loader image

6.308 Wörter, 33 Minuten Lesedauer.


Absatz #1

Am nächsten Morgen.

Shinjiro saß zu Hause in seinem Büro und war dabei, ausgesuchte Berichte der letzten Tage zu überfliegen.

“Wie wird es mit dem Team weitergehen?“, fragte sein Vater, der vor dem Bücherregal stand, beiläufig. “Das wird sich zeigen, wenn es so weit ist.”, war Shinjiros ebenfalls beiläufige Antwort, während er interessiert etwas las. “Wenn es soweit ist.” wiederholte der Ältere und ging auf den Schreibtisch zu. Shinjiro blickte von seinem Tun auf. “Shinji wurde von einem Sergeant, der nicht die Lieutenant-Laufbahn durchlief und keinerlei militärische Qualifikationen aufweist, mit einem Fronturlaub diszipliniert!” sagte der Weißhaarige, bevor er sich in den Ledersessel vor den Schreibtisch setzte. Shinjiro presste seine Lippen aufeinander. “Sergeant Wilcox ist seit drei Jahren im aktiven Dienst, zwar nicht durchgehend als Offizier, doch seine Leistungen entsprechen dem Rang eines Sergeants! Das wurde Protokoll-Gemäß, von vier unabhängigen Seiten, entschieden!“, war Shinjiros Erklärung, er hatte jetzt nicht vor, eine Grundsatzdiskussion über Ränge zu führen. 

“Dessen erste Amtshandlung als Sergeant war, Shinji in den Fronturlaub zu schicken.” ließ der ältere nicht locker. Shinjiro gab auf und lehnte sich in seinem Bürosessel zurück und musterte seinen Vater: “Warum sollte ich? Diese Entscheidung lag in seinem Ermessensbereich und abhaken tu ich gar nichts, das ist Aufgabe des befehlshabenden Offiziers. Der in diesem Falle Captain Lancelot ist.“ erklärte er jetzt doch ausführlicher. “Und Shinji steckt im Leerlauf!” erwiderte sein Vater. Shinjiro atmete tief ein: “Um was geht es genau?” wollte Shinjiro jetzt wissen. Der Großvater sah auf und blickte zu seinem Sohn, der ihn jetzt fragend ansah. 

Shinjiro lehnte sich wieder nach vorn und wollte weiter lesen. “Ich habe Shinji alles ermöglicht, bis hin zu seiner Pilotenausbildung!”, begann der Ältere nach einigen Momenten der Stille. Shinjiro nickte nur leicht. “Du hättest ihn erleben sollen …

“Er war 15 …” begann er, “Dich interessiert nur sein Weiterkommen, ohne darauf zu achten, ob er die Fähigkeiten hat, um in seiner Position zu bestehen!” unterbrach Shinjiro, um die Diskussion mit seinem Vater zu beenden und stand auf. “Die hat er, also hör auf, ihn in Watte zu packen!” wurde der Ältere jetzt etwas fester. 

Shinjiro stemmte seine Hände in die Hüften: “Wenn es nach mir ginge wäre er auf Alamo, in der Akademie, wo man in seinem Alter hingehört, er ist hier umgeben von Praxis und erfahrenen Offizieren, aber ihm fehlt die Theorie, um die Praxis objektiv anwenden zu können, von daher werden ihn zwei Wochen Fronturlaub hintern Schreibtisch nicht schaden.” erklärte Shinjiro und ging Richtung Tür. Sein Vater fixierte ihn mit seinem Blick und ging ihm nach: “Wäre es dir lieber gewesen, wenn er Rennfahrer geworden wäre?” fragte er. “Oh man!” kam es leise von Shinjiro und warf seinem Vater, der mittlerweile neben ihm stand, einen Blick zu. 

“Ich dachte, dass Shinji nach 6 Monaten aus Alamo wieder zurückkommt!” sagte sein Vater. Shinjiro trat stumm aus dem Büro hinaus. “Was hast du erwartet, er war dort umgeben von Technik, Geschwindigkeit und Nervenkitzel!” zählte Shinjiro nur einige Dinge auf, die seinen Sohn faszinierten. Und stieg die Treppe hinab. Sein Vater nickte mit einem bestätigenden: “Ich muss zugeben, ich hatte seine Willensstärke damals unterschätzt.” gab der Ältere schwerfällig zu und folgte. Shinjiro blieb nach diesem Satz stehen: “Er ist ein Hikari!” begann er. 

“Shinjiro!” unterbrach ihm sein Vater fest. Doch Shinjiro sah seinem Vater darauf einige Zeit fest an: “Und von wegen du hast ihn nicht gelenkt, deine Angst war es, dass er mit seinem Technikverständnis eine andere Laufbahn einschlägt, oder irre ich mich da?” fragte Shinjiro unbeirrt. Der Ältere blickte seinem Sohn ebenfalls fest in die Augen. Shinjiro löste den Blick und stieg den letzten Absatz der Treppe hinab. 

“Er wollte Rennfahrer werden, oder sonst was.” sprach der Ältere, um sein Tun von damals zu erklären. Shinjiro presste seine Lippen aufeinander und öffnete die Wohnzimmertür und trat in den Raum, in dem Fireball auf dem Tablet im Internet surfte, während er noch immer an seinem Frühstück saß. “Ich hätte ihn auch weiter am Taiyaki Stand mit Sato-san stehen lassen können, wäre das eher in deinem Sinne gewesen?” fragte der Ältere herausfordernd.

Fireball stoppte seine Kaubewegungen, als er die Worte seines Großvaters hörte und sah vom Tablet auf. Shinjiro drehte sich seinem Vater zu und nickte ihm bestätigend entgegen: “Siehst du …” Hitomi hielt ihren Mann leicht am Arm zurück. Royu hob seine Augenbrauen. 

“Ich habe meine Verantwortung als Großvater wahrgenommen, als sein Vater …” der Ältere machte eine Pause. “Sprich weiter!” forderte Shinjiro. “Könnt ihr bitte damit aufhören, euch in mein Leben einzumischen?” unterbrach Fireball die angespannte Stille zwischen seinem Vater und seinem Großvater.

Shinjiro drehte sich den Esstisch zu: “Nein!” und blickte wieder zu seinem Vater. Fireball rollte mit seinen Augen und beschloss einfach zuzuhören, schließlich ging es mal wieder um ihn, obwohl er einfach nur in Ruhe sein Frühstück genießen wollte. Er erinnerte sich an das Gespräch mit seinem Vater auf Jarr, oder an die Worte, die Colt ihm gesagt hatte, dass das zwischen seinem Vater und Großvater nur im entferntesten Sinne etwas mit ihm selbst zu tun hatte. Auch wenn es Fireball schwer fiel, das gerade zu beobachten. Warum allerdings die Taiyaki von Großvater Sato-san immer öfter Thema waren, hatte Fireball noch nicht rausbekommen, “die sind doch lecker!” wusste er und als Kind hatte er gerne mit seinem Großvater Sato bei den Sommerfesten hinter dem Stand mitgeholfen. 

Absatz #2

Saber betrat nach langer Zeit mal wieder das Oberkommando durch den Haupteingang, statt wie immer durch das Parkhaus. Langsam ging er auf die imposante Weihnachtstanne zu, die in der Mitte der riesigen Empfangshalle stand. Tausende funkelnde Lichter spiegelten sich in den glänzenden Christbaumkugeln und tauchten die große Empfangshalle in ein warmes, festliches Licht.

Ein vertrauter Duft nach Tannengrün, Zimt und frisch gebackenen Plätzchen stieg ihm in die Nase, unwillkürlich musste er lächeln. Hier und da hingen Lichterketten und duftende Tannenzweige,die mit roten Schleifen geschmückt worden waren. Im ersten Moment dachte er, ein zu Deja Vu von der letzten Shoppingtour mit Sincia zu haben. Aber er war tatsächlich im Oberkommando und betrachtete wie jedes Jahr den Weihnachtsbaum, der immer wieder ein Blickfang war. 

Offiziere grüßten ihn im Vorbeigehen. Sanfte Weihnachtsmelodien erfüllten den Raum, während sich das warme Licht der Dekorationen auf dem glänzenden Marmorboden spiegelte. Doch am stärksten wurde in diesem Moment Sabers Geschmackssinn gereizt. denn der verführerische Duft von frisch gebackenen Apfelstrudel zog durch die Halle und er atmete tief ein. Er liebte Zimt und war für einen flüchtigen Augenblick wieder zu Hause in Schottland. Weihnachten hatte dort immer genauso gerochen.

Der Geruch des Strudels hatte sich garantiert schon seinen Weg durch die Gänge des Oberkommandos gesucht. Und würde den einen oder anderen Offizier anlocken. Saber musste schmunzeln, denn auch er würde heute einer davon sein, war er sich ganz sicher. Er entdeckte April, die bereits im Offizierskasino saß, und Alvin brachte der Navigatorin ihren allmorgendlichen Latte Macchiato. Der Highlander steuerte auf die beiden zu, genau einen Kaffee benötigte er jetzt auch, vielleicht sogar um die Weihnachtszeit einzuläuten, mit einer feinen Zimtnote?


Colt hatte sich einen Tag herausgenommen, um die Ereignisse und die erhaltenen Informationen der letzten Stunden sacken zu lassen. Saber hatte durchaus Verständnis und würde, wenn er es schaffte, auch noch vorbeischauen. Seine Gedanken sprangen von einem Punkt zum anderen, sein Kopf brummte mittlerweile nur noch. Plötzlich war eine Geschichte rund geworden. Und er öffnete die Holztruhe und sah hinein. Dort, irgendwo zwischen der Feldflasche, dem Schal und der ID-Marken, lag die Farm seiner Familie. 

Es klopfte, der Lockenkopf blickte Richtung Tür: “Ja!” kam es rau und leise von ihm. Die Tür öffnete sich darauf einen Spalt und Robin steckte ihren Kopf hindurch und lächelte ihm entgegen: “Na, bist du fleißig?” neckte sie ihn und trat in den Raum. Colt grinste und schloss die Holzkiste. 

Robin musterte ihren Cowboy: “Was denn immer noch diese Geschichte?“ fragte sie besorgt, wusste sie doch, wie viele Abende er sich mit Filmen und Dokus darüber um die Ohren geschlagen hatte. Sie wollte nicht, dass er sich zum aktuellen Krieg auch noch zusätzlich mit einem vergangenen beschäftigte. Sie nahm ihn in ihre Arme: “Hast du Fragen dazu, vielleicht kann ich ja helfen?” Colt drückte sie an sich und musste schmunzeln: “Nein, keine Fragen, aber antworten!” sagte er. Robin sah ihn fragend an, denn sie verstand ihn gerade nicht. 

Er löste sich etwas und griff nach einer Mappe, die neben der Kiste lag und gab sie ihr. Robin nahm sie entgegen und öffnete sie langsam. Nach einigen Momenten der Stille sah sie auf: “Das ist die Farm in Texas!” sprach sie fast ehrfürchtig vor sich, Colt nickte ihr entgegen. “Aber wie, ich meine, seit wann? Hast du etwa?” begann Robin, sie hatte gerade so viele Fragen in ihrem Kopf. Erst hatten sie nur eine Wohnung in Yuma, die zwar auch wunderschön gewesen war, aber mitten in der Stadt. Jetzt hatten sie diese wunderschöne Farm mit einer Apfelplantage und wie um alles in der Welt kam die Farm in Texas so plötzlich wieder zurück in Colts Besitz, dass es so war, bestätigte ihr die Urkunde.

Absatz #3

Shinjiro sah sich im Wohnzimmer um, atmete tief ein, dann verabschiedete er sich und verließ den Raum, Hitomi folgte ihm. Royu stand fragend vom Sofa auf, die Diskussion zwischen Shinjiro und seinem Vater war erstickt, bevor sie überhaupt richtig begonnen hatte. Royu sah zu seinem Neffen, der vermutlich selber versuchte, das Geschehen zu sortieren. „Was ist nur passiert?“, fragte er sich. In den letzten Wochen eskalierte es zwischen den beiden regelmäßig, wenn sie sich sahen. Er ging sich durch seine Haare und setzte sich neben seinen Vater auf die Couch. 

Mikan war ziemlich unbeeindruckt von allem und hatte ihren Beobachtungsposten auf ihrem Lieblings-Fensterbrett eingenommen, wo sie dem Schneetreiben im Garten zusah. Doch plötzlich sprang sie hinunter und rannte wild durch den Raum und in den Flur. Alle Anwesenden schauten überrascht auf und verfolgten die plötzliche Aktion der Katze. Fireball grinste, Mikan hatte ihr berüchtigtes fünf-minütiges Energiehoch.


„Beruhige dich“, sprach Hitomi leise zu Shinjiro, der gerade die letzten Knöpfe seines Mantels schloss. Er schaute seine Frau an und sagte: „Vor zehn Minuten war ich noch ruhig!“ und zeigte in Richtung Büro. Hitomi griff nach seiner Hand. Shinjiro atmete tief aus und beugte sich näher zu Hitomi: „Was ist los mit ihm? Er bringt mich um den Verstand!“ sprach er leise und blickte in Richtung Wohnzimmer, aus dem in diesem Moment die wildgewordene Mikan heraus stürmte und in den ersten Stock fegte. „Und sie mich auch!“, sagte er, während er und Hitomi dem Fellknäuel nach guckten. Hitomi schmunzelte und wandte sich wieder ihren Mann zu: „Schh!“, und strich ihn über die Wange und gab ihm zum Abschied einen Kuss. Auch Shinjiro nickte darauf schon wieder versöhnlicher. „Ich werde nicht lange wegbleiben.“, teilte er ihr mit und genoss noch einige Sekunden die Nähe. Hitomi ging zurück ins Wohnzimmer. Shinjiro zog seine Schuhe an und holte seinen vibrierenden Kommunikator aus seiner Manteltasche, um die eingegangenen Nachrichten zu lesen.

„Komm vorbei, wenn du in Japan bist.“ Shinjiro zuckte innerlich zusammen, als er plötzlich die Stimme seines Vaters hinter sich hörte. Ohne sich umzudrehen, steckte er seinen Communicator zurück in die Manteltasche, öffnete die Haustür und trat einen Schritt nach draußen. Kalte Winterluft schlug ihm entgegen, die ihn tief einatmen ließ.

„Deine Mutter würde sich freuen“, fügte sein Vater hinzu, bevor Shinjiro die Tür hinter sich schloss. Shinjiro hielt einen Moment inne, seine Hand ruhte noch auf der Türklinke, während sein Blick über die verschneite Einfahrt glitt. „Aber geh vorher zum Friseur!“ drang die Stimme seines Vaters wieder in sein Bewusstsein, darauf zog er die Haustür hinter sich zu und ging zu seinem Wagen.


“Dein Latte Macchiato con Caramel.” sagte Alvin, als er April ihren Kaffee vorsichtig auf den Tisch stellte. Die Blondine sah von ihren Unterlagen auf: “Danke, den hatte ich ja schon fast vergessen!” sagte sie und zog sich das hohe Glas, in dem ihr morgendlicher Wachmacher war, zu sich heran. “Du hast ihn auch nicht bestellt!” nickte Alvin und trat einen Schritt beiseite, als Saber an den Tisch trat und in die kleine Runde grüßte. April lächelte Alvin entgegen: „Danke!“ sagte sie und begrüßte den Säbelschwinger, als dieser sich neben sie setzte. Der Schotte bestellte auch gleich seinen allmorgendlichen Milchkaffee. “Extra Stark ohne Zucker und spitzer Milchschaumkrone.“ beendete Alvin die Bestellung des Captains. Saber grinste: „Ja, auf die bestehe ich!” nickte Saber Alvin zu, der sich auf den Weg machte. 

April musste etwas kichern, während sie ihren Kaffee im Glas mit einem langen Löffel umrührte. Der Schotte blickte über den Tisch: “Was machst du so früh hier?” fragte er, Aprils Dienst begann schließlich erst in einer Stunde. „Ich warte bis das japanische Waffeningenieur-Team da ist!” gab April auskunft und begann bei ihren Macciato die Schaumkrone auszulöffeln. 

Saber nickte: “Auch die werden erst in zwei Stunden da sein.” wurde der Schotte genauer. April stützte darauf ihren Kopf ergeben auf: „Ach, ich saß bis heute Morgen an den Plänen und prüfe den Verlauf der Schaltkreise, wir müssen wohl einiges komplett neu und umgestalten.“ kam es etwas ernüchternd von der Ingenieurin. “Okay!” kam es von Saber und lehnte sich im Stuhl zurück, als er erfuhr, mit was sich April die Nacht um die Ohren geschlagen hatte und hielt Ausschau nach seinem Kaffee. Dass die Umrüstung von Ramrod nicht Mal so nebenbei von statten gehen würde, war dem Schotten durchaus klar, aber dass sie den guten Ramrod sogar gleich aufreißen mussten, um an die Verbindungen zu kommen, weil es eine komplett andere und neue Technik war, hatte er nicht mit bedacht. Aber heute standen nur Vermessungsarbeiten an, es muss also nicht zum Supergau kommen, beruhigte sich der Highlander und blickte auf seine Uhr. 


“Tja, und so ist die Wilcox Farm jetzt wieder die Wilcox Farm.“ beendete Colt die ausführliche Geschichte, wie auch er sie gestern gehört und erlebt hatte. Robin schüttelte den Kopf. Sie und der Cowboy saßen mittlerweile am Wohnzimmertisch, während William auf dem Boden unter seinem Spielbogen lag und dabei war einzuschlafen. Nach einigen Momenten der Stille sagte Robin nachdenklich: „Das ist einfach unglaublich!“ stand auf und holte sich erst einmal etwas zu trinken. Colt starrte aus dem großen Fenster des Wohnzimmers und genoss den wunderschönen Blick auf die Trauerweide und den Rest seiner leicht eingeschneiten Farm. 

„Ja, unglaublich …“ dachte er und nickte seinen Gedankengängen zu. Er sollte der glücklichste Mensch im gesamten Universum sein. Aber dennoch wollte der Jubel in ihm nicht so recht aufkommen. „Colt, hast du eine Vorstellung, was das bedeuten könnte?“ begann Robin und stellte eine dampfende Teekanne sowie Tassen auf den Tisch. Er fuhr ein wenig erschrocken zusammen, so tief war er in seinen Gedanken versunken gewesen und schaute zu seiner Robin, die ihm gerade eine Tasse Tee vor die Nase stellte. 

„Das kann doch kein Zufall sein, dass mit Billie und jetzt mit Shinji und dir…“ Colt sah zu seiner Holden: „Glaubst du etwa an sowas?“ fragte er ruhig und griff nach seiner Tasse Tee. Robin setzte sich wieder und zog sich ihre Tasse mit ihren beiden Händen näher an sich heran. „Ich weiß es nicht so genau, aber man hört immer wieder Geschichten von Menschen, die sich treffen und dann herausfinden, dass sie eine Begegnung in der Vergangenheit hatten.“ sprach sie leise und nahm vorsichtig einen Schluck ihres heißen Aufgussgetränks. Colt lehnte sich etwas in seinem Stuhl zurück und seufzte: „Ach!“ und streckte sich, während er sich durch seine Locken ging. Das fand er jetzt allerdings zu weit hergeholt. „An Zufälle glaube ich jedenfalls nicht! Ich bin sicher, dass die beiden noch etwas zu erledigen hatten …“ fügte Robin noch fest davon überzeugt. Colts Augen weiteten sich. “Wovon sprach Robin da gerade?” Robin bemerkte die Reaktion ihres Mannes und nickte noch einmal: „Ja, beide dachten, der andere wäre tot. Billie ist einfach gegangen und der andere hat aufgrund der Begegnung mit Billie letztendlich gegen seine tief verwurzelten Überzeugungen und Prinzipien gehandelt, aber dennoch das Richtige für sich und andere getan!“ Colt atmete tief ein und rieb sich die Augen: „Ja, 15!“ kommentierte er das Gesagte, nicht dass er es für wenig bedeutsam hielt. In beiden Lagern waren so viele Menschen auf dieser Insel gestorben, Iwo Jima war eine der verlustreichsten Schlachten gewesen. 

„Richtig 15, die möglicherweise ohne einen einfachen weißen Schal nicht überlebt hätten und wieder nach Hause konnten.“ zählte Robin weiter auf. Colt nickte zustimmend und streckte unter dem Tisch seine Beine aus. Ein Auto fuhr vor. „Was denkt Shinji über die ganze Angelegenheit?“ fragte Robin, als Colt aufstand: „Keine Ahnung!“, sagte er, während er zur Tür ging. Robin lehnte sich mit ihrer Tasse nachdenklich zurück und überschlug die Beine. „Aber du kannst ihn ja gleich selbst fragen.“, kam es von Colt und öffnete die Haustür.

Absatz #4

Jarred und Shinjiro saßen im ersten Stock der Herrenvilla und blickten durch die großen Fenster hinaus auf den verschneiten Garten. Draußen glitzerte der frisch gefallene Schnee in der Wintersonne, während drinnen die wohlige Wärme des Kamins den Raum erfüllte.

„Morel wird die Weihnachtsandacht im Oberkommando halten“, bemerkte Shinjiro beiläufig, während sie ihre Pläne für die kommenden Wochen besprachen. Ein leichtes Schmunzeln huschte über Jarreds Gesicht: „Ja, und er hat mir ausdrücklich gesagt, dass er dich gern treffen möchte“, erwiderte Jarred. Shinjiro atmete tief durch und griff nach der Tasse auf dem Beistelltisch: „Nur wenn er mir meine Flugerlaubnis zurückgibt.“ Jarred betrachtete seinen Freund einen Moment, der in den letzten Wochen tatsächlich weiter an Gewicht verloren hatte, doch er schob es auf die Nachwehen der schweren Lungenentzündung. Er schüttelte schmunzelnd den Kopf: „Ich hoffe allerdings, Morel schafft das, woran selbst ich als König gescheitert bin und zwar dich in einen Friseursalon zu bekommen.“ Shinjiro hob eine Augenbraue: „Dann hat deine königliche Autorität immerhin ihre Grenzen gefunden“, erwiderte er darauf trocken. Jarred lachte leise.

„Was ist das?“, fragte Shinjiro, als er von seinem Tee nehmen wollte und ihm ein merkwürdiger Geruch aus der dampfenden Tasse entgegen strömte. Jarred nahm darauf, seine Tasse in die Hand, roch daran und musste schmunzeln: „Das ist eine weihnachtliche Gewürzteemischung, zusammengestellt von meinem Tee-Sommelier. Mit getrockneten Äpfeln, Zimt, Nelken, Koriander, Erdbeeren und Ringelblumenblüten, alles abgestimmt und ergänzt mit dem „Oolong“-Tee, der an einem Berghang des Fujisan angebaut wird.“ war Jarreds ausführliche Antwort und nahm sich einen Schluck von seiner Winter-Teemischung, die ihn dieses Jahr sehr mundete. 

Shinjiro beobachtete Jarred schweigend und schaute noch einmal in seine Tasse: „Also so etwas wie ein Tee-Smoothie.“, kommentierte er fast abwertend. „Der armer Tee …“, fügte er noch hinzu und stellte seine Tasse wieder ab. Innerlich schüttelte Jarred mit seinem Kopf, konnte sich aber ein amüsiertes Lachen nicht verkneifen: „Probier ihn, er ist wirklich gut!“, versuchte der König seinen Freund doch noch zu überreden. Shinjiro lehnte sich in seinem Sessel zurück und überschlug seine Beine: „Nein, ich bin noch nicht bereit, Ringelblumentee mit dir zu trinken …“ winkte er dankend ab. Jarred musste lachen.


Die Brücke auf Ramrod war überfüllt, mit Mechanikern, Waffeningenieuren und Raumfahrttechnikern und da jedes verfügbare technische Gerät angeschlossen wurde. Es kam zu so manchen Parkour-Bewegungen der Anwesenden. Saber hatte das Gefühl, dass er sich seinen Platz als Captain heute auf der Brücke hart erkämpfen musste. Er war beeindruckt, da er bisher nur Updates miterlebt hatte. Doch nun wurde ihm eine komplett neue Technologie präsentiert, die in den nächsten Tagen hoffentlich erfolgreich eingebaut werden sollte. Und das war so, wie es aussah, eine ganz schöne Nummer. Er war gespannt darauf, wie Colt auf all die Neuerungen rund um seine Satteleinheit reagieren würde. Die Rückschlagkraft des Friedenswächters musste perfekt mit den Waffenbeständen an Bord harmonieren. Immerhin war Ramrod ein tonnenschweres Kampfschiff, das den Rückstoß verkraften musste, wenn mehrere Waffen gleichzeitig abgefeuert wurden und das meist unter Vollschub. 

Die Flug- und Waffen-Ingenieure führten Diskussionen und Berechnungen durch. April entfaltete die Konstruktionspläne von Ramrod, unter denen die Blondine fast verschwand. Die Analyseprogramme liefen auf Hochtouren. Der Schotte rief Programm um Programm auf seiner Konsole auf, da er für jedes neue System seine Zustimmung geben musste. Dieser Tag war viel anspruchsvoller als er erwartet hatte, das musste er zugeben. Aber es machte Spaß, sich mal wieder so intensiv mit den Systemen an Bord seines Schiffes zu beschäftigen. Aufgrund der Büroarbeit der letzten Wochen hatte er kaum Zeit dafür gehabt. Trotzdem stand er auf und beschloss, sich für ein paar Minuten aus dem Getümmel zurückzuziehen und begab sich in die Bordküche und bereitete eine große Kanne Kaffee zu. 


Fireball wollte eigentlich nur kurz nach Robin und William sehen. Dass sich Colt heute einen Tag frei genommen hatte, wusste er nicht. Nun saßen sie zusammen im Wohnzimmer auf dem Sofa, nachdem sie gemeinsam zu Mittag gegessen hatten. William genoss die volle Aufmerksamkeit der Drei und begann schon lustige Grimassen zu schneiden und mit seinem Mini-Kuhhirten-Charm zu spielen, wie Fireball es liebevoll bezeichnete. Und als der kleine Cowboy immer quengeliger und müder wurde, machte Robin ihn für sein Schläfchen bereit. 

Nachdem Robin aus dem Schlafzimmer zurückkam, holte Colt die Army-Kiste aus seinem Büro, um auch Robin die besagten Gegenstände zu zeigen. Er gab Robin den Schal, über den sie gesprochen hatten. Robin betrachtete den Stoff. Obwohl der Schal schon ziemlich löchrig und schmutzig war, erkannte sie, dass er einer Frau gehört haben musste. “Wem gehörte er?”, fragte sie und allgemeines Schulterzucken seitens der Männer war die Antwort. „Vielleicht hatte er eine Freundin!“, warf Fireball ein. Robin nickte zustimmend: „Bestimmt. Warum sollte Billie sonst mit so einem Schal um den Hals in den Krieg ziehen?“ sprach Robin und strich mit einer Hand über den Stoff. „Ich habe keinen Schal!“, protestierte Colt, leicht eifersüchtig. „Damals konnte man sich nicht jederzeit anrufen, Cowboy. Ein Schal war wie ein tägliches Telefonat!“ erklärte Robin ihrem Cowboy. „Tja, manchmal reicht so ein Schal vollkommen!“ murmelte der Lockenkopf in seinen Dreitagebart. Robin warf Colt einen bösen Blick zu. Fireball grinste hörbar: „Naja…“ begann er und sah Colt frech an. Der Lockenkopf zeigte auf seinen Hombre und signalisierte damit, dass Fireball besser aufhören sollte zu reden. 

William meldete sich weinend über das Babyfon, er zahnte seit zwei Wochen und so klappte so manches erholsames Schläfchen nicht mehr so richtig. Robin legte sich zu William. Fireball und Colt brachten die Kiste wieder zurück ins Büro. Colt setzte sich in seinen bequemen Relaxsessel: „Ich versuche, alles objektiv zu betrachten!“ begann der Cowboy und verschränkte seine Arme vor der Brust. Fireball lachte kurz auf: „Objektiv, du?“ begann er, während Colt zu seinem Freund blickte und einfach nur zuhörte. „Das hatte Billie damals anscheinend auch versucht: ‚Macht eure Scheiße alleine weiter!'“, zitierte Fireball die protokollierten Abschiedsworte von Colts Vorfahren und setzte sich auf das Sofa. Colt dachte einige Augenblicke über das Gesagte nach und lehnte sich dann nach vorn: „Wir Billie und ich haben nur zufällig eine ähnliche Geschichte und…“ Er blickte Fireball breit grinsend an: „Einen Hikari vor uns!“ Fireball lachte: „Ja, uns wird man so schnell nicht wieder los …“ Colt nickte mehrmals bestätigend vor sich hin und ließ sich wieder in die Polster zurückfallen. „Du glaubst, ich sehe da einen Zusammenhang?“, fragte der Japaner jetzt etwas ernster. „Genau das weiß ich ja nicht, Partner. Aber ich würde es gerne von dir wissen.“, begann Colt. Fireball zog ein Bein auf das Sofa und dachte nach. 

„Weißt du, Shinji, ich versuche es irgendwie zu verstehen. Ich verstehe, dass ihr oder dein Großvater dankbar dafür seid, aber berechtigt mich das, die Farm jetzt als Geschenk anzunehmen? Versteh mich nicht falsch, ich freue mich wirklich darüber … Aber ich habe mehr Fragezeichen in meinem Kopf als Antworten!“ sprach Colt aus, was in seinem Kopf vor sich ging und ihn beschäftigte. Fireball füllte seine Wangen mit Luft und ließ sie dann hörbar entweichen. Er presste die Lippen aufeinander und versuchte, sich in Colts Lage hineinzuversetzen, was ihm gerade schwerer fiel, als er dachte: „Nimm es einfach so hin, es ist ein Geschenk, ohne Verpflichtungen. Allerdings denke ich, dass ich nicht der Richtige bin, um dir das genau zu erklären.“ gab Fireball zu, doch Colt intervenierte sofort und setzte sich auf: „Vergiss es, du bist genau der richtige dafür, mir das zu erklären. Also schieß los!“ forderte der Cowboy. Er wollte es mit den Worten seines Freundes hören und keine abgeklärten, geradlinigen Erklärungen wie von Royu oder sonst wem…

Fireball atmete tief ein und aus und bereute es gerade wirklich, seinem Großvater oder Royu zugehört zu haben! Er kratzte sich an einer Schläfe und setzte sich in den Schneidersitz. „Meinem Großvater ist es wichtig, dass diese Sache gelöst ist.“, begann er. Colt lehnte sich interessiert zurück, um das Gesagte besser aufnehmen zu können. „Durch die Recherche von Royu tauchte der Brief von Kenshin auf, und Kenshin schrieb darin, dass er Schuldgefühle hatte, weil er gegen die damals sehr starken Glaubenssätze verstoßen hatte.“ Fireball machte eine kurze Pause, um die richtigen Worte zu finden. Colt nickte: „Hmh“, kam es von ihm und dachte nach. „Du meinst, weil Kenshin sich Billie nicht auch vorgestellt hat, oder?“, fiel ihm ein. Fireball bestätigte: „Ja, das auch. Damals wurde es auch als Unehrenhaft angesehen, aufzugeben und in Gefangenschaft zu geraten, der einzig akzeptable Ausweg war der Tod.“ erzählte Fireball oberflächlich. Der Cowboy runzelte die Stirn, und Fireball bemerkte dies. Er nickte und ergänzte: „Es war der vorherrschende Zeitgeist, und der Kodex wurde in dieser Zeit leider auf Kosten vieler Menschenleben missbraucht. Für Kenshin als Adjutant gab es also keine andere Option als diesen Kampf bis zum Ende zu führen.“ 

Nachdem Fireball seine Erzählung abgeschlossen hatte, entstand eine bedrückte kurze Stille. “Und doch hatte er es geschafft, dass sich 15 Mann ergaben.” Fireball nickte und blickte sich im Büro des Cowboys um. Colt atmete tief ein: “Und welche Rolle spielt die Farm in dieser Story?”, wollte es Colt jetzt genauer wissen. Fireball überlegte einen Moment, während er seine Sitzposition auf dem Sofa veränderte: “Im Shinto glaubt man, dass nach dem Tod die Seele unter den Lebenden weiterlebt und wenn sie etwas nicht zu Lebzeiten erledigt oder eine Schuld bereinigt hat, kommt diese nicht zur Ruhe. Die Lebenden haben dann die Aufgabe, dies aufzulösen, das Blöde ist nur, wenn man von der Unruhe eines Verstorbenen nichts weiß. Und durch die Aufklärung dieser Geschichte konnte etwas aus der Welt geschafft werden. Für meinen Großvater beziehungsweise Familie hat es sich damit erledigt! Und du kannst die Farm mit ruhigem Gewissen annehmen, du bist niemanden etwas schuldig!” 

Colt spitzte seine Lippen und musterte seinen Freund: “Okay!” nickte er und fühlte sich nun auch schon besser und einige Fragen hatten sich damit auch beantwortet. “Und du, was glaubst du?” wollte der Cowboy darauf wissen. Fireball riss seine Augen auf: “Puh!” begann er: “Darüber habe ich noch nie wirklich nachgedacht!” war die schnelle Antwort seines Hombres. Der Cowboy grinste, er durchschaute sofort Fireballs Ausweichmanöver und lächelte: “Ich vermute, du machst dir mehr Gedanken darüber als du zugeben möchtest.” half Colt nach. Fireball zuckte mit seinen Schultern: „Vielleicht!“ und bestätigte damit Colts Vermutung: “Weißt du, bei meinem Großvater war das, was ich dir erzählt habe, allgegenwärtig, genau wie das Kreuz bei meinem anderen Großvater.“ Öffnete sich Fireball jetzt doch. Colt verstand: “Und du stehst dazwischen!” merkte der Lockenkopf an. Fireball schüttelte mit seinem Kopf, “Ja, wie überall…” murmelte er, als er wieder an die Situation von heute Morgen dachte. 

Colt wartete noch einige Momente bis er aufstand: “Los lass uns im Oberkommando nach dem Rechten sehen, der Boss hatte heute Morgen was von Messarbeiten auf Ramrod erzählt!” entschied Colt, er wollte Fireball nicht weiter bedrängen.


Jarred kehrte zu seinem Platz zurück und reichte Shinjiro einen Umschlag. “Für dich von General Whitehawk!” waren Jarreds ruhige Worte. Shinjiro blickte überrascht auf und nahm den Umschlag fragend entgegen. Der König nickte: „Aus seinem militärischen Nachlass.” fügte Jarred noch mit an. Shinjiro betrachtete den einfachen Umschlag in seiner Hand. “Er hatte gemeint, dass ich ihn dir aushändigen soll.” Shinjiro schluckte: “Du weißt also, was da drin steht?” Der König lehnte sich in seinem Sessel zurück und atmete tief ein.

Absatz #5

„Hey!“ grüßte Colt in die Runde und gesellte sich mit Fireball zu Dave, der sich gerade mit Alvin unterhielt. „Schönheit ist nicht alles!“, sagte Alvin ernst und stellte den frisch zubereiteten Kaffee auf ein bereit stehendes Tablett ab. Colt warf einen Blick von dem dunkelblonden jungen Mann hinter der Theke zu den gut trainierten Piloten der Detroit neben sich. Es schien so, als ob Dave immer noch versuchte, Alvin zu verkuppeln. 

„Hast du einen Nebenjob als Date-Doktor?“, fragte der Cowboy, der bestimmt bei den Frauen reißenden Erfolg hatte und nichts anbrennen ließ. Dave grinste breit. „Erfahrung macht den Unterschied, Cowboy!“ Alvin umrundete die Theke und nahm das Tablett an sich. „Ihr seid oberflächlich!“, kommentierte er das Gespräch der beiden und verschwand. 

„Was? Das stimmt doch gar nicht, manchmal reicht die Oberfläche völlig aus!“, rief der Lockenkopf Alvin nach. „Wenn Robin das hört, bist du von der Oberfläche verschwunden!“, konterte Fireball trocken und ging zu einem Tisch am Panoramafenster, das den Blick auf das verschneite Rollfeld freigab. Colt zog reflexartig den Kopf ein, Dave stupste den Lockenkopf mit seinem kräftigen Oberarm an: „Tja, du bist unterm Hut, Cowboy.“ sagte Dave und folgte dem Kurzen. Colt dachte nach, „Ging der Spruch nicht anders?“ und blickte hinaus.


Vor einer halben Stunde hatte sich Shinjiro von Jarred verabschiedet. Er plante, den Brief in einem ruhigen Moment zu öffnen. Er setzte den Blinker und fuhr in das Parkhaus des Oberkommandos ein, wo Lorenz bereits auf ihn wartete. Der Captain der Air Base gab Shinjiro einen schnellen Bericht über die Ereignisse des Tages, während sie gemeinsam zum waffentechnischen Labor liefen, um die Daten der Schiffe einzusehen, die für die Umrüstung in Frage kamen.


Der Tisch am Panoramafenster war gut besucht. Saber und April hatten sich dazu gesellt, als sie gehört hatten, dass ihre beiden Freunde und Kollegen im Haus waren. Die Arbeit für heute war erledigt, die Ramrod-Analyse würde automatisch bis zum Morgen weiterlaufen. 

Möglicherweise würde der Friedenswächter aufgrund der Umrüstung für einige Tage außer Betrieb sein. Genaueres würde man morgen wissen. jetzt freuten sich der Schotte und die blondine auf einen warmen Apfelstrudel. Daniel, der wie Fireball im Fronturlaub feststeckte, holte wie die Tage zuvor April ab. 

Dave ließ nicht locker und nahm Alvin noch einmal zur Seite. „Entschuldige, wenn ich vorhin etwas na ja … ” er stoppte und suchte nach den richtlinien Wort… „Unsensibel!“ – “Barsch!” halfen Colt und Fireball den gut trainierten Amerikaner bei seiner gerade einsetzenden Wortfindungsstörung aus. “Ja genau, sowas!” sprach Dave Augenrollend weiter. „Im ersten Moment spielt das Aussehen eine Rolle, warum also nicht auch die innere Schönheit nach außen sichtbar machen?“ mogelte sich Dave etwas durch. Diejenigen, die in Hörweite waren, verstummten. „Oh Man …“, murmelte Fireball leise vor sich hin. „Pssst!“ flüsterte Colt, der wissen wollte, was Dave weiter zu sagen hatte. Doch Dave zog Alvin mit sich weg, er wollte nicht, dass die anderen es mitbekommen.


“April!” stand Dave plötzlich wieder am Tisch. Die Blondine, die gerade genüsslich ihren Apfelstrudel verspeiste, blickte auf. “Was ist mit April?” warf Daniel ein. “Sie wird bestimmt gerne…” – „Vergiss es!” unterbrach Daniel Dave schnell, er wusste genau, was sein Freund und Kollege vorhatte. April grinste, auch sie wusste, worauf das hinauslaufen sollte. “Sie weiß was die Mädels sehen wollen, hab ich recht, Schätzchen?“ sprach Dave weiter und ignorierte Daniels Einwurf. 

April verschluckte sich beinahe und sah den Amerikaner darauf ernst an: “Ich bin nicht dein Schätzchen, ist das klar!” Daniel hielt sich die Hand vor das Gesicht, sein geplanter Abend mit seiner Freundin war ruiniert! „Aber das wird bestimmt teuer!“ versuchte Alvin noch zu retten. Dave nickte. 

“Das will ich sehen!” stand ein Offizier auf, der auch der Detroit diente und legte einen Schein in die Mitte des Tisches. Alvin entglitten alle Gesichtszüge. “Haha!” kam es von Colt, der etwas ahnte und legte ein weiteres Scheinchen dazu und stieß Fireball neben sich an. Weitere Geldscheine landeten in der Mitte, auch Saber beteiligte sich an dem wohl schon lange abgekarteten Spiel. April stand auf. “Du wirst doch jetzt nicht mit ihm einkaufen gehen!”, kam von Daniel Protest. 

“Natürlich! So wie es abgemacht war!” antwortete Dave statt April, während er das Geld vom Tisch einsammelte und es Alvin in die Hand drückte, der vollkommen überfahren das Geschehen beobachtete. „Ja, aber ich muss doch noch arbeiten!“ warf Alvin besorgt ein. Dave grinste: “Deinen Job, werden die beiden Helden liebend gerne übernehmen!” sagte er und zeigte dabei auf Daniel und Fireball, deren Gesichter daraufhin jegliche Mimik verloren. 

Colt prustete vor Lachen, und der Rest der Gruppe applaudierte. „Spinnst du?“ protestierte Daniel erneut. Saber blickte über den Tisch, die Idee gefiel dem Schotten. Fireball sah sich um und fühlte sich wie in einem falschen Film. Und als er auch noch Sabers Grinsen bemerkte, wusste er, dass er nicht entkommen konnte. 

„Nein, aber ihr Beide spinnt und das wird euch auf den Boden der Tatsachen zurück bringen!” erklärte Dave und zeigte auf die Theke, wo Francis bereits darauf wartete, die beiden Aushilfskellner für heute zu empfangen.

Fireball sah fragend zu Saber, doch der Schotte nickte ihm nur zu: “Du hast davon gewusst.“ fuhr er danach den Cowboy neben sich an. Colt, der sich ein herzhaftes Lachen verkneifen musste, schüttelte mit seinem Kopf: “Den Teil kannte ich nicht, aber ich hätte gerne einen Apfelstrudel!” bestellte er direkt. 

April verabschiedete sich und Mandarin schloss sich April und Alvin an. “Na warte!” blickte Daniel drohend zu Dave und ging sauer Richtung Tresen. „Na, ganz toll!” kommentierte Fireball innerlich, wer weiß wie lange das jetzt dauern würde, hatte er doch Erfahrung mit Aprils Shoppingtouren. Alvin blickte zurück, als ihn die beiden Frauen mit sich zogen. Dave winkte: “Der Glückliche!“ sagte er grinsend und setzte sich wieder an den Tisch.


Das Offizierskasino platzte fast aus allen Nähten, Daniel und Fireball hatten alle Hände voll zu tun. So voll hatten beide um diese Uhrzeit das Casino noch nie erlebt. “Das ist pure Absicht!“ kommentierte Daniel, Fireball sah sich um, ihm war auch mittlerweile klar geworden,dass da eindeutig nachgeholfen wurde. 

„Jungs, das muss schneller gehen, die wollen alle auch noch nach Hause und die anderen müssen an Bord ihrer Schiffe!” drang Francis die beiden zur Eile. “Na gut, was die können, können wir auch!” sagte Fireball und blickte über die Menschen und die Kapazität der Kaffeemaschinen. “Pass auf!” begann er Daniel in seinen Plan einzuweihen, denn hier jetzt vor allem abzusaufen, hatte der Japaner keine Lust! Und erklärte Francis und Daniel seine Arbeitsablauf Strategie, die er sich zurechtgebastelt hatte. 

„Gut, so machen wir es!” kam es begeistert von der erfahrenen älteren Servicekraft im Oberkommando. „Wartet, wenn wir die Bewegungsabläufe von da nach da koordinieren, läuft alles wie ein Uhrwerk!” brachte der Navigator, der sonst nur Schiffe auf Kurs hielt, sein Wissen mit ein, um jetzt die Offiziere zu lenken. “Also los!” Ein Kaffee und ein Apfelstrudel gingen einer nach dem anderen über die Theke, alles lief ohne größere Verzögerungen. “Na läuft doch!” kommentierte Dave das geschehen. „Eine ausgezeichnete Idee!“ gratulierte der Schotte dem Ersten Offizier und Piloten der Detroit. Dave stimmte zu und beobachtete weiter das Geschehen, immer mehr Offiziere und Angestellte drängten in das Kasino. 

Colt stellte sich neben Dave: “Na los greifen wir den beiden mal unter die Arme, denn verschwitzten!” Der Pilot nickte dem Cowboy zu und gab ein Zeichen, weitere Helfer schlossen sich an und machten sich auf den Weg zur Theke. Francis wurde gebeten, sich zu setzen und bekam einen Kaffee serviert. Die Detroit hatte das Offizierskasino übernommen! 

Die Lage wurde allmählich übersichtlicher und der Stress und die Anspannung flachten ab. Dank des Teamworks blieb keiner durstig oder hungrig zurück. Satt und gut gelaunt verließen die herbeigerufenen Gäste das Casino, während das kleine Trinkgeldglas mehrmals geleert werden musste und die Kasse klingelte. Der Schotte war beeindruckt, als er eine Runde drehte. Der First Grad betrat zusammen mit Eagle, Lorenz und Rosso das Casino, Saber schloss sich den Dreien an. 

Absatz #6

“Also ist es möglich, Ramrod ohne größere Eingriffe umzurüsten?” fragte Saber sicherheitshalber noch einmal nach. Lorenz nickte: „Ja, bei den Jets sieht die Sache schon anders aus, da sie kleiner und leichter sind. Das müssen wir bei zukünftigen Strategien und Einsätzen berücksichtigen.“ 

Der Kaffee wurde still serviert. Captain Hikari schaute von seiner Tasse auf und war überrascht, als er seinen Sohn in einer blauen Bistroschürze vor sich sah. Bevor er etwas sagen konnte, wies Fireball seinen Vater ab: „Für Personalangelegenheiten ist er zuständig!“, und zeigte auf Saber, bevor er eilig den oberen Teil des Offizierskasinos verließ. 

Eagle sah den jungen Piloten nach: “Also ich habe japanischen Service freundlicher in Erinnerung.“ scherzte er. Lorenz lachte und fragte: „Darf man im Fronturlaub einem Nebenjob nachgehen?” – “Oder hast du ihn zur Strafe seinen Sold gekürzt?“, warf jetzt auch Rosso ein, der selten eine spitze Bemerkung machte. 

Captain Hikari nahm unbeeindruckt einen Schluck von seinem Kaffee. Der Schotte grinste und klärte die Sache auf.


Fireball und Daniel saßen in ihren blauen Schürzen nach dem Ansturm, eine Etage tiefer beim Kücheneingang auf einer Treppe und löffelten ihren Wohlverdienten auf Kosten des Hauses Apfelstrudel. “Was eine Arbeit!” kam es von Daniel, der völlig fertig war. Fireball nickte und kaute: „Ja, aber war gut, meine Strategie hat funktioniert.“ Daniel ließ seine Gabel auf den Teller fallen: “Deine Strategie mit meiner Navigation!” berichtigte der braunhaarige Amerikaner und brach sich ein erneutes Stück seines Strudels ab. 

“Hm!” nickte Fireball zu. “Sorry wegen der Nase.” nutzte der Japaner die Gelegenheit, der strudeligen Zweisamkeit. Voneinander weglaufen konnten sie eh nicht mehr, die Füße qualmen vom Hin und her rennen, seine Uhr zeigte eine komplette Trainingseinheit an, die er in den letzten Stunden erledigt hatte. Daniel blickte zur Seite und grinste, während er kaute: “Bist auch kein Spinner!“ sagte er, aber wurde von seinem Appetit gleich wieder abgelenkt. “Das ist so gut! Die Äpfel sind der Hammer!” schwerte Daniel, während er sich den letzten Bissen in den Mund schob. 

Fireball kaute und nickte, das war er wirklich und sein Blick fiel auf die ihm bekannten Obstkisten, die in dem langen Versorgungsgang, wo täglich alle zutaten für die drei Küchen des Oberkommandos angeliefert wurden, standen und er musste grinsen.


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
Wie hat dir das Kapitel gefallen?
Bitte bewerte dieses Kapitel, Danke 💙
1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet
Majhool
Majhool
16 Tage vor

Every time a new chapter is published, I am YaY😁

Like the speed of updating 😀

But there is no update on the Instagram account for a while now ,🤔

Prev Post

Next Post

1
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.