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9.610 Wörter, 51 Minuten Lesezeit.


#1 Absatz

Shinjiro öffnete langsam seine Augen, oder zumindest versuchte er es, denn etwas Schweres und Kühles lag auf seinen Lidern, das sie wieder nach unten drückte. Instinktiv wollte er seine Hand heben, um danach zu greifen, aber sein Arm reagierte nicht, er spürte ihn irgendwo weit entfernt von sich und doch war es ihm gleichgültig.

Etwas Kaltes berührte seinen Oberkörper, das Gefühl war unangenehm und gedämpfte Stimmen drangen in sein Bewusstsein. Eine bleierne Müdigkeit legte sich auf seinen Körper, seine Brust hob sich langsam an und sank wieder, doch irgendetwas daran fühlte sich falsch an, die Luft schien nicht tief genug zu kommen und es machte sich in ihm breit. Seine Ohren rauschten und ein unruhiges Sausen erfüllte seinen Kopf. Sein Herz begann schneller zu schlagen, als würde es selbst nicht wissen, wie es mit dieser Situation umgehen sollte. Er wollte sprechen, wollte fragen, wo er war, doch seine Lippen bewegten sich nicht, die Kraft dafür fehlte.

Jemand berührte ihn sanft, es war kaum spürbar und doch zärtlich und vorsichtig. Trotz seiner aufsteigenden Panik, spürte er sofort, wer es war, diese Berührung kannte er. Frische Luft wehte über sein Gesicht und ihm fiel ihm das Atmen leichter. Er spürte, wie man ihn bewegte, Hände, die ihn vorsichtig anhoben, doch es war ihm gleichgültig, die Kraft, sich zu wehren oder auch nur darüber nachzudenken, fehlte ihm. Alles in ihm war müde und ihm wurde kalt. Ein flüchtiger Gedanke blitzte auf: Was ist hier los? Wo bin ich? Doch er konnte diese Fragen nicht festhalten, die Stimmen entfernten sich und um ihn herum wurde es stiller und wieder wärmer, doch vor allem friedlicher und er glitt in einem Traumlosen Schlaf.

Wenig später verließen König Jarred und Royu schweigend das Zimmer.


Es war kurz vor sieben Uhr morgens, als Hitomi und Royu in der Villa ankamen. Der Sekretär des Königs hatte sie angerufen: Shinjiro war zusammengebrochen.

Und während Hitomi bei ihm blieb, setzten sich Jarred und Royu im Wohnzimmer an einen Tisch. Dort berichtete Jarred, was geschehen war: „Er erzählte mir, dass euer Vater ihn nie mit der Hand geschlagen hatte. Da fiel mir “Bō de shitsukeru” ein. Ich habe ihn bewusst ausgesprochen, weil ich verhindern wollte, dass er es wieder verdrängt.“ Jarred machte eine kurze Pause, bevor er widersprach, denn einige Vorwürfe machte er sich schon. „Ich griff nach ihm, aber er war völlig desorientiert. Zwei Sicherheitsmänner kamen dazu, sie dachten wohl, ich werde angegriffen und haben ihn nicht besonders sanft zu Boden gedrückt. Und ich ließ Doktor Morel wecken. Und erst nachdem Dr. Morel ihm ein starkes Beruhigungsmittel gespritzt hatte, wurde er ruhiger.“ und als Jarred mit seiner Ausführung fertig war, verließ auch Dr. Morel das Zimmer und schloss leise hinter sich die Tür und ging auf die beiden zu.

Beide sahen erwartungsvoll zu Morel: „Er wird jetzt eine Weile schlafen, nicht lange, aber er wird ruhig aufwachen. Wäre er nicht in so guter körperlicher Verfassung, hätte ich ihm jetzt nichts mehr geben können“, erklärte der Arzt und setzte sich. Jarred und Royu nickten nur stumm: „Jetzt gibt es allerdings kein Zurück mehr. Sein Unterbewusstsein hat durch diesen Trigger diese Tür geöffnet“, erklärte der ältere Arzt mit den freundlichen grünen Augen und machte den beiden damit deutlich, was das bedeutete. Doch noch bevor die drei weiter miteinander sprechen konnten, trat Philippe, der Privatsekretär des Königs, an den Tisch und überreichte Jarred eine Nachricht. Nachdem der König sie gelesen hatte, verabschiedete er sich auch gleich wieder. Seine königliche Pflicht rief. Gemeinsam mit Philippe ging er in sein Büro.


„Erklären Sie mir bitte dieses ‚Bō de shitsukeru‘, Mr. Hikari, es wäre für mich sehr hilfreich, das zu wissen“, fragte der Arzt ruhig und interessiert. Royu atmete tief ein und lehnte sich in dem weichen Polsterstuhl zurück und erklärte es dem Arzt. Dr. Morel machte sich währenddessen einige Notizen und als Royu fertig war, blickte er wieder auf: “Wie lange ging das?” fragte der Arzt weiter, Royu zuckte mit seinen Schultern und überschlug seine Beine: “So genau weiß ich das nicht.” gab Royu zu. Morel nickte und blickte dem Bruder seines Patienten ernst entgegen: “Und sie?” fragte er ganz direkt und Royu sah dem Arzt entgegen und schüttelte mit seinem Kopf: “Ich hatte einen anderen Vater als Shinjiro, ich bin die Nummer zwei und auch nicht das “Wunderkind” oder der Vorzeigesohn in diesen Kreisen.” erklärte er knapp. 

Der Arzt sah Royu an und nickte, natürlich kannte er sich in diesen traditionell geprägten familiären Strukturen bestens aus und verstand sofort, was Royu meinte. Und blätterte daraufhin auf seinem Tablet in den Unterlagen: “Sie sind ein Zwei-Sterne-Colonel-General einer Task-Force-Einheit.” Royu nickte: „Ja, und das reicht mir auch vollkommen!” Dr. Morel schmunzelte vorerst verstehend

#2 Absatz

Im Oberkommando saßen General Whitehawk und Saber gemeinsam im Meetingraum des First Grade und waren über TSID mit Pectos verbunden, wo auch König Jarred zugeschaltet war. April und ihr Vater Mentor Eagle berichteten von ihren Untersuchungen und Erkenntnissen über die sichergestellte Kamera. Mit jeder neuen Information wurde Sabers Gesicht ernster und seine Sorgen wuchsen.

„Der sogenannte Blitz ist kein optisches Licht, unsere Messungen zeigen eine bisher unbekannte Energieform, die wir vorläufig Lumen-Delta-Strahlung nennen.“ Und eine neue Grafik erschien auf den Monitoren der Videokonferenz. Mehrere Wellenformen legten sich übereinander, die Emission der Kamera und darunter die charakteristischen Muster menschlicher Gehirnaktivitäten. Die Blondine deutete auf die Darstellung. „Diese Energie koppelt sich direkt an die Delta-Wellen des menschlichen Gehirns.“ und damit beendete sie ihren zusammengefassten Vortrag. Doch es blieb still, Saber blickte neben sich zu General Whitehawk und auf König Jarred am Monitor, das übliche Echo aus Fragen, Einwänden oder Kommentaren blieb aus. Auch in Aprils Augen konnte Saber eine gewisse Fassungslosigkeit sehen, die sie mit ihren wissenschaftlich fundierten Vortrag zu kaschieren versucht hatte. Doch er konnte sich vorstellen, wie sie sich fühlte.

König Jarred sah noch einmal auf die Daten vor sich. Niemand sprach, der Schock über die vermutete Erkenntnis war deutlich spürbar. Denn was dort auf den Diagrammen zu sehen war, ließ kaum noch Zweifel zu: Die vermeintliche Kamera war tatsächlich eine Waffe. April stand ruhig vor der Konsole und wartete. Neben ihr hatte Charles die Arme verschränkt und beobachtete die Gesichter in der Konferenzübertragung. „Also, kann diese Strahlung direkt auf das menschliche Unterbewusstsein zugreifen?“ April nickte leicht. „Je nach Intensität und Dauer der Bestrahlung, ja.“ 

Wieder entstand diese kurze, schwere Stille, die sich wie ein Gewicht über die Konferenz legte. Saber lehnte sich leicht nach vorn und sein Blick blieb ruhig, auf Aprils darstellung: „Gibt es Erkenntnisse darüber, wo oder von wem an solch einem Waffentyp geforscht wurde?“ fragte er und erklärte. „Die Herkunft dieser Technologie ist entscheidend. Wenn jemand aktiv daran arbeitet, müssen wir diese Forschung so schnell wie möglich unterbinden, wenn nicht sogar vollständig stoppen. Nicht auszudenken, sollte diese gegen Zivilisten verwendet werden!” sprach der Schotte nun die gedanken aus, die jeder in sich hatte. April wechselte kurz die Anzeige auf dem Monitor, rief eine ältere Forschungsakte auf und ließ einige archivierte Projektdaten erscheinen. „Tatsächlich gibt es einen Bezugspunkt“, sagte sie. Und auf dem Bildschirm erschien der Name einer Forschungseinrichtung: „Pectos.“ und Charls erklärte jetzt: „Hier wurde vor einigen Jahren mit sogenannter Lumentechnik experimentiert, allerdings in einem sehr frühen Stadium. Die Energieform erwies sich damals als instabil und schwer kontrollierbar.“ und er deutete auf die alte Projektakte: „Das Projekt wurde deshalb vorerst eingestellt.“ Saber sah sich die Akte genauer an: „Aber offensichtlich nicht endgültig.“ sagte er, doch April schüttelte leicht mit ihrem Kopf: „Nicht unbedingt, Offiziell wurde die militärische Forschung nicht weiter verfolgt. Allerdings haben sich einige pharmazeutische Forschungsinstitute dieses Projekt weiterverfolgt.“ und neue Diagramme erschienen auf dem Bildschirm: neuronale Resonanzfelder, therapeutische Stimulationsmodelle: „Dort ging es allerdings um neurologische Anwendungen“, erklärte April: „So wie die Behandlung von Komapatienten, Traumata, Gedächtnisstörungen, neurodegenerativen Erkrankungen und so weiter.“ Charles verschränkte neben seiner Tochter die Arme: „Die medizinische Forschung hat in diesem Bereich einige erfolgversprechende Therapien entwickelt.“ berichtete er: „Die Idee war, gezielt auf tiefe neuronale Frequenzen zuzugreifen, um das Unterbewusstsein therapeutisch zu erreichen.“ Saber lehnte sich langsam zurück: „Und jemand hat daraus eine Waffe gemacht.“ beendete General Whitehawk Eagles Satz. Charles nickte. “Wie lange muss ein Mensch dieser Strahlung ausgesetzt sein, um Schäden davon zu tragen?” fragte König Jarred. 

April sah noch einmal auf ihre Unterlagen. Saber beobachteten genau, wie sie die Messdaten aufrief und mehrere Diagramme nebeneinander legte: „Nun“, begann sie und suchte kurz die richtige Stelle in den Daten, „die höchste Frequenz, die wir bisher gemessen haben, lag knapp unter 4 Megahertz im Resonanzfenster der Delta-Kopplung.“ und Sie vergrößerte die entsprechende Kurve: „Das liegt zwar außerhalb der natürlichen Delta-Frequenz des Gehirns, aber genau darin liegt der Effekt.“ und sie erklärte ruhig weiter: „Die Lumen-Delta-Strahlung überträgt nicht einfach eine Welle, sie erzeugt ein Resonanzfeld, das sich auf die neuronalen Netzwerke des Gehirns legt.“ und Sie zeigte auf eine Simulation des neuronalen Netzes: „Bei einmaliger, kurzer Exposition würde vermutlich gar nichts passieren, vielleicht ein Gefühl von Sekunden, hafter Desorientierung oder leichte emotionale Irritation.“ Charles nickte neben ihr: „Aber wenn diese Bestrahlung regelmäßig erfolgt, dann würde eine Stimulation der Neuroplastizität stattfinden.“ Jarred und Saber runzelten ihre Stirn nahezu gleichzeitig. „Und in diesem Zustand könnten Menschen plötzlich emotionale Zustände empfinden, wie Angst, Euphorie, Panik, halt je nachdem, welche neuronalen Muster stimuliert werden.“ und April ließ den Satz bewusst offen. Saber betrachtete die Anzeige lange, genau das war es was im Hangar vor knapp einer Woche geschehen war, als Captain Hikari nahezu Panikartig diesen verlassen hatte und die umstehenden wie Coloney Murry, Eagle oder gar Lorenz berichteten von sekunden hafter Desorientierung. „Bis wir mehr wissen, wird dieses Objekt unter höchster Sicherheitsstufe verwahrt.“ entschied General Whitehawk und fügte dann noch für das Protokoll mit an: „Ihre Analysen und Erkenntnisse bleiben unter direkter Kontrolle des Oberkommandos. Alle weiteren Untersuchungen erfolgen nur mit meiner ausdrücklichen Freigabe, oder die des First Grad, sobald dieser wieder das Kommando übernimmt.“ Alle stimmten zu und damit ging das Meeting zu Ende, April und Charles beantworteten die letzten Fragen, bis auch sie sich aus dem Meeting verabschiedeten und sich heute noch auf den Weg zurück nach Yuma machen würden. Der Monitor wurde schwarz. Und Saber drehte sich darauf direkt dem General zu: “Also wurde er direkt angegriffen.” sagte er feststellend, Whitehawk nickte: „Ich werde den Fotografen ein Ultimatum stellen, vllt gibt er sein Geheimnis dadurch preis. Wir müssen die Quelle des Labors finden, das diese Technik zweckentfremdet!“ – „Ultimatum?“ hakte der Schotte nach. General Whitehawk nickte.

#3 First Lieutenant

Hitomi hatte sich in den frühen Morgenstunden neben Shinjiro ins Bett gelegt. Der Anruf war so plötzlich gekommen, und sie war einfach nur erschöpft gewesen. Nach etwa drei Stunden tiefen und festen Schlafs wurde Shinjiro immer wieder mal wach. Jedes Mal machte sie sich bemerkbar, damit er wusste, dass jemand bei ihm war. Still beobachtete sie ihn. Sie wusste nicht, was gerade in ihm vorging und das machte sie unsicher. Sie wollte ihm helfen, doch sie war machtlos. Alles, was sie tun konnte, war, bei ihm zu bleiben. Dr. Morel und Royu hatte ihr gesagt, dass genau das in dieser Situation das Wichtigste sei, aber am liebsten hätte sie ihn einfach mit nach Hause genommen. Doch sie wusste, dass das alles nur noch schlimmer machen würde und es Shinjiro langfristig schaden könnte.

Jarred hatte mit ihr gesprochen, Royu hatte mit ihr gesprochen und es klang alles so hoffnungsvoll, doch dafür musste Shinjiro nun durch seine Vergangenheit gehen. Alle hatten diese Entscheidung für ihn getroffen. Hitomi hoffte nur, dass auch er es irgendwann annehmen konnte. So wie sie es in den letzten Stunden getan hat, sie hatte Stunden darüber nachgedacht, darüber gebetet, sie wollte diesen Weg mit ihm gehen, wollte an seiner Seite bleiben, damit dieses Kapitel endlich heilen konnte, auch wenn es ihr das Herz brach, ihn so hilflos zu sehen.

Auch sie hatte es all die Jahre verdrängt, so wie er und so wie alle anderen. Sie wusste, dass dieses Thema zwischen Shinjiro und seinem Vater nie wirklich abgeschlossen gewesen war. Ja, sie wusste nicht einmal, wie Shinjiro seinen Vater tatsächlich sah. Er begegnete ihm stets mit Respekt, doch mehr zeigte er nicht. Doch es hing spürbar zwischen ihnen, jedes Mal, wenn sie sich begegneten.

Hitomi schüttelte ihren Kopf, sie musste klar bleiben und nahm sich vor, jede Situation so zu nehmen wie sie kam und darauf zu vertrauen, dass alle Beteiligten wussten, was sie taten. Entschlossen und neu gestärkt stand er auf und holte sich etwas zu trinken und richtete sich im Badezimmer her. 

Als sie wieder zurück ins Zimmer kam, sah sie, dass er wach war, sie setzte sich zu ihm auf das Bett und strich ihn über den Arm, er verfolgte sie mit seinen Augen und hob nach einer Weile eine Hand und ging sich damit über seine Augen. Hitomi lächelte ihn an und gab ihm einen sanften Kuss: “Geht es dir wieder besser?” fragte sie ihn. Shinjiro richtete sich ein wenig auf und hob kommentarlos seine Decke, er trug nur ein T-Shirt und seine Shorts. Sie verstand die stumme Frage und musste etwas lachen. Er ließ sich wieder zurückfallen und zog dabei Hitomi mit sich. Sie umarmte ihn, auch wenn er nichts sagte, jetzt wusste sie, dass er froh war, dass sie bei ihm war. Eine Weile blieben sie einfach nur so liegen und genossen die Nähe des anderen. 

“Was ist passiert?” fragte er heiser nach. Hitomi berichtete ihm, was sie von Jarred wusste. Er nickte es nur ab, sagte jedoch nichts weiter dazu. “Und Shinji?” fragte er: “Er hatte heute Morgen noch geschlafen, ich musste ihm Mittag absagen, weil du ja dann geschlafen hattest“, erklärte sie. Von Shinjiro kam ein “Mhm …” und beschloss nun auch aufzustehen, er stand eine Weile, vor dem bett, um zu sehen, ob er seinen Beinen auch vertrauen konnte, es fühlte sich schwammig an, aber er musste stehen, sich bewegen Hitomi trat zu ihm und umarmte ihn, er tat es ihr gleich: “Fahr nach Hause zu Shinji!” sagte er, Hitomi nickte und sie lösten nach weiten kleinen Augenblicken ihre Umarmung. Und er ging ins Badezimmer. 


Saber saß im Büro von Captain Hikari und war dabei, den Haftbefehl für Lieutenant Delweg auszustellen. Er hoffte auf eine Gelegenheit, ihn auf frischer Tat festnehmen zu lassen. Vom Schreibtisch aus ließ er den Blick durch das Büro schweifen und dachte über den gestrigen Abend nach. Dabei musste er grinsen. Fireball hatte sie damals tatsächlich ständig beobachtet und sogar ihre kleinen Flirtereien gezählt. Aufmerksam war Fireball schon immer gewesen, das wusste er, doch dass er genau im Blick hatte, wer mit wem flirtete, war selbst Saber entgangen. Der Haftbefehl war fertig und er schickte ihn in sein System… und überflog seine heutige To-do-Liste. Später würde er noch zur Herrenvilla fahren. Er musste mit Captain Hikari noch einige Dinge besprechen, vor allem die geplante Festnahme und den weiteren Verlauf der Verhöre. Der angebliche Arzt hingegen schwieg weiterhin zu dem Vorfall.

Es klopfte und Misses Ellnys kündigte Colonel Hikari an, Saber nickte und Royu trat ein. “Das Büro steht Ihnen, Mr. Lancelot!” begrüßte der Japaner den Schotten. Saber grinste bei dieser Feststellung. “Ich habe den Haftbefehl für Lieutenant Delweg gerade ausgestellt!” erklärte Saber. Royu sah den Schotten an, ging zum Schreibtisch und las ihn sich durch: “Gut, wann denken Sie es zu tun?” Saber stellte sich neben den Japaner und sagte: “Ich hoffe ihn auf frischer Tat zu erwischen!” Royu sah zum Major neben sich: “Wer ist an ihm dran?” Saber atmete tief ein: “Bis jetzt haben Mr. Wilcox und Lorenz Kontakt gehabt.” Royu legte den Haftbefehl wieder auf den Tisch und drehte sich zu dem jungen Major: “Sie spielen auf Zeit!” stellte er klar fest. Saber nickte: “Haben Sie eine andere Taktik?” Royu schüttelte mit dem Kopf: “Vielleicht ist es ganz gut!” sagte er und Saber merkte, dass sich auch der Bruder des Captains nicht sicher war. “Das wollte ich heute noch genauer mit Captain Hikari besprechen.” informierte Saber. Royu nickte und presste seine Lippen aufeinander: “Mhm …” und ging in die Mitte des Büros und drehte sich daraufhin zu Saber. “Aktivieren Sie den Abfangschirm, ich muss mit ihnen reden.” sagte Royu.

Royu sah kurz zur Leuchte über der Tür, die besagte, dass der Raum abgeschirmt war, dann wandte er sich wieder zu dem Highlander und begann: „Sie können sich bestimmt noch an unser privates Gespräch auf dem Schießplatz erinnern?“ Saber nickte und lehnte sich an den Schreibtisch: „Ich gehe davon aus, dass auch Sie wissen, was ein zu hoher körpereigener Cortisolspiegel bedeutet.“ Saber dachte kurz nach: „Ja, Sir, ich habe mich mit der Sache befasst.“ Royu nickte und begann, den Schotten zumindest oberflächlich über alles aufzuklären. Saber war von dieser Wendung alles andere als begeistert. Mit dem Zerschlagen einer Untergrundbewegung hatte er bislang keinerlei Erfahrung. Doch zunächst war es wichtig, dass alle wussten, was sie zu tun hatten.

„Sir“, begann der Schotte vorsichtiger: „Ich mache mir auch Sorgen um Shinji, er weiß von nichts, aber er merkt, dass ihm etwas verheimlicht wird.“ Royu schwieg einen Moment und dachte nach, natürlich war ihm die schlechte Stimmung seines Neffen längst aufgefallen. Doch er wusste auch, das Shinjiro seinen Sohn selbst über die Situation aufklären wollte. Saber fuhr fort: „Morgen, wird er 18 und ich könnte ihn als First Lieutenant unter TSID einweihen, also rein ein dienstlich natürlich.“ schlug Saber vor. Royu hob überrascht seine Augenbrauen und war beeindruckt und nickte langsam. „So übergehen wir Captain Hikari nicht auf privater Ebene, sondern informieren Shinji auf dienstlichem Weg.“ sagte Saber und lehnte sich gegen den Schreibtisch und verschränkte seine Arme. Royu grinste leicht und fügte noch trocken hinzu: „Und er reißt uns hinterher wenigstens nicht den Kopf ab, naja zumindest nicht Ihnen, Major.“ Saber musste kurz grinsen: „Also machen wir es?“ fragte er Royu nickte zustimmend. Saber stieß sich, als hätte er nur auf das Ok gewartet, vom Schreibtisch ab, ging um ihn herum und rief die Personalakte des zukünftigen First Lieutenant Shinji Hikari auf. Kurz darauf druckte er die Ernennungsunterlagen aus und bestellte bei der IT- und Personalabteilung die nötigen Key- und ID-Cards für Fireball.

„Damit wäre er ab morgen im Dienst“, sagte Saber und musste leicht grinsen, als er die Ernennungsurkunde in den Händen hielt und nach dem Stift griff. Royu trat neben den Schotten, um die Ernennung als Zeuge zu bestätigen, und scannte dafür seine ID: „Ich bin sowas von kopflos“, kommentierte er trocken, während der Scanner seine Daten in der Akte seines Neffen speicherte. Saber sah auf, zog seine ID hervor und tat es dem Japaner gleich. Das System bestätigte alle Eingaben und brachte damit offiziell einen neuen First Lieutenant hervor. „Wann wollen wir ihn einweihen?“ fragte Saber. Royu legte den Stift auf den Tisch und wandte sich bereits zur Tür: „Von mir aus direkt morgen. Happy Birthday“, sagte er trocken: „Ich kann dieses Genörgel nämlich langsam nicht mehr hören.“ Saber musste auflachen., zu gut wusste er, was Royu damit meinte. Der Schotte begleitete den Colonel noch zur Tür, und sie verabschiedeten sich voneinander.

#4 Schraubenladen

Shinjiro setzte sich seine Sonnenbrille auf und beschloss, ein Stück spazieren zu gehen. Langsam schlug er den Weg in Richtung Tennisplatz ein. Der rote Schotter knirschte leise unter seinen Schuhen. Er sah zum Himmel hinauf und genoss die Wärme der Sonne an diesem späten Nachmittag. Dabei dachte er wieder an den Traum, der ihn immer wieder heimsuchte. Trotz all der Grausamkeiten, die darin auftauchten, gab es diese Momente, in denen Hitomi erschien, sie war wie ein liebevoller Schatten, der sich über die Dunkelheit legte und die Erinnerungen erträglicher machte. Und er musste etwas schmunzeln. Heute wusste er etwas, das ihm damals nicht bewusst gewesen war. Er war längst kein kleiner Junge mehr gewesen, etwas in ihm hatte sich verändert und auch sein Blick auf Mädchen war natürlich mit 13 langsam ein anderer geworden, „Ts, Schraubenladen“ kam es ihm erneut in den Kopf und musste über Royu grinsen, der irgendwie das alles unwissend ins laufen gebracht hatte.

+++Erinnerungen+++

Das Kendo war vorbei, Royu und Shinjiro verließen das Sportgelände mit ihren Fahrrädern und bogen in eine schmale Seitenstraße ein, Royu der hinter Shinjiro fuhr, trat etwas doller in die Pedale: “Gehen wir noch in den Schraubenladen?” Shinjiro rollte etwas mit seinen Augen und raste los: “Hey, warte!” rief ihn Royu und gab nun auch Gas. An einer kleinen schmalen Kreuzung in einem Wohngebiet bremste Shinjiro scharf und schaute, wo sein Bruder blieb.

Dieser kam angeradelt und war sichtlich etwas sauer. “Was soll das?” fragte Royu und bremste vor Shinjiro und sah ihn fragend an. “Du bist lahm!” sagte Shinjiro. “Du hast gesagt, dass wir gehen!” erinnerte Royu etwas lauter. Shinjiro, der wieder auf sein Fahrrad aufstieg, sah zu seinem Bruder: “Versprichst du mir, damit dann nicht mehr zu nerven?” Royu stieg auf und nickte grinsend: “Also gehen wir?” Shinjiro fuhr los: “Ja!” und bog in die nächste Straße ein und Royu folgte ihm. 

Sie fuhren nebeneinander über eine hohe, schmale Fußgängerbrücke. Zuvor hatten sie ihre Fahrräder die vielen Stufen hinauftragen müssen. Tief unter ihnen rasten die schnellen Nahverkehrszüge vorbei. Royu bremste bereits, bevor sie die Treppen auf der anderen Seite wieder hinuntergehen mussten. Er sah, dass Shinjiro keinerlei Anstalten machte, langsamer zu werden. Erst kurz vor der steilen Treppe kam Shinjiro zum Stehen. Aufrecht auf den Pedalen stehend hielt er sein Fahrrad im Gleichgewicht und ließ die Bremse immer wieder ein Stück los. Das Vorderrad rollte jedes Mal ein wenig weiter nach vorne – immer näher an die erste Stufe heran. Nur ein kleines Stück weiter, und er wäre mitsamt dem Fahrrad die vielen Treppen hinuntergestürzt. „Boah, das war knapp!“, sagte Royu, der das Ganze aufmerksam beobachtet hatte.

Shinjiro stieg ab, und gemeinsam ließen sie ihre Fahrräder Stufe für Stufe hinter sich herunterspringen. Unten angekommen, standen sie direkt in der schmalen Gasse, in der sich der ersehnte Schraubenladen befand. Sie stellten ihre Fahrräder in den Fahrradständer vor dem Laden. Royu ging direkt zur Tür, schob sie langsam auf und steckte vorsichtig seinen Kopf hinein. Es war niemand zu sehen, zumindest schien es so, er sah sich um, vor ihm standen lange Holzregale mit vielen Kisten, in denen vermutlich all die Schrauben lagen. Doch es gab hier nicht nur Schrauben, überall standen auch Geräte und Werkzeuge rund um die Metallverarbeitung rum. Plötzlich bekam er von hinten einen kräftigen Schubs und er stolperte ein paar Schritte in den Laden hinein. Schnell drehte er sich so zu seinem Bruder um. Shinjiro grinste ihn frech an: „Was ist? Ich dachte, du wolltest hier rein“, sagte er. Royu sah ihn finster an.

“Was macht ihr hier?” fragte eine tiefe Stimme und ein Mann mit einer braunen ledernen Schürze kam auf die beiden zu. Royu und Shinjiro verbeugten sich und begrüßten den Ladenbesitzer: “Das ist ein Laden nur mit Schrauben, ich wollte gucken, wie sie diese machen!” Shinjiro rollte mit seinen Augen. Doch der Mann, sah sich den ungewöhnlichen Besuch in seinem Geschäft genauer an und grinste: “Du möchtest wissen, wie man Schrauben und Gewinde herstellt?” Royu nickte dem Mann eifrig entgegen: “Ja!” Shinjiro sah zu Royu und den Mann, irgendwo hatte er diesen doch schon einmal gesehen, dachte er nach. 

“Gut, ich wollte gerade einige Gewinde für eine Bestellung fertig machen, dann kommt mal mit!” und er zeigte Royu an ihn zu folgen. Sie betraten einen Werkstattraum hinter dem Verkaufsraum, wo einige Metallverarbeitungsmaschinen mit verschiedenen Funktionen standen. “Hier zieh das über deine Sachen, sonst machst du dich schmutzig!” sagte der Mann und half Royu in einen weißen Kittel und band ihn sogar eine halbe Lederschürze um. Royu hatte Spaß und war voll bei der Sache. 

Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf, als er seinen Bruder beobachtet hatte, er selbst sah sich indes einfach nur um, “Hoffentlich dauert das jetzt nicht so lange!” dachte er und griff nach einer kurzen Metallstange, die auf einem schon sehr abgenutzten Holztisch mit viel Metallspäne lag und sah sie sich an. Eine Maschine wurde angemacht und es war einfach nur noch laut. Er legte die Stange wieder an seinen Platz und ging weiter in den Verkaufsraum hinein und griff in die verschiedenen Holzkisten und hielt eine Schraube, nach der anderen in seinen Händen und schaute immer wieder Richtung Werkstatt. 

“Hallo, was machst du hier?” sprach ihn eine Stimme von hinten an. Erschrocken drehte er sich schnell um und vor ihm stand die Zie… äh Hitomi, von dem “Bon Odori,” das Mädchen, was Pflaumensaft so gerne mag. Er schaute in seine Hand, die immer noch eine Schraube hielt und zeigte ihr sie: “Schrauben angucken!” sagte er und legte diese wieder in eine Kiste zurück. Hitomi kicherte: “Die kommt da aber nicht rein!” und nahm die Kiste aus dem Regal und fischte die gerade von Shinjiro so achtlos hinein geschmissene Schraube wieder hinaus. Shinjiro beobachtete das Mädchen vor sich skeptisch. “Das hier ist eine mit einem Doppelgewinde und in der Kiste dort sind einfache Gewinde.” und hielt ihm die Schraube entgegen. Shinjiro zuckte mit den Schultern: “Ja … und?” fragte er. Hitomi antwortete ernst: “Die kommt hier hinein, da wo du sie herausgenommen hast!” belehrte sie ihn und warf die Schraube in die dafür vorgesehene Kiste. “Na toll, noch ein Schraubenprofi hier!” dachte er sich. 

„Also, was machst du hier?” fragte sie nochmal und ging aus dem Gang in den Eingangsbereich, Shinjiro folgte ihr. “Schrauben kaufen!” sagte er lachend. Hitomi drehte sich um, dabei flogen ihre geflochtenen Zöpfe in die Luft. Shinjiro grinste bei diesem Anblick. “Ich warte auf Royu, der Besitzer zeigt ihm, wie er Schrauben herstellt!” gab er nun doch Auskunft. Hitomi kicherte: “Royu ist voll begeistert, was das angeht!” stellte sie fest. “Voll verrückt passt wohl eher!” berichtigte Shinjiro sie und las sich die Schilder über den Kassenbereich durch, es war Werbung von Metalllegierungen, ein Samurai Bild, einen Sumo-Ringer, den Sato-San wohl sehr mochte, ein eisernes Kreuz wohl selbst geschmiedet und andere religiöse Gegenstände oder so etwas in der Art, genau benennen konnte er sie nicht. Auch hingen verschiedene Musterstücke, welche Sato-San anbot sogar eine Taiyaki Form war darunter.

“Sei nicht so gemein zu ihm, er ist süß!” sagte Hitomi und Shinjiro sah zu ihr, sie griff nach ihrem Schulrucksack. “Ich bin nicht gemein zu ihm, sonst wäre ich nicht hier!” rechtfertigte sich Shinjiro. Hitomi sah ihn an und wollte gerade etwas sagen. “Hitomi, bist du wieder da?” rief plötzlich eine weibliche Stimme. “Ja Mutter!” und eine Frau stand mit Schürze an der Tür, die zum Wohnbereich des Hauses führte, als sie bemerkte, dass Kunden im Laden waren, verbeugte sie sich leicht vor Shinjiro und begrüßte ihn. Shinjiro tat es ihr gleich und sah Hitomi fragend an: “Mutter?” Hitomi kicherte: “Ja, das ist meine Mutter und der Laden meines Vaters, steht sogar draußen dran, “Eisenwaren Sato!” Shinjiro drehte sich Richtung Eingang und sah darauf gleich wieder zu Hitomi: “Ihr habt die Taiyaki vergessen zu erwähnen!” 

Das Mädchen kicherte verlegen: “Das ist die zweite Leidenschaft meines Vaters, er liebt Taiyaki und meine Mutter macht die leckerste rote Bohnenpaste in ganz Tokio, aber mein Vater behauptet in ganz Japan.” erklärte ihm Hitomi und sah ihre Mutter an, diese lächelte etwas verlegen. 

Royu kam aus der Werkstatt gelaufen: „Shinjiro, schau, das habe ich gemacht!” und zeigte stolz drei verschieden große Schrauben in seiner ölverschmierten Hand. Shinjiro sah sie sich an und blickte in das freudestrahlende Gesicht seines Bruders: “Ja, sehr schön, können wir jetzt gehen?” Hitomi begutachtete Royus Schrauben ganz genau und nickte: “Die hast du gut gemacht!” Sato-san trat nun ebenfalls aus der Werkstatt und sah zu dem 10 Jahre alten Knirps und seinem älteren Bruder, wie er von Royu erfahren hatte. “Er war mir eine große Hilfe!” sagte er. “Echt? Danke Sato-san!” freute sich Royu. “Na da ist die Nachfolge für das Geschäft ja gesichert!” sagte Hitomis Mutter liebevoll lächelnd in Richtung ihres Mannes und den kleinen Handwerker. “Komm wir waschen das Öl von deinen Händen, fasse aber nichts an!” sagte Frau Sato und Royu folgte ihr. 

“Ich habe dich lange nicht gesehen und ich bin oft auf dem “Tsho Sportplatz!” sagte Hitomi jetzt zu Shinjiro. Shinjiro sah sie an: “Ich habe viel zu tun!” antwortete er ihr knapp und sah auf seine Uhr. Hitomi nickte: “Ich hatte vergessen, mich für den Pflaumensaft  zu bedanken!” Shinjiro sah sie an und wollte gerade etwas sagen, da kam Royu zurück in den Laden und ging zu Sato-san der hinter dem Kassenbereich saß und in einer Zeitung blätterte: “Was kosten die, ich möchte sie kaufen und meinen Vater zeigen.” fragte er und zeigte Sato-san die drei Schrauben, die er gemacht hatte. Sato-san lachte und stand auf: “Die schenke ich dir!” und legte die Zeitung beiseite. „Boah, Danke!“ sagte Royu und verbeugte sich. Danach drehte er sich zu Shinjiro und grinste ihm entgegen und zeigte auf die Schrauben in seiner Hand. Shinjiro sah ihn an und wandte sich dann an Sato-san “Wir müssen jetzt aber gehen, danke für Ihre Freundlichkeit!” sagte Shinjiro und verbeugte sich und stieß Royu an. Royu bedankte sich auch noch einmal und winkte, als er den Laden verließ. 

Hitomi folgte den beiden nach draußen. “Bis bald, vielleicht sieht man sich ja mal!” sagte sie zu Shinjiro. Royu strahlte sie an, “Ja, gerne!” Shinjiro nickte ihr zu und stieg auf sein Fahrrad und die beiden fuhren schnell davon. Hitomi ging zurück in den Laden und schloss die Tür. “Was ist denn?” fragte sie ihre Eltern, die sie komisch erwartungsvoll ansahen.

“Ist das der Junge, der dich immer Ziege nennt?” fragte ihr Vater. Hitomi nickte und sagte etwas verlegen: “Ja, aber er kennt nun auch meinen richtigen Namen und ich seinen!” sagte sie und nahm sich ihren Schulrucksack und ging zum Wohnungseingang.

Frau Sato lachte etwas auf: “Ziege?” Sato-san nickte ihr entgegen: “Wie heißt er denn, ich fand ihn sehr höflich,” sagte ihre Mutter. Hitomi wurde etwas rot an den Ohren: “Shinjiro Hikari!” antwortete sie und wollte gerade die Stufe zum Wohnbereich hochgehen: “Magst du ihn?” fragte jetzt Sato-san weiter. “Ach, das sind Kinder!” warf ihre Mutter ein. Hitomi wurde jetzt vollkommen rot von der Frage ihres Vaters und ging schnell in ihr Zimmer. “Mhm …” brummte ihr Vater. “Jetzt hör aber auf, da passiert gar nichts, das ist mit 13 vollkommen normal, eine kleine Schwärmerei und den beiden ist das nicht einmal bewusst, du Grummel Bär!” sagte sie lachend und ging zurück in die Wohnung.

Royu und Shinjiro fuhren nach Hause, das letzte Stück ließen sich beide die steile Straße hinab rollen und bremsten vor dem Haus und öffneten das Tor. Royu stürmte direkt nach oben in das Büro seines Vaters, der gerade ein Telefonat beendet hatte. “Vater schau!” rief er. Sein Vater erschreckte sich und belehrte ihn sofort: “Royu, wie oft habe ich dir gesagt, du sollst nicht einfach so hier hereinstürmen, ohne anzuklopfen!” Royu entschuldigte sich und legte seinen Vater die drei Schrauben auf den Schreibtisch, sein Vater sah ihn fragend an und nahm sich eine davon. “Die habe ich heute gemacht, bei Sato-san im Kionkan Viertel, er hat einen ganzen Laden voll davon!” erklärte ihm Royu hoch begeistert. 

“Dort wart ihr also gewesen!” Royu nickte: „Ja, ich habe Shinjiro gefragt und er ist mit mir dahin gegangen.” sein Vater nickte und deutete an, die Schrauben von seinem Tisch zu entfernen, Royu nahm sich zwei der drei Schrauben: “Hier, die ist für dich!” sagte er und ging in sein Zimmer. Sein Vater sah ihm nach und nahm sich die Schraube und legte sie in eine Stiftablage vor sich. Wo hat dieser Junge immer nur seinen Kopf!” kommentierte er vor sich und wandte sich wieder seiner Arbeit zu. Shinjiro ging in sein Zimmer, sein Vater rief ihn zu sich und er blieb an dessen Bürotür stehen: “Wie kommt er auf so etwas?” fragte er und hielt zur Erklärung eine Schraube in der Hand. Shinjiro zuckte mit seinen Schultern: “Keine Ahnung, seit dem Sommer liegt er mir damit in den Ohren.” Sein Vater nickte und legte die Schraube wieder zurück. “Bist du mit deinen Aufgaben fertig?” Shinjiro stieß sich von der Tür ab: “Nein, ich hatte gerade vor damit anzufangen.” Sein Vater drehte sich zu seinem Computer: „Gut, dann los, in einer Stunde möchte ich sie sehen!” Shinjiro nickte.

+++Erinnerungen ende++

#5 Absatz

Shinjiro fand sich am Olivenhain wieder. Die Bäume trugen bereits die ersten Früchte, und in der Ferne ragte der Tower auf, zu dem er nachdenklich hinüber sah. 

„Genießt du die Aussicht?“ Shinjiro atmete tief ein und erkannte die Stimme und wusste sofort, wem sie gehörte, sagte jedoch nichts. Jarred trat näher und nickte: „Ich stehe hier auch gerne und lasse meinen Gedanken freien Lauf“, erklärte er und blickte zu seinem Freund hinüber, der keine Anstalten machte, mit ihm zu reden.

„Mr. Lancelot ist auf dem Weg, er möchte etwas mit dir besprechen.“ Shinjiro nickte nur stumm. „Du bist sauer auf mich?“ Shinjiro atmete tief ein: „Warum sollte ich?“ fragte er ruhig zurück. Jarred trat neben Shinjiro, der seine Stimme wiedergefunden hatte. „Ich betreibe nur Konversation“, erklärte Jarred. „Und ich möchte mit dir reden.“ Shinjiro drehte sich langsam zu ihm: „Lass das! Hör auf, dich einzumischen“, entgegnete er ernst. „Als dein Freund ist es jetzt meine Pflicht, das zu tun.“ Nun stellte sich Shinjiro sich direkt vor Jarred: „Jetzt? Jetzt, wo hier vermutlich alles in die Luft fliegen könnte, entdeckst du plötzlich deine Pflicht?“ Jarred nickte ernst: „Ich meinte meine Pflicht dir gegenüber.“ Shinjiro musterte Jarred und schüttelte langsam mit seinem Kopf: “Du hast keine Pflicht mir gegenüber!” sagte er fest und unmissverständlich.

Saber, dem der Sekretär zuvor den Weg gezeigt hatte, entdeckte nach einigen Metern den König. Der zusammen mit Captain Hikari an einem Hang stand, schon von Weitem war zu hören, dass die beiden in eine laute und ernste Diskussion verwickelt waren. Der Schotte blieb zunächst stehen, die Stimmen der beiden waren deutlich zu hören. Kurz ließ er seinen Blick über die Umgebung schweifen, um sicherzugehen, dass sich keine weiteren unerwünschten Zuhörer in der Nähe befanden.

Shinjiro ging zwei Schritte den Hang hinunter: „Deine Pflicht wäre es gewesen, statt eingeschnappt zu sein, gemeinsam mit dem Oberkommando aufzurüsten!“, sagte er ernst und wütend. Jarred folgte ihm: „Ist das alles, was dich interessiert?“ und Shinjiro drehte sich zu ihm um: „Ja!“ und wandte sich wieder ab. Sabers Augenbrauen hoben sich. 

„Was glaubst du, was mein erster Gedanke nach der ersten Schlacht gewesen war?“ rief Jarred jetzt wütend. Shinjiro blieb stehen. “Oh nein, mit mir hat das nichts zu tun, ziehe mich da nicht mit rein!” sagte er, Jarred nickte. „Shinjiro, es ist eine Tatsache, dass sich das Oberkommando und auch Jarr danach neu orientieren musste. Campbell und du, ihr beide wart tot und niemand wagte es, sich der Verantwortung zu stellen. Es gab stattdessen Schuldzuweisungen die hin- und hergeschoben wurden. Wäre ich damals die Verbindug ohen einen First Grad eingegangen, wäre das Königreich Jarr, jetzt eine Kolonie des Neuen Grenzland.“ kam es fester von Jarred zurück und er atmete tief durch: „Und wir sollten ausgerechnet dem Oberkommando helfen? Denen, die uns damals hängen gelassen haben. Von Anfang an war alles voller Intrigen!“

Shinjiro nickte darauf knapp: „Das weiß ich alles und Überraschung, diese Intrigen, sie sind immer noch da und wachsen und wenn das weitergeht, sind wir da, wo wir vor knapp 17 Jahren standen.“ und sah Jarred dabei fest an: „Warum ist keiner, weder einer aus Alamo, noch einer von dir danach nach Yuma gegangen?“ und seine Stimme wurde schärfer: „Stattdessen hast du zugelassen, dass alles nur provisorisch lief, ok es hat funktioniert, doch im Hintergrund wurde gegeneinander, im Oberkommando und auch auf Jarr Aufgerüstet ohne dass irgendjemand wirklich durchgeblickt hat.“ sprach er und machte eine kurze Pause: „Weißt du überhaupt, was auf Alamo wirklich passiert ist?” fragte Shinjiro und Jarred nickte: “Darüber bin ich informiert!” Shinjiro nickte: „Und das auch nur seit eurem Bündnis, wäre es nicht zustande gekommen, wäre das Oberkommando mit Jarr jetzt im Krieg.” Jarred sah Shinjiro fest in die Augen und atmete schwer und tief ein. Saber riss seine Augen auf, was sagte Captain Hikari da gerade? König Jarred schüttelte langsam mit seinem Kopf: “Soweit hätte ich es nicht kommen lassen, ich stand mit General Whitehawk im diplomatischen Austausch.“ sagte Jarred so fest er konnte. Shinjiro nickte und atmete ebenfalls tief ein und aus: “Wer gab den Feuerbefehl, die drei Hitze Raketen gegen Ramrod, ein Schiff des Neuen Grenzland, abfeuern? Und ich weiß das es nicht Roland war!” fragte Shinjiro. Saber trat einen Schritt nach vorn, hielt aber direkt wieder inne, sollte er eingreifen? Die beiden waren sehr laut und es waren durchaus brisante Informationen, welche ihm auch vollkommen neu waren. Und doch spitzte er seine Ohren, er erinnerte sich noch zu gut, als sie damals auf Jarr gelandet waren und direkt von drei Hitze-Raketen beschossen worden waren, hätte Fireball da nicht so schnell reagiert, wären diese direkt auf Ramrod eingeschlagen. Das war ein kriegerischer Akt seitens von Jarr gewesen war. Doch bis heute konnte nicht geklärt werden, wer genau diesen Befehl dazu gegeben hatte. 

Jarred stemmte seine Händ in die Hüften. “Du weißt also, wer den Befehl gegeben hatte?” fragte Jarred, Shinjiro nickte: “Ja, und auch wert den Knopf gedrückt hat. Und sag jetzt nicht, du weißt es nicht, König Jarred! Denn diese Sache ist sehr persönlich, mein Sohn war an Bord gewesen.” und Shinjiro ließ Jarred stehen und lief weiter. Jarred atmete kurz nachdenklich: ein und ging Shinjiro nach: “Gut, wem lässt du Hops gehen?” rief er fragend Shinjiro nach, dieser warf seine Arme in die Luft: “Bradley & einen General Franćeres aus Jarr“ Jarred lief ihm nach dem Gehörten noch eiliger nach: “Wann?” Shinjiro blieb abrupt stehen und drehte sich Jarred zu: „Gestern, aber oh, es ging nicht, da ich mir hier einen Film ansehen muss, von Dingen, die Ewigkeiten her sind!” sagte er voller Ironie Richtung Jarred: “Du weißt genau wie ich, dass es …” Shinjiro unterbrach Jarred direkt: “Schlechter Zeitpunkt und es wäre nett gewesen, mich vorher zu fragen!” sagte er fest.

Saber zog scharf seine Luft ein und merkte, die beiden machten sich gerade gegenseitig Luft, dass kannte er durchaus von Colt und Fireball, allerdings mischte sich hier Privates in militärische Aktivitäten und die Vergangenheit war gerade aktueller denn je.

“Fragen? Wann und wie es dir passt? Ich kenne dich, das Thema wäre niemals bei dir auf den Tisch gekommen!” Shinjiro ging einen Schritt auf Jarred zu: “Ja, und es war in Ordnung bis … !” Jarred sah seinem Freund jetzt fest in die Augen, “Bis was?” Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf, doch Jarred ließ nicht locker: “Nenne mir einen Moment, wo du deinen Vater in die Augen schauen kannst, ohne auch nur einmal daran zu denken, dann glaube ich dir, dass alles in Ordnung ist!” forderte Jarred und wartete ab. Shinjiro sah Jarred an und wollte etwas sagen, aber er konnte es nicht. Jarred nickte: “Da hast du deine Antwort!” Nach einer Weile sagte Jarred ruhiger: “Tu es einfach!” Shinjiro lachte kurz ironisch auf, “Einfach tun? …  Ich habe bereits keine Wahl mehr und höre jetzt auf, mich hier zu triggern, oder lass sie am besten ganz weg!” sprach er erst zu Jarred und drehte sich um: “Und kümmere dich um die Generäle auf Alamo, verdammt noch mal!” und kickte einen Stein vor sich weg. 

„Das ist heute geschehen!“, rief Jarred ihm hinterher: „Herzlichen Glückwunsch, Eure Hoheit!“, erwiderte Shinjiro trocken auf Französisch, ohne sich noch einmal umzudrehen und entdeckte wenige Meter vor sich seinen Major. Als er näher kam, hob er leicht seine Stimme: „Und egal was, Major Lancelot … tun Sie es!“ und ging an ihm vorbei. Saber blieb stehen und sah dem Captain irritiert nach und wanderte seinen Blick dann fragend zu König Jarred, der nun langsam auf ihn zukam und dabei ein deutlich amüsiertes Lächeln im Gesicht trug.

„Eure Hoheit, ist alles in Ordnung?“ fragte Saber besorgt nach. Jarred nickte dem jungen Schotten zu: „Ja, genau das wollte ich erreichen.“ sagte der König und zeigte dabei auf Captain Hikari, der sich immer weiter entfernte. Saber hob eine Augenbraue: „Sir?“ fragte Saber darauf nun noch irritierter. Jarred zeigte den Schotten an, mit ihm in Richtung Herrenvilla zu gehen, während Saber nickte und ging neben dem König an diesem späten Nachmittag: “Ich nehme an, sie sind im Bilde?” fragte Jarred nach, Saber nickte und das knirschen unter ihren Solchen vom roten Vulkan Schotter, war eine zeitlang das einzige Geräusch was die beiden begleitet: “Wissen Sie Richard, auf sowas habe ich die letzten Monate gewartet, ein gepflegter Ausraster, ala Hikari, es war zwar noch sehr bescheiden, aber da ist Luft nach oben!” Saber sah den König neben sich fragend an. Jarred sah das Gesicht des Highlanders neben sich und musste leicht schmunzeln: “Haben Sie nie diese Spannung in ihm gemerkt?” Saber nickte jetzt doch bestätigend. 

“Keine Sorge Mr. Lancelot, das hier war nichts Persönliches!” sagte der König, um den Gesprächston zu erklären. Saber sah, zur Herrenvilla, Captain Hikari war nicht mehr zu sehen. “Tue ich nicht, Sir! Ich kenne seinen Sohn!” kam es von Saber grinsend zurück und Jarred musste kurz auflachen: “Ja, ich vermute, so wird es sein” Saber fragte interessiert nach: “War er früher genauso?” Jarred schüttelte mit seinem Kopf: “Nein überhaupt nicht, deswegen denken alle, sein Sohn ist überhaupt nicht wie sein Vater. Ich vermute aber, die beiden sind sich ähnlicher als alle denken, hier ist der Vater nicht wie der Sohn!” erklärte Jarred. Okay, von dieser Seite hatte es Saber noch gar nicht betrachtet und schaute auf seine Unterlagen und wollte wissen: “Also stimmt es, dass er gemacht wurde für den First Grad?” und zeigte auf den Ordner, der das Emblem des First-Grand zierte. Jarred nickte etwas ergeben und bestätigte dies mit einem: “Mhm!” Saber fragte weiter: “Und sie wussten es.” 

Jarred atmete tief ein: “Ich kannte ihn schon bevor er auf Alamo in den Militärdienst eingetreten ist. Doch über diese Details werde ich jetzt hier nicht sprechen, Mr. Lancelot!” begann Jarred und zog direkt eine Grenze. Saber nickte verstehend, doch allein das Jarred bereit war ihm davon zu erzählen nahm Saber als großen vertrauensbeweis und hörte den König zu: “Ich habe ihm damals persönlich, als er 18 war auf Alamo gefragt ob er in den Dienst meiner “Garde Impériale de Jarr” treten möchte.” Doch er hatte abgelehnt …  “Es war beschlossene Sache, dass Shinjiro ins Oberkommando sollte und er tat es, ich verstand es!” 

Saber dachte über das Gesagte nach: “Sir, ich gerade leider nicht!” gab er schließlich zu. Jarred nickte und half dem jungen Major auf die Sprünge: „Wem dienen Sie in erster Linie, wenn der Schirm des Neuen Grenzland nicht existieren würde?“ Und Saber antwortete ohne zu zögern: „Der Krone, Sire.“ und im selben Moment verstand er und Jarred nickte leicht: „Sehen Sie, Mr. Lancelot, ein Seii Taishōgun dient auch unter keinem anderen Königshaus.“ Saber begriff und gemeinsam betraten sie die Herrenvilla. Im zweiten Stock standen Royu und Captain Hikari vor der großen Fensterfront im Wohnzimmer und unterhielten sich.

Saber und König Jarred traten zu den beiden.

Und Saber gab Captain Hikari das Tablet. Saber blickte zu Royu, dieser nickte ihm bestätigend zu. Gut, also hatte Royu den Captain bereits über ihr Vorhaben aufgeklärt. Der Captain rief die Ernennungsurkunde seines Sohnes auf und reichte sie an König Jarred weiter. “Na gut, weihen wir ihn ein!” sagte Jarred, als er sie sich ansah. “Soll ich einen Bilderrahmen besorgen?” fragte Royu und Saber musste innerlich gerade etwas lachen. Shinjiro blickte stumm Richtung Royu und sagte: “Ihr wart schneller, ich hatte es eh vor, zwar 4 Wochen später, aber gut!” Saber und Royu atmeten erleichtert auf. “Aber nur zur Aufklärung, alles andere will ich erst von ihm selbst hören!” waren Hikaris Bedingungen! Royu grinste: “Als ob du es nicht wüsstest!” Saber sah von Royu zum Captain Hikari.“Ja, aber ich mag es, wenn er es mir selbst erzählt!” erwiderte er und gab das Tablet an den Highlander zurück. Saber nickte und fragte: “Auf welches Schiff wird er gehen, Sir?”  Hikari sah Saber erstaunt an: “Siehst du sogar er weiß es schon, warum macht Shinji so ein Tamborino darum?” Royu zuckte mit den Schultern: “Um dich zu ärgern, glaub mir, das ist so!”

#6 Tromson Ranch

Colt saß am Tresen des Saloons der Tromston Ranch, seine Ellbogen hatte er auf das schwere Holz gestützt und hielt ein Glas in der Hand, dessen Inhalt er gedankenverloren beobachtete. Zur Feier des Tages hatte er sich einen Garrison Brothers Whiskey gegönnt, ein texanisches Feuerwasser, das sein Großvater zu besonderen Anlässen immer besonders geschätzt hatte. Zu viel ging ihm durch den Kopf und er drehte das Glas langsam zwischen den Fingern der braun-goldene inhalt schimmerte im spärlichen licht des Saloons und er nahm einen Schluck, der Whiskey brannte angenehm in seinem Hals, doch der Geschmack erreichte ihn kaum. Seine Gedanken waren ganz woanders. 

Vor etwa einer Stunde hatte er ein langes Hypercomgespräch mit Robin und Joshua geführt. Dem Baby ging es hervorragend, und auch Josh blühte in Schottland regelrecht auf. Das hatte Colt sofort bemerkt, der Junge hatte pausenlos erzählt, was er alles bereits erlebt hatte. Nessie, Hügel, Mauern, irgendeinen Bachlauf, Josh war so begeistert, dass Robin und er kaum dazu kamen, selbst ein Wort zu wechseln. Und jetzt, wo das Gespräch vorbei war, fühlte sich alles plötzlich still an. Er hatte Sehnsucht, die ihm schmerzte, er wollte sie in seinen Arm nehmen, doch statt es zu tun, saß er hier, mit einer Leere im Herzen, die er nicht beschreiben konnte. Die fast so schwer war, wie damals, als seine Eltern nicht mehr zurückkamen, dieses gleiche, unangenehme Gefühl von Leere, das sich langsam in ihm ausbreitete und er leerte sein Glas.

Und mit wem sollte er reden?  Saber hatte im Moment ohnehin genug um die Ohren, er pendelte jeden Tag zwischen Ramod, dem Büro und der Villa von König Jarred hin und her. Colt wollte ihn nicht auch noch mit seinen eigenen Gedanken belasten. Und Fireball, war abgeschirmt, einerseits war es gut, doch andererseits kanne Colt seinen Hombre, irgendwann würde er ausbrechen. Er hob seine Hand mit dem Glas: „Noch einen“, sagte er einsilbig, der Barkeeper nickte und griff bereits nach der Flasche. Colts Blick wanderte zum Monitor über den Tresen. Dort lief ein Footballspiel, live aus dem AT&T Stadium in Dallas. Die Dallas Cowboys kämpften sich über das Feld, begleitet vom Jubel tausender Fans. Doch Colt ließ das heute alles kalt. Für ihn war es dumpfer Lärm im Hintergrund.

Ein neues Glas wurde ihm vor die Nase gestellt. Colt legte die Hand darum, spürte das kühle Glas in seinen Fingern, während sein Blick erneut auf die Nachricht fiel, auf seinem Com, die er heute bestimmt schon hundertsten Male las. „Die Farm wurde verkauft, Herzlichen Glückwunsch, Mr. Wilcox.“ starrte er darauf, als könnten die Buchstaben plötzlich etwas anderes bedeuten. Dann hob er das Glas und leerte es in einem Zug. Die Farm war weg. Endgültig. Und in den nächsten Tagen würde sein Konto überquellen, vor Geld, mehr, als er in seinem ganzen Leben jemals hätte verdienen können, eine Summe, mit der er gerade überhaupt nicht umgehen konnte, er schrieb sie sich auf eine Servierte, diese paar Zahlen sollten also der Wert, für das Lebenswerk mehrerer Generationen sein.

Natürlich wusste er, was man damit anfangen konnte. Hier auf Yuma ließe sich etwas Neues aufbauen. Ein Ort für seine Familie, vielleicht sogar ein alter Traum. Und trotzdem fühlte es sich nicht richtig an, denn mit dem Verkauf hatte er nicht nur Land abgegeben, er hatte auch ein Stück seiner eigenen Geschichte ausgelöscht.

Unwillkürlich hallten die Worte von Fireball wieder in seinem Kopf, vielleicht… hatte er am Ende doch recht gehabt. Wer der Käufer war, wusste er nicht, aber war das wichtig, wollte er das unbedingt wissen? Und er war vor dem Verkauf noch nicht einmal da gewesen, um Abschied zu nehmen! “Was eine Kuhscheiße!” murmelte er tief vor sich hin und legte die Serviette beiseite.

„Na, Cowboy, säufst du gegen Kummer, oder was soll das hier werden?“ Colt rollte innerlich mit seinen Augen, die Stimme war ihm nur zu vertraut, er musste sich nicht einmal umdrehen: „Halt doch die Klappe, Neo!“, knurrte er etwas gereizt. Neo grinste schief und lehnte sich neben ihn an den Tresen: „Dann gib mir wenigstens einen aus. Dann bin ich auch ruhig.“ Sofort hob Colt zwei Finger in Richtung Barkeeper: „Nichts lieber als das.“ und kurz darauf standen zwei Bier vor ihnen. Colt drehte sich um und lehnte sich mit dem Rücken gegen den Tresen. Neo tat es ihm gleich und musterte ihn einen Moment: „Was ist denn los? Geht’s deiner Frau nicht gut?“ Colt ignorierte die Fragen, er hatte keine Lust zu reden und schon gar nicht mit Neo und doch war er genau deswegen hier, er nahm einen Schluck und ließ den Blick durch den Saloon wandern. Nur wenige Tische waren besetzt: „Verdammt leer hier heute“, stellte er fest. Neo nickte und nahm sein Bier: „Ja. Morgen rückt ein Vermessungsteam an. Sieht so aus, als wollte die Regierung das Land doch zur Besiedelung freigeben.“ erzählte er und nahm einen Schluck von seinem Bier und schnaubte leise: „Damit wäre die ursprüngliche Landschaft endgültig hin.“ Langsam drehte Colt seinen Kopf Richtung Neo: „Seit wann interessiert dich denn die Natur?“ Neo zuckte mit den Schultern: „Ist doch egal, aber daran sieht man mal wieder: Alles, was versprochen wird, wird irgendwann gebrochen.“ Colt wandte sich wieder dem Raum zu: „Du suchst doch sowieso immer nur nach einem Schuldigen für dein verkorkstes Leben“, sprach er feststellend und bemerkte, dass er schon leicht lallend war. Er musste klar bleiben und stellte sein Bier erstmal beiseite.

„Ach, hör doch auf, den Moralischen zu spielen“, sagte Neo und nahm einen Schluck aus seinem Bier: „Das macht doch jeder.“ und stellte die Flasche wieder auf den Tresen zurück und fragte etwas leiser von der Seite: „Wie geht es eigentlich dem First-Grad? Ich meine, man sieht und hört ja gar nichts mehr von ihm. Es gibt Gerüchte der unschönen Art, wird da etwas verheimlicht?“ Colt zuckte darauf nur mit seinen Schultern: „Was interessiert mich das?“ Neo blickte kurz überrascht und grinste dann schief. „Das sollte dich interessieren.“ Colt drehte sich wieder zum Tresen um und starrte auf den Fernseher über der Bar. Das Spiel war in eine Werbepause übergegangen und es lief lautlos eine Reklame für irgendein Duschgel über den Bildschirm: „Dem geht’s besser, soweit ich weiß“, murmelte er schließlich. Neo hob eine Augenbraue: „Ach, nun weißt du es plötzlich doch? Und wohin ist er denn verschwunden?“ fragte er und beugte sich etwas näher zum Cowboy: „Vielleicht wird im Hintergrund ja schon wieder etwas geplant. Irgendetwas, das später alle blind ausführen müssen, auf Befehl versteht sich natürlich.“ Colt reagierte nicht. Er ließ den Blick auf den flimmernden Bildschirm ruhen und versuchte, Neos Worte einfach auszublenden. Doch dann bemerkte Neo die Serviette vor ihm. „Ui“, sagte er und griff danach. „Hübsche Summe, ist die von dir? Das in Dollar und man wäre sorgenfrei für einige Jaährchen, und jeden Tag eine andere flachlegen!” fügte er noch lachend hinzu. Colt sah Neo an und wieder zum TV. “Och, komm schon, was ist Cowboy? Auf Alamo hast du zu Charlene und Jill auch nicht nein gesagt.” Colt nickte: “Ja, auch das ist Vergangenheit und sowas macht auf dauer eh keinen Spaß!” erklärte der Cowboy. Neo lachte auf: „Ach, es geht nur um den Moment, der Spaß macht!“ gab Neo darauf kund: “Aber jeder in seinen Gefilden!” Colt nickte: “Richtig!” Neo hob sein Bier: “Na dann auf deine Hochzeit, jetzt bist du fest für den Rest deines Lebens!” Colt leerte seine Flasche: “Was redest du für einen Müll!” Neo grinste immer noch: “Das ist kein Müll, du mutierst immer mehr zum Spießer, wo ist der Draufgänger, der Spaßvogel? Du wohnst in einem Viertel in Yuma-City umgeben von Angestellten, das Oberkommandos, deine kleine Lehrerin, ihr Bruder ein hübsches Vorstadtleben, dann tauscht du deine Cowboystiefel in Latschen und du bist ein typischer Vorstadt Cowboy der mal eine gute Zeit hatte!” 

Colt bestellte sich Kaktussaft, dieses Gequatsche konnte man zwar nur noch mit Alkohol ertragen, fand er, doch er konnte sich hier jetzt nicht zulaufen lassen, schließlich war er auch sowas wie im Dienst. “Meine gute Zeit kommt bald und er klopfte auf die Servierte!” Neo schaute den Cowboy fragend an: “Woher hast du die Kohle?” Der Lockenkopf stellte sein Glas ab: “Noch habe ich sie nicht, ich habe die Farm verkauft!” Neo verstand: “Neben mir steht ein Millionär! Hey Leute, hier steht ein Millionär!” Alle jubelten und forderten Freibier. “Sage mal, gehts dir nicht gut oder was?” und sah Neo wütend an. Neo lachte: “War nur ein Spaß, was hast du damit vor?” Colt nahm die Serviette und steckte sie ein: “Das geht dich nichts an!” sagte er und merkte, dass es ihm schon etwas drehte. 

„Lass mich raten“, sagte Neo mit einem schiefen Grinsen: „Du träumst von einem Häuschen im Grünen.“ Colt antwortete nicht, er nahm sein Kaktussaft und ging quer durch den Saloon zu einem freien Tisch am Rand des Raumes. Erst dort setzte er sich: „Bingo“, murmelte er schließlich. Neo folgte ihm, stellte sein Bier vor ihm ab und zog sich einen Stuhl heran. Seine Augen funkelten neugierig: „Na los“, sagte er und beugte sich etwas vor: „Wenn du schon mal hier bist, kannst du auch ein paar Informationen rausrücken.“ Colt sah ihn trocken an: „Informationen? Ich bekomme keine Informationen.“ Neo schnaubte leise: „Ach komm, du sitzt an der Quelle und hörst sie nicht sprudeln, erzähl das einen Greenhorn, aber nicht mir. Du warst sogar dabei, als der 1G am Boden lag und sein Killerbruder die ganze Aktion vermasselt hatte.“ Colt hielt Neos Blick einen Moment stand und nickte: „Ja und mehr weiß ich auch nicht.“ und sein Blick wanderte kurz zur anderen Seite des Saloons, wo gerade eine Gruppe Männer ein neues Pokerspiel begann. Karten wurden gemischt, Chips klackten auf den Tisch. Colt zog seine Augenbrauen zusammen, Neo lehnte sich zurück, doch sein Grinsen wurde breiter.

„Weißt du“, sagte er nachdenklich, „eigentlich wäre es genial, den Bruder des 1G auf unserer Seite zu haben.“ Nun war es soweit, Colt lachte kurz und trocken auf: „Egal, was du nimmst, nimm weniger.“ Neo rückte seinen Stuhl näher heran. Seine Stimme wurde leiser. „Ja leiderdDie verraten sich nicht gegenseitig“, murmelte er. „Da hilft nur, einen nach dem anderen loswerden.“ Colts Augen weiteten sich: „Du spinnst doch“, sagte er, ihm wurde beinahe schlecht bei dem, was er da hörte. Doch Neo hob beschwichtigend seine Hände: „Nur ein Gedankenspiel.“ und beugte sich wieder näher: „Aber auf meine Revanche verzichte ich nicht. Und dein Sümmchen könnte ich locker verdoppeln.“ Colt sagte nichts und Neo sprach weiter, als würde er ein Geschäft erklären: „Ich habe den Rotzlöffel gesehen, der geht jeden Morgen mit seinem Onkel laufen, genau acht Kilometer. Ganz in der Nähe von ihrem Haus.“ und verzog sein Gesicht: „Leider wird das mittlerweile zu gut bewacht, den Zwerg allein zu erwischen ist im Moment unmöglich.“ Colt spürte, wie sich ihm eine Gänsehaut über den Rücken zog und zuckte mit den Schultern: „Die sind nach dem Anschlag eben nicht so bescheuert wie du.“ Neo winkte nur ab: „Es wird eine Gelegenheit geben. Der Untergrund ist ebenfalls interessiert.“ begann jetzt Neo zu sprudeln und Colts Lauscher stellten sich auf: „An die Frau des von Hikari ist kein Rankommen, aber der Rotzlöffel ist das perfekte Druckmittel. Wenn der 1G fällt, wird er abdanken. Dann greift der alte Stab zusammen mit Lancelot und Lorenz, es wird Chaos geben.“ Und sein Lächeln wurde dünn: „Und im Chaos wird man sich dann um Jarr kümmern.“ und er lehnte sich zurück: „Aber ehrlich gesagt interessiert mich das alles nicht besonders.“

„Was soll das?“, fragte Colt leise: „Was habt ihr mit ihm vor? Und warum wählen die erst Hikari, nur um ihn anschließend offensichtlich wieder loswerden zu wollen?“ Neo zuckte mit seinen Schultern, als ginge ihn das alles nichts an: „Tja“, sagte er und nahm einen Schluck, anscheinend gab es auch in dieser Sache noch alte Verbindlichkeiten: „Auch hat wohl, damit hat keiner gerechnet.“ und stellte die Flasche ab und fuhr fort: „Niemand hätte gedacht, dass Hikari das Voting überhaupt annimmt. Bis vier Tage vor dem Ende der Abstimmung war jeder überzeugt, dass er sich zurückziehen würde. Mit allen Ehren versteht sich. Dann wäre alles beim Alten geblieben.“ Neo lehnte sich zurück und sah Colt schief an: „Aber dann hat er zugestimmt.“ und tippte mit dem Finger auf den Tisch: „Und damit hat er so ziemlich jeden Plan durcheinandergebracht.“

„Ich habe nur mit seinem Söhnchen noch eine Rechnung offen“, sagte er ruhig. „Aber für den Stab ist der Junge auch pures Gold.“ Colt schwieg: „Die Familie wird alles dafür tun, ihn gesund und munter wiederzubekommen. Er ist der einzige Nachkomme von Captain Hikari aus der ersten Linie des Shogun von Naku. Wenn der Junge verschwinden würde …“ und er zuckte mit den Schultern. Colt starrte Neo an und war fassungslos über das, was Neo da wusste. Und fragte sich im selben Moment, wie Neo so viel Wut auf Fireball haben konnte, dass er bereit war, gewalt anzuwenden. Neo bemerkte seinen Blick und grinste schief: „Was schaust du so erstaunt?“, sagte er. „Ich habe dir doch gesagt: Mach dich schlau und wenn du tief genug gräbst, findest du mehr, als dir lieb ist.“ und tippte mit dem Finger gegen die Tischkannte. Colt wandte den Blick ab, er konnte diesen Mann gerade nicht mehr ansehen: „Du solltest damit anfangen dein Verstand auszugraben, dennd as was du vorhast, nennt man Entführung und ist kein Falsch parken. Das andere ist mir alles egal“, murmelte er schließlich. Neo zuckte nur mit seinen Schultern, stand auf und ging hinüber zur Dartscheibe: “Auch gut, dann springt nichts für dich dabei raus!” Colt streckte seine Beine nach vorn und verschränkte seine Arme: “Ach!” knurrte er vor sich hin. Neo schoss auf die Scheibe: “Überlege es dir, Cowboy, aber nicht so lange, ich melde mich morgen bei dir.” und legte Colt die Pfeile hin. “Und danke für das Bier!” sagte er und verließ den Saloon. Colt hob den Arm und er bekam ein neues Bier und griff die Pfeile etwas schwankend. 


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[…] Fahrrad fiel scheppernd zu Boden und Shinjiro griff nach dem kalten Geländer der Brücke und lehnte sich dagegen, um sich auf den Beinen zu halten. Unter ihm ratterten die Züge vorbei, […]

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