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3.928 Wörter, 21 Minuten Lesedauer.


Absatz #1

3 Tage später:

Die Bürotür des First Grad wurde aufgetan und zwei unangemeldete Besucher traten ein. Shinjiro saß hinter seinem Schreibtisch und studierte konzentriert einen Bericht auf seinem Monitor, überrascht sah er auf und betrachtete die beiden Eindringlinge. Ein ironisches “Herein!”, konnte er sich jedoch nicht verkneifen. Doch das wurde von den Bürostürmern in ihrer Eile vollkommen ignoriert. 

„Das musst du dir unbedingt ansehen!“ sprach Fireball aufgeregt und legte seinem Vater einige Unterlagen auf den Schreibtisch. Shinjiro verschränkte seine Arme vor der Brust und lehnte sich in seinem Schreibtischsessel zurück: “Was machst du hier?”, fragte er seinen Sohn, der sich schließlich noch immer im Fronturlaub befand. “Glaub mir, das wird dich interessieren.“ und Shinjiro blickte zu dem Mann, der neben seinem Sohn stand: “Und was machst du hier?”, richtete er die Frage nun auch an ihn. “Deswegen!” kam es von Royu, der auf dem Stapel Unterlagen zeigte und sich setzte. 

“Anklopfen war in dieser Familie, in den letzten 17 Jahren, wohl abgeschafft worden!“ dachte er sich und lehnte sich ein wenig genervt wieder nach vorn und zog dabei den großen Stapel Papier widerwillig zu sich heran. Fireball nickte und setzte sich aufgeregt neben seinen Onkel.


“Also haben wir bereits eine Antwort über den neuen Sender erhalten, eure Hoheit!”, fasste Saber die ihm erhaltenen Informationen zusammen. Der König nickte den Schotten entgegen. Beide saßen in der bereits weihnachtlich geschmückten Herrenvilla des Monarchen zusammen und besprachen die aktuelle Situation vor Jarr und Yuma. “Es wird zu einem weiteren Gespräch mit der Konföderation des Sonnensystems kommen.”, bestätigte der König: “Eine Top Secret Angelegenheit!“ fügte er noch hinzu. Saber blickte von seinem Tablet auf. „Sehr heikel.“, sagte er  und blickte wieder auf sein Tablet, das ihm die aktuellen Daten über die Anomalien zeigte. Jarred nickte: “Wie ist geplant, mit diesem Wissen in der Öffentlichkeit umzugehen?”, hakte Saber nach. König Jarred schüttelte mit seinem Kopf: “Soweit sind wir noch nicht.” sagte der König und stand von seinem Sessel auf.

“Gerüchte über die Outrider gibt es viele. Doch sollte die Öffentlichkeit erfahren, dass es in einer anderen Galaxie auch Menschen gibt, könnte das zu einem Problem werden.” sprach Saber seine Bedenken klar aus. “Wir überlegen noch!” nickte der König den Schotten zu. „Ich halte es zum jetzigen Zeitpunkt für keine gute Idee, eine weitere Menschliche Zivilisation der Öffentlichkeit zu präsentieren. Auch allein zu deren Schutz!”, sprach es Saber frei aus. “Diese Bedenken teilen wir, Richard, deswegen werden wir das Gespräch mit der Konföderation des Sonnensystems abwarten!“ Saber nickte und atmete tief ein: “Wir müssen sie fragen, ob sie es auch wollen!” Der König lächelte: “Natürlich fragen wir sie, doch ich bin immer wieder schwer beeindruckt über ihre Loyalität gegenüber dem Neuen Grenzland!”, wechselte der König das Thema. Sabers Augenbrauen hoben sich: “Danke Sir, als Stabsmitglied ist das meine Pflicht!“ Jarred musterte den jungen Mann vor sich: “Richard!”, begann er nach wenigen Augenblicken. “Sie sind ein vollwertiges Mitglied des Stabs. Sie sind Captain-Major, also was bremst sie?”, wollte Jarred wissen! Saber blickte dem König erstaunt entgegen.


April hatte sich am Morgen von ihrem Vater verabschiedet, lange würden sie diesmal nicht getrennt sein, sie hatten beschlossen, das Weihnachtsfest gemeinsam mit Daniel auf Yuma zu verbringen. April konnte sich schon denken, dass ihr Vater den jungen Navigator der Detroit besser kennenlernen wollte. Sie schmunzelte ein wenig und betrachtete die kleine Sara, die sie in ihrem Arm wiegte. 

Die beiden Frauen hatten sich heute zum Einkaufen verabredet, schließlich musste ein passendes Outfit für die königliche Weihnachtsfeier gefunden werden und so eine Shopping-Tour machte man am besten zu zweit oder jetzt zu dritt. “Einfach erstaunlich, wie schnell sie sich verändert hat!” sprach April, während sie Sara musterte. Sincia lächelte und nippte von ihrem Tee. “Sie steht dir!” sprach Sincia aus, was sie vor sich sah. April riss ihre Augen auf. “Was? Oh!“ und ihre Wangen wurden ein wenig rot. “Entschuldige, ich wollte dich nicht in Verlegenheit bringen.” kam es darauf von Sincia. 

April schüttelte mit ihrem Kopf: “Oh, das hast du nicht, es fühlt sich auch super schön an, so ein kleines Bündel in den Armen zu halten.” und blickte liebevoll zu dem kleinen Mädchen. “Aber ich kann mir mich als Mutter nicht vorstellen!” gab es April jetzt zu und schämte sich ein wenig für ihre Worte. Sincia hob ihre Augenbrauen: “Was, wie kommst du denn darauf?” April schüttelte mit ihrem Kopf: “Das soll nicht heißen, dass ich keine Kinder möchte, aber ich sehe mich überhaupt nicht in dieser Rolle.” und senkte ihren Kopf. “Oh, April nicht doch!” kam es besorgt von Sincia und strich ihr über ihre gerötete Wange. “Ich bin mir sicher, dass du eine tolle Mutter sein wirst, das muss auch erst reifen.”, erklärte die Kindergärtnerin. 

April blickte langsam zu Sincia auf: “Ja, wahrscheinlich hast du recht…” Sincia nickte der jungen Navigatorin Mut spendend zu: “Ich bin mir da ganz sicher!”, kam es mit überzeugender Stimme von Sincia. April konnte darauf auch schon wieder lächeln. “Aber nun, was ist dieses Jahr zu Weihnachten so im Trend?” wechselte Sincia das Thema, um April wieder auf andere Gedanken zu bringen und rief auf dem Tablet ein Modemagazin auf. Die beiden Frauen blätterten aufmerksam durch den aktuellen Katalog, um zu wissen, wonach sie Ausschau halten mussten.


“Aber ich will nicht weg von euch!” teilte Joshua seiner Schwester und Colt mit. Alle drei saßen zusammen am Wohnzimmertisch, wo Colt und Robin den Jungen die Nachricht vom Jugendamt mitgeteilt hatten. “Das steht noch gar nicht zur Diskussion!“, begann Robin ihren kleinen Bruder zu beruhigen. Joshua schüttelte mit seinem Kopf: “Warum sagt sie es mir nicht selbst?”, fragte er und blickte vor sich auf die Tischplatte. Der Cowboy und Robin atmeten tief ein und sahen sich an. 

In Joshua brodelte es, einerseits freute er sich, dass seine Mutter wieder da war, andererseits konnte er sich nicht vorstellen mit ihr zusammen zu leben, sein Zuhause war bei Robin und seit einigen Jahren gehörte auch Colt dazu! Der Cowboy war für ihn seine erste feste männliche Bezugsperson, ja schon fast eine Vaterfigur, denn genauso hatte er sich immer eine richtige Familie vorgestellt. “Und wann?”, fragte er mit heiser Stimme. Robin nahm eine Hand von Joshua in ihre Hände: “Schatz, du musst keine Entscheidung treffen!” begann sie, Joshua sah auf: “Ich habe mich aber entschieden, ich will hier bleiben!”, fiel er seiner Schwester ins Wort. “Gut!”, nickte Robin ihrem Bruder zu: “Eine Entscheidung darüber wird eh nicht so schnell gefällt!” sagte Robin wissentlich. 

Colt lehnte sich zurück: “Genau Partner, solche Mühlen mahlen langsam!” warf er mit ein. “Trotzdem geben wir Mutter die Chance, es zu erklären, okay?” schlug Robin vor. Joshua atmete tief ein und nickte stumm. Colt stand nach einigen Augenblicken der Stille auf, ihm war die Stimmung gerade viel zu betrübt: “Na los Josh, wir zwei suchen jetzt den schönsten Weihnachtsbaum.” Joshuas Augen wurden groß, als er zum Cowboy blickte: “Au Ja!” Robin schmunzelte. “Na, dann los!” kam es von Colt, der bereits Richtung Tür lief. Joshua stand schnell auf: „Hey, warte!“ rief er und rannte los. Robin stellte Joshuas zurückgeschobenen Stuhl wieder an den Tisch und sah den beiden nach. 

Absatz #2

Shinjiro lehnte sich, nachdem er alles immer wieder gelesen und verglichen hatte, ausatmend zurück. “Ausgerechnet Wilcox!” murmelte er und rieb sich seine Augen. Fireball grinste breit. 

“Ist das auch sicher?”, fragte Shinjiro noch einmal nach. Royu nickte: “Es ist immer noch genauso sicher, wie die letzten drei Male, als du gefragt hast. Ich habe alles mehrmals recherchiert und mit Archiven abgleichen lassen und das hier ist der letzte eindeutige Beweis!“ erklärte Royu und legte seinem Bruder eine kleine Holzschachtel hin. 

Shinjiro öffnete die Schachtel und betrachtete den Inhalt ganz genau. “Das kann doch nicht wahr sein!”, kam es erneut von ihm. “Das ist es aber!” antwortete Fireball darauf. Shinjiro sah zu seinem Sohn und schüttelte mit seinem Kopf und grinste leicht. “Du brennst förmlich darauf, es ihm zu erzählen!”, konnte Shinjiro es in den Augen seines Sohnes ablesen. “

Vater ist auch vor Ort!” teilte Royu mit. Shinjiro sah darauf fragend zu seinem Bruder. Royu nickte: “Vater möchte das bereinigt wissen!” erklärte er und fischte aus den ausgebreiteten Unterlagen einen laminierten Brief hervor. Shinjiro nahm ihn entgegen: “Und wie?” Fragte Shinjiro. “Hehe!”, hörte man Fireball.


Colt und Joshua zogen mit vereinten Kräften die Tanne auf die Veranda. Es schneite, aber kalt war den beiden schon lange nicht mehr! Eine Stunde hatten sie im angrenzenden Wilcox Wald nach dem in Joshuas Augen perfekten Baum gesucht. Was der Junge aber nicht bedacht hatte, das Monstrum von Tannenbaum musste auch irgendwie nach Hause gebracht werden. Ihre Atemluft dampfte vor ihnen, als sie die letzten Handgriffe machten und den Baum an die Fassade lehnten: “Wow!” kommentierte Joshua die Aktion mit einem freudigen Grinsen. Colt klopfte sich Erde und Nadeln aus seinen Klamotten und zog sich die Arbeitshandschuhe aus und sah Joshuas Baum Auswahl noch einmal genauer. 

“Der wird einiges an Kugeln benötigen.” kommentierte der Cowboy die Hohe dicke Tanne. “Ja, das ist doch toll und William hat was zu bestaunen, das wird ihm ganz sicher gefallen!“ erklärte Joshua überzeugt. Colt grinste der Tanne entgegen. „Weißt du was, Colt!”, begann der dunkelblonde Junge ein wenig betrübt. Colt sah zu Joshua, der neben ihm stand: “Ich habe mir immer einen kleinen Bruder gewünscht! Auch wenn das blöd klingt, Willi ist es für mich, na ja, also es fühlt sich jedenfalls so an. Verstehst du das?” Der Cowboy legte seinem Schwager darauf eine Hand auf die Schulter und zog ihn zu sich heran: “Das klingt überhaupt nicht blöd, sondern toll!” Joshua sah zum Lockenkopf auf, der sehr ungewohnt in seiner roten Bommelmütze aussah und begann zu strahlen: “Wirklich?” Colt nickte: „Klarokowski!“ und sie betrachteten beide ihr Tagwerk.


Saber war auf dem Weg ins Oberkommando, das Gespräch mit König Jarred ließ ihn nicht mehr los, er musste mit Captain Hikari sprechen! Die Straßen von Yuma City erstrahlten bereits in einem Lichtermeer. Er fuhr das Parkhaus hinauf und wenige Minuten später betrat er auch schon das Oberkommando und lief seinem Scharfschützen fast in die Arme: “Mit dir hätte ich hier heute nicht gerechnet!”, gab der Schotte zu, denn normalerweise trieb sich Colt an seinem freien Tag nicht im Oberkommando rum. “Tja, ich bin genauso überrascht wie du.”, grinste der Cowboy seinem Boss entgegen. Und sie setzten ihren Weg gemeinsam zum Büro des First Grad fort.

Absatz #3

“Misses Ellnys hat mich angerufen: “Ich soll zum 1G.” erklärte der Cowboy sein Dasein und siebogen in den Gang zu den Fahrstühlen ein: “Ich habe nichts angestellt, ehrlich!” verteidigte sich Colt auch schon im nächsten Moment. “Naja, also nicht, dass ich wüsste…”, fügte er noch hinzu und dachte nach. Saber verstand gerade nur Bahnhof, wollte jetzt aber auch wissen, was das zu bedeuten hatte: „Ich wollte auch zu Captain Hikari, gehen wir gemeinsam, dann wissen wir was los ist!” und der Schotte hielt seine KeyCard bereits an das Lesegerät neben der Fahrstuhltür.


“Na dann wollen wir mal!”, sagte Colt, als sie von Misses Ellnys in das Büro gebracht wurden und wohl schon sehnsüchtig erwartet wurden. Colt gab auf, egal was ihm alles durch seinen Kopf ging, dieses Aufgebot war ihm gerade nicht geheuer. Im Meetingraum warteten neben Captain Hikari, Royu und der Großvater seines Hombres, doch um so überraschter war er über Fireballs Anwesenheit. Es wurde sich begrüßt und alle nahmen Platz. 

Dabei warf Colt Fireball, der ihm gegenüber saß, einen fragenden Blick zu. Doch dieser grinste den beiden nur entgegen. 

“Möchten Sie etwas trinken, Mr. Wilcox?” fragte Captain Hikari, doch ohne Colts Antwort abzuwarten, stellte der Captain dem Cowboy schon eine kleine Flasche Wasser vor die Nase. Colt rollte innerlich mit seinen Augen, ließ es jedoch unkommentiert, er wollte eigentlich den Abend mit seiner Familie verbringen und nun saß er an seinem freien Tag ausgerechnet in Hikaris Büro und bekam ungewohnt Aufmerksamkeit. Tatsächlich musste Saber etwas grinsen, hielt sich aber im Hintergrund. 

Captain Hikari setzte sich auf seinen Stammplatz und überschlug abwartend seine Beine. Royu blieb stehen und legte dem Cowboy eine Fotokopie vor die Nase und wartete erst einmal ab. Colt blickte fragend zu Royu, als er das A4 Blatt entgegennahm. Saber, der neben Colt saß, schielte neugierig mit auf das Blatt und seine Augenbrauen schnellten im nächsten Augenblick nach oben. Als er erkannte, was das war. 

Colt kniff nachdenklich seine blauen Augen zusammen, nach wenigen Augenblicken fiel auch bei ihm der Groschen und er blickte erstaunt zu Fireball. “Das ist der Boden der Feldflasche.” sagte der Lockenkopf. Fireball nickte: “Genau und er hat da was Interessantes herausgefunden!“ verriet Fireball und zeigte auf seinen Onkel. “Ach, lass hören!” forderte Colt Royu auf und legte das Blatt erst einmal vor sich ab, nun war auch seine Neugier aktiviert worden! 


“Ich habe die Inschrift der Feldflasche prüfen lassen und so wie es aussieht, gibt es da tatsächlich noch Nachkommen.” begann Royu. Saber lehnte sich zurück, er fand das gerade äußerst interessant. 

Die Flasche hat zwei Namen, der eigentliche eingestanzte wurde ausgekratzt und mit einem neuen per Hand versehen. Alle nickten, bis dahin war die Geschichte allen bekannt. “Der Name ist eindeutig!” fuhr Royu fort und kreiste eines der eingeritzten Schriftzeichen auf der Fotokopie ein. 

“Ach!” kam es erstaunt von Colt und blickte zu seinem Hombre. Fireball zuckte mit seinen Schultern. Der Schotte beugte sich etwas nach vorn und ihm dämmerte gerade etwas, das Zeichen kannte er doch und sah jetzt auch zu seinem Piloten, dieser nickte ihm zu. “Es ist das Kanji für Hikari.”, löste es Fireball auf. Colts Augen weiteten sich und er blickte von dem Papier auf: “Aha, ich dachte, das ergibt keinen Sinn.” zitierte er Fireballs damalige Aussage und zeigte auf das eingekreiste Schriftzeichen. 

Fireball beugte sich etwas über den Tisch: “Tut es ja auch nicht!” verteidigte er sich. Royu ging dazwischen: “Das Zeichen ist markiert mit einem Listenzeichen, also mit einer Zahl!” erklärte er und zeigte, was er meinte. “Das hebt tatsächlich auf den ersten Blick den Sinn des Namens auf.” klärte Royu auf! “Das erste Zeichen ist ein Name: „Hikari“, dann kommt eine Zahl: “eins” und darauf folgt ein zweiter Name: “Kenshin.” erklärte Royu step by step, ein Moment der Stille legte sich über den Meetingraum. Colt schüttelte etwas mit seinem Kopf. 

Saber sah sich die Schriftzeichen genauer an, hörte aber Royu weiter zu: “Ich habe die Unterschriften von Kenshin verglichen, auf der Flasche hat er das Design seines Inkan benutzt.” Und er hat tatsächlich immer mit der Eins zwischen den beiden Schriftzeichen unterschrieben.” beendete Royu seine Erklärung. Und legte eine kleine schmale Holtzschachtel auf dem Tisch ab. 

Saber und Colt sahen sich an, bevor der Cowboy das Kästchen, das auch schon mal bessere Zeiten erlebt hatte, öffnete. Er nahm einen kleinen Stift artigen runden Stempel heraus. “Probier ihn aus!” forderte Fireball seinen Freund auf. Colt tat wie ihm gesagt wurde und presste den Stempel auf die Fotokopie. Und tatsächlich, es war die gleiche Zeichenabfolge wie sie auf der Feldflasche eingeritzt worden war. 

Colt stand der Mund leicht offen: “Was zum…” begann er und hielt inne: “Ich meine, das kann doch nicht möglich sein …Das ist doch … ” Saber nickte: “Ich hoffe du meintest verrückt!” flüsterte der Schotte leise, während er sich den Inkan genauer betrachtete. Der Lockenkopf atmete hörbar aus und lehnte sich sprachlos in seinem Stuhl zurück, er fand gerade tatsächlich keine passenden Worte. „Sollte tatsächlich Billie im Zweiten Weltkrieg einem Hikari begegnet sein?“, wenn das stimmte, grenzte es an ein Wunder. Die Wahrscheinlichkeit dafür war ungefähr so groß, wie eine Nadel in einem Heuhaufen zu finden. 

Saber war da schon wieder rationaler unterwegs, als sein Scharfschütze: “Also hat auch er überlebt!” Schlussfolgerte der Schotte aus den gegebenen Informationen. Colt spitzte seine Ohren und setzte sich wieder auf.

Royu wartete noch einige Sekunden und nickte: “Ja, er kam als einziger wieder zurück, Kenshin hatte noch zwei jüngere Brüder, von denen man nie wieder etwas gehört hatte.” holte Royu etwas weiter aus. „Doch was noch interessant ist, in der Chronik wurden zwar die Brüder als Gefallen vermerkt, aber dass Kenshin gekämpft hatte, ließ man offen.” Colt verstand nicht: “Aber warum?” fragte der Lockenkopf. “Nun!” und Royu atmete tief ein, bevor er Colt und Saber vor sich ansah: “Es war ein Zufall, dass er überhaupt auf Iwo Jima war. Genau wie es ein blöder Zufall war, dass er ausgerechnet, was vielleicht sein Glück war, mit Billie Jason Wilcox zusammengestoßen war.” 

“Echt, da hat einer meiner armen Ur-Großväter auch schon Bekanntschaft mit euch verrückten gemacht?” dachte Colt laut und biss sich im nächsten Moment auf seine Lippen. Captain Hikari sah zum Cowboy und schüttelte mit seinem Kopf und zeigte schweigend auf seinen Bruder und Sohn. Colt lachte innerlich. Saber pustete seine Luft fest aus, es war doch wirklich nicht zu fassen. 

Royu legte Colt ein Dokument vor, an dem sich ein kleines Portraitfoto befand. „Ist er das?“, fragte der Cowboy und zog die Unterlagen näher zu sich. Sein Blick blieb einen Moment auf dem jungen Mann hängen. Es war ein Gesicht zu all den Namen, Vermutungen und offenen Fragen, die bisher nur mündlich existiert hatten. Royu nickte: „Ja, das ist Kenshin Hikari. Das Bild wurde auf das Jahr 1944 datiert, also etwa ein Jahr vor der Schlacht um Iwo Jima.“ Doch es blieb nicht dabei, im nächsten Atemzug legte er Colt das nächste Blatt vor: “Und das ist Second Lieutenant Billie Jason Wilcox ebenfalls Ende 1944, nach seiner Grundausbildung.” und eine gedenkende Stille legte sich über die Anwesenden.

„Er war ein Sniper, genau wie du“, durchbrach Fireball die Stille. Colt hob den Blick und sah zu seinem Freund, bevor er erneut auf die Unterlagen blickte nickte er: „Und tatsächlich Second Lieutenant …“, murmelte der Cowboy nachdenklich, denn er wusste nur zu gut, dass man diesen Dienstgrad nicht einfach verliehen bekam. Auch damals hatte man sich ihn über Jahre im Militärdienst verdienen müssen. „Dann muss er schon einige Zeit gedient haben“, sagte Colt schließlich.

“Nun, er war ein Scharfschütze und sie waren damals wie heute Mangelware. Vorallem in den letzten beiden Kriegsjahren kann ich mir gut vorstellen, dass er deswegen als Second Lieutenant geführt wurde.” erklärte Royu weiter. “WOW!” war alles, was Colt dazu zu sagen hatte. Ähnelte es doch seiner eigenen Karriere. Saber nickte diese Information ab und betrachtete den jungen Mann auf dem Schwarzweißfoto, der eindeutig mit dem Cowboy verwandt war. 

Colt ließ das Bild seines Großvaters vor circa sechs Generationen auf sich wirken und blickte dem Mann eine Zeit lang in die Augen, der damals nur ein Jahr älter gewesen war als er, und der Cowboy bekam eine Gänsehaut. Colt schüttelte mit seinem Kopf, Ähnlichkeiten zu sich selbst erkannte er auf Anhieb. “Woher hast du das Bild?” fragte er heiser, denn sein Herz schlug ihm bis zum Hals. 

“Aus dem US-Veteranen-Archiv, das öffentlich im Internet zugänglich ist.” erklärte Royu. Colt nickte, an das hatte er gar nicht gedacht. Und legte das Foto neben das des anderen jungen Mannes, der auch ohne Zweifel ein Hikari war, dafür musste der Lockenkopf nicht einmal aufblicken. 

Diese beiden hatten sich also in einer der verlustreichsten Schlachten im Pazifik gegenübergestanden, was noch immer überhaupt nicht greifbar für den Cowboy war und eine tiefe Verbundenheit fühlte. Und die Geschichte war gerade nicht mehr nur eine Geschichte. 

Auch der Schotte musterte die beiden Bilder, diese beiden Männer, hatten sich in einer der tödlichsten Schlachten dazu entschieden, sich nicht umzubringen. 

“Boha!” strich sich Colt hörbar mit einer Hand über sein Gesicht und griff nach der Wasserflasche, die er fast in einem Zug leerte. “Ist das sicher? Also sicher sicher?“ fragte Colt, obwohl bereits der ganze Tisch vor ihm voll mit Tatsachen war. “Wenn nicht, säßen Sie und wir jetzt nicht hier!” 

“Und Billie?” wollte Colt mehr über ihn wissen. Royu sah zum Cowboy: “Mmh” nickte er, bevor er sprach: “Billie, hat direkt nach Iwo Jima etwas unkonventionell den Dienst quittiert, was ihm auch Ärger eingebracht hatte. Also hatte er einen sehr umfangreichen Bericht verfasst, der zwar in seiner Akte lag, aber damals vermutlich unterging.” Colt bekam große Augen: “Er ist getürmt?” kam es von ihm.

“Nein, er hat danach jeden Einsatz verweigert. Seine Worte waren vermerkt: “Sucht euch einen anderen Idioten.” und dass das nicht so gut ankam, kann man sich denken. Saber musste sich ein kleines Grinsen verkneifen, ja, das klang sehr nach einem Wilcox, der unter extremen Bedingungen gestanden hatte. Colt zuckte nur mit seinen Schultern, “wo Billie recht hatte, hatte er recht!”, dachte er sich. 

Von Kenshin gibt es tatsächlich ein Protokoll von den Amerikanern, als er verhört wurde. Das sich sehr oberflächlich auf die Fakten der Schlacht bezieht. Er wurde nicht angeklagt, obwohl er als Adjutant von General Kobashi festgenommen wurde.” Colt sah auf: “Deswegen hob sich seine Uniform von den anderen ab!”, erinnerte sich Colt an dieses Detail der Geschichte. “Nur wie konnte er ein Adjutant sein, wenn er überhaupt nicht hätte da sein sollen?”, fragte Saber nach. “Zumal laut geschichtlichen Aufzeichnungen keine Befehlshaber lebend gefunden worden!” warf Colt darauf wissentlich ein, er hatte sich schließlich sehr intensiv mit diesem Battle befasst. 

„Richtig”, nickte Royu, „Kenshin brachte General Kobashi vier Wochen vor der Schlacht auf die Insel, geplant war, dass er am nächsten Tag mit der Post und einigen kranken Soldaten zurück nach Tokio fliegen sollte.” Saber nickte “Doch dazu kam es wohl nicht!” nahm der Schotte vorweg. Royu bestätigte: „Ja, es gab einen Luftangriff, einige Stunden nach der Landung, dabei wurde Kobashi ́s Adjutant getötet und alle Flugzeuge die sich auf der Insel befanden zerstört. Darauf kam die Meldung aus Tokio, dass es keine weitere Unterstützung aus der Luft oder zu See geben würde. Die wenigen noch vorhandenen Flugzeuge und Schiffe sollten vor Ort zur Verteidigung dienen.” fasste es Royu zusammen. “Und er saß fest!” beendete Colt. 

“Kobashi brauchte einen neuen Adjutanten und Kenshin wurde es.” klärte Royu weiter auf. “Auch gibt es einen Brief von Kenshin an seine Mutter, darin erwähnt er eine Begegnung mit einem Amerikaner. Auch der Name “Billie” kommt ansatzweise vor, richtig verstanden, aufgrund der Sprachbarriere schien er “Billie” nicht zu haben. Aber der Wortlaut kommt dem Namen sehr nahe!” beendete Royu seine Erklärung. Und legte den laminierten Originalbrief in die Mitte. 

“Das liegt daran, weil ihr nie richtig zuhört!” sprach Colt Richtung Fireball mit einem schelmischen Grinsen und verteidigte damit seinen Vorfahren. “Vielleicht hätte er einfach nicht so texanisch nuscheln sollen!” warf Fireball darauf ebenfalls verteidigend ein. “Nuscheln? Ich geb dir gleich nuscheln!” konterte Colt, der gerade froh über dieses kleine Wortgefecht war und die Anspannung löste sich etwas in ihm. Saber schüttelte mit seinem Kopf, war aber auch dankbar für diese kleine Ablenkung.

“Das ist eine Übersetzung des Briefes, das Datum verrät, dass er den Brief zwei Tage vor dem Fall der Insel geschrieben haben muss. Der Brief kam jedoch nie bei seiner Mutter an, sondern wurde 1998, bei Ausgrabungen in den nördlichen Höhlen Iwojimas gefunden, mit über hundert weiteren Briefen von den dort stationierten Soldaten.” erklärte Royu und setzte sich. “Warum sie vergraben und nicht verbrannt wurden, ist bis heute nicht klar. Der Befehl lautete, dass alle schriftlichen Aufzeichnungen verbrannt werden sollten!” 

Jetzt war es der Schotte, der nach einer Flasche Wasser griff. So spannend, wie er das Ganze fand, so dramatisch war es auch. Saber wusste, dass Soldaten Briefe schrieben, auch wenn es keine Aussicht auf das Abschicken gab. Es half, das Erlebte für einen Moment zu vergessen. Der Familie zu Hause nahe zu sein. Und dem Ort, an dem sie gerade waren, für wenige Momente entfliehen zu können, auch wenn es nur in Schriftform war. “Fügt man den Brief, die Aussage von Kenshin und den umfangreichen Bericht von Billie Jason Wilcox zusammen, ergibt sich ein klares Bild der Ereignisse zwischen den Beiden.“ berichtete Royu und begann die zusammengetragenen Aufzeichnungen vorzulesen.


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

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