loader image

6.963 Wörter, 37 Minuten Lesezeit.


#1 Absatz

Colt fühlte sich, als hätte jemand Watte in seinen Schädel gestopft. Mit müder Miene holte er sich erst einmal einen starken Kaffee und setzte sich an einen Tisch schön weit abseits im Offizierskasino und ließ seinen Blick müde über das morgendliche Treiben schweifen. Während er an seinem heißen Becher nippte, rief er die Befehlsstruktur für die nächsten Tage auf. Die Anzeige blieb unverändert. Nichts deutete darauf hin, dass Captain Hikari in absehbarer Zeit wieder zurückkehren würde. Das gefiel ihm überhaupt nicht, so Langsam begann ihn etwas an der Sache zu stören. Da war doch etwas im Hintergrund im Gange, dessen war sich der Cowboy sicher! Und er verzog leicht sein Gesicht. Alles lief ruhig weiter. Zu ruhig: „Guten Morgen, Colt.“ grüßte ihn jemand, auf den er gerade so gar keinen nerv hatte. Delweg ließ sich mit einem Kaffee und einem Donut in der Hand zu dem schlecht gelaunten Cowboy an den Tisch fallen. Colt brummte nur etwas Unverständliches zur Antwort: „Na, lange Nacht gehabt?“  fragte Gavin grinsend und biss von seinem Double Chocolate Donut ab. Colt rollte mit seinen Augen und blickte auf den Donut in Gavins Hand, wandte sich wieder dem Treiben im Offizierskasino zu. 

Gavin, aß sein Donut genussvoll auf und nahm immer wieder von seinem Kaffee, die Laune des Lockenkopfes beeindruckte ihn überhaupt nicht. Als er fertig war, stand er auch und blickte Colt fordernd an: „Kommen mit, ich hab da was für dich!“ Colt sah nun überrascht zu Gavin, hatte er doch gehofft, dass dieser sich jetzt verzog, aber nein, er blickte in ein ungewöhnlich ernstes Gesicht: “Und wenn nicht?” fragte Colt leicht provozierend und wartete ab. Über Gavins Gesicht huschte ein schnelles Lächeln: „Oder“, begann er mit ruhiger Stimme, „sollen wir den Highlands einen kleinen Besuch abstatten?“ Colts Blick wurde hart, einen Moment lang sagte er nichts. Dann stand er langsam auf und folgte dem Lieutenant, widerwillig, aber ohne weitere Fragen.

Währenddessen betrat Saber das Oberkommando und machte sich direkt auf den Weg zu Captain Lorenz. Sechs Stockwerke über dem Schotten betrat Colt zusammen mit Delweg ein leeres Büro. Misstrauisch sah sich der Cowboy um, ein Tisch, ein Stuhl, mehr gab es nicht. Gavin griff in seine Tasche und holte zwei kleine Schachteln hervor. Er legte sie auf den Tisch und erklärte: „Der ist für den kleinen Piloten.“ und gab dem Cowboy die kleine Schachtel. Colt nahm und öffnete sie, darin lag ein kk schwarzer, dreieckiger Minisender, kaum größer als ein Knopf und sah zu Gavin. 

„Und dieser“, begann Delweg und hob den zweiten leicht an, „ist für seinen Bodyguard.“ Auf dem Gehäuse war ein kleines „B“ markiert. Gavin grinste schief: „Und nicht verwechseln. Sonst knallen wir den Falschen ab.“ Colt erstarrte einen Moment und blickte auf die beiden Schachteln. Dann warf er sie mit einer knappen Bewegung zurück auf den Tisch: „Vergesst es.“ und wandte sich ab und wollte das Büro verlassen.

„Ein einsames Schloss“, sagte Delweg ruhig hinter ihm, „zwei schwangere Frauen und ein kleiner Junge …“ Colt blieb stehen: „Wäre doch schade, wenn … “ Weiter kam Gavin nicht.

Colt hatte ihn bereits am Kragen gepackt und riss ihn nach vorne: „Ein Ding“, knurrte er dicht vor Gavins Gesicht und sah ihm dabei drohend in die Augen: „Ein einziges Ding und mir ist alles egal.“ versicherte er. Delweg grinste, obwohl Colts Hand ihn fest und unmissverständlich umklammerte: „Genau das brauchen wir ja nur“, sagte er angestrengt: „Ein Ding und um den Rest kümmern wir uns. Und niemand wird jemals etwas davon erfahren.“ Colt hielt seinen Blick noch fester. Sekundenlang, ohne auch nur ein einziges mal zu blinzeln.

„Und komm bloß nicht auf die Idee, irgendwem davon zu erzählen“, fügte Delweg hinzu. „Abhören kann man damit übrigens auch.“ Colt ließ Gavin los und stieß ihn von sich weg. „Bis Ende der Woche hast du Zeit.“ Doch Colt antwortete nicht, er drehte sich um und verließ das Büro. Die Tür knallte laut hinter ihm ins Schloss. Draußen auf dem Gang trat er gegen einen metallenen Papierkorb. Das scheppernde Geräusch hallte durch den Flur. Eine Reinigungskraft blieb stehen und sah ihm kopfschüttelnd nach.

#2 Happy Birthday

„Ich bin also im Dienst, ab heute!“ sagte Fireball und las sich noch einmal seine Ernennungsurkunde in seinen Händen durch. Seine Stimme klang ungläubig, und es war bereits das dritte Mal, dass er diese Frage stellte. Shinjiro konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und trat an Shinji heran: „Symbolisch, habe gesagt, im Dienst bist du erst, wenn du die Akademie abgeschlossen hast.“ und deutete auf die Urkunde.

Die beiden standen im Wohnzimmer von Jarreds Villa. Endlich hatten sie einen Moment gefunden, um in Ruhe miteinander zu reden. Draußen lag die frühe Mittagssonne still über dem Anwesen. Fireball lehnte sich etwas zurück und betrachtete erneut das Dokument. Sein Frust der letzten Tage war verschwunden, inzwischen hatte er  eingesehen, dass sein                        Verhalten nicht gerade fair gewesen war. Diese Erkenntnis war nicht angenehm, aber ehrlich gewesen. Schließlich war sein Vater nur knapp einem Mordanschlag entkommen. Allein dieser Gedanke ließ Fireball noch immer kurz schlucken. Natürlich brauchte sein Vater Zeit, um sich davon zu erholen, wahrscheinlich mehr Zeit, als Fireball ihm zunächst zugestehen wollte. Und jetzt saß er hier, die Urkunde in den Händen, und schüttelte leicht mit seinem Kopf: „Trotzdem…“, murmelte er und betrachtete das Siegel auf dem Papier: “Und warum läuft die dann ab heute?” fragte „Fireball noch einmal genauer nach und zeigte grinsend auf die Urkunde.” Shinjiro sah tief einatmend zu seinem Sohn: “Das hat seinen Grund, ich habe sie auch nicht ausgestellt!” antwortete er knapp.

Fireball schaute noch einmal genauer hin und stutzte: “Richard und Royu?” fragte er, Shinjiro nickte langsam: „Wir werden uns zusammensetzen. Dann bekommst du Antworten auf alle deine Fragen.“ Fireball musterte seinen Vater einen Moment lang, als versuche er in dessen Gesicht schon jetzt mehr herauszulesen. Schließlich nickte er knapp, für diesen Moment musste es reichen. Eine kurze Stille entstand zwischen den beiden. Dann hob Fireball wieder seinen Blick: “Wie geht es dir eigentlich?” wollte Fireball jetzt wissen. Und sein Vater sah ihn an: „Ich denke gut!” sagte er und tatsächlich etwas trotzig, Fireball musste bei der Tonlage etwas grinsen.

“Und du, was hast du heute geplant?“ fragte Shinjiro darauf. Und Fireball ließ sich ins Sofa fallen: „Eigentlich war eine Party im Solver Hotel geplant“, sagte er und in seiner Stimme hörte man einen enttäuschten Unterton heraus. Dann hob er die Urkunde ein wenig an und sah wieder zu seinem Vater:„Aber ehrlich gesagt, ist das Highlight heute wohl das Mittagessen hier.“

„Ist das vielleicht etwas?“ fragte sein Vater schließlich und zog einen Flyer hervor, reichte ihn ihm und setzte sich mit aufs Sofa. Fireball nahm das Blatt entgegen und überflog es zunächst nur flüchtig. Doch schon nach den ersten Zeilen wurde er langsamer und seine Augen wanderten noch einmal über die Überschrift und setzten sich langsam aufrechter hin: „Was…? Sumo? Hier? Heute? Auf Yuma?“ und schlug er den Flyer auf und suchte sofort nach den Namen der Ringern.

Shinjiro beobachtete ihn mit leicht erhobenen Augenbrauen, offenbar war sein Sohn so begeistert, dass er komplett vergessen hatte, wie man in ganzen Sätzen spricht, also passte er sich einfach an: „Ikishikawa oder Oyazukono?“ fragte er trocken. Fireball, der seinen Blick immer noch auf die Wettkarte gerichtet hatte, blickte konzentriert über die Namen, während er leicht nickte.: „Ikishikawa ist ehe Yokozuna, also ganz klar er!” Shinjiro lehnte sich etwas zurück und dachte kurz nach: „Oyazukono hat gute Chancen“, warf er ruhig ein. Fireball nickte bestätigend: “Ja, Oyazukono ist zwar kräftiger mit 135 kg, als Ikishikawa mit 128 kg, aber er hat Technik!” erklärte er und hob den Flyer leicht an. Shinjiro betrachtete seinen Sohn mit einem kurzen, zufriedenen Blick. Offenbar kannte er sich nicht nur mit Fliegen, Autos und Technik gut aus, sondern auch erstaunlich gut mit Sumo und setzte sich ebenfalls wieder etwas auf und fragte gleich mal nach: “Woher weißt du das alles?” “Ich war mit Großvater bei den Winter- und Frühjahr-Turnieren in der Sumo Arena in Tokio! Aber Hiroshintoma kämpft auch, der ist ein Jahr älter als ich und wiegt schon 120 kg und wird als neuen Oyazukono gehandelt, er ist aus dem Tsubasa Stall.” 

In diesem Moment trat Hitomi zu den beiden und setzte sich neben Shinjiro aufs Sofa und hielt ebenfalls einen Flyer in ihrer Hand. Neugierig begann sie ihn zu lesen, während ihre Augen aufmerksam über die Ringer wanderten. Shinjiro bemerkte aus dem Augenwinkel, wie konzentriert seine Frau das Blatt studierte und sein Grinsen wurde noch ein wenig breiter und lehnte sich leicht zu ihr: „Ikishikawa oder Oyazukono?“ Fireball hob sofort seinen Kopf und sein Blick wanderte jetzt gespannt zu seiner Mutter.

„Itzuka“, sagte Hitomi, „der ist nicht ganz so dick.“ Einen Moment lang herrschte Stille.  „Ohhhh…” kam es darauf von den beiden und Shinjiro und Fireball sanken fast gleichzeitig in den Rückenlehnen des Sofas zurück.

Hitomi begann leise amüsiert zu lachen: „War nur ein Scherz!“, murmelte sie schließlich und klappte ihren Flyer zu und sah die beiden an: „Oyazukono im zweiten und dritten Durchlauf. Und dann kämpft er gegen Ikishikawa, den Yokozuna.“ Shinjiro drehte sprachlos seinen Kopf und sah seine Frau von der Seite an, sein Blick war eine Mischung aus Verwunderung und amüsierten Respekt. Fireball hingegen sah sie mit offenem Mund an, da gab seine Mutter eine komplette Wetterklärung ab. Hitomi bemerkte die Blicke und zuckte leicht mit den Schultern: „Nunja, ich habe in den letzten Jahren viel Sumo geschaut.“ erklärte sie… Shinjiro nickte langsam: „Ja“, sagte er trocken, „fast zu viel.“ und grinste. Aber er zeigte seinem Sohn an, dass auch diese Wette unbedingt auf die Liste gehörte.


Ein Bediensteter der Villa trat auf die kleine Gruppe zu: „Die Gäste sind gerade eingetroffen.“ Shinjiro nickte ihm dankend zu und gemeinsam machten sie sich auf den Weg nach unten. In der großen Eingangshalle trafen sie auf König Jarred, der es sich nicht nehmen ließ, dem Sohn seines besten Freundes persönlich zu gratulieren. Neben ihm stand sein Sekretär, der Fireball eine weiße, hochwertige Karton-Tragetasche reichte, deren Inhalt noch verborgen blieb. Gemeinsam traten sie dann hinaus und blieben auf dem steinernen Eingangsplateau der Villa stehen. Dort warteten bereits Royu, Colt und Saber auf das Geburtstagskind, Fireballs Gesicht hellte sich sofort auf, als er seine Freunde sah. Ohne zu zögern ging er auf sie zu. Sie gratulierten ihm herzlich: „So, Hombre, 18, wann sitzt du wieder im Sattel?“ fragte er breit grinsend. Saber sah zum Cowboy: „Er wurde nicht zum Rodeoreiter ernannt.“ Colt zuckte darauf nur mit seinen Schultern: „Details.“ Fireball musste lachen, „Ich wusste gar nicht, dass meine Karriereplanung schon im Cowboy-Komitee beschlossen wurde.“ Colt nickte ernsthaft: „Selbstverständlich, sehr exklusiver Kreis.“ Royu verschränkte die Arme und sah Fireball prüfend an: „Und?“, fragte er trocken, „Hat der junge Herr jetzt mehr Rechte, oder nur mehr Verantwortung?“ Fireball hielt kurz inne, dachte nach und grinste dann: „Kommt drauf an, wenn du fragst.“ sagte er und Fireball, der erst jetzt bemerkte, was da eigentlich vor dem Eingang der Herrenvilla stand.

Seine Augen wurden groß, als er den Wagen sah, genau den, den er einst selbst bis ins kleinste Detail ausgesucht hatte. Und jetzt stand er wirklich dort: ein eleganter, kraftvoller Sportwagen mit makellos glänzendem Lack, der im Sonnenlicht fast majestätisch wirkte und schon auf den ersten Blick erkennen ließ, dass hier etwas ganz Besonderes vor der Villa parkte. Langsam ging er die drei steinernen Stufen nach unten und blieb vor dem Wagen stehen, um ihn von vorne zu betrachten, dann sah er zu seinem Vater: „Du hast ihn dir also doch gekauft.“ sagte er und ging auch schon um den Wagen und musterte ihn aufmerksam von allen Seiten. 

Shinjiro hob bei dieser Aussage leicht seine Augenbrauen und warf einen fragenden Blick zu Hitomi, die sich wiederum ein Lachen verkneifen musste. Schließlich trat sie neben Shinjiro die Stufen hinab und blieb ebenfalls vor dem Wagen stehen.

Shinjiro drehte sich zu den Gästen und fragte mit gespielter Ratlosigkeit: „Was ist eigentlich mit dem Jungen los?“ Einige der Anwesenden grinsten nur amüsiert.,Jarred hingegen lachte etwas auf: „Was fragst du uns das, es sind doch eindeutig deine Gene.“ … Saber grinste Richtung Fireball, Royu lachte hörbar auf und Colt brauchte einen kleinen Moment, dann dämmerte es unter seinem Hut und sein Blick wanderte noch einmal über den hochpolierten Wagen, dabei zog sich ein breites Grinsen über sein Gesicht. 

Fireball bekam davon nichts etwas mit, er war völlig in den Wagen vertieft. Alles war genau so, wie er es damals für seinen Vater ausgesucht hatte: die Reifen, die Felgen, die Spiegel, ja jedes Detail stimmte und öffnete schließlich vorsichtig die Fahrertür und beugte sich hinein und nickte; Respekt, sogar die Soundanlage war eingebaut.

Shinjiro warf Jarred einen kurzen Blick zu, verschränkte seine Arme vor der Brust und wandte sich wieder seinem Sohn zu und beobachtete geduldig, wie Shinji, genau wie damals im Autohaus, mit wachsender Begeisterung um den Wagen herumlief, jedes Detail studierte und dabei wirkte, als hätte er gerade das größte und beste Spielzeug des neuen Grenzland entdeckt.

Nach einer Weile blieb Fireball hinter dem Wagen stehen und betrachtete die Heckansicht. Auch die Auspuffanlage war genauso verbaut, wie er sie damals ausgesucht hatte. Doch dann fiel sein Blick auf die Heckscheibe, denn dort, im oberen Bereich des Glases, waren einige silberne Kanji angebracht. Fireball blinzelte einige Male und seine Augen wurden plötzlich riesengroß, es war die Inschrift seines Katanas „Der heißblütige Mut ist im Zaum zu halten.“ Langsam, ganz, ganz langsam sah er sich um, als müsste er sich vergewissern, dass er sich das nicht nur einbildete. Saber und Colt bemerkten die plötzliche Veränderung sofort und gingen jetzt auch die Stufen hinunter und stellten sich neben das Heck des Wagens. Beide betrachteten die Zeichen neugierig, denn lesen konnten sie sie nicht, also beobachteten sie einfach weiter die Szene.

Fireball drehte sich nun ganz zu der Gruppe um. Alle sahen ihn neugierig und auch leicht grinsend. Langsam setzte er sich in Bewegung und ging vorsichtig auf seine Eltern zu, die vor der Motorhaube standen und ihn mit ruhiger Geduld erwarteten. Fireball hob die Hand und zeigte auf den Wagen und sein Mund öffnete sich langsam: „… Was? … Das ist meiner?“ fragte er fast ungläubig .. Hitomi lächelte ihren Sohn warm an. „Ding, Ding, Ding! Der Kandidat hat hundert Punkte!“ erklang Royus Stimme aus dem Hintergrund und Fireball drehte sich sofort zu seinem Onkel um: „Und du wusstest das bestimmt schon im Autohaus?“ Royu hob beschwichtigend seine Hände und schüttelte mit seinem Kopf: „Nein, nicht direkt, aber zum Ende hin, als es um die Farbe ging.“, erklärte er unschuldig. Jetzt wurden Fireballs Ohren leicht rot, rollte mit den Augen und schüttelte noch immer fassungslos mit seinen Kopf. Dann sah er noch einmal zum Wagen neben sich. Dann breitete sich erneut ein immer breiter werdendes Grinsen auf seinem Gesicht aus. Und trat vor seine Eltern, stellte sich gerade hin und verbeugte sich tief: „Danke.“ Mehr sagte er nicht, aber seine Stimme udn geste verriet deutlich, wie viel ihm dieses Geschenk bedeutete. Shinjiro zog darauf den Autoschlüssel aus der Tasche, warf ihn seinem Sohn zu und sagte: „Heute fährst du.“ Fireball fing den Schlüssel aus der Luft und sprang im nächsten Moment vor Freude fast einen halben Meter hoch. „JA!“ und setzte sich hinter das Steuer, drückte den Startknopf und der Motor erwachte mit einem tiefen, kraftvollen Klang zum Leben.

Ein sattes, beeindruckendes Brüllen erfüllte den Vorplatz der Villa und der Wagen setzte sich kurz darauf in Bewegung und fuhr elegant vom Anwesen. Die zurückgelassenen Gäste blickten ihm nach, bis dieser hinter der Allee verschwand.
Zu hören war er allerdings noch eine ganze Weile. Colt verschränkte seine Arme und grinste wissentlich: „Den sehen wir heute eh nicht wieder.“ Auch der Schotte nickte zustimmend.

„Was stand eigentlich auf der Heckscheibe?“ fragte Saber interessiert, als der Wagen schließlich auch nicht mehr akustisch im Hintergrund zu hören war. Royu verschränkte locker die Arme: „Die Inschrift seines Katanas“, sagte er ruhig. „Der heißblütige Mut ist im Zaum zu halten.“ Colt grinste leicht. Saber blinzelte kurz und sah zu Royu: „Er hat ein Katana?“ Royu nickte und zuckte mit seinen Schultern: „Wurde ja auch Zeit.“ Colt kratzte sich nun doch leicht am Kinn und murmelte trocken: „Vielleicht hätten wir den Spruch auch irgendwo auf das Gaspedal schreiben sollen.“

#3 Absatz

Hitomi ging mit Dr. Morel durch den Park und zwischen den alten Bäumen unterhielten sich. König Jarred hingegen war bereits wieder im Inneren der Villa verschwunden. Auf ihn wartete ein wichtiges Gespräch mit Roland und General Whitehawk. Vor dem Eingang blieben Colt, Saber und Royu noch einen Moment stehen. der Cowboy sah sich kurz um, steckte seine Hände in die Taschen und grinste: „Kommt, lasst uns mal das bescheidene Sommerhäuschen erkunden.“ schlug er vor. Saber nickte und Royu schmunzelte nur und machten sich dann gemeinsam auf den Weg Richtung Tennisplatz.

Auf dem Weg dorthin unterhielten sich die drei gewohnt ganz locker. Colt und Royu sprachen über irgendwas Belangloses, das jedoch ab und zu für einen Lacher sorgte, während sie den Gartenpfad entlang gingen. Beinahe nebenbei zog Colt plötzlich einen kleinen Zettel hervor und drückte ihn Saber in die Hand, ohne sein Gespräch mit Royu auch nur ansatzweise zu unterbrechen: „…und dann sag ich ihm noch, das Ding fliegt keine fünf Minuten im Orbit“, redete er weiter, als wäre überhaupt nichts passiert. Saber nahm den Zettel überrascht entgegen, sagte aber nichts und lief einfach genauso weiter, während er das papier auffaltete und die wenigen Zeilen darauf überflog. Auch Royu gab auf die Situation nichts und spielte erst einmal mit. Sabers Blick blieb einen Moment auf dem Papier in seiner Hand hängen und dachte nach. Dann hob er den Kopf und sah zu Colt und Royu und ließ seinen Blick kurz über den Park schweifen, als prüfe er instinktiv seine Umgebung und nickte Colt kaum merklich zu. Und sprach in die kleine Runde: „Colt meinte vorhin noch, er wollte sich die Tennisanlage einmal genauer anschauen.“ und noch bevor Royu wirklich reagieren konnte, stieß Saber am Arm an und lenkte ihn mit sich und die beiden drehten sich wieder um und gingen zurück in Richtung Villa. Royu blinzelte zwar kurz verwirrt, so ganz verstanden hatte er die Situation noch nicht, aber er lief einfach mit dem Schotten mit.

König Jarred und General Whitehawk waren mit Hypercom miteinander verbunden und saßen im Wohnzimmer der Villa, erstaunlich gelassen spekulierten sie über den heute stattfindenden Sumo-Kampf auf Yuma. Und Saber musste trotz der angespannten Lage kurz etwas schmunzeln. Ja, ja… wichtiges Gespräch und so, dachte er trocken. Doch dann trat er ernst an den König heran: „Eure Hoheit“, sagte er ruhig, „ich müsste etwas besprechen.“ sagte er und gab dem König wortlos den Zettel. Jarred stand ohne weitere Fragen auf und führte die Gruppe ins Untergeschoss der Villa in einen abgeschirmten Besprechungsraum. Nachdem alle eingetreten waren, aktivierte er den Abfangschirm. Ein kurzes Summen erfüllte den Raum, dann zeigte die Anzeige, dass jede Kommunikation nach außen blockiert und gleichzeitig überwacht wurde. Die Männer verteilten sich im Raum und blickten erwartungsvoll zum Schotten und General Whitehawk wurde ebenfalls wieder über TSID zugeschalten. Der Schotte prüfte die Anzeigen des Systems und nickte schließlich: „Gut, niemand hat eine Wanze“, sagte er ruhig, denn der Abfangschirm hätte jedes fremde Signal sofort registriert. Jarred verschränkte seine Arme und sagte: „Meine Herren“, sagte er schließlich mit ernster Stimme, „wir haben ein ernstes Problem.“


Knapp zwei Stunden später rollte der schwarze Wagen wieder auf das Gelände der Herrenvilla. Der Motor verstummte langsam und Vater und Sohn stiegen aus. Hitomi und Dr. Morel, die das Brummen des Motors gehört hatten, kamen ihnen bereits entgegen. Aus dem Kofferraum holten Fireball und Shinjiro mehrere Taschen, offenbar waren sie unterwegs tatsächlich noch einkaufen gewesen. „Der Sound ist so viel besser!“ erklärte Fireball begeistert und klopfte beinahe liebevoll auf das Dach des Wagens. Auch Shinjiro ging noch einmal langsam um das Auto herum, auch ihm gefiel der Wagen und blieb er neben seinem Sohn stehen, sah ihn an und nickte: „In zwei Jahren bist du taub“, kommentierte er trocken, denn seinen Ohren dröhnten noch immer der Bass. Fireball grinste nur, strich ein letztes Mal über den Lack des Autos und verriegelte es. Hitomi trat neben Shinjiro, lächelte neugierig und nahm ihm eine der Einkaufstüten aus der Hand. „Was habt ihr gekauft?“ und blickte noch während sie fragte, bereits hinein. Shinjiro antwortete ruhig: „Ich habe hier einen Tennisplatz vor der Nase…“ Mehr musste er gar nicht sagen und Hitomi verstand sofort.

Gemeinsam machten sich die vier auf den Weg zurück zur Villa. Hitomi und Shinjiro gingen voraus, während Fireball noch einen Moment zurückblieb und noch einmal nach seinem PS-starken Geburtstagsgeschenk sah, mit dem er überhaupt nicht gerechnet hatte. Noch immer konnte er kaum glauben, dass es wirklich sein Auto war, genau das Modell, das er einst bis ins kleinste Detail zusammengestellt hatte. Damals hatte er geglaubt, er würde es für seinen Vater tun und musste jetzt darüber leise lachen. Das war ein ziemlich cleverer Zug gewesen.

„Meine Glückwünsche zum Achtzehnten!“ holte ihm eine plötzliche stimme mit einem Glückwunsch aus seinen Gedanken. Fireball sah auf, neben ihm stand Dr. Morel, der Arzt seines Vaters, und betrachtete ebenfalls den Wagen. Fireball grinste: „Danke!“ Dr. Morel sah den jungen Hikari einen Moment an und nickte dann anerkennend: „Ein toller Wagen.“ Fireball nickte ebenfalls: „Ja.“ und wandte sich vom Auto ab und sah sich um. Seine Mutter und sein Vater waren bereits verschwunden. Dr. Morel ging neben ihm her, während sie langsam auf die Villa zugingen: „Es ist Ihr erster Geburtstag mit Ihrem Vater“, stellte der Arzt ruhig fest. Fireball blieb einen Moment stehen, und diese Tatsache traf ihn unerwartet, er hatte darüber noch gar nicht bewusst nachgedacht und sah den Doktor neben sich erstaunt an und grinste dann. Und Morel lachte kurz auf: „Das war Ihnen bis eben überhaupt nicht bewusst.“ Fireball schüttelte leicht den Kopf: „Nein“, sagte er nachdenklich, es war tatsächlich der erste Geburtstag mit seinem Vater, der Gedanke war so unwirklich und doch so…ja, normal? „Es fühlt sich eher so an, als wäre er schon ewig wieder da.“ Morel sah ihn aufmerksam an. „Und dabei sind es erst zehn Monate.“ und gingen einen Moment schweigend weiter. Dann fragte der Arzt vorsichtig: „Verzeihen Sie meine Neugier… aber wie ist das eigentlich? Plötzlich einen Vater zu haben, der lange als vermisst galt und für viele sogar als tot?“ Fireball sah den älteren Mann neben sich an: „Das wurde ich schon ein paar Mal gefragt“, antwortete er ruhig. „Ich weiß eigentlich gar nicht, wie es ist, einen Vater zu haben… und plötzlich hat man einen. Einen, den jeder kennt, nur man selbst nicht.“ und er dachte kurz nochmal nach: „Am Anfang war es schwer, denn er hat mir sehr klar gezeigt, dass er mein Vater ist.“ und lächelte leicht: „Wir müssen uns einfach noch kennenlernen.“ Morel nickte langsam: „Sie spüren also eine gewisse Distanz?“ Fireball schüttelte den Kopf: „Nein, er ist mein Vater, nicht mein Freund.“ und sie stiegen die Treppe zum Eingang der Villa hinauf: „Ich wünsche mir nur mehr Zeit mit ihm, ich finde ihn interessant.“ gab es Fireball zum ersten Mal zu und Dr. Morel lächelte: „Dann sagen Sie ihm das.“ Fireball sah darauf zum Arzt, der ihm zunickte. 

In diesem Moment kam der Sekretär des Königs auf die beiden zu: „König Jarred befindet sich derzeit im Meeting-Raum“, erklärte er höflich. „Dort hat im Moment niemand Zutritt.“ Und Fireball sah zu dem Doctor und ging zu seiner Mutter.

#4 Absatz

Shinjiro war unmittelbar nach seiner Rückkehr in den Meeting-Raum geführt worden. Jetzt stand er am Tisch und las die wenigen Zeilen, währenddessen erklärten die anderen ihm die Hintergründe. Sein Gesicht blieb ruhig, nur seine Augen verrieten, dass er jedes Detail aufnahm und legte den Zettel auf den Tisch: „Wo ist er jetzt?“ fragte er und sah in die Runde, Saber trat einen Schritt nach vorn: „Draußen, er weiß nicht, ob er irgendwo verwanzt ist, deshalb hat er es schriftlich gemacht.“ Shinjiro nickte knapp: „Gut, holen Sie ihn rein, dann wissen wir es.“

Während der Cowboy vom Sekretär geholt wurde, stellte König Jarred den Abfangschirm noch einmal präziser ein, die Anzeigen des Systems liefen über mehrere Frequenzbänder. Dann öffnete sich die Tür und Colt wurde angekündigt und trat in den Raum, alle warteten ab und der Abfangschirm blieb still, es gab keine Warnung, noch nicht mal einen Ausschlag. Colt atmete hörbar aus und die Spannung im Raum löste sich ein wenig. König Jarred wandte sich direkt an ihn: „Wo haben Sie die Sender?“ – „In meinem Auto und das steht im Parkhaus des Oberkommandos.“ antwortete der Cowboy direkt.

Shinjiro lehnte sich nun ruhig gegen den Rand des Schreibtisches und verschränkte seine Arme locker vor der Brust, während er den Cowboy prüfend ansah. Colt stand am Meeting-Tisch, direkt neben Saber und beide wirkten angespannt: „Was haben Sie jetzt vor, Lieutenant Wilcox?“ fragte er, die Frage klang zwar ruhig, aber sie ließ keinen Raum für Ausflüchte. Colt antwortete ohne zu zögern: „Am besten gar nichts.“ und ein kurzer Moment der Stille folgte. Dann fügte er noch trocken hinzu: „In einer Woche soll ich es erledigt haben.“

Captain Hikari nahm den Zettel vom Tisch wieder an sich: „Was ist, wenn nicht?“ fragte er ruhig. Saber und Colt sahen sich kurz an, dann begann Colt im Raum auf und ab zu gehen. „Sie wissen, wo meine Frau ist“, sagte er schließlich. „Und auch, wo die Verlobte von Major Lancelot sich aufhält. Mein Schwager ist ebenfalls dort. Er ist neun.“ und hielt kurz inne: „Der genaue Wortlaut war: Es wäre schade, wenn …“ Saber erstarrte einen Moment und trat dann zu Colt: „Dann sind sie dort nicht mehr sicher“, sagte der Schotte ernst, Colt nickte. „Ist ihr Vater eingeweiht?“ fragte Captain Hikari Richtung Saber,  und Saber blickte zum Captain: „Ja. Er weiß, warum die drei bei ihm sind, aber von der aktuellen Situation weiß er noch nichts.“ Hikari sah kurz in die Runde und entschied dann: „Gut. Klären Sie ihn auf.“ Saber nickte knapp, verließ den Meeting-Raum und ging hinauf ins Büro im zweiten Stock, um seinen Vater anzurufen.


Colt setzte sich für einen Moment und begann tatsächlich zu zweifeln. War es wirklich richtig gewesen, alles offenzulegen? Natürlich war es das, das wusste er. Trotzdem ließ ihn der Gedanke nicht los. Wenn Robin, Joshua oder Sincia etwas passieren würde … Sein Blick senkte sich und dann waren da noch die Babys. 

Fireball saß mit seiner Mutter und Dr. Morel im Eingangsbereich der Villa, als sich plötzlich wieder Bewegung im Haus zeigte. Der Schotte war bereits vor 10 Minuten an ihnen vorbeigelaufen. Die Delegation kam aus dem Meeting-Raum zurück und gingen in verschiedene Richtungen auseinander. Shinjiro trat zu seinem Sohn und gab ihm einen leichten Stups gegen die Schulter, Fireball sah erstaunt auf. Das Zeichen war eindeutig: Komm mit. Fireball sah überrascht zu seiner Mutter und sie nickte ihm ruhig zu. Dann erhob er sich langsam, Dr. Morel schloss sich der Gruppe an und Gemeinsam gingen sie in König Jarreds Büro. 


Kurz darauf wurde auch Captain Lorenz aus dem Oberkommando über TCID zugeschaltet; sein Bild erschien auf dem großen Monitor an der Wand. Im Raum wurde es still. Und Shinjiro begann, die Situation noch einmal systematisch darzustellen. Niemand unterbrach ihn, Fireball saß am Tisch und hörte stumm zu und mit jeder neuen Information wurde seine Miene ernster. Eine Nachricht folgte der nächsten und keine davon war gut, immer wieder wanderte sein Blick zu Colt. Der Cowboy stand etwas abseits, seine Arme hatte er vor der Brust verschränkt.

Fireball verstand langsam das ganze Ausmaß, sein bester Freund sollte ihn verraten. Sincia und Robin waren dadurch in Gefahr und der kleine Josh ebenfalls. Dazu hatten sie sogar Royu im Visier. Fireball stieß hörbar die Luft aus, ihm wurde gerade tatsächlich etwas Schwindling. Shinjiro machte eine kurze Pause, sah zu seinem Sohn hinüber und wartete einen Moment. Er gab ihm Zeit, schließlich war es die faktenreiche Flut an Informationen der letzten Wochen. Fireballs Blick wanderte noch einmal über die Liste auf dem Monitor, über all die Namen, Ereignisse und Verbindungen. Und darüber, wer alles darin verstrickt war.

Neo aus dem Ausbildungslager von Alamo – an ihn hatte Fireball schon lange nicht mehr gedacht. Fast wäre der Name ihm gar nicht mehr eingefallen.

Captain Hikari setzte sich und legte den Pen beiseite. Saber ergriff das Wort: „Unsere Frauen und Joshua bleiben weiter in den Highlands.“ Colt hob den Blick und hörte aufmerksam zu: „Mein Vater wird alle nötigen Sicherheitsmaßnahmen treffen. Er hat außerdem gute Kontakte zum Royal Regiment of Scotland, den SCOTS. Die werden das Schloss patrouillieren.“ und sah dabei kurz zum Cowboy und dann zu Fireball. Colt atmete erleichtert aus, Fireball hingegen senkte seinen Blick. Die Situation blieb brisant und im Raum wurde es still. Jeder schaute immer wieder zum Monitor, dachte nach, ordnete die Informationen.

Dann durchbrach Captain Hikari die Stille: „Wir haben vier Tage, um uns vorzubereiten.“ sagte er und stand auf. Alle Blicke richteten sich auf ihn. Auf dem Monitor erschien nun das Gebiet der aktuellen Vermessungen, daneben der Grundriss der Tromston Ranch. Colt zog seine Augenbrauen zusammen: “Also wurden die Vermessungen als Gebietserschließung geplant.” sagte er und Hikari nickte. Saber nickte ebenfalls: „Ja, wir tarnten es als Gebietserschließung.“

„Laut unseren Quellen geht man davon aus, dass alle wichtigen Personen bereits vor Ort sind.“ König Jarred verschränkte die Arme vor sich: „Ich werde alle Truppen auf Jarr mobilisieren lassen. Falls in den nächsten Tagen etwas passiert, können wir nahezu gleichzeitig dort zugreifen.“ sprach er entschlossen. Hikari nickte und öffnete weitere Daten auf dem Monitor. Neben der Ranch ließ er nun auch den Planeten Alamo anzeigen, um die zeitliche. Für den Moment ging es nur um eine vorläufige Taktik, die eigentliche Strategie würde später entstehen. Und er begann, Zahlen einzugeben. Szenarien, Entfernungen, Reaktionszeiten. Colt beobachtete die Technik aufmerksam.

„Sechzehn Minuten, so lange hätten die Truppen Zeit, um einsatzbereit zu sein.“ kam es von Saber, der die Berechnungen verfolgt hatte, Colt sah zum schotten dann wieder zum Monitor: „Das ist mehr als genug“, meinte Lorenz. Hikari schüttelte leicht seinen Kopf: „Wir planen mit vierzehn Minuten.“ und blickte in die Runde: „Ich werde ab Mittwoch wieder im Oberkommando sein.“ teilte er mit. Mehrere Köpfe hoben sich. Vor allem Dr. Morel, der etwas abseits des Tisches saß, blickte auf. Dann zeigte Hikari mit dem Pen auf seinen Sohn: „Und du auch, du kannst deine Aufgaben von dort aus erledigen.“ Für einen Moment sah Fireball still auf, doch dann zeigte sich tatsächlich ein kleines Grinsen auf seinen Lippen. Schließlich war alles besser, als zu Hause festzusitzen.

Captain Hikari wandte sich bereits schon an Lorenz, er sollte die Zahlen aller Angestellten in den verschiedenen Bereichen von Befehlshabern bis Koch auflisten. Lorenz und er machten sich direkt an die Arbeit. “Was haben sie vor, Sir?” fragte Saber. Hikari blickte seinen Major an: “Wir werden alles ab morgen auf ein Minimum herunterfahren, so unauffällig wie möglich, so wenig Menschen wie möglich sollen sich im Oberkommando aufhalten … falls!” Saber nickte verstehend. 

“Wir werden alle Truppen in einem Radius von 50 bis 200 Kilometern rund um Yuma-City verteilen, um aus allen Richtungen einsatzbereit zu sein, das tarnen wir als Manöver-Strategie und lassen täglich mal einen Notalarm ab, damit diese sich im Oberkommando wieder sammeln, um zu sehen, wie alle miteinander harmonieren!” Lorenz schickte die Liste und sagte: „Ich verstehe, so fällt es nicht auf, dass tatsächlich weniger Personal vor Ort ist, weil ohnehin kaum jemand stationär bleibt.“ fasste er zusammen. “Das ist erst einmal ein Anfang!” sagte Lorenz: “Nein, das ist der Anfang!” antwortete Captain Hikari darauf und beendete das Meeting. 

Lorenz loggte sich aus. Alle atmeten auf, so gäbe es für die nächsten Tage einiges zu tun. Fireball schaute sich um und war immer noch erschlagen von den ganzen Informationen. Colt stand auf, er konnte nicht mehr sitzen und klopfte seinem Hombre auf die Schulter, Fireball nickte stumm. Royu ging zu Shinjiro und die beiden unterhielten sich. Fireball stand auf und ging mit Saber und Colt nach draußen: “Was mache ich jetzt mit den Sendern?” fragte Colt den Schotten: “Ich denke, in deinem Auto sind sie erst einmal gut aufgehoben!” sagte Saber, und die drei gingen Richtung Park: “Willkommen im Dienst, Hombre!” sagte Colt und sah seinen Freund neben sich an, der noch etwas überfordert drein schaute. „Naja, noch nicht ganz, aber wenigstens bin ich nicht mehr im Haus eingesperrt, das Oberkommando ist doch mal eine Abwechslung!” sagte Fireball und steckte seine Hände in seine Hosentaschen. Colt nickte verstehend! “Wann kommt April zurück?” fragte Colt, denn die Navigatoren würden sie brauchen, sollte es knallen. Saber blickte auf seinen Communicator, Sie sollte heute zusammen mit Eagle eintreffen. Colt nickte und sie liefen stumm weiter.


Zur gleichen Zeit saß König Jarred bereits schon wieder in seinem Büro und telefonierte mit Roland, um weitere Maßnahmen abzustimmen. Shinjiro hingegen betrat das Wohnzimmer der Villa. Für einen Moment blieb er stehen und sah sich um, er entdeckte Hitomi, die auf dem Balkon saß. Shinjiro trat zu ihrem Tisch, ohne etwas zu sagen, und folgte ihrem Blick unten im Park, sah er Shinji zusammen mit seinen Freunden. Die drei gingen über den Weg zwischen den Bäumen und verschwanden kurz darauf im Park.

“Darf ich mich zu ihnen setzen?” fragte er und griff bereits nach einem Stuhl. Hitomi fuhr ein wenig zusammen und lächelte: “Na, aber sicher doch!” sagte sie, Shinjiro grinste: “Es sind alle ausgeflogen hier!” sagte er und genoss gerade einfach nur die Stille und lehnte sich im Stuhl zurück und schloss kurz seine Augen. Nach einiger Zeit spürte er eine Hand über seine Schulter und Kopf gleiten, er öffnete seine Augen wieder und sah Hitomi nach, die den Balkon verlassen hatte. Er sah sich um und stand nun auch auf und ging ihr nach.


Im Park der Herrenvilla in der Nähe des Koi Teichs war bereits eine Diskussion im Gange. “Jeder hat davon gewusst, egal wem ich gefragt habe, alle taten so, als wüssten sie von nichts und ich gucke wie ein dummer Junge aus der Wäsche und frage mich laufend, was ich hier soll, was ich übrigens immer noch tue.” sagte Fireball und zeigte wütend auf seine Freunde, nachdem Saber ihn gefragt hatte: “Ob alles in Ordnung sei?” und so wie es aussah, war so gar nichts in Ordnung. Colt und Saber schauten sich an, es musste ja irgendwann dazu kommen und warteten ab, bis sich ihr Freund Luft gemacht hatte, und jetzt mit verschränkten Armen vor ihnen stand, und sie sauer ansah, er wollte antworten! Colt ging einen Schritt auf Fireball zu: “Weißt du, als wir das mit deinem Vater besprochen hatten, wollte er mit dir reden, zwei Stunden später kam es zu dem Anschlag und na ja … “ Weiter kam der Lockenkopf nicht mehr. Fireball warf seine Arme in die Luft und ein: “Ach …!” verließ seine Kehle und er drehte sich um: “Genau, sonst kann ja niemand mit mir reden, oder was?” und lief weiter. “Gerade ist es sehr schwer.” sagte Saber. Colt war indes schon neben seinem Kumpel und hielt ihn kurz an der Schulter fest: “Hör zu, niemand wollte deinen Vater zuvor kommen.” Saber trat von der anderen Seite an seinen ehemaligen Piloten heran: “Außerdem ist es eine “top Secret” Angelegenheit und zu diesem Zeitpunkt war es noch nicht einmal sicher, ob das alles nur leere Drohungen waren, Panik hätte uns nicht weitergeholfen.” Colt nickte: “Wir müssen vorsichtig sein, du hast selbst gehört, welche Kreise es zieht und es ist für alle Beteiligten und vor allem Unbeteiligten sehr gefährlich!” sagte der Cowboy und atmete dabei tief ein und aus. 

Fireball drehte sich zu Colt, als er dessen Atem gehört hatte, waren doch auch Robin und Sincia mit betroffen, die nun wirklich mit all dem gar nichts zu tun hatten. “Entschuldige!” kam es von dem jungen Japaner, Colt nickte und musste auch schon wieder grinsen, es war eine typische Fireball Szene, der mal wieder mit dem Kopf durch die Wand wollte. “Und du bist noch da, weil dein Vater jetzt nicht zu Hause ist, du solltest bei deiner Mutter sein.” erklärte Saber ihm. Fireball schluckte, mal wieder war er zu weit vorgeprescht und das Offensichtliche hatte er dabei vollkommen übersehen. “Oh Mann!“ sagte er und ließ seine Schultern hängen. Colt schubste ihn mit seiner Faust gegen den Oberarm: “Naja; Einsicht ist der erste Weg zur Besserung!” kommentierte der Cowboy und lachte. “Und wie soll es jetzt weitergehen?” fragte Fireball und die drei setzten ihren Weg in Richtung Olivenhain fort: “Tja, da brauchen wir eine Blitzidee, brauchen wir da.“ Sagte Colt.  

König Jarred hatte seinem Sohn über die neuerlichen Zustände auf Yuma und auf Alamo berichtet und dass er die königlichen Truppen einsatzbereit machte, das sollte möglichst unauffällig vonstattengehen. Nun war er auf der Suche nach Shinjiro, um ihm davon zu berichten. Die Villa war ruhig, alle waren wohl ausgeflogen, draußen schien die Sonne, die einen heißen Sommer ankündigte. Jarred klopfte an Shinjiros Zimmertür und betätigte nach einer kleinen Weile des Wartens die Klinke, es war abgeschlossen, also wird er auch irgendwo auf dem Gelände mit Hitomi unterwegs sein sein und ging nach draußen, um etwas die Nachmittagssonne zu genießen, und schlug die Richtung des Tennisplatzes ein. Auf halbem Wege traf er Doctor Morel, der auf dem Weg in den schattigen Park war. 


“Hattest du die Tür echt abgeschlossen?” kam eine leise Frage. Hitomi musste etwas lachen: “Ja, wie weit bist du mit deiner Entwicklung des Abfangschirmes?” fragte sie und sie spürte, wie auch er anfing zu lachen. “Meine Mutter und Vater sind seit heute in Yuma-City!” Shinjiro sah sich die stuckverzierte Decke an: “Wegen Shinji?” fragte er nach, Hitomi richtete sich ein wenig auf und sah ihn an: “Du weißt doch, er ist bei Finalen Wettkämpfen immer dabei und jetzt kommt er endlich auch mal aus Japan raus!” erklärte sie. Shinjiro hob seine Augenbrauen: “Warum sagst du mir das erst jetzt, sie werden Shinji sehen wollen.” sagte er nachdenklich. Hitomi küsste ihn: “Nun weißt du es.” Shinjiro sah sie leicht eingeschnappt an: “Du Ziege!” Hitomi lachte, Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf. 

#5 Sumo

König Jarred traf am Yuma-Dome ein. Schon von weitem war zu sehen, dass dieser Abend kein gewöhnlicher werden würde. Vor dem Eingang standen hohe, farbenfrohe Banner. Auf ihnen prangten in dicken, schwarzen Kanji die Namen der Ringer. Ein langer blauer Teppich führte vom Vorplatz bis zu den großen Toren des Domes hinauf. Hier traf sich heute Abend alles, was Rang und Namen hatte. Denn dieser Kampf war nicht nur etwas Besonderes im Sumo, sondern zum ersten Mal öffnete sich Japan dem Neuen Grenzland und das gleich mit einem Finalkampf, bei dem der Yokozuna antrat. Der Yuma-Dome, der rund 50.000 Menschen fassen konnte, füllte sich langsam. In der Mitte der Halle war der Dohyō, der Sumo-Ring, errichtet worden, dessen Erde eigens aus Kyoto nach Yuma gebracht worden war – damit befand sich zum ersten Mal japanische Erde außerhalb des Planeten Erde. Über dem Ring hing das schreinartige Dach, das Yakata, dessen vier Quasten die Jahreszeiten symbolisieren. Darüber waren die Kanji-Namen der Ringer und die japanische Flagge angebracht. Am Vortag hatte schon niemand mehr die Arena betreten dürfen, außer Shinto-Priester, um den Ring nach altem Zeremoniell zu reinigen und zu weihen. Nun strömten die Zuschauer durch die Eingänge. Stimmen mischten sich mit Musik und den Rufen der Händler. Fans aus Japan waren angereist, ebenso Sumo-Begeisterte aus allen Teilen des Neuen Grenzland. Und während die Menschen ruhig ihre Plätze einnahmen, trafen auch Captain Hikari, Hitomi und Fireball ein. Fireball setzte sich direkt zu Saber und Lorenz. 

Währenddessen hatte es sich Colt zuhause gemütlich gemacht. Barfuß auf seinem Sofa, eine Schüssel Chips auf dem Schoß und ein kühles Bier auf dem Tisch, verfolgte er das Spektakel auf seinem Fernseher. 

Im Dome selbst legte sich langsam Ruhe über die Arena. Die letzten Zeremonien waren beendet, die Priester hatten den Ring verlassen und das Publikum wartete nun gespannt auf den ersten Kampf des Abends. Zum Schluss betrat der Yokozuna den Ring mit einem schweren weißen Gürtel und hielt ein Samuraischwert in den Händen. Als er es langsam anhob, erhob sich ein gewaltiger Ruf aus der Halle: „Banzai! Banzai! Banzai!“ Der Hall ging unter die Haut: „Als Yokozuna wird man symbolisch in die Samurai-Kaste aufgenommen“, erklärte Royu ruhig. Die Kämpfe neigten sich dem Ende entgegen und die Atmosphäre im Dome blieb bis zum Schluss gut. Nach etwa zwei Stunden waren die letzten Kämpfe schließlich entschieden und tatsächlich hatte Hitomi mit ihrer Vorhersage recht behalten.

Langsam leerte sich der Dom wieder und einige der Sumo-Ringer kehrten nun in leichten Kimonos auf den Dohyō zurück, während ausgewählte Gäste mit ihnen Fotos machen durften. Auch König Jarred und Captain Hikari erhoben sich. „Ok, ich habe Bock auf ein Bild mit so einem Ringer!“, sagte Lorenz grinsend. Saber fand die Idee recht witzig und ging zusammen mit den anderen Richtung Ring. Fireball dagegen nahm kurzerhand eine Abkürzung über die Sitzreihen, um schneller nach vorn zu kommen: „Hey, warte!“, rief Royu seinem Neffen hinterher und lief ihm nach, während eine Security ebenfalls den Gang entlang eilte. Saber beobachtete das Ganze nur und schüttelte leicht den Kopf.

Doch Fireball lief nicht zu den Ringern, sondern direkt auf ein Ehepaar zu, das ihn mit kleinen Verbeugungen und sichtlicher Freude begrüßte. Hitomi trat ebenfalls zu ihnen, während Captain Hikari neben seinem Stab stehen blieb und die Szene ruhig beobachtete.

„Was geschieht da?“ fragte Lorenz neugierig: „Hitomis Eltern“, antwortete Shinjiro knapp. Saber musterte den älteren Mann genauer und zog leicht eine Augenbraue hoch: „Er ist der beste Taiyaki-Verkäufer mit der leckersten Bohnenpaste in ganz Japan“, erklärte Shinjiro trocken. „Also, behauptet er jedenfalls.“ fügte er dann noch mit an. Royu trat dazu und nickte: „Lecker sind sie“, bestätigte er. „Aber du hast vergessen zu erwähnen, dass er auch noch einen Schraubenladen hat.“ Shinjiro sah seinen Bruder mit einem schiefen Grinsen an: „Ein Mann mit vielen Talenten.“ antwortete er und setzte er sich ebenfalls in Bewegung und ging langsam zu dem freudigen Familientreffen hinüber.

Saber und Lorenz machten noch Fotos mit dem Yokozuna und der aufregende Abend klang langsam aus.


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
Wie hat dir das Kapitel gefallen?
Bitte bewerte dieses Kapitel, Danke 💙
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Prev Post

Next Post

0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.