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Absatz 1
Saber und Colt standen, als alle bereits verschwunden waren, noch immer regungslos auf der Brücke. Und ließen die Ereignisse in den letzten 5 Minuten noch einmal Revue passieren. Die Gedanken des Schotten überschlugen sich, er hatte nicht nur König Jarred eben auf seiner Brücke das erste Mal empfangen, sondern auch gleichzeitig Captain Hikari, der seit 16 Jahren als verschollen und für die meisten als tot galt. Den Vater seines Freundes und Piloten und gerade in solch einer Situation, mussten sich Vater und Sohn das erste Mal begegnen.
Colt war der Erste, der seine Stimme wiederfand: „Los Säbelschwinger, fahren wir auch ins Krankenhaus, um Fireball Rückendeckung zu geben!“ Als der Cowboy losgehen wollte, hielt Saber den Lockenkopf an der Schulter zurück. Colt sah den Schotten fragend entgegen. Saber grinste und zeigte mit einer Hand auf den Cowboy: „So, willst du also in die Stadt fahren? Ich finde es etwas zu gewagt!“ Colt blickte an sich hinunter. Er trug nur das T-Shirt und die weniger hübsche, aber funktionelle weiße Baumwollhose, die er unter seinem Kampfanzug hatte. „Okay, eine schnelle Dusche und frische Klamotten, wären wohl besser!“, sagte er grinsend.
Absatz 2
Die Shuttle-Limousine hielt direkt am Hintereingang der Notaufnahme und sie konnten direkt eintreten. Zwei Militärpolizisten folgten den beiden in einem gewissen Abstand.
Jarred, Shinjiro und Lorenz wurden in einen privaten Wartebereich gebracht, wo sich Lorenz verabschiedete, er wollte noch nach seinen verletzten Piloten schauen und verließ den Wartebereich. Der König sah seinen Freund an, denn dieser hatte die ganze Fahrt kein einziges Wort gesprochen. Shinjiro stand mitten im Wartebereich. Wo rechts und links von ihm Sessel und Tische standen, an einer Wand ein Kaffeeautomat und auf einem Tisch standen verschiedene Erfrischungsgetränke bereit.
Nachdem er sich umgesehen hatte, drehte er sich zu Jarred und sprach mit ernster Stimme: „Wie, kann es sein, dass er dieses Schiff fliegt?“ Jarred nickte verstehend, aber eine Antwort hatte er darauf nicht, er selbst verstand es ja nicht einmal. Shinjiro lief Richtung Kaffeeautomaten und drehte sich kurz davor wieder um und sprach weiter: „Er ist noch nicht einmal 18 Jahre alt! Oder habe ich mich so sehr verrechnet?“ Shinjiro, ging sich mit einer Hand durch seine Haare und schüttelte mit seinem Kopf, er konnte es nicht fassen! Was war hier los? Er blieb wieder abrupt stehen und sah erschrocken zu Jarred: „Hitomi! Sie muss informiert werden!“, sprach er leise, aber laut genug für den König. Jarred nickte nur. Shinjiro setzte sich, “Hitomi” schoss es ihm wie ein Blitz durch seinen ohnehin schon schmerzenden Kopf. „Wie wird sie reagieren, auf das alles hier?“
König Jarred unterbrach Shinjiro nicht, er sollte seinen Unmut über die letzten Ereignisse erst einmal herauslassen. So wusste der König wenigstens, was in dessen Kopf gerade so alles vor sich ging, und beschloss, sich neben seinen Freund zu stellen und ihm eine Hand auf die Schulter zu legen. Mehr konnte er gerade nicht für ihn tun. „Ich werde sie herbitten!“, sprach Jarred leise. Der Angesprochene blickte auf, verließ den Wartebereich und verschwand in der gegenüberliegenden Tür. Jarred atmete tief durch und ging zum Kaffeeautomaten und zog zwei Tassen von dem schwarzen Alleskönner. Den benötigten sie jetzt erst einmal!
Kommander Eagle hatte sich ins Krankenhaus fahren lassen und kam in der allgemeinen Notaufnahme an. Ein Arzt, der am Militär-Raumhafen die Einsätze koordiniert hatte, gab dem Kommander eine vorläufige Liste mit den Namen der Verletzten. Die Namen waren in einer Tabelle rot, gelb und grün eingeteilt, je nach Zustand des Einzelnen. Eagle überflog diese Liste kurz, in der roten Spalte blieb er bei einem Namen hängen. „Was? Das kann doch nicht wahr sein!“, sprach er besorgt vor sich hin und holte schnell seinen Kommunikator hervor.
Saber und Colt kamen nach einer erfrischenden Dusche im Krankenhaus an. Dort war ganz schön was los, Besucher, Patienten, Ärzte und Schwestern liefen hin und her, am Zeitungsstand gab es eine kleine Schlange und die Cafeteria war gut gefüllt. Saber holte die ersten Informationen ein und ihm wurde der Weg zum Wartebereich erklärt. Bevor Colt jedoch losging, bog er Richtung Cafeteria ab und kam einige Minuten später mit einer vollen Tüte Sandwiches und zwei großen Bechern Kaffee übereinander gestapelt zurück.
Saber ging schnell auf den Cowboy zu, er sah schon einen der Café-Becher abstürzen. So war er, der Scharfschütze, außen ganz hart, aber im Inneren ein liebenswerter Kerl, der gerne alle bemutterte. Hatte man erst einmal sein Kuhhirten-Herz gewonnen, kam man da so schnell nicht mehr raus. So kümmerte er sich jetzt auch um das körperliche Wohl, in Form von Nahrung, und sein Lieblingsgetränk gab es auch noch als Extra obendrauf. So gingen sie gemeinsam Richtung Wartebereich. In diesem Moment meldete sich Sabers Kommunikator. „Kommander Eagle.“, teilte Saber Colt mit und ging auch sofort ran.
Dr. Laurent betrat den Warteraum, in dem König Jarred und Captain Hikari an einem Tisch saßen und ihren Kaffee tranken. Beide standen auf, als sie den Arzt bemerkten: „Wie geht es ihm?“, fragte Captain Hikari den Arzt besorgt.
Colt kam Sandwich schmatzend um die Ecke und stoppte abrupt ab, um nicht in das Gespräch reinzupoltern. Saber telefonierte einige Meter hinter ihm. Der Cowboy stellte seine Pfadfinder-Lauscher auf Empfang und hörte dem Gespräch zu, das bereits im vollen Gange war.
„Er hatte unsagbares Glück. Wäre die ärztliche Versorgung nicht sofort erfolgt, hätte man nichts mehr machen können. Der Kreislaufzusammenbruch wurde rechtzeitig erkannt, und es konnte schnell gehandelt werden. Doch sein Körper ist sehr geschwächt, und einzelne Organe arbeiten noch nicht wieder so, wie sie sollten. Er war zu lange im Einsatz!“, teilte der Arzt König Jarred und Captain Hikari mit.
Colt, dem Lauscher, fiel beinahe sein Kaffeebecher aus der Hand. Sie hatten nicht aufeinander geachtet, denn auch der Cowboy hatte zeitweise mit kleineren Aussetzern seiner Konzentration zu kämpfen gehabt. Das schlechte Gewissen breitete sich gegenüber seines besten Freundes aus, das hatte der Lockenkopf nicht gewollt! Saber trat neben Colt. „Was machst du hier?“, fragte der Schotte, der das Telefonat mit Kommander Eagle gerade beendet hatte. „Püsch!“ Kam es von Colt und zeigte Saber mit seinem Kopf um die Ecke. Saber, Verstand. Colt flüsterte Saber zu, während er weiter zuhörte: „Fireball hatte einen Kreislaufzusammenbruch, aufgrund des zu langen Einsatzes.“ Saber schaute Colt geschockt an, er musste erst einmal tief einatmen und blickte zur Decke, sein Mund formte etwas, aber man hörte nichts.
„Was empfehlen Sie, Doctor?“, fragte Captain Hikari. Der Arzt nickte: „Er ist leicht sediert und wird auch schon künstlich beatmet, jedoch bezweifle ich, dass der jetzige Zustand, auch noch in einer Stunde so sein wird. Um ihm diesen weiteren körperlichen Stress zu ersparen, empfehle ich folgende Behandlung.“ Der Arzt machte eine kleine Pause und sprach dann ruhig weiter. „Eine Langzeitsedierung von 3 bis 4 Tagen, damit sein Körper durchweg eine Ruhephase hat, alles fährt erst einmal runter und kann sich erholen. Der Vorteil ist, wir können alles kontrollieren und ihn so wach werden lassen, wie es seinem Zustand entspricht.“ Saber lehnte sich hinter Colt an die Wand und schloss seine Augen. König Jarred nickte und sah zu seinem Freund. „Das müssen Sie jedoch entscheiden. Danach wird er einige Zeit benötigen. Schwäche, Fieber und Verwirrtheit können auftreten, was allerdings in den seltensten Fällen passiert, die meisten Patienten erholen sich schnell danach, ich rechne nicht mit irgendwelchen Komplikationen. Wir werden es auch langsam angehen und ihn beobachten, wie sein Körper auf alles reagiert.“ Damit war der Arzt fertig mit seinen Erklärungen und Empfehlungen. Captain Hikari nickte und ließ sich alles gerade Gehörte noch einmal durch den Kopf gehen: „Ja, machen Sie das und wann kann ich zu ihm?“ teilte er seine Entscheidung mit. Der Arzt nickte: „Wir würden damit gleich beginnen, je eher, umso besser, das alles wird ungefähr 3 Stunden benötigen, morgen können sie zu ihm!“ Hikari, nickte: „Gut!“, sprach er leise. Daraufhin verabschiedete sich der Arzt wieder.
Kommander Eagle trat hinter Saber und Colt, er hatte schon von weitem gesehen, wie die beiden, „Lauscher an der Wand“ spielten. Er musterte die beiden, bevor er fragte: „Was macht ihr hier?“ Saber und Colt fuhren erschrocken herum, als sie Eagles Stimme plötzlich hinter sich hörten und dieser sichtlich auf eine Erklärung wartete. Saber sah den Kommander entschuldigend an und erklärte ihm die Situation: „Sir, wir kamen dazu, als der Doctor gerade mit König Jarred und Captain Hikari sprach, wir wollten nicht stören.“ Der Kommander verstand und ging dann an den beiden vorbei und trat in den Wartebereich ein.
Absatz 3
Colt und Saber sahen sich an, und gingen Eagle nach. Jarred und Hikari sprachen gerade miteinander, als sie die Neuankömmlinge bemerkten. Kommander Eagle begrüßte die beiden noch einmal: „Guten Abend, König Jarred!“ Der König schaute zum Kommander und erwiderte seinen Gruß, mit einem Nicken. Kommander Eagle schaute zu Hikari, der seine Hände in den Hüften gestemmt hatte und seitlich von ihm stand: „Captain Hikari!“ Shinjiro, kniff kaum merklich seine Augen etwas zusammen, verzog, aber sonst keine Miene und begrüßte den Kommander ebenso kurz: „Kommander Eagle!“
„Wow, das war ja mal eine warme Begrüßung“, dachte sich Colt, und auch Saber war diese nicht entgangen. Der Kommander bemerkte, wie Colt und Saber hinter ihm eintraten. Und nutzte die Gelegenheit, um die beiden dem Captain vorzustellen.
„Captain Hikari, das ist der befehlshabende Offizier deines Sohnes, Captain Saber Rider!“ Der Angesprochene kam näher und Saber streckte dem Captain seine Hand entgegen und sprach den Vater seines Piloten freundlich an: „Sir, es ist mir eine Ehre, Sie kennenzulernen!“ Captain Hikari, musterte den blonden jungen Mann indringlich und erwiderte: „Das ist nicht ihr Name!“ und die Hand von Saber nahm er nicht an.
Saber, der etwas überrascht von dieser Reaktion war, schaute kurz flüchtig zu König Jarred. Dieser nickte ihm nur zu, dass er reden sollte. So atmete Saber ein und erwiderte: “Richtig, Sir, mein Name ist Richard Lancelot!‘, sagte Saber mit fester Stimme. Colts Augen fixierten den japanischen Captain.
„Saber Rider, ist mein Pseudonym! Und ich werde von jedem so genannt!“, fügte er noch erklärend hinzu. Auf Hikaris Lippen formte sich darauf ein kleines Lächeln, als er sprach: „Das werde ich nicht tun, Captain Lancelot!“ In Colt begann es gewaltig zu brodeln, und er zog seine Augenbrauen zusammen. Als der Kommander ihn nun vorstellte: „Colt … Ich meine Bill Wilcox, er ist der Scharfschütze an Bord des Friedens-Wächters Ramrod.“ Captain Hikari, nickte und begrüßte Colt nur mit einem: „Mr. Wilcox!“ Colt schaute den Captain nur ernst an, er konnte zu seiner eigenen Verwunderung darauf gar nichts sagen, so sprachlos war er.
Captain Hikari, sah noch einmal abwechselnd zu Saber und Colt: „Namen sind wichtig, meine Herren, dann weiß man, wer man ist!“, sprach er und wandte sich wieder ab.
Colt, der tatsächlich fassungslos neben Saber stand, stupste seinen Boss leicht mit seinem Ellenbogen an und flüsterte, ohne seine Lippen zu bewegen: „Ich mag ihn nicht!“ Saber nickte und beobachtete den Captain und sah darauf zu Colt: „Abwarten!“
Kommander Eagle erklärte dem König, warum er vor Ort war. „Ich wollte mich noch erkundigen und eine Bilanz haben. Und wissen, wie es …“ Eagle machte eine kurze Pause: „… Shinji geht!“ und hob die Liste, um sein Gesagtes zu untermauern. Captain Hikari, ging zu Eagle und der Kommander gab Hikari kommentarlos die Liste. Der Schotte und der Cowboy, die gerade nur Zuschauer waren, verfolgten die Aktionen in diesem Raum aufmerksam. König Jarred erzählte von den Männern der Air Base, welche verletzt waren. Captain Hikari gab Charles die Liste wieder zurück. „Da fehlt jedoch etwas, oder jemand!“, sagte er knapp.
Alle Anwesenden sahen Hikari nur fragend entgegen, der Captain bemerkte es, atmete tief ein und aus: „Ich wäre für eine Dusche und ein Bett sehr dankbar.“ Jarred verstand und nickte Shinjiro entgegen: „Du bist mein Gast, es ist schon alles vorbereitet!“ und wandte sich den Anwesenden zu: „Es war ein ereignisreicher Tag, wir beenden ihn jetzt, alles Weitere hat die Tage auch noch Zeit!“ Saber, Colt und Kommander Eagle verabschiedeten sich und verließen gemeinsam die Klinik.
Absatz 4
„Gast, hm, mit Hochsicherheitsbewachung?“, griff Shinjiro Jarreds Einladung auf, als sie Richtung Ausgang gingen und die Militärpolizisten ihnen folgten. Jarred nickte: „Ja, allerdings angenehmer, als in einer kalten Gefängnisszelle auf Pectos“, kam es darauf von Jarred, als sie zur Limousine gingen. Shinjiro sah sich um. Natürlich wusste er, dass er hier gerade den Status einer nicht existenten Person hatte, aber grinste leicht: „Um zu wissen, ob ich der bin, der ich bin?“ Jarred lachte kurz auf: „Ja, reine Routine! Ich hoffe, wir finden auch genügend Zeit, miteinander ausführlich zu reden. Ich möchte so viel wissen, aber das kannst du dir bestimmt denken! Es fühlt sich an, als ob du nie weg gewesen wärst.“ Shinjiro nickte Jarred ein müdes „Ja“ entgegen, als sie ins Auto stiegen.
Saber und Colt liefen zum Taxi-Stand, die Sonne ging bereits unter. Colt schimpfte über den Captain und machte seinem Ärger Luft: Wie konnte dieser Saber nur so arrogant über den Mund fahren und auch noch dessen Hand nicht entgegennehmen, wusste er denn nicht, wem er da vor sich gehabt hatte? „Natürlich, wusste er es nicht!“ Colt rollte mit seinen Augen und warf seine Arme in die Luft und polterte los: „Was bildet der sich eigentlich ein, ist 16 Jahre nicht vorhanden und steigt hier ein, als ob nie etwas gewesen wäre, das gibt noch Spaß, sage ich dir!“, war sich der Cowboy sicher! Als jedoch so gar keine Reaktion seitens des Schotten kam, wurde Colt noch genervter: „Mensch! Jetzt sag doch auch mal was dazu, Schwertschwinger!“, forderte der Cowboy. Der Schotte sah Colt an. „Ich weiß noch nicht so recht, ich lasse erst einmal alles auf mich zukommen.“ War die ausweichende Antwort des Schotten. Colt nervte diese Art von Antwort noch mehr: „Na toll!“ Saber blieb neben einem Taxi stehen und verstand nicht. „Was meinst du?“, fragte er nach. „Ich meine damit, dass besagter Captain von und zu es faustdick hinter den Ohren hat, so etwas rieche ich doch!“
Saber nickte und lenkte das Thema in eine andere Richtung: „Wolltest du nicht ein Hotel bezahlen?“, erinnerte der Schotte den Cowboy. Colt stemmte seine Hände in seine Hüften: „Wer hat dich wieder gerade gemacht, bevor der König auf deine Brücke kam? Ich habe etwas gut bei dir, Boss!“, erwiderte Colt darauf und öffnete die Tür des Taxis. Saber gab sich geschlagen: „Okay, fifty-fifty!“, schlug der Schotte vor und stieg nach Colt ein. Das Taxi fuhr los. Colt blickte aus dem Fenster und zum Krankenhaus, welches hell erleuchtet war, und dachte an seinen Kumpel.
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