Wände auf ihn zubewegten udn drohten zu zerquetschen. Shinjiro presste seine Finger fester gegen seinen Oberschenkel. Sein Atem stockte und ein weiteres Bild schob sich dazwischen. Ein schneidender Schmerz. Eine Stimme, die ihn anschrie. Dann war wieder alles verschwunden, nur der Nebel blieb und er befand sich wieder im Raum, sein Vater saß vor ihm und redete, doch er hörte ihn nicht, er musterte ihn, und ihre Blicke trafen sich. Sein Kopf pochte inzwischen so stark, dass jeder neue Erinnerungsfetzen wie ein Schlag durch seinen Schädel fuhr. Er wusste nicht, welches Bild zuerst gekommen war, um was es gerade ging und welches ihn danach erwartete. Nichts ergab einen Zusammenhang oder einen Haltepunkt, langsam hatte er das Gefühl, seinen Verstand zu verlieren. Er wollte die Augen schließen, doch sobald er es versuchte, war die Tür wieder da, das grelle Licht, das in seinen Augen und Kopf brannte. Und irgendwo aus der Tiefe seiner Erinnerung hörte er eine Kinderstimme. Es war seine eigene. Shinjiro riss seine Augen wieder auf, doch die Wirklichkeit fühlte sich nicht real an. Er saß seinem Vater gegenüber, Royu erkannte er schemenhaft, doch zwischen ihnen schien eine unsichtbare, dicke Glasscheibe zu liegen, durch die er nicht durchdringen konnte.
Dr. Morel betrat gemeinsam mit Fireball das Haus. Hitomi war überrascht, dass ihr Sohn ebenfalls hier auftauchte, doch bereits im nächsten Moment empfand sie es als richtig. Vielleicht war genau das jetzt wichtig, dachte sie. Gemeinsam gingen sie nach oben und blieben einen Moment vor der halb geöffneten Tür zum Schlafzimmer stehen, aus dem die ruhige, aber sehr bestimmende Stimme des Großvaters hallte. Fireball hob seine Augenbrauen, als er die Worte hörte, die Situation behagte ihm überhaupt nicht, was genau war hier geschehen? Er musste sich schnell einen Überblick verschaffen. Morel wartete noch einen Augenblick, nahm noch etwas aus seiner Tasche, bevor er sich entschloss, den Raum zu betreten. Fireball sah ihm nach und dann zu seiner Mutter.
Royu, sah zur Tür und atmete erleichtert aus, als der Doctor langsam den Raum betrat und die Situation beobachtete. Shinjiro, so schien es, bekam davon nichts mit, er sah weiterhin Richtung seines Vaters, während dieser den Arzt ignorierte und einfach weiter sprach. „Ein First Grad kann sich keine Schwäche leisten!“ – „Deine Aufgabe ist es, zu funktionieren.“ Bei diesen Worten veränderte sich etwas in Shinjiros Blick, doch Royu sah es und er veränderte langsam seine Haltung. Morel hockte sich neben Royu und holte aus seiner Tasche einen kleinen roten Med-Pen und legte ihn unauffällig in Royus Hand. Royu sah kurz zu Morel, er verstand und ließ den Pen in seiner Handfläche verschwinden. Dann richtete er seinen Blick wieder auf Shinjiro, denn ihm war klar geworden, dass sein Bruder die Worte ihres Vaters nicht einfach nur hörte, er spürte sie.
Absatz #3
Im Flur vor dem Schlafzimmer stand Fireball gemeinsam mit seiner Mutter. Durch die nur halb geschlossene Tür drangen die gedämpften Stimmen zu ihnen hinaus, jedes einzelne Wort war zu verstehen. Fireball fühlte sich hin- und hergerissen, einerseits wollte er in den Raum zu seinem Vater gehen, um zu erfahren, was los sei. Doch andererseits stand seine Mutter direkt vor ihm, er sah ihr an, dass sie versuchte, ruhig zu bleiben. Doch die Sorge hatte sich längst über sie gelegt. Sie wollte stark sein und die Situation unter Kontrolle haben. Doch Fireball kannte sie gut genug, um zu sehen, dass ihre Kraft langsam nachließ. Ihre Hände waren ineinander verschränkt, und obwohl sie ruhig war, verriet ihr Blick, wie sehr sie das Gespräch im Inneren traf.
Fireball sah kurz zur Tür und dann wieder zu ihr. Für einen Moment wusste er nicht, was er tun sollte. Als Sohn sollte er zu seinem Vater gehen, als Sohn wollte er aber auch bei seiner Mutter bleiben. Dann drang die Stimme seines Großvaters erneut durch die Tür: „Ich habe dir nie beigebracht, dich von deinen Gefühlen beherrschen zu lassen, Shinjiro.“ Fireball hielt unwillkürlich seinen Atem an und ihm fielen Colts Worte wieder ein, wenn er nicht wüsste was zu tun sei, würde er es spüren. Neben ihm senkte seine Mutter ihren Blick, es war nur eine kleine Bewegung, doch sie genügte ihm und er nahm sie in seine Arme.
Royu richtete sich etwas auf, um die Situation zu entschärfen: „Vater …“, begann er, doch der ältere Mann hob nur leicht seine Hand und brachte ihn damit zum Schweigen. Royu atmete tief ein und beobachtete weiter angespannt jede noch so kleine Veränderung seines Bruders, er wusste nicht, wie lange Shinjiro diese Ruhe noch aufrechterhalten konnte.
Dr. Morel verstand zwar kein Wort von dem Gespräch, doch die Körperhaltungen und Stimmlagen waren eindeutig und ließen keinen Zweifel daran, dass hier die Erwartungen des Vaters und Shinjiros derzeitiger Zustand unvereinbar aufeinanderprallten.
Shinjiro sagte nichts, er erweckte sogar den Eindruck, als würde er den Worten seines Vaters desinteressiert zuhören und genau das versetzte Morel in Alarmbereitschaft. Denn Shinjiros Augen waren fest auf seinen Vater fixiert. Hin und wieder wechselte sein Blick in eine erschreckende Gleichgültigkeit, die so gar nicht zu seiner sonst so kontrollierten Persönlichkeit passte.
Doch in dieser Millisekunde ging Shinjiro auf seinen Vater los. Royu reagierte sofort und sprang nach vorn und stieß dabei Morel an, der ebenfalls direkt aufsprang.
Fireball vor der Tür hatte die Bewegung bereits aus dem Augenwinkel gesehen, abrupt ließ er seine Mutter los.
„Shinjiro!“, kam es angestrengt von Royu, er wollte ihm nicht wehtun, doch er hatte keine andere Wahl, gekonnt bekam er seinen Bruder zu fassen und zog ihn mit sich. Hitomi hielt sich erschrocken eine Hand vor den Mund. Alles geschah so schnell, so als würde alles gleichzeitig passieren.
Der Großvater wurde von der Wucht des Angriffs nach hinten gerissen und stürzte aus seiner knienden Sitzhaltung unsanft rückwärts zu Boden. Auch Morel reagierte sofort und war bereits bei Royu, und versuchte erneut, Shinjiro davon abzuhalten, auf seinen Vater loszugehen. Gemeinsam schafften sie es, ihn fest zu Boden zu drücken und seine Hände hinter seinem Rücken festzuhalten. Royu öffnete die Kappe des Med-Pens mit den Zähnen und stieß die Spitze fest in Shinjiros Oberschenkel. Shinjiro schrie vor Schmerz auf und kam durch den brennenden Schmerz für einen Augenblick aus dem Nebel des Flashbacks, der ihn seit fast zwei Stunden festhielt.
Fireball verschaffte sich hastig einen Überblick. Royu und Dr. Morel kümmerten sich um seinen Vater. Und auf dem Boden lag sein Großvater, der ebenfalls von der Situation überrascht war und die Szene stumm beobachtete. Fireball zögerte keine Sekunde länger und kniete sich neben seinen Großvater und griff nach seinem Arm. „Ist alles In Ordnung?“ fragte er und sah ihn prüfend an, suchte nach Anzeichen dafür, ob er sich verletzt hatte, und half ihm dann dabei, sich aufzurichten.
Shinjiro beruhigte sich etwas und blickte auf, sein Blick fiel auf seinen Sohn, der sich um seinen Großvater kümmerte. Doch weiter denken konnte er nicht, alles wurde schwer und eine ruhige Dunkelheit umarmte ihn. „Das reicht!“, sagte Morel bestimmend und gab Royu damit zu verstehen, den Med-Pen zu entfernen. Royu reagierte schnell, die Spannung aus Shinjiros Körper wich, und seine Muskulatur entspannte sich. Morel und Royu drehten ihn vorsichtig auf die Seite, wo Morel sofort mit der Erstversorgung begann. Seine Sorge war, dass zu viel Beruhigungsmittel in Shinjiros Organismus gelangt sein könnte.
„Bringen Sie ihn zur Vernunft!“, forderte der Großvater. Royu und auch Morel sahen auf. Fireball wandte den Blick von seinem Großvater zu seinem Vater und begriff erst jetzt, was gerade geschehen war. Doch was genau war geschehen? Die kalten Fakten ergaben kein schönes Bild. Sein Vater war auf seinen eigenen Vater losgegangen. Und nun lag er bewusstlos auf dem Boden.
Absatz #4
Takjo führte Saber, Colt und April durch die Basis, den Hauptbereich hatten sie bereits verlassen und gingen nun durch einen breiten, hell beleuchteten Korridor. Hinter den großen Glasflächen waren immer wieder Techniker und Soldaten zu sehen.
„Die technischen Teams haben für die nächsten Tage bereits einen Zeitplan vorbereitet, diese werden die Arbeiten an Ramrod so koordinieren, dass sie möglichst wenig Einschränkungen im Betrieb haben.“ teilte Takjo Saber mit, der Schotte nickte, und war etwas erleichtert, dass Ramrod einsatzbereit blieb. Und ließ darauf seinen Blick durch den Korridor schweifen: „Das klingt gut. Wie lange rechnen Sie ungefähr für die Arbeiten?“ Takjo scrollte auf seinem Tablet: „Ich hatte noch nicht genügend Zeit alle Informationen so kurzfristig zusammenzufügen, doch wenn alles nach Plan läuft, vier bis zehn Tage. Vielleicht etwas länger, falls bei den neuen Systemen noch Anpassungen notwendig werden.“ Colt grinste: „Also mindestens plus fünf.“ Takjo musste leicht lachen: „Wahrscheinlich.“ April schüttelte leicht den Kopf: „Und ich dachte, nur wir hätten diese Angewohnheit, aus drei Tagen eine Woche zu machen.“
Saber war längst aufgefallen, dass Takjo ungewöhnlich unvorbereitet wirkte: „Ich hoffe mein Pilot hat sie nicht aus ihrem Urlaub gerissen.” fiel er direkt mit der Tür ins Haus.“ Takjo sah darauf kurz zum Schotten neben sich: „Meine Frau und ich hatten in den vergangenen Tagen einiges um die Ohren, momentan ist alles ein wenig anders.“ umschrieb Takjo seine kleinen Unaufmerksamkeiten, die wohl doch aufgefallen waren. Saber dachte einen Moment über diesen gut verschachtelten Satz nach. Colt grinste bereits und Saber rollte innerlich leicht mit seinen Augen, hatte Fireball doch tatsächlich einen frisch gebackenen Vater aus seinem Urlaub gerissen, und blieb stehen: „Herzlichen Glückwunsch.“ und auch April lächelte sofort: „Oh, das sind wunderbare Nachrichten.“ Colt gratulierte Takjo ebenfalls: „Willkommen im Club der Männer, die nachts wegen eines ca. drei Kilo Menschen nicht mehr schlafen können.“ Takjo lachte leicht: „So ungefähr.“ „Junge oder Mädchen?“, fragte April etwas übermütig und hoffte, im nächsten Moment nicht zu direkt gewesen zu sein. Takjo lächelte: „Ein Mädchen.“ sagte er und sein Gesicht veränderte sich, als er es ihr mitteilte. Der stolze Ausdruck war nicht zu übersehen und für April schon gar nicht mehr dank Saber und Colt unbekannt. Dann setzte sich die kleine Gruppe wieder in Bewegung.
Fireball sah seinem Onkel und seinem Großvater nach, er versuchte immer noch zu begreifen, was hier gerade geschehen war, denn alle außer ihm scheinen zu wissen was los ist. Er spürte, wie sich etwas in seiner Brust zusammenzog, warum sein Vater, der immer so kontrolliert in seinen Handlungen war, plötzlich so die Kontrolle verloren hatte. Doch je länger er darüber nachdachte, desto weniger ergab es einen Sinn. Seine Mutter eilte an ihm vorbei ins Schlafzimmer. “Shinjiro!” Ihre Stimme war leise, aber voller Sorge und half Dr. Morel.
Fireball war hin und her gerissen und entschied, nach unten zu seinen Onkel und Großvater zu gehen. Seit seiner Ankunft fühlte er sich nicht wie ein Pilot, nicht wie ein Offizier, nein, er fühlte sich einfach wie ein Sohn, der gerade gesehen hatte, wie sein Vater zerbrochen war.
Royu begleitete seinen Vater die Treppe hinunter, erst als sie den Genkan erreicht hatten, blieben sie stehen: „Vater …“ Der ältere Mann hielt in seiner Bewegung inne und drehte sich schließlich zu Royu um. Royu zögerte kurz, schließlich wusste er, dass jedes weitere Wort schwierig werden würde: „Shinjiro geht es nicht gut.“ begann er. Sein Vater schwieg und wartete ab, was da jetzt von seinem Sohn kommen würde: „Vielleicht solltest du zumindest einmal darüber nachdenken, was gerade mit ihm passiert.“ sprach Royu ruhig, der Blick des Vaters blieb jedoch weiter kühl und sprach: „Ich habe sehr wohl gesehen, was passiert ist.“ Royu nickte: „Dann verstehst du doch, dass er nicht einfach nur die Kontrolle verloren hat.“ begann Royu zu erklären.
„Und was soll ich deiner Meinung nach tun?“, fragte der ältere ruhig. „Ihn etwa bemitleiden?“ Royu atmete tief durch: „Nein, aber vielleicht solltest du ihm zuhören.“ Da erschien ein kaum merkliches Lächeln auf dem Gesicht des Großvaters: „Zuhören?“ fragte er und schüttelte langsam mit seinem Kopf: „Royu, du verwechselst Mitgefühl mit Verantwortung.“ Royu sah seinen Vater fassungslos an. „Er ist nicht nur der First Grad, er ist in erster Linie dein Sohn.“ versuchte es Royu erneut. „Und genau deshalb hätte er es besser wissen müssen.“ war die kalte Antwort seines Vaters. Die Worte trafen Royu sichtbar, er wollte etwas erwidern, doch sein Vater kam ihm zuvor: „Ich habe einen Sohn großgezogen, auf den sich eine ganze Generation verlassen sollte. Nicht einen Sohn, den seine Familie vor sich selbst beschützen muss.“ Royu schluckte. Und oben auf der Treppe hielt Fireball, nach den gehörten Worten seines Großvaters, inne, gleichzeitig fühlte sich jede Bewegung schwer an, als er tatsächlich begriff, wie wenig sein Großvater seinen Vater als verletzlichen Menschen sah.

In Fireball drehte sich innerlich alles um, schließlich hatte er seinen Großvater immer als einen unerschütterlichen Mann gesehen, zu dem man aufblickte und dessen Urteil Gewicht hatte. Doch jetzt begriff er etwas, das ihn tief traf. Sein Großvater sah in seinem Vater offenbar nur den First Grad, nicht den Mann oder gar den Sohn, der gerade am Boden lag. Und schon gar nicht den Menschen, der hinter all dem verborgen war. Fireball senkte langsam seinen Blick und er fragte sich, wie lange sein Vater schon versucht hatte, genau das vor allen anderen zu verbergen, vielleicht sogar vor sich selbst.

„Du bist nicht so ganz unschuldig daran.“ sprach es Royu nun klar aus. Fireball erwachte aus seiner Starre und stieg langsam die letzten drei Stufen hinab. Der ältere Mann hob darauf langsam seinen Blick und sah seinem jüngeren Sohn fest in die Augen. Royu schluckte, aber seine Stimme blieb ruhig, doch die Anspannung darin war deutlich zu hören: „Du hast ihn zu dem gemacht, was er heute ist.“ – „Royu!“ Doch Royu sah seinen Vater weiter fest an. „Shinjiro ist kein Kind mehr, es ist nicht meine Aufgabe, ihm die Realität angenehmer zu machen.“ Royu atmete tief ein: „Vielleicht ist genau das dein Problem.“ und für einen Moment herrschte Stille. Der Großvater hob langsam den Blick und bemerkte nun Fireball auf der Treppe und sein Ausdruck veränderte sich kaum: „Shinji!“ Fireball sagte nichts, doch der ältere Mann deutete mit einer ruhigen Bewegung Richtung Tür: „Komm, wir gehen.” Fireball sah zu Royu, der ihm zu nickte.
Absatz #5
Der Großvater fuhr auf die schmale Einfahrt. So langsam, aber sicher, glaubte Fireball, sich in einem schlechten Traum zu befinden, einem Traum, in dem ihm seine Familie nach und nach Dinge zeigte, die er entweder all die Jahre übersehen hatte oder die man bewusst vor ihm verborgen hatte. Vor dem Haus seiner Großeltern stand das Auto seines Vaters, also musste er hier gewesen sein. Doch warum stand sein Wagen dann noch vor dem Haus?
Das war die nächste Frage, die sich zu den vielen anderen Fragen gesellte.
Hitomi deckte Shinjiro vorsichtig mit der Decke zu, er lag auf dem Futon, sein Atem ging ruhig und gleichmäßig. Dr. Morel, der auf der anderen Seite des Futons war, schloss ihn an einen kleinen digitalen Vitalmonitor an. Das Gerät begann sofort, Shinjiros Herzfrequenz und Sauerstoffsättigung zu erfassen. Auf dem Display erschienen die Werte, begleitet von einem leisen, regelmäßigen Signalton. “Nur zur Sicherheit..“erklärte er. Hitomi sah auf Shinjiro, der entspannt, ja fast friedvoll schlief, noch immer konnte sie kaum begreifen, was geschehen war.
„Er wird voraussichtlich etwa zwei Stunden schlafen“, sagte Morel schließlich leise. Sie nickte nur. Der Arzt beobachtete sie einen Moment, seit dem Vorfall hatte sie kaum gesprochen und schien selbst nicht zu wissen, wohin mit ihren Gedanken: „Vielleicht sollten Sie sich auch etwas hinlegen“, schlug er vorsichtig vor. Hitomi hob zum ersten Mal seit sie Shinjiro versorgt hatten ihren Blick und wollte etwas sagen, doch in diesem Moment öffnete sich die Tür und Royu betrat das Schlafzimmer.
Die Haustür glitt zur Seite, und Fireball und sein Großvater traten gemeinsam schweigend in den Genkan, wo sie sich wortlos ihre Schuhe und Jacken auszogen.
„Was soll er hier?“, fragte plötzlich eine unbekannte, harsche Stimme. Fireball drehte sich Erschrocken zur Stimme um und erstarrte innerlich, es war seine Großmutter, die nur wenige Schritte entfernt vor ihm stand und ihn an sah. Es war nicht nur ihre Stimme, die ihn verunsicherte, es war vor allem der Blick, den sie ihm zuwarf. Einen solchen Ausdruck hatte er in ihrem Gesicht noch nie gesehen. Kälte. Ablehnung. Fast so, als wäre seine Anwesenheit hier etwas, das sie störte und er wusste nicht, was er sagen sollte.

“Lass den Jungen in Ruhe…” brummte sein Großvater und zeigte Fireball an, mit nach oben zu kommen. Fireball sah noch einmal zu seiner Großmutter, auch wenn ihre Worte hart gewesen waren, wollte er sich vergewissern, dass mit ihr alles in Ordnung war, doch ihr Blick blieb ernst. Kein Lächeln, keine Wärme, nur diese unerwartete Kälte, die er nicht einordnen konnte.
Dr. Morel, Royu und Hitomi saßen im Wohnzimmer, während Hitomi ihnen erzählte, was in den letzten zwei Tagen geschehen war. „…er sprach von einer Yukino-san und davon, dass die Briefe von ihr waren. Es war jedenfalls alles sehr viel und auch ziemlich verwirrend“, beendete sie ihre Erzählung. Morel dachte darauf angestrengt nach, doch er konnte sich nicht daran erinnern, dass Shinjiro jemals irgendwo diesen Namen erwähnt hatte. Schließlich griff er nach seinem Tablet und begann, in seinen Aufzeichnungen zu suchen. Dabei breitete sich eine nachdenkliche Stille über die drei aus.
Hitomi stand schließlich auf, um den vorher angesetzten Tee zu holen. Royu ließ währenddessen noch einmal alles Revue passieren, was er in den vergangenen Stunden gehört und gesehen hatte: „Yukino Hayakawa?“, fragte er plötzlich in die Stille. Dr. Morel sah von seinen Aufzeichnungen auf. Hitomi hielt für einen Moment inne, stellte das Tablett auf dem Tisch ab und sah Royu an: „Ich glaube, ja!“, sagte sie und setzte sich wieder.

„Wer ist das?“, wollte Morel wissen. Royu veränderte seine Sitzposition und rieb sich kurz über seine Stirn, bevor er schließlich zu sprechen begann.

„Sie ist, man würde sagen, die ‚Geliebte‘ meines Vaters“, begann Royu schließlich: „Aber das beschreibt es nur ziemlich oberflächlich.“ Dr. Morel hob interesiert eine Augenbraue und sah Royu nach diesen Worten aufmerksam an: „Erklären Sie es mir.“ Royu senkte kurz seinen Blick und atmete ein: „Er ist ihr Danna.“ “Was?” kam es von Hitomi und sie musste sich setzen. Royu nickte ihr zu und sah wieder zu Morel: „Im Grunde bedeutet das, dass sie eine feste Beziehung mit Verpflichtungen haben. Nicht einfach nur eine Affäre. In der japanischen Gesellschaft kann ein Danna ein Mann sein, der eine Frau dauerhaft unterstützt und für sie Verantwortung übernimmt. Die Beziehung muss dabei nicht unbedingt einer offiziellen Ehe entsprechen. Doch dieses „Konstrukt“ ist heute eher selten, früher, als viele Ehen noch arrangiert waren, war es mehr verbreitet:“ Morel nickte langsam. „Es ist eine Beziehung, die nach außen nicht unbedingt als Ehe bezeichnet wird, innerhalb des privaten Lebens aber sehr viel weiter gehen kann. Yukino-san ist deshalb nicht einfach irgendeine Frau, mit der mein Vater eine Affäre hatte.“ und er machte eine kurze Pause: „Sie gehört seit ich denken kann zu seinem Leben.“

Hitomi dachte stumm über das Gesagte nach, tatsächlich hatte sie davon nichts gewusst. Morel legte sein Tablet langsam zur Seite. „Doch was hat sie mit Shinjiro zu tun?“ durchbrach Hitomi die entstandene Stille. Royu schwieg einen Moment: „Genau das ist die Frage, die ich mir gerade stelle.“ sprach er und stand auf: “Das werde ich jetzt herausfinden…” sprach er und verließ das Haus. Dr. Morel und Hitomi sahen sich an. Hitomi senkte ihren Blick und griff nach der Teekanne und goss dem Doctor eine Tasse ein. Morel begann derweil, auf seinem Tablet eilig etwas aufzurufen, zu lesen und zu scrollen.

Absatz #6
„Kannst du mir bitte sagen, was hier los ist?“, fragte Fireball, als er seinen Großvater dabei beobachtete, wie dieser in seinem Büro etwas zusammen suchte. Doch er bekam keine Antwort, stattdessen schaute der Ältere seinen Enkel mit ernsten Blick an, atmete tief ein und nickte schließlich: „Antworten findest du hier.“ und stellte Fireball eine Kiste auf dem Tisch.
Fireball sah auf die Kiste, dann wieder zu seinem Großvater. Für einen Moment sagte er nichts, so perplex war er, doch das schien gerade sein allgemeiner Zustand zu sein: „Hier?“ fragte er und zeigte auf die Kiste. Sein Großvater nickte nur. Fireball sah erneut auf die unscheinbare Kiste, die zwischen ihm und seinem Großvater stand. Etwas in ihm sträubte sich, sie überhaupt zu öffnen. Doch dann preschte es aus ihm heraus: „Mein Vater bewusstlos zuhause auf dem Futon, meine Mutter ist verzweifelt, mein Onkel spricht mit dir, als würde er dir die Schuld an allem geben, und zu guter letzt sieht mich meine Großmutter an, als wäre ich ein Fremder. Und du stellst mir eine Kiste auf den Tisch und sagst mir, dass darin die Antworten liegen?“ Der Großvater blieb ruhig. “Ich bin nicht deine Großmutter Shinji!” kam es von der Tür, abrupt drehte sich Fireball der festen Stimme seiner Großmutter, oder offenbar doch nicht zu und in seinem Gesicht blickten noch mehr Fragezeichen auf, die man jetzt wohl auch sehen konnte. “Kaaori!” ging der Großvater dazwischen. Doch Fireball hörte kaum noch hin, er sah die Frau, die vor ihm stand, nur an, die tatsächlich jetzt wie eine Fremde wirkte, als die Frau, die er kannte: „Was …?“ flüsterte er …
„Du wirst sie finden.“ sagte sein Großvater und zeigte auf die Kiste, Fireball schüttelte ungläubig mit seinem Kopf und deutete auf die Kiste: „Ich will wissen, was mit meinem Vater passiert ist. Ich will wissen, was hier los ist. Und ich will es von dir hören, und zwar jetzt!“ forderte er. Doch der ältere Mann schwieg weiter und Fireball sah ihn fassungslos an, alles in ihm schien sich gerade in Luft aufzulösen: „Was soll ich damit anfangen? Sie aufmachen und hoffen, dass sie mir erklärt, warum mein Vater nicht mehr kann?“ – „Manche Antworten kann ich dir nicht geben.“ sagte der ältere, doch Fireball schüttelte nur mit seinem Kopf: „Oder du willst sie mir nicht geben.“ Es blieb still und Fireball sah wieder auf die Kiste, er merkte, dass er hier jetzt nicht weiter kam, widerwillig nahm er die Kiste an sich und verließ das Büro.
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