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6.905 Wörter, 37 Minuten Lesedauer.


Absatz #1

Saber war früh auf und bereitete das Frühstück für Sincia und seine Mutter vor. Das BBQ am gestrigen Abend hatte ihm gutgetan. Für einige Stunden war er auf andere Gedanken gekommen. Da spürte er eine Umarmung, die ihm von hinten einnahm und aus seinen Gedanken holte. Lächelnd drehte er sich um: „Guten Morgen“, flüsterte er. Sincia nickte, zog ihn zu sich und gab ihm einen Kuss.

„Es ist spät geworden gestern“, stellte sie fest. Er nickte: „Ja. Ich habe mit Lorenz den heutigen Tag geplant“, berichtete der Schotte. Sincia nickte und stellte den Kaffee auf den Tisch. “Bist du heute eher da?“, fragte sie und setzte sich. Saber atmete tief ein und schüttelte entschuldigend mit seinem Kopf: „Ich glaube nicht … ich hoffe es aber!“ Sincia nickte langsam: „Was geschieht hier, Richard?“ Saber sah auf. „Ich meine … der komplette zivile Flugverkehr wurde gestern Abend eingestellt. Von Robin weiß ich, dass sie in einem der letzten Flüge gesessen hatte.“ Saber nickte knapp: „Es ist eine reine Sicherheitsmaßnahme“, blieb er kurz und sachlich. Sincia sah ihn einen Moment lang an: „Es wird wieder zu einem Angriff kommen, nicht wahr?“ sprach sie und ihre Augen begannen Angstvoll zu glänzen.

In diesem Moment betrat Marry die Küche: „Guten Morgen!“ Sincia stand abrupt auf und verließ rasch die Küche. Marry sah ihrer Schwiegertochter überrascht hinterher. Saber wünschte seiner Mutter ebenfalls einen guten Morgen und stellte die frischen Croissants die die alte Vermieterin jeden Morgen an die Tür hing, auf den Tisch. „Sie macht sich große Sorgen?“, fragte Marry leise. Saber nickte kaum merklich: „Entschuldige mich bitte, Mutter.“ Marry nickte und nahm sich bereits vom Kaffee. Und Saber ging zu Sincia ins Schlafzimmer.


April öffnete langsam ihre Augen, so gut geschlafen hatte sie schon lange nicht mehr und doch brauchte sie einen Moment, um zu begreifen, dass sie nicht in ihrem Bett auf Ramrod lag. Doch da war noch etwas anderes. Da lag tatsächlich ein Arm auf ihr. Ein Arm, der ganz eindeutig nicht ihrer war. Langsam drehte sie ihren Kopf und bekam schlagartig große Augen: „Was?! Nein! Das kann doch unmöglich wahr sein!“ sprang sie erschrocken auf und blickte auf das zerwühlte Bett, indem der Besitzer des Arms lag, es war ein zugegeben gut gebauter junger Mann, der sich gerade langsam regte und offenbar ebenfalls durch ihre Aktion wach wurde.

Erschrocken wanderte sie ihren Blick von seinem Oberkörper ab und lief aus dem Schlafzimmer. Und sammelte dabei ihre Sachen vom Sofa ein. Dabei realisierte sie, dass sie ein fremdes T-Shirt trug. “Hey, was ist, hast du verschlafen?” riss sie eine Stimme aus ihrer Feststellung und wandte sich schnell der Stimme zu. Sie erkannte den jungen Offizier, der im Türrahmen lehnte, und sie gähnend in Ansah und sich verschlafen am Kopf kratzte. Mit ihm hatte sie gestern viel Spaß gehabt, “zu viel!” schoss es ihr durch den Kopf. “Du Mistkerl!” sagte sie wütend und griff nach einem Kissen und warf es ihm ins Gesicht. Daniel fing das Kissen ab: “Ah, sagt man so “Guten Morgen” auf Französisch?” grinste er frech. “Orr!” war Aprils Antwort und verschwand darauf schnell im Badezimmer. 


“Sincia, bitte versteh doch, wir tun alles, um dich und alle anderen zu schützen. Glaubst du, dass Colt seine Familie hierherholen würde, um sie einer Gefahr auszusetzen?” versuchte Saber seine Frau zu beruhigen. Sincia saß auf dem Bett und hatte ihre Hände vor ihrem Gesicht und weinte: “Es ist mir egal, was Colt sich dabei denkt, hier geht es um uns.” kam es erstickt verweint von ihr. Saber hockte sich langsam vor Sincia und nahm ihre Hände in seine. “Vertraust du mir?” fragte er und sah ihr dabei tief in ihre roten und verweinten Augen, aus denen noch dicke Tränen kullerten. “Ich habe Angst!” schluchzen sie. Saber nickte leicht und verständnisvoll: „Und weil ich das weiß, werde ich alles tun, dass euch nichts passiert!” sagte er fest entschlossen. Sincia begann wieder zu weinen, nickte jedoch dabei, er nahm sie fest in seine Arme. 


Shinjiro ging noch einmal in den ersten Stock. Die Familie frühstückte bereits draußen auf der Terrasse. Der Tag im Palast würde lang werden, und ein paar Dinge wollte er vorher noch einpacken. In seinem Büro griff er routiniert nach seinem Notebook. Doch er hielt inne, als neben dem Gerät eine ihm unbekannte kleine, schlichte braune Schachtel lag. Er runzelte leicht seine Stirn und ohne groß darüber nachzudenken, öffnete er sie und hielt abrupt inne. Fast erschrocken sah er sich im Raum um, als hätte ihn jemand dabei ertappt. Und schaute dann doch wieder in die Schachtel, in der ein kleiner, metallener Jet Anhänger an einem braunen Lederband hing und starrte den Inhalt eine Weile schweigend an. Schließlich legte er die Schachtel vorsichtig zurück auf den Tisch.


Daniel klopfte an die Badezimmertür: “Lass mich in Ruhe!” hörte er Aprils dumpfe Stimme durch die Tür: “Was ist los Baby?” fragte er und plötzlich wurde die Tür schwungvoll aufgerissen, Daniel hatte den Türknauf noch in der Hand und fiel April fast vor die Füße. Mit so viel Kraft seitens der Blondine hatte er nicht gerechnet: “Ich bin nicht dein Baby!” fauchte sie ihn an. “Okay…” sprach er langsam aus. Und April ging zurück ins Schlafzimmer und zog sich ihre Jeans an. “Ich koch uns erstmal nen Kaffee.” hörte sie und dachte sich verhört zu haben, dann setzte sie sich auf das Bett und fing an zu weinen, “was hatte sie nur getan, das konnte doch nicht wahr sein.” machte sie sich Vorwürfe. 

Daniel betrat vorsichtig den Raum und griff vorsichtig nach seiner Hose und zog sie sich über, dann setzte er sich neben April auf das Bett. “Was ist jetzt los mit dir?” fragte er leise und besorgt. April schüttelte mit ihrem Kopf. “Es tut mir leid!” Daniel sah sich fragend im Zimmer um: “Was tut dir leid?” wollte er nun genauer wissen. April sah auf: “Das hier, was zwischen uns … passiert ist!” erklärte sie und sah sich Daniel genauer an. Seine dunkelblonden Haare waren noch leicht zerzaust und er musterte sie mit seinen braunen Augen, die wunderschön waren, musste April zugeben. 

Auf Daniels Gesicht zeichnete sich nach einigen Augenblicken ein kleines Lächeln ab: “Du weißt gar nicht, was passiert ist, oder?” fragte er die Blondine mit den fantastischen hellblauen Augen. “Um so schlimmer, jetzt bin ich ein weiteres Abenteuer, eine Eroberung auf deiner Liste!” und ihre Augen füllten sich erneut mit Tränen. “Hey!” und Daniel strich ihr über den Arm. “Es ist gar nichts passiert, naja also nicht das, was du denkst, denn glaub mir, daran würdest du dich erinnern!” sagte er und grinste frech. April wischte sich eine Träne weg, die gerade ihr Auge verlassen wollte. “Na klingelts?” fragte er, April wurde etwas rot und sie nickte. „Trotzdem bin ich zu weit gegangen.” setzte April erneut an. “Was knutschen und nen Film gucken, bei dem du zuerst schnarchend eingepennt bist, ist zu weit?” unterbrach er sie. April nickte: “Ich wollte dir keine Hoffnungen machen!” und sie erwischte sich wieder dabei, wie sie seinen Oberkörper, dessen Muskelpartien gut definiert waren, musterte. “Oh, verstehe, du bist ein anständiges Mädchen.” zwinkerte er ihr zu. April stand auf: “Ja, und du machst dich gerade lustig über mich!” 

Daniel rollte mit seinen Augen: “Tu ich nicht, ich verstehe dich nur gerade nicht!” erklärte er und lief ihr nach. “Die wievielte bin ich für dich? Jungs wie du haben doch auf jeden Stützpunkt eine Andere!” sprach sie wieder etwas lauter und begann, ihre Haare herzurichten. “Bitte was, findest du das jetzt nicht etwas unfair?” stellte sich Daniel neben April und beobachtete sie. “Nein, unfair ist, dass du die Situation ausgenutzt hast!” Daniel bekam große Augen: “Hey, wow, wow, wow Stop!” warf er ein, das musste er sich jetzt nicht sagen lassen. “Wir kennen uns doch überhaupt nicht!” warf April darauf ein und flächtete sich einen Zopf. “Gut, dann lernen wir uns kennen, lass uns heute Abend essen gehen.” kam es von Daniel. April sah den jungen Mann etwas fassungslos neben sich an: “Nein, das geht nicht…” kam es ruhig von ihr. “Warum?” – „Ich kann nicht, das musst du verstehen…” und sie senkte ihren Blick. “Was soll ich verstehen und glaub mir, hätte ich was schnelles gewollt, wäre es auch dazu gekommen!” erklärte er. April musste mit ihren Kopfschütteln, an Selbstbewusstsein fehlte es den Amerikaner ja nicht. “Ach, das glaubst du? Ich hätte dich zweimal auf die Matte gelegt!” stemmte sie ihre Hände in die Hüften. “Ich dich dreimal!” kam es darauf von Daniel zurück und ging zum Sofa und zog sich sein T-Shirt an. 

“Wirst du es in deiner Einheit rumerzählen?” kam es wieder ruhiger von April. Daniel drehte sich wieder der Blondine zu: “Natürlich, nicht! Ich mag dich, also sehen wir uns heute Abend?” fragte er erneut. April musterte den jungen Mann vor sich nochmals und nickte dann tatsächlich leicht: „Morgen!“ sagte sie. Daniel grinste: “Sehr schön, also treffen wir uns vor dem Offizierskasino, April Eagle?” Nun musste April auch lächeln: “Okay…” Der dunkelblonde ging an ihr vorbei: “Na, wie heiße ich…?” fragte er frech und verschwand grinsend im Bad. Aprils Augenbrauen zogen sich zusammen: “Das bekomme ich raus!” sagte sie und zog sich ihre Ballerinas an: “Das habe ich dir gestern verraten!” hörte sie. „Mist!“, flüsterte sie vor sich und sah sich noch einmal in dem kleinen Apartment um.

Absatz #2

König Jarred und der Stab betraten einen abgelegenen Hangar. Darin arbeiteten einige Mechaniker. Einer nach dem anderen salutierte, sobald sie die Besucher bemerkten.

“Na, wie gefällt er dir?” fragte König Jarred und suchte seinen Freund, der gerade doch noch neben ihm war. Shinjiro musterte bereits mit Captain Lorenz den dunkelblauen Jet. Der das Emblem des Neuen Grenzlandes und vor allem die fünf Sterne des First Grads auf dem Seitenruder und unterhalb des Cockpits trug. Eine Steigleiter wurde an den Jet gerollt: “Was soll das?” war alles, was von Shinjiro kam, nachdem er den Rundgang um den Jet mit Lorenz beendet hatte. 

Saber der neben König Jarred stand, betrachtete den glänzenden Jet, die Kraft dieser Maschine, konnte man nahezu fühlen. “Es ist deiner!” erklärte Jarred kurz. Ein skeptischer Blick zu Jarred war Shinjiros Reaktion. Während Captain Lorenz fast andächtig mit einer Hand über den kalten metallenden Bauch der Maschine strich.

Saber atmete tief ein, als er die Kennung des Jets entdeckt hatte und trat dann ebenfalls an die Maschine heran. Es war der Jet aus der ersten Outrider-Schlacht. Mit genau dieser Maschine war Captain Hikari damals in den Lasertunnel geflogen, hatte ihn auf vierzig Grad nach links gezogen und war schließlich vom Sog mitgerissen worden. Die Maschine war, dass konnte der Schotte durchaus erkennen, auf den neuesten Stand der Technik gebracht worden war. Shinjiro stellte sich langsam vor die Steigleiter und sah Jarred immer noch fragend an. 

“Was, gefällt dir die Farbe nicht?” fragte Jarred ernster. Saber musste grinsen und beobachtete die beiden vor der Leiter. Shinjiro stieg kommentarlos die schmale Leiter zum offenen Cockpit hinauf. Sein Blick glitt langsam über die Systeme und den Sitz. Obwohl er auch mit genau dieser Maschine zurückkam, war das gerade ein Moment, in dem er das ganze Ausmaß nochmals realisierte. 

“Warum?” fragte er und strich über das Verdeck. Jarred, Lorenz und Saber traten an die Leiter heran. “Du gehörst da rein!” war Jarreds kurze Erklärung und zeigte auf den Jet. “Außerdem tust du dir da drin nicht den Hintern weh!” fügte Lorenz etwas spöttisch mit an. Saber musste darauf hörbar grinsen und drehte seinen Kopf kurz ab. 

Shinjiro rollte kaum sichtbar mit seinen Augen und stellte fest: “Du wusstest also davon!” und sah zu Lorenz, der Deutsche grinste und stemmte seine Hände in die Hüften: “Ein wenig” gab er zu. “Du schmeißt mich vom Schiff!” fragte Shinjiro jetzt Richtung Jarred und verschränkte seine Arme. Jarred musste kurz lachen und nickte: “Ja, Vollkasko gibt es bei Kampfschiffe noch nicht!” stieg er in den Spaß mit ein. “Steig ein, sonst tu ich es!” kam es von Lorenz, der ganz heiß darauf war, den Jet endlich fliegen zu sehen. Als nach einigen Momenten immer noch nichts geschah, polterte Lorenz die ersten zwei Stufen der Treppe hinauf. Shinjiro sah erschrocken zum Air Base Captain: “Ja, warte!” sagte er. Saber konnte die Ungeduld von Lorenz fast spüren. Auch hatte diese Szene gerade etwas von Colt und Fireball. 

Shinjiro sah auf seine Uhr. „Na los, Umziehen!“ und Lorenz sprang die Stufen hinunter und verschwand mit einem Wolfsgeheul aus dem Hangar. Einige Mechaniker stimmten mit ein. “Warten kennt er nicht!” kam es von Shinjiro als er die Treppen schnell hinunter ging. Jarred und Saber sahen sich an und lachten.   


Colt und Fireball standen mit Colonel McGraeff und Dave, dem “Grill Sergeant”, um den neuen Arrow Striker. Colt setzte sich das erste Mal in das ausgefahrene Cockpit und dieses begab sich automatisch zurück in den Gleiter. “Das hat schon was!” ging es dem Cowboy durch seinen Kopf, als er das alles auf sich wirken ließ und musste breit grinsen. 

“Das Ding sieht aus wie eine Seifenkiste.” kommentierte Fireball und nach ihm wurde ruckartig gegriffen: “Was Seifenkiste, das sind fliegende Geschütze!” kam es entsetzt von Dave. Fireball hob beschwichtigend seine Hände vor sich: “Okay, Okay, also eine fliegende Seifenkiste!” Dave rollte mit seinen Augen und begann Colt die Funktionen zu erklären. Colonel McGraeff schüttelte breit grinsend mit seinem Kopf, er war sich sicher, der Kurze würde irgendwann doch noch unter dem “Water Jet” stehen! 

Colt hörte gut zu, es klang alles durchaus machbar und von den Zielerfassungen und verschiedenen Geschützen war er begeistert. Dave erhob sich und baute sich vor Fireball auf: “Und jetzt fliegst du diese Seifenkiste, mal sehen wie lange du oben bleibst!” forderte er den Kurzen auf und zeigte auf den Arrowstriker. Fireball sah fragend in die Runde. “Los rein da!” sagte Dave lauter und Fireball erschrak sich und trat einen Schritt auf den Gleiter zu: “Ja, man bleib Cool!” sagte er und wartete, bis Colt ausgestiegen war. Der Cowboy grinste, er mischte sich nicht ein, das tat seinem Hombre auch mal ganz gut! “Maximal 6000 Meter!” rief Dave noch und verschwand im Hangar. “Na toll!” kommentierte der Japaner als er sich die Instrumente ansah und die Systeme nach und nach hochfuhr. Es war eine einfache, aber vollkommen ausreichende, moderne Cockpit-Technik, mit der jeder Pilot klar kam. Fireball machte sich mit der steuerung vertraut. Die Seitenruder wurden klassisch mit den Beinen mit leichten links rechs bewegungen betätigt. Colt beobachtete das tun seines Freundes. Aus dem Hangar rollte ein weiterer Gleiter. 

“Take off” auf der 10R!” teilte Dave Fireball mit und schloss sein Verdeck. “Na dann!” und Fireball schloss seins ebenfalls. Colt sah seinem Hombre nach, denn trotz allen Spaß mit der Seifenkiste wusste der Cowboy, dass Fliegen für seinen Freund eine ernste angelegenheit war und er sich auf Fireballs Urteil über das Flugverhalten des Gleiters verlassen konnte. Dave war der erste der abhob und gleich nach rechts abdrehte damit Fireball einen freien Luftraum nach dem Start hatte. Weitere Offiziere traten aus dem Hangar und beobachteten das Treiben am Himmel. 


Shinjiro stieg in seinen Jet in einem neuartigen Anti-G-Anzug, der aufgrund der neuen hohen Geschwindigkeiten der Jets entwickelt worden war. Mit diesem Anzug konnte sich der Körper jetzt noch schneller auf die Druckunterschiede einstellen. Er klappte das Visier seines Helms hinunter und auf diesem wurden alle Daten der Systeme projiziert. “Hübsch!” kommentierte er gedanklich und atmete tief ein, als er die Hochleistungs- Triebwerke auf der niedrigsten Stufe laufen ließ. Die Mechaniker zogen die Stopper weg und gaben dem Captain ein Ok, dass er aus dem Hangar rollen konnte. 

Shinjiro schloss während des Rollvorgangs sein Verdeck. König Jarred und Saber standen auf einer Erhöhung des Testgeländes. Lorenz erreichte als Erster die vorgesehene Startbahn. Shinjiro harkte seine Sauerstoffmaske an seinem Helm ein und schloss kurz seine Augen. Auch wenn der Jet ein vollkommen neues Aussehen innen hatte, war es sein Jet. Der Jet, der ihn aufgrund seiner Bauweise auch das Leben gerettet hatte. Er öffnete langsam wieder seine Augen und ließ die Triebwerke auch hochleistung gehen. Vom Tower bekamen sie die Startfreigabe und beide gaben von einer auf die andere Sekunde Vollschub und hoben nahezu gleichzeitig ab. 

“Woha!” kam es über Funk von Hikari. Lorenz grinste: “Was, bist du wohl nicht mehr gewohnt?” fragte er. Und setzte sich über Shinjiro. “Auf 5000 sind die Arrow Striker unterwegs.” teilte Shinjiro Lorenz mit. “Ja, schon gehört und ich sehe sie bereits!” 

Colt hörte in der Ferne Kampfjets und blickte nun in die entgegengesetzte Richtung. Zwei nährten sich den Arrows. Die beiden Jets stiegen schnell und die Arrows zogen nach unten ab. “Jetpiloten, sind Himmelhunde und haben immer Vorfahrt!” erklärte Colonel McGraeff. Colt musste grinsen und setzte sich seine Sonnenbrille auf, um alles besser sehen zu können. “Der First Grad, Sir!” teilte ein Offizier mit einem Fernglas Colonel McGraeff mit. Und Colt nahm diesem das Fernglas ab. Er erkannte auch den Jet von Lorenz, aber den Blauen Jet, der eindeutig das First Grad Symbol als Kennung hatte, kannte er noch nicht. 

“Von Jets war keine Rede!“ hörte man Dave über Funk!” Fireball hatte die zwei Jets auf sich zukommen sehen und verringerte leicht seine höhe, er vertraute auf die Jetpiloten, die jetzt über ihn blitzartig vorbei schossen: “Wohoooo!” rief Fireball in den offenen Funkkanal. Colt musste grinsen, das gefiel seinem Hombre! Hauptsache irgendeine Action Nummer! “Wir wollen nur spielen!” ertönte die Stimme von Captain Lorenz. “Shinji!” hörte Fireball die Stimme seines Vaters. Captain Hikari war überrascht, als er seinen Sohn jubeld über den Funk gehört hatte, aber das hieß jetzt noch mehr Spaß! Fireball sah über sich, er erkannte die Fünf Sterne Kennung. Der blaue Jet schoss schnell über ihn hinweg und drehte ruckartig nach links ab und setzte sich einige Sekunden später neben ihn. Shinjiro gab seinem Sohn ein Zeichen, das jeder Kampfpilot zu deuten wusste. Ein signalton erklang über Funk und der Arrow Striker drehte gleichzeitig mit dem Jet um 90 Grad ab. Lorenz tat es mit Dave gleich und die Arrows flogen versetzt aufeinander zu. 

Saber und Jarred beobachteten das Tun der beiden Jets, die den beiden Gleitern ganz schön einheizten. Colt war doch sehr erstaunt, wie die Arrows teilweise mithalten konnten! Es machte Spaß zuzusehen, es kam dort gerade jeder voll auf seine Kosten. Doch der Tower beendete für die Arrow Striker nach 20 Minuten das Spielchen am Himmel. Dave und Fireball landeten und öffneten ihre Verdecks, Jubel und Applaus kam von den wartenden Offizieren und auch Colt stieg mit ein. “Das war mega!“ strahlte Fireball und bedankte sich bei Dave für den Flug mit dem Piloten-Shake, wo sich die rechten Ellenbogen der beiden ineinander verhakten. Dave zog Fireball an sich ran: “Gar nicht mal so schlecht Kurzer!” Kommentierte Dave.

Dave hob seine Arme und sprang dann wie ein Flummi zu seinen Kameraden, die ihn feierten. Colt beobachtete grinsend das Geschehen vor dem Hangar. Und ging mit McGraeff langsam zu Fireball. Der nur so vor sich hin strahlte. “Ein Honigkuchenpferd, hatte gerade sehr viel Ähnlichkeit mit seinem Freund!” ging es dem Cowboy durch den Kopf! “Mit dem Teil wirst du viel Spaß haben!” sagte Fireball und zeigte auf den Striker. Colt lachte kurz auf: “Also habe ich dein Ok, die Seifenkiste zu fliegen!” Fireball lachte. “Aber er braucht noch einen Namen!” sagte Fireball und musterte den Gleiter. Colt verschränkte seine Arme und sah abwechselnd vom Gleiter und zum Himmel und erinnerte sich an den wilden Ritt da oben. “Bronco Buster!” kam es nach einer Weile von Colt. “Na dann, stellen wir die Kennung auf den Bronco ein!” nickte McGraeff den Namen ab. Fireball und der Cowboy sahen sich an: “Yeah!” kam es von beiden gleichzeitig und sie schlugen ein. Fireball schrie auf, ihm wurde gerade der Inhalt einer eiskalten Wasserflasche in den Nacken gekippt. Und das Wasser lief jetzt eiskalt seinen Rücken hinunter. “Das ist die Taufe für jeden, der den Arrow Striker geflogen ist!” teilte Dave mit. Jetzt konnte sich Colt nicht mehr halten vor lachen. 

Absatz #3

Eine Stunde später liefen Fireball und Colt gemeinsam mit einem Mechaniker unter Ramrod entlang. Währenddessen erklärte dieser den aktuellen Reparaturstatus und zählte auf, was bei der letzten Schlacht alles beschädigt oder komplett ausgefallen war. Fireball trug die Informationen direkt ins digitale Logbuch ein.

Colt musterte die Waffensysteme des Friedenswächters eingehend. „Die Feuerkraft konnten wir um dreißig Prozent steigern“, erklärte der Mechaniker. „Sehr schön!“ nickte Colt und ein breites Grinsen zog sich über sein Gesicht, während er die Laserkanone am Bauch des Friedenswächters noch einmal genauer ansah.

“Also ist Ramrod wieder einsatzbereit?” fragte Fireball, der den Status gerade auf seinem Tablet geöffnet hatte, aber sich nicht auftat. Der Mechaniker nickte: “Soweit ja, sollten sie jetzt starten, stünde die komplette Leistung allerdings bei 70%!” Fireball sah zu Colt: “Wir brauchen aber 100%!” kam es vom Japaner. Colt sah auf seine Uhr und stemmte darauf seine Hände in die Hüften. “Wir können keine 100 geben, aufgrund der noch nicht getesteten Challenge Phase.” erklärte der Mechaniker und zählte die einzelnen Systeme auf. “Gut, dann testen wir sie!” beschloss Fireball. “Tja, wie gesagt, 70% die Buster Triebwerke, die zur Challenge Phase gehören, werden gerade gewartet, das dürfte noch bis morgen dauern.” Fireball ließ darauf frustriert, seine Arme sinken: “Wann wollten sie mir das sagen?” fragte der junge Pilot. Der Mechaniker sah den Japaner vor sich an: “Die Mitteilung, ob das Schiff flugtauglich ist, geht an den Befehlshabenden Offizier Major Lancelot und den First Grad!” 

Während der Mechaniker weiterredete, zogen sich Fireballs Augenbrauen immer weiter zusammen. „Was?! Ich bin der Pilot! Ich muss als Erster wissen, welches Triebwerk auf Leistung läuft oder gerade in der Wartung ist!“ Colt, der zwischen den beiden stand, warf seinem Freund einen Seitenblick zu. Fireball war sichtbar aufgebracht. „Tut mir leid“, erwiderte der Mechaniker sachlich, „aber der Pilot besitzt keine Freigabe für das Wartungs- und Informationssystem.“ und rief die entsprechende Listung auf und hielt sie Fireball vor. „Was ist das denn bitte für ein Schwachsinn?!“, platzte es empört aus dem Wuschelkopf heraus.

„Tut mir leid“, kam es nur vom Mechaniker. Fireball sah den Mittvierziger vor sich einen Moment lang fassungslos an, dann ließ er den Mann einfach stehen. Colt und der Mechaniker wechselten einen kurzen Blick. Der Cowboy bedankte sich noch knapp und lief seinem Hombre hinterher. „Warte! Wo willst du jetzt hin?“ Doch die Frage erübrigte sich sofort. Fireball hatte bereits die Rampe betreten. Colt legte einen Zahn zu: „Beruhig dich erstmal, bevor … “ Weiter kam der Cowboy nicht, denn Fireball blieb abrupt stehen, fuhr herum und blickte Colt verärgert an. „Du hast das auch gewusst!“, fauchte er den Cowboy an und setzte seinen Weg Richtung Brücke fort. „Orrr… jetzt warte doch mal!“ rollte Colt mit seinen Augen und beschleunigte seine Schritte. Aber Fireball hatte im Moment ganz offensichtlich keinerlei Interesse daran, seinem Freund zuzuhören.


Saber saß in seiner Satteleinheit und prüfte den Reparaturstatus. Wenn alles passte, hätte er noch ein kleines Zeitfenster, um kurz bei Sincia und Sara vorbeizusehen. „Und? Können wir jetzt starten?“ betrat Fireball die Brücke, trat neben Sabers Einheit und verschränkte seine Arme. Saber blickte fragend auf, was war jetzt los? Shinji stand sichtbar gereizt neben ihm und wartete mit wenig Geduld auf eine Antwort.

Saber unterbrach seine Arbeit, stand auf und stellte sich vor Shinji. Mit fragendem Blick musterte er seinen Piloten. „Achtung Feuerball im direkten Anflug“, kommentierte Colt trocken und ließ sich in seine Satteleinheit fallen. Fireball blickte genervt zum Cowboy Saber nichte… jetzt bekam er eine ziemlich genaue Ahnung, dass gerade irgendetwas kurz vor der explosion stand. „Worum geht’s denn?“, fragte er betont ruhig.

Fireball kniff die Augen zusammen. „Um was es geht? Ich bekomme keinerlei Informationen über die Flugtauglichkeit von Ramrod!“, erklärte er dem Schotten hörbar aufgebracht. Saber atmete tief ein und nickte langsam. „Shinji…“ Doch Fireball unterbrach seinen Freund und Vorgesetzten sofort. „Nein, nix Shinji! Dann sag du mir, welches Triebwerk in der Wartung ist, welches hier gerade nur auf dreißig Prozent läuft, oder ob wir überhaupt startfähig sind!“

Saber atmete tief ein, während sein Pilot sich zunehmend in Rage redete. Doch eines musste er sich eingestehen, Shinji dabei nicht einmal Unrecht. Und entschied sich, zunächst abzuwarten. Im Moment hätte er ohnehin keine Chance gehabt, irgendetwas vernünftig zu erklären. „Ich bin der Pilot! Ich muss diese Informationen als Erster bekommen, meinetwegen gleichzeitig mit dir! Aber ich kann doch nicht einfach einsteigen, alles hochfahren und dann feststellen: ‚Oh, das läuft nicht‘ oder ‚Start fällt heute aus wegen: geht nicht!‘“ Colt zog scharf seine Luft zwischen den Zähnen ein. Und Saber schloss kurz genervt seine Augen und atmete dabei tief ein. 

„Shinji! Du hörst mir jetzt zu!“, warf Saber laut und mit ungewohnter Schärfe ein. April und Colt rissen erschrocken ihre Augen auf. Diese Lautstärke und Schärfe kannten sie vom Schotten noch nicht. Selbst Fireball sah ihn überrascht an. Etwas ruhiger erklärte Saber dann: „Ja… ich hatte Zugriff darauf”! gab er zu. “Ich war mir zumindest noch nicht hundertprozentig sicher“, gestand Saber … Doch zu allgemeiner Verwunderung blieb die Brücke still.

Fireball sah den Schotten fragend und fassungslos an. Für einen Moment fand er keine Worte. Colt blickte auf. und Saber konnte die plötzliche Stille und die Spannung, die darin lag beinahe greifen.

„Mit was nicht sicher?“, fragte Shinji schließlich ruhig nach. Colts Stirn legte sich in Falten. Er spürte sofort, dass Sabers Antwort Fireball gerade härter getroffen hatte, als der Schotte vermutlich beabsichtigt hatte. Das hörte er an der Tonlage des Piloten. April stand langsam aus ihrer Satteleinheit auf. Saber schluckte.

Fireball sah den Schotten direkt entgegen: „Was? Dass ich die Lage nicht einschätzen könnte?“ – „Oder… dass ich im Team bleibe?“ beantwortete er seine eigene Frage fast selbst. Allerdings in einer Tonlage, die Saber so von ihm noch nicht kannte und schüttelte mit seinem Kopf: “Du warst damals 15, 16 und 17 Jahre alt Shinji, das wären Entscheidungen gewesen, die du niemals treffen hättest können.” begann Saber. Fireball schüttelte mit seinem Kopf. “Das war Ramrod I – das hier ist Ramrod II. Ab hier bin ich ein Vollwertiger Pilot, der sogar diese Entscheidungen treffen darf und vor allem soll! Also erzähle mir nichts von damals!” 

Colt stand nun ebenfalls auf, dass sein Hombre so ruhig war, machte ihm doch ein wenig Sorgen. Saber nickte seinen Piloten entgegen: “Natürlich, ich wollte es beobachten.” erklärte Saber weiter. Fireball nickte und verschränkte seine Arme: “Gut, dann sage mir, welches Triebwerk uns gerade daran hindert zu starten und welches ich jetzt im Falle eines Notstarts auf 30 oder 80% laufen lassen könnte.” forderte er Saber heraus… “Diese Informationen würden von den Flugingenieuren kommen und auf dein System gelegt werden, die du nur noch hättest absegnen müssen!“ erklärte Saber.

“Die fliegen aber nicht, das ist Theoretischer Schwachsinn!” wurde Fireball wieder fester. “Ich bin der Pilot, ich trage die Verantwortung da oben und alles was an Bord ist! Ich muss wissen, dass sämtliche Abläufe funktionieren!” fuhr er weiter bestimmend und ernst fort. Colt formte still seine Lippen zu einem “Oh!” und stellte sich neben April, die Saber und Fireball mit großen Augen beobachtete. Saber nickte mehrere Male leicht und musterte dabei seinen Piloten vor sich: “Genau auf das habe ich gewartet!” kam es vom Schotten und wandte sich von Fireball ab und setzte sich wieder in seine Satteleinheit. 

Fireball verstand nicht und beobachtete skeptisch Sabers Verhalten. Und sah sich auf der Brücke um und blieb schließlich an Colt und April hängen, die ihn ansahen. 

Da piepste plötzlich das Steuerpad in seiner rechten Hand. Fireball sah hinunter, denn es wurde gerade mit neuen Meldungen geflutet. Er öffnete Radom eine Meldung und bekam große Augen. Alle Informationen zu Ramrod wurden ihm gerade vollständig aufgelistet. Er scrollte hastig durch die Daten: „…Was zum…?“ murmelte er.

„Das sind ab jetzt deine Informationen. Ich werde sie auch nicht mehr synchron empfangen“, hörte er Sabers Stimme neben sich. Fireball sah zum Schotten auf und dieser nickte ihm entgegen: „Ich verlasse mich zu hundert Prozent auf dich Shinji! “, fügte Saber noch fest hinzu und sah ihn dabei ernst an.

„Ich sowieso!“, flötete Colt, der inzwischen zusammen mit April vor ihm stand. Fireball blickte in die Gesichter seiner Freunde und Teamkollegen. April schenkte ihm ein warmes Lächeln. Saber dagegen sah ihn weiterhin ernst an. Über Fireball breitete sich eine Gänsehaut aus. Sie vertrauten ihm ihr Leben in der Luft an und er nickte ihnen fest entgegen: “Okay!” sagte er ruhig und ging Richtung Quartier, er würde sich gleich mit allem vertraut machen. Die drei blickten ihm nach. Saber schmunzelte stolz. Fireball hatte gerade seine vollkommenen Rechte und Pflichten kämpfend und überzeugend eingefordert, genau darauf hatte er gewartet, und er war sich sicher, dass sein junger Freund ab jetzt das auch konnte. Denn Fireball war sich bewusst geworden, dass er hier der Pilot ist und was von ihm erwartet wird und seine Aufgaben waren. 

“Tja, da wird jemand erwachsen.” kommentierte Colt nicht minder stolz. April sah die beiden an und nickte ihnen zu: “Ich koche uns einen Tee“, sagte sie, um wieder etwas runterzukommen. Saber sah auf seine Uhr und packte schnell seine sieben Sachen zusammen. “Ich muss los, wir sehen uns heute Abend im Palast, in Uniform…” wieß er noch an und war auch schon verschwunden. “Gut kein Tee für Saber.” ging es durch Aprils hübsches Köpfchen. “Hast du Kaktus Tee?” fragte Colt, der noch eine Stunde hatte, um mit seiner lieblings Navigatorin ein Heißgetränk zu schlürfen. “Gibt es sowas denn?” fragte sie. Colt lachte und nahm die Blondine in seinen Arm: “Klar!” und sie verließen die Brücke.

Absatz #4

Saber betrat den Meeting-Saal im Palast. Seine Sorge um Sincia wurde nicht weniger. Aber sie hatte sich gefreut und sie konnten die kurze Zeit zu dritt genießen. Er stellte sich vor einen Monitor, auf dem die Aussetzung des Senders von einem Beobachtungsschiff übertragen wurde. Aber wirklich verfolgen tat er es nicht. Denn er war mit seinen Gedanken ganz woanders, er wusste nicht mehr wo ihm der Kopf stand. Er hatte das Gefühl, nichts mehr zu hundert Prozent zu erfüllen. Er hatte zwei Schiffe zu befehligen, seine Aufgaben im Stab nahmen ihn zum größten Teil ein. Dazu seine Familie, wo es gerade alles andere als einfach war. Er benötigte eine neue Strategie, er musste sich neu ausrichten. 

Sein jüngstes Teammitglied hatte seine Pflichten heute eingefordert und Fireball würde sich da schon behaupten, dessen war sich Saber sicher. Und es war für ihn eine Aufgabe weniger. Er schloss kurz seine Augen, doch er hatte das Gefühl, wenn eine Aufgabe wegfiel, kamen zwei neue hinzu. “Richard!” vernahm er eine Stimme und öffnete seine Augen, war er doch so in seinen Gedanken vertieft gewesen, dass er niemanden um sich wahrgenommen hatte. Er drehte sich zur Tür, in die König Jarred eintrat und schloss die Tür.

Absatz #5

„Okay… ihr habt geknutscht.” fasste es Fireball kurz zusammen, “und wo genau ist jetzt nochmal das Problem?“, fragte er weiter nach. April atmete tief ein und hielt ihre Teetasse mit beiden Händen fest. Sie saßen zusammen im Aufenthaltsraum, nachdem sich der Cowboy verabschiedet hatte, um Robin und Joshua vom Raumhafen abzuholen. Fireball hatte sofort gemerkt, dass mit April gerade etwas nicht stimmte. Und die Navigatorin hatte sich ihm unter Tränen anvertraut. „Das Problem ist… ach, ich weiß es doch selbst nicht!“ sagte sie und schnäuzte erneut in ihr Taschentuch. Fireball musterte sie einen Moment. „Hat es dir gefallen?“, fragte er dann einfach unverblümt. April wurde sofort leicht rot um die Nase. Ein breites Grinsen erschien auf Fireballs Gesicht, als er ihre Reaktion sah und lehnte sich zurück: „Ahaaaa… also magst du ihn also?“ April nickte langsam, denn tatsächlich mochte sie Daniel: „Ich habe einfach Angst… dass ich für ihn nur ein Abenteuer hier auf Jarr bin“,sprach sie leise ihre bedenken aus und starrte in ihre Teetasse, die ihr diese Antwort allerdings schuldig blieb.

“Wenn es so wäre, würde er bestimmt nicht noch mit dir essen gehen wollen.” warf Fireball darauf ein. April atmete tief ein und aus: “Er hat nicht bekommen, was er wollte!” sagte sie leiser. Fireball rollte mit seinen Augen. “Warum denkst du gleich so gemein, lerne ihn kennen, deswegen geht man ja zusammen essen.” erklärte er, stand auf und ging zum Süßkram-Schrank. “Außerdem hat er schon mehr bekommen als manch anderer.” fügte er hinzu. April richtete sich etwas auf und drehte sich zu Fireball, der eine Packung Kekse öffnete. “Was wem meinst du?” wollte sie etwas entsetzt wissen. Der Japaner schob sich einen Schokoladenkeks in den Mund und grinste. “Bastiaan zum Beispiel und er hat sich echt Mühe gegeben.” sagte er. Die Blondine sah betrübt zu Boden: “Ja, er ist sehr lieb!” bestätigte sie. “Hast du ihm gesagt, dass du nichts von ihm möchtest?” Sie nickte langsam mit ihrem Kopf. “Hier Nervennahrung!” kommentierte Fireball und stellte die Packung Kekse auf den Tisch: “Magst du Daniel?” fragte Fireball jetzt direkt. April nickte: “Ja, sonst hätte ich doch nicht…” und sie verstummte wieder. “Mit ihm geknutscht?” beendete Fireball ihren Satz. April rollte mit ihren Augen: “Ja, aber wie gesagt, es ist nicht mehr passiert.” und sie nahm sich einen Keks. “Ihr wart im Bett…” erwiderte Fireball. “Es ist nichts passiert!” wiederholte April nochmals, während sie den Keks in ihrer Hand musterte. “Ihr wart fast nackt…” April sah Fireball sauer an: “Ich hab sein Shirt gertragen! Es war nichts weiter!” verteidigte sie sich weiter…. Der Pilot grinste frech und stand auf: “Ihr habt rumgemacht … ” setzte er weiter nach… April warf ihren Keks nach ihm: “Orr, hör auf jetzt!” kam es von ihr und musste darauf etwas lachen. Fireball gab ihr gerade das Gefühl, dass es tatsächlich nichts Schlimmes war. Sie setzte sich wieder und nahm sich einen neuen Keks aus der Packung und futterte ihn auf. Fireball hob den guten Schokokeks, der nach ihm geworfen worden war, auf und sah ihn sich an. 

April stand nun auch auf und räumte die Tassen vom Tisch: “Und zwischen uns?” fragte sie plötzlich und stellte das benutzte Geschirr in die Spülmaschine. Fireball sah April etwas überfahren an: “Was zwischen uns?” wiederholte er die Frage der Blondine. “Also war nie etwas deinerseits gewesen?” hakte sie nach. Fireball sah April immer noch an. “Du meinst…” und er zeigte von sich auf April. Die Blondine nickte. Fireball lächelte: “Doch da ist etwas, ich habe dich gern als Freundin.” stellte er klar. April nickte Fireball nickte und er lehnte sich gegen die Arbeitsplatte: “Ich hatte dich sehr vermisst und würde dich auch jetzt noch vermissen!” erklärte er weiter. April grinste: “Also Freunde?” fragte sie. Er sah sie an und nickte: “Die besten!” bestätigte er ihr und sie umarmten sich. 


Robin fiel ihrem Cowboy in die Arme. Sie freute sich unendlich, ihn endlich wieder bei sich zu haben. Nun war sie hier, zusammen mit Joshua, angekommen mit dem letzten Raumgleiter, der auf dem zivilen Raumhafen auf Jarr gelandet war. Die Maschine war bis auf den letzten Platz ausgebucht gewesen, eigentlich sogar überbucht. Auf Yuma hatten sich deswegen unschöne Szenen abgespielt. Doch das alles war in diesem Moment vergessen. Das Einzige, was zählte, war, dass sie wieder vereint waren.

Colt grinste von einem Ohr zum anderen, seine Robin wieder halten zu dürfen, was er doch für ein Glück mit dieser wundervollen Frau hatte. Der Babybauch war schon wieder gewachsen, das war Colt als erstes aufgefallen, als er Robin entdeckt hatte. Jetzt begrüßte er auch Joshua, der sich umsah, so einen leeren Raumhafen hatte er noch nie gesehen. Und im nächsten Moment wurden auch sie gebeten, diesen zu verlassen. Nichts lieber als das, dachte sich der Cowboy. Und half dem Taxifahrer, das Gepäck einzuladen. “Es wird euch gefallen, das Haus hat sogar einen Pool!” verriet Colt und Joshua strahlte: “Genial aufstehen und schwimmen!” kam es freudig von dem Jungen. “Aufstehen und Schule!” konterte Robin. Joshua verzog seine Lippen. 

Das Taxi hielt an. Robin stieg aus und sah sich neugierig um. „Das ist aber schick hier!“ sagte sie. Colt nickte, während er den Code in die Tür eingab. „Ich habe hier kein Ferienhaus mehr bekommen. Es ist schließlich Hauptsaison und Ferienzeit, die Stadt ist voller Touristen.“, erklärte der Lockenkopf. Joshua und Robin traten ein und sahen sich um. „Das hier ist das Haus von Captain Lorenz. Seine Familie bleibt auf Yuma, und wenn er allein hier ist, schläft er meistens auf dem Militärgelände“, erklärte Colt weiter, während die beiden das Haus begutachteten. „Das ist wirklich sehr nett von ihm. Also, nichts anfassen und schon gar nichts kaputt machen!“, ermahnte Robin ihren kleinen Bruder. „Nie darf ich was“, murmelte Joshua beleidigt.

„Schaut mal, ich habe alles für meine Lieben vorbereitet!“ flötete Colt und öffnete demonstrativ und mit sichtlichem Stolz den riesigen Kühlschrank in der hellen, lichtdurchfluteten Küche. Der Kühlschrank war beinahe komplett mit Grünzeug gefüllt, zumindest nach seiner Definition. Robin musste lachen.

Joshua öffnete die große Schiebetür zum Garten: “Wow!” kam es von dem Jungen. Robin sah hinaus, der Garten war großzügig und sehr gepflegt. Der Pool plätscherte bereits und lud förmlich zum Schwimmen ein “Der hat sogar eine Rutsche! Darf ich, oh bitte, bitte!” bettelte Joshua seine Schwester an. Robin lächelte: “Na klar!” erlaubte Robin und Joshua rannte zu seinem Koffer. „Komm, setz dich und ruh dich aus” sagte Colt und schob einen der gemütlichen Gartensessel zur Seite. Robin nahm Platz und genoss kurz diese Ruhe, die Reise war doch sehr anstrengend gewesen. 

Colt massierte Robin sanft ihre Schultern: “Ich muss allerdings in zwei Stunden wieder los.” beichtete er. Robin nickte, hatte sie doch nicht einmal damit gerechnet, dass Colt sie abholen hätte können. “Mir ist da was eingefallen!” betrat Joshua in seiner Badehose die hell geflieste Terrasse.  Beide sahen jetzt erwartungsvoll zu Joshua. “Wenn hier Ferien sind, hat keine Schule auf…” Robin und Colt grinsten: “Die Schule auf Yuma bietet für einen gewissen Zeitraum das Homeschooling, du wirst genau wie deine Freunde auf Yuma Unterricht haben, nur vor deinem Tablet.” erklärte Robin. “Oh, man!” stöhnte Joshua und ließ seine Schultern hängen. “Tja hätte beinahe funktioniert, Kumpel und jetzt rein da.” und Colt zeigte Richtung Pool. Joshua nahm Anlauf und sprang mit Vollkaracho hinein, dass es nur so spritzte. Robin kreischte auf, auch Colt bekam eine ordentliche Abkühlung. “Wie war das?” fragte der Junge: “Man muss sich zusammenrollen wie eine Kanonenkugel und dann bäm!” erklärte er begeistert, als er wieder aus dem Pool stieg. Und zur Rutsche rannte. “Dann wissen wir das jetzt auch!” kommentierte Colt und musste lachen. 


Fireball zog sich zum ersten Mal die Uniform des Piloten der Ramrodeinheit II an. Und betrachtete sich schweigend im Spiegel. Die blaue Hose mit der scharfen Bügelfalte, das weiße Hemd mit der blauen Krawatte, die unter der ebenso blauen Jacke hervorstach. Zwei goldene Streifen schmückten seine Ärmel. Da wurde es ihm erneut bewusst. Er war der Pilot. Langsam befestigte er das Rangabzeichen des First Lieutenants unter seinem eingestickten Namen. Immer mittendrin statt nur dabei, huschte der gedanke durch seinen Kopf.

Mit diesem Rang und vor allem mit seiner Position als Pilot, trug er nicht nur Verantwortung. Nein, das hier war mehr als ein Beruf. Es war sein Leben.

Die meisten, in seinem Alter, waren gerade einmal Kadetten. Und hatten einmal die Chance auf ein Gesuch zum Second Lieutenant. Und ihm war der Lieutenant ja fast in die Wiege gelegt worden. Sein Blick fiel auf seinen Namen “1 Lt. Shinji Hikari”. Genau das war seine Eintrittskarte, das sogenannte Vitamin B, von dem so viele sprachen. Diesem Namen gab man einen gewaltigen Vertrauensvorschuss. “Was die Sache tatsächlich nicht einfacher machte, obwohl das viele dachten.” kam es ihm durch seine Gedanken und streifte sich dabei die Jacke glatt. Manchmal nahm ihm der Name sogar die Luft zum Atmen, was zwar in letzter Zeit immer weniger der Fall war. Denn er war Mittlerweile stolz darauf, ein Hikari zu sein! Denn er ist ein Hikari, das war das Erste, was ihm sein Vater damals klar gemacht hatte! Erst jetzt, so schien es Fireball, verstand er die ganze Dimension dahinter. Zweifel hatte er nie an seinem Tun gehabt, er weiß um sein Können, woher diese Sicherheit kam, wusste er selbst nicht. “Soll das wirklich alles Vererbung sein?” 

Fireball zuckte mit seinen Schultern, “Irgendwas wird da schon dran sein!” flüsterte er und sein Blick fiel auf seine Haare und musste kurz frech etwas schmunzeln: “Ab jetzt ist das Gewuschel für alle vorbei!” und brachte seine neue Frisur mit etwas Gel in Form. “Der Name verpflichtet!” hörte er Richards Stimme in seinen Ohren. Saber Rider, der wieder zu Richard Lancelot wurde. “Aber was ist mit Fireball, gibt es ihn noch?” Schon lange hatte ihn niemand mehr so genannt, April noch ab und zu. Aber selbst sein bester Freund Colt bevorzugte seit einigen Monaten Shinji. Und er selbst auch, als Fireball hatte er meist verbrannte Erde hinterlassen und damit den Namen Hikari wenig Ehre gemacht, die Verantwortung dahinter war ihm damals einfach nicht bewusst gewesen. Ihm hatte ein kontinuierliches, greifbares Vorbild gefehlt. Genau dieses Vorbild hatte er vor 14 Monaten zurückbekommen. 

Es war sein Vater, den er lange Zeit nicht fassen konnte, er hatte davor nur Geschichten und Bilder von ihm gehabt. Daraus hatte er sich ein Phantombild geschaffen, das irgendwann so perfekt gewesen war, dass er zum Schluss unerreichbar war. Doch der Held hatte sich vor seinen Augen manifestiert, er war greifbar geworden und er konnte sich immer mehr mit ihm identifizieren. Aber nicht mit dem Helden Captain Hikari, sondern mit den Menschen hinter den Geschichten. Er atmete tief ein und aus, nickte sich zu und verließ das Zimmer und ging noch einmal in das Büro seines Vaters. Er sollte ihn noch etwas in den Palast mitbringen. Er ließ seinen Blick über seinen Schreibtisch gleiten. Die kleine Schachtel lag nicht mehr da. Er griff nach einem blauen Ordner und verließ das Büro auch schon wieder.


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