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8.686 Wörter, 46 Minuten Lesezeit.


Absatz #1 

Saber saß bereits seit Stunden in seinem Büro und war damit beschäftigt, alle Einheiten für die nächsten Tage in die einzelnen Manöver außerhalb des Oberkommandos zu schicken und zu stationieren, sodass das Oberkommando auf 30 Prozent heruntergefahren werden konnte, ohne dabei groß aufzufallen.

Die Berichte des Geheimdienstes waren nicht erfreulich, doch seit Hikari sich öffentlich gezeigt hatte, gingen weniger besorgniserregende Meldungen ein, jedoch brodelte die gerüchteküche außerhalb des KOK und er atmete tief ein und schloss dabei die Datei. Er war immer wieder schwer beeindruckt von dem, was die Männer und Frauen im Untergrund leisteten, immer mit der Gefahr, aufzufliegen. Er streckte sich etwas durch, und rieb sich seine Augen, sein Blick glitt zu seinem garantiert bereits kalten Kaffee und er verzog etwas sein Gesicht und stand auf, um sich etwas seine Beine zu vertreten. Da wurde seine Ruhe abrupt unterbrochen: König Jarred rief über TSID an.


Shinjiro saß auf der Terrasse der Herrenvilla und war dabei, sein neues Notebook einzurichten, welches er gestern zusammen mit seinem Sohn während ihrer Spritztour gekauft hatte, wo der Verkäufer in dieser Zeit kurzzeitig arbeitslos gewesen war. Musste er kurz auf schmunzeln, mit seinem Sohn hatte er dort eh die beste Beratung gehabt. Shinji war, was Technik anging, einfach immer auf dem neuesten Stand. „Was für ein Vorteil!“, dachte er sich.

Shinjiro sah kurz auf, atmete ein und nickte dem Doktor zur Begrüßung lediglich zu. Mehr sagte er nicht. Morel setzte sich ihm gegenüber, wo kurz darauf ein Angestellter eine Tasse Kaffee vor dem Arzt servierte. Shinjiro bemerkte die Handlungen am Rande seines Blickfeldes, seine Finger verharrten für einen Moment über der Tastatur, bevor er weiter tippte: „Ich habe Sie heute Morgen laufen sehen“, begann Morel fast beiläufig und goss sich etwas Milch in den Kaffee und rührte diesen dezent um. Doch das leise Klirren des Löffels halte ungewöhnlich laut in Shinjiros Ohren nach, und er blickte von seinem Tun auf, in Richtung Morel der wohl Konservation wollte und hielt kurz inne und musterte den Doctor, so als würde er prüfen, ob eine Antwort notwendig war und nickte, ihm ein: „Ja“, entgegen.

Der Arzt nahm seine Tasse und lehnte sich leicht zurück: „Wie schätzen Sie sich körperlich ein?“ Shinjiro atmete tief ein, denn gerade hatte er nicht den geringsten Drang, mit jemandem zu sprechen. Doch inzwischen wusste er Dr. Morel einzuschätzen und so leicht würde dieser sich nicht abwimmeln lassen … leider.

Also aktivierte er die zu installierenden Programme: „Körperlich habe ich keine Beschwerden“, antwortete er schließlich sachlich. Morel nickte nur wissend und nahm einen Schluck von seinem Kaffee: „Sie haben einen tollen Sohn“, wechselte er dann abrupt das Thema. Shinjiro sah den Arzt einen Moment lang stumm an, ließ die Bemerkung jedoch unkommentiert stehen. Morel bemerkte diese Reaktion und lehnte sich mit einem leichten Schmunzeln zurück: „Sehen Sie das anders …  Mr. Hikari?“

Shinjiro klappte das Notebook zu, das würde jetzt einige Minuten zum Downloaden benötigen und er lehnte sich in seinem Stuhl etwas zurück. Für einen kurzen Moment huschte ein nachdenkliches Schmunzeln über sein Gesicht: „Natürlich nicht! Aber Sie sind der Erste, der mir nicht sagt, wie anders er doch im Gegensatz zu mir ist.“ Da hoben sich Dr. Morels Augenbrauen leicht an und mit einem schmalen Grinsen stellte er fest: „Oh, ich denke, er ist Ihnen ähnlicher, als Sie glauben.” und leerte seine Tasse. Shinjiro blickte in Richtung des Parks: „Vielleicht“, kommentierte er schließlich knapp und sein Interesse wanderte wieder zum Notebook, um zu schauen, wie lange die Installation noch dauern würde. Morel beobachtete ihn einen Moment, bevor er ruhig fragte: „Sehen Sie Ähnlichkeiten zwischen sich und Ihrem Vater?“

Shinjiro sah vom Notebook auf: „In welcher Hinsicht?“, fragte er, doch Dr. Morel lächelte nur leicht und stellte seine Tasse ab. Shinjiro hob seine Augenbrauen und nickte langsam, und Morel erwiderte das Nicken wissentlich. Es war ein stilles Einverständnis, dass sie einander nichts vormachen konnten und Shinjiro die Frage sehr wohl verstanden hatte, ihr jedoch bewusst ausgewichen war.

„Können Sie das hier annehmen?“ fragte Morel jetzt ruhig. Shinjiro atmnete stumm tief ein, dieselbe Frage hatte ihm gestern bereits Hitomi gestellt und er sah Morel direkt an, und abgesehen von den Geräuschen des warmen Vormittags war für einige Augenblicke nur Stille zwischen den beiden. Morel schaute jetzt etwas ernster und fragte direkt: „Ist Ihnen bewusst, dass Sie als Kind schwer misshandelt wurden?“ Die Worte trafen Shinjiro unerwartet hart und für einen Moment hatte er das Gefühl, sein Herz bleibe stehen.

Mit so einem Gesprächseinstieg hatte er nicht gerechnet, obwohl er es eigentlich hätte erwarten müssen, schließlich setzte sich Morel nicht ohne Grund so „rein zufällig“ zu ihm. Dr. Morel jedoch beobachtete die Reaktion des Captains ganz ruhig.

Shinjiro brauchte einen Moment, um die Worte sacken zu lassen, und bevor er antwortete, nahm er einen Schluck von seinem Wasser: „Ich weiß um diesen Umstand!“ antwortete er knapp und blieb distanziert. Doctor Morel nickte nur unbeeindruckt: „Davon bin ich überzeugt,” sprach Morel, “jedoch ist es etwas anderes, es gesagt zu bekommen, als es selbst zu wissen.“ Shinjiro sah kurz nach oben und atmete lang aus: „Was wollen Sie?“ fragte er schließlich. Morel lächelte darauf dem Japaner entgegen: „Ich möchte mich gerne mit Ihnen unterhalten“, sagte Doctor Morel. Shinjiro nickte: „War ein guter Einstieg“, kam es ironisch und er richtete sich in seinem Stuhl und sah in den grau-blauen Himmel auf, in dem sich garantiert etwas zusammenbraute. Die Luft wurde immer drückender, und das lag mal nicht an dem Gespräch.

“Was wollen Sie hören?” durchbrach Shinjiro die kurze Stille und wandte seinen Blick vom Himmel ab. „Ich bin hier, um Sie dabei zu unterstützen, Mr. Hikari.“ Shinjiro nickte wissend: „Ja, das weiß ich“, kam es direkt von ihm, doch Morel merkte, dass der Captain ihn erneut abschütteln wollte: „Sie glauben, ich mache hier nur meinen Job, oder?“ Shinjiro sah den Doktor ernst an: „Es ist Ihr Job“

Dr. Morel schüttelte langsam mit seinem Kopf: „Oh, nein, ich mache das, weil ich davon überzeugt bin, ich hätte auch ablehnen können, einfach so…“ antwortete Morel mit ruhiger Stimme. Shinjiro erinnerte sich an das letzte Gespräch, das er vor einigen Tagen mit dem Doktor geführt hatte, und sah ihn weiter stumm an. „Ich weiß, dass Sie wissen, was gerade mit Ihnen geschieht. Sie sind hochintelligent und können schneller eins und eins zusammenzählen als jeder von uns.“ fuhr er fort und merkte, dass er nun die volle Aufmerksamkeit des Captains hatte und er fuhr weiter fort: „Sie wissen, dass Sie traumatisiert sind und ich gebe zu: Ein Kindheitstrauma fühlt sich im Erwachsenenalter oft so an, als läge es längst hinter einem. Und doch merken Sie selbst, wie sehr es in Ihre Gegenwart hinein wirkt. Mit der Zeit wird das nicht schwächer, sondern stärker und findet nach und nach in jedem Winkel Ihres Lebens seinen Platz. Die Vergangenheit wird sozusagen zu Ihrer Zukunft, Mr. Hikari.“ Shinjiro blickte sich stumm auf der Terrasse um, natürlich wusste er das alles … 

„Sie gehen gerade durch die Hölle, natürlich wollen Sie nicht die Kontrolle über sich verlieren. Aber in einem Flashback verliert man diese, doch ist es dann nicht beruhigend zu wissen, dass man in diesem Moment jemanden an seiner Seite hat, der weiß, was er tut? Trauma wächst in der Isolation. Doch Heilung geschieht im Kontakt.“ Shinjiro musterte Morel, während er sprach und nickte dem Arzt nach einigen stummen Augenblicken langsam zu. Man sah es kaum, doch Morel nahm es wahr und der Ältere richtete sich etwas auf: „Danke! Und ich verspreche Ihnen, Sie werden immer wissen, wo Sie gerade sind!“ Shinjiro hob leicht skeptisch seine Augenbrauen und atmete tief ein, doch Morel sprach jetzt eindringlicher auf Shinjiro ein: „Wir haben leider eine Deadline um sie zu stabilisieren, davon haben wir bereits drei Tage verloren, und die aktuelle Lage setzt Sie zusätzlich noch mehr unter Druck.“ Shinjiro setzte seine Brille ab und rieb sich die Augen. Das Gespräch strengte ihn tatsächlich sehr an, und der drückende Luftdruck tat sein Übriges: „Wie stellen Sie sich das vor?“, fragte er schließlich. 

Morel nickte: „Ich weiß durchaus, dass es gerade ein denkbar ungünstiger Zeitpunkt ist. Gleichzeitig ist es aber auch ein günstiger Moment, weil wir Ihren erhöhten Neurokort-Spiegel für die Verarbeitung nutzen können. Solange Ihr System ohnehin unter Spannung steht, ist der Zugang zu den verdrängten Erinnerungen unmittelbarer, sprich wenn wir das kontrolliert und Schritt für Schritt angehen, kann Ihr Körper lernen, dass diese Bilder zwar belastend sind, aber keine akute Gefahr mehr bedeuten. Das ist zwar keine Heilung, doch damit kommt der natürliche Spiegel allmählich wieder ins Gleichgewicht und je schneller wir hineingehen, desto stabiler werden Sie. Dann kommt es nicht mehr so schlagartig. Doch zuerst müssen wir sie schnell wieder so weit bekommen.“ Shinjiro sah dem Doc ausdruckslos entgegen und schüttelte mit seinem Kopf. Gerade jetzt, wo das KOK kurz davor stand, feindlich übernommen zu werden, saß er hier und genoss die Aussicht. Vielleicht war Timing einfach eine besonders grausame Form von Humor, dachte er und musste innerlich kurz auf schmunzeln.

Absatz #2

Saber beendete das Gespräch mit König Jarred und stützte seinen Kopf in seine Hände. Für einen Moment blieb er einfach so reglos sitzen, als könne er seine Gedanken damit zum Schweigen bringen. Tief atmete er ein und rieb sich seine Augen, nun war sie also da, die Situation, in der Entscheidungen getroffen werden mussten. Alles war vorbereitet, jeder Ablauf gut durchdacht, jede Möglichkeit einkalkuliert. Er hatte es im Griff, zumindest stand es so auf dem Papier. Und doch fühlte sich plötzlich alles in den letzten Wochen zu viel an. Es gab viele Variablen, zu viele Konsequenzen, die jetzt auch an ihm hingen. Ein leiser Druck breitete sich in seiner Brust aus. Doch es war kein Chaos, keine offene Panik, es war eher dieses enge, kaum greifbare Gefühl, dass alles gleichzeitig auf ihn einwirkte. Er wusste genau, was zu tun war und trotzdem zögerte er.

Gerade jetzt hätte er mit jemandem reden müssen, er wollte einen anderen Blickwinkel,doch mit wem? Captain Lorenz war im Manöver, Rosso, weit außerhalb von Yuma-City, in einer Übung mit Royu. Und General Whitehawk war außerhalb von Yuma-City, um einem Manöver beizuwohnen und würde erst heute am späten Nachmittag wieder ins Oberkommando zurückkehren. Und sein Team war auf einer Aufklärungsmission, rund um Yuma unterwegs, um einen neuartigen Scanner zu testen.

Sie würden erst heute Abend zurück sein und das Gespräch mit dem Captain Anwärter hatte er auch noch. Er stemmte seine Hände in die Hüften, atmete noch einmal tief ein und wählte die Nummer von Eagle.


Fireball war dabei, sein Geburtstagsgeschenk von König Jarred auszupacken – oder besser gesagt, einzurichten. Es war tatsächlich ein Task-Desk, wie ihn vor allem sein Vater, aber auch Strategen wie Saber hatten. Ja, mit so etwas hatte er schon lange geliebäugelt, doch es war selbst für ihn unerreichbar gewesen. Ein eigenes Task-desk zu besitzen, würde vieles enorm vereinfachen, das wusste er, und strich sanft über die moderne Form und klinkte den Monitor aus, den man wie ein Tablet nutzen konnte, um vor allem an Bord flexibler zu sein.


Charles hatte dem Schotten am Telefon vorgeschlagen, sich erst einmal auf dem neuen Peacekeeper 7 zu treffen, und Saber hatte den Vorschlag dankend angenommen, vor allem, um den Kopf freizubekommen und die kreisenden Gedanken zu ordnen, außerdem war er neugierig, schließlich er wusste, dass der Peacekeeper komplett überholt worden war, und wenn er die Berichte dachte, die er kannte, erwartete ihn dort weit mehr als nur ein simples Upgrade.

Der Peacekeeper war von Anfang an als fliegende Kommandozentrale ausgelegt worden. Im Ernstfall würde es jetzt dem First-Grad als Gefechtsstand im All dienen: ein Ort, von dem aus in Zukunft Schlachten gelenkt, Entscheidungen und ganze Flotten in Bewegung gesetzt werden. Und ja, Saber stand tief beeindruckt auf der hellen Brücke vor dem großen, neuartigen Rasterortungsschirm. Er wusste, dass sich April die neuen Systeme bereits angeschaut hatte, und auch vereinzelte Software von Ramrod verbaut worden war. “Richard, hier sind sie!” hörte er eine Stimme neben sich, er war vollkommen in seinen Gedanken versunken gewesen. Eilig drehte er sich Charles zu: “Das Schiff ist kaum wiederzuerkennen.” sagte er und Charles nickte: “Ja, es ist schön geworden!” und zeigte um sich: “Ja, Sir! Es ist ein ganz anderes Schiff als vorher!” erklärte Saber feststellend. Charles lachte etwas auf: “Genau das dachte ich auch, als ich es das erste Mal gesehen habe!” gab Eagle zu, schließlich kannte Charles den Peacekeeper in und auswendig, viele Erinnerungen gingen in der Fassade, schließlich war es das Schiff, das er kommandiert hatte. “Wie geht es Ihnen, Mentor?” Eagle zeigte Saber an, das Schiff mit ihm zu verlassen, um sich in Ruhe zu unterhalten. Der Schotte folgte dem ehemaligen Kommander.

“Sie stehen vor einer großen Herausforderung, Richard!” begann Eagle und Saber nickte: “Ist es das, worüber Sie mit mir sprechen wollten?” Der Schotte sah seinen ehemaligen Kommander an: “Unter anderen, ja, Sir“, Charles verstand und Zeigte den Highlander an, mit in sein Büro zu kommen.


„Captain Hikari wird weitere Tage ausfallen“, ließ Saber die Bombe gegenüber Eagle platzen. Charles blickte überrascht zum Schotten und überschlug die Beine. „Ich habe gestern den Kampf im TV gesehen, und er sah ganz gesund aus!“, teilte Eagle seine Beobachtung mit, während sich auch in ihm die Sorgen ausbreiteten. Schließlich stand das KOK bereits seit einer Woche unter Stabs-Befehlsgewalt, und die Gerüchte brodelten nicht nur in den Klatschblättern oder einschlägigen Foren, sondern auch hier direkt vor Ort. Saber nickte nur etwas verhalten: „Seit wann wissen Sie das?“, fragte Eagle nach. Saber setzte sich etwas bequemer hin: „Seit knapp einer Stunde, König Jarred hatte es mir vorhin mitgeteilt“, verriet er: “Nun gut”, sagte Charles und atmete tief ein und ließ darauf etwas Stille entstehen.

„Shinji wurde gestern 18, und ich habe gesehen, dass er seitdem offiziell im Dienst ist!“, wechselte Eagle daraufhin das Thema. Saber sah auf und nickte: „Ja, jedoch hat er noch niemandem mitgeteilt, wofür er sich entschieden hat“, antwortete Saber, und er musste etwas schmunzeln, normalerweise wäre Fireball der Letzte im Grenzland, der ein Geheimnis für längere Zeit für sich behalten konnte. Eagle musste ebenfalls etwas grinsen:„Ja, er ist in der Position, in der er wählen kann!“ und Sabers Schmunzeln verschwand nach dem Gehörten etwas wehmütig, denn genau das war Fireballs Vorteil. Schließlich war er ein Top-Pilot, und die Befehlshaber der anderen Einheiten, Schiffe oder gar Lorenz von der Air Base würden den jungen Japaner mit Kusshand nehmen. Eagle musterte den Schotten etwas: “Er soll wieder zurück auf Ramrod.” sprach er es aus. Saber atmete tief ein und aus: “Natürlich, ich weiß nur nicht wie …”§ gab er zu, denn das wusste er tatsächlich nicht, er, Colt und sogar April würden alles tun, um ihren Freund wieder an Bord zu haben und diesmal wäre es sogar ganz offiziell, ohne einschränkungen.

„Wie gesagt, Shinji macht daraus ein kleines Staatsgeheimnis, doch er beginnt gleichzeitig die Captain-Ausbildung und wo Captain Hikari plant, ihn einzusetzen, weiß niemand.“ Eagle nickte. „Es ist bestimmt vermerkt, denn ohne Einsatz gibt es auch keine Captain-Ausbildung!“, sagte er. Saber nickte wissentlich, doch er konnte Eagle jetzt doch nicht erzählen, dass er Shinji nur zur Aufklärung zum First Lieutenant ernannt und somit vereidigt hatte. „Sir, es hat alles seine Richtigkeit“, stellte Saber freundlich klar und Charles lachte darauf etwas: „Schließlich befindet sich auch Ihre Unterschrift auf dieser Urkunde!“, sagte Eagle, und nun musste auch der Schotte lachen.

„Ich muss Ihnen auch etwas mitteilen” kam es jetzt von Charles und Saber hob seine Augenbrauen: “Es gibt Gerüchte, und die gegenwärtige Situation entkräftet diese nicht, eher ist das Gegenteil der Fall!“ Saber richtete sich etwas auf: „Von was für Gerüchten sprechen Sie?“, wollte er es nun genau wissen: „Ist Ihnen aufgefallen, dass seit der Vereidigung kein altes Stabsmitglied mehr zu Rate gezogen wurde?“ fragte Charles, doch Saber sah Eagle nur fragend an: „Nun, das ist keine Verpflichtung, es ist eher ein Ehrenamt des vorherigen Stabes“, erklärte er. Der Franzose nickte dem jungen Schotten bestätigend zu: „Ja, natürlich, nur was vielen bitter aufstößt, ist, dass König Jarred eher in die Belange seitens des Oberkommandos eingeweiht wird als der aktuelle Stab!“ Saber hob erstaunt seine Augenbrauen, denn das konnte er nicht bestätigen: „Worauf laufen diese Gerüchte hinaus?“, fragte er erstmal. Charles atmete ein: „Nun, es wird vermutet, dass König Jarred Captain Hikari für seine Zwecke benutzt. Denn als herauskam, dass Hikari in keinem Krankenhaus behandelt wird, sondern bei Jarred in seiner Residenz, streuten sich diese Gerüchte.“ Saber nickte: „Ich verstehe.“ Charles stand auf: „Tun Sie das, Richard?“, wollte er wissen: „Ich denke schon, Jedoch als vollwertiges militärisches Bündnis Mitglied des Neuen Grenzland ist König Jarred dazu sogar berechtigt, vorausgesetzt, Captain Hikari willigt ein. Es geht vor allem um die Sicherheit des Captains“, erklärte Saber.

Charles nickte: “Ja, das ist uns bewusst! Und auch meine Ansicht über die Dinge. Die Fragen sind, man weiß nicht einmal, wie und womit der Leibarzt von König Jarred den First-Grad behandelt, das müsste öffentlich sein, aber es gibt keine aktuellen ärztlichen Berichte! Und gestern ging es ihm gut und heute wieder angeblich so schlecht, dass er für mehrere Tage ausfällt?” Saber sah den ehemaligen Commander an: “Also das es ihm schlecht geht, davon war keine rede gewesen” erwiderte der Schotte und er dachte kurz etwas nach: “Also meinen die Gerüchte, dass König Jarred und Captain Hikari vorhaben, die Vorherrschaft im Grenzland zu übernehmen?” Charles schüttelte mit seinem Kopf: “Das weiß ich nicht, es sind immer nur Fetzen, die mir zu Ohren kommen, die einen meinen Militärdiktatur, andere sagen, es soll eine Art monarchisches Grenzland aufgebaut werden.” teilte Charles mit.

„Hm …“, kam es daraufhin nachdenklich von Saber. Er selbst gab solchen Gerüchten keinen Raum und versuchte, derartige Dinge von sich fernzuhalten, um weiterhin objektiv zu bleiben. So fragte er: „Halten Sie es für bedenklich, Major Eagle?“ Charles drehte sich wieder dem Schotten zu: „Noch nicht, aber sollten es mehr werden, ja!“ Saber stand nun ebenfalls auf und betrachtete den Mentor seines Vertrauens vor sich: „Der alte Militärstab ist vor wenigen Tagen in Yuma eingetroffen. Sie wollten Captain Hikari Genesungswünsche überbringen, doch seitens König Jarred wurden sie abgewiesen. Sie haben nun einen Antrag auf Untersuchung der medizinischen und administrativen Maßnahmen von Captain Hikari eingereicht.” Sabers Augen wurden immer größer und hörte Eagle weiter zu: „Sie werden also in absehbarer Zeit sich mit ihnen und dem aktuellen Stab treffen wollen. Das ist es, was ich Ihnen mitteilen darf, Richard.“ Saber sah sich um, was sind das jetzt wieder für Informationen? Das konnte doch alles nicht wahr sein: „Ich habe keine Informationen darüber erhalten, dass der alte Stab in Yuma eingetroffen ist. Ich hätte sie natürlich empfangen, ebenso Captain Lorenz und Colonel Rosso!“ Charles nickte: „Davon bin ich überzeugt.” sagte er und drehte sich zum Fenster und blickte über Yuma City: “Fragen Sie König Jarred, wenn Sie ihn das nächste Mal treffen,  oder Captain Hikari, sollte er dazu in der Lage sein. Ich kann jedoch keinen Hehl daraus machen. Sollte es so sein, wäre Captain Hikari auch bei König Jarred nicht mehr sicher!“ Saber verstand die Sorgen des Mentors: „Ja, Sir“, kam es jedoch auch vom Schotten etwas stiller: „Halten Sie ihre Augen und Ohren offen, Richard, egal ob Gerücht oder nicht, Ihre Sicherheit geht vor!“ sprach er ernst, als er sich wieder zu Saber umdrehte. Saber nickte: „Natürlich, Sir!“ sagte er und die beiden verabschiedeten sich voneinander.

Charles blieb noch einen Moment stehen und blickte auf die geschlossene Tür, durch die der Schotte soeben verschwunden war. Dann wandte er sich langsam wieder dem Fenster zu, legte die Hände auf den Rücken und ließ den Blick über die Stadt und die fernen, silbern schimmernden Gipfel schweifen.

Absatz #3

Doctor Morel und Captain Hikari hatten sich ins Wohnzimmer zurückgezogen. Draußen zog ein Gewitter auf, und es wurde zunehmend ungemütlich. Gebäck, Tee und Kaffee wurden serviert, schließlich war es Zeit für den Nachmittagstee und Shinjiro nahm seine Tasse mit dem schwarzen, flüssigen Gold. Doctor Morel saß wieder auf seinem Stammplatz im Wohnzimmer des ersten Stocks, denn von dort aus hatte er alles im Blick.

Shinjiros Notebook war längst mit den Installationen fertig, und er begann, sein Backup zu laden, um dort weiterzumachen, wo er aufgehört hatte: „Ich weiß, Sie machen viel mit sich selbst aus, Mr. Hikari“ begann Morel und nahm einen Schluck von seinem Tee: Shinjiro sah auf, am liebsten hätte er mit seinen Augen gerollt. Wohl fühlte er sich gerade nicht, denn am liebsten wollte er sich zurückziehen, am besten nach Hause, zu Hitomi und seinem Sohn. Doch die Villa hier glich einem Hochsicherheitsgefängnis, nur etwas hübscher und annehmlicher. Er fühlte sich eingesperrt – was er auch war –, und das drückte langsam auf sein Gemüt. Dennoch antwortete er Morel: „Ich hatte 16 Jahre lang keine andere Wahl!“ Der Doctor nickte nachdenklich und betrachtete ein dunkler Schokolade überzogenes Petit Four.

„Erzählen Sie mir von Ihrer frühesten Kindheitserinnerung“, wollte Dr. Morel nun wissen. Shinjiro stellte seine Tasse ab und sah zum Doktor, der also gleich hier und jetzt beginnen wollte. Seufzend ergab er sich der Situation, schließlich hatte er zugestimmt und der Tag war eh gelaufen und er dachte eine Moment nach und schüttelte mit seinem Kopf: „Selbst da weiß ich nicht, ob sie wahr ist oder nicht.“ Dr. Morel nickte leicht er verstand: „Das ist nichts Ungewöhnliches, Mr. Hikari“, sagte er ruhig: „Gerade bei sehr frühen Erinnerungen und besonders bei traumatischen Erfahrungen, ist unser Gedächtnis kein exaktes Archiv.“ begann er und nahm einen kleinen Schluck Tee, bevor er weiter sprach: „Unser Gehirn schützt uns, indem es Lücken füllt, verändert Details oder vermischt Erlebtes mit Gefühlen, die wir damals hatten. Man nennt das manchmal False Memories (falsche Erinnerungen), aber das bedeutet nicht, dass sie bedeutungslos oder komplett falsch sind. Es sind Erinnerungsstücke, die wir als erträglich empfinden.“ erklärte er und der Blick von Morel wurde etwas weicher: „Denn selbst wenn die Ereignisse nicht genau so stattgefunden haben, wie Sie sie erinnern, spiegeln sie dennoch etwas sehr Echtes wider: Ihre Gefühle, Ihre Wahrnehmung, Ihre Beziehung zu dem Menschen an dem sie sich erinnern.“ und er lehnte sich leicht in seinen Stuhl zurück: „Mit anderen Worten: Es geht darum, was diese Erinnerung für Sie bedeutet.“

 “Wie geht es ihnen im Allgemeinen, wenn sie an ihre Kindheit denken?” Shinjiro atmete tief ein: “Sie war lange kein Thema, in den letzten Jahren, erst hier… wurde sie plötzlich Thema…” sagte er. “Wann genau?” hakte Morel genauer nach: „So etwa eine Woche nach meiner Rückkehr“, antwortete Shinjiro und senkte seinen Blick und nahm seine Tasse: „Doch selbst das fühlt sich unwirklich an, so als würde sie nicht zu mir gehören … “ und er stoppte… Morel sah von seinem kleinen Küchlein auf. Shinjiro presste seine Lippen aufeinander und schaute sich die kleinen, süßen und vor allem kalorienreichen Kunstwerke an, doch er schloss kurz seine Augen: “Was kam nach dem Aber?” holte ihn Morel wieder zurück. Shinjiro atmete hörbar auf und musste fast grinsen: “Nichts!” 

Doctor Morel entging diese Reaktion nicht, und er schloss sich dem leichten Grinsen an. „Sie finden es lächerlich, oder?“, fragte er direkt. Shinjiro nickte nur und lehnte sich zurück, er verspürte den drang sich zu strecken, doch entschied sich dazu tief und fest einzuatmen: „Wissen Sie, so verrückt ist das gar nicht. Als Kind haben Sie jede Aussage und Handlung Ihres Vaters, die im Widerspruch zu seinem Verhalten stand, aufgenommen und sich damit selbst geschützt”, erklärte er ruhig und sprach dann direkt weiter: „Und jetzt erzählen Sie mir etwas Schönes über Ihren Vater.“ forderte Morel unvorbereitet und griff nach einem kleinen Schokoladen-Petit-Four und entschied sich, sich diese kleine Süßigkeit heute zu gönnen.

Shinjiro blickte zu Morel, der eine ganz einfache Frage gestellt hatte und doch fühlte sie sich alles andere als einfach an. Sein Blick blieb einen kurzen Moment auf dem Doctor liegen, der sich sein Petit Four schmecken ließ. Dann glitt sein Blick zur Seite, hinüber zur Terrassentür, wo der Regen gegen die Fenster peitschte. Ein fernes Beben war zu spüren, gefolgt von einem grellen Blitz, der den Raum für einen kurzen Moment erhellte. Über Yuma-City ergoss sich an diesem Nachmittag ein schweres Gewitter, als würde sich der Himmel selbst entladen. “Er war meinem Sohn, ein Vater“, war seine Antwort, Morel nickte, kaute noch kurz und stellte dann den Teller zur Seite: „Und dafür sind Sie ihm dankbar.“: “Und dafür sind sie ihm dankbar!” Shinjiro nickte verhalten und Morel ließ es erst einmal so stehen und Shinjiro nahm sich einen Schluck seines bereits lauwarmen Kaffee: „Worum geht es in Ihren Flashbacks?“, fragte Morel und lehnte sich erwartend zurück. Shinjiro tat es dem Doktor gleich und überschlug seine Beine: „Mein dreizehntes Lebensjahr läuft wie eine Serie vor mir ab“, erzählte er, denn es war tatsächlich etwas, das ihm seltsam vorkam.

Dr. Morel schmunzelte leicht und nickte: „Dreizehn, ein schönes Alter, alles verändert sich rasant, es ist für die meisten ist das eine prägende Zeit. Gibt es eine Art Filter?“ hakte er genauer nach: „Es ist, als würde ich daneben stehen, aber ich kann nicht eingreifen. Fast wie ein Film, den man sich ansieht. Der Unterschied ist nur: Ich rieche, schmecke und fühle alles.“ Dr. Morel nickte verstehend und hörte gespannt zu. Shinjiro grinste und sagte: “Mit 13 habe ich meine Frau kennengelernt!” beantwortete er die Frage und Morel musste auch lächeln.


Team Ramrod saß im Teammeeting, davor hatte Saber ein Gespräch mit dem Captain Anwärter Bastiaan de Vries geführt, einem 24-jährigen, rotblonden Niederländer, der in zwei Monaten zum Captain befördert werden würde. Zurzeit diente er noch auf dem Peacekeeper als Mitläufer des ersten Offiziers, um Praxiserfahrung zu sammeln. Erwartende Stille herrschte auf Ramrod, April, Colt und Alex blickten auf das Schreiben: „Na, was meint ihr? Würde doch passen“, sagte Saber. Alex lehnte sich entspannt zurück: „Ja, ich kenne ihn.“ Colt sah zu Alex und danach zu Saber und verzog sein Gesicht, „Hm …“, mehr kam nicht über seine Lippen und er verschränkte seine Arme vor der Brust. April überflog die Unterlagen: „Also wäre er der erste Mann an Bord, wenn du nicht da bist?“ Saber nickte. „Ja, und gleichzeitig deckt er die Zweitbesetzung für die anderen drei ab, darum geht es mir hauptsächlich, somit wären wir wieder doppelt besetzt.“

Absatz #4

Zwei Tage später.

Es war kurz vor sechs Uhr morgens. Shinjiro lief die Treppe der Herren-Villa hinunter und steckte sich seine Air-Pods in die Ohren, dabei stellte er seine Uhr für seine morgendliche Runde ein. Als sich die schwere Eingangstür öffnete, trat er hinaus, der sanfte Morgen lag über Yuma-City, der Himmel färbte sich in warmen Gold- und Rosétönen, während die Sonne langsam über den Horizont stieg, wo die Hitze des Tages schon bereits spürbar war, doch noch lag eine angenehme Kühle in der Luft. Tief atmete er ein, doch er hielt inne, bevor er die Luft in seinen Lungen wieder ausströmen ließ. Langsam ging er zwei Schritte vor und nahm seine Frau, die wie er bereit für das Lauftraining war, fast erleichtert in seine Arme. Er schloss die Augen, und beide standen eine ganze Weile schweigend so da und genossen die Nähe des Anderen.

Ihr Training, das sie so lange nicht mehr miteinander gehabt hatten, führte sie durch den Olivenhain, des Anwesens dessen Blätter die bereits wärmenden Sonnenstrahlen weich filterten.


Saber stand  frisch geduscht in seiner noch abgedunkelten Küche und stellte seine Tasse unter seine Kaffeemaschine, die zischend und dampfend ihren Dienst begann. Richtig Frühstücken würde er im Oberkommando, das Haus war ihm einfach zu groß und zu leer ohne Sincia und dort konnte er sich wenigstens unterhalten. Er vermisste sie, nein, es war kein vermissen mehr, sondern schon schmerzhafte Sehnsucht.

Die Jalousien fuhren ein Stück automatisch nach oben, und die ersten Sonnenstrahlen erhellten das Haus. Dieses sanfte Geräusch riss ihn etwas aus seinen trüben Gedanken und nahm die Tasse aus der Ausgabe und lehnte sich gegen die Anrichte.

Er hatte sich viele Gedanken über das Gespräch mit Eagle gemacht und gestern König Jarred über die Gerüchte informiert, vor allem auch darüber, dass der alte Militärstab auf Yuma eingetroffen war. Doch all das hatte den König nicht sonderlich beeindruckt. Schließlich hatte noch keiner dieser Generäle persönlich Kontakt zu ihm aufgenommen und erst dann würde er sie überhaupt empfangen. Puh, dachte sich Saber, da war tatsächlich noch viel Groll, aber verdenken konnte er es dem König nicht, schließlich wollte genau dieser Stab das Königreich zu einer Kolonie im Neuen Grenzland machen. Leider fehlte die Aufarbeitung seitens des Ausschusses dazu noch komplett. Es war also diplomatisch immer noch ein Drahtseilakt.

Der Schotte empfand die Situation zunehmend als unklar. Captain Hikari hatte er bereits seit zwei Tagen nicht mehr gesehen. Irgendetwas lief hier gerade gewaltig schief. Und den Gerüchten, die im Umlauf waren, wollte er zwar noch keinen Raum geben, doch dass sie ihn nicht beschäftigten, konnte er nicht leugnen. War es das, wovon Lorenz und die anderen gesprochen hatten? Dass man am Ende niemandem mehr vertrauen konnte? „Behalten Sie einen kühlen Kopf“, erinnerte er sich, und musste kurz etwas stumm auflachen, ja, aber wie? und er nahm einen Schluck vom heißen Kaffee. Er würde sich weiterhin an seinen Kodex als Stabsmitglied und an die Loyalität gegenüber dem First Grad und dem Neuen Grenzland halten, eine Haltung, wie sie auch General Whitehawk an den Tag legte, vor allem um Gerade zu bleiben.  Fakt war: Er hatte zu wenig Informationen. Doch die würde er sich noch beschaffen und er würde heute noch einmal mit König Jarred sprechen, beschloss er, stellte seine leere Tasse ab und ging in den ersten Stock, um sich für den Tag fertig zu machen.


Fireball saß seit den frühen Morgenstunden an seinem Schreibtisch, inzwischen war es bereits Mittag und er kämpfte sich durch die letzten Korrekturen seiner Abschlussarbeit, fest entschlossen, sie heute endlich loszuwerden. Als es so weit war, hielt er einen Moment inne, erhob seine Hand beinahe feierlich … und drückte demonstrativ auf „Enter“.

Für einen kurzen Augenblick passierte nichts, dann verschwand die Datei. „…Und tschüß, weg bist du“, murmelte er trocken und ließ sich erleichtert in seinen Stuhl zurückfallen und fuhr sich durch die Haare, nun war sie weg, dieser Klotz am Bein. Schließlich war er seit knapp drei Tagen im Dienst und sein Vater hatte ja gemeint: Ist die Arbeit weg … tadaaa und nun war sie es. Er griff nach der angefangenen Wasserflasche auf seinem Schreibtisch, leerte sie in einem Zug und stand dann auf, um sich umzuziehen. Kurz darauf machte er sich auf den Weg zur Herren-Villa.


Colt und Alex saßen im Offizierskasino, um einen Kaffee zu trinken. „Was geht da eigentlich zwischen den beiden?“, fragte Alex den Cowboy neben sich an der Kaffeebar und deutete mit einem Nicken in Richtung April und Bastiaan, die sich auffallend gut verstanden. Colt grinste, die Stimmung war ausgelassen, und der Kaffee war heute auch gut, doch vor allem war der Feierabend in greifbarer nähe, den würde er mit Robin am Hypercom verbringen. 

Da betraten mehrere Militärpolizisten das Offizierskasino, ein Anblick, der sonst nicht zum Alltag im Oberkommando gehörte. Ihre Präsenz ließ die Gespräche abrupt verstummen. Mit festen Schritten positionierten sie sich um einen Tisch am Rande des Raumes: „Lieutenant Delweg, Sie sind vorläufig festgenommen!“, erklang die ernste und sehr feste Stimme des Schotten. Colt stand auf und noch bevor das letzte Wort verklungen war, eilte er zusammen mit Alex, April und auch Bastiaan zum Ort des Geschehens. Alle Blicke im Offizierskasino richteten waren neugierig auf die Szene gerichtet, man hätte eine Stecknadel fallen hören, so still war es für einen Bruchteil einer Sekunde gewesen. April riss ihre Augen aus, was war hier los? fragte sie sich, doch Colt spürte sofort, was hier geschah, war kein Zufall, sondern ein Exempel und er roch gewaltigen Ärger.

Absatz #5

König Jarred erhob sich von seinem Platz im Büro: „Ja, Richard, bedenken Sie: Dahinter stehen erfahrene Kommandanten und abgesetzte Generäle, die auch Strategien und Pläne kennen, um den Feind weichzukochen. Wichtig ist es, einen kühlen Kopf zu bewahren und vorbereitet zu sein.“ Saber atmete hörbar aus, ein Hauch von Frustration lag darin, während auch er aufstand: „Natürlich, Eure Hoheit.“ Jarred nickte dem jungen Major zu: „Sie leisten gute Arbeit.“ – „Danke, Eure Hoheit.“ und beide gingen Richtung Bürotür: „Und sollte etwas sein, erreichen Sie mich über TSID.“ verabschiedeten sie sich knapp.

Etwas überfahren und zunehmend frustriert verließ er die Villa. Hatte ihn der König gerade tatsächlich abgewimmelt? Er sah sich um, doch weit und breit war niemand im Haus zu sehen, langsam ging er die Treppe hinunter. Nach der Verhaftung war er sofort hierher gekommen, entschlossen, den König noch einmal über das aufziehende Unheil zu informieren. Doch am Ende hatten sie über Truppenverteilungen gesprochen. Es war wichtig, ja entscheidend sogar, um das KOK weiter zu entlasten und aus allen Richtungen einsatzbereit zu sein. Und dennoch blieb das Gefühl, nichts wirklich erreicht zu haben.

Saber trat hinaus auf den Parkplatz, die heiße Juni-Sonne brannte, auf ihn, in der Villa war es angenehm kühl gewesen und der Schotte setzte sich seine Sonnenbrille auf. In einer Stunde stand noch ein Übungsflug mit seinem Team und dem Captain-Anwärter Bastiaan von dem Peacekeeper an. Darauf freute er sich, vielleicht würde ihm das helfen, den Kopf freizubekommen. Und er musste unwillkürlich schmunzeln. Damals hatte er geglaubt, das Einzelkommando auf dem Friedenswächter sei schon stressig gewesen… Wie naiv das gewesen war.

Auf dem weißen Kieselweg hörte Saber weitere Schritte hinter sich und drehte sich um und ein erfreutes lächeln zeichnete sich auf seinem Gesicht Es war Fireball, der ihm schon mit einem Grinsen folgte. Der Schotte blieb stehen und die beiden begrüßten sich. Fast eine Woche hatten sie sich weder gesehen noch gesprochen: „Na, First Lieutenant Hikari, wie läuft’s mit der Abschlussarbeit?“ erlaubte sich der Schotte einen kleinen Seitenhieb. Fireball rollte mit seinen Augen: „Boah, jetzt fängst du auch noch damit an!“ stöhnte und hob abwehrend seine Hände: „Aber um deine Frage zu beantworten… heute Morgen offiziell abgeschickt.“ Saber musste grinsen. Zu gut erinnerte er sich an den Prüfungsstress: „Und was sind jetzt deine Pläne?“ Fireballs Grinsen wurde noch breiter: „Mir die Wartezeit mit Party und Strand verkürzen…“ Saber zog seine Augenbrauen nach oben: „Also das muss ich erst prüfen und genehmigen. Sie haben schließlich erst nach drei Monaten Urlaubsanspruch.“ Fireball blieb abrupt stehen und fuhr zu ihm herum: „Hör auf damit!“ Saber lachte herzhaft: „Keine Sorge, ich wollte damit nur sagen, dass Colt und ich einfach mit zum Strand kommen.“ Jetzt musste auch Fireball lachen. Saber nickte und wischte sich über die Stirn: „Ich schwitze schon, obwohl ich gerade mal zehn Meter gelaufen bin.“ beschwerte sich der Schotte über das heiße Wetter, das einem Schotten nicht würdig war. „Willkommen im Sommer“, murmelte Fireball trocken. Aber die Hitze lag wirklich schwer in der Luft. Selbst nachts brachte sie kaum Erleichterung. Und wenn Saber nicht aufpasste, würden Sincias Blumen, die gerade in voller Blüte standen, schlicht verdorren.

Die beiden gingen zu ihren Autos: “Du fährst allein?” fragte Saber erstaunt, Fireball schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, ich hole nur meine Tennissachen.” erklärte der Japaner und der Kofferraum öffnete sich und er nahm seine Tasche heraus. Saber verabschiedete sich und wünschte ihm beim Tennis viel Erfolg! 


Captain Lorenz und Saber waren auf dem Weg ins Büro des First Grad. Als sie aus dem Fahrstuhl stiegen, kam ihnen Mrs. Ellnys ganz aufgeregt entgegen: „Schnell! Sie werden bereits erwartet!“ sprach sie eilig und stöckelte in schnellen, kleinen Schritten vor ihnen her und öffnete die Bürotür.

Saber und Lorenz sahen sich an und betraten das Büro, in dem bereits General Whitehawk, den sie ablösen wollten, zusammen mit Major Eagle und General Sole vom alten Stab warteten. Die drei Herren waren gerade in einer Diskussion vertieft und verstummten, als sie sich zu den beiden Neuankömmlingen umdrehten.

Saber hielt einen Moment inne: „Was hatte das zu bedeuten?“, fragte er sich und begrüßte General Whitehawk und die anderen erst einmal formell. Commander Sole, ein etwas untersetzter Mann mit Schnauzbart, nickte dem Schotten und Lorenz zu und fing auch gleich an zu sprechen: „Warum ist niemand vom Stab des First Grad im Oberkommando anzutreffen? Warum muss ein älteres, sehr geehrtes ehemaliges Stabsmitglied hier Stellung halten?“ Sabers Blick glitt zu General Whitehawk, der ruhig und ausdruckslos das Geschehen beobachtete, während Commander Sole fordernd weiter sprach.

„Das ist fahrlässig, und das bedarf einer Anhörung, welche ich persönlich in Auftrag geben werde, im Eilverfahren natürlich. Und Sie, Major Lancelot“, und er zeigte streng auf den jungen Schotten, „haben hier die Stellung zu halten und Ihren Platz nicht zu verlassen!“, mahnte er. Saber atmete tief ein und trat entschlossen an den Commander heran: „Commander Sole, bei allem Respekt, aber General Whitehawk hat uns freundlicherweise seine Unterstützung für die Zeit, in der der First Grad ausfällt, angeboten. Dank seiner Erfahrung, die wir alle sehr schätzen, ist es eine große Bereicherung für uns alle. Unsere erste Priorität ist es, das Kavallerie Oberkommando ohne Einschränkungen weiterlaufen zu lassen!“ und blickte dem Commander fest in die Augen. Sole konnte es kaum fassen, was nahm sich der junge Major da vor ihm gerade heraus und all seine Argumente einfach so zu übergehen? „Sie sind noch sehr jung, Major Lancelot, aber besinnen Sie sich auf Ihren Rang im Stab!“, wies er den Schotten streng zurecht. Saber nickte: „Das tue ich, Sir. Und als vereidigtes und somit vollwertiges Stabsmitglied des Kavallerie-Oberkommandos ist es meine Pflicht, Sie darauf hinzuweisen.“

General Whitehawk wollte gerade einschreiten, hielt aber inne, als Captain Lorenz an Sabers Seite trat: „Sir, so wie es Major Lancelot ausgeführt hat, haben wir es auch alle gemeinsam mit Colonel Rosso beschlossen, und es ist zudem alles behelfsmäßig vorab von Captain Hikari schriftlich festgehalten worden!“, sagte Lorenz ernst und sah den Commander an. Sole wandte sich nach einigen Augenblicken ab und brachte etwas Abstand zwischen sich und Lorenz: „Der Stab auf Alamo hat sich nach Bekanntwerden des Anschlags auf den First Grade zusammengesetzt und entschieden, dass in der Zeit, bis es dem First Grade wieder besser geht, die Führung des Oberkommandos auf Yuma übernommen wird“, erklärte er und reichte Saber die Entscheidung des ehemaligen Stabes von Alamo.

Saber las sich das Schreiben genau durch und atmete einmal tief durch, bevor er von dem Schreiben auf sah: „Sir, dem kann ich nicht zustimmen!“, sagte er fest Captain Lorenz sah zu den anderen im Büro.

„Sie wagen es!“, wurde der Commander lauter und fixierte den blonden Schotten vor sich: „Sie überschreiten damit nicht nur Ihre Kompetenzen, sondern übergehen auch fünf über Ihnen stehende Militärangehörige, welche mehrheitlich abgestimmt haben!“ Saber streckte sich durch: „Nein, Sir, mit Verlaub, aber Sie überschreiten gerade einige Instanzen!“, wies der junge Schotte den Älteren zurecht: „Also …“, begann Sole und sah sich um. Doch Lorenz ergriff das Wort: „Commander Sole, Ihr Stab ist in den letzten Wochen nicht mit uns in Kontakt getreten und somit konnten wir die Vorgänge auf Alamo nicht berücksichtigen. Bedenken Sie, dass der Stab des First Grad in diesem Fall die erste Priorität hat!“

Sole nahm den Schotten das Schreiben an und zeigte sich unbeeindruckt von dem Gesagten: “Ab sofortiger Wirkung übernehme ich das Kommando, bis der First Grad … ” sagte er mit gehobener fester Stimme und Mentor Eagle salutierte Sole entgegen. Sabers Augenbrauen zogen sich zusammen, “Was?” schoss es ihm durch seinen Kopf, General Whitehawk trat einen Schritt nach vorn … 

„Dem kann und werde ich nicht zustimmen!“, schnitt eine Stimme scharf vom Eingang her durch den Raum. Alle fuhren herum und richteten ihren Blick auf Captain Hikari, der mit zwei Militärpolizisten am Eingang des Büros stand und offenbar schon seit einiger Zeit stiller Zeuge des Geschehens gewesen war.

Hikari trug seine First-Grad-Uniform. Saber und Captain Lorenz salutierten und begrüßten den Captain; dabei atmete Lorenz kaum hörbar erleichtert aus, doch Saber vernahm es, ihm ging es gerade nicht anders.

Captain Hikari ging langsam in sein Büro und nahm das Schreiben von Saber entgegen und ging damit an Commander Sole ungeachtet vorbei und blickte zu General Whitehawk, der ihm zunickte. Danach hielt er vor Major Eagle inne und beide sahen sich einen Moment lang an, dann trat Charles einen Schritt zur Seite und gab den Weg zum Schreibtisch frei. 

Sole salutierte nun ebenfalls und beobachtete Hikari, der sich hinter seinen Schreibtisch stellte und sich die Abstimmung in aller Ruhe durchlas. Die Spannung im Raum war für alle greifbar und mit jeder weiteren stummen Sekunde wurde diese Stille immer lauter. Captain Hikari sah schließlich auf, legte das Blatt unbeeindruckt beiseite und gab ein knappes Zeichen Richtung der beiden Militärpolizisten. Diese traten geschlossen näher an die Gruppe heran, ihre Stiefel hallten über den glänzenden glatten Boden.

„Sie sind festgenommen, Commander Sole, wegen des Versuchs der Aushebelung eines bestehenden, gewählten und vereidigten Militärstabs, welchem Sie im Übrigen selbst zugestimmt hatten!“ sprach Hikari ruhig. Soles Gesicht verhärtete sich, doch er rührte sich nicht: „Das ist ein schwerer Vorwurf, Captain“, entgegnete er kühl, während sein Blick zwischen Hikari und den Militärpolizisten neben sich wanderte: „Und ein notwendiger“, erwiderte Hikari ohne jede Regung in seiner Stimme.

Die Militärpolizisten positionierten sich links und rechts von Sole. Einer von ihnen griff bereits nach den Sicherungsfesseln. Lorenz hielt unwillkürlich seinen Atem an, während Sabers Blick fest auf dem Commander ruhte. Sole ließ den Blick noch einmal durch den Raum schweifen, über Whitehawk, über Eagle, und vor allem über den jungen schottischen Mentor und dann zu Hikari: “Ich werde dagegen Beschwerde einlegen!” ließ sich dann aber ohne Widerstand zu leisten festnehmen.

Captain Hikari nickte: „Ihr Protest wird vermerkt“, versicherte er und mit einem leisen Klicken schlossen sich die Fesseln um Soles Handgelenke. Captain Lorenz und Saber sahen sich an und traten beiseite, damit die Militärpolizisten ihre Arbeit machen konnten: „Das, Hikari, ist Ermächtigung!“, rief der Commander nun doch lauter. Hikari sah Sole ernst an: „Es heißt First Grad Hikari und hören Sie auf, in meinem Büro herum zu brüllen!“, stellte er unmissverständlich klar.

Sole wurde abgeführt, die Tür schloss sich mit einem dumpfen Geräusch, und einen Moment lang herrschte abselute Stille. Alle Anwesenden richteten ihren Blick auf Captain Hikari, dieser sah ruhig zu seinem Stab und nahm dann hinter seinem Schreibtisch Platz. „Willkommen zurück“, sagte Lorenz schließlich, um die Stille zu durchbrechen und trat zusammen mit dem Schotten näher an den Schreibtisch heran. General Whitehawk setzte sich in einen der Sessel vor dem Schreibtisch. „Ein schlechter Schachzug“, bemerkte Eagle, der an neben Whitehawk herantrat. Captain Hikari atmete aus und nickte leicht: „Besser ein schlechter als keiner.“ Whitehawk nickte darauf zustimmend: „Woher wussten Sie das?“, wollte Lorenz jetzt wissen. Hikari deutete Richtung Tür: „Von Mrs. Ellnys, ihr kam es merkwürdig vor, dass ein ehemaliges Stabsmitglied aus Alamo ohne Anmeldung hier aufgetaucht ist und sie nahm Kontakt mit König Jarred auf.“ Darauf ließ sich Lorenz in den Sessel neben General Whitehawk fallen. „Wow.“

Saber nickte anerkennend, jetzt lehnte sich Captain Hikari in seinem Stuhl zurück und sein Blick wurde wieder ernster.

Absatz #6

Am Abend fegte ein monsunartiges Gewitter über Yuma hinweg, das jedoch leider keine Abkühlung brachte. Dennoch lag in den abendlichen Schauern auch etwas Beruhigendes.

Saber telefonierte mit seinem Vater und berichtete ihm vom Ernst der Lage. Edward hörte aufmerksam zu, bevor er nickte: „Auch auf der Erde wird bereits versucht, die Stimmung im Grenzland zu kippen. Aber bislang lässt sich keiner der Oberbefehlshaber davon beeindrucken.“ Saber lehnte sich leicht zurück: “Das ist beruhigend!” sagte er: „Die Gerichtsbarkeit über die festgenommenen Verräter soll vollständig im Neuen Grenzland liegen. In den nächsten Tagen soll das gemeinsam mit den Regierungen der Planeten und König Jarred auf Alamo unterzeichnet werden.“ Saber hob seine Augenbrauen: „Das heißt… Wenn König Jarred unterschreibt, gibt es wirtschaftlich und gesetzlich keine Trennung mehr im Neuen Grenzland“, erklärte Saber. Edward nickte seinem Sohn langsam entgegen: “Somit wäre das Neuer Grenzland vollständig autonom und nicht mehr von der Erde abhängig.“ sagte Edward und ein leichtes Grinsen huschte über sein Gesicht: „Frei nach dem Motto: Löst eure Probleme selbst.“ scherzte er mit seinem typischen schottischen Humor. Saber musste schmunzeln: „Also genau so, wie es vor fast siebzehn Jahren schon geplant war.“ Edward verschränkte seine Arme: „Ich habe mir die alten Berichte angesehen. Die Differenzen bei den Truppenverteilungen haben schon lange vor dem ersten Outrider-Angriff für Spannungen gesorgt.“ kam es von seinem Edward, Saber nickte bestätigend: „Und als die Bedrohung dann wirklich kam, konnte man sich nicht einigen“, ergänzte Saber ruhig: „Naja und den Rest kennen wir.“ Edward nickte ernst: „Ja, und das Ergebnis hat uns alle eingeholt.“ Saber schüttelte leicht mit seinem Kopf: „Also ging es damals wie heute wieder nur um Macht und nicht um Sicherheit.“ edward lehnte sich zurück: „Wie so oft in der Geschichte, mein Sohn“ Saber rollte innerlich mit seinen Augen. Also doch wieder dasselbe Spiel und er fügte nachdenklich hinzu: „Und ausgerechnet der Mann, der damals für eine gemeinsame Verteidigungsstrategie des Neuen Grenzland stand, ist heute der First-Grad…“ und ließ den Gedanken kurz auf sich wirken und kein kleines Grinsen huschte über sein Gesicht: „Das muss sich für die Unterwanderer wie ein Schlag ins Gesicht anfühlen.“ So langsam begann Saber, das ganze Ausmaß zu begreifen. “Also ging es damals nicht in erster Linie darum, die Bedrohung von außen zu bekämpfen, sondern, wer die Vormachtstellung im neuen Grenzland hat?” 

Saber hätte sich am liebsten bei dieser Erkenntnis gegen seine Stirn geschlagen. “Deswegen ist es wichtig Jarr mit im Boot zu haben, damit genau das nicht passiert und Captain Hikari ist Pro Jarr, das wissen alle, das ist auch ein Grund, warum er mehrheitlich auch von den Generälen der Erde zum First-Grad gewählt wurde!” sagte Edward. “Und was ist der zweite Grund?” wollte Saber jetzt wissen! Edward nickte und fuhr weiter fort: “Der zweite Grund ist, es gibt nichts, womit man Captain Hikari dazu bringen kann, abzudanken oder sich gar einen Menschen zu unterwerfen, er ist absolut autonom und unbestechlich, genau das ist der eigentliche Grund, neben seinen Fähigkeiten, ein guter Stratege zu sein, dass er da sitzt, wo er sitzt!” Saber sah seinen Vater an, genau das hatte ihm König Jarred letztens auch erzählt. “Diese Familie steht unter niemanden!” kam es gedanklich laut von Saber, Edward nickte: “So auch wir, Richard, halte dir das vor Augen, dann wirst du immer die richtige Seite erkennen!” Saber nickte: “Ja, Vater!” Edward sah seinen Sohn stolz an, er wusste, dass sein Sohn sich niemals für sowas wie Geld oder Macht Versprechen hergeben würde! “Du bist ein Edelmann, mein Sohn!” sprach Edward aus, was er erst denken wollte, sein Sohn sollte es jedoch hören! “Ja!” kam es ernst von Saber. “Welche Vorkehrungen hast du getroffen, um Sincia, Robin und Joshua in Sicherheit zu wiegen?” fragte er seinen Vater. Edward schmunzelte: “Ich werde alles tun, schließlich geht es hier auch um meine zukünftige Schwiegertochter und vor allem um mein Enkelkind, ein Erbe der Lancelots!” betonte der ältere Schotte! Allein das genügte Saber, um Sincia und die anderen in Sicherheit zu wissen. 


Colt kam zu Hause an, während draußen ein monsunartiger Sturm über die Stadt hinweg fegte. Die Straßen standen beinahe unter Wasser und wie er im Radio gehört hatte, war sogar der Flugverkehr kurzzeitig eingestellt worden. Doch all das nahm er kaum noch wahr. Er betrat seine leere Wohnung und die Stille darin traf ihn härter als jedes Donnergrollen. Wortlos zog er sich seine Stiefel aus und schleuderte sie dabei in eine Ecke. Noch im Flur begann er, die Post durchzusehen, eher aus Gewohnheit als aus Interesse, doch dann blieb er an einem Brief hängen … Maklerbüro. Ein ungutes Gefühl zog sich durch seine Brust und er öffnete den Umschlag, während er in die Küche ging. Jeder Schritt fühlte sich schwer an, als er die Zeilen las. Er setzte sich, denn es war also so weit, es war das, was er in den letzten Tagen gekonnt ignoriert hatte. Seine Farm hatte seit gestern einen neuen Besitzer.

Die Buchstaben im Brief verschwammen vor seinen Augen. Eine gewisse „Hiot Investment Group“hatte seine Farm gekauft, ein Name ohne Gesicht, ohne Geschichte, ohne Herz. Nichts, womit er etwas verbinden konnte. Eine Investment Group … Das bedeutete, dass das Land seiner Eltern nun zu einer Ware geworden war. Etwas, das gekauft, verkauft und weitergereicht wurde, immer und immer wieder, so wie es Profit brachte.

Als hätte es nie etwas bedeutet. Als hätten seine Eltern nie dort gelebt. Als hätte er dort nie gelebt. Der Brief glitt aus seinen Händen und landete achtlos auf dem Boden. Colt lehnte sich zurück und starrte ins Leere, was hatte er getan? Und er fuhr sich durch seine dichten Locken und krallte seine Finger kurz hinein, als könnte er den Gedanken festhalten oder rückgängig machen. Für Geld, für ein paar Zahlen auf einem Konto, die schneller verschwinden könnten, wenn man nicht aufpasste. Selbst wenn er es für seine zukünftige Familie einsetzen wollte, gab es ihm gerade kein Gefühl der Freude und Zuversicht. Seine Sicht verschwamm und Tränen liefen ihm über das Gesicht, erst leise, dann unaufhaltsam. Er presste die Lippen zusammen, doch das Zittern ließ sich nicht mehr unterdrücken. Jetzt wusste er es, er hatte einen Fehler gemacht. Einen, den er nicht mehr rückgängig machen konnte. Der Regen peitschte gegen das Küchenfenster, als wollte er ihn verhöhnen. Jeder Tropfen klang wie ein schreiender Vorwurf: „Verdammter Mist ist das!“, brach es schließlich aus ihm heraus.

Und ging ins Wohnzimmer und ließ sich auf das Sofa fallen. Mit einer fahrigen Bewegung schaltete er den Fernseher ein, nur um die Stille zu vertreiben. Draußen grollte noch vereinzelt der Donner und Blitze zuckten durch die Dunkelheit, der Sturm zog langsam weiter, doch in ihm tobte er weiter. Sein Kommunikator meldete sich. Mit desinteresse zog er ihn hervor und öffnete die Nachricht: „Morgen letzte Chance für den Sender, Cowboy.“ Dazu ein Bild mit dem Schloss des Schotten. Colt starrte reglos darauf, als hätte jemand die Zeit angehalten. Sein Blick blieb daran hängen, während irgendwo in ihm etwas weiter zerbrach.


Shinjiro saß im Wohnzimmer der Herren-Villa, das Notebook wie so oft auf seinem Schoß. Dr. Morel hatte seinen gewohnten Platz eingenommen und las still. Irgendwann würde einer der beiden aufstehen und den Abend beenden. Hoffentlich, dachte sich Shinjiro. Die letzten Tage waren hart gewesen, stellenweise sehr hart. Alles war so schnell gegangen, fast zu schnell. Und doch hatte er durch das bewusste Durchleben der Ereignisse, durch das gezielte Hinsehen auf bestimmte Situationen und Triggerpunkte, eine Art Entlastung gespürt.

Sie holten ihn jedenfalls nicht mehr im Schlaf ein. Unerwartete Flashbacks wurden seltener, ebenso diese Momente, in denen er sich ihnen völlig ausgeliefert fühlte. Das Schwerste war gewesen, die Kontrolle abzugeben und sich einzugestehen, dass er diese Hilfe brauchte. Und Dr. Morel hatte sein Versprechen gehalten. Shinjiro wusste jederzeit, wo er war. Er fand sich in seiner Umgebung zurecht und wusste, wer um ihn herum war. Eine neue, ungewohnte Sicherheit und zugleich ein wachsendes Vertrauen, nicht allein zu sein. Am Anfang hatte er das alles nur für Hitomi und seinen Sohn getan. Um möglichst schnell wieder bei ihnen zu sein. Jetzt tat er es tatsächlich für sich, um seine Familie wirklich wieder um sich zu haben. Ein Ziel, zwei Perspektiven, die kaum unterschiedlicher hätten sein können. 

Es hatte Auseinandersetzungen mit Jarred gegeben, wegen der wenigen Informationen, die ihn erreichten. Das, was er hörte, war nicht erfreulich, aber kontrollierbar. Auch hier musste er lernen, seinen Stab zu vertrauen. Vor allem seinem jungen Major, Shinjiro wusste, dass Richard besonnen mit jeder Information, die ihm erreichte, umging. Genau deshalb hatte er ihn auf diesen Posten gesetzt. Lorenz hingegen war zu schnell, zu entschlossen, zwar stark im Gefecht, aber impulsiv. Richard war derjenige, der im Hintergrund den Überblick behielt, nichts überstürzte und sich notfalls Rat holte. Er lehnte sich leicht zurück, die Ereignisse heute würden einem Echo folgen, das war allen bewusst, doch in welchem Ausmaß wusste niemand… 

Nach weiteren dreißig Minuten erhob sich Doctor Morel schließlich und wünschte eine ruhige Nacht, Shinjiro nickte. Doch noch bevor der Arzt das Wohnzimmer verlassen konnte, kam im unteren Bereich der Villa plötzlich Bewegung ins Haus. Hektische Schritte und Stimmen hallten durch das Treppenhaus. Lorenz kam viel zu schnell und viel zu angespannt, die Treppen hinauf gelaufen, gefolgt vom Butler, dessen sonst so gefasste Haltung einem sichtbaren Ernst gewichen war, ohne ein Wort zu verlieren. Gleichzeitig öffnete sich im dritten Stock eine Tür. Und Jarred, erschien ungewohnt zivil gekleidet, doch sein Blick  strahlte alles andere als abendliche Ruhe aus. Seine Schritte waren ungewohnt hastig.

Im Wohnzimmer trafen alle aufeinander. Shinjiro, der noch immer auf dem Sofa saß, hob langsam seine Augenbrauen, dann klappte er sein Notebook langsam zu: „Was ist passiert?“, fragte er ruhig, doch niemand antwortete sofort.


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

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Verena
Verena
19 Tage vor
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Es bleibt einfach spannend….

Majhool
Majhool
19 Tage vor
Wie hat dir das Kapitel gefallen? :
     

wow that’s great! 
This is very nice and interesting I think this should be adapted into a movie or better along series lasts forever because I want it to continue 🙂
There are drama, action, comedy combined and presented nicely. 

I want to know what happened 🙂 I hope the next chapter will not take long time 

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