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1.392 Wörter, 7 Minuten Lesedauer.


Als Colt zu Hause ankam, ging er noch einmal ausgiebig duschen. Das Wasser prasselte auf ihn herab und spülte auch den letzten Schweiß, Staub und Sand fort. Und doch hatte er immer noch das Gefühl, dass der Sand noch immer irgendwo auf seiner Haut war. Er hätte schwören können, da war noch etwas … und ein leises, erschöpftes Aufstöhnen entfuhr ihm. Davon würde er noch lange etwas haben und ging direkt ins Bett.

Als sich sein schwerer Atmen langsam beruhigte, denn jede Bewegung sogar das Einfache ins Bett legen, kostete ihn extrem viel Kraft. Langsam glitt seine rechte Hand zu seinen gebrochenen Rippen. Jetzt, wo jegliche Anspannung nachließ, meldeten sich die Schmerzen mit voller Wucht und jeder Atemzug zog dumpf durch seinen Körper. Er legte eine Hand auf seine Stirn und schloss seine Augen. Doch seine Gedanken ließen ihm keine Ruhe, kaum legte sich der Schmerz, kamen die Vorwürfe lauter, schärfer, unerbittlicher in sein Bewusstsein. Beinahe hätte er Robin mit dem Baby allein gelassen. Der Gedanke traf ihn wie ein Schlag. Er hatte sich einfach in Gefahr gestürzt, ohne nachzudenken, ohne abzuwägen. Wäre er in der Basis nicht auf Royo getroffen, wäre er in die Luft geflogen, denn von den Sprengsätzen hatte er keine Ahnung gehabt.

Ein Gedankenkarussell aus „Was-wäre-wenn“-Fragen setzte sich in Bewegung, drehte sich schneller und schneller, ohne Aussicht auf Stillstand. Sein Atem stockte und die Schuld fraß sich zusätzlich brennend durch seine schmerzende Brust. Heiße Tränen stiegen ihm in die Augen, erst zögerlich, dann unaufhaltsam. Er presste die Lippen zusammen, versuchte sie zurückzuhalten, doch es kam über ihn wie ein dunkle Welle. Sein Körper gab nach, denn jetzt konnte er es, er war in Sicherheit.

Die Tränen liefen und er wurde ruhiger, bis nur noch erschöpfte, abgehackte Atemzüge blieben. Und er wurde still, die Vorwürfe schwanden und Dankbarkeit nahm ihn ein. Ja, dankbar war er dafür, dass er noch hier war. Dass alles gut ausgegangen war. Und die Erschöpfung legte sich schwer auf ihn. In zwei Tagen würden Robin und Joshua wieder bei ihm sein. Der Gedanke daran ließ sein Herz freudig schneller schlagen. Trotz allem huschte ein schwaches Lächeln über sein Gesicht. Er stellte sich vor, wie sie durch die Tür kamen, hörte beinahe schon ihre Stimmen, sah ihre Gesichter vor sich. An diesen Bildern hielt er sich fest und noch während sie in seinem Kopf Gestalt annahmen, glitt er endlich in den Schlaf.


Im Krankenhaus war Fireball aufgestanden. Bis eben hatte er tief und fest geschlafen, doch jetzt tat ihm einfach alles weh. Langsam lief oder besser schlürfte er in seinem Zimmer auf und ab. Er musste sich bewegen, vielleicht ließen die Schmerzen dann ja ein wenig nach. Große Hoffnung hatte er da allerdings nicht, aber im Liegen wurde alles nur noch schlimmer. Er versuchte, sich zu erinnern, doch alles, was ihm einfiel, war sein Vater, der vor ihm gehockt und ihn besorgt angesehen hatte. Alles davor und danach war nur noch ein wirres Durcheinander, ohne Zusammenhang.

Da wurde ihm plötzlich Übel und ging so schnell er konnte ins Badezimmer und übergab sich. Dabei fühlte sich sein Kopf an, als würde er jeden Moment platzen. Ein schmerzerfülltes Stöhnen, wegen des aufkommenden Schwindels, entwich ihm, während er seine Augen fest zusammen kniff. Nach einigen Momenten, als sich sein Kreislauf langsam wieder beruhigte, beugte er sich zum Waschbecken und wusch sich mehrmals das Gesicht mit kaltem Wasser. Schließlich hob er den Blick und sah sich im Spiegel an. Dank der Dauerkühlung war kaum etwas geschwollen. Seine Wange und sein Ohr waren blau verfärbt, die Lippe pochte dumpf, und er spürte die Nähte, die sich mit der Zeit von selbst auflösen würden. Eine Weile betrachtete er sich schweigend und prüfend, dann wandte er den Blick ab und verließ langsam das Badezimmer: „Das nächste Mal halte ich einfach die Klappe“, murmelte er leise zu sich selbst und legte sich wieder hin.


Zwei Etagen tiefer saß April am Bett ihres Vaters und wartete darauf, dass er endlich aus der Narkose erwachte. Der Raum war still, nur das leise Piepen der Geräte durchbrach die Stille. Sie hatte so viel geweint, dass ihre Augen brannten und ihr Kopf schwer war. Immer wieder wischte sie sich die Tränen von den Wangen, doch sie hörten einfach nicht auf. Der ganze Kampf saß ihr auch noch in den Knochen. Sie konnte nicht verstehen, wie es so weit hatte kommen können. Noch vor ein paar Stunden war alles normal gewesen, und jetzt lag er in diesem Bett völlig reglos und zerbrechlich. Der Gedanke daran ließ ihr Herz schmerzhaft zusammen ziehen, jemand hatte auf ihn geschossen, sie hoffte, dass er sich schnell wieder erholen würde!


Auf Shinjiros Task Desk gingen nahezu minütlich Berichte und Auswertungen ein. Das stetige Aufblinken der Meldungen spiegelte sich in seinen müden Augen, während er reglos davor saß.  Das würde so in den nächsten vierundzwanzig Stunden so weitergehen, vielleicht sogar noch länger. Seine Gedanken wurden langsamer, verschwammen mit dem monotonen Rhythmus der eingehenden Daten. Alles fühlte sich dumpf und weit entfernt an, als würde er nur noch mechanisch wahrnehmen, was um ihn herum geschah.

Am liebsten hätte er sich einfach hingelegt und geschlafen. Doch sein gesamter Stab war übermüdet und brauchte ebenso Ruhe. Er stand auf und rieb sich seine Augen, er spürte deutlich, wie erschöpft er war. Doch noch war zu viel zu erledigen. Bereits morgen würde hier die unabhängige Untersuchungskommission eintreffen und mit den Verhören beginnen. Zunächst sollten die Offiziere befragt und eingeschätzt werden, die sich derzeit im Hausarrest befanden. Nur so konnten die internen Strukturen wiederhergestellt werden. Er beendete die Eingabe seiner Anweisung und blickte auf.

Die Techniker, die sich in seinem Büro befanden, um wenigstens den Abfangschirm wieder zu aktivieren, waren gerade dabei, im Meetingraum einen neuen Monitor anzubringen. Er beobachtete ihr Treiben einen Moment lang und entschied dann, das Büro vorübergehend zu räumen. Schließlich würde auch der Putztrupp jeden Augenblick auftauchen – und die würden ihn garantiert ausschimpfen, weil das Oberkommando nach der Stürmung aussah wie ein Saustall. Er nahm sein Notebook und trat den Rückzug an und verließ das Büro, als er aus der Tür hinaus trat: “Was machen Sie noch hier, Misses Ellnys?” fragte er erstaunt, als er die Gute hinter ihrem neuen Schreibtisch sah. “Dasselbe könnte ich sie auch fragen, Captain!” fragte sie lächelnd und sah den sichtlich vollkommen übermüdeten Captain vor sich an und erklärte:„Ich sortiere die Eingänge für Sie und den Stab!“, sagte sie und tippte weiter auf ihre Tastatur.

Shinjiro nickte dankbar und atmete tief ein: „Ich ziehe mich für zwei Stunden zurück“, entschied er und ging den Gang entlang. Am Ende der Etage befand sich ein weiteres separates Büro, ein Fluchtweg, der zum Helikopterlandeplatz auf dem Dach führte und die sogenannte General Suite, ein Raum, in dem sich der First Grad bei längeren Einsätzen ausruhen oder sogar schlafen konnte. Und heute war es wohl so weit. Er blieb kurz stehen, öffnete die Tür und trat ein.

Miss Ellnys nickte und stellte den Captain auf „Nicht anwesend“ und warf einen Blick auf die nächsten Termine.


Colt war am Nachmittag zur Tromston Ranch hinausgefahren. Seine Rippen und auch sein Rücken schmerzen und liegen war einfach nicht mehr drin gewesen. Er erreichte das Gebiet, das weiträumig abgesperrt war; nur dank seines Lieutenant-Status kam er überhaupt durch die Kontrollen und fuhr mit seinem Wagen bis zur Absperrung vor. Von den Gebäuden war nichts mehr zu sehen, drei riesige Räumfahrzeuge wälzten den Boden bis zu vier Meter tief um und siebten ihn, um auch noch die kleinsten Spuren von Munition zu finden. Hier fand also gerade eine vollständige Bereinigung des Geländes statt.

Er trat an die bewachte Absperrung heran. Hin und wieder waren gedämpfte, unterirdische Explosionen zu hören und zu spüren, vermutlich Sprengsätze, die nicht gezündet hatten, oder Blastermunition: „Was geschieht mit den Tieren?“, fragte er eine der Wachen, als er sich an Molly, das Pferd, das ihn vor einigen Wochen durch die Prärie von Yuma getragen hatte. Der Mann zuckte nur stumm mit seinen Schultern und deutete in Richtung der mobilen Einsatzzentrale.

“Die Tiere stehen unter Requirierung und kommen auf einen vom Oberkommando betrieben Reithof, dann wird weiter entschieden, was mit ihnen geschieht.“ teilte der Einsatzleiter dem Cowboy etwas gelangweilt mit, schließlich hatte er andere Dinge zu tun, als sich mit den Tieren zu beschäftigen, die schon längst abgeholt worden waren, und ließ den Cowboy stehen. Colt blieb zurück und blickte auf die Karte des Gebiets. 


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