5.827 Wörter, 31 Minuten Lesedauer.

Absatz #1
„Sie sind also nicht mehr zwei, sondern eins. Und was Gott verbunden hat, das darf der Mensch nicht trennen.“ Mit diesen Worten von Dr. Morel begann für Sincia und Saber sowie für Robin und Colt ein neues Kapitel ihres Lebens. Unter der Trauerweide, auf Colts erworbenen Farmland mit Apfelplantage, bewegten sich die langen Äste, die wie ein Vorhang wirkten, sanft im warmen Sommerwind und wehte über das knöchelhohe Gras, und ließ die schweren Äste der Apfelbäume, an denen schon dicke, runde rot-goldene Früchte hingen, träge schaukeln. Während das Sonnenlicht in goldenen Flecken auf den Boden fiel und weiche Schatten zeichnete.
April, die ein festliches Sommerkleid trug, stand neben Bastiaan und strich sich eine Träne von der Wange, während eine warme Brise sanft durch ihr Haar fuhr. Neben Aaiko wartete Fireball, der neben Colt, als sein Trauzeuge stand und ihm nun endlich die Ringe reichte. Robin war so überwältigt, dass sie leicht zitterte. Colt hingegen schien alles um sich herum vergessen zu haben. Nachdem er seiner liebstebn den Ring angesteckt hatte, zog er sie an sich und küsste sie ausgiebig.
Ein leises Schnauben und Kichern aus den Gästereihen war zu hören, dann tippte Fireball dem Cowboy auf die Schulter: „Das kommt später, Kuhhirte!“, flüsterte er frech. Colt löste sich darauf widerwillig von Robin, räusperte sich und reichte mit einem schiefen, entschuldigenden Lächeln dem wartenden Schotten, dessen Trauzeuge er nun wieder war, die Ringe.

“Mit diesem Ring schenke ich dir mein Herz“, sagte er und steckte Sincia feierlich den Ring an. Marry atmete tief ein, während ihr dicke Tränen über die Wangen liefen.
Nach der Zeremonie standen die Gäste von den mit weißem Stoff bezogenen Bänken auf und jubelten den vier frisch Vermählten zu. Colt, der einen eleganten Anzug mit braunem Wildleder-Jacket trug, lief mit Robin in Siegerpose durch die Reihen. Darauf folgten Sincia und Saber der in seiner Galauniform, mit Kilt und Säbel vor dem Traualtar getreten war.
Zwischen den Gästen liefen immer wieder weiße neugierige Hühner umher. Zwei Kellner verteilten Champagner. Saber und Sincia traten gemeinsam zu einem Ballon, während die Gäste von zehn runter zählten. Bei null reichte April ihnen eine lange, schimmernde Nadel. Sincia und Saber sahen sich noch einmal einen Moment an, als wollten sie ihr süßes Geheimnis noch für wenige Sekunden festhalten, bevor sie es dann platzen ließen. Und rosafarbenes Glitzerkonfetti auf sie und die Gäste herab rieselte.
Die Gäste brachen in Jubel aus und die Trauerweide mit Lachen und Applaus erfüllte. Marry wandte sich strahlend Edward zu: “Eine Enkeltochter!” sprach sie freudig und die beiden hielten sich stolz in den Armen. Von allen Seiten strömten Glückwünsche herbei, warme Worte, Umarmungen, Lachen und fröhliche Stimmen.
Darauf reichte Fireball Colt eine Konfettikanone und die Gäste sammelten sich nun um Robin und den Cowboy: fünf, vier, drei, zwei, eins. Und Colt lüftete mit einem kräftigen Knall nun auch ihr Geheimnis. das sich nun mit blaues Konfetti über alle niederließ. Saber lachte herzlich und zog den Cowboy in eine feste Umarmung. April klatschte begeistert in die Hände: “Ein Junge und ein Mädchen, wie toll“, freute sie sich.
Alex runzelte amüsiert seine Stirn und beugte sich ein wenig vor: “Wie hat der Cowboy das denn geschafft?” … Hehe kam es darauf nur von Bastiaan, begleitet von einem verschmitzten Grinsen. Gemeinsam hoben sie ihre Gläser und protesten nun auch Robin und Colt zu, während das Konfetti noch immer zu Boden rieselte.
Musik erfüllte die Gegend, während sich im weißen Partyzelt ein großes, abwechslungsreiches Buffet und eine einladende Bar erstreckten. Drinnen wie draußen waren gemütliche Sitzgelegenheiten verteilt, und die Gäste begannen, sich in kleinen Gruppen zusammenzufinden. Natürlich gab es eine Live Country Band, die bereits ihre Instrumente stimmte. Als die Dämmerung einsetzte, tauchten Fackeln und bunte Lichterketten alles in ein warmes, romantisches Licht.
Edward trat zu seinem Sohn und legte ihm eine Hand auf die Schulter: Mein Sohn, es gibt nur drei wichtige Wörter für einen Mann für eine lange und glückliche Ehe. Saber grinste und zog Sincia ein wenig näher an sich: “Ich liebe dich?” fragte er, doch sein Vater schüttelte langsam mit seinem Kopf, und ein wissendes Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen: “Nein, die Zauberworte sind: Ja, mein Schatz.” Marry lachte hell auf, und auch um sie herum wurde geschmunzelt.
Nach einiger Zeit wurden die Herren zusammengerufen. Einer nach dem anderen bekam einen Spaten in die Hand gedrückt, bis sie schließlich nebeneinander an einer auf dem Boden markierten Linie standen. Die Gäste blickten erwartungsvoll, Inmitten der Absperrung stand Dr. Morel. Mit ruhiger, feierlicher Stimme begann er: “Zufriedenheit und ganz viel Segen wollen wir euch zum Hausbau geben.” Seine Worte legten sich wie ein sanfter Schutz über den Moment. Dann setzten Colt und Robin gleichzeitig an und machten drei symbolische Spatenstiche.
Fireball ging auf die beiden zu: “Nun kann ja echt nichts mehr schiefgehen, ihr steht unter dem Schutz des Höchsten”, sagte er grinsend. Colt lachte leise, trat auf seinen Freund und Trauzeugen zu und zog ihn fest in seine Arme: “Hombre, so was aus deinem Munde”, freute er sich. Fireball zuckte mit den Schultern und hatte ein schiefes Grinsen im Gesicht: “Meine Mutter ist Christin und Dr. Morel ist zur Zeit Dauergast bei uns”, erklärte er und zeigte auf den Pastor, der darauf grinsend seine Arme verschränkte.

Robin beobachtete die Szene mit einem warmen Lächeln und kurz darauf gesellten sich auch April, Saber und Sincia zu ihnen. Gemeinsam ließen sie ihren Blick über das Gelände schweifen. Sie sprachen nicht, sondern genossen den stillen Moment. Das sanfte Flimmern des frühen Abends tauchte alles in ein warmes Licht, und plötzlich wurde alles klar. Heute endete ein Abschnitt ihres Lebens, doch zugleich lag etwas Neues, Aufregendes vor jedem Einzelnen von ihnen.
Sincia atmete tief durch, ihre Stimme durchbrach leise das Schweigen: “Es war so ganz anders, als wir es alle geplant hatten, aber es ist wunderschön.” Saber nickte langsam. “Ich hatte es euch doch gesagt, es gibt eine Doppelhochzeit!” kam es lachend von Colt. April stemmte ihre Hände in die Hüften und blickte den Cowboy an: “Von Last Minute hattest du aber nichts gesagt!” warf April etwas vorwurfsvoll ein. Während sich ein Huhn seinen Weg zwischen den Füßen von Colt und April pickte: “Ach ja und alles gute zur Farm, das ist Henriette 2.0, von Saber und mir!” sagte Fireball und zeigte auf die gefiederte Dame in der Mitter: “Haha, ja!” lachte der Cowboy auf und nahm das Huhn, das darauf laut losgackerte: “Nur wohin jetzt mit der Hübschen?” und ließ sie wieder runter. Henriette rannte darauf gleich davon: “Es sind 5 Damen und ein Hahn.” erklärte der Japaner. “Der Glückliche..” kam es von Colt und sah zu seinen Freunden: “Ihr kommt auf Ideen!” sagte er und schüttelte mit seinem Kopf: “Der Hahn kräht pünktlich um 4 Uhr 30 … also verschlafen ist nicht mehr, Cowboy” Colt sah seinen Freund fragend an. Fireball grinste darauf frech: “Der Hahn und mein Vater wurden in den letzten zwei Tagen doch keine Freunde.” Colt entgleisten die Gesichtszüge, und der Rest verkniff sich ein Lachen: “Also, die Kühe musst du dir dann alleine kaufen, die darf ich dann wohl nicht im Garten beherbergen.” erklärte Fireball und alle lachten alle dann doch herzhaft los.
Am späten Nachmittag warf Sincia ihren Brautstrauß. Ein aufgeregtes Kreischen ging durch die Menge, doch der Strauß flog in einem eleganten Bogen und landete direkt vor Aaiko und Fireball. Überrascht und vor allem fragend, hob Aaiko den strauß mit bunten Sommerblumen auf und drehte sich zu Fireball, der sie mit großen Augen ansah, als hätte ihn der Blitz getroffen:b “Was ist?”, fragte sie: „Ach nichts“, sagte er hastig und winkte ab, als wäre dieser Akt völlig bedeutungslos.
Ein paar Schritte, blieb das Geschehen natürlich nicht unbemerkt, schließlich wollte jeder wissen, wo es in Zukunft die nächste Hochzeit gab: “Hombre ist der Nächste”, rief Colt amüsiert. Aaikos Blick wanderte darauf langsam zurück zu Fireball, ihre Augen verengten sich leicht. Doch bevor sie etwas sagen konnte, machte er einen Satz nach hinten, drehte sich um und wollte flüchten. In genau diesem Moment flatterte ein aufgescheuchtes Huhn laut gackernd über den Weg. Fireball riss erschrocken seine Augen auf und sprang mit einem beinahe akrobatischen Satz über Henriette hinweg, landete unsauber und stolperte ein paar Schritte weiter, fing sich gerade noch und setzte seine Flucht fort.
Aaiko blinzelte kurz, dann schüttelte sie den Kopf und rannte ihm mit dem Brautstrauß hinterher: “Bleib sofort stehen!” Hinter ihnen brach schallendes Gelächter aus, während das Huhn empört weitergackerte und sich beleidigt ins Gras verzog.

Colt, Saber und Alex lachten herzhaft: “Sie verprügelt ihn jetzt hoffentlich damit!” kommentierte Colt und sogar April und Bastian mussten bei der Szene herzhaft lachen! Die Country Band spielte alle Klassiker und später gab es natürlich noch Line Dance.
Absatz #2
Hitomi und Shinjiro saßen an diesem Abend in ihrem nun endlich wieder hühnerfreien Garten und genossen den warmen Sommerabend, jeder mit einem guten Buch vor der Nase. Eine Ruhe war in den letzten Tagen im Haus eingekehrt, die fast schon ungewohnt wirkte. In ihrer gemütlichen Sitzecke unter dem blühenden Mehlbeere-Baum mit seinen cremefarbenen Blüten lehnten sie sich entspannt zurück und ließen den Blick über das weitläufige Grundstück schweifen. Vereinzelte Lichtquellen tauchten die Beete und Wege in ein sanftes, flackerndes Leuchten, während die letzten Farben des Tages langsam am Himmel verblassten.

Hitomi hatte dem Garten hier und da schon eine persönliche Note gegeben. Shinjiro arbeitete in letzter Zeit öfter von Zuhause und fuhr stundenweise zu offiziellen Terminen ins Oberkommando. Hitomi genoss es, nicht mehr den ganzen Tag allein zu sein, aber es war trotzdem ein ungewöhnliches Verhalten von ihm. Seit der letzten Mission hatte sich etwas verändert, nicht nur in Bezug auf die Arbeit, sondern vor allem zwischen ihnen, das spürte sie! “Auch wenn du da bist, habe ich das Gefühl, du gehst mir etwas aus dem Weg.” sprach sie es sanft an, was sie seit Tagen wahrnahm. Shinjiro, der in sein Buch vertieft war, blickte kurz auf und senkte seinen Kopf und nickte leicht: “Wenn du es so wahrnimmst, tut es mir leid, ich habe so viel zu ordnen in meinem Kopf.” versuchte er zu erklären. Hitomi richtete sich etwas von ihrer Faulenzhaltung auf und sah ihn an: „Zu Viel!“ stellte sie fest. Shinjiro atmete tief ein und wollte sich wieder auf sein Buch konzentrieren: “Das meine ich!” kam es von Hitomi. Shinjiro machte das Buch zu und legte es auf den Tisch und lehnte sich in die Polster zurück: “Was willst du jetzt hören?” fragte er ruhig. Hitomi rückte näher an ihn heran, ließ aber etwas Abstand, sie wollte ihn nicht bedrängen: “Na, wie es dir geht, was dich bedrückt und überhaupt alles!” Er nickte und sah sie an. Nach einigen Minuten, die endlos erschienen, stand Hitomi auf, strich ihn über den Arm und ging ins Haus. Shinjiro sah ihr nach, er presste seine Lippen aufeinander und atmete hörbar ein und aus.
Und stand ebenfalls auf und lief einen kleinen beleuchteten Weg im Garten entlang er drehte sich um und schaute auf das Haus vor ihm in dem einzelne Zimmer beleuchtet waren und sein Blick ging weiter Richtung Himmel, der Sternenteppich funkelte, es waren Sterne die er kannte, erst jetzt wurde ihm bewusst, er hatte seit er auf Yuma zurück war niemals den Nachthimmel beobachtet, er kannte die Sternbilder und auch die einzelnen Routen, all das war eingespeichert, Jahrelang hatte er einen Himmel gesehen, der ihm fremd war und auch blieb bis zum Schluss. Vereinzelte blaue und rote Punkte flogen ihre Landerouten entgegen. Seine Aufmerksamkeit ging wieder in den Garten zurück, den Hitomi gerade wieder mit etwas zu trinken betrat und ging zu ihr.

“Schau, weißt du noch?” Hitomi hielt ein Foto in ihrer Hand. Shinjiro schaute es sich an und nahm es nach einer Weile, um es genauer betrachten zu können, er nickte und musste etwas schmunzeln. Es zeigte ihm und Hitomi mit ca. 14 jahren, am Ufer des Meguro River in Tokio, ein Nebenfluss, der sich 8 Kilometer durch Tokio schlängelt, wie oft waren sie am Ufer spazieren gewesen, denn dort hatte sie niemand gesehen oder vermutet, es war ihr Geheimnis gewesen: “Das hatte ich schon fast vergessen.” gab er zu und gab ihr das Foto zurück. Hitomi nickte: “Das habe ich mir fast gedacht!” Hitomi lehnte sich an ihn: “Los erzähl, was fandest du damals am schönsten?” forderte sie ihn auf. Shinjiro streckte die Beine aus und legte sie vor sich auf einen Sessel. Sein Blick verlor sich irgendwo im Halbdunkel des Gartens, während seine Gedanken unaufhörlich kreisten.

Wie hatte er diese Zeit nur so lange verdrängen können? Denn sobald Hitomi in seinen Erinnerungen erschien, wurde alles leicht und warm. Ihre Nähe damals wie heute war wie ein sanfter Gegenpol, ein ruhiger Hafen. Doch dann, ganz plötzlich, schoben sich andere Bilder dazwischen. Szenen, die diese Wärme erstarren ließen, als würde jemand das Licht in ihm einfrieren. Und in diesen Momenten fühlte er sich wieder genauso wie damals, unbeweglich, wehrlos, gefangen in etwas, das er nicht greifen konnte. Und doch war es klar. Er wollte raus aus diesem Käfig. Doch jedes Mal, wenn er die unsichtbare Linie zu übertreten versuchte, durchzuckte ihn ein Schmerz, so real, so körperlich war, dass ihm jedes Mal der Atem wegblieb. Wie sollte er das erklären, wenn er es selbst kaum begreifen konnte?
Seine Gedanken wurden dunkler und drohten ihn wieder einzuholen. Doch dann, ganz unerwartet, blitzte etwas Bekanntes in ihm auf. Eine Erinnerung, klein und beinahe unscheinbar, aber voller Wärme, die Wärme, die ihn immer aus solchen Situationen gerettet hatte. Und ein leises Schmunzeln legte sich auf seine Lippen.
Hitomi lachte, als Shinjiro von ihrer ersten gemeinsamen Wohnung erzählte und davon, wie es damals nicht schnell genug hatte gehen können. Kaum war die Verlobung offiziell gewesen, hatten sie schon alles überstürzt und in ihren Kpf war alles fertig. Siebzehn waren sie gewesen, kaum mehr als Kinder, und doch fest entschlossen, ihr eigenes Leben zu beginnen. Auch wenn die drei Jahre bis zur Hochzeit alles andere als einfach gewesen waren, lag in ihren Erinnerungen noch immer etwas Helles, beinahe Verspieltes.
Shinjiro wurde mit achtzehn nach Alamo geschickt und kam nur alle zwei Wochen für ein paar Tage zu ihr. Diese kurzen Wiedersehen waren kostbar gewesen, aber auch schmerzhaft, weil sie jedes Mal viel zu schnell wieder endeten.
Auch zwischen den Familien war es nicht leicht. Ihre Familie hatte bis dahin keinerlei Berührungspunkte mit dem Militär gehabt, geschweige denn mit dem Leben in einer Familie wie den Hikaris. Alles war neu, fremd und manchmal schwer zu greifen gewesen. Erwartungen prallten aufeinander, unausgesprochene Sorgen lagen in der Luft. Und doch hatten sie sich immer wieder zueinander durchgekämpft, irgendwie, zwischen Abschieden, Missverständnissen und dem festen Willen, es gemeinsam zu schaffen.
Shinjiros Vater war gegen ihre Beziehung gewesen, wie es mittlerweile aussah, wusste sie nicht. Und auch ihr eigener Vater hatte keine Gelegenheit ausgelassen, sie zu warnen: “Du wirst dort nicht glücklich werden”, hatte er immer wieder gesagt. Doch sie hatten sich nicht beirren lassen. Gegen alle Zweifel, gegen alle Stimmen hatten sie aneinander festgehalten. Und gerade dieser Widerstand hatte sie noch enger zusammengeschweißt. Heute dachte Hitomi oft mit einem leisen Lächeln an diese chaotische Zeit zurück. An die Diskussionen, die heimlichen Treffen, das Gefühl, gemeinsam gegen den Rest der Welt zu stehen.
Mit zwanzig, nach der Hochzeit, begann schließlich ihr gemeinsames Leben. Erst auf Alamo, zwischen staubigen Wegen und neuen Routinen, später auf Yuma, wo sie in ihr erstes eigenes Haus zogen. Es war nichts Besonderes gewesen, und doch war es ihre Weltewesen.
Nach Japan waren sie in diesen Jahren nur selten zurückgekehrt, vor allem Shinjiro, der über zwei Jahre keinen Kontakt zu seiner Familie hatte. Es war ihre Zeit gewesen, ihre Anfangsjahre, in denen sie lernten, wer sie miteinander waren. Und sie hatten es genossen, einfach nur für sich zu sein.
Erst nach der stillen Geburt von Miko öffnete sich wieder eine Tür, wenn auch vorsichtig. Shinjiro hatte in dieser Zeit gemerkt, dass ihr Japan fehlte und einfach ein altes Haus gekauft hatte, um auch dort einen Rückzug zu haben. Hitomi atmete etwas bedrückt tief ein und aus, musste dann aber schon wieder lächeln, der Schmerz um ihre Tochter würde nie vergehen, auch nach all den Jahren nicht, aber sie wusste, dass sie sie irgendwann wiedersehen würde.
“Du hattest dir noch weitere Kinder gewünscht, nicht wahr?” durchbrach Hitomi die stille Zweisamkeit. Shinjiro lächelte, legte das Bild zur Seite und nickte: “Ja, es ist aber im nachhinein betrachtet gut, wie es ist!” sagte er. Hitomi verstand nicht: “Wie meinst du das?” Shinjiro zog mit einem Bein den Lounge-Sessel näher zu sich heran und stellte angewinkelt ein Bein auf diesen: “Sonst hätte ich dich mit zwei allein gelassen!” antwortete er ihr: “Das hättest du damals alles nicht gewusst!” erwiderte sie ruhig und blickte geradeaus in den Garten. Stille breitete sich zwischen ihnen aus, ruhig und doch schwer. Schließlich durchbrach er sie selbst, leiser als zuvor: “Ich glaube… ich hätte Shinji nicht der Vater sein können, den er gebraucht hätte.” kam es von Shinjiro nachdenklich. Hitomis Augen wurden größer, sie richtete sich auf und sah ihn direkt an: “Wie kommst du darauf?” fragte sie, doch es blieb still. Sie wartete ein Weilchen und lächelte dann ein wenig wehmütig, als sie sich erinnerte: “Ich habe Shinji manchmal nur zum Stillen bekommen. Du warst total vernarrt in ihn… Und du bist es immer noch.“ sagte sie wissentlich. Shinjiro nickte langsam, seine Gedanken waren jedoch gerade in einer anderen Zeit gefangen.
Sie merkte es und lehnte sich wieder an ihn: “Es wäre anders toll für Shinji gewesen, denn du wärst da gewesen und das ist dann egal”, sagte sie mit leiser Überzeugung. Auch sie hatte immer wieder darüber nachgedacht. Ja, Shinjiro wäre damals schon First Grad gewesen, und ihr Sohn hätte eine vollkommen andere Kindheit erlebt. Und doch war sie sich sicher, dass auch dieser Weg für Shinji etwas Besonderes gewesen wäre. Er hörte die Worte seiner Frau, und sie trafen ihn tiefer, als er erwartet hatte. Die verlorenen Jahre, die zerbrochenen Träume, alles, was sie sich damals gemeinsam ausgemalt hatten. Doch langsam atmete er ein, ließ die kühle Abendluft in seine Lungen strömen, und nickte schließlich in die warme Dunkelheit hinein: “Es sind Dinge, die mir in den letzten Monaten erst so richtig klar geworden sind.” sagte er. Sie schmiegte sich ein wenig näher an ihn, ihre Stimme war leise, fast vorsichtig: “Seitdem du Shinji vor Augen hast.”
Shinjiro wandte seinen Kopf zu ihr und sah sie an, dann huschte ein leichtes Grinsen über sein Gesicht, und er nickte.
Absatz #3
Eine Woche später im Hangar von Ramrod II.
Das gedämpfte Licht spiegelte sich auf dunkelblauem, hoch poliertem Metall und Glas, während das vibrierende Summen der Maschinen durch die Halle dröhnte. Saber stand vor seinem Team und übergab April, Colt und Fireball fast feierlich ihre Team Pads. Fireball hatte den Schotten vor zwei Tagen schließlich seinen unterschriebenen Vertrag übergeben. Damit war es jetzt besiegelt. Das Team der Vier war wieder vollständig.
Wir haben das Okay für den ersten Start“, verkündete Saber mit einem breiten Grinsen. Und er sah, wie sich im selben Moment die Gesichtszüge seiner Freunde veränderten. Vom ersten hocherfreut wich die Stimmung schlagartig, zu einem spürbaren Ernst. Bis eben waren sie noch davon ausgegangen, dass ein weiterer Tag an Bord von Ramrod II vor ihnen lag, um das Schiff besser kennenzulernen. Doch nun wurde aus den Tagen voller Theorie und Vorbereitung Realität.
Fireball atmete tief ein. In der vergangenen Woche hatte er mehr Zeit im Simulator und auf dem Schiff als zuhause verbracht. Stunden voller Tests, Abläufe und unzählige Wiederholungen, Systemeinstellungen zusammen mit April lagen hinter ihm. Und jetzt wurde es ernst. Auch in Colt breitete sich die Aufregung aus, auch er hatte sich mit dem neuen Maverick System vertraut gemacht und war mehr als gespannt darauf, diese im Flug zu testen.
Die vier gingen an Bord, dabei sprachen sie kaum miteinander, als sie ihre Systeme für den Start hochfuhren. Saber blickte über seine Anzeigen vor sich und hob leicht das Kinn: “Ramrod Systemkontrollen ein!” sprach er fest und Aktivierte seine Konsole: “Ramrod Flugsysteme ein!” kam es wenig später fest von Fireball und aktivierte sein Cockpit, das darauf bei Saber als 100 Prozent einsatzfähig angezeigt wurde: “Ramrod Feuerleitstand ein und bereit!” kam es darauf vom Cowboy und auch diese Konsole, mit allen Waffenständen würde Saber nun auch im Blick haben: “Ramrod Navigator, ein!” kam es zum Schluß von April und der Hangar schob sich weit auf.
Fireball atmete tief ein, sein Herz schlug ihm bis zum Hals, während seine Finger den Sidestick umfassten und er diesen sanft nach vorn bewegte. Für einen winzigen Augenblick geschah nichts, dann betätigte er den Schubregler und ein tiefes, kraftvolles Beben zog spürbar durch den Friedenswächter. Das metallische Dröhnen der Antriebe vibrierte durch die gewaltige Konstruktion und ließ selbst den Boden des Hangars erzittern, als sich das massige, haushohe Fahrwerk zum ersten Mal langsam in Bewegung setzte. Tonnen aus Stahl und modernster Technik glitten schwerfällig an, doch mit jeder Sekunde gewann die Bewegung an Kraft, während sich das Schiff Zentimeter für Zentimeter aus seiner gewohnten Position löste.
Feierlich rollte Ramrod II aus dem Hangar, streng beobachtet von den Mechanikern, Technikern, Ingenieuren und all den anderen, die in den vergangenen Monaten an diesem Schiff gearbeitet hatten. Viele von ihnen standen schweigend da und andere mit kaum verhohlenem Stolz in den Augen.
Die tief stehende Sonne spiegelte sich auf dem hoch polierten, dunkelblauen Metall der gewaltigen Außenhülle und ließ den Friedenswächter. Das Licht glitt über die klaren Linien des Schiffes, während die schweren kraftvollen Antriebe mit einem tiefen Grollen arbeiteten und Ramrod II langsam weiter über das Rollfeld bewegten.
Schließlich erreichte Ramrod II die ihm zugewiesene Startbahn und kam langsam zum Stehen und die Triebwerke begannen langsam hochzufahren. Ein tiefes, dumpfes Brennen erfüllte die Luft und der Boden vibrierte, während sich die gewaltigen Antriebssysteme Stück für Stück mit Energie füllten. Ein deutliches Flimmern lag sichtbar in der Luft hinter Ramrod II und verzerrte die Sicht auf das Rollfeld. Die gewaltigen Triebwerke hatten ihre volle Leistung erreicht und machten unmissverständlich klar, dass der Friedenswächter bereit war, mit Vollschub abzuheben.
April ließ ihre Finger über die Konsole gleiten und schickte Fireball den vorgegebenen Kurs: “Wir haben Startfreigabe”, sagte Saber und bestätigte die Freigabe. Fireball atmete tief ein, legte seine Hände fest an den Schubregler, der Steuerung und zündete die hinteren leistungsstarken Turbo Triebwerke. Augenblicklich schwoll das dumpfe Dröhnen des Friedenswächters gewaltig an. Die riesigen Antriebe entluden ihre Kraft in einem donnernden Beben, das durch das gesamte Schiff raste. Ramrod II setzte sich langsam in Bewegung, erst schwer und träge, dann immer schneller. Der Friedenswächter rollte über die Startbahn, während Fireball ihm Stück für Stück mehr Schub gab. Das Flimmern hinter den Triebwerken verzerrte inzwischen die gesamte Luft, und die gewaltige Maschine beschleunigte mit brachialer Kraft über das Rollfeld. Immer schneller, und immer gewaltiger. Erst ganz am Ende der Startbahn lösten sich die riesigen Räder vom Boden. Und der Friedenswächter erhob sich zum ersten Mal in die Luft. Trotz der Masse gewann der Rise immer mehr an Höhe, so als müsse selbst die Schwerkraft begreifen, dass sich dieser Gigant tatsächlich fliegen konnte.
Nach einigen tausend Metern in der Luft aktivierte Fireball die neuartigen Turbos und ein zusätzlicher Schub ging durch die gewaltigen Antriebssysteme, um Ramrod II in die Stratosphäre des Planeten übergleiten zu lassen. Doch der neuartige Friedenswächter reagierte empfindlicher als Ramrod I. So wurden alle mit einem heftigen Ruck tief in ihre Sitze gepresst. Colt hielt sich vor Schreck sogar seinen Hut fest. Saber griff an die Halterung seiner Steuereinheit, und April hielt sich kurz ihren Bauch, während draußen die Wolken förmlich an sie vorbei rasten.
Colt warf Fireball einen schiefen Blick zu: “Hombre, wenn du uns beim ersten Flug schon umbringen willst, sag vorher Bescheid, dann steig ich wieder aus.” Fireball grinste breit, ohne den Blick von seinen Anzeigen zu nehmen: “Ach was, das war nur ein kleines Antesten.” beruhigte er den Cowboy und drückte den Schubregler weiter nach vorn: “Kleines Antesten?”, fragte Colt trocken: “Ich glaube, meine Seele hängt noch 5000 Meter hinter uns.“ sagte er, während Ramrod II weiter mit gewaltiger Kraft Richtung All schoss. Doch zu aller Überraschung war im Inneren davon kaum etwas zu spüren. Trotz der enormen Geschwindigkeit blieb das Schiff erstaunlich ruhig. Der Druckausgleich und die simulierte Atmosphäre arbeitete nahezu perfekt. Denn was draußen wie ein brutaler Gewaltakt der Physik wirkte, fühlte sich im Inneren kontrolliert, ja fast sanft an. Es war eine technische Meisterleistung der Ingenieure.
Und Fireball musste feststellen, der Simulator hatte ihn nocht vollkommen auf diese empfindliche feinmotorik von Ramrod II vorbereitet, denn das Schiff reagierte beinahe auf die Millisekunde genau, fast wie ein Jet und nicht wie ein Raumschiff dieser Größe: “Ups”, kam es entschuldigend von ihm, doch ein breites Grinsen erschien auf seinem Gesicht, während er den Schub weiter erhöhte. Und die Turbos heulten erneut auf. Die gewaltige Beschleunigung hielt an, während Ramrod II immer höher stieg und die letzten dichten Wolkenschichten unter ihnen hinweg immer kleiner wurden, bis der Himmel sich langsam begann zu verändern. Das helle Blau wurde immer dunkler. Sonnenlicht spiegelte sich scharf auf der Außenhülle des Friedenswächters, während die Atmosphäre um sie herum zunehmend dünner wurde. Und für einen kurzen Moment lag Ramrod II genau zwischen zwei Welten.
Unter ihnen wölbte sich der Planet, durchzogen von weißen Wolkenbändern und dem sanften Schimmer der Meere. Und über ihnen begann bereits die schwarze Unendlichkeit des Alls. Kein Horizont wirkte hier noch gerade. Alles dehnte sich langsam, um sie herum aus. Ramrod II durchbrach endgültig die letzten Schichten der Stratosphäre und das Dröhnen der Atmosphäre verstummte fast augenblicklich. Plötzlich wirkte alles stiller und ruhiger, als hätte das Schiff eine unsichtbare Grenze hinter sich gelassen. Nur das tiefe Summen der Systeme blieb bestehen, während vor ihnen die endlose Schwärze des Weltalls aufging, übersät mit unzähligen Sternen, die im Licht der beiden Sonnen von Yuma sichtbar wurden.

Captain Hikari und Captain Lorenz standen etwas abseits neben dem Flugfeld und beobachteten, wie Ramrod II schließlich zwischen den Wolken verschwand: “Hoch sind sie ja gekommen, wenn auch mit etwas Stolpern“, kommentierte Lorenz beeindruckt. Shinjiro nickte langsam, ohne den Blick vom Himmel zu nehmen: “Ich bin auf das Runterkommen gespannt. Das Schiff hat eine neuartige Legierung, es gibt kaum Widerstand.” Captain Lorenz setzte sich seine Sonnenbrille auf und zog hörbar Luft zwischen den Zähnen ein: “Na dann…” und ein schiefes Grinsen erschien auf seinem Gesicht, während er sich bereits Richtung Hangar drehte: “Bist du bereit zum Fliegen?” Shinjiro sah dem Captain der Air Base einen Moment nach: “Immer!”, antwortete er knapp und folgte Lorenz.

Absatz #4
“Das ist ja der Wahnsinn”, kommentierte Fireball begeistert, nachdem er den ersten Start von Ramrod II hinter sich gebracht hatte und nun für einen Moment ruhig durch das dunkle All segelte: “Ja, voller Wahnsinn”, richtete sich Colt etwas auf und sich erneut seinen Hut festhielt, als würde Ramrod jeden Moment wieder einen solchen Satz nach vorne machen.
Aber der Cowboy grinste bereits schon wieder breit: “Ich hoffe nur, der Gute bricht nicht auseinander.” sagte er, denn auch ihm war die gewaltige Kraft des neuen Schiffes nicht entgangen. Tief in seinem Inneren kribbelte längst die Vorfreude darauf, endlich die neuen Waffensysteme zu testen.
Saber hatte den gesamten Flugverlauf genauestens beobachtet, immer wieder wanderten seine Augen über die Anzeigen und Systemmeldungen, doch bisher lief alles fehlerfrei, was auch April zufriedenstellte. Die neu entwickelte Software mit dem Self Repairer glich kleinere Fehler selbständig aus, ohne dass die Blondine eingreifen musste und so mehr Zeit hatte für tatsächliche Fehler. Als Ramrod auf seiner Route war, ließ Saber einen Blick kurz zu Fireball wandern, der Ramrod gerade dem Autopilot übergab: “Beim nächsten Mal kündigst du dein kleines Ups vorher an.” Fireball grinste unschuldig: “Aber, wo bleibt denn dann der Überraschungseffekt?” fragte er und sah auf seine Anzeigen. Colt grinste Stumm und von Saber kam ein leises Schnauben, halb genervt, halb belustigt: “Ich meine das ernst, Fireball.“ Wir testen hier ein Schiff und es liegt in meiner und auch deiner Verantwortung als Pilot“, mahnte und erinnerte der Schotte. Fireball nickte darauf etwas schuldbewusst.
“Wir erreichen in wenigen Minuten den Orbit von Alamo”, teilte April den Jungs mit und rief kurz darauf die aktuellen Einsatzdaten auf. Und auf den Monitoren der Satteleinheiten, wurde der freigegebene Bereich angezeigt: “Wir können auf dem Testgelände Helion Dune alles ausgiebig testen.” sagte Saber und sofort war die Aufmerksamkeit aller geweckt, denn Helion Dune war riesig, abgelegen und perfekt dafür geeignet, die Waffensystemen und vor allem die Challenge Phase auf Herz und Nieren zu testen.
“So, festhalten”, warnte Fireball wie abgesprochen, denn kaum hatten sie den Testbereich erreicht, riss er Ramrod II abrupt in eine enge Neunzig Grad Kurve. Das gewaltige Schiff reagierte sofort und legte sich mit erstaunlicher Präzision in die Drehung. Und noch bevor jemand richtig reagieren konnte, zog Fireball den Friedenswächter in eine angedeutete Schleife. Saber atmete tief ein, ließ das Ganze jedoch unkommentiert. Schließlich waren sie hier, um den Friedenswächter zu testen, und Fireball sollte ein Gefühl für die Steuerung bei solchen Manövern bekommen. Innerlich wusste er allerdings ganz genau, dass der Pilot gerade jede einzelne Sekunde davon genoss, was er von seinem Magen gerade nicht behaupten konnte. Auch Colt krallte sich an seinem Sitz fest und starrte mit großen Augen nach vorne: “Hombre, das hier ist ein Raumschiff und kein betrunkener Rodeobulle!” kommentierte er. April hielt sich während des Flugmanöver an ihrer Konsole fest, während ununterbrochen neue Testdaten über ihre Anzeigen liefen. Trotz des wilden Flugs blieb ihre Stimme erstaunlich gelassen: “Steuerdüsen reagieren sauber… Belastungswerte stabil… bis jetzt gibt es keine Abweichungen.” teilte sie mit und ihre Aufmerksamkeit blieb auf ihrer Konsole, schließlich wollte sie wissen, was das Schiff alles aushielt und vor allem, wo es noch verbessert werden musste.
Noch mitten in der Schleife drückte Fireball auf den bereits blinkenden roten Knopf vor sich. Und ohne jede Vorwarnung begann sich Ramrod II zu transformieren. Ein tiefes metallisches drönen zog durch das gesamte Schiff, während sich gewaltige Segmente der Außenhülle verschoben. Mechanische Elemente griffen präzise ineinander, Panzerplatten klappten auf, und innerhalb weniger Augenblicke veränderte der Friedenswächter seine gesamte Form. Colt lachte begeistert auf. Genau darauf hatte er gewartet: “Oh, jetzt wird das hier interessant!” murmelte der Cowboy und bereitete seine Konsole vor. Nach der Transformation drehte April ihre Steuereinheit in die entgegengesetzte Richtung und konnte nun geradeaus sehen. Während ihre Anzeigen ununterbrochen neue Daten ausspuckten, glitt ein zufriedenes Lächeln über ihr Gesicht: “Challenge Phase verlief fehlerfrei Jungs!” teilte sie mit. Saber nickte zufrieden und warf einen kurzen Blick auf die eingeblendeten Koordinaten: “Na, dann, Cowboy zeig, was du hast!” sagte er und genau darauf hatte Colt nur gewartet: “Yee haw!” kommentierte Colt nur während Ramrod gerade nach oben schoss.
“Genial!” Der neue Ramrod konnte aus allen Rohren gleichzeitig feuern und das auch noch vollkommen kontrolliert, 4 Ziele visierte Colt gleichzeitig an und drückte ab. Noch war es Übungsmunition, in den nächsten Tagen würde Ramrod scharf gemacht werden. Doch da blinken die Abtaster auf, sie stehen unter Beschuss… Saber versuchte die Quelle zu lokalisieren, konnte jedoch nur zwei nicht feindliche Jets auf dem Rettungsschirm ausmachen, und seine Augenbrauen zogen sich zusammen. Schließlich waren sie so gut wie wehrlos: „Transformiere uns zurück!” gab er einen kurze Anweisung, denn je weniger Angriffsfläche sie boten, umso weniger Schäden würde es geben. Fireball tat, was ihm gesagt wurde, und flog nun knapp über den flachen Wüstenboden. Und zwei ebenfalls nagelneue Jetas kamen auf den Friedenswächter zu und schotten ebenfalls mit Übungsmunition. “Captain Lorenz und Captain Hikari” teile der Schiotte mit, als die Jets ihre Kennungen freigaben: “Nun gut, dann zeigen wir mal, was Ramrod in einem Kampf zu bieten hat.” sagte Saber, der dieses Manöver annahm.
Colt feuerte immer mal wieder kurze Salven auf die Jets, die schnell und wendig, beinahe aggressiv präzise um sie flogen. Immer wieder jagten grelle Energieschüsse durch die Luft, während Fireball versuchte, den Angriffen, der beiden Captains auszuweichen und gleichzeitig die Kontrolle über Ramrod II zu behalten. Ein gewaltiger Felsberg kam plötzlich bedrohlich schnell näher. Fireball reagierte instinktiv und zog den Friedenswächter steil nach oben, allerdings merklich zu hastig, so das Ramrod einen kurzen Augenblick beinahe in der Luft zu stehen schien, bevor die enorme Schubkraft sie brutal nach oben drückte. Alle wurden wieder einmal hart in ihre Sitze gepresst: “Bitte etwas gefühlvoller, Shinji“, sagte der Schotte, als er wieder normal atmen konnte, mit ernstem Unterton und sich wieder aufrichtete. Fireball nickte sofort, die Systeme reagierten bereits auf die kleinste Bewegung des Side Sticks oder des Schubreglers. Jede minimale Eingabe setzte Ramrod II augenblicklich um. Das musste er erst noch bei weiteren Flügen verinnerlichen. Nach einer Stunde verabschiedeten sich die Jets und auch Saber gab den Befehl: “Zurück zum Oberkommando”
Der Tower wies Ramrod II die längste Landebahn zu, und Fireball bereitete alles für den Anflug vor. Aus den vielen Stunden im Simulator wusste er inzwischen, wie schnell das Schiff werden konnte und dass er mit den neuartigen Bremstriebwerken rechtzeitig gegensteuern musste. Ramrod setzte auf und schoss mit gewaltiger Geschwindigkeit über die Bahn: “Okay, nochmal”, sagte Fireball und leitete ein Go Around Manöver ein. Auf dem Flugfeld, nahe den Hangars, beobachteten die Jet Piloten gemeinsam mit Captain Hikari, Captain Lorenz und Colonel Murry aufmerksam den neuen Friedenswächter.
Alex stand vor Ramrod I und riss seine Augen auf, als er sah, wie das neuartige Schiff über die Bahn geschossen war. Von der neuartigen Legierung hatte er schon gehört: “Wenn er so nicht runter kommt, muss er senkrecht landen, das ist jedoch eine Landung, die die meiste Energie saugt!” erklärte der alte Fluglehrer. Captain Hikari nickte: “Er muss schon vorher den Schub wegnehmen, ungewohnt, aber es funktioniert!” erklärte er weissentlich und Murry nickte.
Ramrod war wieder im Landeanflug. Fireball atmete tief ein und verringerte jetzt alle 100 Meter den Schub und nahm ihn vor dem Aufsetzen ganz weg, es ruckte einmal stark: “Himmel!” kam es von Colt, die Landung war hart und unerwartet schnell.
“Er hat ihn einfach heruntergeschmissen!” kommentierte Lorenz die Landung und die anderen Piloten, der Air Base mussten, grinsen: “Abzug in der B-Note!“ dachte sich Alex. Und der Friedenswächter wurde tatsächlich langsame: “Puh, Mist, aber wir sind erst einmal unten!” sagte Fireball und schaltete nach und nach die Brems-Triebwerke ab, die auf Umkehrschub basieren und aktivierte die Bodensteuerung. Ramrod rollte über das Vorfeld, zwei Feuerwehren standen bereit und tauften das Schiff unter ihren Wasserstrahlen. Ramrod erreichte seine eigene Parkposition, neben Ramrod I. Die Gangway wurde ausgefahren und um das Schiff wuselten auch schon die Mechaniker. Fireball schaltete alle Systeme ab und klatschte einmal in seine Hände: “Geschafft!” und lehnte sich zurück, erw ar echt erledigt. Saber, der auch etwas blass um die Nase geworden war, nickte und war erst einmal zufrieden, auch wenn die erste Landung nicht die sanfteste gewesen war, hat es doch schon beim zweiten Mal geklappt, das hätte er so tatsächlich nicht erwartet gehabt! Das bestätigte den Schotten, dass Fireball der Pilot für Ramrod war! April pustete die Luft spitz aus, so schnell hatte sie Ramrod noch nicht erlebt, aber sie war begeistert.
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