3.596 Wörter, 19 Minuten Lesedauer.
Absatz #1
Vier Wochen waren seit der letzten großen Schlacht ins Grenzland gezogen. Die betroffenen Planeten erholten sich schnell. Die Aufräumarbeiten und die Wiederherstellung der Infrastruktur waren weit fortgeschritten. Saber behielt gemeinsam mit General Lernfresé den Sektor A im Auge und plante, in den kommenden Tagen mit Ramrod Laramie zu besuchen, um sich persönlich ein Bild von der Lage dort zu machen. Er überflog die Ziele für die nächsten Monate, die Captain Hikari vorbereitet hatte. Die Abkommandos sollten in den kommenden zwei Wochen schrittweise in Gang gesetzt werden. Saber überlegte eine Weile, beschloss jedoch, die größere Truppenbewegung vorerst zu verschieben.
Fireball saß gemeinsam mit Aaiko, die per Hypercom am Tablet zugeschaltet war, an seinem Schreibtisch und konzentrierte sich auf seine Captain-Ausbildung. In den letzten Tagen hatte er sich wieder verstärkt dieser Aufgabe gewidmet, auch um sich von der aufwühlenden Situation abzulenken. Wäre Colt hier, würde er Fireball wahrscheinlich als Streber bezeichnen, doch es halt gerade tatsächlich.
Die digitale Verbindung war der einzige Weg für Aaiko und ihn, miteinander zu kommunizieren. Und das wurde langsam anstrengend, der zivile Flugverkehr zwischen der Erde und dem Neuen Grenzland war noch immer stark eingeschränkt. Aaikos Vater war deshalb gegen eine Reise nach Jarr.
Plötzlich hörte Fireball ein Geräusch. Als er sich umdrehte, sah er, wie Mikan wie von der Tarantel gestochen aus dem Raum flitzte.

Auch der Cowboy saß am ungeliebten Papierkram, den er auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet hatte. Gerade konnte er sehr gut nachvollziehen, wie sich Joshua beim Homeschooling fühlte. Da hätte er es vorgezogen, mit Robin und Joshua einkaufen zu gehen. Und dank des Broncos hatte er jetzt mehr zu tun, als er erwartet hatte. Aber das war nun einmal Teil seiner Verantwortung. Ein Grinsen huschte über sein Gesicht, als er an seinen Gleiter dachte.
Absatz #2
König Jarred befand sich auf dem Planeten Pectos. Wo das sichergestellte Outrider-Schiff untersucht wurde, um neue Erkenntnisse über die Outrider zu gewinnen. „Also Wasser?“, wiederholte Jarred nachdenklich, als er die Erkenntnisse über die Manifestierung der Phantomwesen erfahren hatte. Dr. Peeks nickte. „Ja, die Wassermoleküle halten sie hier“, bestätigte der Doktor.
„Das eröffnet ein völlig neues Raum-Zeit-Gefüge und stellt unsere bisherige Vorstellung des Universums auf den Kopf. Na ja, so ganz auch wieder nicht. Es gab viele Theorien, doch so, wie es aussieht, könnten einige davon tatsächlich möglich sein“, fuhr Peeks ebenfalls nachdenklich fort und zeigte eine Grafik auf seinem Monitor. „Raum und Zeit könnten sich mithilfe der Quantenphysik überwinden lassen. So und nicht anders muss die erste Anomalie entstanden sein. Diese benötigten die Outrider, um ihre Sprünge, wie beim letzten Angriff, steuern zu können. Ist das Fenster, in diesem Fall die Anomalie, geöffnet, können sie aus ihrem Raum in unseren springen.“
Jarred atmete tief ein und ließ die Animation auf sich wirken. „Sind wir in der Lage, das umzusetzen?“, fragte er mit einem mulmigen Gefühl in der Magengegend. Dr. Peeks sah vom Monitor auf. „Nun, in der Theorie ist das alles kein Problem. Doch schauen Sie sich unser Periodensystem an. Uns fehlen immer noch einige Elemente. Die Schiffe der Outrider weisen einige fremdartige, aber auch uns bekannte Verbindungen auf. Damit hätten wir zwar das Material, das es ermöglicht, diesen Kräften standzuhalten, aber noch lange nicht die Technik.“ Jarred strich sich über seinen Bart. „Also haben wir es mit einer höher entwickelten Zivilisation zu tun“, stellte er besorgt fest.
Peeks nickte. „Ja. Doch etwas scheint ihnen trotzdem zu fehlen. Sie verfügen über Technik und Wissen. Wenn sie manifestiert sind, könnten sie durchaus organisch sein. Doch sie sterben nicht, wie wir wissen, sondern kehren stattdessen zu ihrem Ausgangspunkt zurück.“ Jarred zog seine Augenbrauen zusammen. „Wie kommen Sie darauf, dass sie organisch sein könnten?“, wollte er genauer wissen. „Nun, wenn wir die Berichte und Erfahrungen unserer Soldaten auswerten, scheint es den Outridern durchaus Schmerzen zu bereiten, wenn sie beispielsweise abgeschossen werden.“
Jarred verstand, worauf Peeks hinaus wollte: „Aber sie sind keine Hologramme oder Phantome. Sie sind physisch ganz hier und dann irgendwie doch wieder nicht.“ Jarred nickte. „Und die Technik an Bord?“ fragte er weiter. Da trat ein junger Wissenschaftler nach vorn. „Darüber haben wir etwas mehr Erkenntnisse, Eure Hoheit. Es ist eine Baukastentechnik, um es einfach auszudrücken, jeder Hyperjumper gleicht auch jedem anderen. Sie wurden zwar weiterentwickelt, doch der Aufbau ist simpel. Im Grunde genommen handelt es sich um Wegwerftechnik.“ Und alle gingen um einen Hyperjumper herum.
„Das muss der Bereich sein, der die Sprünge ermöglicht. Allerdings funktioniert das nur in eine Richtung. Springen sie zu uns, können sie erst wieder zurückspringen, wenn sie beschädigt sind.“ Jarred nickte. „Interessant.“ Die Wissenschaftler erwiderten sein Nicken. „Durchaus, Eure Hoheit. Das Herzstück befindet sich hier.“ und der Wissenschaftler, Anfang dreißig, zeigte auf einen Bereich des Cockpits.
„Wir haben es die stahlblaue Box getauft. Leider ist sie beschädigt, da auch der Gleiter beschädigt wurde.“ Jarred verschränkte seine Arme. „Damit wissen wir zwar mehr, sobald etwas beschädigt ist, wird alles unbrauchbar. Das ist im Krieg durchaus von Vorteil. Es deutet auf ein sehr kriegerisches Volk hin, so wie es uns auch berichtet wurde.“ Jarred setzte sich und dachte einen Augenblick darüber nach. und atmete nach einiger Zeit tief ein. „Gibt es Möglichkeiten, mit unseren Verbündeten in Kontakt zu treten?“ Peeks nickte. „Durchaus. Doch wie sich das auf die sich schließende Anomalie auswirkt, können wir nicht genau sagen.“ Jarred lehnte sich zurück.
Er spürte etwas Kühles auf seiner Haut. Und im ersten Moment war es sogar recht angenehm. Doch nicht nur die Kühle drang langsam in sein Bewusstsein, auch ein vertrauter lieblicher Geruch zwang ihn, tief einzuatmen, zu seiner Verwunderung klappte es ohne größere Anstrengung. Er wusste, wer bei ihm war und griff langsam nach der angenehmen Kühle und merkte, da war noch eine Hand, er umschloss sie und beide hielten sich.
Hitomi beobachtete seine Reaktion, er war wach und wusste, dass sie bei ihm war. Mit ihrer anderen Hand nahm sie langsam das kühlende Tuch von seiner Stirn und legte es beiseite. Er blinzelte einige Male, es war hell im Raum und immer wieder wehte ihm ein sanfter Wind um die Nase.
Hitomi hatte ein Fenster geöffnet, um Frischluft und Tageslicht hereinzulassen. Das Licht schmerzte ihm etwas, doch die Umrisse im Raum wurden langsam schärfer und er blickte in das Gesicht seiner Frau, die ihn erwartungsvoll ansah und kurz darauf liebevoll lächelte. Hitomi merkte, wie in Shinjiro eine Frage nach der anderen aufploppte. Langsam beugte sie sich hinab und gab ihm einen sanften Kuss: “Schüüüü! Denk jetzt nicht so viel nach, es ist wichtig, dass es Dir besser geht!” flüsterte sie ihm zu. Er nickte nur leicht, er würde schon Antworten bekommen, doch jetzt wollte er nur ihre Nähe genießen, die jetzt so real und spürbar war. Enger zog er ihre Hand an sich heran. Sie brauchten keine Worte, nur diesen Moment.
Nach einiger Zeit lösten sie sich wieder, richtete sich auf und strich ihm einige Haare aus der Stirn. Er war eingeschlafen und seine Atmung wurde tiefer und gleichmäßiger. Hitomi setzte sich in den Sessel, sie würde noch etwas bleiben. Die Tür wurde geöffnet, Dr. Morel trat ein und legte etwas auf den Tisch neben dem Bett ab und ging daraufhin zu Hitomi und setzte sich ihr gegenüber. “Er war kurz wach..” teilte sie dem Doctor mit. “Hat er sie erkannt?” fragte er nach. Hitomi nickte und Morel nickte ihr erleichtert entgegen. “Er ist über dem Berg, seine Werte und das Fieber sinken kontinuierlich“, begann er, Hitomi sah erleichtert auf.
Absatz #3
Drei Tage Später
Ramrod befand sich auf einem Patrouillenflug Richtung Laramie. Saber wollte sich persönlich ein Bild von den Aufräumarbeiten machen, die dank der Amerikaner schnell vorankamen. Laramie war die Kornkammer des Neuen Grenzland, mit den meisten Farmen und einem großen Ballungszentrum.
Colt wurde je näher sie Laramie kamen immer nachdenklicher. Vor knapp fünf Jahren wurde auf Laramie um Farmer geworben und seine Eltern wollten sich auf dem sehr fruchtbaren Planeten Land ansehen. Doch zurück kamen sie nicht mehr.
Saber ließ die Abtaster durchlaufen, ihm war es nach wie vor ein Rätsel, warum die Outrider Laramie mit solch einer Stärke angreifen konnten. „Wie lange kann man einen Dimensionssprung nachweisen, April?” fragte der Schotte, der die Daten auf seinem Monitor weiter beobachtete. April sah auf und musste einen Moment nachdenken: “Mit den neuesten Geräten in absteigender Form, bis zu fünf Tagen!” Fireball, der den Autopilot deaktivierte, fragte: “Warum ist das wichtig?” Colt hörte mit einem halben Ohr hin: “Sie sind weg, das ist die Hauptsache!” kam es kurz angehalten vom Cowboy, der sich entschied, seinen Blaster zu polieren. “Und doch galt Laramie beim Angriff als Red-Zone, die Angriffe hier waren sehr intensiv gewesen.” merkte Saber an. Fireball übernahm den vom Tower gesendeten Anflugkorridor und leitete den Eintritt in die Atmosphäre ein.
Shinjiro lag stumm im Bett und erwischte sich, wie er einfach nur an die Decke starrte, ohne Gedanken, er hatte nicht mal ein Gefühl für Raum und Zeit, was ihn jetzt doch beunruhigte: „Was war los?” Fragte er sich, in dem Moment klopfte es und er drehte langsam seinen Kopf zur Tür. Dr. Morel, Hitomi und Royu traten ein und kamen langsam auf ihn zu. „Wie geht es Ihnen, Shinjiro?“, fragte der Doktor und trat um das Bett herum. Hitomi und sein Bruder blieben auf der anderen Seite stehen.
Shinjiro verfolgte Morel nur mit seinen Augen und atmete tief ein. Morel bemerkte die Reaktion und nickte: „Ich vermute, gut, denn das tiefe Atmen hatte in den letzten Wochen nicht geklappt.“ Shinjiro sah darauf stumm zu Hitomi hinüber, die ihn anlächelte.
“Sie lagen vier Wochen mit einer starken Lungenentzündung, aufgrund der nicht denestenten Keimen, denen sie in den letzten 16 Jahren ausgesetzt gewesen waren. Fünf Tage stand es sehr schlecht um sie. Respekt an Ihr Immunsystem!“, klärte Morel fachlich kühl seinen Patienten auf. Shinjiro zog seine Augenbrauen zusammen und flüsterte ein angestrengtes: “Was?”, Richtung Hitomi, sie nickte.
“Wir hatten es versäumt, sie nach ihrer Ankunft sofort unter Ärztlicher Kontrolle zu stellen und somit für zehn Tage zu isolieren.“ beendete Morel seine Ausführung und ließ das Kopfteil in eine aufrechte Position auffahren. Was Shinjiro einen leichten Schwindel bescherte. “Wir werden sie mobilisieren, sie haben körperlich sehr schnell abgebaut, sie müssen wieder zu Kräften kommen!” erklärte der Arzt.
Ramrod landete auf der neuen Militärbasis von Laramie. Am Horizont sah man Laramie-City, das einzige Millionen Ballungszentren auf diesem Planeten. Genau diese Stadt würde Sabers erstes Ziel sein, um von dem Bürgermeister zu erfahren, wo es noch Not mit der Versorgung gab. Fireball schaltete die Triebwerke ab, nachdem sie die zugewiesene Parkposition erreicht hatten. April, Colt, ihr schaut euch in der Stadt um. Shinji, du kommst mit mir.” teilte der Schotte sein Team auf. Fragend sah Fireball zu Colt, der nur mit seinen Schultern zuckte. Den Job des umsehens oder vorräte besorgen, hatte er doch immer zusammen mit dem Cowboy erledigt.
Shinjiro saß mittlerweile auf der Bettkante, er sollte aufstehen, doch allein das Sitzen verlangte ihm einiges ab. Royu hielt ihn fest am Oberarm, um ihn zu stützen. Doch Shinjiro wurde immer wieder schwarz vor Augen. “Nochmal?” fragte Royu, doch Shinjiro antwortete nicht, sondern stellte ein zweites Mal seine Füße auf den glänzenden Holzboden und versuchte, sich aufzurichten. Royu half ihm mit einer ruckartigen Bewegung und er stand, doch sofort wurden seine Knie weich. Royu hielt ihn beharrlich fest. “Bleiben sie einfach eine Weile stehen, bis sich ihr Kreislauf daran gewöhnt hat!” wieß Dr. Morel an, der jetzt auf Shinjiros rechter Seite stand, um ebenfalls eingreifen zu können.

April und Colt liefen durch die Stadt, in der noch vereinzelt Gebäude wieder hergerichtet wurden. Doch so schnell wie gedacht liefen hier die Reparaturarbeiten nicht an.
Doch die Grundstimmung der Bevölkerung war soweit gut. Colt sah sich um und ihm kam die Frage auf: “Was wollten die Outrieder mit Laramie? Laramie wieß zwar fruchtbare Erde auf und hat die größte Dichte an Farmen, also nicht, womit die Outrider etwas anfangen könnten.” An einer Tafel vor einer Kirche blieb er stehen. Und er fixierte das Datum darauf. April, bemerkte es und stellte sich neben den Cowboy: “Was ist, hast du was gefunden?”, fragte sie und blickte auf die schwarze Granittafel und verstand. Colt überflog die Namen und blieb an zwei hängen, er hatte nicht einmal gewusst, dass hier eine Gedenktafel aufgestellt worden war. Das Unglück vor 5 Jahren hatte sich im Orbit vor Laramie ereignet und an Bord hatten sich auch viele Bewohner Laramies befunden.

Gerade wurde Colt richtig bewusst, dass er sich mit dem Angriff überhaupt nicht beschäftigt hatte, doch wollte er das überhaupt, seine Eltern würden, auch wenn er alle Details wusste, nicht wieder zurückkommen. Der Cowboy steckte seine Hände wieder in die Hosentaschen und lief ohne ein Wort zu sagen weiter. April blickte auf die Tafel und dann zum Cowboy, der bereits einige Schritte entfernt war, schnell lief sie ihm nach. „Hey, geht’s wieder?” fragte sie nach einigen Momenten des Schweigens. denn so richtig wusste sie nicht, was sie zu ihm sagen sollte. Colt nickte: “Ja, es ist alles in Ordnung! Ich war nur überrascht, dass es hier diese Tafel gibt.” sagte er und nahm die Blondine in den Arm: “Erzähl den lieben Colt, was da zwischen Daniel und dir läuft..”, darauf rollte April schmunzelnd mit ihren Augen, sie wusste, dass der Cowboy da neugierig war und ewig nachhaken würde.

“Der Typ hat wohl heute einen schlechten Tag, so nett wie der war!” sagte Fireball, als sie die City Hall verließen. Saber tippte etwas in seinen Communicator und nickte. “Es gab wohl viele Plünderungen, die uns nicht mitgeteilt wurden.“ erwiderte der Schotte. Fireball sah sich um: “Warum teilt der Bürgermeister dem Oberkommando das nicht mit?”, fragte Fireball und wich einigen Menschen aus. “Das war schon immer so, die Bürgermeister der Siedlungen wollen beweisen, dass sie alles im Griff haben!”, erzählte Saber, die Erfahrungen des Oberkommandos. “Also Politik über Sicherheit! Hat ja super geklappt!” kommentierte Fireball sarkastisch, weil er immer noch von dem Zusammentreffen genervt war. Saber musste grinsen: “Diplomatie liegt dir also nicht!” stellte Saber fest, Fireball sah zum Schotten: “Wer mag das schon!”, konterte der Japaner und schrieb Colt, dass sie fertig waren. Saber blieb stehen und beobachtete eine Gruppe Siedler. Fireball bemerkte es nicht und lief weiter Richtung Café, wo Colt und April auf sie warteten.
“Hi!” stellte sich ein Mädchen mit blau gefärbten Haaren in seinen Weg. Fireball blieb abrupt stehen. “Ähm… Hi?” wiederholte er etwas irritiert. Saber sah sich nach Fireball um, nachdem die drei Männer wieder weiter gelaufen waren. “Na, großartig!” dachte sich der Schotte und machte sich auf den Weg zum verabredeten Treffpunkt. Wo er auf Colt und April traf und sich zu den beiden setzte, die gerade eine angeregte Diskussion führten. Sein “Hallo!” bekamen die beiden nur am Rande mit. “Cowboy, wir sind nicht mal einen Monat zusammen und du hörst schon die Hochzeitsglocken läuten!“, kam es von April und funkelte den Lockenkopf dabei an. Colt grinste breit, Saber bekam große Augen. “Alles gut, Prinzesschen, ich habe nur etwas fantasiert…wegen der Hitze” sagte er und April lehnte sich zurück: “Dir ist wirklich zu warm unter deinem Hut!” – “Dann mach halt nicht so ein Geheimnis daraus… Ich wusste es eh schon!” erwiderte Colt besserwisserisch. “Arrrgh, Fireball, diese Tratschtante!” raute die Blondine und sah sich nach dem Japaner um. Saber und Colt sahen auf, “Ach, der weiß wieder alles, aber der liebe Colt mal wieder nicht!” kam es jetzt eingeschnappt von Colt und verschränkte seine Arme. April bekam große Augen und verstummte. Der Cowboy hatte mal wieder geblufft und sie war voll darauf reingefallen.

“Man sieht sich!” hörten die drei und sahen auf und ein Mädchen lief schnell weg. “Ja, total gerne!” kommentierte Fireball und setzte sich zu seinen Freunden an den Tisch. Saber stellte fest, dass er noch genervter aussah. Colt und April sahen sich an und richteten ihren fragenden Blick auf ihren jungen Freund. “Was ist?” fragte Fireball, der die löchernden Blicke auf sich spürte, als er zu den dreien sah: “Wer war das denn?”, wollte April als erstes wissen. Fireball sah die Blondine an. “Du weißt also von Daniel und April?” kam es darauf von Colt: “Hä?” war nun alles, was Fireball herausbrachte, er kannte sich gerade nicht aus. “Wo warst du?” fragte jetzt auch Saber. Und alle drei erwarteten eine Antwort.
“Du warst auf einmal weg!” verteidigte sich der Pilot. “Und triffst dich mit blauhaarigen Mädels!” stellte April fest und blickte dem Mädchen nach. Colt stieß Fireball leicht gegen die Stirn. “Was, spinnt ihr!” protestierte der Japaner und rieb sich die Stelle. “Sie hat mich angesprochen … ” Die drei sahen sich an und darauf wieder zu Fireball. “Was ist los mit euch?” fragte er etwas überfordert. Die drei lehnten sich zurück. “Wir haben uns nur unterhalten.“ setzte Fireball fort.
Ein Kellner brachte dem Schotte seinen bestellten Flat White. “Also wer war das?” hakte Colt jetzt doch nochmal nach, die Sache kam ihm dann doch komisch vor. Fireball lehnte sich zurück: “Sie kennt uns und wollte wissen, was wir hier machen.” war seine schnelle Antwort, was ihm sichtlich unangenehm war. Colt musste grinsen: “Wohl eher ein Fan von dir, Hombre!”, schließlich hatte er in den letzten Monaten viel Zeit mit Wartezimmerlektüre verbracht und lachte auf. Auch Saber begann zu grinsen. Fireballs Kaffee wurde serviert: “Und was ist mit Daniel?” wechselte Fireball schnell das Thema. April rollte genervt mit ihren Augen, als wieder die erwartungsvollen Blicke der Jungs jetzt auf ihr ruhten.
Absatz #4
Shinjiro lag wieder im Bett, zwei Schritte hatte er mit Hilfe geschafft, als seine Lippen blau anliefen. Morel steckte das Stethoskop wieder ein und verließ daraufhin mit Royu das Zimmer. Shinjiro wollte jetzt nur eins seine Ruhe und kein Familientreffen. Er schlief schon halb, als er eine Hand auf seinem Arm spürte. Er nickte nur, zu mehr war er nicht mehr in der Lage. Hitomi hauchte ihm einen Kuss auf die Wange, sie war froh, dass er sich wieder erholen würde.
Saber saß am Abend in seiner Satteleinheit. Colt und Fireball hatten ihren freien Abend und waren in Laramie unterwegs. April war bereits kurz nach ihrer Ankunft auf Ramrod in ihrem Quartier verschwunden. Der Schotte ging die Scans durch, die er während des heutigen Fluges gesammelt hatte und schrieb seinen Bericht, damit weitere Hilfe vor Ort organisiert werden konnte.
Colt zeigte Fireball die Tafel, die er heute Mittag mit April entdeckt hatte. Fireball las sich die Inschriften durch und betrachtete das Datum. “Das war gestern vor 5 Jahren!” Colt nickte wissend: “Ja verrückt!” sagte er und zog sich seinen Hut etwas tiefer ins Gesicht. Fireball blickte still zu seinem Freund und wartete einige Augenblicke: “Was ist verrückt?” fragte er. Colt setzte sich auf eine Bank, die vor der Tafel stand und betrachtete die Blumen, die wohl von Angehörigen niedergelegt worden waren. “Ich habe überhaupt nicht daran gedacht!” kam es von Colt leise. Fireball verstand und sah zwischen der Tafel und seinem Freund hin und her. Als er einen Schritt auf Colt zuging: “Was ändert das?”
Colt sah auf und stieß leise etwas Luft hinaus: “Nichts, aber die Tatsache, dass ich heute hier bin, macht es umso näher.“ erklärte er. Fireball verstand und setzte sich neben Colt und musterte die Tafel. “Hier hast du einen Ort.” begann Fireball. Colt nickte: “Ja, das ist es wohl, es blieb nichts von dem Schiff über nur verglühende Teile in der Atmosphäre.“ erzählte Colt mit bebender Stimme. Fireball schluckte schwer. “Es macht mich wütend, ich frage mich heute wie damals, warum wollten sie hier Land kaufen, warum?” sprach er seine Frage aus und nahm seinen Hut vom Kopf. „Vielleicht reizte sie das Neue Grenzland.“ warf Fireball das naheliegendste ein.
Doch Colt schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, meine Eltern haben Texas oder die Staaten davor nie verlassen.” Fireball lachte kurz auf: “Also richtige Hillbillys!” Colt verzog sein Gesicht und verpasste Fireball eine kleine Kopfnuss. “Hey, so schlimm nun auch nicht!” mahnte der Cowboy. “Woher kennst du eigentlich diesen Begriff?” Fireball sah leicht grinsend zu Colt, ließ aber einen weiteren Kommentar stecken, sein Kopf hatte heute schon genug einstecken müssen. “Ach egal!” sagte Colt: „Jedenfalls war es nie ein Thema.” erinnerte er sich und zuckte mit seinen Schultern. “Meine Familie war einfach glücklich, da wo sie waren… und ich auch…” gab er kleinlaut zu.
Fireball hörte zu, es schien Colt gut zu tun, zu erzählen. “Aber du wolltest weg.” Der Cowboy winkte ab: „Ja, aber nicht hierher, ich wollte mit dem Rodeo Zirkus, der in unserem Nest war, ein oder zwei Jahre umherziehen, um das Land zu sehen, mehr nicht, heute weiß ich, dass es totaler schwachsinn war.”
Fireball nickte bestätigend. “Oh Ja!” kommentierte er. Colt lachte auf und stieß seinen Hombre kurz an: “Was haha? Du wärst der Rodeo Clown, Hombre!” Fireball rollte mit seinen Augen. “Lass mal, das ist was für echte Cowboys!” Colt setzte sich empört auf und sah Fireball, der ihn frech an grinste, fassungslos an: “Aha, willst du damit sagen, ich bin kein echter Cowboy?” und er lachte, als er merkte, dass es Fireball gelungen war, ihn auf andere Gedanken zu bringen.
“Danke Partner!” kam es von Colt und lehnte sich zurück. Fireball tat es seinem Freund gleich. Eine friedvolle Stille stellte sich zwischen den beiden ein. Fireball sah von der Tafel zum Gebäude dahinter, nur das hell erleuchtete Kreuz auf der Kapelle strahlte in der Dunkelheit.

„Glaubst du an Gott?“, durchbrach Fireball die minutenlange Stille. Colt, der in seinen Gedanken war, sah überrascht zu seinem Freund: „Klar“, antwortete er knapp. „Klar?“, wiederholte Fireball und Colt nickte. „Klar.“ „Also wirklich? Nach allem, was passiert ist?“ hakte Fireball genauer nach. Colt musste darauf leicht schmunzeln. „Klar, klar.“ Fireball schwieg und Colt dachte einen Moment nach und atmete tief durch. „Du fragst dich, warum ich Gott nicht die Schuld gebe, oder?“ Fireball nickte nur. „Wenn du einen Autounfall hast, gibst du dem Autohersteller die Schuld?“ Fireball riss seine Augen auf. „Nein…“ Colt nickte, Fireball setzte sich gemütlicher hin: „Ich weiß nicht …“, murmelte er schließlich. „Ich glaube, ich wäre einfach nur wütend.“ Colt lehnte sich enspannter zurück: „Oh, das war ich auch.“ gab er zu und Fireball sah ihn an. „Ich war richtig wütend, ich habe ihn angeschrien. Ich habe ihn gefragt, warum ausgerechnet meine Eltern sterben mussten. Eine Antwort habe ich nie bekommen.“ und er sah wieder zum Kreuz. „Aber ich habe irgendwann gemerkt, dass er meinen Schmerz zwar nicht weggenommen hat. Sondern er hat ihn mitgetragen. Das ist ein Unterschied.“ Fireball schwieg und dachte über das gesagte nach. „Weißt du, glaube heißt für mich nicht, auf alles eine Antwort zu haben. Glaube heißt, dass ich ihm trotzdem vertraue, gerade dann, wenn ich nichts verstehe.“ Fireball nickte langsam. Colt grinste und stieß Fireball an, bevor er aufstand: „Versprich mir nur eins: Beurteile Gott nicht nur nach den dunkelsten Tagen deines Lebens.“
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