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3.860 Wörter, 20 Minuten Lesezeit.


Absatz 1

Ein leises, rhythmisches Summen und Vibrieren durchzog den Raum in regelmäßigen Abständen. Es war kaum hörbar, doch allmählich drang es in Shinjiros Bewusstsein. Schwerfällig öffnete er seine Augen, das monotone Geräusch ließ ihn aufhorchen. Es dauerte einige Augenblicke, bis er realisierte, dass er auf dem Tatami-Boden im Wohnzimmer lag. Warum auch immer. Langsam und verschlafen strich er sich über die Augen und bewegte sich schwerfällig. Ein leichtes Stöhnen kam aus seiner Kehle; so erholsam und gemütlich, wie erhofft, war diese Nacht wohl nicht gewesen. Das vibrierende Geräusch, das von seinem Kommunikator, der auf dem Tisch lag, kam, verstummte. 

Er stand auf, streckte sich, da fiel es ihm wieder ein, er hatte noch mit Hitomi zusammengesessen und sie waren wohl in ihren Erinnerungen versunken und darüber eingeschlafen. “Wo war sie überhaupt?” fragte er sich und sah sich kurz um, als er zum Tisch ging, auf dem noch immer die Urkunde lag, er ignorierte sie und nahm den Kommunikator an sich und schaute, wer ihn da erreichen wollte, und es war tatsächlich Jarred, der schon einige Male versucht hatte, ihn anzurufen. Shinjiro atmete tief ein und ging sich durch seine zerzausten Haare. Und legte das Gerät wieder auf den Tisch zurück. Bevor er Jarred  zurückrufen würde, brauchte er erst einmal eine wach machende Dusche. 


In einem imposanten Saal auf Alamo, unter hohen Decken hingen Banner und Insignien, die die bisherige militärische Geschichte und Stärke des Neuen Grenzlandes symbolisierten. Unter diesen, an einem großen, runden, schweren, hochglänzenden Holztisch, hatte General Whitehawk die Militärführer versammelt, die seit Stunden immer wieder in hitzige Diskussionen verfielen und meist in lautstarken Debatten endeten. Die Luft war stickig und durchzogen von Tabak, auf den Monitoren wurden die aktuellen Daten der Zusammentreffen mit den Outridern angezeigt. General Whitehawk hörte sich alles aufmerksam an und versuchte, die Emotionen, die geballt in diesem Raum herrschten, nicht auf sich übergreifen zu lassen. Er wusste selbst, wenn Captain Hikari dieses Voting nicht annahm, dass das militärische Bündnis mit dem glorreichen Königreich Jarr immer wackeliger werden würde. Schließlich gab es keine einheitliche, Befehlsgewalt im Falle eines Angriffes, somit würde jeder Kommandant weiterhin sein eigenes Süppchen im Kampfgeschehen kochen und was das hieß, hatte die letzte große Schlacht, in der Hikari unglaublicherweise wieder zurückgekehrt war, gezeigt. 

Und die Regierungen saßen dem Militär ebenfalls im Nacken, sie wollten Resultate. Dem Indianer war durchaus klar, dass die Politiker es für sich nutzen wollten, schließlich stand auf Yuma ein Wahlkampf an, doch mussten auch die Regierungschefs bis zum endgültigen Ergebnis besänftigt werden. Denn letzten Endes hing das militärische Budget an dessen Entscheidungen. Und dabei ging es nicht um Sympathiepunkte, oder Wohlwollen, schließlich steckten sie alle mitten in einem intergalaktischen Krieg. Es hieß in erster Linie, die Zivilbevölkerung des Neuen Grenzland zu schützen. Captain Hikari war für ihn damals wie heute genau der richtige Mann für den First-Grad. Hikaris tiefes Wissen um Militärstrategien, Führungsstile und operative Abläufe, waren beachtlich und er hatte nie nach Sternchen gehascht, und doch verkörperte sein Auftreten genau das. Seine Befehle waren immer noch klar und direkt, und er erwartete, dass sie ohne Verzögerung ausgeführt wurden. Auch sein ganzes Auftreten hatte er sich in den Jahren erhalten, etwas, was Whitehawk nach wie vor beeindruckte, aber auch nachdenklich stimmte. Er wusste um den Verbleib des Captains, war er doch bei dessen kompletten Check-up und Verhör auf Pectos gewesen. Das zugegebenermaßen zum Teil auf einige Menschenrechte gepfiffen hatte, aber das Militär hatte da seine eigenen Regeln und Gesetze und war ein ganz eigener Kosmos, das wusste der General und auch Captain Hikari. 

Wahrscheinlich war seine meist arrogant wirkende Persönlichkeit einfach in Shinjiro verankert. Whitehawk konnte damit leben und auch umgehen. Und etwas schmunzeln musste der General auch, als er sich an genau diesen Captain vor 16 Jahren erinnerte. Wo waren eigentlich die langen Haare geblieben, es hatte ihn doch gestanden? Nach diesem Gedanken wurde Whitehawks leichtes Schmunzeln zu einem Grinsen, das auch schon wieder langsam verschwand. Er nahm sich vor, sich in nächster Zeit noch einmal unter vier Augen mit Shinjiro zu treffen, denn schließlich war er hier noch der General! Und er wollte wissen, was in ihm vorging, denn das Schweigen gerade behaarte auch den alten Indianer ganz und gar nicht. Oder ging tatsächlich alles viel zu schnell?

Plötzlich öffneten sich die großen Türen des Saals, die Diskussionen verstummten abrupt. König Jarred betrat überraschenderweise persönlich den Raum, gefolgt von seinem Privatsekretär Monsieur Philippe und weiteren Gefolgsleuten. Eine respektvolle Stille breitete sich aus, mehrere Augenpaare verfolgten die Schritte des Königs, während dieser langsam auf den Tisch zukam. Seine Präsenz war wie immer eindrucksvoll und er strahlte eine natürliche, ernste Autorität aus, die den Raum einnahm. König Jarred trug eine prächtige Uniform, die sowohl seine königliche Würde als auch seine militärische Kompetenz widerspiegelte. Die Uniform war in den Farben des Königreichs gehalten, seine tief rote Jacke war mit goldenen Verzierungen und Orden geschmückt. Abgerundet wurde das Auftreten des Königs mit einem Gesichtsausdruck, der Entschlossenheit und respektvolle Ernsthaftigkeit vereinte. Seine grünen Augen waren wachsam und erfassten jeden einzelnen Anwesenden, als ob er sie abspeicherte und versuchte einzuschätzen. Sein Blick hatte etwas Beruhigendes, aber auch etwas Unnachgiebiges, es waren die Augen eines Mannes, der in der Verantwortung stand, die Sicherheit und den Wohlstand seines Volkes zu sichern und zu gewährleisten und der bereit war, schwierige Entscheidungen zu treffen. 

General Whitehawk erhob sich von seinem Platz, das uniformierte persönliche Auftreten des Königs behagte ihm nicht, er salutierte vor Jarred und trat einen schritt beiseite, Jarred nickte dem alten General dankend zu und legte seine Hände flach und ruhig auf die glänzende Oberfläche des großen runden tisches und sah in die Runde. Ohne bereits ein Wort gesprochen zu haben, besaß er die volle Aufmerksamkeit der Anwesenden. Die Generäle und Kommandanten, die eben noch in Diskussionen vertieft waren, warteten gespannt auf dessen Worte.

Jarred atmete tief ein bevor er zu sprechen begann und jeden einzelnen dabei anschaute: “Meine Herren, ich habe mich persönlich auf dem Weg gemacht um ihnen; General Whitehawk, Major Eagle, Kommander Bradley, General Dansh, Kommander Walter und Kommander Evans und den anwesenden Offizieren mit großem Stolz und Erleichterung mitteilen zu können, dass das Neue Grenzland ab heute einen First-Grad hat.” 

Die Augen aller wurden vor Erleichterung größer, mit dieser Mitteilung hatte hier heute niemand mehr gerechnet, hatte man doch schon Pläne ausgearbeitet, für den Fall, dass es so bleibt, wie es ist. Kommander Eagle nickte diese Information ab und verschränkte seine Arme vor der Brust. General Whitehawk atmete erleichtert aus und hörte dem König weiter zu: “Ich habe mit Captain Hikari, vor zwei Stunden telefoniert und er hat zugestimmt. Wir wissen alle, dass diese Zustimmung nur ein formeller Akt gewesen ist und doch möchte ich sie daran erinnern, dass diese Zustimmung das Neue Grenzland langfristig zu einer starken und schlagkräftigen militärischen Verteidigung bringt. Um genau das umzusetzen, frage ich Sie, heute hier sind auch Sie bereit, das Neue Grenzland unter der militärischen Führung des First-Grad zu stellen? Um die nötige Stabilität, den Bedrohungen von außen, kraftvoll zu begegnen. Ich bin überzeugt, dass diese Entscheidung die Sicherheit und das Vertrauen der Bewohner des Neuen Grenzland in uns stärken wird! Und wir, die geschworen haben, das Grenzland zu beschützen und zu verteidigen, werden als eine unerschütterliche Einheit vor ihnen stehen.” 

Ein kollektiv entschlossenes Nicken ging durch den Raum, gefolgt von zustimmendem Gemurmel und Applaus. Jarred nahm seine Hände vom Tisch und richtete sich wieder auf, inmitten des Applaus sprach er: “Ich danke Ihnen für Ihre Hingabe, ihren Einsatz und ihren Dienst. Gemeinsam werden wir die Bekämpfung der Outrider für uns entscheiden und das Neue Grenzland unabhängig machen!” Der Applaus wurde kräftiger und Jarred blickte entschlossen in die Runde. Mit diesen Worten hatte König Jarred nicht nur eine wichtige Entscheidung verkündet, sondern auch das Vertrauen und die Zuversicht der Militärs gestärkt. Das hoffte er zumindest!

Ramrod #1

“Was soll das?” kam es mehr fordernd als fragend vom Cowboy, als er den Schotten ein Tablet vor die Nase hielt. Saber, der vor seinem Notebook am Küchentisch saß, blickte überrascht von der Tonlage seines Freundes auf. “Da stimmt was nicht!“ untermalte der Lockenkopf sein Ärgernis weiter, von dem sich Saber erst einmal einen Überblick beschaffen musste, denn er wusste überhaupt nicht, um was es ging. Vor gerade mal einer Stunde waren sie doch noch mit bester Laune auf Yuma gestartet. Der Schotte nahm dem Cowboy das Tablet ab. Aufmerksam lesen brauchte der Highlander nicht, ihm fiel schon ins Auge, worüber sich sein Scharfschütze gerade lautstark bei ihm beschwerte. „Soviel ich weiß, ist dein Name Bill Wilcox!” erklärte Saber nüchtern und gab dem Cowboy das Tablet zurück. 

Colt blieb tatsächlich fassungslos, der Mund offen stehen und stemmte seine Hände in die Hüften: “Ach, nach fast drei Jahren, ist das plötzlich wichtig! Was ist so schlimm daran, dass meine Sattel-Einheit-Kennung unter Colt läuft?” wollte er jetzt und sofort wissen. April, die sich gerade in die Küche schleichen wollte, um sich etwas Leckeres zu stibitzen, riss ihre Augen auf: “Upsi!” und verschwand ganz schnell wieder. Zwischen die Fronten der Namensdiskussion Colt oder Bill wollte sie nicht kommen. 

Japan

Nichts ahnend von den Ereignissen, die sich gerade an Bord von Ramrod zwischen seinen freunden abspielte, blickte Fireball gerade ehrfürchtig auf das Yasuda-Auditorium, dem Hauptgebäude der “Nippon Strategic Defense University” , die in Japan liebevoll als »Tora Campus« bekannt ist und seit der Edo-Zeit (1600) besteht. Eine Zeit, in der auch erstmals seine Familie in einigen Aufzeichnungen erwähnt wurde; davor war alles etwas schwammig und kaum nachvollziehbar. 

Er sah auf seine Uhr, es war 10 Uhr morgens und es war bereits unangenehm schwül. Seine Aufmerksamkeit wurde vom „Akamon“, dem Roten Tor, angezogen, das inmitten von hohen und dichten Ginkgo-Bäumen stand, die bestimmt ausreichend Schatten spendeten, das unablässige zirpen der Zikaden untermalten geräuschvoll das Bild, das sich ihm bot. Das Tor war seit Jahrhunderten der bekannteste Eingang zum Campus. Das Rote Tor war ein Symbol wie das Ginko-Blatt das die tiefe Verwurzelung der Universität in der japanischen Geschichte darstellt.

Fireball spürte eine Mischung aus Aufregung und etwas Unsicherheit, als er sich dem Eingang näherte. Der Campus pulsierte vor Aktivität, mit Studentinnen und Studenten, die überwiegend in seinem Alter waren und lebhaft umher gingen. Einige waren vertieft in Gespräche oder versteckten sich hinter einem Buch, und andere nickten ihm freundlich zu. Unauffällig fügte er sich dank der Kleidungsvorschriften ein und war gerade dankbar für die dunkelblaue Hose, dem schlichten weißen Hemd mit der blau-weiß gestreiften Krawatte und der passenden Jacke dazu. Er hatte sich nahtlos wieder in die japanische Gesellschaft eingefügt. Die ungeschriebenen Regeln und Bräuche, die für Nicht-Japaner manchmal rätselhaft waren, gaben ihm jetzt gerade Sicherheit und ein Gefühl von Normalität.

„Erstaunlich!“, stellte er überrascht fest. Hatte er andersherum doch manchmal noch ein-zwei Tage benötigt, um sich wieder an das Leben im Neuen Grenzland zu gewöhnen. Hier jedoch war er einfach Shinji Hikari, ein ganz normaler 17-jähriger. Diese Erkenntnis fühlte sich wie eine Rückkehr in die Realität an, nach den turbulenten letzten zweieinhalb Jahren, die er zusammen mit seinen Freunden erlebt hatte. Während er durch das Tor trat, musste er an Saber, Colt und auch April denken; sie fehlten ihm! Vor allem aber auch Ramrod, es war manchmal unerträglich zu wissen, dass in seiner Satteleinheit jemand Fremdes saß. Er war ersetzbar, auch eine Erkenntnis, die ihn hart auf den Boden hatte aufschlagen lassen.

Er erreichte die alten Gebäude, die eine Aura aus Tradition und Wissen ausstrahlten, während die modernen angebauten Anlagen den Fortschritt verkörperten. Zwei Extreme, die Japan immer gut miteinander verbinden konnte. Und er? Würde er es auch schaffen, die beiden Gegensätze Japan und das Neue Grenzland miteinander in sich zu koppeln? Wie schaffte Saber das nur? Der Schotte strahlte es einfach aus, dass er Saber Rider und Richard Lancelot in einem war.

Passend zu seinen Gedanken durchschritt er einen gewölbten Durchgang, der durch eine Reihe symmetrischer, gotischer Bögen gekennzeichnet war und sich bis zu einem offenen Innenhof erstreckte. Seine Schritte hallten und klackten auf den Beton. „Wie kam man im 16. Jahrhundert in Japan auf einen gotischen Stil?“, blitzte ihm diese Frage kurz durch den Kopf. „Egal“, winkte er die Frage ab und trat in den Innenhof, und der Schatten seines Vaters hing über ihm, der nach 16 Jahren Abwesenheit wieder in sein Leben getreten war. Etwas stöhnend atmete er aus; es holte ihn immer wieder ein, seine Gedanken kreisten seit dessen Rückkehr. Denn er hatte sich seinen Vater immer ganz anders vorgestellt. Wie, konnte er nicht einmal beschreiben; es war nicht negativ, aber auch nicht positiv, es war einfach irre. „Ja, irre, das beschrieb es am besten!”

Und wahrscheinlich ging es seinem Vater mit der Situation genauso! Es war wie ein Reset, ein Neuanfang. Die Situation, die er sich als Kind manchmal mehr als alles andere gewünscht hatte, war eingetreten. Und je mehr Fireball über die jetzige Situation nachdachte, desto mehr konnte er sich damit abfinden und sogar langsam akzeptieren. „Die Betonung lag auf langsam, überstürzen wollte er nichts“, und er musste fast lachen bei diesem Gedanken: Er und nichts überstürzen. Er blickte sich um und holte seinen Communicator hervor, um seine Fakultät zu finden.

„Ja, er hat ja recht!“, gestand sich Fireball etwas murrend ein, während er eines der modernen Gebäude betrat und über den hellen, hoch polierten Fußboden lief. Rechts neben ihm war der Gang mit einer durchgehenden gewölbten Fensterfront, die den Blick in den grünen Innenhof der Fakultät freigab. Links neben ihm waren weitere Gänge und dunkle Holztreppen, die zu den Hörsälen führten. Nochmals stimmte er, wenn auch mit einem Augenrollen, seinen Gedanken zu. Was hatte er mit seinen 17 Jahren schon vorzuweisen? Gut, er hatte eine Kampfpilotenlizenz, die in seinem Alter wahrscheinlich keiner hatte. Aber er besaß keine Qualifikationen, die ihm seine Stellung im Oberkommando oder gar auf Ramrod sichern würden. Er besetzte zwar den Rang eines Second Lieutenants, der jedoch erst mit 18 wirksam wurde und bis dahin konnte noch sehr viel passieren. So sicher wie sich alles in den letzten Wochen noch angefühlt hatte, war es gar nicht! Noch etwas, was er sich in den letzten zwei Tagen schmerzhaft eingestehen musste. Er betrat die erste Stufe der runden breiten Holztreppe, step by step, so wie er nach oben schritt, so brachen unter ihm gerade seine letzten zweieinhalb Jahre zusammen. Was war geschehen? Ging es den anderen dreien auch so? 

Er erreichte den ersten Stock, in dem drei große Flügeltüren offenstanden. In einer davon würde er für die Begrüßungszeremonie der neuen Studenten verschwinden. Er schaute auf seine Uhr – 20 Minuten hatte er noch. Genug Zeit, um sich noch Wasser aus einem der bereitstehenden Automaten zu ziehen. Kurzfristig entschied er sich für den „Ito En Oi Ocha“, einen beliebten kalten, ungesüßten grünen Tee. Ewig hatte er ihn schon nicht mehr getrunken. „Kampai!“, prostete ihm ein Mitstudent zu. Fireball erwiderte das Prosten und leerte seine Flasche, während er sich neben dem Automaten auf der Etage umsah. Der Bereich „Military Space Engineering“ war dieses Jahr wohl sehr beliebt, stellte er fest. Tatsächlich waren auch Familien anwesend. Ein gedankenverlorenes: „Hm!“, kam von ihm, nachdem er seine Flasche geleert hatte, und er warf sie in den Mülleimer neben dem Automaten. Er hatte tatsächlich einige Stufen übersprungen, deswegen stand er hier auch allein, denn für ihn war das hier kein neuer Lebensabschnitt, obwohl es sich gerade danach anfühlte und doch war es etwas, was irgendwie dazu gehörte. 

Seine Eltern würden heute gemeinsam wieder abreisen, er würde bei seinen Großeltern bleiben. So schnell das Wiedersehen nach so vielen Jahren da war, kam auch der Abschied. Fireball presste seine Lippen aufeinander und ging Richtung Auditorium und trat ein. Drinnen füllte sich der Saal mit erwartungsvollen Gesichtern. Einige tsprachen leise miteinander, während andere aufmerksam ihre Umgebung beobachteten. Und er hing seinen Gedanken weiter nach, die von einem Abschnitt zum nächsten sprangen. 

Sein Vater hatte klar und offen gesagt, ohne Angst vor Verurteilung oder Kritik, was er von ihm verlangte: 100 Prozent. Das zeigte Fireball, dass sich sein Vater nicht vor ihm verstellte, nur um jetzt den Super Daddy zu spielen. Sein Vater war sofort mit ihm in einen Konflikt gegangen, sodass auch er ihm gegenüber nichts beschönigen konnte. Er hatte Erwartungen an ihn, und Fireball war nun in der Pflicht, diese zu erfüllen; er wollte, dass sein Vater auch ihm vertrauen konnte. „Ich fordere jetzt, dann fördere ich!“ hallten die Worte seines Vaters wieder in seinen Ohren. Tief atmete er ein. Er spürte den Druck, denn die Erwartungen waren hoch, nicht nur, weil sein Vater ein Captain-General und vor allem der First-Grad Anwärter im Neuen Grenzland war, sondern auch wegen der vorgeprägten Vorstellungen, die sein Nachname mit sich brachte.

“War es das, wovon Saber immer gesprochen hatte?” fragte er sich. Während er in den Hörsaal eintrat und die Stufen, die mit blauem Teppichboden bespannt waren, hinabstieg, um in einer der ersten Reihen Platz zu nehmen. Diese tiefe Vater-, Sohn Verbindung, die der Schotte hatte, die geprägt war von gegenseitigem Respekt und Ermutigung? Sogar Colt hatte es immer wieder angedeutet, dass die Beziehung zu seinem Vater von gemeinsamem Lernen und Wachsen bestimmt war. Sie hatten zusammen Herausforderungen gemeistert, einander unterstützt und einander zu Höchstleistungen angespornt. Davon sprach der Cowboy schließlich heute noch, also muss es Colt sehr geprägt haben. Schwer atmete Fireball ein, als er sich die Erzählungen des Cowboys in seine Erinnerungen rief. Colt hatte damals nur wenige Monate, bevor sie sich kennenlernten, seine Eltern verloren und war vollkommen allein. Colt, so fiel es Fireball gerade wie die Schuppen von den Augen, hatte ihn gebraucht, um mit ihm zu sprechen, in seinem Schmerz und dem Verlust seines Vaters und seiner Mutter. Fireball schüttelte etwas entsetzt mit seinem Kopf, warum wurde es ihm jetzt erst gerade so klar? 

Insgeheim sehnte sich Fireball genau nach solch einer Beziehung, wie sie der Cowboy immer beschrieben hatte. Dass seine Mutter ihn liebte, daran zweifelte er überhaupt nicht, doch ein greifbarer Vater war nie vorhanden gewesen. Manchmal hatte er sich seinen Großvater als seinen Vater vorgestellt, weil es eben das naheliegendste war. Aber es war eben doch etwas anderes. Doch eine Beziehung zu seinem Vater aufzubauen war von einer ganz anderen Art, das spürte er. Es war irgendwie intensiver, tiefgreifender und manchmal überwältigend. Und er wollte sie, auch wenn sich noch so einiges dagegen sträubte. 

Er erreichte seinen Platz und setzte sich, er schlug das Programm auf und war froh, gerade doch noch etwas getrunken zu haben.

Denn sein Vater forderte auf eine Weise, die Fireball bisher nicht kannte und er traute ihm genau das hier zu! Diese Herausforderung, dieses bedingungslose Vertrauen, war für Fireball gerade eine Bürde, aber auch eine Chance, sich zu beweisen und eine Beziehung zu seinem Vater aufzubauen. Auch wenn das hieße, sich dem Hier zu stellen, was in Fireball ein hin und hergerissen sein verursachte und egal wie er es drehte und wendete, das Hier war gerade der bessere Weg. Ein Gong ertönte und der Saal wurde still, als der Dekan die Bühne betrat. „Willkommen, liebe Studierende, geschätzte und hochverehrte Gäste und Familien,“ begann er. Fireball lehnte sich zurück und ließ die Worte auf sich wirken. 

Die Zeremonie schritt für Fireball viel zu langsam voran, man konnte die Spannung und Aufregung der anderen im Saal spüren. Für viele war dies ein Meilenstein. Für Fireball jedoch nur eine weitere Etappe auf seinem bereits begonnenen Weg. Aber war das wirklich so? Er blickte über die Bühne zu dem Schriftzug, der in großen Kanji den Jahrgang anprangerte. Etwas war hier gerade anders, und er schluckte schwerer als gedacht.

Die Bedeutung des Moments begann allmählich zu ihm durchzudringen. Die großen Kanji schienen nicht nur den Jahrgang zu markieren, sondern auch die Veränderungen in seinem Leben. Fireball fühlte eine unerwartete Schwere in seiner Brust. War dies tatsächlich nur ein weiterer Schritt? Oder war es mehr als das? Eine neue Etappe, die ihn zwang, über seine Zukunft nachzudenken!

Mit einem tiefen Atemzug wandte er seinen Blick von der Bühne ab und nahm die Menschen um sich herum wahr. Die Spannung und Aufregung der anderen schienen nun auch auf ihn überzuspringen. Er erkannte, dass dieser Moment mehr war als nur eine weitere Station auf seinem Weg. Es war eine Anerkennung seiner bisherigen Leistungen und ein Schritt in eine Zukunft, die er sich gesichert und mit Unterstützung gestalten konnte. Als sein Name aufgerufen wurde, holte er sich seine Immatrikulation dankend ab. Schließlich besuchte er Japans beste Universität! Während er die Bühne über die kleine Seitentreppe wieder verließ und bereits der nächste aufgerufen wurde, blickte er über die Menschen davor und hielt inne. Da stand seine Mutter, die ihm stolz applaudierte, und daneben sein Vater, der ihn leicht schmunzelnd zu nickte. Fireball wusste überhaupt nicht, wo er hingucken sollte. Die Menge verschmolz zu einem unscharfen Hintergrund, während seine Eltern deutlich in den Vordergrund traten. Er ging zu ihnen.

Ramrod #2

„Na Bill, alles geklärt?“, fragte Alex, auf dessen Gesicht sich ein freches Grinsen ausbreitete, das genau die Art von Unverschämtheit ausdrückte, die Bill, oder besser gesagt Colt, gerade auf die Palme brachte.

April, die die Szene aus ihrer Satteleinheit beobachtete, konnte nicht anders, als innerlich zu stöhnen. “Okay, diese Diskussion würde diese Mission wohl begleiten.” resignierte sie und zog hörbar Luft zwischen ihren Zähnen ein. 

„Klappe, du Aushilfs-Bruchpilot!“ bellte Colt in seiner gerade schlecht gelaunten Manier zurück. Er warf Alex einen Blick zu, der alle Outrider im Umkreis in die Flucht schlagen konnte. Alex, der aschblonde Pilot, ließ sich davon aber keineswegs beeindrucken. Im Gegenteil, er schien sich fast an Colts Wutausbruch zu erfreuen. Während Colt brummend auf seine Satteleinheit zuschritt, die nun unter dem Namen „Bill Wilcox“ lief, griff er in seine Hosentasche und holte einen Schokoriegel hervor. Doch anstatt ihn einfach zu behalten, drehte er sich um und warf ihn, mit bekannter Präzision, direkt April hinüber. Er hatte die Blondine trotzt er hitzigen Diskussion mit Saber durchaus bemerkt. 

April fing den Schokoriegel reflexartig auf und grinste innerlich, warf aber dem missgestimmten Lockenkopf einen Blick zu, der irgendwo zwischen „Danke“ und „Echt jetzt?“ schwankte. „Willst du dich bei mir einschleimen, damit ich euch beide nicht auf den nächstbesten Asteroiden absetze?“, fragte sie und begutachtete den Riegel, in ihrer Hand, “Mmm, lecker Karamell.” freute sie sich.

„Wenn das hilft, dich auf meiner Seite zu haben, dann ja. Außerdem habe ich Angst, dass du dein zuckersüßes Grinsen verlierst und seines annimmst!” antwortete der Cowboy brummend und zeigte auf Alex. Als er missmutig über seine Anzeigen blickte, und auf der rechten Bildschirmecke der Name Bill Wilcox stand. 

Alex lachte darauf laut: „Ach, Cowboy, du weißt doch, dass niemand deinen Charme widerstehen kann!“ April blickte von ihrem Schokoriegel auf und drehte sich Richtung der Jungs. „Wenn das so wäre, hieße meine Satteleinheit wieder, Colt! Ach und übrigens, du hast hier gar nicht vorwitzig zu sein. Das ist mein Job.“ stellte Colt klar und fuhr die Waffensysteme hoch, man konnte schließlich nie wissen, wann die Schmutzfüße auftauchen. „Ok, Billy Boy!“, erwiderte Alex mit einem Augenzwinkern und lehnte sich entspannt zurück. Colt rollte mit seinen Augen und äffte Alex etwas nach. April kicherte und schüttelte mit ihrem Kopf, bevor sie voller Vorfreude ihren Schokoriegel öffnete. Den würde sie sich jetzt schmecken lassen, egal ob die beiden ihr Gefecht noch weiter austragen würden.


© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

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