8.332 Wörter, 44 Minuten Lesezeit.
Absatz 1
Der nächste Morgen.
Über Jarr lag ein frostiger Nebel und die ersten Strahlen der Morgensonne ließen die Eiskristalle auf den Dächern und Straßen glitzern. Die Straßenlaternen warfen ein goldenes Licht auf den frischen Schnee. Hier und da öffneten sich Fensterläden, während die Menschen in warmen Jacken und Mänteln durch die schneebedeckten Straßen eilten. April war in einen kuschligen, langen, schwarzen Mantel und einen dicken Schal gehüllt. Ihre kniehohen Stiefel hinterließen Spuren im frischen Schnee. In ihren Armen trug sie eine Tüte voller warmer, goldbrauner Croissants, deren Duft die kalte Luft um sie herum erfüllte. Die Versuchung, eines zu naschen, war groß, doch sie hielt durch, die Jungs freuten sich immer auf das süße französische Frühstück auf Jarr, das schon zur Tradition in der Ramrod Einheit geworden war.

Schnell schrieb sie Saber, Colt und Alex, dass sie im Offizierskasino mit frischen Croissants auf sie warten würde. Denn bevor sie den restlichen Tag im Labor verbringen würde, freute sich die Blondine auf das gemeinsame Frühstück. Sie liebte es, mit den neuesten technischen Geräten zu experimentieren und sich in komplexe Aufgaben zu vertiefen. Kürzlich hatte sie von einem neuen Forschungsgebiet gehört: eine spezielle Außenlackierung für Raumschiffe aus dem neuen Material, das Antromietlysion genannt wurde. Auch wenn sie sich die Funktionsweise noch nicht genau vorstellen konnte, faszinierte sie alles an dem Thema und sie hoffte, daran mitarbeiten zu können. Der Schnee knirschte unter ihren Sohlen. Für einen Moment atmete sie tief ein und die kalte Luft ließ ihre Wangen erröten.
Und dann drängte sich Fireball wieder in ihr Bewusstsein, obwohl er die letzten Wochen so weit weg gewesen war. Gestern hatten sie sich gegenüber gestanden und wussten nicht mehr, wie sie miteinander umgehen sollten. Das war ganz sicher nicht das freudige Wiedersehen gewesen, das sie sich erhofft hatte. Heute, mit etwas Abstand, sah sie den damaligen Konflikt aus einem anderen Blickwinkel. War es überhaupt ein richtiger Konflikt gewesen? Beide hatten Fehler gemacht, das war unbestreitbar, aber wie sollte sie jetzt auf ihn zugehen? Oder es einfach ignorieren? Trotz allem wollte sie ihn nicht aus ihrem Leben verlieren. Dafür bedeutete er ihr viel zu viel … vielleicht sogar zu viel? Sie atmete tief durch und beschloss, auf den passenden Moment zu warten. Denn diese unausgesprochenen Worte lasteten schwer auf ihr – sie wollte endlich Klarheit schaffen.
Vor dem Militärraumhafen herrschte schon reges Treiben. Niemand schien den Zauber dieses Morgens zu bemerken. Mit schnellen Schritten erreichte sie das imposante Gebäude, öffnete ihren Schal und ging direkt ins Offizierskasino, um den Tisch vorzubereiten. Es war kurz vor 8 Uhr und viele der vor Ort stationierten Einheiten nutzten morgens das reichhaltige Buffet. Der Duft von frischem Kaffee und warmen Brötchen lag in der Luft, Geschirr klimperte und das ruhige Stimmengewirr von Gesprächen war zu hören.
Saber antwortete ihr direkt, dass er sich auf das Frühstück freue. Sogar von Colt bekam sie schon eine Antwort. „Bin gerade mit Robin im Hotel mit Frühstück fertig, aber gegen ein zweites hätte ich nichts einzuwenden“, schrieb er. April konnte sich das Grinsen nicht verkneifen. „Dieser Fresssack!“, dachte sie sich spaßig, während sie ihre nächste Nachricht an ihren Vater tippte.
Absatz 2
Saber war der Erste, der erschien. Beide wünschten sich einen guten Morgen und fingen schon mal mit dem leckeren Frühstück an, während sie auf die anderen warteten.
Eine gute halbe Stunde später trudelte Colt gut gelaunt im Casino ein. Nach einem herzlichen Gruß an April und Saber setzte er sich und griff sich ein süßes Teilchen vom Tisch: „Du hast doch gerade erst gefrühstückt, Cowboy!“, sagte die Blondine mit einem neckischen Tonfall. Colt grinste breit und zuckte mit seinen Schultern: „Wie man es nennt, ist doch egal!“ und biss genüsslich, grinsend in das Gebäck. Saber rollte mit seinen Augen, konnte sich aber ein Grinsen nicht verkneifen. April schüttelte nur ihren hübschen Kopf, aber hätte ihm am liebsten eine Kopfnuss verpasst. Doch der Cowboy saß leider auf der anderen Seite des Tisches. Alex war der nächste, der dazukam und so tauschten sie sich während des Essens über die bevorstehenden Tage auf Jarr aus.

Zum Ende des Frühstücks griffen Alex und Colt gleichzeitig nach dem letzten Croissant. Sie sahen sich an und Colt hob grinsend seine Hand: „Finger weg, Bruchpilot, hier geht’s nach Rangordnung!“ Alex grinste zurück. „Na gut, das Alter geht vor Schönheit!“, gab der Deutsche darauf das Gebäck frei. Colt biss genüsslich hinein und meinte kauend: „Junge! Ich bin doch ein Jahr jünger als du.“. „Nur sechs Monate, Cowboy!“, korrigierte Alex mit einem schiefen Lächeln. Saber nahm unbeeindruckt einen Schluck von seinem Kaffee und fragte schmunzelnd: „Ach, auf einmal machen Ränge doch Sinn, oder wie?“, wollte er nun wissen. Colt nickte und zeigte mit dem Daumen auf Alex. „Man muss ihm halt klarmachen, wer hier der Boss ist!“, kam es als Antwort darauf. Alex verdrehte die Augen. April kicherte: „Und der Boss bist dann wohl du?“, neckte sie Richtung Cowboy. Daraufhin zog Colt grinsend eine schwarze Mappe aus seiner Tasche. „Noch nicht, aber bald!“ kommentierte er, während er sie an Saber weiterreichte.
Der Schotte klappte die Mappe auf und grinste schelmisch, nachdem er den fein säuberlich verfassten Offiziersgesuch auf edelstem Papier gelesen hatte. „Die gute Robin hat dir doch dabei geholfen, nicht wahr?“, fragte er wissentlich mit einem Augenzwinkern und reichte die Mappe an April weiter, die schon neugierig neben ihm hineinschielte. Colt nickte. „Klar, von selbst schreiben stand da nichts im Kleingedruckten. Und wenn man so eine kluge Frau wie Robin hat, warum nicht ihre Hilfe nutzen?“ April gab die Mappe zurück und meinte grinsend: „Solange es deine Worte sind und du auch weißt, was da drin steht, ist doch alles gut!“
König Jarred spazierte, wie an jedem Morgen nach dem Frühstück, seine gewohnte Runde. Doch heute zwang ihn das Schneetreiben, das den Palast in eine dichte, weiße Decke hüllte, und die Kälte dazu, seinen üblichen Spaziergang durch den Schlossgarten aufzugeben. Stattdessen wanderte er durch die warmen Schlosshallen. Sein Weg führte ihn in den noch geschlossenen öffentlichen Teil des Palastes, wo die Geschichte des Königshauses Jarr aufwendig inszeniert war. In kunstvollen Wandgemälden, Skulpturen und fein aufgearbeiteten Relikten wurde die Geschichte seiner Vorfahren lebendig erzählt. Der König blieb kurz stehen, um die imposante Darstellung einer Schlacht eines seiner Ur-Ur-Urgroßväter zu betrachten, bevor er weiter durch die Hallen schritt. In einer anderen Halle wurden regelmäßig wechselnde Ausstellungen verschiedenster Künstler präsentiert. Es war ihm ein persönliches Anliegen, dass sein Palast nicht nur ein Ort der Geschichte Jarrs war, sondern auch des Austausches der alten und modernen Kunst und der verschiedenen Kulturen. Heute widmete er sich der Ausstellung von exotischen Malereien aus fernen Ländern der Erde. Jarred war stolz darauf, dass die Dekorateure immer wieder mit Kreativität und Finesse arbeiteten, um die Räume entsprechend einzurichten. Er ging durch die Flure, grüßte die Damen und Herren, die für diesen Bereich verantwortlich waren, und warf ihnen gelegentlich einen prüfenden Blick über die Schultern. Er liebte es, seine eigenen Ideen einzubringen, um sicherzustellen, dass alles genau so aussah, wie er es sich vorstellte – einladend und makellos.
„In einer Stunde öffnen wir die Türen“, sagte einer der Mitarbeiter respektvoll, als der König vorbeiging. Jarred nickte zustimmend und ging weiter, bis er das neu eingeweihte Atelier erreichte. Hier hatten die Restaurateure und Künstler der Universität von Jarr einen Raum, um vor den Augen der Besucher an ihren Werken zu arbeiten. Der König lächelte zufrieden. Nachdem er sich von den Angestellten verabschiedet und ihnen einen schönen Tag gewünscht hatte, machte er sich auf den Weg zu seinem Büro. Doch noch bevor er das Büro erreicht hatte, sah er, wie ihm sein Privatsekretär eilig entgegengelaufen kam. Mit einem respektvollen Nicken reichte dieser dem König eine Ledermappe. Jarred blieb im Gang stehen, öffnete die Mappe und ließ seine Augen über das Dokument gleiten. Er las es konzentriert und klappte die Mappe wieder zu. Mit einem zufriedenen Lächeln setzte er seinen Weg fort.
Captain Hikari betrat den riesigen Hangar, dessen metallene Wände das leise Summen der Maschinen verstärkten. Das diffuse Licht fiel von der Decke herab und tauchte die Halle in ein blasses Grau. Vor ihm stand sein Jet für den heutigen Tag, der bereit war für den bevorstehenden Flug, während zwei Mechaniker die letzten Handgriffe ausführten. Hikari ließ seinen Blick über die glänzende Oberfläche des Kampfjets gleiten, bevor er eine langsame Runde um den Jet machte, der nur darauf wartete, endlich fliegen zu dürfen. Zufrieden mit dem, was er sah, löste er seinen Blick.
Am anderen Ende des Hangars entdeckte er Captain Lorenz zusammen mit Shinji, die auf einer Hebebühne standen und sich den Zwei-Mann-Jet, auch „Twin Seater“ genannt, anschauten. Shinjiro erreichte die Plattform und stieg zu Hebebühne hinauf. Fireball setzte sich vorne ins Cockpit und war sichtlich begeistert. Lorenz nahm den Platz dahinter wie abgesprochen ein. Mit routinierten Bewegungen und schnellen Knopfdrücken aktivierte Lorenz die Bordsysteme und die Anzeigen leuchteten in einem gleichzeitigen Flackern auch auf Fireballs Display auf.
Lorenz warf einen kurzen Blick zu Shinjiro, der mit fokussiertem Blick das Geschehen verfolgte. „Chic, ’ne?“, fragte er trocken mit einem Grinsen. Shinjiro nickte anerkennend. Bevor er die Hebebühne verließ, klopfte er seinem Sohn ermutigend auf die Schulter: „Na dann, los geht’s!“, sagte er mit einem entschlossenen Ton, bevor er sich abwandte und zu seinem eigenen Jet ging.
Shinjiros Schritte hallten durch den Hangar, jeder Auftritt seiner schweren Stiefel auf dem Betonboden verstärkte das Echo in der großen Halle. Während er mit einem Gefühl von Vorfreude auf den bevorstehenden Flug zuging. Der Gedanke daran, gleich den Boden zu verlassen, ließ ihn lächeln. Im Hintergrund hörte er das tiefe Grollen, als Lorenz langsam die Triebwerke seines Jets hochfuhr. Der Klang vibrierte durch die Luft und ließ Shinjiro noch energischer werden. Er beschleunigte seine Schritte, rannte die schmalen Metalltreppen hinauf zu seinem Cockpit, das bereit und wartend vor ihm lag.
„Hey, warte!“ hallte eine Stimme laut durch den kalten Hangar und es hallten Schritte durch die Halle. Shinjiro, der sich gerade ins Cockpit setzen wollte, hielt inne und drehte fragend um. Fireball, der eilig aus Captain Lorenz’ Jet geklettert war, rannte mit entschlossenen Schritten durch die Halle, an den anderen Jets vorbei und auf ihn zu. „Was ist denn jetzt los?“, fragte er sich und zog seine Augenbrauen zusammen. Fireball stoppte an der Treppe vor dem Jet seines Vaters, der ihm fragend entgegen blickte. „Ich fliege lieber mit dir!“, platzte es unerwartet aus ihm heraus. Für einen Moment hielt Shinjiro den Atem an, während sein Herz gefühlt einen Schlag aussetzte. Die Worte seines Sohnes hallten in seinem Kopf nach: „Ich fliege lieber mit dir!“ Es war eine Überraschung, mit der er nicht gerechnet hatte.
Sein Blick fiel auf seinen Sohn, der mit festem Blick vor ihm stand. Die Augen von Fireball strahlten Entschlossenheit und etwas Unsicherheit zugleich aus. Dieser Wunsch, mit ihm zu fliegen, war mehr als ein simpler Jet-Wechsel. Es war ein Zeichen von Vertrauen. Shinjiros sonst so kühle, kontrollierte Fassade begann zu bröckeln, während sich ein kleines Lächeln an den Rändern seiner Lippen abzeichnete. „Also gut“, sagte er schließlich und zu seiner Überraschung klang seine Stimme ruhiger, als er sich fühlte. Mit einer Geste zur Treppe deutete er seinen Sohn an, einzusteigen. Fireball lächelte, gab ein erleichtertes : “Ja, cool!” von sich und kletterte so schnell er konnte die Leiter zum Cockpit hinauf.

Wenige Minuten später rollten die beiden Jets synchron auf die Startbahn. Mit vollem Schub zogen sie steil nach oben und verschwanden in den dichten, grauen Schneewolken, die den Himmel bedeckten. Der Aufstieg war kraftvoll und die Luft lag schwer, während sie in die Höhe stiegen. Über den Wolken erstreckte sich jedoch ein klares friedliches und endloses Blau. Für die beiden Captains und Fireball war der Flug ein lang vermisster Genuss. Doch etwa eine Stunde später neigte sich der Spaß dem Ende zu. Die Jets senkten ihre Nase, landeten und kehrten in den Hangar zurück, wo sie langsam zum Stillstand kamen.
Absatz 3
Fireball fühlte sich leicht flau im Magen, als er aus dem Jet stieg. Schließlich war schon fast 3 Jahre her, dass er in einem Jet gesessen hatte und die plötzliche Rückkehr in diese Welt hinterließ gerade Spuren und er hoffte, diese nicht im Hangar zu verteilen. So hielt er kurz inne, atmete tief durch und versuchte, sein Gleichgewicht wiederzufinden, bevor er die Treppe hinunter stieg.
Captain Lorenz kam grinsend und voller Adrenalin auf ihn und seinen Vater zu. Die beiden Captains bedankten sich für den gemeinsamen Flug, während Shinjiro seinen Sohn aufmerksam musterte. Ihm war nicht entgangen, dass dieser ungewöhnlich still war und etwas wackelig dastand: „Wenn du jetzt ein Schleudertrauma hast, war’s das für morgen“, sagte Shinjiro mit einem Anflug von Besorgnis, aber auch mit einem Hauch Humor. Fireball blickte zu seinem Vater und schüttelte vorsichtig seinen Kopf, was ihm prompt erneut einen Schwindelanfall bescherte: „Nein, alles gut.” winkte er ab. “Es war nur ungewohnt und ich bin froh, dass ich nichts gegessen habe!“, gab er mit einem gequälten Lächeln zu. Lorenz lachte laut und klopfte ihm einmal kräftig auf den Rücken: „Na dann, ab in die Umkleide! Danach holen wir uns was zu essen”, schlug der aschblonde Captain vor, während er einen schelmischen Blick mit Shinjiro austauschte.
Fireball atmete tief ein und aus und murmelte den beiden ein trockenes: „Haha, sehr witzig!“, entgegen. Er ließ die beiden stehen und machte sich mit wackeligen Schritten auf den Weg zur Umkleide, froh, dem Spott wenigstens kurzzeitig zu entkommen.
Colt hatte sich ins Offizierskasino zurückgezogen. Er wollte kurz allein sein. Vor ihm lag sein offener Offiziersgesuch, dessen Umrisse er gedankenverloren musterte, er wollte diese Mappe endlich loswerden. Da setzte sich plötzlich jemand an seinen Tisch. Der Cowboy schaute auf und musste grinsen, als er Fireball ansah, der etwas grün um die Nase schien. “Was ist mit dir passiert, bist du das Fliegen nicht mehr gewohnt?”, feixte Colt ein wenig spöttisch. Fireball warf seinem Freund einen blassen Blick zu: “Das nicht, aber das, was die beiden da oben abgezogen haben, war pure Absicht!” Fireball atmete hörbar aus und legte sich seine Hände auf den Bauch. Colt musste unwillkürlich auflachen, er konnte sich noch an die erste Flugeinlage zwischen Lorenz und Hikari erinnern, die er zu sehen bekommen hatte. Da wurde ihm am Boden schon ganz anders, und sein bester Freund sah jedenfalls so aus, als würde er gleich den Sinkflug einleiten.
„Und warum sitzt du hier so allein herum?“, fragte Fireball nach einigen Augenblicken neugierig. Colt schob ihm wortlos die Mappe, die vor ihm lag, rüber. Fireball nahm sie entgegen, schlug sie auf und las ein paar Zeilen. Daraufhin blickte er grinsend zu Colt: „Ist das von dir?“ Colt rollte mit seinen Augen und schnappte sich seine Mappe zurück und klopfte Fireball damit leicht auf den Kopf: „Ja, und ich warte darauf, dass Captain Hikari sich mal wieder blicken lässt.“ Fireball stand auf und streckte sich etwas durch, die G-Kräfte steckten ihn noch immer in den Knochen und ein leises Knacken war zu hören: „Eagle ist auch da“, sagte Fireball, bevor er zum Getränkeautomaten ging. Colt verfolgte Fireballs Tun und verzog etwas sein Gesicht.
Nachdem der Japaner sich wieder gesetzt hatte, und sich traute etwas zu trinken, hoffte er, es bei sich zu behalten, erzählte ihm Colt: „Captain Hikari meinte vor ein paar Wochen, er erwartet mein Gesuch persönlich.“ Fireball setzte die Flasche ab und wartete auf eine Reaktion seines Körpers, die ausblieb und fragte nicht verstehend: „Und was genau ist jetzt das Problem?“ Colt zögerte einen Moment, schaute zu seinem Hombre und seufzte: „Es wäre ein neuer Lebensabschnitt.“ Fireball hob seine Augenbrauen: „Ein neuer Lebensabschnitt? Lieutenant zu werden, ist kein Wandel, sondern der Eintritt ins Militär. Du bekommst eine neue Uniform, keinen Heiligenschein!“ Colt musste etwas lachen, doch verstummte gleich darauf wieder, um etwas ernster zu werden. Fireball musterte seinen Freund und presste seine Lippen aufeinander, bevor er fragte: “Es wäre etwas Festes?” Denn er wusste, dass sich Colt in dieser Hinsicht nie festlegen wollte. Der Cowboy nickte darauf nur stumm und sah Fireball an. Für seinen Freund war das Militär nichts Besonderes. Seit seiner Kindheit war Fireball von Menschen umgeben, die im Militär dienten, aktiv oder im Ruhestand. Für ihn war diese Welt vertraut, fast selbstverständlich. Der Militäreintritt war für Fireball nur eine Formalität, ein kleiner Schritt in seinem Leben, das ohnehin diesem Weg gewidmet war.
Colt fühlte jedoch anders: “Und was ist dein Ziel mit dem Gesuch?”, wollte Fireball jetzt neugierig von seinem Freund wissen. Colt musste da nicht lange nachdenken und sprach direkt seine Gedanken aus: „Ich möchte sesshaft werden, heiraten, eine Familie gründen – und ich hoffe, dass ich eines Tages einen ganzen Stall voller Kinder haben werde. Um ihnen das Leben bieten, das sie verdienen. Es ist kein Job für mich, es geht mir nicht um Karriere, sondern um meine Arbeit, die eine Bedeutung haben soll und gleichzeitig einen höheren Zweck erfüllt. Der Gedanke, dass ich durch meine Fähigkeiten als Scharfschütze zum Frieden beitragen kann, erfüllt mich mit Stolz.” Colts Worte kamen mit so viel Leidenschaft, dass Fireball kurz sprachlos war.
„Sehr schön, Mr. Wilcox, ich nehme Ihr Gesuch gerne entgegen!“ Die unerwartete Stimme ließ Colt und Fireball etwas zusammenzucken. Ihre Blicke trafen sich kurz, voller Verwunderung, bevor sie gleichzeitig in die Richtung schauten, aus der die Stimme gekommen war. Vor ihnen am Tisch stand Captain Hikari, der das Gespräch offensichtlich schon eine Weile mitverfolgt hatte. Colt war sichtlich überrascht, stand auf und reichte die Mappe dem Captain. „Ja … äh … Captain, Sir!“, stammelte er etwas nervös. Fireball hingegen konnte sich ein breites Grinsen nicht verkneifen. „Du hast gelauscht!“, warf er seinem Vater vor. Captain Hikari nahm die Mappe entgegen und warf Colt einen kurzen Blick zu, bevor er sich an seinen Sohn wandte. „Ja, vielleicht ein bisschen, aber eigentlich habe ich dich gesucht und wollte euch nicht unterbrechen.“ Er deutete mit einem Nicken Fireball an, mit ihm zu kommen.
Colt atmete erst einmal tief ein, als er sich wieder gesetzt hatte. Um die Spannung aus seinem Körper zu vertreiben.
Captain Hikari führte seinen Sohn in sein Büro und fragte direkt: „Wie geht es dir nach unserem Ausflug?“ Fireball setzte sich in einen der Sessel vor dem Schreibtisch: „Es geht wieder. Ich habe es wohl unterschätzt; es ist lange her, dass ich in einem Jet saß, aber es hat Spaß gemacht. Ich weiß, dass ihr die Manöver gemacht habt, um mich zu ärgern!“ Shinjiro grinste: „Ein wenig, aber das war auch mein Ziel. Das, was ich höre, ist okay, nicht gut, aber okay. Du konntest aufrecht stehen und laufen – da habe ich schon andere erlebt nach so einer Aktion!“ Fireball schaute seinen Vater an und rollte innerlich mit seinen Augen: „Na toll!“, kommentierte er knapp. Shinjiro lehnte sich jetzt ernster an den Schreibtisch. „Fang wieder mit Joggen oder Karate an – es ist Zeit, wieder fit zu werden!“ Fireball nickte. Er wusste ja selbst, dass er es seit dem Krankenhausaufenthalt mit dem Training hat schleifen lassen. Und bevor er offiziell wieder im Dienst war, musste er einen Gesundheits- und Fitnesscheck bestehen: “Hast du dir Gedanken gemacht, wohin es in einigen Monaten mit dir gehen soll?”, fragte Shinjiro. Fireballs Antwort war ein tiefes Einatmen, sein Ziel war weiterhin die Ramrod-Einheit, aber ein 100 Prozent konnte er darauf nicht geben. Also sagte er erst einmal gar nichts. In der Zeit holte Shinjiro zwei noch eingeschweißte neue Fachbücher hervor und gab sie seinem Sohn: „Vielleicht hilft das.“ Fireball betrachtete die Bücher: Eines war über Jetpiloten, das andere über Kampfschiff-Piloten. Er blickte auf: „Also pro und kontra?“ Shinjiro zuckte mit seinen Schultern. „Manchmal hilft sowas.“ Fireball stand auf und war davor, das Büro zu verlassen. “Wo geht’s hin?” fragte Shinjiro, Fireball drehte sich noch einmal um: “Was essen. Jetzt kann ich es ja wieder.” Hikari grinste, als die Tür ins Schloss fiel. Er setzte sich an den Schreibtisch und öffnete die TS-ID Dateien. Die Unterwanderung des Oberkommandos war weiterhin in vollem Gange und der Geheimdienst war den Verschwörern dicht auf den Fersen. Mit jedem neuen Hinweis fügten sich die Puzzleteile zusammen und ein immer klareres Bild der Operation entstand.
Im Offizierskasino hatten mittlerweile Saber, April und Alex an Colts Tisch Platz genommen. Die Mitteilung, dass sie bald einige Tage freihatten, hob die Stimmung gewaltig. Sie bemerkten, dass Fireball auf sie zukam. Dieser legte seine Bücher ab und ging sich ebenfalls etwas zu beißen holen. Colt, neugierig wie immer, betrachtete die Bücher, die neben ihm lagen, konnte jedoch nicht viel damit anfangen – sie waren auf Japanisch. Nur anhand der Bilder auf den Covern erkannte er, dass es sich um die Fliegerei drehte. Fireball kehrte zurück und setzte sich. Er hatte mittlerweile richtig Hunger, da er am Morgen vorsorglich nichts gefrühstückt hatte – eine Entscheidung, die zu einer kleinen Diskussion mit seiner Mutter geführt hatte, die jedoch schließlich Verständnis dafür hatte. Nach einigen Momenten der Ruhe und des Genießens des wirklich guten Essens zeigte Colt mit seiner Gabel auf die Bücher vor Fireball und fragte neugierig: „Was ist das?“ Der Angesprochene sah auf, folgte Colts Blick und grinste frech: „Bücher … kennst du nicht?“ Colt rollte mit den Augen: „Klugscheißer! Ich meine, worum geht’s? Leider stehen da nur Hieroglyphen drauf“, sagte er und schob sich eine volle Gabel in den Mund. Fast hätte sich Fireball verschluckt, als er merkte, was Colt meinte, und erklärte dann: „Das sind detaillierte Fachbücher für Piloten über Kampfschiffe und Kampfjets …“ Saber fragte interessiert nach: „Für dein Studium?“ Fireball trank einen Schluck und nickte leicht: „Auch, ja. In erster Linie sind es Entscheidungshilfen.“ Jetzt war es raus, dachte er.
April, die bisher nur zugehört hatte, ergriff das Wort: „Wozu Entscheidungshilfe? Willst du etwa Jetpilot werden?“ Saber und Colt schauten jetzt ebenfalls erwartungsvoll zu Fireball. Alex, der bis eben noch in sein Essen vertieft war, hob überrascht eine seiner Augenbrauen, aber einmischen wollte er sich da nicht. „Deswegen ja Entscheidungshilfe“, war Fireballs ausweichende Antwort auf Aprils Frage. Die Blondine runzelte irritiert ihre Stirn: „Was gibt es da zu entscheiden? Wir dachten, du kommst zurück zu Ramrod, wenn du mit deinem Studium fertig bist!“, warf April darauf ein. Saber sah Fireball ernst an. Auch er wollte jetzt eine klare Antwort. Colt hingegen schwieg, aber man konnte förmlich spüren, dass es in ihm brodelte.
Fireball kaute nachdenklich und überlegte, was er darauf jetzt antworten sollte: „Ja, zurückkommen werde ich. Ich weiß nur noch nicht, als was. Mein Vater erwartet demnächst eine Entscheidung von mir.“ Saber war überrascht und erinnerte sich an das Gespräch, welches er mit Captain Hikari vor 4 Monaten geführt hatte. Es wurde ihm klar, dass Fireball tatsächlich noch unsicher war, was er wirklich wollte. Hatten sie ihn damals mit dem Projekt Ramrod möglicherweise überrumpelt? War er damals vielleicht doch zu jung, um richtig zu entscheiden oder einfach Nein zu sagen? Colt ergriff nun das Wort: „Partner, das ist doch vollkommen klar. Du kommst wieder zu uns. Was gibt es da groß zu entscheiden?“ Fireball schwieg und aß weiter, was Colt sichtlich irritierte. Er sah seinen Freund an, der unsicher war, was er noch sagen sollte. Die Vorstellung, dass Fireball möglicherweise nicht mehr Teil der Ramrodeinheit sein wollte, machte Colt sprachlos, wenn nicht traurig. Zu einem nicht unerheblichen Teil hatte er selbst die Entscheidung, Offiziersanwärter zu werden, auch getroffen, um weiterhin mit seinen Freunden zusammen zu sein. Saber bemerkte die Spannung, die sich hier gerade aufbaute und wollte die Situation entschärfen. Er blickte in die Runde, besonders zu Colt und April, und sagte: „Wir warten ebenfalls, bis du deine Entscheidung getroffen hast.“ Fireball nickte nur leicht.
Absatz 4
Saber hatte am Nachmittag beschlossen, seinem Team für den Rest des Tages freizugeben, damit sich die Gemüter beruhigen und jeder etwas zur Ruhe kommen konnte. Doch der Schotte konnte nicht leugnen, dass ihn Fireballs Unentschlossenheit getroffen hatte. Er hatte den Japaner fest in seine zukünftige Teamplanung integriert, und nun stand diese Entscheidung auf wackligen Beinen. Kampfpiloten waren rar im Grenzland und es war schwer, fähige Leute zu finden, auf die man sich verlassen konnte. Fireball war kein Grünschnabel, der erst in die Rolle hineinwachsen müsste. Wenn er zurückkäme, würde er als erfahrener Pilot zurückkehren. Als jemand, der das Vertrauen und seine Fähigkeiten bereits bewiesen hatte.
Mit diesen Gedanken verließ der Schotte das Badezimmer. Etwas Wasser tropfte noch von seinen nassen Haaren, während er mit einem entspannten Seufzer die frische Kühle des Raumes auf seiner Haut spürte. Ein weiches, flauschiges Handtuch war um seine Hüften geschlungen und er genoss für einen Moment die Ruhe. Doch seine Gedanken kreisten weiter. Saber wusste, dass auch andere befehlshabende Offiziere, sei es auf einem Schiff oder in einer Fliegerstaffel, jeden Neuankömmling genau prüften, bevor sie ihn in ihre Reihen aufnahmen. Es ging nicht nur darum, fliegerische Fähigkeiten zu haben, es ging darum, Teil eines Teams zu werden und den Rückhalt der Kameraden zu genießen. Und das alles bot sein Pilot. Das wussten auch die anderen Befehlshaber. Saber hoffte, dass Fireball sich dieser Verantwortung bewusst war und am Ende den richtigen Weg für sich finden würde. Doch es beschäftigte ihn mehr, als er sich eingestehen wollte. Warum zögerte er jetzt, nachdem er doch bisher so zuverlässig und entschlossen gewesen war? Saber versuchte, sich in seinen Kameraden hineinzuversetzen, verstand aber, dass manche Dinge außerhalb seines Einflusses lagen. Er zog sich an, er spürte, dass der Stress der letzten Tage nicht nur ihm ganz schön zugesetzt hatten. Vielleicht war die bevorstehende kurze Auszeit tatsächlich das Beste, um wieder frische Energie zu schöpfen und die Situation in einem neuen Licht zu sehen. Er knöpfte sein Hemd zu und dachte darüber nach, die wenigen Tage zu nutzen, um seine Eltern in den Highlands zu besuchen. Dabei fiel sein Blick auf das leise Blinken seines Kommunikators.
Mit einem leichten Stirnrunzeln griff der Schotte nach dem Gerät und las die eingegangene Nachricht. Sie war von Captain Hikari: „Morgen Abend, 19 Uhr, im ‚Grand Hotel du Palais Royal‘, Séparée, mit Eagle, Lorenz und Murry. Abendgarderobe.“ Ein leises Lachen entwich Saber, als er den Inhalt der Nachricht verarbeitete. Der alte Colonel Murry hatte es also geschafft, das lang ersehnte Abendessen zu bekommen. Saber freute sich und prüfte direkt, ob sein Anzug für den Abend noch tauglich war. Nach einem kurzen Blick entschied er jedoch, ihn zur Reinigung zu bringen, um sicherzustellen, dass er perfekt für das elegante Treffen war.
Jetzt aber wollte er sich auf seinen Feierabend konzentrieren, den er heute allein verbringen würde, was ihn jedoch keineswegs störte. Er genoss diese Momente des Alleinseins, sei es mit einem guten Buch oder, wie an diesem Abend, bei einem Besuch einer seltenen Ausstellung im Palast. Diese Abgeschiedenheit bot ihm die Möglichkeit, dem Trubel und den Anforderungen seines Alltags als Captain zu entfliehen. Es war der ideale Weg, um vom stressigen Tag abzuschalten.
Der Himmel war bereits in ein samtenes Schwarz gehüllt und zarte Schneeflocken schwebten aus den Wolken und glitzerten im Schein der Straßenlaternen. Die Geräusche der Stadt waren gedämpft, als ob der Schnee eine Decke der Ruhe über alles gelegt hätte. Nur das leise Knirschen der Autoreifen, die sich über die dünne, noch unberührte Schneeschicht bewegten, durchbrach die Stille. Drinnen jedoch war es warm und gemütlich. Shinjiro saß in seinem privaten, modernen Büro und arbeitete sich durch die digitalen Stapel von Formularen, die sich über die letzten Tage angehäuft hatten. Die Tasse Tee neben ihm dampfte schon nicht mehr. Da riss ihm sein Kommunikator aus seiner Konzentration. Er warf einen schnellen Blick auf das Gerät und erkannte die ID von König Jarred. Er drückte den Anruf durch, froh über die unerwartete Ablenkung. Auf dem Bildschirm erschien das vertraute Gesicht des Königs: „Eure Hoheit!“, begrüßte er ihn mit gespielter Förmlichkeit und schob das Notebook fast demonstrativ ein Stück von sich weg.
Jarred lachte herzhaft und erwiderte mit einem breiten Grinsen: „Guten Abend, Captain Hikari oder sollte ich dich lieber schon mal ‚First-Grand‘ nennen, damit du dich daran gewöhnst?“ Shinjiro schmunzelte verhalten: „Noch ist es nicht so weit“, erwiderte er trocken. „Also, nein, noch nicht.“ Jarred nickte und lehnte sich entspannt zurück, denn auch ein König hatte schließlich mal Feierabend: „Was machst du gerade? Hast du Zeit?“ Shinjiro blickte auf sein Notebook und dann wieder auf den Bildschirm, während er abschätzend meinte: „Kommt ganz darauf an.“ Der König lachte. „Sagen wir mal, ich hätte da was für dich, oder besser gesagt, für euch.“ Shinjiro zog skeptisch die Augenbrauen hoch. „Du sprichst in Rätseln. Ich verstehe kein Wort!“ Jarred grinste so breit, dass es fast ansteckend war: „Ich will mich nicht festlegen und schon gar nicht alles verraten, aber … wann hättet ihr Zeit?” Shinjiro runzelte seine Stirn und war sichtlich bemüht, die Andeutungen seines Freundes zusammenzusetzen: „Wer ist denn dieses ‚wir‘?“ Der König nickte, als er merkte, dass er sich vielleicht etwas unklar ausgedrückt hatte. „Ich meinte dich und deinen Sohn. Ich möchte euch etwas zeigen.“ Jetzt war Shinjiro endgültig verwirrt. Er blinzelte und kämpfte mit dem Impuls, seinem Freund einfach ein „Hä?“ entgegenzusetzen. Stattdessen entschied er sich für ein Lächeln und einen tiefen Atemzug. Das las der König jedoch aus dem Gesicht des Japaners und konnte sich ein Lachen nicht verkneifen. Shinjiro schüttelte leicht seinen Kopf. “Kommt in mein Büro, es dauert nicht lange”, wurde Jarred nun etwas klarer. Shinjiro nickte: „Ja, wenn, dann jetzt. Morgen muss ich noch ein Essen im Grand Hotel du Palais Royal ausgeben.“ Jarred nickte und hob interessiert eine Augenbraue: „Ach, ist Colonel Murry vor Ort?“ Das war der Punkt, an dem Shinjiro seine Arbeit für heute abhakte.
Er lehnte sich in seinen Schreibtischstuhl zurück und sah den König mit einem leicht genervten, aber humorvollen Ausdruck an: „Ja, mit Eagle, Lorenz und … Captain Lancelot, wird mit einer Eintrittskarte erscheinen“, teilte Shinjiro Jarred mit. Der König schmunzelte und man sah ihm an, dass er das Spiel verstand. „Oh, also ein offiziell-privates Event, hm?“ Shinjiro grinste leicht. „Nennen wir es diplomatisch ausgedrückt ein strategisches Abendessen. Murry möchte antworten und dazu ein gutes Essen.” Jarred nickte bestätigend: „Klingt nach Murry. Hast du noch einen Platz für mich?“, fragte Jarred direkt darauf. Shinjiro sah Jarred einen Moment lang regungslos an. Jarred erwiderte den Blick unbeeindruckt, doch der Vorwitz in seinen Augen funkelte. Shinjiro seufzte schließlich und gab sich geschlagen: „19 Uhr im Séparée – du möchtest also einfach nur ein Abendessen abgreifen.“ Jarred nickte unschuldig. „Ja, genau deswegen frage ich. Und nach 16 Jahren kannst du mir ruhig mal eins ausgeben!“ Shinjiro zog die Augenbrauen zusammen: „Das klingt jetzt auch verdächtig nach Murry.“ Jarred brach in ein lautes Lachen aus: „Na dann, ich erwarte ein erstklassiges Dinner.“ – „Du erwartest viel zu viel, es ist nur das Grand Hotel du Palais Royal“, konterte Shinjiro ruhig. Jarred lachte, wusste er doch, dass es die exklusivste Adresse neben seinem Palast war.
Absatz 5
Colt und Robin saßen in dem gemütlich eingerichteten Hotelzimmer. Colt lehnte sich entspannt auf dem Sofa zurück. Die Sache mit Fireball hatte ihn noch eine ganze Weile beschäftigt, doch er vertraute einfach darauf, dass er auf Ramrod zurückkehrte. Was sollte er auch woanders wollen? “Ach!”, seufzte er und griff nach der Fernbedienung, bereit, den Abend vor dem TV ausklingen zu lassen. Doch Robin, die neben ihm auf einem Sessel saß und ein paar Flyer in den Händen hielt, hatte andere Pläne.
„Also, Sofa und TV, oder?“, fragte Colt mit einem breiten Grinsen und einem Blick, der die Sache klar machte. Robin schüttelte jedoch ihren Kopf und lächelte ihn liebevoll, aber bestimmt an: „Auf gar keinen Fall! Ich bin auf Jarr und ich habe die letzten Wochen so hart Französisch gelernt – ich möchte das anwenden! Ein bisschen Kultur wird dich schon nicht umbringen, Cowboy.“
Colts Grinsen entwich und er legte seinen Kopf schief: „Kultur? Also, wenn du mich fragst, gibt es nichts Besseres als die Kunst, auf einem bequemen Sofa zu liegen.“
„Ha-ha“, lachte Robin sarkastisch und schüttelte erneut mit ihrem Kopf: „Nein, wirklich, schau mal hier!“ Sie hielt ihm einen Flyer unter seine Nase. „Im Palast wird heute Abend eine neue Ausstellung eröffnet.“
Colt zog die Augenbrauen hoch und sah sie überrascht an. „Oh ja, klar, hab davon gehört“, sagte er mit einem Lächeln, das ihm ein wenig Unschuld und Schalk verlieh. „Ach, tatsächlich?“, fragte Robin und presste streng ihre Lippen, während sie ihn herausfordernd ansah: „Und was wird denn ausgestellt, Monsieur Wilcox?“
Colt ging sich verlegen durch seine Locken und zuckte mit den Schultern. „Ähm … Bilder? … Oder sowas“, murmelte er, und sein Gesichtsausdruck verriet, dass er insgeheim hoffte, dass diese vage Antwort ausreichen würde.
Robin verdrehte leicht die Augen, konnte sich jedoch ein Grinsen nicht verkneifen. „Du bist unverbesserlich! Aber ja, Bilder werden auch ausgestellt“, sagte sie schließlich und legte den Flyer mit einem seufzenden Lächeln zurück auf den Tisch. „Aber das war nicht alles. Da gibt es noch viel mehr zu entdecken.“
Colt, der Kulturbanause, stand schließlich auf und streckte sich: „Na gut, dann auf zum Palast. Aber unter einer Bedingung – vorher suchen wir uns was zum Kauen. Ich hab einen Bärenhunger!“
Robins Augen leuchteten auf. „Abgemacht!“, rief sie fröhlich und sprang auf. Sie verschwand mit einem glücklichen Strahlen im Bad, um sich für den Abend schick zu machen. „Im Palast war ich schließlich noch nie!“, rief sie ihm durch die halb geschlossene Tür zu.
Colt grinste in sich hinein und schüttelte leicht den Kopf: „Tja, was tut man nicht alles für seine Liebste“, murmelte er und sah zu, dass er sich etwas Kultur anzog.
Absatz 6
Fireball und sein Vater warteten im Büro des Königs auf dessen Ankunft. Fireball sah sich interessiert um. Fireball sah sich interessiert um. Der Raum wirkte geradezu überwältigend und zeugte von Macht und Reichtum. Hohe Decken, die mit kunstvollen Fresken verziert waren, verliehen dem Raum eine erhabene Atmosphäre. An den Wänden hingen schwere, tiefrote Vorhänge aus edlem Samt, die mit goldenen Kordeln zusammengebunden waren.
Am Ende des Raumes stand ein imposanter Schreibtisch aus dunklem Mahagoni, der mit aufwendigen Schnitzereien verziert war. Darauf lagen ordentlich gestapelte Dokumente und ein antiker Federkiel ruhte in einem Kristall-Tintenfass, das wie ein funkelnder Edelstein schimmerte.
Fireball trat neugierig näher und zeigte auf die Feder: „Meinst du, er schreibt damit wirklich?“, fragte er und zog skeptisch eine Augenbraue nach oben.
Shinjiro, der neben Jarreds Golf Putting Matte stand, sah auf und trat neben seinen Sohn. Ein kurzes, kaum merkliches Lächeln huschte über seine Lippen: „Oh ja“, sagte er und nickte: „Er unterschreibt damit seine Beschlüsse. Er meint, das gäbe dem Ganzen die richtige Würze und nennt es ‚Le dernier sifflement‘. Fireball riss die Augen auf. „Du kannst Französisch?“, fragte er, sichtlich beeindruckt. Shinjiro klopfte seinem Sohn leicht auf eine Schulter: „Lern es. Es hat Vorteile“, grinste er und wandte sich der prunkvollen Rüstung zu, die in einer Ecke des Büros stand und für ihn ein absoluter Stilbruch in dieser Umgebung war.
Fireball blies seine Wangen auf und ließ die Luft langsam entweichen, als würde er alle seine Französisch-Ambitionen in einem Atemzug aufgeben: „Och, nö!“, murmelte er. „Englisch reicht mir vollkommen. Shinjiro lachte leise, während er den Kopf schüttelte.
Die schwere Bürotür ging auf und König Jarred trat ein: “Entschuldigt bitte die Verspätung, schön, dass ihr gekommen seid“, begrüßte er seine Gäste und zeigte ihnen gleich den Nebenraum an.
Fireball und Shinjiro betraten Jarreds privaten Rückzugsraum. Der Raum war Fireball vertraut; vor knapp zwei Jahren hatte ihm der König hier die Geschichte seines Vaters erzählt. Fireballs Blick wanderte unwillkürlich zu der Wand über dem Kamin, wo früher das Porträt seines Vaters gehangen hatte. Stattdessen hing dort nun eine beeindruckende Naturmalerei, die eine friedliche Waldszene mit einem Wasserfall zeigte.
Doch es war nicht das Bild, das Fireballs Aufmerksamkeit fesselte. Direkt vor dem Kamin stand ein Sockel, auf dem ein Objekt hinter poliertem Glas ausgestellt war. Fireballs Augen weiteten sich, als er dem Objekt näher kam.
Sie stoppten vor dem Sockel, Shinjiro sah Jarred fragend entgegen, dieser nickte nur: “Direkt aus der aktuellen Ausstellung. Ich habe heute Morgen die Erlaubnis des kaiserlichen Hofamtes bekommen, es für einige Stunden in meinen privaten Gemächern auszustellen“, erklärte Jarred. Kaum hatte er das gesagt, traten zwei Kammerdiener in den Raum, in makellose Livreen gekleidet. Sie gingen behutsam ans Werk, hoben das schwere, schützende Glas an und stellten es vorsichtig zur Seite. Und gaben somit den Blick ungehindert frei auf das alte wertvolle Katana, dessen polierte Klinge das flackernde Licht des Kaminfeuers reflektierte, sodass es wirkte, als würde das Schwert in einem eigenen Glanz erstrahlen.
„Wie cool ist das denn?“, murmelte Fireball und ließ seinen Blick fasziniert über die kunstvoll verzierte Scheide und den fein gearbeiteten Griff des Katanas gleiten. Es war ein beeindruckendes Stück und die feinen Details zogen ihn regelrecht in ihren Bann. Sein Blick erfasste die kunstvoll eingravierten Kanjis und er hielt einen Moment seinen Atem an. Ohne groß nachzudenken, streckte er eine Hand aus, um diese aus nächster Nähe zu betrachten.

Doch bevor seine Finger die Oberfläche berühren konnten, hielt plötzlich jemand energisch seine Hand fest. Erschrocken blickte Fireball auf und sah in das strenge Gesicht seines Vaters, der ihn mit einem unmissverständlichen Blick fixierte. Shinjiros Hand lag fest auf Fireballs Handgelenk und hielt ihn davon ab, das Schwert anzufassen.
„Es gehört dir nicht, also fass es nicht an!“, sagte Shinjiro mit ernster Stimme. Der Ton ließ keinen Widerspruch zu und Fireball spürte, wie ihm ein kurzer Schauer über den Rücken lief. „Sorry, ich wollte es nur aus der Nähe sehen“, murmelte er und zog seine Hand zurück. Er konnte sehen, dass sein Vater es ernst meinte, und fragte: “Wer ist dieser Shinjiro Hikari?”, fragte er und zeigte auf die Kanji. Shinjiro blickte zum Katana und zu seinem Sohn. Hunderte Fragen taten sich in ihm gerade auf. Wie konnte sein Sohn die Geschichte nicht kennen?
Jarred, der die Szene beobachtet hatte, blickte zwischen Vater und Sohn hin und her.
Absatz 7
Der Abend schritt voran, und Saber lehnte sich für eine Pause entspannt an die Theke der Bar in der Lobby des Museums, während er an seinem Drink nippte. Mit einem leichten Grinsen beobachtete er Robin und Colt, die durch die Ausstellung schlenderten. Die blonde Lehrerin erzählte bestimmt begeistert von den Gemälden und den Geschichten dahinter, während Colt hin und wieder eifrig nickte, als würde er alles verstehen. Saber konnte aber erkennen, dass Colts Blick immer wieder sehnsüchtig in Richtung Ausgang und Bar wanderte. „Der Cowboy hält sich tapfer“, dachte Saber amüsiert. „Immerhin ist er noch nicht geflüchtet.“ Der Schotte hob sein Glas zu einem stillen Toast in Richtung seines Scharfschützen, der ihn mit einem fast verzweifelten Blick ansah – als wollte er sagen: „Hilf mir!“ Saber lachte leise in sich hinein. Es war wirklich beeindruckend, wie Robin es schaffte, Colt zu motivieren, obwohl er in diesem Umfeld offensichtlich fehl am Platz war.
Fireball lief durch die kalten, verschneiten Straßen, die Stille der Nacht nur vom leisen Knirschen des Schnees unter seinen Füßen unterbrochen. Der Mond warf ein sanftes, silbriges Licht über die Dächer, während die Stadt um ihn herum in Dunkelheit gehüllt war. Seine Gedanken kreisten um das Gespräch, das er vorhin mit seinem Vater in König Jarreds Büro geführt hatte. Erstaunlich was sich alles in diesem Büro fügt, erst die Geschichte seines Vaters, dann die Geschichte seiner Familie. Er schüttelte seinen Kopf, in dessen Haare sich die weißen, zarten Schneeflocken gesetzt hatten. Es war eine dieser typischen Geschichten gewesen – die, die er schon so oft gehört hatte, von seinem Großvater und seinem Onkel. Er kannte die Geschichten gut, aber für ihn waren sie immer etwas Entferntes geblieben. Legenden aus einer anderen Zeit. Sie hatten ihn zwar beeindruckt, aber nie wirklich berührt. Doch heute war es anders gewesen. Heute hatte er nicht nur eine Geschichte gehört. Heute hatte er etwas gesehen. Ein Katana, das fast seinen Namen trug. Es war alles so greifbar. Fast, als würde es ihn direkt ansprechen. Der Moment, als er vor dieser Klinge stand, hatte ihn unerwartet getroffen. Die Inschrift – „Hikari Shinjiro“ – hatte ihn plötzlich in die Welt seiner Vorfahren gezogen. Sein Vater hatte das Katana zwar kaum beachtet, doch auch ihm muss es ergriffen haben. Da war sich Fireball sicher! Jarred hatte es nach ihrem Besuch wieder in die Ausstellung bringen lassen.
Während er durch die stillen Straßen ging, spürte er ein unbekanntes Gefühl in sich aufsteigen, was er abzuschütteln versuchte. “Das ist doch alles total verrückt”, murmelte er und bog in die nächste Straße ein.
Nachdem der Highlander sein Glas geleert hatte, beschloss er, sich noch etwas umzusehen. Schließlich würde er übermorgen zu seinen Eltern fliegen und wollte die Gelegenheit nutzen, die Großausstellungen zu besuchen, die es so schnell nicht wieder geben würde und bevor die Tore des Museums schlossen. Er stand auf, um sich ein Ticket für die kriegsgeschichtlichen Ausstellungen zu holen. Ein wenig überrascht stellte er fest, dass sich noch einige Späte Besucher in den Gängen tummelten, obwohl andere Ausstellungsräume bereits wie leergefegt waren.
Er stand reglos vor dem massiven Buch, „The History of Scotland“, in einer Mischung aus Ehrfurcht und innerer Zerrissenheit. Es war nicht nur eine Sammlung von Fakten und Daten, es war ein Stück seiner eigenen Geschichte, das vor ihm aufgeschlagen lag. Sein Blick ruhte auf den Seiten, die vom „Act of Union“ erzählten, einem Ereignis, das die Geschichte seines Landes für immer verändert hatte. Viele Schotten hatten sich dagegen gewehrt, angeführt von den Jakobiten, die sich der englischen Herrschaft entgegenstellten. Doch es waren die wohlhabenden Schichten, die von der Union profitierten, die nun Zugang zu den Reichtümern der Kolonien hatten.
Mit einer stillen Trauer dachte er an die Highlander, an ihre Aufstände, an Glenfinnan, wo sie sich einst zu Tausenden versammelt hatten, um für die Freiheit und ein unabhängiges Schottland zu kämpfen. Die Highlands hatten in den folgenden Jahren viel Blut und Leid gesehen. Auch seine Familie wäre dem beinahe zum Opfer gefallen. Die „Highland Clearances“ setzten dem alten Leben der Clans ein tragisches Ende. Eine Lebensweise, die auf jahrhundertealten Traditionen beruhte, wurde aus den Tälern und Hügeln vertrieben. Doch in seiner Familie lebten diese Traditionen weiter, ein leises Erbe in einer Welt, die sich stetig veränderte. Sie hatten sich in den Dienst der Krone gestellt, waren mit der Zeit gegangen, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Eine zarte Verbindung zwischen Vergangenheit und Gegenwart, die in solch stillen Momenten besonders deutlich wurde.
Er ließ die Flyer langsam sinken, seine Augen glitten über die Zeilen, während die Worte vor ihm verschwammen. Die Geschichte Schottlands hatte ihn immer tief berührt, die Schlacht von Culloden war nach all den Jahrhunderten immer noch das kollektive Trauma der Highlands. Doch es blieb etwas Unerreichbares, fast wie ein Schemen, den er nicht wirklich greifen konnte. So viele Schicksale, so viel Zeit, und doch fühlte es sich an, als ob all das für ihn in einer unsichtbaren Distanz lag. Der Gedanke, das Museum weiter zu erkunden, erschien plötzlich verlockend. Wenn er schon hier war, warum nicht noch etwas Neues entdecken, versuchte er sich aus seinem Gedankenkarussell zu befreien.

Sein Blick blieb an einer Ausstellung hängen, die seine Aufmerksamkeit auf sich zog: Japan. Ohne lange zu zögern, entschied er sich, diese Ausstellung anzusehen.
Er ging durch die breiten Gänge des Museums, hielt gelegentlich an, um Exponate zu betrachten, die seine Neugier weckten. Doch sein Ziel war klar. Als er schließlich den Ausstellungsraum zur Militärgeschichte Japans erreichte, hielt er inne. Zwei Besucher verließen gerade den Raum, ihre Stimmen hallten leise nach, dann trat eine Stille ein, die den Raum umhüllte. Jetzt war er allein.
Sein Blick schweifte umher, er nahm die Rüstungen und Waffen in den Vitrinen wahr, die einen Teil der Geschichte eines fernen Landes erzählten. Doch etwas anderes zog seine Aufmerksamkeit auf sich. War das … Captain Hikari? Saber zog nachdenklich seine Augenbrauen zusammen, er war überrascht, als er den Captain erkannte, und doch schien es auf seltsame Weise passend, ihn genau hier zu treffen. Der Captain stand mit verschränkten Armen vor einer Wand voller alter Katanas. Sein Gesicht war ruhig, aber seine Haltung zeigte den Respekt, den er für diese Waffen empfand. Langsam und bedacht ging Saber auf ihn zu, bis er neben ihm stand, und betrachtete die Reihen an wunderschönen Langschwertern, die hinter einer dicken Glaswand ausgestellt waren.
Nach einer Weile durchbrach der Captain die Stille. „Was führt Sie hierher, Mr. Lancelot?“, fragte er mit einer sehr ruhigen Stimme. Saber blickte kurz zu ihm, dann auf das Katana, das Hikari fixiert hatte: „Die Vergangenheit, Sir“, antwortete er leise und ehrlich. Der Captain nickte und zeigte mit seiner Hand auf eines der Katanas, das jetzt zwischen den anderen, so schien es, herauszustechen schien. Saber folgte dem Fingerzeig und sein Blick fiel auf eine Inschrift, dessen Übersetzung an einem Kärtchen unterhalb stand: „Seii Taishogun – Hikari Shinjiro“ stand dort in klaren Lettern, und Saber starrte weiter ungläubig auf die Tafel.
„Ist das …?“, fragte der Highlander nach einer Weile und sah den Captain an. Hikari nickte, ohne den Blick von der Waffe abzuwenden: „Ja“, bestätigte er, und seine Worte klangen fast ehrfürchtig. „Es ist wunderschön“, murmelte Saber, und die Bewunderung in seiner Stimme war nicht zu überhören. Der Captain nickte erneut: „Ein Katana ist die Seele seines Besitzers“, sagte er nachdenklich. „Hikari Shinjiro legte sein Schwert 1875 vor dem Kaiser nieder, als die Zeit der Samurai zu Ende ging. Er schloss sich nicht dem Satsuma-Aufstand an, wo Tausende von Samurai niedergeschossen wurden. So entging er der Vernichtung und sicherte das Überleben seiner Familie.“
Saber hörte gebannt zu, während der Captain die Geschichte erzählte, die so weit entfernt schien und doch in diesem Moment so lebendig war. „Wie weit reicht die Linie Ihrer Familie zurück?“, fragte er schließlich, beeindruckt von der Tiefe der Vergangenheit, die Hikari offenbar sehr gut kannte.
Der Captain dachte kurz nach, bevor er antwortete: „Eine klare Linie reicht etwa 600 Jahre vor 1877 zurück. Alles davor ist unklar, aber es gab immer eine Verbindung zum Kaiserhaus.“ Saber nickte nachdenklich. Die Geschichte der Hikaris schien so detailliert und präzise, als hätte Japan Jahrhunderte der Aufzeichnungen und Traditionen überdauert, während Europa noch in den Wirren des Mittelalters steckte.
„Und nach 1877?“, fragte Saber weiter, während er das Schwert betrachtete, das den Namen Hikari trug und gleichzeitig eine ganze Ära symbolisierte. Der Captain holte tief Luft. „Als Hikari Shinjiro sein Katana niederlegte, gab er seine Söhne in die kaiserliche Armee. Zwei Jahre später nahm er sich das Leben, und seitdem blieb der Name Shinji in der Familie.“ Der Captain schwieg kurz, bevor er hinzu fügte: „Alles andere ist Geschichte, die wir alle kennen.“ Saber spürte eine Last auf seinen Schultern, als die Bedeutung der Worte des Captains zu ihm durchsickerte. Auch in seiner Familie tauchten seit dem Jakobitenaufstand immer wieder dieselben Namen auf.
Doch dann stellte der Captain eine unerwartete Frage: „Wissen Sie, warum wir beide jetzt hier stehen, Mr. Lancelot?“ Saber konnte dem Captain nicht folgen und fragte einsilbig nach: „Warum, Sir?“ Der Captain lächelte verhalten und antwortete: „Weil jemand aus unseren Familien damals eine richtige Entscheidung getroffen hat. So wie bei Ihnen im Jahr 1746.“ Saber starrte sein Gegenüber erstaunt an. Woher kannte der Captain seine Familiengeschichte?, fragte er sich. Hikari deutete den Blick richtig und fügte hinzu: „Schöpfen Sie daraus Kraft, Mr. Lancelot. Es ist ein Privileg, aus einer Linie zu stammen. Ihre Familie hat Ihnen gezeigt, was möglich ist. Ihr Vater oder Großvater kann Ihnen helfen, das für sich selbst zu nutzen, zu verbessern und zu verfeinern. Glauben Sie, Sie stünden heute hier, wenn sich Ihr Vorfahre den 3.000 Highlandern angeschlossen hätte? Oder wenn Ihre Familie eine andere Entscheidung getroffen hätte? Sie sollten dieses Geschenk annehmen und nutzen.“
Die Worte des Captains trafen Saber tief ins Herz. Zum ersten Mal spürte er den Stolz, der in seiner Geschichte lag. Es war, als hätte er endlich den Schlüssel gefunden, um die Vergangenheit zu begreifen, die er zuvor nur von außen betrachten konnte. Er schluckte und sagte leise: „Danke, Sir.“ Der Captain nickte ihm zu und fügte hinzu: „Sie sind der einzige Sohn Ihres Vaters. Es liegt an Ihnen, ob das Erbe endet oder weitergeht.“ Saber erschrak. Die Verantwortung, die in diesen Worten lag, war erdrückend, aber auch klar und unausweichlich. Hikari hatte recht: Eine falsche Entscheidung, und alles, was seine Familie aufgebaut hatte, könnte enden – so wie die 10.000 Highlander in Glenfinnan oder die 20.000 Samurai in Japan, die namenlos verblieben. In einer Zeit, in der die Menschheit sich in den Weiten des Universums verteilte, war es wichtiger denn je, Traditionen und Kulturen zu bewahren. Und Saber spürte, dass er dringend mit seinem Vater sprechen musste.
„Eine große Verantwortung“, sagte Saber nach einigen Momenten der Stille. Der Captain nickte. „Ja, mein Sohn steht vor derselben Herausforderung“, sagte Hikari knapp, drehte sich um und verabschiedete sich: „Einen schönen Abend noch, Mr. Richard Lancelot.“
Saber sah dem Captain nach, bis dieser den Raum verlassen hatte, und blickte dann noch einmal auf das Katana. Er begriff, dass er seinen Pfad als Highlander, als Richard Lancelot, weitergehen musste. Genau wie Fireball als Shinji Hikari. Zwei Wege, die gleich waren und doch unterschiedlicher nicht sein könnten.
Mit einem tiefen Atemzug verließ er die Ausstellung des Palastes von König Jarred.
Absazu 8
Das All rund um Jarr lag in einer stillen, unendlichen Schwärze, durchbrochen nur von den regelmäßigen Patrouillen, die sich fast mechanisch ablösten. Die Wachsamkeit der Flotten war unerlässlich, denn der Sektor musste Tag und Nacht geschützt werden. Die Planeten Jarr und Alamo standen dabei besonders im Fokus. Aufklärer kreuzten täglich zwischen ihnen, ihre Sensoren stets auf mögliche Bedrohungen gerichtet, besonders auf Aktivitäten der Outrider. Auch in den entlegenen Regionen nahe Yuma war es das gleiche Bild. Die Sicherheit der bewohnten Planeten war oberste Priorität und so wurden die Patrouillen und Scans ohne Unterlass fortgeführt.
Doch es gab Teile des neuen Grenzlandes, die bis jetzt unberührt blieben – Sektoren, die zu abgelegen oder zu unscheinbar schienen. Einer dieser Bereiche lag in Sektor A-10, eine Region ohne Planeten, Asteroiden oder andere Himmelskörper. Eine Leere, die sich unbemerkt durch das Universum zog. Plötzlich öffnete sich der Raum, als kleinere und größere Schiffe der Outrider in die menschliche Dimension sprangen. Lautlos glitten sie in die Schwärze des Alls, verschmolzen förmlich mit der Dunkelheit und verschwanden jenseits der Reichweite jeglicher Überwachungssysteme. Weit draußen, hinter ihnen, schwebte ein kleiner, unscheinbarer Metallsender. Er war fast unsichtbar im schwarzen Nichts, ein Ball mit einem Emblem auf der Außenhaut und einer winzigen, blinkenden Signalantenne.
Auf einem kleineren Patrouillenschiff nahe Alamo registrierten die Sensoren zur selben Zeit eine Anomalie. Die Crew, routiniert und erfahren, nahm den Vorfall jedoch zunächst gelassen hin. Kleine Energiespitzen waren nicht ungewöhnlich in den Weiten des Alls – sie konnten von Sonnenaktivitäten stammen oder von anderen Raumschiffen, die in der Nähe operierten.
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