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4.018 Wörter, 21 Minuten Lesedauer.


Absatz #1

zwei Tage später

Der Winter hatte Yuma City über Nacht erreicht und eine feine Schneedecke lag auf den Dächern und Straßen, während draußen noch vereinzelte Flocken vom Himmel fielen.

Hitomi stand nach dem Frühstück auf und verließ das Wohnzimmer. Shinjiro warf einen Blick auf seine Uhr und ging ihr nach. „Du möchtest jetzt schon los?“, fragte er. Hitomi nickte, während sie sich ihren dicken Schal um den Hals wickelte. „Es ist eine Tageslesung.“, erinnerte sie ihn. „Ahhh …“ erinnerte er sich und beobachtete sie schmunzelnd, wie sie in ihren neuen cremefarbenen Wintermantel schlüpfte, den sie gestern mit ihm shoppen war und sich anschließend noch einmal prüfend im Spiegel betrachtete. Natürlich hatte er die Tageslesung nicht vergessen, aber er wusste auch, es war ihr Lieblingsautor zu Gast in Yuma City. Dagegen hatte er ohnehin keine Chance. Was er allerdings nicht verstand, war, wie man freiwillig einen ganzen Tag damit verbringen konnte, sich ein Buch vorlesen zu lassen, das man doch längst kannte. Hitomi drehte sich grinsend zu ihm um und nickte ihn liebevoll zu. Shinjiro seufzte gespielt. „Bis heute Abend, Mr. Oberspießer.“ sagte sie und gab ihm einen Kuss. „Mhm..” brummte er…”Dir auch, Bücherwurm.“ Sie lächelte und schlüpfte in ihre Stiefel. 

Shinjiro wartete an der Haustür, bis Hitomi mit ihrem Wagen aus der verschneiten Einfahrt fuhr. immer noch tanzten feine Flocken lautlos durch die kalte Luft. Mikan stellte sich zwischen seine Beine, blickte neugierig hinaus und miaute dem ihr noch unbekannten weißen und kalten Treiben entgegen. Shinjiro musste unwillkürlich schmunzeln. Und Mikan drehte sich um und ging doch lieber zurück ins warme Haus.

Shinjiro schloss die Haustür hinter sich und ging direkt in sein Büro. Donnerstag war mittlerweile sein fester Homeoffice-Tag. Während Captain Lorenz das Kommando im KOK übernommen hatte, konnte er einen Großteil seiner administrativen Aufgaben von zu Hause erledigen, deutlich ruhiger als der Alltag im Oberkommando, aber selten weniger arbeitsreich.


Fireball nutzte seinen unfreiwilligen Urlaub, um endlich mal richtig auszuschlafen und stand erst auf, als er überhaupt nicht mehr liegen konnte. Und schlürfte nur mit Shorts und T-Shirt bekleidet in die Küche, so wie es aussah, war er allein, doch ein ”Miau” riss ihn sofort aus seinen Gedanken, “Gut, doch nicht allein!” dachte er und streichelte Mikan, die um seine Beine schlich: “Du hast wohl Hunger!“ mutmaßte er und stellte ihr auch etwas feines zu essen hin: “Lass es dir schmecken!” wünschte er dem Fellknäuel einen guten Appetit und verschwand mit genügend Verpflegung in seinem Zimmer. Für seine Captain’s Ausbildung war bestimmt eine Menge Stoff angefallen, darum sollte er sich auch mal kümmern. 

Absatz #2

“Hey Cowboy, so ganz alleine hier?”, Colt sah auf und musterte die junge Frau mit einem frechen Grinsen, wie sie es nur hatte. Schnell stand er auf: “Mensch Mandarin, was machst du hier?” freute er sich und die beiden umarmten sich herzlich. “Na guck nochmal genauer!” sagte die Rothaarige und präsentierte stolz ihren Overall, der sie zweifellos in die Air Base eingeordnete. Colt lachte: “Das ist ja Wahnsinn, also bist du jetzt im Oberkommando?”, fragte er und bot ihr einen Platz am Tisch an. Mandarin nickte: “Ja, ganz offiziell erst im neuen Jahr, es wird noch geprüft, auf welcher Position ich fliegen darf!” teilte sie den Lockenkopf mit. 

“Bei Captain Lorenz bist du in den besten Händen!” sagte Colt und orderte für die junge Frau mit den frechen roten Haaren einen Kaffee. “Ja, die Base wird erweitert, Tim und Florenz sind nach Jarr gegangen, doch ich fühle mich im KOK zuhause, ich bin mir sicher, dass hier mein Platz ist!” sprach sie weiter. “Na dann herzlich willkommen!” Mandarin zwinkerte ihm zu: “Aus dir ist aber auch ganz schön was geworden, oder muss ich jetzt Sergeant Wilcox sagen?” Colt nickte und klappte sein Notebook zu: “Ach, das ist nur mein Nebenjob…” Beide lachten. “Zeig her deinen kleinen Cowboy!” forderte Mandarin auf, dass Colt Vater geworden war, hatte sich mittlerweile auch auf Alamo herumgesprochen. Breit grinsend holte der Cowboy seinen Kommunikator hervor.


Saber, Sincia und die kleine Sara waren in der Stadt unterwegs, um die ersten Weihnachtsbesorgungen für die bald anreisende Familie zu erledigen.

Der Schneefall hatte inzwischen aufgehört und auf den Straßen verwandelte sich der frische Pulverschnee langsam in eine matschige Mischung. Doch der Wetterbericht versprach, dass die Temperaturen im Laufe des Tages wieder deutlich sinken würden. Mit einer Wahrscheinlichkeit von fünfundneunzig Prozent sollte Yuma City in diesem Jahr ein weißes Weihnachtsfest erleben.

Als der Wind kalter wurde, beschlossen sie, sich in die nahegelegene Shopping Mall zurückzuziehen. Vor dem festlich geschmückten Eingang stand ein Weihnachtsmann im roten Mantel, einer Glocke in der Hand und begrüßte die vorbeigehenden Besucher und sammelte Spenden für wohltätige Zwecke. 

Die Mall war bereits in ein Weihnachtswunderland verwandelt worden. Aus den Läden erklang Weihnachtsmusik von Klassisch bis Rockig und die Menschen trugen kleine und große hübsch verpackte Geschenke durch die Passage. Kinder staunten mit großen Augen über den riesigen Weihnachtsbaum in der Mitte der Mall, anderen Zwergen war das alles einfach zu viel und ließen ihren Frust freien Lauf. Saber atmete tief ein, da bekam man ja richtig Sehnsucht nach dem Gewusel im Oberkommando, dachte er sich.

„Auf jeden Fall brauchen wir einen schönen großen Baum!”, sagte Sincia, die sich bereits alles in ihrem Kopf ausgemalt hatte. “Aber doch noch nicht heute.”, kam es von Saber, schließlich waren es noch ganze drei Wochen. “Die schönsten sind schon immer als erstes weg, also heute! Außerdem haben wir noch überhaupt keine Weihnachtsdekoration.”, kam es von der Kindergärtnerin, die direkt in ein Geschäft für Dekoartikel einbog. Saber folgte ihr mit dem Kinderwagen bereitwillig. 

“Schau dir das an, ist das nicht niedlich? Und guck dir diese Krippen an, oder entscheide du, welche gefällt dir am besten?” Saber blickte angestrengt über die Ausstellungsstücke: “Die schaut doch sehr fröhlich aus!” und er zeigte auf eine handbemalte Quietschbunte aus Porzellan. “Wirklich, nicht doch lieber die?”, und Sincia deutete auf eine sehr schlichte. Der Schotte sah auf und lächelte: “Such du aus!” gab er diese Aufgabe jetzt ab, ihm wurde langsam gerade klar, dass er seinen freien Tag heute hier in dieser und garantiert in noch anderen Malls verbringen würde. “Oh, da da drüben ist Christbaumschmuck”, zeigte Sinca in eine Richtung und war auch schon im nächsten Gang verschwunden. 

Saber nickte ergeben und sah sich alleine um, lustige “Hohoho – Figuren” winken ihm entgegen, Sterne in allen Formen und Farben, große und kleine Engel von Süß bis klassisch, dazu tanzende fleißige Elfen und jede menge Lichterketten, die jeder Techno Party in den Schatten stellen konnten. Bei all dem Bling Bling und Menschen hatte er mühe Sincia nicht aus den Augen zu verlieren, an einem kleinen glitzernden porzellan Engel blieb er stehen und hielt ihn über Saras Köpfchen, die friedlich in ihrem Wagen lag und diesen mit ihren großen neugierigen Augen betrachtete. “Na, gefällt er dir?”, fragte er und beschloss, ihn zu kaufen! „Richard, komm schnell her!” hörte er Sincia begeistert rufen, er sah sich suchend um und folgte ihrer Stimme. 

Absatz #3

Shinjiro beendete das Meeting mit Captain Lorenz und König Jarred und rief anschließend die Lageübersicht des Sektors C auf seinem Monitor auf. Nachdem er sich vergewissert hatte, dass keine neuen Meldungen eingegangen waren, lehnte er sich zurück, streckte sich ausgiebig und stand schließlich auf. „Zeit für eine Pause“, murmelte er, doch bevor er die Küche ansteuerte, begann er, die Unterlagen auf seinem Schreibtisch zu stapeln. An einem Schrank fiel ihm auf, dass sich in der Schublade einige Dokumente angesammelt hatten, die er schon vor Monaten aussortieren wollte. Kopfschüttelnd zog er die Schublade auf. Es war die Schublade, in der er seine Briefe, die er Hitomi und Shinji geschrieben hatte, aufbewahrte. Und zog seine Augenbrauen fragend zusammen, doch dann erinnerte er sich wieder. „Ich war in deiner Schreibtischschublade …“, hatte ihm sein Sohn vor einigen Wochen berichtet.

Er zog sich einen Brief hervor und begann ihn zu lesen und erinnerte sich noch genau an den Abend, an dem er diesen Brief geschrieben hatte. Damals hatte ihn die Nachricht erreicht, dass Aelor, ein guter Freund vom Militärgelände, auf dem er sechzehn Jahre gelebt hatte, zum ersten Mal Vater eines Sohnes geworden war. Shinjiro hatte sich für ihn gefreut und doch hatte diese Nachricht etwas in ihm aufgerissen. Während Aelor seinen neugeborenen Sohn zum ersten Mal in den Armen hielt, wusste Shinjiro damals nicht einmal, wie sein eigener Sohn inzwischen aussah. Langsam ließ er den Blick auf das Datum des Briefes sinken. Shinji musste damals ungefähr sechs Jahre alt gewesen sein und er schluckte schwer.

Er hatte als er zurück kam aufgehört, sich Shinjis Fotoalbum anzusehen, als er vier Jahre alt gewesen war.

Danach hatte er nicht mehr aufzuschlagen. Warum? Weil jedes weitere Bild ein Leben zeigte, in dem er nicht vorkam. Er hatte keine Einschulung miterlebt, keine Geburtstage gefeiert, keine Weihnachtsfeste mit ihm verbracht. Er wusste nicht, wann Shinji seine ersten Milchzähne verloren hatte, wann er Fahrradfahren gelernt hatte oder wer es ihm beigebracht hatte. Denn an seiner Stelle war jemand anderes da gewesen. Jemand, der Shinji getröstet und ihm das Fahrradfahren beigebracht hatte. Der Gedanke tat tatsächlich weh. Nicht, weil er diesem Menschen das Glück nicht gönnte. Sondern weil er ihn unweigerlich an das erinnerte, was er selbst niemals hatte sein dürfen: Ein Vater.

Behutsam faltete Shinjiro den Brief wieder zusammen, bevor er ihn langsam zurück in die Schublade legte. Dabei fiel sein Blick auf einen weiteren Umschlag, der ganz hinten lag. Der Umschlag war ungeöffnet. Shinjiro zog ihn vorsichtig hervor und drehte ihn in den Händen. Vorne waren lediglich seine Kanji mit schwarzer Tinte geschrieben. “Shinjiro”, mehr nicht. Sein Herz schlug plötzlich etwas schneller. Er erkannte diese Art von Umschlag. Jedes Jahr, seit seinem achten Lebensjahr, hatte er so einen bekommen… 

Und auch dieses Jahr zu seinem Geburtstag, seinem ersten Geburtstag hier nachdem er wieder im Neuen Grenzland war, hatte der Brief wieder einfach auf dem Esstisch gelegen. Niemand hatte etwas dazu gesagt, niemand hatte ihn gedrängt, ihn endlich zu öffnen. Man hatte ihn einfach dort hingelegt und ihm die Entscheidung überlassen. Sein Daumen strich langsam über die noch immer unversehrte Lasche des Umschlags. Was stand drin? Er schloss kurz die Augen, noch nie hatte er einen davon geöffnet… und wusste nicht einmal, warum. Vielleicht aus Angst vor dem, was darin stand. Vielleicht auch vor dem, was er dabei fühlen würde. Und wenn er ganz ehrlich war, hatte er sogar auf diesen Brief in den 16 Jahren zu seinem Geburtstag gewartet…  So viele Jahre hatte er sich eingeredet, dass es besser war, diesen Brief ungelesen zu lassen. Doch jetzt … Jetzt war er sich da plötzlich nicht mehr so sicher.


Das Haus war nach wie vor ruhig, Mikan, die auf einer Treppenstufe lag, stand auf und rannte ihm nach. Immer wieder lief sie Shinjiro zwischen die Beine und er musste aufpassen, nicht über das rote Fellknäuel zu stolpern. “Was ist denn los?”, fragte er und beobachtete das Verhalten. “Vielleicht hat sie ja Hunger?” dachte er und durchsuchte die Vorratsschränke nach Mikans Futter, als er fündig wurde, gab er ihr etwas in ihre Schale.


Fireball hatte seinen Kopf in seine Hände abgestützt und verfolgte auf seinem Notebook eine Vorlesung: “Oh man!” Stöhnte er vor sich, „Noch zwei Minuten und ich schlafe ein!”, teilte ihm sogar sein Hirn mit. Er stand auf und streckte sich durch und sah an sich herab, vielleicht wäre es auch mal an der Zeit etwas anzuziehen. Und verschwand in seinem Badezimmer, um erst einmal zu duschen.


Shinjiro hatte es sich im Wohnzimmer mit einer Tasse Kaffee gemütlich gemacht, Mikan lag neben ihm und beide genossen die Stille. Shinjiro blickte auf die Uhr, einige Stunden hatte er noch, trank seinen Kaffee aus. Ging die Treppen hinauf und freute sich auf ein langes, heißes Bad.


“Schubi du ba ba du bidadada, I am dreaming of a white christmas ~” stand Fireball vor seinem Spiegel im Badezimmer und kämmte sich seine noch nassen Haare ins Gesicht, grinsen musste er, als er das Endergebnis sah. “Schubi du ba ba du bidada…”, sang er mit und griff nach dem noch immer unbenutzten Aftershave und roch daran, “nicht schlecht!”, fand er und beschloss, es wenigstens mal zu testen. Es brannte höllisch, ein Schreien al la Kevin allein zuhause verkniff er sich, schmerzlich! “Das kann von mir aus noch warten!” murmelte und verließ sein Badezimmer mit glühenden Wangen, um sich für den Rest des Tages noch etwas anzuziehen. 


Sincia war mit Sara bereits im Haus verschwunden. Es war in den letzten Stunden immer kälter und dunkler geworden, vor Glatt und Blitzeis wurde bereits gewarnt. “Oh Mann!” sprach Saber vor sich, als er in den voll beladenen Kofferraum blickte. “Es war nur die Erstausstattung für das neue Zuhause!“ sprach er sich in seinen Gedanken gut zu, um sich die Shoppingtour schön zu reden. Schließlich war es ihr erstes Weihnachten in diesem Haus und es sollte schön werden und dazu gehörte auch das richtige Ambiente. “Und was machen wir zu Ostern?” grummelte er in sich hinein und schnappte sich die ersten Tüten und Kisten aus dem Kofferraum, er nahm so viel er konnte, als nichts mehr ging richtete er sich auf und stieß sich seinen Kopf an der Heckklappe. “Autsch!” kam es schmerzhaft stöhnend aus ihm und kniff seine Augen zusammen. Nachdem der Schmerz etwas verzogen war, fiel es ihm wieder ein, die Klappe wollte er schon vor Wochen reparieren lassen. Er richtete sich erneut auf und die Kofferraumklappe fiel vor ihm mit einem Rums zu. 

„Mist!“, fluchte er leise vor sich, rollte mit seinen Augen und lief voll beladen Richtung Haus. Dabei löste sich ein Zweig des festgebundenen Weihnachtsbaums auf dem Autodach und schlug ihm frontal gegen seinen Kopf. Vor Schreck ließ er die Kartons fallen und hob sie, ohne auch nur eine der Taschen loszulassen, ungeschickt wieder auf. 

Nachdem er sich wieder gefasst hatte, lief er die wenigen Meter zum Haus. Er trat auf eine zugefrorene Pfütze. “Ohhhh!” und geriet ins Schleudern und hatte große Mühe sein Gleichgewicht mit den vielen Taschen und Kartons zu halten, als er wieder festen Stand unter seinen Füßen hatte, rutschte er erneut aus und landete unkontrolliert auf seinem Hintern. 

“AAuu…!” zog er Luft scharf zwischen seinen Zähnen ein, das tat einfach nur höllisch weh! “Hey, Frohe Weihnachten!“ rief ihm ein Nachbar freudestrahlend entgegen, der mit seinem Hund, der ein blinkendes Halsband trug, vorbei spazierte. Es begann dicke Flocken zu schneien. Der Schotte nickte freundlich, wie er nun einmal war, hob er seinen Arm zum Gruß und stieß sich dabei mit einer kleinen festen Paptragetasche, die an seinem Handgelenk hing, ins Gesicht. „Umpf!“ … “Ja und guten Rutsch!” murmelte er den Schmerz weg und ging sich dabei durch seine Haare, aus denen er Tannennadeln fischte, von seiner stacheligen Begegnung mit dem Baum. Stöhnend pustete er Luft aus und sammelte alles mühselig wieder auf. Er war klatschnass und er wusste nicht, was ihm gerade mehr weh tat, sein Kopf, sein Auge oder sein Hintern. Im nächsten Jahr würde er zweimal gehen, nahm er sich fest vor!


Am Abend betrat Hitomi das Haus und wurde sofort von einem gedehnten, etwas vorwurfsvollen „Miaauu“ begrüßt. Sie lächelte, zog ihren Mantel aus und hängte ihn an die Garderobe. Kaum hatte sie sich umgedreht, strich Mikan schnurrend um ihre Beine. „Na, hast du gut auf die beiden aufgepasst?“, fragte sie schmunzelnd, während sie sich zu der Katze hinunterbeugte und ihr sanft über das weiche orangefarbene Fell strich.

Shinjiro kam die Treppen hinunter und sah auf seine Uhr. Sie lächelte ihm entgegen und ging ihn durch seine noch feuchten Haare. “Wie war es?”, fragte er und Hitomi drückte ihm eine Tasche in die Hand. Er schaute hinein…Bücher, hatte er doch auf eine Überraschung gehofft. 

“Es war eine ganz wundervolle Lesung.“ begann sie zu berichten und verfiel in einen Redeschwall, als sie ins Wohnzimmer ging, Shinjiro folgte ihr: “Und wusstest du das der Autor…” Sie hielt inne und sah sich um. Shinjiro lief an ihr vorbei, sie sah ihn fragend nach. Er stellte die Tüte auf den Esstisch ab: “Hast du was gegessen?” fragte sie, und Shinjiro musste tatsächlich darüber nachdenken und als er aufsah, blickte er in Hitomis fragende Augen. 

“Nach was riechst du?”, wollte sie wissen. Shinjiro sah sie überrascht an: “Nach was rieche ich denn?”, verstand er die Frage gerade nicht und konnte auch nichts Ungewöhnliches an sich feststellen. “Hm!” zuckte sie darauf mit ihren Schultern und begann die Bücher auszupacken. Er lehnte sich an einen Stuhl. “Was hast du den ganzen Tag gemacht?”, wollte sie wissen. Er zuckte mit seinen Schultern und dachte nach. “Und Shinji?”, fragte sie weiter, ohne seine Antwort abzuwarten. Es blieb still und er sah seine Frau ausdruckslos an: “Sollte er etwa hier sein?”, fragte er nach. Hitomi nickte ihm entgegen: “Natürlich, er ist im Fronturlaub, wo soll er sein?”, fasste sie logisch zusammen und kramte weiter in der Tasche. 

“Ah!” kommentierte er wortkarg und ließ seinen Tag gedanklich noch einmal Revue passieren. Es läutete und jemand bat an der Einfahrt um Einlass: “Ist für mich!” rief Fireball und rannte die Treppen hinunter. Shinjiro ging zur Wohnzimmertür und sah seinen Sohn nach, der tatsächlich anwesend war und dessen Frisur recht gewöhnungsbedürftig aussah. Darauf blickte er Hitomi ausdruckslos entgegen. Sie schüttelte ein wenig belustigend mit ihrem Kopf: “Wie schafft ihr beide es, den ganzen Tag gemeinsam in einem Haus zu sein, ohne euch zu begegnen?”, fragte sie beinahe fassungslos. “Ach, du warst da?”, kam es jetzt auch überrascht von Fireball, der mit einer großen Pizzaschachtel in seiner Hand vor seinen Eltern stehen blieb. Shinjiro blickte zu seinem Sohn und darauf direkt zu Hitomi, die augenrollend etwas in die Küche brachte. 

“Es ist Donnerstag!”, erinnerte er und verzog darauf naserümpfend sein Gesicht: “Nach was riecht es hier?”, fragte er seinen Sohn und meinte damit nicht die Pizza und versuchte den Geruch zu bestimmen, die Frisur ließ er erst einmal unkommentiert. Fireball grinste: “Ich dachte, ich probier mal was Neues aus.“, war seine kurze und knappe Erklärung. “Es riecht, als hättest du in “Sauvage” gebadet!”, stellte Shinjiro fest, der den Geruch der After Shave Lotion jetzt zuordnen konnte. 

Mikan miaute wehleidig und ging langsamer als gewohnt ins Wohnzimmer. “Was hat sie denn?”, wollte Fireball wissen und beobachtete das Kätzchen. “Hunger kann es nicht sein, ich habe ihr was gegeben!” verkündete sein Vater. Fireball blickte von der Katze auf. “Ich auch!” Beide sahen sich an. “Und ich heute morgen!” stand Hitomi mit verschränkten Armen vor ihren beiden Männern, denen der freie Tag ganz offensichtlich nicht bekommen war. “

Sie ist wohl überfressen,.. komm her, du armes Ding!“ hockte sich Hitomi zu Mikan und begann sie zu trösten. “Ups!” hörte man nur noch von Fireball , der schnell mit seiner Pizza im oberen Stockwerk verschwand. 

“Ich lasse mir ein Bad ein, pass du auf Mikan auf, sie könnte sich übergeben!”, erklärte Hitomi und verließ das Wohnzimmer. Shinjiro sah zur Katze und ging darauf Hitomi schnell nach, die sich bereits auf der Treppe befand: “Und was wenn?”, fragte er. Hitomi blieb stehen: “Es weg machen!” sagte sie und verschwand im Schlafzimmer. Shinjiro sah zu Mikan, die sich auf den Boden legte. 

Absatz #4

“Ich kann jetzt sogar schon ein wenig Skispringen, wir müssen da unbedingt alle zusammen hinfahren und wusstet ihr, dass es im Norden von Yuma bis zu 10 Meter Neuschnee in einer Nacht geben kann? Das ist fast so viel wie in Norwegen auf der Erde und Henry lernt jetzt Snowboarden, kann ich das auch lernen?” stand Joshuas Mund gar nicht mehr still, er war von dieser Klassenfahrt so begeistert und es sprudelte nur so aus ihm. Colt hatte William, der wieder etwas Probleme mit seiner Verdauung hatte, im Fliegergriff auf seinem Arm und wiegte ihn, während er Robin und den plappernden Joshua nachging. 

“Ach und für William habe ich etwas mitgebracht…”, verkündete Joshua und nahm Colt das Baby ab und verschwand mit dem Zwerg. “Also 10 Meter Neuschnee!“, begann Colt. “Püscht” unterbrach ihn Robin. Colt grinste, ihm schlackern auch nach dieser Informationsflut die Ohren. Die beiden setzten sich an den Hochtisch in der Küche, Colt kramte sich durch die Post. “Oh! Na, sieh mal einer Guck!“, öffnete er einen Brief mit weihnachtlichem Goldrand. Robin goss sich Tee nach und blickte aus einem der Küchenfenster in die nachmittägliche Dunkelheit. Dicke Flocken tanzten vor der Scheibe, ein Lächeln formte sich auf ihren Lippen. 

“Wir sind auf die Weihnachtsfeier von König Jarred auf Yuma eingeladen!”, riss sie Colt aus ihrer Stille. “Wie kommen wir dazu?”, fragte Robin sehr überrascht. Der Cowboy legte die Einladung auf den Tisch, Robin zog sie zu sich heran. “Nun, wir waren mal die Ehrengäste vor knapp vier Jahren.” erzählte ihr der Lockenkopf. Robin, las die Einladung, die an Sergeant Wilcox und Familie adressiert worden war. Robin wusste aus den Medien, dass der König von Jarr bekannt für seine Weihnachtsfeier war. Colt nickte: “Nächstes Jahr gehen wir gemeinsam, dann ist William alt genug für einen Babysitter!” beschloss der Cowboy. Robin sah auf. “Du solltest gehen, ich bin mir sicher, dass Sergeant Wilcox dort gerne gesehen ist.” lächelte die Blondine und strich ihm durch seine Locken. Der Cowboy grinste: “Wenn ich die Wahl habe, bleibe ich bei euch!” sagte er und wollte seine Robin küssen. 

“Tadaaaa!” wurde er in seinem Vorhaben gestoppt. Erschrocken sahen Robin und Colt Richtung Joshua, der Baby William in ein Grinch Kostüm gesteckt hatte. “Josh!” stand Robin auf und musste anfangen zu lachen, als sie ihr Baby in dem grünen Kostüm erblickte. Colt nahm Joshua den Babygrinch ab und musterte seinen Sohn: „Na, ich hoffe doch, dass du kein Weihnachtsmuffel wirst!” lachte der Cowboy. Joshua schnappte sich seinen Kommunikator und machte ein Bild.


Hitomi betrat das Badezimmer und roch die verschiedensten Duftnoten in der Luft, sie begann damit, sich langsam auszuziehen, während sie sich umsah: “Was war hier geschehen?“ fragte sie sich… “Er hat doch nicht?”, murmelte sie vor sich, ihre Augen weiteten sich. “Shinjiro!” rief sie durch das Haus.


Saber hatte es geschafft, den Rest der Einkäufe ohne weitere Zwischenfälle ins Haus zu bringen, sogar der Baum wartete auf der Terrasse auf seinen Einsatz. Er schloss eilig die Terrassentür, denn das Schneetreiben draußen wurde immer dichter. Er sah sich um, Sara lag auf ihrer Decke und wunderte die Tiere ihres Spielbogens an. Sincia war schon mit voller Begeisterung dabei, die Einkäufe zu sortieren und die neuen Dekoartikel im Wohnzimmer zu verteilen. Saber freute sich. 


“Was ist los?”, fragte Shinjiro besorgt und stoppte im Türrahmen des Badezimmers. “Was hast du hier veranstaltet?” stand Hitomi fassungslos im Raum. Erleichtert atmete er aus, gerade hatte er noch gedacht, dass etwas geschehen war. Er begann leicht zu grinsen: “Na ja…” begann er. Hitomi hielt ihm eine Badeschaumflasche entgegen. Er zuckte mit seinen Schultern: “Die Flasche hat mir ein sinnliches Badevergnügen versprochen.” erklärte er und trat einen Schritt ins Badezimmer und nahm ihr die Flasche ab: “Siehst du, hier steht es!” und zeigte es ihr: “Badeglück Dieser luxuriöse cremige Badeschaum, mit dem regenerierenden Duft von Kirschblüten und Reismilch, versorgt Ihre Haut und macht sie seidenweich, wobei Sie gleichzeitig bei einem sinnlichen Badevergnügen entspannen können.” las er vor und musste sich ein Grinsen verkneifen.

Hitomi musterte ihn: “Gut, lies weiter!” forderte sie ihn auf. Er presste seine Lippen aufeinander und musterte seine Frau: “Reicht für mindestens 10 Schaumbäder…” las er und zuckte mit einer Schulter: “Das meinte ich nicht!” und sie zeigte ihm die richtige Stelle an. “For Women! … Oh!” grinste er und gab Hitomi die fast leere Flasche wieder zurück. “So wie es ausschaut und du riechst, hattest du wohl ein sehr, sehr Sinnlich-duftendes-Badevergnügen, du hattest sogar meine Duftkerzen angezündet.“ stellte sie fest und legte die Flasche beiseite. 

Shinjiro spitzte seine Lippen und stellte sich hinter seine Frau, umarmte sie und legte seinen Kopf auf eine ihrer Schultern: “Das sinnlich…fehlte”, flüsterte er ihr ins Ohr und küsste ihre Hals. Hitomi schmunzelte, sie war gar nicht sauer, ganz im Gegenteil, sie fand die Situation gerade ziemlich komisch und drehte sich zu ihm und sie verfielen in einen langen Kuss: “Aber du riechst gut!” flüsterte sie zwischen ihren Küssen. Er grinste: „Ist noch was in der Flasche?”, fragte er schelmisch. Hitomi betätigte, ohne den Kuss zu unterbrechen, einen Knopf an der Wand und die Wanne lief dampfend voll. 


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

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