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Absatz 1
Drei Monate später
Der Friedenswächter sollte Vermessungsarbeiten im Sektor A begleiten. Was auch bedeutete, dass die Crew in dieser Zeit wieder auf Jarr stationiert sein würde. Seit vier Monaten flog die zum Teil neu besetzte Ramrod-Einheit zusammen. Die anfänglichen Herausforderungen, die mit einer veränderten Teamzusammensetzung einhergingen, schienen sich langsam aufzulösen. Saber, der das Team stets mit seinem wachsamen Blick beobachtete, bemerkte die positive Entwicklung: Die Abläufe an Bord und bei Missionen waren flüssiger geworden, und die Teammitglieder arbeiteten immer harmonischer zusammen.
In Gefechten agierten sie präzise und routiniert, jeder wusste jetzt besser, wie der andere tickte. Trotz des Fortschritts war es Saber klar, dass der Weg dahin nicht für jeden einfach gewesen war. Besonders Colt hatte Schwierigkeiten gehabt, sich mit den Veränderungen abzufinden. Der Scharfschütze war kein Freund von Neuerungen, besonders dann nicht, wenn es das Team betraf. Saber wusste, dass der Cowboy an jedem einzelnen aus der Crew hing und es ihm schwer fiel, neue Teammitglieder einfach zu akzeptieren. Mit der Zeit hatte Colt Alex, den jungen deutschen Piloten, in die Gruppe aufgenommen, aber letztendlich ließ ihm die Enge auf Ramrod auch keine andere Wahl. In Sabers Augen hatte sich Alex bewährt. Er hatte eine robuste, willensstarke Persönlichkeit gezeigt und ließ sich von Colt nicht einschüchtern. Somit war Alex jemand, der sich seinen Respekt verdiente, aber auch Grenzen setzte. Eine wertvolle Eigenschaft in einem so eingefahrenen Team. Der Schotte wusste aber auch, dass die Teambildung noch nicht komplett abgeschlossen war und dieses Thema musste er im Auge behalten.
Denn spätestens wenn Fireball wieder anwesend war, würde es ein dringendes Gespräch geben müssen. Ein ungelöster Konflikt zwischen zwei wichtigen Mitgliedern des Teams konnte nicht einfach ignoriert werden. Trotzdem hatte April es bis jetzt geschafft, fokussiert zu bleiben, was wahrscheinlich auch der Abwesenheit von Fireball geschuldet war. Doch er konnte nicht leugnen, dass ihre emotionale Distanz sie in bestimmten Situationen weniger zugänglich machte, ein Risiko, wenn das Team in kritischen Momenten auf maximale Zusammenarbeit angewiesen war. April war eine brillante Ingenieurin und Navigatorin und Fireball ein unverzichtbarer Pilot. Um beide würden sich die anderen Kommandanten reißen. Zudem hatten sie zusammen immer perfekt harmoniert, also war dieses „Problem“ nicht unlösbar. Der Schotte klappte sein Notebook zu und verließ das Quartier. In wenigen Minuten würden sie auf Jarr landen. Der Orbit rund um Jarr und die Anomalie sollten neu vermessen werden, um versteckte Basen der Outrider ausfindig zu machen.
Absatz 2
Colt saß tief in Gedanken versunken in seiner Satteleinheit und polierte liebevoll seinen neuen High-End-Blaster, und grinste vor sich hin, während das glänzende Metall des Blasters das Licht der Brücke reflektierte. Dieser Blaster war das Ergebnis seiner wochenlangen Überzeugungsarbeit, denn er hatte Saber unermüdlich in den Ohren gelegen, dass dieser spezielle Blaster das Nonplusultra seiner Ausrüstung als Scharfschütze sei. Irgendwann hatte Saber nachgegeben. Vermutlich weniger aus Überzeugung, sondern eher, um endlich seine Ruhe zu haben. Doch Colt war das egal, denn als er das »Ja« vom Schotten bekommen hatte, konnte er es kaum erwarten, bis ihm das glänzende Stück Technologie endlich ausgehändigt wurde. Er betrachtete die feinen Details des Blasters mit einem kindlichen Stolz. „Ein hübsches Teil“, murmelte er vor sich hin, während er die Waffe gedankenverloren betrachtete. Es erinnerte ihn an die Zeit, als er ein kleiner Junge war und das Weihnachtsgeschenk öffnete, das er sich so lange gewünscht hatte. Die kindliche Freude war dieselbe, und wenn er ehrlich war, fühlte er sich gerade genauso wie der kleine Bill damals zu Weihnachten.
Apropos Weihnachten, und sein Grinsen wurde noch breiter, als er daran dachte, dass dieses Jahr etwas Besonderes anstand. Es würde sein erstes gemeinsames Weihnachtsfest mit Robin sein. Letztes Jahr hatten sie es nicht geschafft, zusammen zu feiern. Zu viel Dienst, zu viel Distanz, zu viele Pflichten und zu viele Outrider. Aber dieses Jahr würde es anders sein, ihr erstes Weihnachten und auch noch als verlobtes Paar. Der Gedanke daran ließ ihn innerlich aufleben und Vorfreude durchströmte ihn. Er sah sich schon zusammen mit seiner Robin am Kamin sitzen, mit einer großen Tasse heiße Schokolade, eventuell mit einem Schuss Whisky in der Hand, sitzen. Ein perfekter Moment, den er kaum erwarten konnte, und er versank in seinen warmen weihnachtlichen Gedanken zu zweit.
„Gib dem Cowboy einen Blaster und er ist den ganzen Tag ruhig”, riss ihn die Stimme von Alex aus seinen warmen Gedanken. Colt hatte gerade in seinem Tagtraum schon die Glocken läuten hören. Blitzartig drehte er seinen Kopf nach links und da saß er, Alex, der sich lässig auf seiner Steuerkonsole lehnte und Colt mit einem frechen Grinsen ansah.
Colt, der zurück in die Realität gerissen wurde, funkelte den Piloten an: „Man sollte einem First Class Scharfschützen halt nur die besten Waffen in die Hand geben, verstehst du? Nicht jeder hier kann mit so einem Prachtstück umgehen.“ Und er wog demonstrativ den Blaster in seiner Hand, als wäre es ein seltener Schatz.
Alex winkte lachend ab und schüttelte amüsiert mit seinen Kopf: „Du und deine Waffen. Ich hab schon fast das Gefühl, dass du das Ding mehr liebst als deine Verlobte.“ Colt grinste: „Meine Robin weiß, was sie an mir hat, und das ist nicht nur mein Waffenarsenal. Aber du bist nur neidisch!”, kam es darauf von Colt. Alex deaktivierte den Autopiloten, ließ einen Schubregler aus seiner Steuereinheit ausfahren und grinste den Cowboy dabei herausfordernd an: „Mach dir keine Sorgen, Cowboy, ich hab alles im Griff, auf der Brücke und … na ja, überall sonst“, und umfasste demonstrativ den Schubregler. Colt rollte mit seinen Augen, lehnte sich lächelnd zurück und betrachtete wieder seinen neuen Blaster. Und ein Gedanke schlich sich leise in sein Bewusstsein, ja, mochte Alex, keine Frage. Der Kerl war witzig, schlagfertig und er konnte auch einiges an groben Witzen einstecken. Aber egal, wie gut er mit Alex klarkam, niemand konnte einen besten Freund ersetzen.
Der Cowboy musste zugeben, dass ihm Fireball immer noch fehlte. Und das vor allem nicht nur an Bord. Der junge Japaner hatte immer eine gewisse Leichtigkeit mitgebracht. Er war ihm vertraut und zum Teil war Colt auch gespannt, in welche Richtung er sich entwickeln würde. Seit ihrem Kennenlernen und jetzt war so viel geschehen und keiner war mehr derselbe wie noch vor zwei Jahren. Sie pflegten eine Kameradschaft, die durch nichts zu ersetzen war. Sie hatten so viele Einsätze gemeinsam durchgestanden, waren in brenzligen Situationen Schulter an Schulter gestanden, hatten die gleichen Höhen und Tiefen geteilt. Auch hätte Fireball mit ihm den Blaster bewundert, selbst wenn der japanische Bruchpilot damit nicht umgehen konnte. Aber er und Fire interessierten sich für die Dinge des anderen, auch wenn man sie selbst nicht mit Herzblut betrachtete. Ja, sowas ließ sich nicht so leicht mit jemand Neuem aufbauen. Selbst wenn er Fireball so manches Mal auf den Mond hätte schießen können. Welchen Mond hätte sich der Japaner Freundschaftshalber sogar aussuchen können. Aber so wurden die Abende lang im All, doch gleichzeitig hatte Colt viel Zeit, über seine Zukunft nachzudenken.
In den letzten Monaten hatte er immer öfter darüber nachgedacht, wo es für ihn hingehen sollte. Er liebte seinen Job, keine Frage. Doch etwas in ihm wollte mehr. Er war bereit für den nächsten Schritt, bereit, sich weiterzuentwickeln. Er hatte den Entschluss gefasst, ein Offizier-Gesuch zu stellen und Lieutenant zu werden. Es war eine Entscheidung, die tief in ihm gereift war, und er wusste, dass es nicht nur um den Rang ging. Natürlich war der Gedanke, von dem niedrigen Soldatenstatus wegzukommen und einen besseren Sold zu bekommen, verlockend. Doch als Lieutenant hätte er nicht nur mehr Verantwortung, er könnte auch endlich beweisen, dass er mit seinen Schießfähigkeiten wirklich etwas erreichen konnte. Es war die Gelegenheit, etwas aus sich zu machen, worauf er und irgendwann vielleicht auch seine Familie stolz sein könnten. Colt war sich sicher, dass dies der richtige Weg war. Er wollte ein besseres Leben für Robin und er wusste, dass der Offiziersstand der Schlüssel dazu war. Auch wenn er als Second Lieutenant erst einmal ganz unten in der Rangliste stehen würde.
Als sie endlich gelandet und an ihrer Parkposition angekommen waren, atmeten alle erleichtert auf. Eine Gangway wurde angedockt, die direkt ins Hauptgebäude des Militärraumhafens von Jarr, führte so entgingen sie den eisigen Dezember Winden und der Schneedecke, die die königliche Stadt überzogen hatte. Und keiner hatte wirklich Lust, bei dieser Kälte über das Rollfeld zu laufen. Sie arbeiteten schnell ihre Checklisten, die Routine tat gut und war tröstlich nach den langen Tagen im All.
„Euch ist es wohl zu kalt oder warum steigt ihr nicht aus?“, durchbrach eine vertraute, aber mittlerweile seltene Stimme die konzentrierte Stille an Bord. Sie kam vom Eingang der Brücke. Colt war sofort aufgesprungen und sein Gesicht hellte sich schlagartig auf.
„Fireball!“, rief der Cowboy und sprintete förmlich auf ihn zu. Ganze vier Monate hatte er seinen besten Freund nicht gesehen. Jetzt stand er plötzlich hier, er musterte seinen Hombre von Kopf bis Fuß und stellte fest, Fireball sah besser aus als je zuvor. Irgendwie wirkte Fireball sogar größer und seine Haare waren kürzer, fast wie die von Saber, und er trug lässig eine Jeans und einen roten Pullover. „Gut siehst du aus, Partner“, sagte Colt nach dem ersten check-up, während er ihn mit einer herzlichen Umarmung begrüßte, die sich Fireball gefallen ließ. Er freute sich natürlich auch, seinen Lieblings-Cowboy wiederzusehen. „Du siehst ja aus, als hättest du das Leben genossen“, sagte der Japaner mit einem breiten Grinsen.
Bevor sie sich weiter unterhalten konnten, trat auch Saber zu den ungewöhnlichen Besuchern an Bord, denn neben Fireball stand Commander Eagle, der ebenfalls ein ruhiges Lächeln auf den Lippen hatte. Sie alle wussten bereits von April, dass der Commander vorhatte, die Feiertage auf Jarr zu verbringen. Saber nickte dem Commander respektvoll zu, wandte sich dann aber sofort an seinen Piloten: „Shinji! Was machst du hier? Und vor allem: Wie geht es dir?“, fragte er, bevor er Fireball ebenfalls kurz umarmte. Was zeigte, wie sehr sich auch der Schotte über diesen Besuch freute. Fireball grinste breit und seine Augen funkelten vor Freude. „Ich mach’ sowas wie Urlaub“, sagte er locker, „und mir geht es gut!“
April, die natürlich ihren Vater als erstes begrüßt hatte, war sehr überrascht, wenn nicht sogar überrumpelt, Fireball hier plötzlich wiederzusehen. Natürlich freute sie sich ebenfalls, den Japaner gesund und erholt zu sehen, das letzte Mal hatte sie ihn im Krankenhaus besucht, wo er blass und erschöpft gewesen war. Seitdem hatte sie ihn nur einmal über den Monitor gesehen. Miteinander gesprochen hatten sie jedoch nicht mehr. Jetzt, wo sie ihm gegenüberstand, war die Situation plötzlich ungewohnt. Dennoch war da diese Distanz zwischen ihnen, die sie nicht ignorieren konnte. Ihre Gedanken überschlugen sich für einen Moment, als sie sich langsam aufeinander zu bewegten. So viel war unausgesprochen geblieben zwischen ihnen.
Als sie schließlich voreinander standen, zögerte April kurz, bevor sie die Initiative ergriff und ihn umarmte, es war eine schnelle, beinahe flüchtige Geste. „Schön, dich wiederzusehen“, sagte sie, mit einem leichten Lächeln auf den Lippen, aber es fehlte die gewohnte Wärme in ihrer Stimme. „Ja, freut mich auch“, erwiderte Fireball ebenfalls mit einem Lächeln, doch seine Augen wirkten ein wenig zurückhaltend, auch er schien nicht recht zu wissen, wie er sich in diesem Moment verhalten sollte. Die Blondine spürte seine Arme, doch es war mehr ein formales Zeichen der Begrüßung als ein herzlicher Moment. Die Umarmung dauerte nur einen Augenblick, bevor sie sich wieder voneinander lösten, als wäre nichts weiter gewesen.
Natürlich blieb Colt das nicht verborgen. Der Cowboy hoffte für die zwei, dass sie die Gelegenheit nutzen würden, um ihr, was auch immer, aus der Welt zu schaffen. Schließlich waren oder sind sie sehr eng befreundet. Der Lockenkopf würde es schade finden, wenn die beiden nur noch dienstlich miteinander kommunizieren würden.
Saber, der ebenfalls diese Begrüßung zwischen den beiden wahrgenommen hatte, und garantiert dasselbe wie Colt dachte, klopfte Fireball auf die Schulter. Und drehte sich zu Alex, der das Willkommenszenario aus sicherer Entfernung verfolgt hatte. „Das ist Shinji Hikari, unser jüngstes fliegendes Ass. Shinji, das ist Lieutenant Alexander Williams, Pilot und gehört seit 4 Monaten zur Ramrod Besatzung.“ stellte der Schotte die beiden vor.
Alex, musterte Fireball interessiert und reichte diesem seine Hand: „Der legendäre Fireball also? Gut, dich mal in Person zu treffen. Colt erzählt ständig von dir, er wird ja richtig emotional, wenn du fehlst.“ Colt verdrehte seine Augen und schlug Alex spielerisch gegen den Arm. Die beiden Piloten begrüßten sich. Für Fireball war das ein komischer Moment. Doch er wollte sowas wie Konkurrenzdenken nicht aufkommen lassen.
Absatz 3
Gemeinsam verließen sie die Brücke und machten sich auf den Weg zum Offizierskasino. Schließlich gab es viel zu erzählen und der Feierabend war eingeläutet. Schon im Eingangsbereich spürten sie die Wärme und den gemütlichen Charme des weihnachtlich geschmückten Offizierskasino auf Jarr. Überall funkelten Lichterketten und ein großer Weihnachtsbaum thronte bereits in der Mitte. Aus den Lautsprechern ertönte leise „Jingle Bell Rock“. Draußen dämmerte es bereits, obwohl es erst halb vier am Nachmittag war. Die tief hängenden Wolken und die dichte Schneedecke ließen den Tag schneller verblassen, als es den meisten lieb war.
Colt hatte sich gerade mit einem Seufzer auf einen der Stühle niedergelassen und griff nach seinem Communicator, schnell tippte er eine Nachricht an Robin. Dann wandte er sich an Fireball, der sich gerade einen Softdrink aus einem der Automaten geholt hatte: „Seit wann bist du wieder da?“, fragte er neugierig. Fireball setzte sich neben Colt, lehnte sich entspannt zurück und grinste: „Seit vorgestern”, antwortete er, “Und Commander Eagle und ich warten bereits seit 14 Uhr auf euch, ihr seid langsam geworden!“, fügte der Japaner noch hinzu. Colt schnaubte und spielte mit: „Tja, seitdem ein Rentner den guten alten Ramrod fliegt, geht das alles nicht mehr so flott.“ Und warf dabei einen Seitenblick auf Alex, der ihn mit einem vernichtenden Blick zurück bedachte, der ein stilles Versprechen war, dass diese Bemerkung nicht ungestraft bleiben würde.
Colt grinste, die Atmosphäre war entspannt, und für einen Moment vergaßen Saber, Colt und auch April den Stress der letzten Tage im All. Es fühlte sich an, als wären sie endlich wieder zu Hause, auch wenn sie es nicht wirklich waren, doch das Offizierskasino mit seinen warmen Lichtern und der vertrauten Gemeinschaft gab ihnen dieses wohlige Gefühl. Saber, der sich an der Theke einen Milchkaffee geholt hatte, machte es sich ebenfalls gemütlich. Während er etwas Zucker in seinen Kaffee gab, blickte er erneut zu Fireball und stellte die Frage, die ihm schon seit Monaten auf der Zunge lag: „Wie gefällt dir das Studentenleben?“ Fireball lehnte sich zurück, nahm einen Schluck von seinem Softdrink und nickte langsam: „Am Anfang war es echt stressig“, begann er, „der ganze Tag ist bis zum Nachmittag durchgetaktet und danach heißt es dann noch lernen. Aber es ist interessant. Ich habe wirklich viel Neues gelernt. Das Fliegen fehlt, aber es ist mal was anderes, sich voll auf die Theorie zu konzentrieren.“ Die Anwesenden blickten Fireball stumm entgegen. Der Japaner nahm die Blicke auf und hielt inne. Er schaute in die Runde und setzte sich etwas auf und fuhr fort: „Deswegen … entschuldigt, dass ich mich so selten gemeldet habe, ich war ziemlich eingespannt.“
Saber nickte ihm verständnisvoll zu. In seinem Inneren war der Schotte froh, dass Captain Hikari diese Entscheidung getroffen hatte. Die militärfreie akademische Erfahrung schien seinem jüngsten Teammitglied gut zu tun. Fireball wirkte reifer, gesetzte, er hatte sich verändert, aber auf eine Art, die Saber stolz machte. Colt erwiderte darauf mit einem breiten Grinsen: „Also, ich habe dich lieber live und in Farbe hier sitzen, Partner. Wie lange bleibst du? Denk dran, ich heirate bald und brauche deine Rückendeckung.“ Fireball lachte kurz auf: „Ja, ich denke an nichts anderes.“, scherzte er, „Ich bleibe zehn Tage, und in der Zeit schauen wir mal, ob ich wieder flugtauglich bin.“ Colt lehnte sich in seinem Stuhl zufrieden zurück, 10 Tage waren besser als gar keine. Doch bevor er darauf etwas sagen konnte, stand Commander Eagle gemeinsam mit April auf. „Leider müssen wir uns verabschieden“, sagte Eagle, während er sich den Mantel überwarf: „Ich werde April noch zum Essen ausführen. Und ihn übergebe ich jetzt offiziell an euch.“ sagte er und deutete mit einem kurzen Nicken auf Fireball. Colt warf einen verwirrten Blick zum Commander. Fireball grinste, als er Colts Gesichtsausdruck sah, aber bevor er antworten konnte, übernahm Saber die Aufklärung: „Shinji ist im Moment Zivilist, Colt. Theoretisch dürfte er hier nicht mal sitzen oder überhaupt an Bord von Ramrod kommen, es sei denn, der Commander oder wir sind dabei und geben ihm offiziell Deckung.“
Fireball nickte und ergänzte mit seinem schelmischen Grinsen: „Genau, ich warte noch auf meine Visitor ID. Bis dahin habt ihr mich an der Backe. Es sei denn, ihr schmeißt mich einfach raus.“ Colt prustete laut auf und schüttelte den Kopf, während vor seinem inneren Auge das Bild aufploppte, wie sie Fireball draußen im tiefen Schnee vor dem Militärraumhafen anbinden. Commander Eagle und April verließen die Runde. “Bis morgen”, winkte April zum Abschied und dann waren die beiden auch schon weg.
Absatz 4
Captain Lorenz und Captain Hikari betraten nach einigen Minuten, tief in ein Gespräch vertieft, das Offizierskasino. Ihre Schritte waren ruhig, aber zielstrebig, während sie sich dem Tisch näherten. Lorenz hob grüßend die Hand und setzte sich, was die beiden mit einem kurzen Nicken begrüßten. Hikari, der ruhig neben seinem Sohn Platz nahm, zog eine Clip Card aus seiner Tasche: „Hier, dein Freifahrtschein“, meinte er trocken und ließ die Karte vor seinem Sohn gleiten. Fireball nahm sie entgegen und grinste triumphierend zu Colt und Saber. „So, nun brauche ich euch als Babysitter nicht mehr!“ Colt schnaubte, halb amüsiert: „Na, das wurde aber auch mal Zeit, das ist ja wie Flöhe hüten.“
Captain Lorenz, der die lockere Stimmung mit einem amüsierten Lächeln verfolgte, wandte sich schließlich direkt an Fireball.: „Sag mal, Shinji, hast du Lust morgen mit hochzukommen? Wir haben für die Woche vier Zweimann-Jets vor Ort.“ Fireballs Augen begannen sofort aufzuleuchten, als er die Worte des aschblonden Captains vernahm. „Klar, ich bin dabei!“, antwortete er sofort begeistert. Lorenz grinste breit und sichtlich zufrieden mit der Reaktion. Captain Hikari, der das Gespräch mitverfolgt hatte, sah nun zu Lorenz hinüber: „Ich komme mit hoch“, sagte er entschlossen. Lorenz lachte kurz laut: „Ok, du gegen uns! Und, ich habe da ’ne Idee.“ schlug Lorenz vor und seine Augen funkelten dabei verschwörerisch, als er überlegte, wie sie die morgige Flugstunde zu einem kleinen Wettkampf machen könnten. Hikari, der gerade an seinem Communicator herumtippte, um direkt einen Startslot für den nächsten Tag zu ordern, hob nicht einmal den Blick, als er trocken sagte: „Ich ahne es“
Währenddessen wandte sich Saber zu Fireball. „Wann wird getestet, ob du wieder flugtauglich bist?“, fragte er neugierig. Fireball zuckte leicht mit seinen Schultern und sah Saber etwas ratlos an: „Keine Ahnung, irgendwann in den nächsten Tagen, denke ich.“ Doch bevor er weitersprach, drehte er sich zu seinem Vater, der sich gerade mit Lorenz unterhielt, und fragte direkt nach. Captain Hikari schaute kurz von seinem Gespräch mit Lorenz auf und antwortete: „Wenn Colonel Murry da ist, denke ich. Übermorgen.“ Fireball nickte und wandte sich wieder zu Saber. „Übermorgen.“ Wiederholte Fireball Richtung Saber. Der Schotte grinste leicht und antwortete: „Hab ich gehört, danke.“ Der Hochländer musterte seinen Piloten einen Moment lang, während sich dieser schon wieder mit Colt unterhielt. Fireball schien gelassener, ausgeglichener, vielleicht sogar ein bisschen erwachsener, seitdem er die Zeit in Japan verbracht hatte. Ob Fireball das selbst es bemerkte, wusste Saber nicht, aber es tat auch dem Schotten gut, das Energiebündel wieder in der Nähe zu haben.
Colt bekam eine Nachricht auf seinen Communicator. Er sah kurz darauf und stand dann auf. „Mädels“, sagte er scherzhaft in die Runde, „ich muss los. Meine mir bald Anvertraute ist da, und ich setze jetzt einfach mal Prioritäten!“ Saber und Fireball lachten kurz auf und verabschieden ihren verliebten, nein verlobten Freund. Als Colt sich von Captain Hikari und Captain Lorenz verabschiedete, wurde er etwas förmlicher, doch gleich darauf verließ ein Cowboy mit einem breiten Grinsen das Hauptgebäude des Militärraumhafens.
Saber, der sich mit Fireball unterhielt, begann über die Manöver und Einsätze der letzten Wochen zu sprechen, die das Team in seiner Abwesenheit erlebt hatte. Die Geschichten von den Flügen, den Einsätzen und dem Adrenalinkick, den sie alle gespürt hatten, löste etwas in Fireball aus – eine innere Unruhe machte sich in ihm breit, die Saber nicht übersah. So fragte er: „Was hast du heute noch vor?“ Fireball sah den Schotten überrascht an. „Nichts, warum?“ Saber grinste leicht und stand auf. „Gut. Lass uns was essen gehen. Dann können wir in Ruhe über alles reden.“ Fireball zuckte mit den Schultern und nickte zustimmend. „Okay, von mir aus gerne. „Gib mir eine halbe Stunde, ich bin gleich wieder da“, sagte Saber und klopfte Fireball auf die Schulter, bevor er verschwand. Fireball grinste hinter ihm her und rief noch: „Klar, auf euch warten bin ich ja mittlerweile schon gewohnt!“ Er lehnte sich in seinen Stuhl zurück und fischte seinen Kommunikator hervor.
In der Zwischenzeit standen Captain Hikari und Captain Lorenz auf, um sich ebenfalls zu verabschieden. Hikari reichte Fireball eine Karte und sagte väterlich: „Mach nicht so lange. Du sitzt morgen in einem Jet, da solltest du wach sein, auch wenn du selbst nicht fliegst.“ Fireball nickte und nahm die Karte entgegen. „Bis später“, sagte sein Vater, während er sich seinen Mantel überzog und den Raumhafen verließ.
Absatz 5
Fireball wanderte etwas gedankenverloren durch das Offizierskasino, nachdem er sich von Captain Lorenz und seinem Vater verabschiedet hatte. Es war ein seltsames Gefühl, hier zu sein, in einer Umgebung, die ihm einst so vertraut gewesen war. Alles fühlte sich anders an, obwohl die Atmosphäre die gleiche geblieben war. Die leisen Gespräche, das Licht, der Geruch nach heißem Kaffee und frischer Luft, die durch die automatische Belüftung hineingepumpt wurde. Es war sein alter Schauplatz, aber er war ein anderer Spieler. Er blieb vor dem großen Panoramafenster stehen, seine Hände locker in die Taschen seiner Jacke geschoben und blickte hinaus. Draußen war es dunkel, nur die schneebedeckten Lichter des Militärgeländes erhellten die Szenerie. Durch die Dunkelheit konnte er nur den massiven Rumpf von Ramrod erkennen. Im Fensterglas spiegelte sich die Szene aus dem Inneren des Kasinos: Offiziere und Crewmitglieder, die in Gespräche vertieft waren, Lachen, das hin und wieder durch den Raum klang. Fireball beobachtete die Spiegelung und fühlte sich, als wäre er irgendwo zwischen den Welten gefangen – der einen, die hinter ihm lag, und der, in der er sich nun befand. Die, die vor ihm lag, war ungewiss.
Er war so nah dran und doch schien es, als würde eine unsichtbare Distanz zwischen ihm und dem aktuellen Geschehen stehen. “Zivilist”, das Wort klang in seinen Gedanken nach, als wäre es eine Barriere, die ihn von dem trennte, was ihm einst am wichtigsten gewesen war.
Er seufzte leise und ließ den Blick über Ramrod gleiten. Doch eigentlich blickte er durch das Fensterglas in seine Augen, die sich darin spiegelten. So vieles war passiert, so viel hatte sich verändert. Und doch war das Schiff dort draußen immer noch da, genauso wie die Colt, Saber und April. Fireball fragte sich, ob er jemals wieder die gleiche Verbindung zu all dem haben würde?
Allein der Gedanke daran, morgen in einem Jet zu sitzen – auch wenn nur als Passagier, ließ etwas in Fireball aufleben. Es war ein vorsichtiges Herantasten, fast wie eine stille Hoffnung, wieder den Kontakt zu dem zu spüren, was er so sehr liebte: das Fliegen. Für ihn war es nie nur ein Job gewesen. Es war Freiheit. Freiheit, die sich in jedem Moment, den er im Cockpit verbrachte, in seinen Adern ausbreitete. Ein Kribbeln, das sich von den Fingerspitzen bis tief in seinen Körper zog.
Selbst jetzt, während er wartete, erinnerte er sich an das Gefühl, das ihn jedes Mal durchströmte, wenn er die Hände auf die Steuerknüppel legte. Die Triebwerke summten, bereit für seinen Befehl. Ein sanfter Druck auf die Steuerung – und das Schiff erwachte unter ihm zum Leben. Es war wie der Herzschlag einer gigantischen Maschine, mit der er verschmolz, die nur darauf wartete, sich in Bewegung zu setzen. Er spürte förmlich das Aufbäumen der Kraft, die nur darauf lauerte, freigesetzt zu werden.
Dann, wenn die Triebwerke ihre volle Leistung entfalteten, brauchte es nur einen sanften Schub und das gigantische Schiff löste sich vom Boden. Alles, was vorher so fest erschien – begann zu verblassen. Die Triebwerke brüllten leise, die Vibrationen schickten Wellen durch das Cockpit und in diesen Momenten war er mehr als nur ein Pilot. Er war Teil von etwas Größerem, ja, fast Teil des Himmels, der sich über ihm öffnete und ihn willkommen hieß.
„Können wir?“, holte ihn Saber, der plötzlich neben ihm stand, in die Gegenwart zurück. Fireball blinzelte und brauchte einen Moment, um seine Gedanken zu ordnen. Wie lange hatte er hier gestanden? Er wandte sich zum Schotten, der ihn fragend ansah, und nickte schließlich. „Ja, klar“, und die beiden verließen den Militärraumhafen und stiegen in ein Taxi.

Saber und Fireball hatten schnell ein gemütliches Lokal gefunden, das einladend und vielseitig war. Das Licht war warm und die Atmosphäre wirkte entspannt. Überall verteilt saßen Menschen in kleinen Gruppen, manche in tiefen Gesprächen, andere versunken in ihre Laptops. Es gab Sofaecken mit weichen Kissen, Hochtische aus dunklem Holz und sogar Bereiche, in denen man konzentriert arbeiten konnte. Die Wände waren mit verschiedenen Bildern einiger bekannter Menschen dekoriert, die dieses Lokal wohl auch zu schätzen wussten. Allgemein machte die Location den Eindruck, hier einen entspannten Abend verbringen zu können.
Die beiden etschieden sich für eine Ecke mit tiefen, gemütlichen Sesseln direkt am Fenster. Die Speisekarte bot für jeden etwas: kleine Snacks für den kleinen Appetit, aber auch herzhafte Gerichte für den großen Hunger. Dazu gab es eine breite Auswahl an Getränken, von frisch gepressten Säften bis hin zu Cocktails und lokalen Bieren.
Als der Kellner die Getränke brachte, nahmen beide einen ersten Schluck. Sie lächelten zufrieden, denn der Geschmack war angenehm und genau das, was sie erwartet hatten.
Saber lehnte sich zurück und sah Fireball an. Er konnte kaum glauben, dass er seinen Feierabend heute mit ihm verbrachte. Eigentlich hatte er vorgehabt, die neuesten Missionen zu planen und Berichte fertigzustellen. Doch diese Situation war weitaus angenehmer. Außerdem wollte er wirklich wissen, wie es seinem Freund ging – nicht nur oberflächlich, sondern vor allem in Bezug auf dessen plötzlichen Austritt aus dem Team. Auch wenn das bis zu Fireballs Volljährigkeit so geplant gewesen war, konnte er sich vorstellen, dass es trotzdem alles andere als einfach für den jungen Freund gewesen war.
Fireball dachte einen Moment nach, bevor er antwortete. Er hatte bereits geahnt, dass dies kein einfaches Abendessen sein würde. Dafür stand zu viel Unausgesprochenes im Raum. „Na ja“, begann er langsam, „am Anfang war ich alles andere als begeistert, so vor vollendete Tatsachen gestellt zu werden.“ Er hielt kurz inne und seine Augen wanderten zu dem großen Fenster. „Wir hatten eine heftige Diskussion darüber und ich habe lang nicht mit meinem Vater gesprochen.“
Saber nickte. Er hatte sich schon gedacht, dass Fireball die Situation nicht einfach hingenommen hatte. Es war typisch für ihn, sich gegen Entscheidungen zu wehren, die ihm aufgezwungen wurden. Während Fireball sprach, griff Saber nach seinem Glas. Fireball machte eine kleine Pause und ließ seinen Blick durch das große Fenster schweifen, in der Scheibe spiegelten sich die beiden Freunde. „Allgemein komme ich mit meinem Vater gut klar!“, erzählte Fireball und fügte nachdenklich hinzu: „Weißt du, plötzlich hast du einen Vater, und du weißt nicht einmal, was das bedeutet. Jeder kennt ihn, aber du selbst? Überhaupt nicht.“ Er machte eine weitere kurze Pause, bevor er weiter sprach: „Das hat mich in der ersten Zeit in Japan, wie soll ich sagen … ungenießbar gemacht.“ Saber saß ruhig da, hörte seinem Freund aufmerksam zu. Er spürte, dass Fireball es brauchte, sich alles von der Seele zu reden. Deshalb fragte er nur leise: „Warum?“
Fireball lehnte sich in den weichen Sessel zurück und ließ seine Gedanken an die jüngste Vergangenheit an sich vorbeiziehen. „Als wir bei meinen Großeltern ankamen, oh Mann … frag nicht, das sprengt jeden Film, sage ich dir!“ Er legte eine Hand an seine Stirn, als müsste er die Bilder ordnen, die ihm durch den Kopf gingen. Saber schmunzelte leicht. Fireball erzählte weiter, doch obwohl es eine ernste Erinnerung war, konnte er nicht anders, als auch ein wenig darüber zu schmunzeln. Die Bilder des Wiedersehens tauchten in seinem Kopf auf, und sie wirkten im Nachhinein fast surreal. „Die Emotionen wechselten beim Wiedersehen gefühlt im Minutentakt“, sagte er, während er an seine Familie dachte. „Von hocherfreut über stinksauer bis hin zu Vorwürfen – und dann das Ganze wieder von vorn.“ Saber nickte leicht, er konnte sich vage vorstellen, wie chaotisch und emotional aufgeladen die Situation gewesen sein musste.
„Also machen deine Großeltern deinem Vater Vorwürfe?“, fragte Saber vorsichtig, während er Fireball musterte. Dieser schüttelte jedoch den Kopf. „Nein!”, kam es von Fireball, doch er überlegte einen Moment, “oder doch?” “Jedenfalls mein Großvater verurteilte diese Aktion, die mein Vater da gebracht hat, nach wie vor. Das war schon immer ein heißes Thema, auch bevor mein Vater wieder aufgetaucht war. Aber Großvater wollte Antworten. Und dann erzählte mein Vater, wie es wirklich gewesen war.“ Sabers Neugier wuchs, und er rückte sich auf seinem Sessel zurecht. „Wie?“, fragte er gespannt. Fireball zögerte einen Moment, schaute sich kurz um, als wollte er sicherstellen, dass niemand zuhörte, bevor er mit gedämpfter Stimme antwortete: „Ich weiß nicht, ob ich das überhaupt erzählen darf … Nur soviel: Es war keine sogenannte Kamikaze-Aktion. Es war nie so geplant. Es ging halt einfach schief“, beendete der Japaner und leerte seine Ice Lemon Soda.
Sabers Augen weiteten sich, was Fireball ihm da gerade erzählte, stellte alles in Frage, was er bisher über die erste Outrider Schlacht geglaubt hatte. Doch er sah auch ein, dass dies nicht der richtige Ort war, um tiefer in diese Geschichte einzutauchen. Trotzdem war sein Interesse geweckt. Fireball gab dem Kellner ein Zeichen und bestellte noch etwas zu trinken, während er weiter sprach: „Das hat die Wogen geglättet. Es war kein Selbstmordkommando von ihm. Er hatte nicht eine Minute daran gedacht, sich umzubringen. Ehrlich gesagt, das hat meinen Blick auf ihn völlig verändert. Es hat es mir einfacher gemacht, ihn zu verstehen.“ Saber nickte verstehend. Auch ihm erging es gerade so, obwohl er die ganze Story noch gar nicht kannte. Ernst sagte er darauf: „Deswegen wollte er, dass du dabei bist. Damit du es von ihm selbst hörst.“ Fireball nickte zustimmend. „Ja, bestimmt! Auch wenn es für dich befremdlich klingen mag … Aber hätte er wirklich eine Kamikaze-Aktion gestartet, dann wäre er nicht wieder zurückgekehrt, egal ob am Leben oder nicht.“ Saber schluckte schwer. Er verstand durchaus die Tragweite von Fireballs Worten und was sie bedeuten. Er war froh, dass Fireball das Vertrauen hatte, ihm das zu erzählen. Der Kellner brachte schließlich die neuen Getränke, und sie entschieden sich, auch gleich etwas zu Essen zu bestellen. Während sie die Speisekarte durchgingen, schien die Schwere des Gesprächs kurz beiseite zu treten, doch das, was Fireball erzählt hatte, blieb in der Luft hängen.
Saber fragte leise und vorsichtig: „Wer weiß davon?“ Fireball nahm einen Schluck von seinem Getränk und antwortete: „Das Oberkommando weiß so weit alles.“ Saber fühlte sich erleichtert. Er hätte sich nicht vorstellen können, dass jemand, wie Captain Hikari, in dieser Sache nicht mit offenen Karten spielte. „Gut!“, sagte der Schotte mit einem leichten Nicken. Das Essen wurde gebracht. Während sie ihre Teller betrachteten, erzählte Saber von der neuen Teamkonstellation und erwähnte auch Aprils neuen Aufgabenbereich im Labor. Irgendwann kam ihm der Gedanke und er fragte Fireball: „Habt ihr zwei eigentlich miteinander gesprochen?“ Fireball atmete tief ein: „Nein, seit dem Tag im Krankenhaus, als ihr mich zusammen besucht habt, habe ich sie nicht mehr gesprochen“ Saber war überrascht. April und Fireball hatten so ein enges Band gehabt. Egal was vorgefallen war, es musste aus der Welt. „Warum hast du dich nicht bei ihr gemeldet?“, fragte er, während er nachdenklich auf sein Essen blickte. Fireball zuckte mit den Schultern. „Im Krankenhaus hatte ich keinen Kommunikator und in Japan … derselbe Grund wie bei euch. Ich hatte viel zu tun, außerdem …“, er hielt kurz inne und schmunzelte, „habe ich es ehrlich gesagt vergessen.“ Saber nickte leicht und sagte: „Ich hoffe, ihr findet hier die Gelegenheit, miteinander zu reden.“ Fireball nickte zustimmend und wechselte sofort das Thema:
„Wie geht es Sincia?“, fragte er, denn von Colt, der alten Tratschtante, hatte er erfahren, dass sich da wieder etwas anbahnte. Saber legte das Besteck beiseite, lehnte sich zurück und antwortete ruhig: „Wir haben seit einigen Monaten wieder Kontakt und wagen einen Neustart. Zu Weihnachten werden wir uns wiedersehen.“ Fireball freute sich und sagte schlicht: „Das ist schön.“ Saber bestellte sich ein Bier und sah Fireball eine Weile nachdenklich an. In diesem Gespräch wirkte sein junger Freund auf ihn reifer als je zuvor. Vielleicht hätte er sich früher so intensiv mit ihm unterhalten sollen? Ohne lange zu überlegen, fragte er direkt: „Und wie läuft es bei dir in der Liebe, Shinji?“ Fireball sah Saber kurz an, schmunzelte und antwortete ebenso unverblümt: „Ich habe eine Freundin!“, und widmete sich wieder seinem Essen. Diese Antwort traf Saber völlig unerwartet und er grinste breit. „Das freut mich sehr! Dürfen wir sie auch kennenlernen?“ fragte er natürlich neugierig. Fireball nickte. „Ja, bestimmt, sie wollte mitkommen, doch leider steckt sie zurzeit in irgendein Musikprojekt.“ Sabers Augen weiteten sich überrascht, dass ging ihm gerade alles wieder zu schnell, aber das war wieder typisch Fireball-like. „Musikprojekt?“, fragte er erstaunt. Fireball grinste und antwortete, als sei es das Normalste der Welt: „Ja, sie ist Kunst- und Musikstudentin.“

Saber, musste schmunzeln. Fireball war nicht nur ein gutaussehender junger Mann, sondern hatte auch ein charmantes Lächeln, das sicherlich die Aufmerksamkeit vieler Mädchen auf sich zog. Auch April hatte ihm gegenüber einmal eine besondere Aufmerksamkeit gezeigt, oder war das nur ihr Beschützerinstinkt gewesen? Saber hatte immer gedacht, Fireball sei zu jung, um das wirklich zu bemerken, oder vielleicht hatte sich das einfach im Laufe der Zeit geändert. „Entschuldige, wie heißt sie und wie habt ihr euch kennengelernt?“, fragte Saber neugierig weiter. Fireball grinste ihn an. „Du bist echt neugierig!“
Saber lachte leicht auf: „Ja, das darf man doch auch, bei so einer schönen Nachricht, oder?“ Fireball verstand und gab nun bereitwillig Auskunft: „Ihr Name ist Aaiko. Sie ist ein paar Monate jünger als ich. Gekannt habe ich sie schon aus der Schulzeit, aber eher vom Sehen. Sie studiert an der Geidai Musik und Kunstgeschichte, und die beiden Campusse liegen fast nebeneinander. Irgendwie haben wir uns jeden Morgen gesehen, meistens auch am Nachmittag … Na ja, dann hat sich das einfach so entwickelt, irgendwie.“
Saber hatte gut zugehört und während er kaute, wurde sein Grinsen immer größer und fügte etwas später schelmisch hinzu: „Also hat sie dich quasi abgefangen: Und deine Nachmittage; an denen du ja so viel lernen musstest, hießen Aaiko.“ fasste er strategisch zusammen. Fireball lachte und nickte leicht verlegen: „Ja, vermute ich auch!“, war seine schnelle ausweichende Antwort. Seine Wangen waren leicht gerötet, während er über Aaiko sprach, und obwohl er versuchte, es zu verbergen, konnte Saber in seinen Augen sehen, dass da echte Gefühle im Spiel waren.
Saber lehnte sich nach seinem Essen entspannt und satt in seinem Sessel zurück, seine Arme locker auf der Lehne abgelegt und Blick ruhte auf Fireball, und ein wohlwollendes Lächeln umspielte seine Lippen. Es gefiel ihm, zu sehen, wie sein Freund sich entwickelte – nicht nur als Student oder Kamerad, sondern auch als junger Mann, der angefangen hatte, sich auf neue Beziehungen und Gefühle einzulassen. Fireball hatte immer ein wenig Abstand gehalten, sich in die Sicherheit seiner Leidenschaft fürs Fliegen zurückgezogen, wo alles klar und kontrolliert war. Gefühle, besonders persönliche Bindungen, schienen ihm immer zu kompliziert oder zu unsicher. Es war, als hätte er sie aus der Entfernung betrachtet, fast so, als wären sie ein Risiko, das er nicht eingehen wollte. Warum das so war, konnte der Schotte nur erahnen. „Lass das Colt erfahren, der plant gleich eine Doppelhochzeit!“, sprach Saber aus, was ihm gerade durch seine Gedanken huschte und musste grinsen. Fireball grinste ebenfalls, während er an seinem Getränk nippte: „Ja, auf Colt muss ich sie noch vorbereiten …“ witzelte er etwas. „Ich freue mich jedenfalls schon darauf, deine Aaiko kennenzulernen“, fügte Saber hinzu und griff nach seinem Glas.
Fireball nickte und lächelte dabei leicht. Er ließ seinen Blick kurz durchs Lokal wandern, während sie noch etwas zu trinken bestellten. Die Kellner bewegten sich ruhig zwischen den Tischen, das Klirren der Gläser und das gedämpfte Murmeln der anderen Gäste füllten die angenehme Stille zwischen den Gesprächen.
Saber wechselte das Thema: „Was hältst du davon, dass dein Vater Kommander Eagle ablösen soll?“
Fireball stellte sein Glas auf dem kleinen Tisch neben seinem Sessel und überlegte einen Moment. „Du meinst die Sache mit dem First-Grade? Ich habe das alles erst später erfahren, nach einem Gespräch mit meinem Großvater. Ich wusste, dass mein Vater ein Vier-Sterne-Captain-General ist, aber nicht, welche Stellung das genau bedeutet. Ich kenne die Ränge, aber die Feinheiten nicht … na ja, jetzt schon. Alles andere kann ich nicht beurteilen. Wie geht es Eagle damit?“ wollte Fireball erst einmal wissen. „Soweit ich weiß, hat Eagle damit kein Problem“, antwortete Saber. „Aber ihm fällt es schwer, Abschied zu nehmen.“ Fireball nickte verstehend. „Ja, das kann ich mir vorstellen.“ kam es darauf von Fireball: “Verrückt, oder?” setzte Fireball zusammenhanglos dahinter, Saber hatte diese Frage aber nur zu gut verstanden und er nickte stumm. Eine kleine Pause entstand zwischen den beiden, die sich, wie sie feststellen mussten, noch nie so intensiv miteinander unterhalten hatten.
Die Zeit verstrich, die Geräusche im Lokal wurden leiser. Tische, die zuvor belegt waren, leerten sich. Fireball schaute auf seine Uhr und seufzte leicht. „Ich muss jetzt aber Schluss machen. Morgen geht’s über die Wolken, und dafür sollte ich irgendwie wach sein.“ Er gab dem Kellner ein Zeichen, um die Rechnung zu ordern. Saber wollte den Abend eigentlich übernehmen, doch Fireball grinste breit und zog die Kreditkarte seines Vaters hervor. „Der Abend geht auf deinen Chef“, sagte er und reichte die Karte dem Kellner. Beide lachten.
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