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Bewusstwerdung
Shinjiro lag regungslos in dem weichen Kingsize-Bett, der dunklen Suite. Nur eine kleine Lampe, mit einem grünen, gläsernen Schirm auf einer Kommode spendete Licht.
Lange hatte er nicht geschlafen, zu viel Unruhe war in ihm, zu viel Neues und eine Umgebung, die ihm vertraut sein sollte, aber noch nicht greifbar war. Er betrachtete stumm die Konturen der dunklen Holzverzierung an der Zimmerdecke, um seine Gedanken, der letzten Stunden zu konzentrieren. Es fühlte sich an, als hätte er etwas vergessen, denn der Gedanke, hier zu sein, fühlte sich so unwirklich an, dass er glaubte, an seinem Verstand zu zweifeln. Er atmete einige Male tief ein und aus, und mit jedem Atemzug wurde ihm bewusster, dass es kein Traum war.
Seine Rückkehr nach sechzehn Jahren war Realität geworden und er lag hier, in diesem Bett, umgeben von Hochsicherheitstechnik und Militärpolizisten, die ihn überwachten. Tatsächlich hatte er damit gerechnet, direkt nach Pectos in den Hochsicherheitstrakt zu kommen, er hatte sich zwar auf der Monarch Supreme mit seiner ID ausweisen können, dennoch galt er als „incomplete“. Was in etwa so viel bedeutete, dass er existierte, aber noch nicht bis ins kleinste Detail bestätigt worden war. Da würde in den nächsten Tagen, wenn nicht sogar Stunden, noch etwas auf ihn zukommen, das war ihm bewusst. Er schüttelte mit seinem Kopf, um diesen Gedanken hintenanzustellen.
5840-mal hatte er einmal täglich, wenn auch nur in seinen Gedanken, den Wunsch, Hitomi und seinen Sohn wiederzusehen, ausgesprochen. Und jetzt, lag er hier, regungslos, müde, aber doch hellwach. Er atmete abermals tief ein, und da drängte sich wieder das Bild seines Sohnes in sein Bewusstsein, wie er auf der Trage lag, bleich und regungslos. Er war in den vergangenen 16 Jahren, zu einem jungen Mann herangewachsen, ohne ihn, ohne seinen Vater. Ein schmerzhafter Stich durchzuckte Shinjiro, „Was für eine erste Begegnung!“, dachte er bitter, während er sich seine müden Augen rieb, als sich eine Träne löste.
Er zwang sich aufzustehen, es brachte einfach nichts, weiter liegenzubleiben, wenn einem die Gedanken innerlich zerfetzten. Im Badezimmer spülte er sich sein Gesicht mit kaltem Wasser, um vollends wach zu werden, und starrte sich einige Momente im Spiegel an.
Er öffnete den Kleiderschrank und griff nach der erstbesten Hose, einer dunkelblauen Jeans, und schlüpfte hinein. Sie saß zu seiner Verwunderung wie angegossen und einen dazu passenden schwarzen Ledergürtel, fand er auch noch. Anschließend zog er ein makellos gebügeltes, weißes Hemd heraus. Und als er es sich anzog und begann, die Knöpfe zu schließen, fiel sein Blick auf eine Stickerei über der linken Brusttasche, und er stoppte seinen Atem, als er die Worte las: „Cpt. Shinjiro Hikari“, umrahmt von vier goldenen Sternchen. Er runzelte seine Stirn, zog das Hemd wieder aus und prüfte das Etikett.
Alles wies darauf hin, dass es tatsächlich sein Hemd war. Verwundert durchstöberte er den restlichen Schrankinhalt und fand weitere Kleidungsstücke, die ihm vertraut vorkamen: Jacken, Hosen, ja sogar Schuhe, von denen er sich sicher war, sie einst besessen zu haben. „Was ist hier los?“, fragte er sich.
Im angrenzenden Wohnbereich erwartete ihn bereits ein gedeckter Frühstückstisch. „Der Service funktioniert“, dachte sich Shinjiro mit einem Anflug von Dankbarkeit und goss sich eine Tasse Kaffee ein. Noch bevor er Platz nahm, klopfte es fest und fordernd an der Tür, bevor sie geöffnet wurde.
Guten Morgen
Saber öffnete langsam, nicht wollend, seine Augen, ein neuer Morgen war angebrochen, ein Blick auf die Uhr verriet ihm, dass es Zeit war, aufzustehen. Aber fünf Minuten, wollte er noch im Bett verweilen und griff nach seinem Kommunikator, April würde ebenfalls zum Frühstück erscheinen. Ansonsten gab es nur Mitteilungen betreffend Ramrod: Ein Mechanikerteam aus Yuma würde heute eintreffen, um den Friedenswächter wieder fit zu bekommen. Jetzt stand er aber wirklich auf und ging kalt duschen, es würde ein langer Tag werden!

Colt und Robin
Colt, saß im Bett und telefonierte bereits mit Robin, sie sprachen schon seit fast einer Stunde miteinander. Die blonde Lehrerin hatte sich Sorgen um den Cowboy gemacht, nachdem sie von dem erneuten Kampfgeschehen vor Jarr gehört hatte. Und weil sich der Cowboy nicht bei ihr, wie immer, nach einem Kampf gemeldet hatte, hatte sie ihn aus dem Schlaf geklingelt, er hatte es ohnehin vorgehabt, sie heute anzurufen, aber sie war ihm zuvorgekommen! Er erzählte ihr von den letzten Ereignissen, von Fireball, dem es nicht gut ging, und die Geschichte von Captain Hikari, den er nicht leiden konnte. „Ich kann nicht glauben, dass so ein arroganter Schnösel, der Vater von Fireball sein soll!“, sagte Colt zu Robin, dem die Art des Captains immer noch zusetzte, mit sowas hatte er niemals gerechnet! Robin versuchte, Colt zu beruhigen: „Gib ihm noch eine Chance, überlege, was gestern alles passiert ist, er ist Fireballs Vater, er macht sich garantiert viele Sorgen, und alles kam auch plötzlich für ihn, das spielt da bestimmt alles mit rein“, erklärte sie ihm ihre Sicht auf die Dinge. Colt schüttelte mit seinem Kopf: „Nein, ich sage dir, Robin, da ist was, am Dampfen, so was, rieche ich doch!“ Robin gab auf, wenn Colt jemanden nicht leiden konnte, konnte er ihn nicht leiden, die Zeit würde dieses Problem regeln, hoffte sie! „Gut, Colt, aber ich muss jetzt wieder in den Unterricht, meine Freistunde ist vorbei, bestelle allen einen lieben Gruß! Und versuche dich zurückzuhalten, bei Fireballs Vater, er ist immerhin auch dein Vorgesetzter!“, mahnte ihn Robin dann doch noch. Der Cowboy rollte mit seinen Augen. „Colt, das ist eine Tatsache!“, fügte sie noch hinzu. Der Cowboy wurde wieder versöhnlicher und lächelte seiner Robin entgegen: „Ich liebe dich!“, sprach Colt aus, was er Robin den ganzen Tag lang sagen könnte. Robin lächelte: „Ich auch, du sturer Cowboy!“ Beide verabschiedeten sich mit einem virtuellen Kuss und Colt legte auf. „Päh, Vorgesetzter!“, grummelte Colt, als er sich anzog, seine Sorge galt in erster Linie seinem Hombre! Er zog sich seine Stiefel an und verschwand aus dem Hotelzimmer, der Schwertschwinger würde bestimmt schon auf ihn warten.
Hôtel Gérando

Circa eine halbe Stunde später hielt ein Taxi vor dem Hôtel Gérando und April stieg aus und ging direkt in die Lobby und sah sich um. Geschäftiges Treiben, umgab sie, Pagen liefen mit ihren Kofferwagen in Richtung Fahrstuhl und an der Rezeption gab es einiges zu tun. Sie musterte die Mode einzelner Damen und ging dabei Richtung Frühstücksrestaurant. Dort war ein großes, buntes Buffet aufgetan, sie blickte in den Saal und fand ihre Kollegen an einem Fenster sitzend, bei ihrem ersten Kaffee. Diverse Köstlichkeiten standen schon auf dem Tisch und die beiden ließen, es sich gut schmecken. April ging zum Buffet und tat sich auf.
Colt hatte sich geschworen, sich einmal quer durch das Buffet zu futtern. Saber kommentierte das nur mit: „Wenn du das machst, verdonnere ich dich, zu Extra-Trainingseinheiten!“ Colt zuckte bei solchen haltlosen Drohungen nur mit seinen Schultern, ihm war das gerade egal, er hatte Hunger und liebte süße Sachen, und die gab es hier on mass. “On mass …” Ja, ja, er konnte schon richtig gut Französisch, fand er! Und schnappte sich einen Teller, um seine Mission direkt umzusetzen.
Saber grinste und wünschte viel Glück und biss genüsslich in sein Croissant. Als April sich plötzlich, ihm gegenüber an den Tisch setzte, er nickte ihr kauend zu. „Guten Morgen, Jungs!“, begrüßte sie die beiden. Colt brach seine Mission kurz ab und umarmte April: „Guten Morgen, Prinzessin!“, freute er sich. Sie wieder gesund und munter zu sehen. „Guten Morgen, April, wie geht es dir?“, begrüßte sie nun auch Saber. April setzte sich langsam, denn die Zurückhaltung, in der Stimme des Schotten, war ihr nicht entgangen.
„Danke, es geht mir besser, ich habe noch leichte Kopfschmerzen“, beantwortete sie Sabers Frage. Colt setzte sich mit seinem Teller, auf dem reichlich Speck und Eier waren.
„Aber sagt mir lieber, was ist mit Fireball?“ Colt und Saber sahen sich an. Colt widmete sich seinen Rühreiern und nahm eine große Portion auf seine Gabel. Saber rollte mit den Augen: „War ja klar!“, dachte er und begann, April über alle Ereignisse aufzuklären, die sich nach ihrer Evakuierung an Bord von Ramrod abgespielt hatten.
„Warum hat er denn nicht gesagt, dass es ihm nicht gut geht?“, fragte sie sich. Es tat ihr leid! „Wart ihr schon bei ihm?“, wollte sie wissen. Colt verneinte, aber sie würden sich nach dem Frühstück gemeinsam auf den Weg ins Krankenhaus machen. April nickte Colt zu. „Und Captain Hikari? Habt ihr ihn schon kennengelernt?“ Colt wollte gerade wieder eine Schimpftirade starten. Doch Saber konnte es gerade noch unterbinden: „Ja, das wirst du auch!“ war Sabers kurze und knappe Antwort. Colt sah Saber an, stand auf und holte sich noch etwas Schönes vom Buffet.
Saber sah Colt nach und wandte sich dann April zu. „April, ich möchte wissen, was gestern mit dir los war“, fragte er sie jetzt. April griff nach einem Croissant. „Bitte Saber nicht jetzt!“, bat sie ihn. „Wann dann? Eine Erklärung wirst du mir geben müssen!“ April schaute zu Saber und fragte erstaunt. „Was, du zitierst mich zum Rapport?“ Saber atmete tief ein und nickte, er machte so etwas nicht gerne und es kam auch fast nie in seinem Team vor. „Wenn ich bis morgen nicht weiß, was los war, ja! Auch ich muss einen Bericht zu der Sachlage schreiben! Vor allem jetzt, wenn einer von euch schwer verletzt im Krankenhaus liegt!“ April nickte verstehend. „Es tut mir leid, Saber!“ Der Schotte nickte: „Das weiß ich, umso dringender möchte ich wissen, was los war, damit ich das nächste Mal vorbereitet bin!“ Colt kam wieder und erzählte von der hübschen, netten Kellnerin, die ihm dieses kleine „Pattifufu“, wie er es nannte, geschenkt hatte. April rollte amüsiert mit den Augen: „Colt!“, kam es kopfschüttelnd von Saber. „Wenn sie nicht Robin heißt, will ich davon gar nichts wissen!“, gab er dem Cowboy zu verstehen. „Was denn?“, erwiderte der Scharfschütze. „Ich hole mir nur Appetit.“ Und schob sich demonstrativ das kleine Küchlein in den Mund. „Es heißt, Petit four!“ kam es noch von April, die es in schönstem Französisch in Colts Richtung sprach. „Grazie!“, antwortete Colt darauf, Saber schlug sich die Hand vors Gesicht. „Du Banause.“, sagte April.
Pectos
König Jarred stoppte vor einer großen hölzernen Flügeltür. Sein Sekretär, Philippe, trat neben ihn und begrüßte ihn mit einem „Guten Morgen, eure Hoheit“, und reichte dem König eine lederne Aktenmappe. Jarred nickte müde. Die Ereignisse des letzten Tages steckten noch in seinen Knochen und an Schlaf war nicht zu denken gewesen.
Langsam und müde schlug er die ihm gereichte Mappe auf und überflog die darin liegende Nachricht. Plötzlich wurde er hellwach und er richtete seinen Blick auf Philippe. Jarred konnte seine innere Unruhe über den Inhalt der Nachricht kaum verbergen. Philippe, der nicht nur Jarreds Privatsekretär und Butler war, sondern auch zu seinen engsten Vertrauten gehörte und den TSID-Status innehatte, erwiderte das Schweigen mit einem Nicken: „Es läuft alles, wie Ihr es angeordnet habt, Sire. Doktor Morel ist bereits seit den frühen Morgenstunden auf Pectos“, erklärte er, um den König etwas zu beruhigen.

Jarred schloss die Mappe mit einer Hand und gab sie Philippe zurück, schwieg aber und atmete tief ein. Dann machte er einen Schritt nach vorn, der Tag musste beginnen. Die Flügeltüren schwangen auf und er trat in den “Salle du Lys d’Or”, in dessen Mitte ein großer ovaler Tisch stand. Die Grafen, der verschiedenen Gebiete des Königreichs Jarr erhoben sich, als der König den Meetingsaal betrat und auf seinen Platz zuging. Mit einem gedämpften Schlag schlossen sich die Türen.
Ein Shuttle landete auf der Plattform der Hochsicherheits-Militärbasis auf Pectos. Die Basis lag verborgen unter einer gewaltigen gläsernen Kuppel, die wie ein schützender Käfig über der Einrichtung lag. Das Licht, das durch die Kuppel fiel, war gedämpft und grau, als würde selbst die Sonne, die hoch am grauen Himmel hing, sich weigern, diesen unwirtlichen Ort zu erhellen.
Pectos war mit seiner kargen Oberfläche das Ergebnis eines lange zurückliegenden gescheiterten Waffenexperiments, das den Planeten zu einer unwirtlichen Einöde gemacht hatte. Die Oberfläche bestand aus endlosen Ebenen aus grauem Gestein und toten Kratern, unter einem Himmel, der niemals freundlich wirkte. Nur das Militär hatte hier noch einen Nutzen gefunden und hatte den Planeten zum Hochsicherheitsmilitärgebiet erklärt. Es gab einige Forschungseinrichtungen und ein Hochsicherheitsgefängnis. Es war ein abgeschotteter Mikrokosmos, in dem nur das Militärrecht galt. Der Planet war bereinigt von der restlichen Galaxie. Niemand kam hierher, es sei denn, er hatte keine andere Wahl. Nur die wenigsten Offiziere wussten, was hinter den versiegelten Türen auf Pectos vor sich ging, und die, die es wussten, sprachen selten darüber.
Ringsum erstreckten sich die Basen, doch der größte Teil war unterirdisch. Wie viele Etagen es gab, wussten nur die obersten Generäle, und das waren meist nur zwei, darunter General Whitehawk. Die Basis betrieb Forschungseinrichtungen, und Testzentren. Auch lief hier der ganze technische militärische Apparat zusammen. Alles erstreckte sich unterirdisch in ein labyrinthartiges Ensemble aus sterilen, funktionalen, runden Gebäuden. Die Architektur war minimalistisch und militärisch zweckmäßig, alles war mit Kameras und Abwehrsystemen ausgestattet und überwacht.
Shinjiro trat langsam aus dem Schiff, links und rechts flankiert von zwei Wachmännern in gepanzerten Uniformen. Vor nicht einmal einer Stunde hatten sie ihn aus der Suite im Gästehaus abgeholt. Seine Schritte hallten fest mit den der Wachen auf dem metallischen Boden, während die Wachen ihn wortlos durch die schier endlosen Gänge führten.
Vor einer massiven Schleusentür kamen sie zum Stehen und die Tür glitt zur Seite. Shinjiro wurde von einer Welle gleißenden Lichts empfangen, das ihn für einen Moment blinzeln ließ.
Die Wachleute deuteten ihm mit einem stummen Nicken an, alleine weiterzugehen, und kaum hatte er die Schleuse betreten, zischte die Tür hinter ihm zu, nicht einmal das Geräusch der Tür hallte in der Schleuse nach.
Die Luft war trocken, jegliche Natürlichkeit war ausgelöscht. Die Wände, der Boden, selbst die Decken bestanden aus einem einzigen, kalten, homogenen Metall, das das Licht reflektierte. Es gab nichts, woran sich sein Auge festhalten konnte, keine Farben, keine Strukturen, nur diese unbarmherzige Leere und Helligkeit.
Shinjiro wartete und spürte, die Realität auf sich zukommen. Sein Atem ging flach, sein Herz schlug immer schneller. Es gab keine Flucht, kein Entkommen. Sollte es auch nur den kleinsten Zweifel an seiner Identität geben, würde er sich auf der anderen Seite des Planeten, im Hochsicherheitsgefängnis wiederfinden. Alles hier war darauf ausgelegt, ihn zu isolieren. Er schloss seine Augen, um sich zu beruhigen und um der drückenden Helligkeit zu entkommen, die sich selbst durch seine geschlossenen Lider brannte.

„Entkleiden Sie sich vollständig und ziehen Sie die bereitgestellte Kleidung an.“ Erklang eine monotone, kalte Stimme aus einem Lautsprecher und ließ Shinjiro zusammenzucken. Es war keine Bitte, sondern ein Befehl, sachlich und unpersönlich, ohne Wenn und Aber. Ohne zu zögern begann Shinjiro, seine Kleider abzulegen. Der kühle Boden unter seinen nackten Fußsohlen ließ einen eisigen Schauer durch seinen Körper wandern. Es war mehr als die Temperatur, es war das Gefühl völliger Entblößung, nicht nur körperlich, sondern auch mental. Die bereitgestellte Kleidung bestand aus einer dünnen grauen Stoffhose und einem einfachen, ebenfalls grauen T-Shirt.
Kaum hatte er die Kleidung angezogen, zischte die Tür vor ihm mit einem magnetischen Surren auf. Der Übergang von der sterilen Schleuse in den Raum dahinter war wie ein Schritt in eine andere Welt. Vor ihm lag ein medizinisches Labor, das ebenfalls von grellem, kaltem Licht durchflutet wurde. Der Geruch der sterilen Umgebung stieg in seine Nase. Sein Blick wanderte durch den Raum. Ein Ärzteteam wartete auf ihn, und mit einem tiefen Atemzug setzte er schließlich den entscheidenden Schritt über die Schwelle.
Ihm war bewusst, dass dieser Moment ihn zu einem Objekt degradierte. Ab jetzt war er nur noch Person X, dessen Identität auf Herz und Nieren geprüft werden musste.
Kein Detail wurde ausgelassen, was sich besonders bei den Blutabnahmen bemerkbar machte. Er zweifelte stark, dass er noch ausreichend Blut im Körper hatte. Er hasste Nadeln, doch er war ungewöhnlich ruhig und seine Bewegungen kamen ihm schwer vor. Hatte er etwas gespritzt bekommen, was ihn ruhig, ja fast schläfrig machte, oder war es der verzweifelte Versuch, sich der Prozedur mental zu entziehen?
Die Stimmen waren fern, doch bei direkten Fragen konnte er klar antworten … Sensoren tasteten seinen Körper ab, während Maschinen monoton summten. Alles wurde mit den Daten abgeglichen, die man von dem als vermisst geltenden Captain Hikari im System hatte. Laserstrahlen kreuzten seinen Blick und scannten Retinamuster. Es folgten Zahnabgleiche, sogar eine Füllung wurde ausgetauscht, um diese zu analysieren. Es folgten DNA-Abgleiche und seine inneren Organe wurden durchleuchtet.

Pausen zwischen den Untersuchungen gab es nahezu keine. Auf die körperlichen Prüfungen folgten mehrere psychologische Gutachten. Es war nicht nur sein Empfinden, sondern Tatsache, dass er gerade den gesamten medizinischen Apparat durchlief. Das meiste verlief schweigend, wie ein Uhrwerk, jeder wusste, was als Nächstes folgte, nur er nicht.
Die Ärzte sprachen wenig, behandelten ihn jedoch höflich und waren respektvoll. Er wusste, dass jeder Blick, jedes Wort, das er sprach, von den Anwesenden genauestens beobachtet wurde. Doch wer alles tatsächlich bei diesem Verfahren im Hintergrund anwesend war, wusste er nicht. Doch sollte bei den beobachtenden Anwesenden, auch nur ein Zweifel bestehen, könnte das für ihn verheerende Auswirkungen haben.
Zum Abschluss erfolgten Fitness- und Sehtests sowie Überprüfungen seiner Flugtauglichkeit. Der körperliche Check-up war abgeschlossen und Shinjiro fühlte sich gründlich durchleuchtet, als hätte man ihn vollständig auseinander genommen und wieder zusammengesetzt.
Die Erschöpfung nagte an ihm. Wie viel Zeit vergangen war, wusste er nicht. Der endlose Strom an Anweisungen, das grelle Licht, die sterile Atmosphäre hatten sein Zeitgefühl ausgelöscht.
Er wurde in einen anderen Teil der Basis gebracht, und Shinjiro wusste genau, was nach dem ganzen „medizinischen Martyrium“ nun auf ihn zukommen würde. Die Müdigkeit lastete schwer auf ihm, begleitet von einem unnachgiebigen Spannungskopfschmerz, der wie ein Schraubstock seinen Schädel umklammerte. Wann hatte er eigentlich das letzte Mal etwas getrunken, oder gar gegessen?
Seine Augen brannten, doch trotz alledem zwang er sich, durchzuhalten. Er konnte es sich nicht leisten, hier aufzugeben.
Die magnetische Tür zu einem kleinen, fensterlosen Raum öffnet sich mit einem leisen Zischen. Langsam trat er ein, sein Blick glitt durch den kahlen, sterilen Raum und blieb an dem einzigen Möbelstück hängen, einem schlichten metallischen Stuhl ohne Lehne, neben dem eine kleine Wasserflasche stand. Der Raum war schalldicht gespickt und mit den feinsten Mikrofonen ausgestattet, damit jedes Wort, das er sprach, hinter den metallischen Wänden klar verstanden werden konnte. Kameras erfassten jede seiner Bewegungen und würden jeden Atemzug und jedes Zwinkern aufzeichnen.
Hinter den Wänden waren Beobachter, ausgewähltes Militär, die er kannte, doch er würde nie erfahren, wer seine Identitätsprüfung verfolgte und beurteilte, sie würden für immer unsichtbar, aber allgegenwärtig sein. Und sie waren bereit, ihn ohne Rücksicht mit Fragen zu konfrontieren. Auch hatte das Militär Interesse an seinem Erlebten, wo er die letzten 16 Jahre verbracht hatte.
Shinjiro ließ sich auf den Stuhl sinken und griff direkt nach der Wasserflasche und leerte sie in einem Zug. Seine Kehle war ausgedörrt, und die kühle Flüssigkeit fühlte sich wie eine flüchtige Erlösung an. Es war das erste Mal seit Stunden, dass er etwas trinken konnte, und er wusste, dass es auch für die nächsten Stunden das Letzte sein würde.
Die Regeln waren klar: Für jede Frage blieben ihm 5 Sekunden, um zu antworten, eine kalkulierte Zeitspanne, die kein Nachdenken, kein Zögern, keine zweite Chance zuließ.
Saber, Colt und April standen, seit einiger Zeit, vor dem Bett ihres Freundes, April liefen vereinzelt Tränen über die Wangen. Colt hielt sie im Arm. Saber rief sich das Arztgespräch von gestern in Erinnerung, um daran festzuhalten, dass es für Fireball gerade das Beste war.
April ging langsam auf Fireball zu und strich ihm ein paar Haarsträhnen aus der Stirn und flüsterte: „Werde schnell, wieder gesund!“ und setzte sich neben das Bett und hielt ihre Hand auf seine. Die drei unterhielten sich noch etwas, und als es Zeit war zu gehen, verabschiedeten sie sich von ihrem Freund. Sie würden bald wiederkommen, versprachen sie ihm. April streichelte Fireball zum Abschied noch über den Arm. Und die drei verließen das Zimmer. Colt beschäftigte die Situation sehr, noch nie hatte er jemanden in so einem Zustand gesehen. Noch zwei Tage, dann würden sie ihn aufwachen lassen, daran hielt er sich und an die Worte, die Saber ihnen vorhin noch sagte: „Es ist besser so, wie es jetzt gerade ist!“ Sie machten sich jetzt auf den Weg zu Ramrod, um die Systeme auszuwerten und ihre Berichte zu schreiben.
Plötzlich erlosch die Beleuchtung im Verhörraum, und für einen Moment umfing ihn völlige Dunkelheit. Dann flammten erneut grelle, kalte Lichter aus den vier Ecken des Raumes auf, die ihn ins Zentrum der Aufmerksamkeit rückten. Der Kontrast war schmerzhaft für seine ohnehin brennenden Augen, und er spürte, wie seine Muskeln sich anspannten. Es war, als ob diese Lichter jede Unsicherheit, jede Schwäche gnadenlos aufdecken wollten.
Shinjiro atmete tief ein, sein Brustkorb hob und senkte sich in einem bewussten Versuch, Ruhe zu bewahren. Die Luft in dem Raum war kühl, doch sie half ihm, die Kontrolle über seinen pochenden Puls zurückzugewinnen. Eine ihm unbekannte Stimme erklang und stellte die erste Frage das war der Beginn des Verhörs.
Sein Kopf brummte, seine Augen hatten keinen Fixpunkt und nahmen nur das Grelle wahr und sein Körper die Kälte der Luft und der Atmosphäre. Doch auch hier waren Raum und Zeit nicht mehr vorhanden, er antwortete auf alles, was blieb ihm auch anderes übrig? Es waren die Fragen, persönlicher Natur, oder Fragen, die nur er als Captain beantworten konnte, wie: „Welche Sicherheitsprotokolle wurden vor Ihrem Verschwinden in Ihrer Einheit verwendet?“, oder „Welche besonderen Zugangsberechtigungen hatten Sie?“. Es klang recht unscheinbar, aber alles nachprüfbar in seinen damaligen Berichten. Darauf folgen gefühlt Hunderte, um seinen Verbleib, jedes Detail, wo er war, was er getan hat. Sogar Details von Verletzungen, alles wollte man wissen. Die Fragen stellte immer dieselbe monotone Stimme.

König Jarred spazierte am frühen Abend durch seinen Schlossgarten und beschloss, einen anderen Weg als sonst zu nehmen. Nach etwa zehn Minuten erreichte er eine Anhöhe im öffentlichen Bereich des Schlossparks, der zu dieser späten Stunde bereits geschlossen war. In der Mitte des Hügels stand eine mächtige Trauerweide, deren lange Äste sich sanft im warmen Abendwind bewegten. Er setzte sich auf eine der Bänke, von der man einen sagenhaften Blick über Jarr hatte, während die untergehende Sonne den Horizont in ein tiefes, friedliches Rot tauchte.
Oft hatte er hier nach Shinjiros Verschwinden damals gestanden, es war der Ort, an dem Jarred Shinjiro zum ersten Mal begegnet war. Ein kleines, kurzes Lächeln der Erinnerung huschte über Jarreds Gesicht, das gleich darauf wieder von einem nachdenklichen Gesichtsausdruck verdrängt wurde. Er hatte noch immer keine Ergebnisse von Pectos, auch Dr. Morel hatte sich bei ihm noch nicht gemeldet.

Jarred verstand, dass zwischen Rückkehr und Untersuchung nicht zu viel Zeit vergehen durfte, doch dass der vereinte Militärstab der Erde und des Grenzlandes Shinjiro nicht einmal 12 Stunden nach seiner Ankunft befragen würde, hatte der König nicht erwartet. Aber gut, versuchte er sich zu beruhigen, so war es erledigt. Er selbst hätte der Untersuchung beiwohnen können, doch er hatte sich bewusst dagegen entschieden. Es war eine Entscheidung, die er nicht leichtfertig getroffen hatte. Natürlich interessierte es ihn auch, was mit Shinjiro in den vergangenen 16 Jahren geschehen war, wo er gewesen war und wie er letztlich wieder aufgetaucht war.
Als König kannte er diese Untersuchungsprotokolle und wusste, wie diese abliefen. Er wollte für Shinjiro als Freund da sein. So überließ er seinen Platz einem seiner engsten Generäle, als Vertreter des Königreichs Jarr und seinem Leibarzt, als Beobachter der medizinischen Dinge. So konnte Jarred sicher sein, dass dort alles korrekt ablief. Und wenn die Zeit reif war, war sich Jarred sicher, würde Shinjiro ihm alles erzählen. Jarred übte sich also in Geduld, etwas, was ihm sehr schwer fiel! Ein kühler Windhauch riss ihn aus seinen Gedanken, seine Sorgen waren tief und würden wohl bleiben, bis er erfuhr, ob Shiniro zurückgekehrt war oder nicht.
Absatz 4
Nachdem die letzte Frage beantwortet war, kehrte Stille ein. Eine Stille, die schwerer und beklemmender war als alle Stimmen zuvor. Shinjiro blieb auf dem Stuhl sitzen, es mussten Stunden vergangen sein. Sein Geist war leer, ausgebrannt von der unnachgiebigen Flut an Fragen, die noch immer in seinem Kopf nachhallten.
Mit einem leisen Zischen öffnete sich die Tür, und zwei Gestalten traten ein, er konnte durch seine schmerzenden Augen nur die verschwommenen Umrisse erkennen. Sie sprachen nicht viel, warfen aber einen prüfenden Blick auf ihn und halfen ihm, aufzustehen. Seine Beine fühlten sich schwer an, und sein ganzer Körper sackte vor Erschöpfung zusammen. Was jetzt mit ihm geschehen würde, wusste er nicht, was ihm mental gerade auch vollkommen egal war.
Er sollte sich hinlegen, etwas wurde ihm auf seine Augen gelegt und er spürte etwas Kühles auf seiner Brust, kurz darauf umhüllte ihn eine tiefschwarze Dunkelheit. Der Lärm der Stimme aus dem Lautsprecher, das Summen der Geräte, alles war verschwunden. Zum ersten Mal seit Stunden war um ihn nur noch Stille und er glitt wehrlos in einen tiefen Schlaf.
Jonsons
Eagle saß im Büro auf dem Militärraumhafen Jarr. Er hatte gerade ein längeres Gespräch mit General Whitehawk über Hypercom geführt. Und er ging es noch einmal in seinen Gedanken durch. „Was für eine Wendung!“, sprach er zu sich und sein Blick fiel auf die Uhr an der Wand. Das Offizierscasino von Jarr, soll ausgezeichnet sein, hatte er gehört. Das wollte er heute Abend gleich mal testen, beschloss er und packte sein Notebook ein.
Auf dem Gang traf er Captain Jonsens. Die beiden begrüßten sich und Eagle lud den Captain spontan zum Essen ein. Im Offizierscasino suchten die beiden sich ein stilles Eckchen und schauten, was die Küche empfiehlt. Eagle und Jonsons begutachteten ihr Essen vor sich, es sah gut und vor allem lecker aus. Sie wünschten sich einen „Guten Appetit“
Jonsons fragte nach einer Weile. „Konnten Sie schon mit Captain Hikari über die letzte Schlacht sprechen?“ Der Kommander öffnete seinen Apfelsaft. „Nein, dieses Thema kam noch gar nicht auf, ich hoffe auf morgen, denn es wäre wichtig!“ Jonson nickte. „Ja, das wäre es! Vor allem müsste er wichtige Informationen über die Outrider haben!“ Eagle nickte, als er sein Getränk wieder vor sich abstellte: „Ja, das ist mein Ziel!“ blieb Eagle zu diesem Thema kurz angehalten, öffnete sich aber vorsichtig. Jonsens bestätigte mit einem Nicken, er verstand, dass Eagle solche heiklen internen Informationen nicht an einem Ort wie dem Offizierscasino preisgab.
„Meinen Sie, es betrifft die Schlacht vor 16 Jahren?“ Eagle schaute von seinem Essen auf: „Bedingt, aber auch alles, was davor war, und die neuerlichen Ereignisse, machen die Sache nicht gerade leichter.“ Jonsens verstand nicht ganz, was Eagle, damit sagen wollte. „Wie darf ich das verstehen, Sir?“ Eagle lehnte sich zurück und fixierte den Captain vor sich. Jonsens beobachtete die Reaktion seines Kommanders und sprach leise weiter: „Sollte er Informationen zurückhalten, die relevant sind zur Bekämpfung der Outrider, ist das Verrat!“ Eagle wurde ernst. „Halten Sie die Füße still, Captain! – „Hikari ist auch ihr Vorgesetzter, genau wie ich!“ Johnsons Augen weiteten sich. „Entschuldigen Sie, Kommander, aber wurde er denn schon bestätigt, ich meine, außer von König Jarred? Ich mache mir halt Gedanken: Was ist, wenn die Outrider wieder angreifen? Es sind zwar einige Teams unterwegs, aber mit so einer Übermacht wie gestern, und sollte das regelmäßig passieren, sehen wir alt aus“, sprach Jonsons seine Bedenken frei aus. „Ich verstehe, aber das ist nichts, worüber Sie sich als OF-1-Captain den Kopf zerbrechen sollten“, gab Eagle zu verstehen und griff nach seinem Dessert. Jonson sah den Kommander schweigend an. So klare Worte fand Eagle normalerweise nicht. „Vertrauen Sie ihm, Kommander?“, fragte Johnsons nun direkt. Charles sah auf: „Bitte?“ Jonsons setzte nun alles auf eine Karte: „Na, Sie persönlich, ohne König Jarred oder General Whitehawk.“ Eagle atmete tief ein, lehnte sich zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust. Johnsons schmunzelte.
Absatz 5
Ein Stimmenwirrwarr drang in Shinjiros Bewusstsein, ein fernes Murmeln, das sich langsam wieder auflöste, gefolgt von einem leisen Rascheln, und Schritten auf hartem Boden. Die Realität kehrte allmählich in ihm zurück.
Sofort bemerkte er den Unterschied um sich herum. Er lag weich, in einem Bett, das sogar recht bequem war. Eine wärmende Decke lag auf ihm. Doch noch immer umhüllte ihn ein lähmendes Gefühl, das nicht weichen wollte. Er wagte es nicht, seine Augen zu öffnen, aus Furcht, dass das bloße Öffnen seiner Augen ihn wieder in die schmerzhafteste Helligkeit zurückwerfen würde. Stattdessen lauschte er und versuchte, durch das Rauschen der Stimmen hindurchzuhören. Er konnte die Wörter nur bruchstückhaft erfassen. Doch sie waren keine künstlichen, befremdlichen Stimmen aus der Maschine, keine kalten Befehlstonlagen, sie klangen menschlich,und vertraut.

Nach einiger Zeit wagte er es, seine Lieder langsam zu öffnen. Doch durch den minimalen Spalt drang kein beißendes, grelles Licht, es war angenehm, abgedunkelt. Die Stimmen lösten sich auf, zurückblieben Schritte, die näher kamen. Er nahm schattenartige Silhouetten wahr, die vor ihm standen. Doch konzentrieren, darauf konnte er sich nicht. Doch er erkannte eine markante dunkelblaue Hose mit einer dicken Goldnaht an der Seite. Eine Hose, die ohne Zweifel, zu einem befehlshabenden Offizier oder General gehörte. Doch weiter darauf konzentrieren konnte er sich nicht. Das Blinzeln strengte ihn an und der Schmerz in seinem Kopf meldete sich wieder, seine Augen fielen ihm erneut zu.
„Willkommen zurück, Captain Shinjiro Hikari“, vernahm er eine feste Stimme, die seinen Namen aussprach. Die Worte hallten in seinem Kopf, wie ein stechender Impuls, der ihn aus dem Nebel des Kopfschmerzes riss. Es war eine Stimme, die er kannte, aber gerade unerreichbar war. Er wollte antworten, wollte sich bemerkbar machen, doch statt Worte zu formen, blieb er regungslos liegen.
Langsame Schritte hallten wieder durch den Raum, als ob die Person, die mit ihm sprach, sich von ihm entfernte. Eine Tür glitt sanft zu, und da war sie wieder, ersehnte, Stille.
Absatz 6
Auf Ramrod kehrte nach einem anstrengenden Tag Ruhe ein, April musste die ganzen Ereignisse und das Bild von Fireball im Krankenhaus erst einmal verarbeiten, und das tat sie gerade nur für sich allein. Saber und Colt, hatten ihr mehrmals gesagt , dass sie sich keine Vorwürfe machen sollte, doch genau das machten sich die beiden doch auch! Das wusste die Blondine. Sie waren eben alle enge Freunde! Und sie kuschelte sich in ihre weiche Bettdecke, die sie sich bis zu den Ohren zog.
Colt hatte sich direkt nach dem Abendessen in sein Quartier verzogen, um mit Robin zu telefonieren. Es half ihm, abzuschalten. Die blonde Lehrerin brachte ihn einfach auf andere Gedanken. Er vermisste sie, zu lange hatten sie sich nicht mehr gesehen.
Saber beschloss, eine Stunde später auch Feierabend zu machen und ging unter die Dusche. Wie sich alles entwickeln würde, konnte er nicht wissen, obwohl es einiges vereinfachen würde. Er spürte aber, dass sich etwas verändern würde, was der Tatsache geschuldet war, dass ein Vier-Sterne-Captain, der 16 Jahre als vermisst gegolten hatte und nie außer Dienst gesetzt worden war, wieder aufgetaucht war. Und würde Fireball, darauf reagieren, der sich dazu jetzt überhaupt nicht äußern konnte? „Puh!“, kam es aus Sabres Kehle, als er aus der Dusche stieg. „Tee trinken und abwarten“, hatte seine Großmutter immer gesagt. Der Highlander musste lächeln, als er an sie dachte. „Abwarten!“ Was anderes blieb ihnen allen ohnehin nicht übrig. Und er verschwand in seinem Quartier.
Absatz 7
Über Jarr zog ein Sommergewitter mit scharfen, grellen Blitzen hinweg. Um halb drei Uhr morgens ging die Tür zur Suite im Gästehaus des Königs auf. Und Shinjiro trat langsam ein. Die Tür fiel hinter ihm ins Schloss und Shinjiro schaffte es gerade noch, sich auf das weiche Sofa fallen zu lassen. Der Druck auf seinen Körper schien zu schwer, um sich weiterzubewegen. Was war nur los mit ihm? Fragte er und zwang sich, seine Augenlider zu öffnen. Die Dunkelheit des Raumes wurde von dem schwachen Mondlicht durchbrochen, das durch die großen Fenster strömte und den Wohnbereich in silbernes Licht tauchte. Alles, was er wusste, war, dass er wieder auf Jarr war, und ein Gefühl von Erleichterung machte sich in ihm breit. Das Grollen und die Blitze mit dem starken Regen, der gegen die Fenster peitschte, drangen in sein Bewusstsein. Doch dieser Sturm schien keinen Platz für seine Gedanken zu lassen. Sonder erinnerten ihn an die bloße Tatsache, dass er nicht in einer Zelle auf Pectos war, sondern auf Jarr. Sein Körper schmerzte, als ein weiterer Blitz den Raum für Millisekunden erhellte. Shinjiro hielt inne, alles in ihm schien sich zusammenzuziehen. Ein tiefer, schwerfälliger Seufzer entglitt ihm, als er sich durch seine matten, zerschlagenen Haare fuhr. Sein Ziel war doch eigentlich das Badezimmer gewesen, doch sein Körper wollte liegenbleiben. Den schweren Gewittersturm, der sich in dieser Nacht über Jarr ergoss, bekam er nicht mit.
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Cooles Kapitel und Pectos erklärt einiges, hätte mich auch gewundert, dass sie Shinjiro einfach so nach 16 Jahren, ohne Fragen zu stellen aufnehmen.
Ich bin gespannt wie es mit den 4 weitergeht.
Top Kapitel, das löst einige Fragen, vor allem wie sie Shinjro bestätigen, besser als in der vorherigen Version.
[…] diesen Abschnitt empfiehlt es sich, Kapitel 09 – „Check up“ gelesen zu […]