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6.989 Wörter, 37 Minuten Lesedauer.


Absatz #1

Fireball lief durch das Haus, er war für den Rest des Tages im Krankenstand und für den Rest der Woche von Colt als Sergeant in den Fronturlaub geschickt worden, was ihm überhaupt nicht passte! “Hey Hombre, heute 19 Uhr abendessen, es gibt Steak à la Robin!”, las er während er die Treppen hinunter stieg. Doch er mied gerade jede Kontaktaufnahme. Er benötigte gerade diese Ruhe, um die Sache zwischen Dienstverhältnis und Freundschaft zu trennen. Was ihm zu seiner Verwunderung doch ziemlich schwerfiel. Außerdem wollte er jetzt sauer sein! Und steckte das Com, ohne auf Colts Nachricht zu reagieren, wieder ein. Er öffnete die Tür zum Wohnzimmer, sein Vater saß gemütlich auf dem Sofa und las etwas auf dem Tablet. 


Robin stand in der Küche und ging die Post durch. Zwischen Werbung und Rechnungen befand sich unter den Einsendungen ein merkwürdiger Absender, der ihre Aufmerksamkeit erregte. Robin las sich tief einatmend das Schreiben der CPA (Children’s Protection Authority) von Yuma durch. Langsam legte sie den Brief vor sich auf die Kücheninsel, doch noch bevor sie sich das Schreiben durch ihren Kopf gehen lassen konnte, verlangte William nach seiner nächsten Mahlzeit. 


“Suchst du etwas?”, fragte Shinjiro, nachdem sein Sohn zum dritten Mal das Wohnzimmer ziellos betrat. Fireball hielt inne: “Nein!”, war seine knappe Antwort. Shinjiro sah auf und musterte seinen Sohn und winkelte ein Bein an und legte das Tablet darauf ab. “Was machst du?”, fragte Fireball darauf etwas unbeholfen. Shinjiro presste seine Lippen aufeinander, bevor er sprach: „Ich lese, oder zumindest versuche ich es“, antwortete er trocken. Fireball stieß hörbar die Luft aus und ging langsam zum Sofa. Mit einem tiefen Seufzer ließ er sich in die Polster fallen: „Ich bin im Fronturlaub …“, begann er schließlich, ohne erkennbaren Zusammenhang.

 “Ich weiß!” nickte ihm sein Vater zu. Fireball lehnte sich zurück, er wusste nicht, wo er anfangen sollte. “Und jetzt weißt du nichts mit dir anzufangen?”, fragte Shinjiro, der die Unruhe, die sein Sohn versprühte, langsam aber sicher ansteckte. 

Fireball verzog etwas sein Gesicht. „Ja … nein … doch.“ begann er und rutschte unruhig auf dem Sofa hin und her, bis er endlich die richtige Sitzposition gefunden hatte und trommelte mit den Fingern auf seinem Oberschenkel und schüttelte schließlich frustriert mit seinem Kopf. „Ich habe mich gestern sogar darauf gefreut, endlich mal frei zu haben. Und jetzt sitze ich hier …“ und er brach ab. „… und kann einfach nicht abschalten.“ gab er zu. Shinjiro nickte nur: „Willkommen im Leben eines Soldaten.“ Fireball sah zu seinem Vater: „Das geht wieder vorbei, oder?“ fragte er etwas besorgt. Shinjiro lehnte sich zurück: „Nicht von allein.“ Fireball runzelte seine Stirn.

„Du bist so lange im Alarmzustand gewesen, dass dein Kopf gar nicht mehr weiß, wie sich Ruhe anfühlt. Dein Körper ist zu Hause. Aber ein Teil von dir wartet immer noch im Oberkommando oder auf Ramrod darauf, dass gleich der nächste Alarm losgeht.“ Fireball senkte seinen Blick und nickte, denn genau so fühlte es sich an. Und zum ersten Mal seit Beginn seines Fronturlaubs hatte jemand in Worte gefasst, was in ihm vorging. 

„Du machst gerade den Fehler, den fast jeder Soldat am Anfang macht.“ Fireball hob den Blick: „Welchen?“ fragte er… Shinjiro lehnte sich etwas zurück: „Du glaubst, Urlaub bedeutet, plötzlich nichts mehr tun zu müssen.“ Fireball zuckte mit den Schultern: „Ist das nicht der Sinn davon?“ Shinjiro lachte leise etwas auf: „Nein.“ und schüttelte mit seinem Kopf: „Du musst nicht jeden freien Moment sinnvoll nutzen. Manchmal besteht der Sinn eines Fronturlaubs einfach darin, wieder zu lernen, ein ganz normaler Mensch zu sein.“ Fireball pustete seine Luft hörbar aus. „Und was soll ich stattdessen machen?“ sein Vater zuckte mit einer Schulter: „Gar nichts Besonderes. Tu einfach Dinge, die nichts mit Krieg zu tun haben. Zum Beispiel, Hilf deiner Mutter beim Einkaufen…“ schlug er vor und senkte dabei seinen Blick wieder aufs Tablet, als wäre das Thema damit erledigt. 

Fireball nickte und zog einen Moment später eine Augenbraue hoch. „… „Moment, du willst doch eigentlich nicht mit Mutter einkaufen, oder?“ durchschaute er das Spiel. Shinjiros Mundwinkel zuckte verräterisch: „Ich habe keine Ahnung, wie du auf so etwas kommst.“ sprach Shinjiro ruhig und blätterte auf dem Tablet weiter. Fireball grinste. „Ach nein?” – „Nein.“ wiederholte Shinjiro. Fireball verschränkte die Arme. „Du benutzt mich als Lastenträger?“ Jetzt hob Shinjiro langsam den Blick: „Das klingt so negativ.“ Fireball nickte. „Dann nenn es anders.“

Shinjiro lächelte kaum merklich: „Familieninterne Ressourcenplanung?“ Fireball stöhnte auf und rollte mit seinen Augen. Und Shinjiro sah wieder auf sein Tablet: „Aber wenn du schon Fronturlaub hast, kannst du auch lernen, wie gefährlich ein Samstagvormittag in einem Einkaufszentrum ist.“ Fireball grinste wissentlich, schließlich war er mit April schon einige Male um die Läden gezogen: „Stimmt, Sonderangebote sind gefährlicher als die Front.“ sagte er. „Oh ja“, bestätigte sein Vater.


“Du schickst mich in den Fronturlaub?”, fragte Daniel aufgebracht den Colt, der auf dem Weg zu seinem frühen Feierabend war. “Genieß ihn, vielleicht kommst du wieder runter, von deinem, was auch immer!”, erwiderte der Cowboy darauf. “Oh Nein, Colt!“, begann Daniel und ging dem Lockenkopf entschlossen nach. “Vergiss es, hier wäre ein Bericht von der Sache angebracht, aber Fronturlaub bedeutet, dass die Detroit naviegierunfähig ist!” Colt öffnete die Verbindungstür zum Parkhaus: “Spiel dich nicht so auf, ich weiß, dass die Detroit mehr als nur einen Navigator an Bord hat!” kam es darauf von Colt, er hatte jetzt keine Lust, seine doch schon sehr weitreichende Entscheidung zu erklären und schon gar nicht zu relativieren. 

“Ich habe nichts getan, was diese Konsequenz rechtfertigt, Sergeant Wilcox!”, ließ Daniel nicht locker! Colt blieb stehen und sah den braunhaarigen Navigator fest an. “Nichts getan? Shinji und du, ihr seid euch gestern im Hangar an die Gurgel gegangen, falls ich dich daran erinnern muss.” und musterte auf Daniels Nase, die noch immer leicht gerötet war: “Also nutze die Auszeit, um die Sache zu verarbeiten. Wir sind in einem intergalaktischen Krieg und das Letzte, was wir hier brauchen, ist, dass wir aufeinander losgehen!“, wurde der Cowboy ungewohnt deutlicher. Und öffnete, während er sprach, die Tür seines Pickups und stieg ein. 

“Das ist Bullshit! Und das weißt du!”, warf Daniel darauf ein. “Den einzigen Bullshit habt ihr beide verzapft!”, kam es von Colt. Daniel stemmte seine Hände in die Hüften. Colt atmete tief ein: “Was ist dein Problem? Shinji und du, ihr seid doch sonst gut klargekommen?”, lenkte Colt das Gespräch in eine andere Richtung und stieg wieder aus dem Wagen. 

“Er ist zu jung für das alles hier!”, begann Daniel: “Weißt du, wo man mit 18 normalerweise ist?”, fragte Daniel, Colt blickte zuhörend zum Navigator. „In einem Ausbildungscamp!”, beantwortete Daniel seine Frage und fuhr weiter fort: “Und er hat hier Narrenfreiheit. Steve war einer meiner besten Freunde, ja wir sind Offiziere, wir machen das, weil wir uns dazu verpflichtet fühlen, aber wenn einer sich selbst in Gefahr begibt, ist das eine Sache, aber wenn mehrere darunter den Kürzeren ziehen, eine ganz Andere!” 

Colt senkte seinen Kopf und verschränkte seine Arme vor seiner Brust. Stille entstand zwischen den Beiden: “Du gibst Shinji die Schuld?“, fragte der Lockenkopf jetzt leiser nach. Daniel schluckte und atmete tief ein. Der Cowboy lehnte sich an seinen Wagen: “Steve war schon tot!” Daniel zog seine Augenbrauen zusammen. Colt nickte. “Richard und ich haben gesehen, wie Steve in den Hangar getragen wurde und das war weit vor Shinjis bescheuerter Solonummer…”, berichtete Colt mit schwerem Herzen, als er Steve gerade wieder vor sich sah. 

Daniel schüttelte mit seinem Kopf und Colt stieß Daniel kräftig gegen seinen Oberarm. “Shinji kann nichts dafür! Und ja, er ist jung, aber wann hast du deine ersten so zugerichteten Toten gesehen?” fragte er Daniel direkt. “Und eines kann ich dir sagen: Shinji hielt viel von Steve, er hatte angefangen mit ihm zu trainieren und trauert um ihn genau wie wir alle. Es ist für uns alle ein Schock, aber es bringt nichts, dass wir anfangen uns hier gegenseitig fertig zu machen, das bringt Steve und die anderen auch nicht wieder zurück! Wir sollten jetzt füreinander da sein, alles andere trennt uns!” sprach Colt ruhig. Daniel blieb weiter ausdruckslos. 

“Also mach was draus!”, nickte Colt dem braunhaarigen zu und stieg wieder ins Auto. Daniel trat einen Schritt zurück und sah den dunkelroten Pickup nach.

Absatz #2

Mikan schlief auf der Fensterbank und streckte sich ausgiebig, als sie aufwachte. Und etwas erweckte sofort ihre Aufmerksamkeit. Und sie streckte ihre Pfötchen gegen die Scheibe und versuchte, die ersten dicken Regentropfen die an die Scheibe platschten einzufangen. 

Fireball und Shinjiro beobachten Mikan einen Augenblick, Fireball grinst. “Also passt dir Sergeant Wilcoxs Entscheidung nicht?”, holte ihn sein Vater wieder zurück. „Pffff….“ kam es von Fireball darauf und schüttelte mit dem Kopf: “Ich stelle es nicht in Frage, aber es kann jederzeit wieder ein Angriff kommen …”, versuchte er, seine Gedanken noch einmal zusammenzubringen. Shinjiro strich mit einem Finger über das Tablet: ”Aber du stellst Mr. Wilcox in Frage!“ half er seinem Sohn. 

Fireball fühlte sich etwas ertappt, mehr als einmal tief einatmen konnte er darauf nicht. Shinjiro verstand und nickte mehrere Male. “Nachdem, was ich über den Vorfall gelesen habe, hat Sergeant Wilcox sich als dein Vorgesetzter vor dich gestellt, aber ich vermute viel mehr als Freund.“ Fireball setzte sich in den Schneidersitz: „Hmm!“, raunte er vor sich. 

“First Lieutenant Daniel Louvelle ist ebenfalls in den Fronturlaub geschickt worden!”, informierte Shinjiro seinen Sohn. “Ahh…” nickte Fireball und sah seinen Vater an: “Wie hättest du entschieden?”, wollte er nun wissen: “Ich akzeptiere Sergeant Wilcox Entscheidung!“, war die Antwort seines Vaters. Fireball lehnte sich zurück. “Was ist? Möchtest du jetzt abwägen, welche Entscheidung besser wäre?”, fragte Shinjiro. Fireball rollte mit seinen Augen, er wusste selbst, dass es Schwachsinn war, doch in ihm herrschte das reinste Gefühlschaos. Shinjiro sah die Reaktion, ging aber nicht weiter darauf ein. “Mr. Wilcox war in seiner Position als Sergeant vor Ort, somit kann und muss er die Situation beurteilen, alles andere wäre nur ermessen gewesen. Und er hat sich nicht sofort entschieden, er ließ sich bedenkzeit, um euch beiden gerecht zu werden! Davon abgesehen ist ein Fronturlaub keine Suspendierung!“, erklärte Shinjiro rational. 

Fireball presste seine Lippen aufeinander, Colts Optionen in diesem Fall waren klar und in einem Rahmen vorgegeben und er hatte sich dazu entschieden, Daniel und ihn in diesem Fall zu beurlauben. “Mir fällt es nur gerade schwer einen Cut darunter zu machen!”, gab Fireball zu. 


Colt legte den Brief, nachdem er ihn gelesen hatte, vor sich auf den Tisch. “Was sagt Joshua dazu?”, fragte er Robin, die sich schon etwas beruhigt hatte, nachdem sie Colt, ganz aufgeregt von dem Brief erzählt hatte. Sie schüttelte mit ihrem Kopf: “Er ist seit heute auf Klassenfahrt im Norden von Yuma!”, kam es von Robin sehr leise, aber ihre Verzweiflung war herauszuhören. Colt, erinnerte sich, lehnte sich im Stuhl zurück und presste nachdenklich seine Lippen aufeinander und empfand es als gut, dass Joshua gerade nicht anwesend war, so hatten Robin und er die Möglichkeit, diese Nachricht erst einmal zu verdauen! 

Im Norden von Yuma war ein sehr beliebtes Skigebiet, wo es bereits vor Wochen schon kräftig geschneit hatte. “Debbi ist seine Mutter.” begann Colt. Robin unterbrach ihn und stand auf: “Mutter? Mutter? Sie hat sich in den letzten vier Jahren, ganze zweimal gemeldet und das auch nur, weil ich einige Unterlagen benötigte, gefragt, wie es uns geht, oder was wir machen, hat sie nicht! Und jetzt möchte sie bestimmen, wo Joshua zur Schule geht?” regte sich Robin auf und ihr stiegen wieder Tränen in die Augen. 

“Hey!” stand Colt auf und nahm Robin fest in seine Arme. “Warten wir erst einmal ab, kein Kaffee wird so heiß getrunken, wie er gekocht wurde.” und er musste grinsen, auf das KOK traf das in den letzten Wochen sogar zu. Er küsste ihre Stirn und spürte, wie verzweifelt und wütend seine Frau gerade war, er verstand das plötzliche Interesse seitens Debbi ja auch nicht. “Ich will nicht, dass er geht!”, hörte der Cowboy Robins tränenerstickte Stimme. Colt nickte stumm, das wollte er genauso wenig. 

“Wir sollten Joshua fragen!”, flüsterte Colt nach einigen Momenten. Robin blickte auf und löste die Umarmung: “Was willst du ihn fragen, er ist ein Kind, er kann diese Tragweite noch nicht entscheiden …” Colt unterbrach sie: “Mir ist klar, dass er ein Kind ist! Aber wir müssen ihn fragen, erst dann können wir auch in seinem Interesse handeln. Das meinte ich damit!”, erklärte er. Robin sah den Lockenkopf an und nickte langsam: “Also, möchtest auch du, dass er bei uns bleibt?” Colt sah Robin etwas überrascht entgegen: “Na klar, ich mag ihn und mir ist es sehr wichtig, dass es ihm gut geht und wenn das hier bei uns ist, um so besser! Doch ich bin weder sein Vater, Bruder noch sonst wer. Aber ich werde als sein Schwager alles tun, damit es ihm auch weiterhin gut geht!”, erklärte er Robin seinen Standpunkt in dieser Geschichte. Für den Lockenkopf gehörte Joshua einfach dazu, er konnte sich Robin ohne Joshua am Rockzipfel überhaupt nicht vorstellen. Deswegen wollte er Joshuas Sicht auf die Dinge hören, ohne von ihm eine Entscheidung zu verlangen. Robin fing an zu weinen, diesmal vor Glück, sie wusste, dass Joshua und Colt sehr gut miteinander harmonierten, aber dass sich der Cowboy in dieser Verantwortung sah, rührte sie. 

Absatz #3

“Also sollte Sergeant Wilcox seine Entscheidungen im Dienst auf persönlicher Ebene treffen?”, fragte Shinjiro seinen Sohn direkt. Fireball zog seine Augenbrauen zusammen: “Nein, natürlich nicht!”, gab er sofort darauf zurück. Shinjiro nickte: “Gut, ansonsten hätten wir im Oberkommando das reinste Chaos… Dein Problem ist gerade nur, dass dein Freund im Dienst mit seinem Rang über dir steht, aber ihr im Privaten in einem ausgeglichenen „Machtverhältnis“ seid, dass sich das schneidet, kann ich verstehen. Aber das ist auch das Schöne daran.” 

Fireball dachte über das Gesagte nach: “Schön?”, hakte er nach. Er empfand es im Moment eher belastend. Shinjiro sah zu seinem Sohn und grinste: „Weißt du, dass man sich, zwischen diesen Gefällen, als Mensch immer besser kennenlernt?” Fireball atmete tief ein. “Willst du den Charakter eines Menschen erkennen, so gib ihm Macht” Zitierte Shinjiro und sprach weiter: “Gut, die Macht eines Sergeant ist kontrolliert und auch begrenzt, doch zeigt es sich gerade in diesem Bereich, wie gehe ich mit Menschen um, die mir in diesem Rahmen nichts entgegenzusetzen haben. Und in deiner Position zeigt sich: Wie gehst du damit jetzt um? Das kann, wenn zwischen den beiden Parteien eine Freundschaft besteht, durchaus zum Segen oder Fluch werden.” 

Fireball musterte seinen Vater, er ahnte schon, worauf sein Vater hinaus wollte: “Also?”, fragte er nach. Shinjiro zuckte mit seinen Schultern: “Das liegt ganz bei euch und jetzt gerade bei dir!”, und er zeigte auf seinen Sohn. “Wenn du ihm ein Freund bist, unterstützt du ihn und verlangst nicht, sich zwischen Privatem und Dienstlichem zu entscheiden. Wäre das fair?“ 

Fireball warf seinen Kopf zurück und legte seine Hände auf sein Gesicht: “Bohaaa…”, kam es stöhnend von ihm. Shinjiro lachte kurz auf. “Aber sowas kann man lernen..” fügte er noch hinzu und rief die eingegangene Nachricht auf dem Tablet auf. Fireball wollte auf keinen Fall Colt im Oberkommando behindern, oder gar bevorzugt von ihm behandelt werden, es war halt eine völlig neue konstellation, von Saber hätte er den Fronturlaub ohne zweifel, zwar auch mit Murren angenommen, weil Saber schon immer sein Vorgesetzter war. Er freute sich, wie kein anderer für Colts Aufschwung, wusste er doch, dass es dem Cowboy mit seiner Entscheidung, ins Kavallerie Oberkommando einzutreten, nicht leicht gemacht hatte. Doch, als sich Colt erst einmal entschieden hatte, so stand er 100 Prozent dafür gerade und auch dahinter, das bewunderte er immer wieder an dem Cowboy. 

Ein Mauzen riss ihn aus seinen Gedankengängen, Mikan schlich um den Sofatisch und sprang zu Fireball auf die Couch, um sich ihre Streicheleinheiten von ihm abzuholen. Shinjiro wechselte in eine andere bequeme Position, als er aufblickte: “Aber eine Frage habe ich da noch…” begann er und Fireball, der Mikans Wunsch nach Nähe bereitwillig erfüllte, sah auf und war gespannt was da jetzt kommt. “Warum ausgerechnet Wilcox?”, fragte ihn sein Vater. Fireball grinste frech: “Keine Ahnung…”, antwortete er schulterzuckend: “Aber warum Jarred?”, gab er die Frage an seinen Vater weiter. Shinjiro grinste seinem Sohn entgegen: “Keine Ahnung!” Fireball lachte.


“Gut, wir werden mit Joshua reden, wenn er von der Klassenfahrt zurück ist!”, willigte Robin ein. Colt strich Robin eine Träne von ihrer Wange und küsste sie. “Sehr schön!”, flüsterte er und ging zum Bettchen, das im Wohnzimmer stand. Als der Cowboy in dieses Blickte, sahen ihn zwei große hellblaue Augen an: “Hey, du bist ja wach.”, begrüßte Colt seinen Sohn und ging mit ihm zum Panoramafenster im Wohnzimmer und zeigte William die dicken Regentropfen. Robin stellte sich neben die beiden.


“Also hat das zwischen König Jarred und dir gleich gestimmt?”, hakte Fireball jetzt neugierig nach. Shinjiro lachte kurz auf: “Nein, er ging mir damals ziemlich auf die Nerven, schau dir die Altersspanne an, als ich Jarred, das erste Mal kennenlernte, war ich gerade einmal 17. Freundschaft war das damals ganz sicher noch nicht. Es war zwischen uns ein großes Gefälle.“ Berichtete ihm sein Vater, doch verstehen tat er gerade gar nichts. “Was heißt zum ersten Mal kennengelernt, kann man jemanden mehr als einmal kennenlernen?”, fragte Fireball nach. Shinjiro hob seine Augenbrauen: “Ja, vor allem, wenn man herausbekommt, dass der, mit dem man die ganze Zeit gesprochen hat, nicht der war, der er war.” Fireball nickte, er begann zu verstehen: “Also wusstest du nicht, dass er ein König ist?”, fragte Fireball das Naheliegendste. 

“Damals war er der Kronprinz von Jarr, ich lernte ihn als Jacqués Domes kennen.” Fireball hörte interessiert zu, “sein Vater war damals also noch ein Teenager …” schnell unterbrach er seine Gedanken, als ihm bewusst wurde, dass sein Vater kaum älter als er gewesen war. Zusätzlich wurde ihm die Tatsache vor Augen gehalten, dass er gerade genauso über sein Alter dachte, wie alle um ihn herum. Fireball musste leicht schmunzeln: “Aha, aber ich war zu jung, was?” Den Kommentar konnte er sich nun doch nicht verkneifen. 

Sein Vater sah ihn an: “Ich war damals noch nicht beim Militär, aber ich hielt schon Vorträge im Neuen Grenzland über militärische Operationen. Mit 18 bin ich nach Alamo gegangen und offiziell in den Militärdienst eingetreten. Mit 19 lernte ich dann König Jarred kennen.”, erzählte sein Vater weiter. Fireball hob seine Augenbrauen und nickte: “Naja, du warst bestimmt schon viel erwachsener als ich.” kommentierte er. Shinjiro sah seinen Sohn überrascht an: “Wie kommst du darauf?“, fragte er mit einem schelmischen Grinsen. Fireball zuckte mit seinen Schultern: “Hm, ich meine, du hältst Vorträge, vor wem auch immer und mit Mutter verlobt warst du auch schon.” zählte er seine eins plus eins Rechnung auf. Shinjiro lachte: “Du denkst das macht einen erwachsen?”, fragte er, als er aufstand, um sich aus der Küche etwas zu trinken zu holen. 

Fireball sah seinem Vater nach und ließ die Frage auf sich wirken. Und egal was er auch versuchte, er konnte sich seinen Vater als Teenager überhaupt nicht vorstellen. Sein Vater stellte Eistee mit zwei Gläsern auf den Tisch. Fireball nahm sich sein Glas und dachte weiter nach: “Jetzt erzähl, was ist los!”, forderte ihn sein Vater direkt auf!” Das habe ich dir schon erzählt!”, war Fireballs ausweichende antwort: “Das meinte ich nicht, ich meinte die Tatsache, dass du überreizt bist, dass du jemanden fast die Nase brichst und dazu kommt das du nicht mehr jede freie Minute an deinem Communicator herrumtipst.” Führte Shinjiro seine Beobachtungen aus. 

Fireball sah auf, “erwischt!” kam es ihm in den Kopf, dass sein Verhalten so ein offenes Buch war, hätte er nicht gedacht. Er nickte, denn ausgeglichen war er in den letzten Tagen nicht gewesen und er holte tief luft: “Nachdem Aaiko von dem Angriff erfahren hatte, hat sie um eine Auszeit gebeten und ich habe keine Ahnung, wie ich das von hier aus wieder bereinigen kann!”, sprach er es jetzt aus. “Ah!” kam es darauf nur knapp von seinem Vater. Fireball nickte und  hauchte ein schweres: “Ja!”, in den Raum. 

“Das ist sehr nett von ihr!” sagte sein Vater nach einigen Augenblicken der Ruhe. “Nett?”, fügte er wieder ein wenig gereizt an. Shinjiro lehnte sich gemütlicher auf dem Sofa zurück: “Hat sie gesagt, dass es vorbei ist?”, hakte er mal genauer nach. Fireball schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, nur, dass sie im Moment Zeit brauche, um das Geschehene zu sortieren.“ erzählte er den Inhalt des letzten Com Gesprächs. Shinjiro nickte und nahm einen Schluck Eistee: “Das ist gut!” Wieder machte die Antwort  für Fireball überhaupt keinen Sinn! Mürrisch lehnte er sich zurück. 

Shinjiro atmete tief durch, er wusste, dass die Ereignisse der letzten Schlacht seinen Sohn nicht nur als Soldaten, sondern auch als jungen Mann aus der Bahn geworfen hatten: „Erinnerst du dich „, begann er ruhig, „Deine Mutter und ich waren auch mal in deinem Alter.“ Fireball hob skeptisch eine Augenbraue, ja davon hatten sie ja auch gerade gesprochen. „Kaum zu glauben, ich weiß.“ kommentierte Shinjiro den Gesichtsausdruck von seinem Sohn. Darauf huschte ein flüchtiges Grinsen über Fireballs Gesicht.

„In deinem Alter fühlt sich alles größer an“, fuhr Shinjiro fort. „Vor allem Gefühle, man möchte auf jede Frage sofort eine Antwort haben. Man will wissen, woran man ist. Und wenn man jemanden wirklich mag, fühlt sich jeder Tag des Wartens wie eine Ewigkeit an.“ Fireball nickte bestätigend, alles in ihm schrie, dass er nach Japan fliegen sollte, um mit Aaiko zu reden… “Was ist jetzt deine Angst, sie hat es dir klar gesagt, was sie gerade möchte.” fragte sein Vater nach seiner Reaktion. 

“Das ist es ja, diese lange Trennung, ich wollte ihr erklären, wie ..” sein Vater unterbrach ihn. “Deine Bedenken sind, dass sie jemand anderes kennenlernt, nur weil du nicht vor Ort bist!”, fasste es sein Vater zusammen. “Ja, ich meine, dass es schwierig wird, wussten wir, aber ich kann mich jetzt weder erklären, noch bei ihr sein, verstehst du?”, sagte Fireball schon wieder etwas ruhiger. Shinjiro nickte und stellte sein Glas Eistee zurück auf den Tisch. 

“Wenn es dich beruhigt, Aaiko könnte jederzeit jemanden kennenlernen, egal ob du da bist oder nicht…” Fireball sah seinen Vater ausdruckslos an: “Wow, ja, das beruhigt mich jetzt gerade voll!”, warf Fireball sarkastisch dazwischen. Musste aber im nächsten Moment einsehen, dass es stimmte. Und er rollte mit seinen Augen. “Ach, du verstehst das nicht..” murmelte er dann vor sich. 

Shinjiro grinste und hob darauf seine Augenbrauen. “Oh, glaub mir, das tue ich!” Fireball sah auf: „Ach, das tust du? Mutter und du, ihr wart, als ihr zusammengekommen seid, nicht so weit getrennt gewesen.” sagte er darauf, schließlich kannte er die Entfernung, die zwischen den beiden Elternhäusern lag. Shinjiro sah seinem Sohn entgegen und dachte einen Moment nach. 

Mikan, die bis eben noch auf Fireballs Schoß gelegen hatte, sprang von ihm herunter und beschloss, sich so lang wie sie war, vor die Tür des Zimmers zu legen. Shinjiro hatte die Aktion des nicht mehr ganz so kleinen Fellknäuels beobachtet. “Deine Mutter und ich, sahen uns einmal die Woche und das für gerade einmal zwei Stunden!“, erzählte er seinem Sohn und sah ihn an. “Das ist trotzdem immer noch mehr als Aaiko und ich!”, erwiderte Fireball darauf. 

“Das mag sein, aber als es herauskam, oder besser offiziell war, wurde es leider auch nicht öfter.” grinste Shinjiro. “Also war es heimlich!”, stellte Fireball interessiert fest. Shinjiro nickte: “Kennst du deinen Großvater Satosan?” Fireball lachte nach dieser Frage auf: “Ja!” Shinjiro nickte: “Sato-san, ist der größte Pazifist, den ich kenne. Er war alles andere als begeistert, als unsere Beziehung bekannt wurde.”, erzählte Shinjiro mit einem sich erinnernden Schmunzeln. 

“Und Großvater Hikari?”, fragte Fireball. “Hm!” nickte Shinjiro einige Male vor sich. “Er war natürlich auch dagegen, es war Ablenkung, in seinen Augen absoluter Schwachsinn und Zeitverschwendung… Und er sagte immer wieder genau wie Satosan, dass wir viel zu jung waren, letzteres stimmte wohl.” erzählte er seinem Sohn. “Aber ihr seid immer noch zusammen.”, sagte Fireball, auch wenn er manchmal so tat, als würden ihn seine Eltern nerven mit ihrer Flirterei, die sie zwar sparsam vor ihm anwendeten, aber er spürte die Liebe zwischen den beiden und er musste zugeben, dass es ihm gefiel. Seine Mutter hatte eine Leichtigkeit und ein Lächeln auf ihren Lippen bekommen, das sie wunderschön machte. Seine Mutter war schon immer sehr liebevoll gewesen, doch seitdem sein Vater wieder da war, schien es, als sei der dunkle Schleier, der sie 16 Jahre lang umhüllt hatte, verschwunden. 

„Ja, vermutlich, aber was habt ihr gemacht, als ihr euch letztens 24 Stunden gesehen habt?”, fragte sein Vater sehr direkt, Fireball blickte sich im Zimmer um und atmete tief ein. Sein Vater lachte: „Und was noch?” Fireball zuckte mit seinen Schultern und erzählte von Aaikos Plänen, ein Semester auf Yuma zu studieren. “Das klingt schon besser, was stellst du dir in der Zeit der Verlobung vor? Ist es ein Freibrief, eine Sicherstellung oder ein Kennenlernen?“ fragte sein vater. Fireballs Augen wurden immer größer, so genau darüber nachgedacht hatte er wirklich noch nicht: “Es fühlt sich einfach richtig an und dass es nicht falsch sein kann, sehe ich an euch!”, erklärte er seinem Vater. 

“Was ist, wenn ich dir jetzt sage, dass ich euch auch noch für zu jung halte?” – “Hä, was?” stieg Fireball direkt darauf ein, seine Eltern hatten sich bis jetzt nicht negativ dazu geäußert und nun eröffnete ihm sein Vater genau das? Shinjiro hob seine Hand und beruhigte seinen Sohn: „Weißt du eine Verlobung bedeutet eine Verbindlichkeit dem anderen gegenüber wie sonst keinem anderen Menschen. Wenn Du das Mädchen liebst und es keine andere sein soll, natürlich Heirate sie! Von daher sind Wünsche nach Zärtlichkeit auf diesen einen Partner ausgerichtet und die Spannung nimmt dadurch natürlich zu. Eure Liebe zueinander ist groß, doch eure menschliche Fähigkeit, auf Dauer einander auszuhalten, ist noch nicht weit genug ausgereift. Jeder muss für sich selbst seinen Stand herausfinden, um sich als Persönlichkeit in die Ehe einbringen zu können. Und denkt nur nicht, dass das Verheiratetsein eine Kleinigkeit ist. Da sind viel zu viele Erwartungen, die Ihr aneinander stellt, ohne es zu wissen.” 

Fireball stand der Mund offen, das war gerade eine Ansage, die er erst einmal sacken lassen musste. Mikan stand auf und lief an der Tür hin und her und mauzte. 

“Aber wie soll das gehen, wenn man sich nicht sieht?” fragte er nach, denn wie soll man sich kennenlernen, wenn man voneinander physisch getrennt ist? “Du, ihr könnt euch jetzt prüfen, um nicht mit jedem Konflikt den anderen bestürmen, sondern ihn allein aushalten zu lernen. Die Zeit, die euch jetzt eine Trennung auferlegt, ist also eine große Chance, um zu einem Menschen heranzureifen, der belastbar ist! Um den Spannungsbogen auszuhalten. Also gebt Euch nicht mit Halbheiten zufrieden! Ihr seid zwei ganz besondere Menschen. Frage dich, ob du mit ihren Eigenarten leben kannst, ohne innerlich auszuflippen. Und ich finde, Aaiko hat genau das für sich erkannt und das benötigt Zeit! Beenden kann man das alles immer noch, doch wenn es ihr nicht wichtig wäre, hätte sie es getan, also rede ihr jetzt nicht rein, sondern nutze auch die Zeit zum Reifen!“ beendete sein Vater seinen gerade doch sehr persönlichen Vortrag. 

“Hat Mutter denn Macken in deinen Augen?”, fragte Fireball leicht grinsend nach. Shinjiro grinste: “Auuuuu, jaaaa!” kam es langgezogen von ihm und er stand auf. “Welche?”, wurde Fireball neugierig, das musste er jetzt wissen! 

Sein Vater sah ihn an: „Weißt du, warum deine Mutter immer alles weiß?” Fireball verstand gerade nicht wirklich, worauf sein Vater hinaus wollte. Shinjiro lachte und zeigte auf seine Ohren: “Weil sie alles hört…”, erklärte er und öffnete die nur angelehnte Wohnzimmertür, hinter der doch tatsächlich seine Mutter stand. 

Fireball lachte, hatte sie tatsächlich gelauscht? “Ich wollte euch nur nicht stören!”, verteidigte sich Hitomi und ging auf das Sofa zu. “Natürlich!” bestätigte Shinjiro und zeigte seinem Sohn große Ohren an. “Das habe ich gesehen.”, kam es mahnend von ihr. “Und solche Augen!”, flüsterte er. Fireball schüttelte grinsend mit seinem Kopf. Er fühlte sich wohl in diesem Miteinander. Er sprach gern mit seinem Vater, obwohl dieser immer eine ganz andere Sicht auf die Umstände hatte, aber das machte wohl so ein Vater Sohn Gespräch wertvoll, wie Colt ihm mal erzählt hatte. Denn eines wusste der Japaner, sein Freund Colt hatte viele Gespräche mit seinem Vater gehabt und war auch nicht immer einer Meinung mit ihm gewesen. Aber er wusste, dass dem Cowboy die Worte seines Vaters immer noch begleiteten. Zusätzlich wurde ihm bewusst, dass Robin und Colt, ebenfalls immer sehr lange Zeit vor ihrer Hochzeit getrennt gewesen waren. Vielleicht war genau das diese Zeit des Reifens für die beiden gewesen. Robin musste sich darüber im Klaren werden, ob sie mit Colts Dienst an der Waffe klarkommt. Und Colt, ob er die Spannung bis zum nächsten Wiedersehen aushielt. Fireball war gerade schwer beeindruckt von dieser Tatsache und nahm sich vor, die Worte seines Vaters erst einmal anzunehmen!

„Vielleicht bin ich doch noch zu jung dafür!”, sprach er seinen Gedankengang, der darauf folgte, hörbar aus. Und biss sich sofort auf seine Lippen. „Hoppla!“, dachte er, als er die erstaunten Gesichter seiner Eltern sah. “Aufgeben ist jetzt nicht!”, kam es von seinem Vater, der es sich wieder gemütlicher auf dem Sofa machte. Hitomi nickte: “Setz dich nicht unter Druck, ihr habt noch so viel Zeit!“ sprach seine Mutter ihm gut zu. Doch Fireball grinste schon wieder: “Ach, wir können immer noch durchbrennen…” Hitomi riss etwas erschrocken ihre Augen auf. Shinjiro nickte zustimmend und schaltete sein Tablet wieder an. 

Fireball war amüsiert über diese Tatsache. “Woher weißt du das?”, wollte Hitomi jetzt sofort wissen und blickte Shinjiro an, dieser schüttelte nur mit seinem Kopf, blickte aber von seinem Tablet nicht auf, war aber bestimmt genauso auf die Antwort gespannt. Fireball lachte: “Großvater Sato hat es mir erzählt, ihr seid direkt nach der Trauung abgehauen.” Shinjiro grinste vor sich hin. “Ach, was hat er dir noch erzählt?”, wollte Hitomi nun genauer wissen. Fireball zuckte mit seinen Schultern: “Nur das!” und Hitomi atmete erleichtert auf und nahm Mikan auf ihrem Schoß in Empfang. „Und wann seid ihr dann Spießer geworden?” Shinjiro sah auf, Hitomis Augen wurden immer größer. “Spießer?”, fragten beide fast gleichzeitig. 

Fireball stand auf: “Ich habe Hunger und auf der Wilcox Farm gibt es heute Steak!” beschloss er spontan der Einladung des Cowboys zu folgen und wechselte das Thema um zu flüchten.

Shinjiro musterte seinen Sohn, er verstand durchaus diese Anspielung. Fireball lachte und kam an der Wohnzimmertür an: “Achso, ich bin Williams Pate!” teilte er seinen Eltern mit und verschwand. 

“Shinji!”, kam es von seiner Mutter, doch er schloss schnell die Tür. Hitomi sah zu ihrem Mann, der immer noch zur Tür sah. “Er kann doch nicht, ich meine weiß er überhaupt, was für eine Verantwortung … Shinji!” rief sie und wollte aufstehen, um ihrem Sohn nachzugehen. Doch Shinjiro hielt sie am Arm fest.

Mikan war mit dieser Hauruckaktion überhaupt nicht einverstanden und fuhr ihre Krallen aus und erwischte Shinjiros Unterarm. Ein schmaler, langer Kratzer zog sich quer über seinen Unterarm. Sofort trat Blut hervor und sammelte sich langsam in der feinen Wunde. Mikan sprang mit einem beleidigten Miauen vom Sofa und verschwand mit erhobenem Schwanz. Hitomi wollte gerade etwas sagen, als sie bemerkte, wie Shinjiro regungslos auf seinen Unterarm starrte. Im selben Augenblick schoss ein brennendes, stechendes Kribbeln von der Wunde aus durch seinen ganzen Körper. Sein Atem stockte und das Brennen breitete sich aus, so als würde die Verletzung viel tiefer reichen, als sie tatsächlich war. Gleichzeitig begann es in seinen Ohren zu rauschen, das Wohnzimmer verschwamm vor seinen Augen und im nächsten Moment blieb ihn die Luft weg, als er in eiskalte Augen blickte. Seine Finger verkrampften sich. Nicht wegen des Kratzers, sondern wegen des anblicks.

Hitomis Stimme drang nur gedämpft zu ihm durch. Er blinzelte mehrmals und der Kratzer auf den er blickte wurde langsam wieder schärfer.


Saber lief durch das Oberkommando, wo man tatsächlich schon an der ein oder anderen Ecke begann, es weihnachtlich zu schmücken. Und der große Weihnachtsbaum am Haupteingang würde wohl auch in den nächsten Tagen aufgestellt werden. Der Schotte liebte diese Atmosphäre, es entstresste den Alltag, so kam es ihm jedenfalls immer wieder vor. Und sein Blick auf seinen Kommunikator verriet ihm, dass sein Scharfschütze das Gelände bereits vor zwei Stunden schon verlassen hatte. So beschloss auch Saber, es für heute gut sein zu lassen und freute sich auf Sincia und Sara, die bestimmt schon auf ihn warteten.


April verbrachte den Abend mit ihrem Vater, schließlich war er nur noch selten auf Yuma und Charles war gerade dabei, seinen Wohnsitz nach Alamo zu verlegen. Es gab deswegen noch viel zu organisieren, aber nicht mehr dieses Jahr, hatte der alte Commander beschlossen. Die Zeit mit seiner Tochter war ihm einfach zu wertvoll! Sie verabredeten sich zum Essen und nutzten die ihnen gegebene Zeit für gute Gespräche. 

Absatz #4

“Sie hat sich wohl erschrocken!”, sagte Hitomi Shinjiro nickte und beide setzten sich erst einmal wieder auf das Sofa. „Ist alles in Ordnung?“, fragte sie besorgt. Shinjiro sah Hitomi etwas überrascht an, Hitomi konnte den Blick gerade nicht deuten: „Du bist auf einmal ganz blass.“ erklärte sie. „Ich …“ begann er und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht. „Keine Ahnung.“ sagte er…Hitomi stand wieder auf und holte etwas Verbandszeug und desinfizierte den doch recht tiefen Kratzer. “Er weiß doch gar nicht, welche Verantwortung er mit der Patenschaft eingeht.” knüpfte Hitomi an die vorangegangene Situation an, auch um Shinjiro ins Hier und Jetzt wieder zurückzuholen. 

Shinjiros Ohren rauschten, er blinzelte mehrmals, strich sich über seine Augen und versuchte, einen klaren Gedanken zu fassen. Das beklemmende Gefühl in seiner Brust wollte jedoch nicht weichen. Ohne lange nachzudenken, zog er Hitomi zu sich heran und schloss sie fest in seine Arme. Sie erwiderte die Umarmung und nach einigen Momenten ließ das Rauschen in seinen Ohren wieder nach.

“Man wächst mit seinen Aufgaben!” antwortete er plötzlich auf die durchaus berechtigte Sorge seiner Frau. Hitomi lehnte sich an ihn: “Es ist zu viel.“, kam es erneut von ihr. “Ich bin mir sicher, dass sich Mr. Wilcox und seine Frau sich das ganz genau überlegt haben, es ist ihr erstes Kind und da guckt man bestimmt zweimal, wem man die Patenschaft anvertraut. Und dass es nicht nur Spaß und tolle Geschenke machen ist, wird er schon noch herausfinden.” teilte Shinjiro seine Sicht mit, ganz wohl war ihm bei der Sache zwar auch nicht, aber er vertraute einfach darauf und war sich sicher, dass Mr. Wilcox da schon ein Auge drauf haben würde! 

“Ich werde mit ihm reden!”, beschloss Hitomi. “Au ja, das wirst du!”, nickte Shinjiro wissentlich und legte seine Stirn gegen ihre. Sie lachte still und er spürte ihr Beben. “Wir sind Spießer geworden!”, warf sie trocken nach einigen Momenten ein. „Pff, du vielleicht.“, erwiderte Shinjiro und lachte. “Oh!” löste sich Hitomi aus der Zweisamkeit und sah ihn an. “Dann bist du Mr. Oberspießer!“ Shinjiro grinste und zuckte dann resignierend mit einer Schulter: “Von mir aus…” und tat so, als sei es ihm egal. 

“Wir haben schon lange nichts Verrücktes mehr gemacht.” beugte sich Hitomi zu ihm. Shinjiro zog sie neben sich, sodass sie beide auf dem Sofa lagen. “Ich find hier alles verrückt genug…” Mikan miaute und legte sich an das Fußende der beiden. “Und sie ist die spießige Krönung.“ sagte er und zeigte mit seinem Kopf Richtung Katze. Hitomi schmunzelte. Stille geriet zwischen die beiden, es war nur noch der tiefe Atem des anderen zu hören, der immer gleichmäßiger wurde. 

“Es war schön, wie du mit Shinji gesprochen hast!” Durchbrach Hitomi flüsternd die Stille. Shinjiro atmete tief ein, zwei Minuten länger und er wäre tatsächlich eingeschlafen. “Hm!” antwortete er mit einem Nicken und hielt seine Augen geschlossen. “Warum hast du ihm nicht von den drei Jahren zwischen Verlobung und Heirat erzählt?”, fragte sie nach weiteren Augenblicken. Shinjiros Augen blieben weiterhin geschlossen, doch er musste grinsen: “Er hält uns eh schon für Spießer …!”, war seine Antwort darauf. Hitomi hob ihren Kopf: “Ach du fandest das damals also spießig?”, fragte Hitomi nun ein wenig empört nach. Shinjiro öffnete seine Augen: “Hm, …  ja, … ein wenig…” gab er es sehr langsam zu. “Oh!”, kam es von seiner Frau, die ihn unerwartet leicht anschupste. 

“Woohaaaa!” hörte man nur noch, doch er rutschte vom Sofa und landete auf seinem Hintern. “Ach komm, du fandest es zum Schluss auch …” wollte sich Shinjiro verteidigen, doch weiter kam er nicht, denn Hitomi hatte sich ein Kissen geschnappt und es landete in seinem Gesicht. Mikan sprang wieder vom Sofa. 

Shinjiro stand auf und zeigte auf Hitomi: “Ey!” Doch er hatte keine Chance, das nächste weiche Kissen verfehlte ihn nur knapp. Daraufhin warf er das Kissen seiner Frau entgegen, welches zuvor in seinem Gesicht gelandet war. Hitomi stand auf. Shinjiro bekam große Augen und verließ schnell das Wohnzimmer: “Na warte! Mr. Oberspießer!”, lief ihm Hitomi bewaffnet nach. Mikan stand im Wohnzimmer und legte sich, nachdem die beiden aus dem Zimmer verschwunden waren, wieder auf das Sofa und fing an sich zu putzen. 


Fireball hatte William auf dem Arm, der, so wie es klang, ihm etwas Dringendes erzählen musste! Immer wieder nickte Fireball den Mini Cowboy entgegen, als ob er ihn tatsächlich verstehen würde. Colt stellte seinem Hombre eine Dose Kaktussaft auf den Tisch und setzte sich in den Sessel, gefreut hatte er sich, dass sein Freund seiner Einladung doch noch gefolgt war. Jetzt waren sie alle satt und sie würden noch etwas zusammen sitzen. “Was erzählt er?”, fragte der Cowboy und öffnete seinen Saft. “Er beschwert sich über euch, ich darf es jedoch nicht weitererzählen.” gab Fireball Auskunft und grinste. 

Colt hob seine Dose und nahm einen großen Schluck. “Und ich dachte schon, der Fronturlaub steht zwischen uns!”, fiel der Cowboy, nachdem er sein Getränk geleert hatte, mit der Tür ins Haus. Fireball verzog etwas sein Gesicht und blickte von dem Baby auf. “Bis vor einer Stunde war’s auch noch so!” gab er zu. Colt grinste, auf seinen Instinkt war nach wie vor Verlass. “Ist, okay, Hombre, glaub mir, ich habe auch ewig hin und her überlegt!” Fireball nickte dem Lockenkopf ein “Hm!” entgegen. “Daniel ist auch nicht begeistert, und doch bin ich davon überzeugt, dass ihr beide ihn braucht!” erklärte Colt und überschlug seine Beine. “Sorry!” kam es von Fireball, sein Gefühlschaos hatte sich gerade in Luft aufgelöst. Der Cowboy nickte nur. Fireball musterte seinen Freund: „Hebt dich das Geschehene gar nicht an?” wollte er wissen, Colts Coolness in der Sache machte ihm ja schon fast Sorgen. “Ach…” begann der Cowboy und legte seine Stirn in Falten. “Ich hab da so meine Methode um damit umzugehen, die ersten zwei, drei Male waren für mich auch sehr schlimm und werde ich wohl auch nie vergessen.“ 

Fireball stand auf und wollte William in das Tagesbettchen im Wohnzimmer zurück legen. Robin nickte ihm zu, es war auch schon an der Zeit, William für die Nacht fertig zu machen und sie verschwand mit dem Mini im oberen Stockwerk. 

“Zwei, drei Male?”, fragte er, nachdem die blonde Lehrerin verschwunden war, und setzte sich. “Mhm!” nickte Colt. “Auch wenn ich nicht lange Kopfgeldjäger war, habe ich in dieser Zeit die menschlichen Abgründe gesehen und am liebsten würde ich dieses Kapitel aus meinem Leben für immer löschen.” öffnete sich Colt detaillierter über diese Zeit. “Und als ich zum ersten Mal in meinem Leben einen erschossenen gesehen hatte, musste ich auch kotzen, er war mit einem Kopfschuss erledigt worden.” mehr wollte der Cowboy nicht sagen und blickte vor sich in den Raum, er  wollte nicht, dass Robin diese Details hörte, er schämte sich noch immer für diesen Umweg. 

In Fireball zog sich alles zusammen, solch ein Thema nach einem so guten Abendessen passte seiner Verdauung überhaupt nicht. „Das war ungefähr zehn Tage, bevor ich nach Alamo ging, um mich als Scharfschütze ausbilden zu lassen.” Begann der Cowboy zu erklären. Fireball griff nach der Dose Kaktussaft, diesen Teil von Colts Lebenslauf kannte er so noch nicht. “Weißt du, das ist eine ganz andere Welt, die willkürlich ist und die Typen gehen über Leichen, im wahrsten Sinne des Wortes.” Fireballs Augenbrauen gingen nach oben, er war gerade mehr als geschockt. “Diese Männer und Frauen waren eiskalt und nur auf die Kohle aus und wehe man kam einem anderen in die Quere!“ Colt machte eine kleine Pause. 

“Du meinst, die bringen sich gegenseitig um?” hakte Fireball nach. Colt nickte: „Ja, und sie verscharren dich irgendwo, als hättest du nie existiert, oder lassen es wie ein Unfall aussehen.” Der Japaner pustete Luft hörbar aus und hörte weiter zu. “Und so wollte ich nicht irgendwann enden! Ich realisierte, wenn man einmal in dieser Spirale drin ist, kommt man da nicht mehr raus, jedenfalls nicht lebend! Es widerte mich nur noch an.” 

“Es steht im Neuen Grenzland zur Debatte, dieses Kopfgeldjägertum Einhalt zu geboten!” teilte Fireball seinem Freund mit, diese Nachrichten hatte er in den letzten Tagen gelesen. Colt nickte: „Ja, und ich bin vollstens dafür!” kam es schnell vom Cowboy und zeigte seinem Hombre an, ihm in sein Büro zu folgen. 

“Du könntest dich mit den Hunters im KOK zusammentun.” schluf Fireball vor. Colt blieb abrupt stehen. “Nein!”, sagte er scharf! Fireball verstand nicht. Denn diese Einheit ist dabei, diese Parallelgesellschaft im Untergrund aufzudröseln. Colt zog Fireball in sein Büro. 

“Das werde ich nicht tun! Es ist schlimm genug, dass ich das mitgemacht habe, aber dass ich so schnell beim Oberkommando gelandet bin, ist noch viel schlimmer für diese Typen!” begann Colt ernst. “Es wäre eine Option gewesen, wenn ich noch alleine wäre, aber jetzt habe ich Familie, also halte ich die Füße still! Die Hunters machen gute Arbeit und so viel wie ich bis jetzt mitbekommen habe, ist Yuma auch bald Clean!” Fireball nickte, er verstand, er würde wahrscheinlich genauso handeln und es stand Colt auch frei, das selbst zu entscheiden! “Aber jetzt erzähl, was lässt dich so ausflippen!” forderte der Lockenkopf seinen Freund auf. “Na toll!”, dachte sich Fireball, aus der Nummer kam er jetzt nicht mehr raus. So atmete er tief ein und aus und begann Colt das mit Aaiko und ihm zu erzählen. 


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