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Absatz #1
Captain Hikari, Lorenz und Saber betraten den streng abgesicherten Laborbereich auf Pectos. Mehrere Sicherheitsschleusen trennten die Anlage vom restlichen Komplex, begleitet vom leisen Summen der Kontrollsysteme und dem kalten Licht der Überwachungseinheiten. Mit einem hydraulischen Zischen glitt schließlich die letzte Tür nach rechts auf. Und Gemeinsam traten sie in den hell erleuchteten Laborraum ein. Steriles weißes Licht spiegelte sich auf den metallischen Wänden und den Arbeitsflächen. In der Mitte des Labors, umgeben von Analysegeräten und schimmernden Energiefeldern, die Signalkugel. Es war die Kugel, die Team Ramrod und Lorenz vor drei Monaten tief im All entdeckt und nach Pectos gebracht hatten.
Die dunkle Oberfläche schimmerte metallisch, während feine Lichtimpulse in unregelmäßigen Abständen unter der Hülle pulsierten, fast wie ein ruhender Herzschlag. Saber ließ den Blick aufmerksam über die Kugel gleiten. Seit ihrer Bergung hatte ihn die Frage beschäftigt, was dieses Ding wirklich war und wer es erschaffen hatte. Nun war er gespannt, zu welchen Erkenntnissen die Physiker gekommen waren.
Auf Yuma trainierte Fireball gemeinsam mit Colonel Murry weiterhin die Landungen mit Ramrod II. Noch immer fühlte sich das Verhalten des Friedenswächters unwirklich an. Es gab praktisch keinen spürbaren Widerstand und das Schiff wurde schnell. Viel zu schnell. Ramrod schoss mit einer Geschwindigkeit über die Landebahn, die selbst erfahrenen Piloten Respekt abverlangte. Fireball rollte nur mit den Augen, während er den nächsten Anflug einleitete. Wenn das Schiff bereits unter normalen Bedingungen so reagierte, wie sollte das erst bei Regen oder Schnee werden? Wer kam überhaupt auf so eine Idee? Für das All war diese Konstruktion genial. Dort machte genau diese Eigenschaft Ramrod II unfassbar schnell. Aber innerhalb einer Atmosphäre war das Schiff ein verdammtes Geschoss.
Und Fireball bekam langsam, den Dreh heraus, mit jedem Flug lernte er die Feinheiten besser kennen, verstand immer genauer, wie sensibel die Steuerung und die neuartigen Bremstriebwerke reagierten und wie und wann er welches einsetzte. Colonel Murry beobachtete ihn dabei mit sichtlicher Begeisterung. Der alte Fluglehrer grinste immer wieder zufrieden vor sich hin. In seinen Augen lag dieses seltene Funkeln eines Mannes, der wusste, dass er gerade etwas Besonderes erlebte. Und tief in seinem Inneren war er dankbar, das noch miterleben zu dürfen.
Währenddessen überwachte April aufmerksam sämtliche Systeme. Immer wieder passte sie Parameter an, verarbeitete neue Erkenntnisse und optimierte die Abläufe direkt während der Testflüge.
“Wir kommen nicht an die Software, der Kugel über das Panel ran!” erklärte ein Wissenschaftler, während Saber um die Kugel herum ging und berührte das kalte Metall, es war kalt und glatt, wie aus einem Guss: “Das Metall ist mit keiner uns bekannten Technologie verwandt, auch wissen wir nicht, wie lange sie schon im All schwebte, die Dekontamination dauerte länger als gedacht, seit gut einer Woche können wir sie gefahrenfrei berühren.” erklärte ein junger Physiker mit einer dicken Brille. “Tja, da haben wir ja was aufgelesen.” sagte Lorenz und berührte die Kugel ebenfalls vorsichtig. Captain Hikari, musterte das Objekt und hörte sich alles erste einmal an.
“Und das Signal?” fragte er nach einiger Zeit. Saber horchte auf und ging um die Kugel herum und hörte zu: “Das Signal basiert zwar auf einem wiederkehrenden Grundton, doch dekodieren und eine Logik haben wir daraus noch nicht schließen können.” Lorenz trat von der anderen Seite hervor: “Was vermuten Sie?”
Ein weiterer Wissenschaftler trat an die Kugel heran: “Wir gehen von einer ganzen Spannweite von Theorien aus, die erste ist: Es könnte eine Waffe sein, laut unseren Sensoren, geht von ihr keine Gefahr aus, jedoch ist unsere Technologie nicht deren.” und zeigte auf die Kugel: “Die zweite Theorie: Es ist ein Abtaster der Outrider, von sein, der das All durchsucht, sie suchen das All nach Ressourcen ab und dringen so in fremde Galaxien ein!” Der junge Physiker warf ein: “Es könnte sogar die Kugel von vor 17 Jahren sein, wahrscheinlich wäre es, dass unsere Galaxis lange vor dem ersten Angriff, damit ausgekundschaftet wurde!”
Captain Lorenz stemmte seine Hände in seine Hüften und atmete tief ein und musterte die Kugel: “Und die dritte?” fragte Saber. Der ältere Wissenschaftler nickte: “Tja, die dritte wäre sehr weit hergeholt, eine Kontaktaufnahme … ” Es wurde still. “Das ist Science Fiction pur gerade!” kam es überwältigt von Lorenz: “Mhm!” nickte Saber, er konnte allen Aussagen etwas abgewinnen, aber nicht greifen. Captain Hikari verschränkte seine Arme vor seiner Brust und atmete einmal tief ein und sah sich um.
Colt, Fireball und April saßen mittlerweile gemeinsam im Offizierscasino und genossen ihren wohlverdienten Feierabendkaffee. Das Stimmengewirr der anderen Offiziere erfüllte das Cassino. Colt lehnte sich entspannt zurück und nahm einen Schluck aus seiner Tasse: Wer weiß, wann der Säbelschwinger wiederkommt. Fireball musste grinsen, während April nur leicht den Kopf schüttelte. Sie wussten lediglich, dass Saber gemeinsam am Morgen mit Captain Lorenz und Captain Hikari das Oberkommando verlassen hatte.
Colt hatte vorbildlich seinen Bericht fertig und schickte ihn direkt ab. Danach stand für ihn fest, dass nun Feierabend war. Schließlich hatte er Robin versprochen, heute noch Zeit mit ihr und Joshua zu verbringen, stand auf, nahm seine Sachen und verabschiedete sich direkt.
“Nun sieh ihn dir an, kaum verheiratet und nun muss er pünktlich zuhause sein”, witzelte Fireball, während auch er sein Notebook in die Tasche schob. April grinste leicht und ließ ihren Blick noch einmal über die neuesten Daten von Ramrod II gleiten. Dann sah sie zu Fireball auf: “Und du? Wartet niemand auf dich?”

Fireball riss gespielt, erschrocken dseine Augen auf und blickte auf seine Uhr. Einen Moment später atmete er hörbar erleichtert aus: “Noch nicht, antwortete er trocken.” Und nahm seelenruhig den letzten Schluck von seinem Eistee.
April widmete sich wieder ihrer Arbeit. “Wie geht es deinem Vater?” fragte Fireball, April sah erstaunt auf und schmunzelte: “Er wird nächste Woche wieder aus dem Krankenstand entlassen“, antwortete sie und im Inneren war sie tatsächlich erleichtert, denn das lange zu Hause bleiben, tat ihrem Vater auf Dauer überhaupt nicht gut, musste sie schmunzeln.
Alex und Bastiaan gesellten sich zu den beiden, sie waren gerade gelandet. Nun war es Fireball der Aufstand und er verabschiedete sich, er nickte April zu und ging.
Absatz #2
Auf Pectos saß man mittlerweile in einem kleinen Nebenraum des Labors. Durch die breite Glaswand konnte man direkt auf die Kugel blicken, die reglos im Zentrum der Versuchsanlage aufgebaut war. Immer wieder wanderten ihre Blicke zwischen den eingeblendeten Daten und dem fremdartigen Objekt hin und her, während beraten wurde, wie man weiter vorgehen sollte.
Der ältere Wissenschaftler strich über einige Projektionen auf seinem Display und beendete schließlich seine Zusammenfassung: “Das Panel am unteren Ende lässt sich nur mit biometrischen Daten bedienen. Unsere IT-Spezialisten arbeiten bereits an einer Möglichkeit, das System zu umgehen. Captain Hikari verschränkte nachdenklich seine Arme: “Kann ich es mir ansehen?” Der Wissenschaftler stand sofort auf: “Natürlich.” und alle traten wieder an die Kugel heran. Ein Wissenschaftler aktivierte ein Modul und mit einem leisen Summen begann sich die Kugel langsam zu drehen.
Captain Lorenz musterte das Objekt und schnaubte fast amüsiert: “Okay… wir gucken wieder.” Dann legte er neugierig seine Hand an die eingefasste Vertiefung des Panels. Saber betrachtete das Vorgehen: “Ich erwäge Miss Eagle in die Dekodierung mit einzubeziehen, Sir!” schlug er vor, nachdem er sich das alles nochmal durch den Kopf gehen lassen hatte. Captain Hikari verschränkte seine Arme vor der Brust und nickte leicht: “Sir, es steht alles unter “Top Secret”, bedenken Sie, je mehr davon wissen, umso gefährlicher könnte es werden!” warf der ältere Wissenschaftler ein.
Hikari nickte einmal: “Ich bin bereits dabei, es abzuwägen!” sprach er und ging zwei Schritte auf die Kugel zu und betrachtete das Panel vor sich. “Hältst du es für gefährlich?” fragte Lorenz, der neben Hikari getreten stand: “Nein!” sagte Shinjiro und sah Lorenz an: “Also Miss Eagle, Sir?” fragte Saber nochmals nach und stellte sich neben Lorenz, um in das Blickfeld des Captains zu kommen. Hikari atmete tief ein und zuckte mit seinen Schultern und streckte nun auch eine Hand aus und fuhr, wie Lorenz, mit dieser über das Panel.
Darauf gingen alle vor Schreck einen Schritt zurück, denn das Panel leutete auf. Captain Hikari sah fragend zu seiner Hand, zur Kugel und zu dem Wissenschaftler neben sich. Doch der Wissenschaftler war ratlos: “Das hatten wir bis dato noch nicht, Sir.” gab er zu.
“Sollte es möglich sein?” fragte der Captain leise und ging einen Schritt auf die Kugel zu, Saber der die Worte verstanden hatte, trat dicht an den Captain heran. Hikari presste seine Hand nochmals auf das Panel und zog sie nach einigen Sekunden, fast schreckhaft, wieder zurück: “Was ist?” fragte Lorenz besorgt und sah zum Panel, das rot aufleuchtete und einen in Abständen kontinuierlichen Piepton von sich gab: “Das klingt wie ein Countdown!” sagte Saber, der sich sicher war, es würde jeden Moment etwas geschehen: “Gut raus hier!” kam es darauf von Captain Hikari, der immer noch seine Hand hielt. Der Wissenschaftler beobachtete das Panel interessiert, doch Lorenz zog diesen mit sich mit.
Eilig gingen sie in den Nebenraum zurück. Kaum hatte Saber die schwere Glastür hinter ihnen geschlossen, heulte plötzlich schriller Alarm durch die gesamte Anlage. Und die Wissenschaftler, die noch im Labor waren, verließen ebenfalls eilig den Raum.

Wenige Augenblicke später jagte eine gewaltige Sauerstoff Druckwelle durch das Labor, die alles von den Tischen fegte. Die panzerglasscheiben erzitterten bedrohlich, Metall vibrierte unter dem dumpfen Schlag, und Saber, Lorenz und der Wissenschaftler gingen instinktiv leicht in die Hocke. Denn niemand wusste, was als Nächstes passieren würde. Warnlichter tauchten den Raum in hektisch blinkendes Rot, während draußen Systeme hochfahren und automatische Sicherungen aktiviert wurden und Sauerstoff entzogen wurde, um eine mögliche Explosion im Keim zu ersticken. Lorenz duckte sich etwas tiefer und warf Shinjiro einen schiefen Blick zu: “Du hast es kaputt gemacht!” Shinjiro ging nun ebenfalls in Deckung und sah trocken zum Captain der Air Base hinüber: “Ich habe es nur angefasst.” sagte er… “Genau das sagen Leute in Filmen auch immer kurz bevor etwas explodiert”, murmelte Lorenz.
“Mädchen nerven, glaub mir, ich habe eine Schwester”, warf Tom mit todernster Überzeugung ein. “Na und .. ich habe auch eine Schwester, die nervt nur manchmal”, konterte Joshua darauf sofort: “Deine Schwester ist auch schon alt, und kriegt ein baby.” schoss Tom zurück.
Im selben Moment verschluckten sich Colt und Robin fast gleichzeitig an ihrem Guavensaft. Mit großen Augen sahen sie sich stumm an, während aus dem Kinderzimmer weiterhin die hitzige Diskussion der beiden Jungen drang. Trotz der geschlossenen Tür konnten sie jedes einzelne Wort gut hören: “Alt?”, wiederholte Robin fassungslos und rang sichtbar um Haltung. Colt presste bereits seine Lippen zusammen und kämpfte verzweifelt gegen das Lachen an und hob beschwichtigend die Hände: “Ich sag nichts. Absolut gar nichts.”
Aus dem Kinderzimmer kam inzwischen empörtes Protestieren: “Sie ist nicht alt!”- “Doch!” – “Gar nicht!” – “Doch, voll alt!”
Robin schloss kurz ihre Augen und atmete tief durch, während Colt nun endgültig leise losprustete. Robin lag auf dem Sofa, ihr taten die Füße weh und sie strich sich über ihren Babybauch. Nun musste auch sie etwas lachen: “Das ist normal, pass auf, in 10 Minuten sind sie wieder die besten Freunde!” Colt nickte, stand auf und gab Robin einen Brief der Militärschule des Oberkommandos, der das Schullogo zierte und dachte nach. “Ich trau mich nicht, ihn zu öffnen“, kam es darauf von Robin. Colt verstand: ”Wollen wir die Jungs einpacken und zur Farm fahren, da können sie rennen und wir sehen, wie weit die Bauarbeiten sind?” fragte er auch, um Robin etwas abzulenken. Robin nickte.
“Ich habe doch gesagt, du hast sie kaputt gemacht”, wiederholte Lorenz, nachdem sich das Chaos im Labor langsam legte und die letzten Papierblätter zu Boden segelten. Kaputte Glasscheiben lagen verstreut, Geräte waren umgestürzt oder aus ihren Halterungen gerissen worden, und lose Unterlagen bedeckten den gesamten Boden. Und dort, wo vor wenigen Minuten noch die schwarze Metallkugel gestanden hatte, befand sich nun nur noch das zerborstete Unterteil der Konstruktion. “Die Sensoren im Labor vermelden, dass keine Gefahr mehr besteht: “Ich lasse vorsichtshalber einen Luftaustausch vornehmen.” teilte der Wissenschaftler. Alle waren mehr als einverstanden, bevor sie in das zerstörte Labor gingen.
“Es war eine Luftdruckwelle”, erklärte der Wissenschaftler, der die Daten auslass, während sie vorsichtig zwischen Glassplittern, Kabeln und beschädigten Geräten hindurchstiegen, das Licht flimmerte, fing sich jedoch nach einigen Momenten wieder. Lorenz sah sich kopfschüttelnd um: “Na wenigstens haben die Konstrukteure der Kugel einen Countdown berücksichtigt.“ Sein genervter Unterton war kaum zu überhören. Niemand wollte sich ausmalen, was passiert wäre, wenn sie noch direkt neben der Kugel gestanden hätten. Alles, was nicht fest im Labor verankert gewesen war, hatte die Druckwelle quer durch den Raum geschleudert. Es war das reinste Chaos. Und doch lag zwischen all dem etwas anderes in der Luft. Etwas, das bis jetzt noch keiner direkt ausgesprochen hatte.
Die Signalkugel hatte auf Captain Hikaris biometrische Daten reagiert: “Was hat das zu bedeuten, Sir?” fragte Saber, der sich neben dem Captain den Weg ins Labor ebnete. Hikari ließ den Blick nicht von der zerstörten Kugel, deren Inhalt jetzt wohl sichtbar geworden war: “Wenn ich das wüsste, wäre ich jetzt nicht so heiß darauf, da hineinzugehen”, antwortete er trocken. Saber hob kurz überrascht seine Augenbrauen, er war tatsächlich fast mehr über diese eher ungewöhnliche Wortwahl des Captains erstaunt, als über die aktuellen Vorkommnisse.
“Heiß ist definitiv das richtige Wort.” bestätigte Lorenz: “Wie kann es sein, dass das Ding auf dich reagiert?” fragte er dann aber ernster und alle sahen den Captain darauf erwartungsvoll an: “Das wird sich zeigen!” sagte dieser und blickte in die zersprungene Signalkugel: “Was zur?” kam es von Lorenz. Saber ließ seinen Blick über den Inhalt gleiten und Captain Hikari holte seinen Kommunikator hervor, Lorenz sah fragend zu Hikari: “Die Kugel wurde im Sektor A gefunden, somit muss König Jarred davon erfahren!” beantwortete Shinjiro die ungestellte Frage und wählte das Büro des Monarchen über TSID an.
April war auf dem Weg zu ihrer Wohnung, vor dem Eingang des mehrstöckigen Apartmenthauses entdeckte sie jedoch Bastiaan. Der blonde Holländer stand dort und wartete ganz offensichtlich auf sie. Als er sie bemerkte, huschte sofort ein freundliches Lächeln über sein Gesicht. Sein leichter Akzent war kaum hörbar, aber gerade das mochte April an ihm: “Hallo”, begrüßte er sie: “Hallo”, antwortete April und blieb stehen. Bastiaan wirkte für einen kurzen Moment unsicher: “Ich wollte gerade bei dir klingeln.” erklärte er, April musste schmunzeln: “Ich habe einen Kommunikator.” erinnerte sie, Bastiaan nickte ertappt: “Ok, ich wollte dich überraschen.” gab er jetzt zu. Neugierig musterte sie ihren Kollegen: “Oh, mit was denn?” wurde sie nun doch neugierig. Sofort grinste Bastiaan und hielt ihr eine cremefarbene Mappe entgegen. Die Blondine öffnete sie und ihre Augen wurden größer: “Du bist Captain!” Bastiaan nickte stolz, aber gleichzeitig beinahe verlegen: “Ja, seit heute.” April lächelte ehrlich und reichte ihm die Mappe zurück: “Meinen Glückwunsch, Captain de Vries, das muss eigentlich gefeiert werden”, sagte sie und Bastiaan grinste darauf: “Okay…wollen wir?” fragte er mutiger und deutete fragend Richtung Stadt. April zögerte nur einen Augenblick. Etwas Ablenkung, von daten und Laboren, konnte gerade wirklich nicht schaden: “Okay”, antwortete sie schließlich.

Colt und Robin standen vor ihrem Haus. Schon bald würde der erste Stock entstehen und so langsam konnte man erkennen, wie ihr gemeinsames Zuhause einmal aussehen würde. Robin betrachtete das halbfertige Gebäude mit einem warmen Lächeln: “Es wird schön.” sprach sie sanft. Colt grinste zufrieden und öffnete den provisorischen Stall, damit seine gefiederten Damen endlich hinauskonnten. Sofort stürmten die Hühner gackernd ins Freie, als hätten sie nur darauf gewartet.
Colt ließ seinen Blick über das Grundstück schweifen. Wo auch schon an den Nebengebäuden und Pferdestall fleißig gebaut wurde. Und zwischen den Apfelbäumen rannten die Jungs ausgelassen umher und immer wieder verschwand einer von ihnen lachend hinter einem Baum und biss genüsslich in seine Beute. Ein leises Schmunzeln erschien auf Colts Gesicht: “Genau so.” dachte er… Und für einen Moment fühlte sich alles erstaunlich ruhig an und nahm Robin in seine Arme: “Dann kann ich dich bald über die Schwelle tragen!” Robin lehnte sich etwas an ihren Cowboy: “Erst wenn der Mini-Cowboy da ist, ich möchte nicht wissen, was ich wiege!” Colt lachte und gab seiner Robin einen Kuss: “Du bist wunderschön!” Robin lächelte: “Warts ab, as ist noch nicht der Endzustand, Cowboy!” klärte sie ihren Lockenkopf auf. Colt zuckte darauf mit einer Schulter: “Dann rolle ich dich hierher!” Und Colts Kopf schmerzte plötzlich auf: “Weib!” kam es darauf von ihm und rieb sich die schmerzende Stelle: “Ich rolle dich natürlich liebevoll!” korrigierte er sich und trat vorsichtshalber zwei Schritte zurück: “Oh, warte!” und Robin folgte Colt, der seinen Hut festhielt und das Weite suchte: “Aus dir mache ich Rollbraten!” rief sie ihm nach: “Hilfe!” lief er lachend vor ihr. Joshua und Tom rannten zu Robin und jagten den Cowboy.
“Ja, los alle auf den Dicken!“ Da blieb Colt abrupt stehen: “Wer hat das gesagt!” drehte er sich fordernd ruckartig um, Josh und Tom wären beinahe in den Cowboy hinein gerannt, Colt blickte in zwei erschrockene Gesichter und Robin unterdrückte sich ein Lachen. Der Cowboy bäumte sich vor den Jungs auf und die beiden rannten schreiend davon: “Warum hast du das gesagt?” – “Warum ich, du hast es zuerst gesagt!” hörte man die beiden auf ihrer Flucht diskutieren.
Colt senkte seinen Kopf: “Und ich wollte heute eine Big Pizza bei Angelo springen lassen!” grummelte der Cowboy mitleidig: “Dann mach ich uns ein schönes Abendessen, mit einem frischen leckeren Salat dazu!” Colt verzog darauf etwas sein Gesicht: „Spielverderberin!“ Robin lachte.
Absatz #3
Auf Pectos waren inzwischen sämtliche Teile der Signalkugel sowie ihr gesamter Inhalt in einen streng abgesicherten Bereich gebracht worden. Die Sicherheitsmaßnahmen im Labor waren deutlich verschärft worden, nachdem bekannt geworden war, dass die Kugel auf Captain Hikaris biometrische Daten reagiert hatte. Auch König Jarred war bereits vor Ort und schaute sich mit den anderen den Inhalt an.
Saber zog sich vorsichtig die weißen Handschuhe über und betrachtete den Inhalt der Kugel genauer. Zwischen metallischen Halterungen lagen mehrere unbekannte Datenträger, sauber angeordnet, als wären sie sogar nummeriert worden. Behutsam nahm er einen davon an sich und drehte ihn leicht im Licht: “Haben wir die Technik, um das auszulesen?” fragte er. Dr. Peaks trat näher und betrachtete den Datenträger mit sichtbar wachsender Begeisterung: “Das dürfte kein Problem sein”, antwortete der Wissenschaftler optimistisch, während er selbst bereits einen der fremdartigen Speicher untersuchte.

Lorenz fuhr sich durch seine Haare und ließ den Blick über die angeordneten Dinge der Kugel wandern: “Das ist doch völlig verrückt”, murmelte er kopfschüttelnd. Und obwohl es niemand laut aussprach, dachten vermutlich alle im Raum dasselbe.
Sie hielten hier möglicherweise Antworten in den Händen, welche das waren, würde sich hoffentlich bald herausstellen.
Shinjiro trat an den Tisch heran und griff nach einem Umschlag. Lorenz beobachtete ihn einen Moment lang, dann verschränkte er gereizt seine Arme: “Hast du dazu gar nichts zu sagen?” hakte er erneut nach. Shinjiro nahm die Dokumente ruhig an sich und hob kurz den Blick zu ihm: “Noch nicht. Und beruhige dich.” mahnte er Lorenz und setzte sich an den gegenüberliegenden Tisch. Lorenz stieß ungläubig Luft aus: “Beruhigen soll ich mich?” wiederholte er und blies Luft aus und griff ebenfalls nach einem der Datenträger.
König Jarred, der inzwischen vollständig über die Ereignisse des Tages informiert worden war, trat mit weiteren Unterlagen an den Tisch heran und setzte sich neben Shinjiro: “Was hältst du davon?”, wollte er wissen, während er eine blaue Mappe öffnete und seine Augen weiteten sich. Shinjiro, der seinen Kopf auf eine Hand gestützt hatte und fixierend die Unterlagen vor sich durchsah, als würde er jedes einzelne Detail in sich aufsaugen. Doch auf Jarreds Frage reagierte er zunächst nicht.

“Das ist eine Twiz Technik, sie ähnelt unserer, ist jedoch in ihrer gesamten Bauweise vollkommen anders”, erklärte Dr. Peaks und setzte sich mit den Unterlagen zu König Jarred und Captain Hikari an den Tisch.
Saber hielt währenddessen ein kleines schwarzes Gerät in den Händen und betrachtete es von allen Seiten. Die Oberfläche war glatt und fast nahtlos verarbeitet. Obwohl es vertraut wirkte, war es fremd, das war das faszinierende daran. Lorenz trat neben ihn und musterte den kleinen Kasten skeptisch: “Spooky, oder?” Der Schotte nickte leicht, ohne den Blick davon abzuwenden. Anschließend öffnete er eine metallene Kiste, in der jeweils fünf schmale Datenträger eingefasst waren.
“Dr. Peaks, damit sollten Sie das Signal entschlüsseln können, sagte Captain Hikari ruhig und schob dem Wissenschaftler den dicken Papierstoß über den Tisch. Jarred hob den Blick, so als hätte er sich verhört und beobachtete seinen Freund aufmerksam. Etwas an dessen Verhalten wirkte ungewöhnlich. Und sah ihn fragend an. Shinjiro bemerkte den Blick, nahm langsam seine Brille ab und rieb sich über seine Augen: “Es sind meine Unterlagen”, sagte er leise und deutete mit einer Hand auf die Dokumente vor sich. Stille entstand… nachgefüllt Minuten nickte Jarred: “Gut… das beantwortet zumindest meine erste Frage”, murmelte Jarred nachdenklich und legte behutsam die Blätter wieder so zusammen, wie er sie aus dem blauen Umschlag genommen hatte. Sämtliche Seiten waren handschriftlich auf Japanisch verfasst.

Dr. Peaks blickte überrascht auf: “Das Signal basiert auf CJK Codes?” Captain Hikari nickte langsam. Saber trat sofort näher an den Tisch heran und setzte sich mit dem kleinen Gerät und einem der Datenstick und ließ seinen Blick über die Unterlagen wandern, während mehrere Zeichenfolgen und Kodierungen auf den Displays erschienen: “Sie haben es kodiert, Sir”, stellte er erstaunt fest: “Ja”, antwortete Captain Hikari ruhig: “Sie haben exakt zwanzigtausend Möglichkeiten zwischen Common und Uncommon Kanjis.” erklärte er und deutete auf den dicken Papierstoß vor sich, den Dr. Peaks inzwischen mit sichtbarer Faszination studierte. Die Seiten wirkten auf den ersten Blick chaotisch, doch offenbar folgte alles einem Muster, das Shinjiro sofort wiedererkannt hatte.
Saber sah den Captain fragend an und nahm sich zwei der Blätter, die Dr. Peaks bereits zur Seite gelegt hatte. Es handelte sich um eine handschriftlich erstellte Tabelle mit CJK Codes. Der Highlander überflog die Zeichenfolgen erneut und hob langsam den Blick: “Sir… wie?” Captain Hikari lächelte nur kurz auf: “Ich hatte Zeit, viel Zeit.” erklärte er, stand auf und ging zu einem Tisch, auf dem noch weitere Inhalte der Kugel lagen. Lorenz beobachtete ihn aufmerksam: “Du wusstest es die ganze Zeit.” kam es fast vorwurfsvoll von ihm. Shinjiro nickte und sah ihn an: “Ich war mir nicht zu hundert Prozent sicher. Eben weil es so unwahrscheinlich war.” erklärte er. Lorenz schüttelte langsam mit seinem Kopf: “Tja, jetzt liegt deine Unwahrscheinlichkeit direkt vor dir.” Shinjiro nickte stumm und ging mit den anderen Datenträgern zurück zum Tisch.
Captain Lorenz stieß hörbar seine Luft aus, fuhr sich übers Gesicht und setzte sich schließlich mit an den Tisch. Die Anspannung zwischen den beiden war spürbar.
Saber, der die kleine schwarze Schachtel gedankenverloren in seinen Händen drehte, betrachtete noch einmal die schmalen Datenträger. Und schob fast schon spielerisch einen davon in eine schmale Öffnung des Geräts. Mit einem leisen Klicken rastete der Datenträger ein. Saber hob überrascht seine Augenbrauen: “Das wäre dann wohl das passende Lesegerät.” sagte er feststellend und stellte es in die Mitte des Tisches, während sofort sämtliche Blicke darauf fielen.
Dr. Peaks betrachtete es und zog den Datenträger wieder hinaus: “Wir benötigen ein Endgerät, um die Daten sehen zu können.” erklärte er. “Wie lange würden sie benötigen, eines zu entwickeln?” fragte König Jarred. Dr. Peaks drehte und wendete den Stick vor sich und nahm sich noch einen dazu und dachte nach: “24 Stunden!” Jarred nickte: “Dann tun sie es!” sprach der König und sah zu seinem Freund. Hikari blickte ausdruckslos in die Runde und nickte ebenfalls. Dr. Peaks stand auf: “Ich werde mich sofort an die Arbeit machen.” sagte er und verließ den abgeschirmten Raum.
König Jarred lehnte sich langsam zurück, verschränkte die Arme vor der Brust und schwieg. Man sah ihm deutlich an, dass er versuchte, all die Informationen zu ordnen und sich einen Reim auf das Ganze zu machen. Schließlich war es Saber, der als Erster das nachdenkliche Schweigen durchbrach: “Sie müssen die Signalkugel unmittelbar nach Ihrem Sprung losgeschickt haben, Captain.”
Lorenz sah darauf zu Shinjiro: “Du sagtest, sie können nicht springen. Was ist, wenn sie doch feindlich sind? Dann stehen wir wieder ganz am Anfang.” und die Aufregung in seiner Stimme war kaum zu überhören. Shinjiro hob langsam seinen Blick von den Unterlagen. Und lehnte sich im Stuhl zurück, überschlug seine Beine und strich sich nachdenklich über eine Augenbraue: “Ich vermute eher, dass sie den Sog der Outrider genutzt und die Kugel einfach hinterhergeschickt haben…” teilte er seine Gedanken ruhig mit. Saber nickte langsam: “Das wäre denkbar… und technisch möglich.”
Lorenz schnaubte leise: “Sie werden dir deine Sachen ja kaum aus reiner Freundlichkeit hinterhergeschickt haben.” Darauf erschien ein sarkastisches Grinsen auf Hikaris Gesicht: “Nein, First Class hatte ich nicht gebucht.” sagte er und für einen kurzen Moment lockerte sich die angespannte Stimmung im Raum. Dann wurde sein Blick wieder ernster: “Mich interessiert vielmehr, was auf diesen Datenträgern ist.”
Lorenz stand auf und ging im Raum umher: “Die können uns alles schicken, das nächste mal ist es eine Bombe von was weiß ich einem Ausmaß und wir werden nicht einmal wissen was geschehen ist, das ist hochbrisant und gefährlicher als irgendwelche Outrider, die mitlerweile berechenbar geworden sind!” teilte der deutsche seine Gedanken und Unmut mit. “Wir warten, die Kugel schwebte monatelang im All und das würde sie jetzt noch, wären wir nicht durch Zufall auf sie aufmerksam geworden.” erklärte Shinjiro, doch Lorenz unterbrach ihn: “Ja, und wer weiß was da noch herumschwirrt und zeigte demonstrativ nach draußen: “Es bestand nicht einmal eine Zehnprozentige Chance, dass wir sie finden!” kam es darauf von Shinjiro. Lorenz stellte sich an den Tisch: „Und das beunruhigt dich nicht einmal?” Shinjiro nickte: “Wir warten!” wiederholte er noch einmal!
Saber verstand Lorenz aufgebrachtheit, die Sicherheit des Grenzlandes war in Gefahr, er wollte abwarten, was die Daten hervorbrachten, aber einen gewissen Unmut über die Geschehnisse konnte auch er nicht verbergen! König Jarred nickte: “Wir warten!” bestätigte er ebenfalls und stand auf: “Ihr seid so meine Gäste, so können wir das gemeinsam die Tage analysieren!” Shinjiro trat neben Jarred und nahm ihn die blaue Mappe ab: “Die gehört mir!” kommentierte er währenddessen: “Was ist das?“ wollte Jarred wissen. Hikari sah auf die Mappe dann zu Jarred: “Briefe!” und holte ein Blatt heraus. Jarred nahm es entgegen, mehr als das Datum konnte er nicht lesen, es war datiert, mit einem Datum, welches 8 Jahre zurücklag: “Ich werde sie Hitomi und Shinji nach und nach schicken!” sagte Shinjiro. Jarred nickte und gab seinem Freund das Blatt zurück.
Absatz #4
Zwei Tage später.
König Jarreds Schlossgarten war an diesem späten Nachmittag nur wenig besucht. Die Hitze lag schwer über den Wegen und Beeten, selbst der Wind schien sich irgendwo im Schatten zurückgezogen zu haben. Shinjiro hatte sich einen ruhigen Platz unter dem Schatten eines Baums gesucht und saß dort auf einer Bank. Nach den endlosen Meetings und Strategiebesprechungen wollte er den Tag einfach nur noch in Ruhe ausklingen lassen. In seinen Händen hielt er mehrere Briefe.
Langsam las er einen Brief nach dem anderen, während sein Blick immer wieder über die vertraute Handschrift glitt, es war seine eigene. Zwischendurch schüttelte er kaum merklich mit seinem Kopf, er konnte es selbst noch immer nicht begreifen, dass er diese Briefe tatsächlich wieder in den Händen hielt. Dadurch fühlte sich alles seltsam fremd an. Nur diesmal befand er sich auf der richtigen Seite des Universums. Sechzehn Jahre seines Lebens hielt er gerade in seinen Händen. Dreihundertsiebenundvierzig Briefe. Er hatte sie gezählt, zweihundertdreiundfünfzig für Hitomi und vierundneunzig für Shinji.

Und er musste für einen kurzen Moment lächeln. Als er sie geschrieben hatte, hatte er sich den beiden immer nahe gefühlt, auch wenn er wusste, dass keiner dieser Briefe jemals abgeschickt werden würde und niemals eine Antwort zurückkommen konnte.
“Sir?” Riss ihn eine Stimme abrupt aus seinen Gedanken und er blickte auf. Vor ihm stand der junge Schotte: “Entschuldigen Sie, ich hoffe, ich störe nicht”, sagte Saber sofort. Shinjiro ließ den Brief sinken, faltete ihn sorgfältig zusammen und steckte ihn schließlich weg. Danach überschlug er ruhig ein Bein und lehnte sich etwas zurück: “Doch, ein wenig”, antwortete er trocken. Saber nickte, als hätte er genau mit dieser Antwort erwartet: “Sir, ich hätte noch einige Fragen bezüglich des Signals.”
Shinjiro atmete tief ein, ließ den Blick kurz über den ruhigen Schlossgarten schweifen und deutete dann neben sich. Saber nickte: “Danke, Sir!” und nahm auf der Bank neben dem Captain Platz: “Mr. Hikari, ich vermute, das Signal war als Key Code gedacht, soweit ich es verstanden habe.” Shinjiro sah erstaunt zum Schotten neben sich und konnte sich ein kleines Grinsen nicht verkneifen: “Sie haben tatsächlich einen roten Faden finden können?” fragte er wissentlich. Saber huschte ein Lächeln über sein Gesicht und nickte: “Ich erinnere mich an ihre Aussage, gerade ist ein Buchstabe ungerade eine Zahl.” erklärte er. Shinjiro nickte bestätigend: “Also ist das kontinuierliche ist ein Wort, ich habe die CJK Codes durch den Übersetzer laufen lassen.” erklärte Saber weiter. Shinjiro musterte den jungen Major: “Deathcula!” sagte er. Saber nickte: ”Der Rest lässt sich nicht decodieren!” fuhr Saber weiter fort: “Ab da gibt es keine weiteren CJK-Codes mehr, jedenfalls nicht die uns bekannten.” fügte der Schotte noch hinzu. Shinjiro nickte langsam und verschränkte seine Arme vor der Brust. Saber entging die Reaktion darauf nicht: “Sie möchten es nicht offenlegen, Sir?”, hakte er deshalb nach: “Doch, antwortete Shinjiro ruhig. Ich habe den Code allerdings als lesbares System entwickelt, nicht als hörbares. Vier 4E02, U plus sechs, sieben F-F und so weiter. In Töne habe ich das Ganze niemals umgewandelt.” erklärte er. Saber sah ihn einen Moment lang erstaunt an: “Also handelt es sich um eine Weiterentwicklung.” Hikari nickte knapp, aber dachte über das Gesagte nach, bevor er erneut das Wort ergriff: “Sir, wie sind Sie dann auf die Millisekunden gekommen, denn soweit ich weiß, basiert keines unserer bekannten Verschlüsselungssysteme auf solche Zeitabstände.”
Shinjiro musste leicht grinsen und zuckte darauf mit seinen Schultern: “Es war nur ein Versuch. Ich lege so auch meine Strategien an.” sagte er und stand dann auf. Saber blieb zunächst sitzen und sah dem Captain etwas verwirrt hinterher. Für einen Moment versuchte er, die Aussage des Captains einzuordnen, bevor er schließlich ebenfalls aufstand und ihm folgte. Schweigend liefen sie einige meter nebeneinander. Das leise Rascheln der Bäume und das entfernte Plätschern eines Brunnens begleiteten ihre Schritte. Nach einigen Metern hielt Saber seine Neugier jedoch nicht mehr zurück: “Sir… wie darf ich mir das vorstellen?”
Shinjiro antwortete nicht sofort, stattdessen ließ er den Blick ruhig über die Wege des Gartens schweifen, ehe er plötzlich fragte: “Wohin gehen Sie jetzt, Mister Lancelot?” Saber, verstand nicht und zog etwas irritiert seine Augenbrauen nach oben: “Zurück ins Gästehaus, Sir.” antwortete er. Shinjiro nickte langsam: “Gut, das Gästehaus ist ihr Ziel.“ Dorthin führen, sagen wir, fünf Wege. Das ist der feste Faktor, vorgegeben und unveränderbar. Saber nickte aufmerksam und hörte weiter zu.
“Nun stellen Sie sich vor, einige dieser Wege sind versperrt, besetzt, zerstört oder existieren schlicht nicht mehr. Sie brauchen also eine Taktik, um sich trotzdem auf Ihr Ziel zuzubewegen. Genau dort wird alles ungerade. Und plötzlich kreuzt sich Ihr Weg mit über fünfzig möglichen Entwicklungen.” Während sie weitergingen, deutete Shinjiro beiläufig auf die verschiedenen Wege des Schlossgartens: “Dort, wo sich Möglichkeiten überschneiden, entstehen Handlungsspielräume. Solange Sie sich mehrere Ebenen offenhalten, bleiben Sie beweglich und können reagieren. Ist ein Weg blockiert, können Sie höflich fragen… oder frontal durchbrechen. Sie können unterwandern, umgehen oder überfliegen. und ein kaum sichtbares Grinsen huschte über sein Gesicht: “Danach legen Sie sofort die nächste Strategie fest.”
Saber schwieg inzwischen vollkommen konzentriert. Und vor ihnen tauchte bereits das Gästehaus zwischen den Bäumen auf. Shinjiro zeigte mit einer Hand darauf: “Sie sehen das Ziel dort vorn, aber gleichzeitig entstehen von allen Seiten neue Ereignisse, die Ihnen den Weg erneut versperren.” und er blieb stehen. “Zum Schluss legen Sie sämtliche verbleibende Möglichkeiten übereinander. Gerade und ungerade. Und dort, wo sich die Punkte kreuzen, entsteht Ihre eigentliche Strategie.” erklärte er und wandte seinen Blick zum Schotten: “Somit geben die ersten fünf Möglichkeiten die Richtung vor. Die nächsten vier halten Sie handlungsfähig. Und die weiteren sorgen dafür, dass alles ausgeführt werden kann. Vier. Acht. Zwölf… und so weiter…”
Saber puzzelte alles zusammen und fand die Vorgehensweise sehr interessant. “Strategie ist der indirekte Ansatz und die Taktik ist die konkrete Aufstellung der Truppen für das Gefecht.” Darauf setzen sie sich wieder langsam in Bewegung: “Idealerweise rücken Sie schneller vor, als der Feind sich zurückziehen kann.” Und ein paar Schritte später fügte er beinahe beiläufig hinzu: “Probieren Sie es aus, nehmen Sie irgendeinen Ihrer Einsätze auseinander und legen Sie die Möglichkeiten übereinander.”

Saber versuchte, sich all das bildlich vorzustellen: “Ich verstehe, Sir.” Shinjiro grinste leicht: “Das ist reine Wissenschaft. Lesen Sie Bücher von Feldherren oder über die Strategien vergangener Kriege. Sie werden immer wiederkehrende Muster erkennen. Die eigentliche Kunst besteht darin, Erfahrung zu nutzen und sie für sich selbst anzuwenden.” und sie betraten die Lobby des Gästehauses. Warmes Licht fiel von den hohen Deckenlampen auf den dunklen Marmorboden. Hikari deutete beiläufig nach rechts und ging anschließend ohne ein weiteres Wort die Treppe nach oben. Saber blieb kurz stehen und blickte in die gezeigte Richtung. Ein schlichtes Schild mit der Aufschrift “Bibliothek” hing über einer geöffneten Flügeltür. Der Highlander schüttelte grinsend mit seinem Kopf: “Gut…Dann eben sofort”, sprach er zu sich und ging in den Raum.
Absatz #5
Auf Yuma hatte Colt inzwischen alle Hände voll zu tun. Fireball und April arbeiteten beinahe ununterbrochen an den Feineinstellungen von Ramrod II. Der neue Friedenswächter musste mehrere festgelegte Routen abfliegen, Systeme testen und sich immer wieder neuen Belastungen stellen. Hin und wieder kam es dabei auch zu kleineren Aufeinandertreffen mit den Outridern, die zwar meist schnell beendet waren, aber dennoch zusätzliche Aufmerksamkeit verlangten.
Colt wiederum musste sich mittlerweile nahezu täglich mit Bastiaan abstimmen. Überraschenderweise lief die Zusammenarbeit größtenteils ohne größere Komplikationen ab, auch wenn beide hin und wieder bemerkten, dass ihre Herangehensweisen kaum unterschiedlicher hätten sein können.
Jetzt saß er im Offizierskasino und schrieb endlich die Berichte, die er die letzten Tage doch so erfolgreich vor sich hergeschoben hatte. Zwischendurch lehnte er sich immer mal wieder zurück und massierte sich seinen Nacken. Robin war bei Sincia, um sie etwas zu unterstützen. Schließlich war die Freundin momentan ganz allein, und Robin wollte sie damit nicht im Stich lassen. Colt sah auf seine Uhr und atmete tief durch. Nach Feierabend wollte er noch für eine Stunde ins Fitnessstudio. Mittlerweile hatte er selbst eingesehen, dass er dringend wieder einen Ausgleich brauchte, insgesamt sechs dicke Kilos hatte er zugenommen. Und seine Fitness hatte unter dem Stress der vergangenen Monate deutlich gelitten.
Ab und zu kamen Fireball und April mit, auch die beiden fanden langsam wieder zueinander, und Colt bemerkte inzwischen mit etwas Abstand, dass diese Zwangs- Trennung doch etwas in jeden einzelnen bewirkt hatte. Sie alle hatten herausfinden müssen, was sie vom Leben wollten. Die Distanz hatte Klarheit geschaffen. Jeder hatte inzwischen sein eigenes, dienstliches und auch privates Ziel vor Augen, und dennoch fanden sie am Ende immer wieder zusammen. Genau das freute den Cowboy. Sie kannten die Schwächen des anderen, aber vor allem auch ihre Stärken. Und genau deshalb brauchte es inzwischen oft keine langen Erklärungen mehr. Jeder wusste, wie der andere dachte, handelte oder reagieren würde. Dieses Verständnis war still entstanden, irgendwo zwischen all den gemeinsamen Einsätzen, Verlusten und Entscheidungen der letzten Jahre.
Colt war stolz auf jeden einzelnen, er sah jetzt was für eine Mammutaufgabe Saber damals aufgebrummt bekommen hatte. Trotzdem hoffte er, dass der Säbelschwinger bald wieder vor Ort sein würde, der Schreibkram würde nicht weniger werden und sein Urlaub näherte sich mit großen schritten,. Fireball wollte er das alles nicht aufbrummen, nicht dass er es Fireball nicht zutrauen würde, das würde er mit links schaffen, aber er war zusätzlich schon in der Ausbildung zum Captain und das Ramrod II Projekt nahm ihn gerade voll und ganz ein. Da wurde er auch schon wieder aus seinen Gedanken gerissen, ein neuer Einsatzbefehl blinkte auf: “Immer kurz vor Feierabend!” schoss es dem Cowboy etwas genervt durch den Kopf und ging an Bord von Ramrod II.
“Die Daten auf diesem Datenträger haben wir analysiert. Es handelt sich um eine Anleitung, erklärte der Wissenschaftler und deutete auf den großen Monitor, auf dem eine komplexe Konstruktion eingeblendet war. Während seiner Erklärung liefen unzählige Berechnungen und Simulationen über den Bildschirm: “Die digitalen Tests, die wir nach diesen Vorgaben durchgeführt haben, zeigen eine Solar-Lumen-Energie-Waffe. Auf dem Monitor rotierte die Darstellung der Konstruktion: “Nach ihrer Aktivierung würde ein Energieaustausch von nahezu unmessbaren Werten entstehen.” Saber lehnte sich währenddessen langsam in seinen Sessel zurück und pustete hörbar Luft aus. König Jarred verschränkte seine Arme vor der Brust: “Eine Bombe.” sagte er nur knap. Der Wissenschaftler nickte langsam. Lorenz zeigte ungehalten auf die Projektion: “Warum schicken sie uns so etwas?” – “Das Interessante kommt erst jetzt”, antwortete Dr. Peaks ruhig und startete er eine weitere Simulation.
Auf dem Bildschirm erschien ein aufgenommener Dimensionssprung der Outrider. Sekunden später wurde die Solar-Lumen-Energie-Waffe aktiviert. Ein gewaltiger Energiestoß breitete sich aus, das Schiff der Outrider wurde augenblicklich kampfunfähig, und rund um den Sprungpunkt begann sich die Materie sichtbar zu verändern. Es sah aus wie ein riesiges Netz aus Energie: “Die durch den Sprung beschädigte Materie wird nach der Anwendung gewissermaßen versiegelt”, erklärte Dr. Peaks weiter.
Im Meetingraum von König Jarred breitete sich bedrückende Stille aus. Mehrere Minuten lang sahen sie sich die Simulation immer wieder an. Niemand sagte etwas. Saber war schließlich der Erste, der seine Gedanken aussprach: “Könnte es sein, dass diese Menschen uns mit dieser Waffe helfen wollen?” Lorenz stand sofort auf und begann unruhig durch den Raum zu laufen: “Helfen? Das ist eine Vernichtungswaffe!” Saber nickte langsam: “In den falschen Händen auf jeden Fall.” bestätigte der Schotte mit ernsten Unterton, der keinen Zweifel daran ließ, wie gefährlich diese Technologie tatsächlich war.
Dr. Peaks verschränkte nachdenklich die Hände hinter dem Rücken: “Ich vermute allerdings, dass das eigentliche Ziel dieser Waffe darin besteht, den Outridern, oder den Deathcula, wie sie sie nennen, die Zugangswege zu verschließen.” Und deutete erneut auf die eingeblendeten Sprungpunkte: „Wir kennen mittlerweile die Bereiche, an denen die Outrider besonders häufig springen: “Mit dieser Technologie hätten wir möglicherweise die Chance, diese Punkte dauerhaft zu schließen. Die Outrider müssten dann, wie bereits vor siebzehn Jahren, enorme Energiemengen aufbringen, um die Materie erneut durchlässig zu machen.”
“Ist es kontrollierbar?” fragte Captain Hikari, der bis jetzt nur zugehört hatte. Dr. Peaks überlegte: “Nun, dazu bräuchten wir einen Prototypen, an sich wäre es möglich!” und gab dem First Grad einen weiteren Datenträger, Hikari nahm ihn entgegen und steckte ihn in das Lesegerät: “Ihr könnt doch nicht wirklich in Erwägung ziehen, diese Waffe zu bauen?” fragte Lorenz ungläubig: “Soweit sind wir noch nicht, ich möchte wissen, ob es überhaupt möglich wäre!” antwortete Hikari, ohne von den geladenen Daten auf zu schauen: “Nun, wir wissen, dass die Menschen dort auch daran interessiert sind, die Outrider loszuwerden.” sagte Saber nachdenklich und rieb sich nachdenklich am Kinn. Hikari nickte, war aber weiterhin mit den Daten vor sich beschäftigt. Lorenz setzte sich wieder und blickte zum Monitor, auf dem immer noch die Simulation in Endlosschleife abgespielt wurde: “Was gab es noch?” wollte König Jarred wissen: “Nun, wir haben noch nicht alle Datenträger ausgewertet, wir haben uns auf diesen konzentriert!” und zeigte zum Monitor. Alle nickten und Captain Hikari sah in die Runde und atmete tief ein: “Sacken lassen und zwar jeder für sich!” betonte er den letzten Teil. Lorenz rieb sich seine Augen. Saber nahm sich die ausgedruckten Formulare. Dr. Peaks setzte sich und rief alles nochmals über sein Notebook auf. “Dann treffen wir uns morgen wieder!” Alle verließen den Meetingraum, in dem sie seit Stunden gesessen hatten.
“Sir, das könnte heikel werden!” sprach Saber seine bedenken frei aus, als sie durch das Schloss liefen: “Das ist es schon!” mischte sich Lorenz ein und sah auf seine Unterlagen: “Was ist los mit dir?” wollte Hikari jetzt von Lorenz wissen, das ständige Schwarzsehen seines Air Base Captain ging ihm tatsächlich langsam auf die Nerven. Lorenz blieb stehen und sah sich um und stellte sich vor Shinjiro und sprach leiser: “Wir wissen gar nichts, an der Waffe sehen wir sie sind weiter als wir, sowas kann sich ganz schnell wenden, wie wir wissen und lass die Erde oder Outrider davon Wind bekommen, ist hier die Kacke am dampfen!” Shinjiro trat einen Schritt auf Lorenz zu und sprach ebenso leise und fast drohend: “Wenn du die Spannung nicht aushältst, kannst du Rosso auf Yuma ablösen!” Darauf sah Lorenz sein Gegenüber fest an und einige Augenblicke herrschte angespannte Stille zwischen den beiden. Lorenz‘ Blick wurde wieder entspannter und Shinjiro nickte dem Captain stumm zu und ging weiter.
Saber war hin und hergerissen und sah nachdenklich Captain Hikari nach und blickte anschließend zu Lorenz, der schweigend seine Lippen aufeinander presste. Schließlich entschied sich der Schotte, noch einmal in die Bibliothek des Gästehauses zu gehen, um die Gespräche und Erkenntnisse des Tages in Ruhe durchzugehen. Denn sollten sie diese Waffe tatsächlich nachbauen, könnte das enorme Konsequenzen haben. Und das nicht nur für das Neue Grenzland, sondern möglicherweise auch für die Erdgalaxie.

Immer wieder überflog er seine Unterlagen, machte sich Notizen oder starrte minutenlang gedankenverloren auf einzelne Seiten. Erst als sich sein Magen bemerkbar machte, hob er den Blick zur Uhr. Überrascht fuhr er sich durch die Haare. Hatte er wirklich schon wieder zwei Stunden hier verbracht? Mit einem leisen Seufzen sammelte er seine Unterlagen ein und verließ die Bibliothek. Und machte sich auf den Weg zu seiner Suite im ersten Stock und langsam wurde ihm klar, dass der Aufenthalt auf Jarr deutlich länger dauern würde als ursprünglich geplant. Und genau dieser Gedanke bereitete ihm zunehmend Unruhe. Schließlich wollte er Sincia nicht so lange alleine lassen und bei sich haben. Es musste eine Lösung her. Nicht nur dienstlich, sondern vor allem auch privat.
Captain Hikari betrat sein Haus in Jarr. Eigentlich wollte er nur nach dem Rechten sehen, ein paar neue Sachen holen und anschließend wieder zurück zum Gästehaus fahren, denn das Haus war ihm einfach zu groß und vor allem viel zu ruhig, ohne seine Familie. Doch kaum hatte er das Wohnzimmer betreten, blieb er überrascht stehen. Hitomi saß dort vollkommen selbstverständlich auf dem Sofa und sah ihn mit einem warmen Lächeln an: “Wie? Seit wann?”, fragte er erstaunt und musste im nächsten Moment bereits schmunzeln. Hitomi stand sofort auf und ging direkt auf ihn zu und ging ihm durch seine Frisur, die mal wieder einen Friseur brauchte: “Nun… ich habe einen Brief von dir bekommen. Da fiel mir wieder ein, dass ich dich eigentlich nie mehr irgendwo alleine lassen wollte.” erklärte sie, Shinjiro musste leise lachen, bevor er sie sofort in seine Arme zog: “Das klingt verdächtig nach einer lebenslangen Überwachung.” Hitomi nickte bestätigend: “Ganz genau“, antwortete sie zwischen zwei Küssen.

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