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Absatz #1
Saber saß mit König Jarred in der Präsidentensuite und berichtete von den Vorkommnissen des Tages und den Vermutungen, die im Raum standen. “Das klingt alles sehr undurchsichtig, jedoch kann ich das mit dem Vorfall beim Empfang vor wenigen Tagen bestätigen, dass etwas passiert war, habe ich gemerkt.” sagte König Jarred und Saber erwiderte: “Jedoch ist nichts zu erkennen auf den Aufnahmen.” Jarred nickte und stand von seinem Ledersessel auf: “Ja, das kann er, wenn es darum geht, in einer Situation Haltung zu bewahren, als wir im Auto saßen, sah die Sache schon ganz anders aus!” Der Schotte fand diese Information sehr interessant: “Also war davor auch alles in Ordnung gewesen, ich werde Miss Eagle zusätzlich ins Oberkommando Waffenlabor, als unabhängige Sachverständige beordern, wir müssen wissen, was geschehen ist.” Jarred setzte sich wieder und nickte: “Das dürfte kein Problem darstellen, die Kamera des Pressefotografen haben wir, doch die Ergebnisse zeigten nichts Ungewöhnliches.“ berichtete der König Sabers Augen groß: „Eure Hoheit, ich bitte sie, geben sie mir die Kamera für das „Cavalry Weapons Labor frei.” Jarred lehnte sich zurück: “Ich werde es veranlassen, und ihnen zukommen lassen, ich bin ebenso interessiert an der Aufklärung.” Saber nickte: “Danke, König Jarred!” Es klopfte und Philippe, Jarreds Sekretär, trat ein, gefolgt von Royu.
Jarred und Saber standen auf, um den Neuankömmling zu begrüßen. König Jarred gab seinem Privatsekretär noch ein paar Anweisungen, unter anderem auch die eingezogene Kamera des Pressefotografen zu besorgen und ihn bringen zu lassen. Royu hatte die Anweisungen gehört und fragte: “Also geht ihr davon aus, dass es etwas mit dem Blitz zu tun haben könnte?” Saber und König Jarred nickten und Saber erklärte: “Wir müssen einfach jedem Verdacht nachgehen, die Kamera von heute Nachmittag ist bereits unter TD-Verschluss.“ Royu nickte und König Jarred zeigte an, dass sie sich doch alle wieder setzen sollten.
“Wie geht es Shinjiro?” wollte jetzt Jarred wissen. Royu lehnte sich zurück und begann die beiden über den gesundheitlichen Zustand seines Bruders zu informieren. “Es besteht keine Lebensgefahr!” Saber und Jarred atmeten erst einmal auf! “Er ist in so einer Art Dämmerzustand, er soll wohl irgendwie etwas mitbekommen, kommuniziert und bewegt sich jedoch überhaupt nicht. Dieser wurde nicht von den Ärzten zugeführt, sondern durch was auch immer. Aber mehr weiß ich auch erst morgen, die toxikologischen Untersuchungen werden gerade ausgewertet, um auch die Behandlung darauf anzupassen, was man uns schon sagen konnte, war, dass eine hohe Konzentration von Cortisol in seinem Blut zu finden war… Was genau in der Spritze war, wird zur Zeit vom Krankenhaus und vom Labor auf Pectos geprüft. Von der Injektion gelangen wohl zwei Einheiten in seinen Kreislauf, von dem noch nicht genau feststeht, worum es sich handelt.” erklärte Royu und machte eine Pause.
“Hm, Cortisol ist jetzt nichts Ungewöhnliches bei Jetpiloten, nach einem Flug!” sagte König Jarred. Saber nickte bestätigend: “Jedoch fliegt Captain Hikari nicht mehr regelmäßig, das heute war das zweite Mal auf Yuma, wenn ich mich nicht irre, das reicht nicht, um einen Spiegel aufzubauen!” erwiderte der Schotte. Royu setzte sich etwas vor: “Ja, Jet-Piloten haben nach einem Flug eine Cool down Phase von 30 bis 40 Minuten, deswegen denkt man immer, die Piloten hängen einfach nur herum, dabei müssen sie vom körperlichen und geistigen wachsamen Dauerstress herunterkommen.” Jarred nickte kommentarlos. Royu sah sich um und erinnerte sich an den Tag des Empfangs: “Mir fällt da noch etwas ein, als ich Shinjiro nach dem Dinner nach Hause gebracht hatte, wusste Hitomi bereits das es ihm nicht gut geht, sie hatte etwas bemerkt beim Empfang der übertragen wurde!” Saber war erstaunt, er selbst hatte auf den Aufnahmen nicht eine Regung des Captains vernommen: “Was genau hat sie bemerkt und was ist danach geschehen, am nächsten Tag war wieder alles in Ordnung gewesen!” stellte der Schotte fest. “Sie meinte, es war wohl etwas in seinem Ausdruck und Gang gewesen. Er hatte lange geschlafen und abends war auch wieder alles wie immer.” Misses Ellnys hatte mir erzählt, er war völlig neben sich und unruhig gewesen.” berichtete Saber, er hatte sich vorhin ausführlich mit der Sekretärin unterhalten.
“Wir benötigen dafür einen Arzt, der uns darüber Auskunft geben kann und Fragen beantwortet!” Royu schaute in die Runde: “Wer weiß jetzt alles davon?” Saber dachte nach: “Bis jetzt alle, die anwesend waren, und sie unterliegen alle Verschwiegenheitspflicht.“ Royu nickte: “Na mal schauen, bis das die Runde macht!” Alle nickten, das Fehlen des First Grad konnte man nicht lange geheim halten. Auch im Krankenhaus gab es weiteres Personal, wie Schwestern, Pfleger und so weiter, die alles mitbekommen. Ich beabsichtige, vorerst auf Yuma zu bleiben und in meine Residenz ziehen. Zusätzlich werde ich mich gemeinsam mit dem Stab und General Whitehawk abzustimmen. Als Bündnispartner werde ich persönlich für die Sicherheit des First Grad sorgen, sofern der Stab dem zustimmt, werde ich ihn weiter in meiner Residenz ärztlich versorgen lassen zur Sicherheit” sagte Jarred ernst Saber verstand und als Bündnispartner konnte der König diesen vorschlag einbringen: “Eure Hoheit ich habe bereits General Whitehawk kontaktiert, er wird morgen vor Ort im Oberkommando sein.”
Royu stand auf, er musste sich bewegen: “Wurden der angebliche Arzt und die Sicherheitstypen schon verhört?” Saber verneinte: “Das wird Mentor Eagle morgen machen, ebenso den Arzt!” Royu drehte sich schnell um: “Warum?” Saber sah Royu fragend entgegen, dieser erklärte darauf gleich: “Das muss ein Chief machen, welcher vereidigt ist, General Whitehawk fällt mir da auf die schnelle ein, die Gerichtsbarkeit liegt im neuen Grenzland und als Mentor steht er nur unter einer Pflicht und nicht einem Eid!” Jared nickte still. Saber riss seine Augen auf: “Stimmt, somit hätten alle Aussagen, welche die Wachoffiziere oder der Arzt vor Mentor Eagle tätigen würden, vor dem Militärgericht keinen Bestand!” und Saber wischte sich mit einer Hand über seine Stirn, wie hätte er das übersehen können! “Alles in Ordnung, Mr. Lancelot, man kann nicht alles auf einmal im Blick haben!” sagte König Jarrad, der den Schotten angesehen hatte, wie dieser es gerade eingeleuchtet hatte. Saber nickte: “Wem kann man jetzt noch trauen?” fragte er mehr zu sich selbst, aber hörbar für die beiden anderen!” Royu stemmte seine Arme in die Hüften und schaute den jungen Major an: “Niemanden!” war dessen kurze, ehrliche Antwort.
Jarred schaute zu dem Japaner: “Was ist dein Plan?” Royu sah in Richtung des Königs und überlegte: “Von Plänen wurde mir abgeraten, Colonel Rosso und ich ziehen die beiden Task Force Einheiten von Alamo nach Yuma ab, damit wir hier einsatzbereit sind und Männer haben, denen wir zu 100 Prozent vertrauen können!” Saber sah auf: “Zwei Einheiten, also ist ihre auf Alamo vor Ort!” stellte Saber fest. Royu nickte und ging wieder auf seinen Platz: „Ja, wir stehen für ein halbes Jahr unter dem Kommando des Kavallerie Oberkommandos!“ Jarred grinste und berichtigte: “Des First-Grad!” Royu schaute zum König: “Ja unter diesem auch!” Saber musste nun auch grinsen. “Also hat Captain Hikari schon im Voraus geplant, Einheiten zu ordern, denen er vertrauen kann!” Royu lehnte sich zurück. Jarred sah zu Royu belustigend: “Oder händeln kann!” Royu grinste kurz auf: “Ich nenne es auch gerne Herumschubsen, er hätte nur bitte sagen brauchen!” Jarred lachte: “Er hat dir wirklich einen Befehl zukommen lassen?” Royu rollte mit seinen Augen: “Er nicht, aber über meinen General und das japanische Militär und ich weiß ganz genau, dass es über unseren Vater lief!”
Saber und Jarred mussten loslachen. “Ja, im Nachhinein ist es lustig!” kommentierte Royu das Gelächter. “Dafür hat er jetzt das Haus voll, mit der Familie!“ Jarred hielt sich seinen Bauch:
“Wie gehen wir jetzt weiter vor bezüglich der Tromston Ranch?” fragte jetzt König Jarred. “Ich habe Mr. Wilcox weiterhin auf Neo Brennan angesetzt, wir müssen herausfinden, was er vorhat und was die Ranch dabei für eine Rolle spielt!” kam es von Saber. Royu und Jarred nickten: “Gut, also warten wir ab, was rauskommt!” sagte Royu und verabschiedete sich, Saber tat es ihm gleich, er werde mit Jarred in Kontakt bleiben, um auch die morgen eintreffenden Truppen des Königs zu koordinieren.
Absatz #2
Colt verließ Yuma City im letzten Licht des Tages. Die Sonne versank hinter staubigen Hügeln, und bald würde die Stadt im Glanz tausender Lichter aufleuchten.
Im Rückspiegel ragte immer wieder der Tower des Oberkommandos auf, es war, als würde er ihn beobachten, als wollte er ihn daran erinnern, wohin er gehörte.
Er bog Richtung Tromson Ranch ab und dachte weiter. Was wäre, wenn Neo und alle anderen mit ihrer Mission tatsächlich Erfolg hätten? Es gäbe Krieg, ein Krieg zwischen Menschen, genährt von Neid, Verzweiflung und der Aussichtslosigkeit angesichts einer düsteren Zukunft. Das Gefälle zwischen Arm und Reich ist auch im Neuen Grenzland gewaltig. Am Ende ging es immer um Macht, und mit all den anderen Faktoren wird es zu einer explosiven Mischung. Und für diese Mischung gehen einige Menschen über Leichen. Das hatte Colt in seiner Kopfgeldjägerzeit schnell lernen müssen und er hat es heute erneut demonstriert bekommen.
Wie es dem Captain ging, wusste er nicht, doch sein Hombre hätte heute zum zweiten Mal seinen Vater verlieren können und das Oberkommando einen fähigen Mann. Ja, das musste sich Colt mittlerweile immer mehr eingestehen, nachdem er jetzt im Bilde der ganzen Geschichte war. Das Gremium von damals ging ihm, so manches Mal, nicht aus seinem Kopf, evtl. war dort der Schlüssel zu der ganzen Misere zu finden. Denn eines ging dem Cowboy nicht aus seinem Kopf, eine Strategie zu verhindern war eine Sache, doch die Sicherheit einer Galaxie zu gefährden eine ganz andere. Es waren die typischen “Was, wäre, wenn?” Fragen. Darauf würde er nie eine Antwort bekommen, oder doch, er wollte auf jeden Fall dran bleiben!
Robin und er würden morgen ihren Freunden mitteilen, dass sie aufgrund der ganzen Vorkommnisse ihre Hochzeit nicht feiern werden. Und seitdem sie es beschlossen hatten, war die ganze Spannung zu Hause raus, in den letzten zwei Wochen hatten sie sich oft deswegen gestritten, alles kam zwischen ihnen zu kurz und für das Baby ist das auch kein guter Dauerzustand, das sogar Colt wusste.
Nach wenigen Minuten erreichte er die Tromston Ranch und bog auf den Parkplatz ein. Es war überraschend viel los, von drinnen drang Live Musik nach draußen, offenbar war heute Line-Dance. Colt stellte den Motor ab und blieb noch ein oder zwei Minuten regungslos im Wagen sitzen. Sein Blick ruhte auf dem beleuchteten Schriftzug der Ranch, während die Musik gedämpft zu ihm drang.
Er atmete tief ein als er beschloss, hineinzugehen. Nur das Knirschen seiner Schritte auf dem staubigen Boden begleitete ihn, vermischt mit der Countrymusik, die mit jedem Meter lauter wurde. Er stieg die beiden hölzernen Stufen hinauf und drückte die Schwingtür auf. Die Stimmung war gut, es wurde getanzt, es gab literweise Bier und wilde Gespräche und an der Dartscheibe gab es eine art Duell, Colt grinste, er war gespannt, ob jemand seinen Rekord brechen würde und ging direkt an die Bar und orderte sich erst einmal ein kühles Lone Star: “Trinken während der Arbeitszeit!” musste er lachen und prostete sich dabei zu.
“Hallo Cowboy, bist ganz allein hier?” fragte eine Dame in Colts Alter und lehnte sich neben ihm an den Tresen. Colt sah sie an: “Noch ja!” sie lachte: “Auf wen wartest du?” Der Lockenkopf nahm sein Bier und lehnte sich nun auch lässig rücklings gegen die Bar und ließ seinen Blick durch den Saloon schweifen und zeigte mit seinem Bier in die Menge: “Das wird sich zeigen!” sagte er und stieß sich vom Tresen ab, lief durch den Salon und setzte sich an einen Tisch. Die Männer unterbrachen sofort ihr Gespräch und schauten musternd zu dem ungeladenen Neuankömmling.

“Howdy, ist das hier das neue Offizierskasino?” fragte er direkt in die Runde und Captain Jonnsons lächelte abschätzend. “Mit ihnen hätte ich heute nicht gerechnet, Mr. Wilcox!” Neo, der dem Cowboy gegenüber saß, grinste breit. „Ja, nach so viel Aufregung am Tag, braucht man am Abend ein gutes Lone Star Beer. Ihr macht jetzt also Ernst was?” fragte Colt und nahm ein Schluck aus seiner Flasche. Johnsons, Neo und der andere Mann standen auf und gingen nach draußen … Colt sah ihnen nach: “Na, dann wollen wir mal.” Sagte er zu sich, atmete tief ein und ging ihnen nach.
Absatz #3
Hitomi stand am Fenster des Krankenzimmers, ihr wurden die toxikologischen Befunde vorgetragen und sie verstand nicht, wie ein solch hoher Spiegel im Blut ihres Mannes entstehen konnte, er nahm keine Medikamente, im Extremfall griff er mal nach einer Kopfschmerztablette, aber das war es dann auch schon, eine Vergiftung schied demnach aus. Auch hatte sie keine Wesensveränderung beobachtet, das wurde sie mehrmals gefragt.

Sie wandte sich vom Fenster ab, drehte sich um und beobachtete ihn, wie er schlief, das tat er, die Überwachungssysteme zeigten jetzt eine Schlafphase an, aber in seinem Kopf arbeitete es. Sie ging zu ihm, er trug mittlerweile ihre mitgebrachte Kleidung, er hatte kalten Schweiß auf seiner Stirn, vor fünf Minuten hatte er wieder einen Schmerzschub, aber er bewegte sich dabei nicht, seine Atmung und jetzt diese körperliche Reaktion verrieten ihr, dass er es jedoch wahrnahm aber sich nicht wehren konnte und dem ganzen hilflos ausgeliefert war. Sie wollte ihm helfen, doch alles, was sie jetzt tun konnte, war bei ihm zu sein.
🔴 +++Flashback+++
Der erste Schlag traf ihn hart, er spürte nicht nur die Stelle, an der das Bambus aufkam, es war, als würde sich die Berührung wie ein Blitzschlag in seinem ganzen Körper ausbreiten. Ein scharfes, heißes Brennen, das sich wie ein Riss durch seine Muskeln zog. Der zweite folgte sofort: kein Abstand zum Sammeln, kein Atemzug dazwischen. Das Geräusch des flexiblen Stabs durchschnitt die Luft, bevor der Schmerz wieder aufflammte und der dritte Schlag kam schneller, als sein Verstand zählen konnte. Automatisch wollte sein Körper zurückweichen, doch der feste Griff an seinem Handgelenk hielt ihn fest. Die Finger seines Vaters waren unerbittlich. Shinjiro kniff die Augen zusammen, presste die Lippen aufeinander. Hinter seinen Lidern zuckte bei jedem Aufprall ein weißes Aufblitzen, das in seinem Kopf ein heißes Brennen verursachte.
Nicht weinen. Nicht zusammenbrechen.
Seine Knie wurden weich und eine Finger krallten sich unwillkürlich in den Unterarm seines Vaters. Nicht um sich zu wehren, sondern um nicht zu fallen. Seine Beine gaben nach. Er sackte zusammen, doch sofort wurde er wieder aufgerichtet: „Steh gerade.“ ein kalter Befehl, der ihn traf und fast ebenso hart war wie die Schläge. Er zwang sich aufzurichten. Seine Muskeln zitterten, als müssten sie ein Gewicht tragen, das viel zu schwer war.
Er öffnete seine Augen, alles um ihn war verschwommen, als stünde ein Schleier zwischen ihm und dem, was eben geschehen war. Sein Körper fühlte sich fremd und gleichzeitig taub und überempfindlich an.
Der Bambusstab wurde sorgfältig auf den Schreibtisch gelegt. Sein Vater strich die heutigen Punkte ab und öffnete die Bürotür. Ein stummes Zeichen: “Geh.” Shinjiro trat hinaus, sein Zimmer lag nur wenige Meter gegenüber und doch fühlten sie sich endlos an. Jeder seiner Schritte war unsicher, Hilfe konnte er nicht erwarten.
Endlich erreichte er den Futon und ließ sich darauf sinken und schloss seine Augen.
Nie mehr wollte er sie öffnen. Die Zeit verging und er wusste nicht, wie lange er geschlafen hatte, eine Melodie, ein elektronisches, fröhliches Geräusch drang immer weiter in sein Bewusstsein, Shinjiro blinzelte, bewegte sich aber nicht.
Neben ihm lag Royu, sein kleiner Bruder, mit seiner Handspielkonsole, die er dicht vor sich hielt und vollkommen in sein Spiel vertieft war. Nach einiger Zeit blickte er hinüber, und grinste breit, als er sah, dass Shinjiro wach war, und hob das Gerät etwas höher, damit er mitgucken konnte.
Bunte Figuren sprangen über den kleinen Bildschirm. Royu drückte konzentriert die Tasten, fluchte oder machte leise Siegeslaute.
Shinjiro sagte nichts.
+++Flashback ende+++
“Wir werden Aaiko nach Hause schicken, es ist zu gefährlich!” fiel Royu mit der Tür ins Haus. Fireball sprang auf, Hitomi wollte ihn noch festhalten: “Nein, warum sollte Aaiko denn zurück?” Royu sah seinen Neffen ernst an: “Weil ich die Lage einschätzen kann, es wird nicht ruhiger werden, und ich habe die Tickets bereits gebucht!” Fireball sah sprachlos zu seiner Mutter und seinem Großvater, beide nickten: “Aber das kannst du nicht entscheiden!” Royu ging einen Schritt auf Fireball zu: “Doch das kann ich und muss ich sogar, dein Vater hätte genauso entschieden und gerade jetzt hier, habe ich die Verantwortung!” Fireball ging einen Schritt zurück: “Aber, es kann auch auf dem Flug etwas passieren, einer von uns muss mitfliegen!” Royu nickte: „Daran habe ich gedacht, zwei Männer meiner Einheit, darunter Kenzo, mein erster Mann, werden sie nach Hause bringen.“ Fireball ging sich durch seine Haare, das musste er wohl akzeptieren, was sollte er auch anderes machen, er musste hier bei seinem Vater und vor allem bei seiner Mutter bleiben. Er sah alle nacheinander an, atmete einmal tief aus und verließ das Wohnzimmer.
Hitomi senkte ihren Kopf, ihr tat es auch leid, dass ihr Sohn seine Freundin nun auf unbestimmte Zeit nicht wiedersehen würde, aber gerade war alles so undurchsichtig und es musste Familienintern entschieden werden und die Tochter einer anderen Familie, in dieser Situation hier zu behalten wäre nicht nur falsch, sondern auch gefährlich!
„Der First-Grad ist ersteinmal ausgeschaltet und man kann sich den anderen widmen“, sagte der untersetzte Mann, dessen Stimme ruhig, aber voller Genugtuung war. Colt hob langsam den Blick und sah dem Mann unterkühlt entgegen: „Ausgeschaltet?“ fragte er trocken, „Sie reden, als wäre das ein Schachspiel.“ Die Mundwinkel des Mannes zuckten und ein überlegenes Lächeln formte sich auf dessen Lippen: „Das ist es auch, mein junger Freund.“ Er machte eine kleine Pause. „jeder militärische Strategie ist eine Art Schachspiel und jetzt sind wir am Zug und Sie sind der Pawn.“ kam es nahezu drohend, und der Mann trat näher, fast zu nah an Colt heran, so dass er den Geruch von kaltem Tabak und billigem Rasierwasser wahrnehmen konnte. „Und jetzt kriechen alle aus ihren Löchern“, fuhr er wieder leiser fort, „Sogar Sie, Colt, oh, ich darf doch Colt sagen, oder?“ und ein schiefes Grinsen huschte über sein Gesicht und zog langsam an seiner Zigarette, ohne den Blick von Colt zu nehmen. Die Glut leuchtete auf und spiegelte sich in seinen Augen und blies den kalten Rauch direkt in Colts Richtung.

Der Rauch legte sich wie ein Schleier zwischen die beiden, es war ein stiller Machtanspruch. Colt rührte sich nicht, kein Husten, kein Zurückweichen, nur seine Kiefermuskeln spannten sich leicht an, sogar seine Hände blieben locker doch seine andere Hand umfasst etwas fester die Bierflasche… in seinem inneren war jedoch jede Faser in seinem Körper wachsam und angespannt. Colt wusste gar nicht mehr, wann er sich das letzte Mal so beherrschen musste. Der untersetzte Mann wandte sich schließlich ab, als wäre das Gespräch bereits entschieden, als wäre Colt tatsächlich nur eine Figur auf einem Brett.
„Man sollte sich gut überlegen, auf welcher Seite man steht“, murmelte er noch, halb über die Schulter.
Colt folgte ihm mit ruhigem Schritt, doch sein Blick war ständig in Bewegung. Links die niedrigen Stallungen, rechts die offene Fläche zum Hof. Der Geruch von Heu, Öl und kalter Nachtluft hing schwer in der Dunkelheit. Nur vereinzelte Laternen warfen flackernde Schatten über das Holz der Zäune. Er begann im Stillen die Schritte zu zählen, Abstände zwischen den Gebäuden einzuschätzen und mögliche Deckungen zu haben, falls er aufflog, falls er fliehen musste. Sie gingen dicht an den Ställen vorbei, Pferde scharrten unruhig mit den Hufen, als spürten sie die Spannung, die in der Luft hing.
„Es macht Ihnen doch nichts aus, mir Ihren Blaster zu geben“, sagte Captain Jonnsons plötzlich und durchbrach die angespannte Stille. Colt blieb nicht stehen, ging an den wartenden Captain vorbei: „Doch“, erwiderte er knapp und sah den Captain seitlich an, als er an ihm vorbei ging, „Es macht mir etwas aus.“ sagte Colt und lief noch einen Schritt und im nächsten Augenblick griff der Captain fest nach seinem Oberarm: „Pass auf“, sagte Jonnsons leise, aber mit schneidender Schärfe. „Ich traue dir nicht. Was sollte jemand wie du für einen Vorteil hieraus haben?“ fragte er und funkelte Colt herausfordernd an. Colt atmete langsam ein und spürte den Druck an seinem Arm. Dann grinste er schief: „Keine Sorge, ich traue Ihnen auch nicht, Captain!“ und für einen Moment war es vollkommen still. Kein Wind, kein Pferdeschnauben oder Scharren. Es gab nur der Blickwechsel zwischen den beiden. Neo blickte zwischen den beiden stumm hin und her.
Colts hellblaue stechenden Augen hielten seinem Blick, des Captains stand. „Du spielst ein gefährliches Spiel“, murmelte Jonnsons.
„Lass ihn los. Ich kenne ihn…“ hallte es ruhig und aus der Dunkelheit, noch bevor Colt etwas erwidern konnte. Und alle drehten sich der Stimme zu, die aus dem Schatten zwischen Stallungen kam. Jonnsons’ Griff lockerte sich einen Moment, ohne sich ganz zu lösen. Colt nutzte die Gelegenheit nicht, noch nicht, er musste wissen, wer da auf sie zukam.
Langsam trat eine Gestalt ins schwache Licht der Laterne, die am Stall hing. Das Gesicht blieb halb im Dunkel, doch Haltung und Stimme verrieten Autorität. Der Captain sah zum Cowboy und ließ Colts Arm schließlich ganz los. Colt kniff seine Augen zusammen und sein Blick weitete sich, als er erkannte, wer da auf sie zukam. Die Spannung war nicht verschwunden, sie hatte nur die Richtung gewechselt. “Dooley…” kam es durch Colts zusammengepressten Zähnen hervor. Und der Angesprochene trat etwas mehr ins Licht.

Absatz #4
Das Krankenzimmer war still. Nur ein Monitor summte leise vor sich hin, zeigte ruhige Linien und regelmäßige Ausschläge an, so als wäre alles unter Kontrolle. Royu löste den Blick von dem Gerät und gähnte einmal herzhaft. Er saß zusammengesunken in einem breiten Sessel am Fenster, seine Beine waren ausgestreckt und er war kurz davor, sich von dem monotonen Geräusch des Überwachungsmonitors einlullen zu lassen. Draußen lag die Stadt in dunkler, funkelnder Stille, nur vereinzelte Lichter glommen zwischen den Gebäuden auf. In der Ferne blinkte der Tower des Oberkommandos rot in den Nachthimmel, ein gleichmäßiges, unermüdliches Signal. An. Aus. An. Aus. Seine Augen brannten. Immer wieder zuckte sein Blick vom Fenster zum Bett hinüber. Shinjiro lag immer noch einfach so da. Die Decke war bis zur Brust gezogen und seine Hände lagen still neben dem Körper. Seine Augen bewegten sich unter den geschlossenen Lidern, als würden Bilder hinter ihnen vorbeiziehen und manchmal zuckte ein Finger kaum merklich. Royu blinzelte müde, er würde die Nacht hier bleiben und wollte noch einmal aufstehen, noch einmal prüfen, ob alles in Ordnung war. Aber sein Körper gehorchte nicht mehr. Langsam sank sein Kopf zur Seite und die Anspannung des Tages wich in einem erholsamen Schlaf. Der Tower blinkte weiter in die Nacht, während im Krankenzimmer zwei Brüder schliefen, der eine vor erschöpfung, der andere gefangen in Träumen, die ihn nicht losließen.
+++Flashback+++
„Geh nach draußen, du brauchst eine Pause, in einer Stunde machen wir weiter.“sagte sein Vater, schob den Stuhl zurück und stand auf, als wäre es eine nüchterne Anweisung gewesen und keine Erlaubnis. Doch Shinjiro blieb noch einen Moment sitzen und lehnte sich langsam im Stuhl zurück und atmete einmal tief aus. Vor seinen Augen schwammen noch immer Zahlenkolonnen, Entfernungen, mit verschiedenen Konstellationen und Variablen Faktoren, die er in immer kürzerer Zeit berechnen sollte. Die Blätter vor ihm waren dicht beschrieben, Korrekturen in roter Tinte, kleine Markierungen, Zeiten am Rand notiert.
Er rieb sich über die Augen. Seine Finger fühlten sich kalt an, seine Stirn war warm. Ein dumpfer Druck saß hinter seinen Schläfen. Sein Vater hatte recht, sein Kopf war voll … zu voll. Langsam stand er auf und streckte sich. Er warf noch einen Blick auf die Blätter auf dem Schreibtisch, die Aufgaben wirkten jetzt fremd, als hätte jemand anderes sie geschrieben.
Draußen schlug ihm warme, schwüle Luft entgegen. Der Sommer lag schwer über der Mega City, die Zikaden zirpten aus allen Richtungen und so laut sie konnten. Es waren Sommerferien, aber nicht für ihn.
Sein Privatunterricht lief weiter, als gäbe es keinen Kalender. Am Vormittag hatte er bereits bei seinem Lehrer gesessen und Formeln, Analysen und Taktiken gepaukt. Danach hatte sein Vater die Fortschritte sehen wollen und seitdem hatten sie auf Zeit gerechnet. Selbst jetzt, draußen im gleißenden Licht, meinte er noch das leise Ticken des Timers zu hören. Dieses gleichmäßige, unerbittliche Klicken, das jede Sekunde messbar machte, saß ihm noch in den Ohren.
Die Sonne blendete ihn, als er nach draußen trat und er kniff seine Augen zusammen. Das Licht tat fast weh, er war den ganzen Tag drinnen gewesen, über Papier gebeugt, unter künstlichem Licht. Die Luft roch nach aufgeheizten Asphalt und trockenem Gras. Sein Blick fiel auf sein Fahrrad, das an der Hauswand lehnte. Er ging schon ein paar Schritte darauf zu, als hinter ihm die Tür erneut aufging: „Und suche Royu! Er hat auch noch was zu tun!“ Dann fiel die Tür wieder ins Schloss.
Shinjiro blieb stehen und rollte mit seinen Augen: „Na toll“, murmelte er vor sich hin, „Jetzt kann ich auch noch nach ihm suchen.“ und griff nach dem Lenker seines Fahrrads, „Dieser Blödmann“, dachte er über seinen zehnjährigen Bruder, und schwang sich auf das Rad und stieß sich ab. Die Reifen rollten über den heißen Asphalt, während Shinjiro so schnell fuhr, wie er nur konnte. Kaum jemand war unterwegs, die heiße Luft flimmerte über dem Boden. Wahrscheinlich saßen die meisten drinnen, im Schatten, vor laufenden Klimaanlagen. Er trat noch fester in die Pedale, ließ den warmen Wind, so schwach er auch war, über sein Gesicht streifen.

An der nächsten Kreuzung bremste er abrupt und bog scharf in eine schmale Gasse ein. Hier war es lebendiger, wenn auch gedämpft. Kleine Läden reihten sich dicht an dicht: ein Bäcker mit beschlagenen Fenster, ein kleiner Supermarkt und ein 24-Stunden-Laden mit seinem summenden Neonlicht. Und mittendrin: der Stand mit dem besten Kakigōri der Gegend, allein der Gedanke daran ließ Shinjiros Laune ein kleines Stück steigen. Das gönne ich mir jetzt, dachte er und fuhr langsam am Rand der Gasse entlang. Sie war nicht besonders breit. Rechts neben ihm verlief ein hoher Metallzaun, dahinter waren die Gleise. Fast im Minutentakt rauschten Nahverkehrszüge vorbei, silberne Wagen mit dunklen Fenstern, die Pendler ins Zentrum von Tokio brachten oder hinaus in Vororte wie diesen. Jedes Mal vibrierte der Boden leicht. Dann, plötzlich, ein anderes Geräusch mit tiefen, kraftvollen Beschleunigungen. Ein weißer Zug schoss nur so an ihm vorbei, schneller, leiser, eleganter, ein Shinkansen. Für einen Augenblick war er nur ein verschwommener Streifen hinter dem Zaun. Vielleicht war er auf dem Weg nach Osaka, oder vielleicht weiter bis Hiroshima, der Küste entlang, mit Blick aufs Meer. Und Shinjiro stellte sich vor, einfach in einem dieser Züge zu sitzen, weg von Timern, weg von Aufgaben. Nur Geschwindigkeit und Horizont, der Fahrtwind des vorbeifausenden Zuges wehte bis zu ihm herüber und ließ sein weißes Hemd flattern.
Er drehte sich um und ging etwas die Straße hinunter richtung Eisladen, einige Kinder rannten an ihm vorbei und spielten mit Wasserpistolen, die sie an den öffentlichen Wasserspendern immer wieder auffüllten, einige Leute gingen und kamen aus dem 24 Stunden laden. Da sah er seinen Bruder ein paar Meter weiter in der Straße stehen. Shinjiro schaute in die Richtung, wo gerade die anderen Kinder an ihm vorbeigerannt waren. Er ging zu Royu, vielleicht wurde er geärgert, mal schauen. Er kam näher und Royu hielt seine Pistole an seine Unterlippe und er träumte vor sich hin. Nein, er wurde nicht geärgert, er hatte nur wieder irgendwas entdeckt, was ihn faszinierte und jetzt seinen Gedanken nachhing. Er stellte sich neben ihn und Royu merkte es nicht einmal, Shinjiro grinste und griff nach der Pistole in Royus Hand und drückte ab, der Wasserstrahl traf Royu direkt ins Gesicht.
“Was soll das?” stieß er den Wasserspritzer von sich weg. Shinjiro lachte und zeigte auf ihn, denn das erschrockene Gesicht seines Bruders war zum Schießen komisch. Royu wischte sich das Wasser aus seinem Gesicht und sah seinen Bruder erschrocken an: “Was machst du hier?” Shinjiro stellte sich vor ihn. “Dich suchen, Vater sagt, du hast noch Aufgaben.” Royu nickte: ”Ach so, ja, stimmt!“ Shinjiro sah sich um: “Was stehst du hier herum und träumst?” Royu grinste: “Da schau mal.” Shinjiro drehte sich in die ihm gezeigte Richtung und sah … nichts! “Häh?” Royu riss seine Augen begeistert auf und zeigte intensiver auf das Geschäft mit dunklem alten Holz vor sich: “Na der Laden da.” Shinjiro verstand nicht worum es ging, er schaute auf ein altes Wohn und Geschäftshaus, wie es sie in dieser Straße zu hauf gab, ok es hatte eine dunkelbraune Fassade und die Schriftzeichen sagten aus, dass dort das Geschäft eines Eisenwaren-Händlers, der sich auf Schrauben spezialisiert hatte, war. Shinjiro zuckte mit seinen Schultern: “Ja, und?” Royu erklärte begeistert: “Ist das nicht irre, da ist ein Geschäft, in dem es nur Schrauben gibt!”
Shinjiro schaute langsam etwas ungläubig seinen Bruder an, der vollends begeistert davon war. Shinjiro stellte sich vor ihm und klatschte seine flache Hand, einige Male leicht auf die Stirn des Jüngeren: “Ja, du bist Irre und bei dir sind einige Schrauben garantiert locker!” kommentierte er dazu, und Royu wich etwas zurück: Shinjiro wollte Royu gerade in die andere Richtung drehen, da stellte sich ein Mädchen mit langen geflochtenen Zöpfen und einem weißen Kleid zwischen ihnen: “Lass den Kleinen in Ruhe!” sagte sie fast drohend in Shinjiros Richtung, sie hatte beobachtet, dass der größere den kleineren mit seiner Hand gegen die Stirn geschlagen hatte, von weitem sah es wohl doch etwas unschön aus.

Royu, flüchtete sich schnell hinter das Mädchen und grinste Shinjiro frech an. Shinjiro sah es und wollte nach Royu greifen, “Hilf mir, er will mich verprügeln!” schauspielerte Royu gekonnt und hielt sich dazu noch an der rechten Hand des Mädchens fest, das Mädchen blieb vor Royu stehen und schubste Shinjiro etwas zurück. “Hä, spinnst du?” sagte Shinjiro Richtung Royu, doch das Mädchen hielt Royu fest und zeigte auf Shinjiro: “Du Feigling!” Shinjiro zog seine Augenbrauen zusammen. “Misch dich nicht ein, du Ziege!” sagte er zu ihr.
Das Mädchen erschrak und nahm Royu fest an seine Hand: “Komm, ich bringe dich nach Hause!” sagte sie und ging mit Royu fort. Royu drehte sich noch einmal um und zeigte ihm seine Zunge. Shinjiro sah ihnen nach: “Der spinnt doch!” sagte er und sah sich um, es standen einige Leute, die das Schauspiel beobachtet hatten, herum und sahen ihn an, auch der Ladenbesitzer von dem Schraubenladen mit seiner ledernen Schürze machte eine Handbewegung, die bedeutete, dass er verschwinden sollte.
“Ja, ja … nichts lieber als das!” dachte er sich und rannte zu seinem Fahrrad. Er sah währenddessen auf seine Uhr, bekam große Augen und wurde noch schneller: “Mist!” Er griff sich schnell sein Fahrrad, stieg auf und raste nach Hause. Von weitem sah er, dass sein Vater vor dem Haus stand und sich mit dieser Einmischerin unterhielt. Und er ließ sich den Berg hinunterrollen, vor seinem Elternhaus bremste er scharf ab und fiel dabei fast hin, sein Vater und das Mädchen schauten halb erschrocken zu ihm und Shinjiro hob sein Fahrrad auf und stand vor den Beiden auf: “Das war gerade etwas peinlich!” dachte er sich. “Er war es, der ihren Sohn verprügeln wollte!” Shinjiro wusste nun gar nichts mehr dazu zu sagen und ging einfach an den beiden vorbei, als er auf der Höhe des Mädchens war, sagte er leise: “Ziege!” und schob sein Rad die Einfahrt hinein.
Das Mädchen presste ihre Lippen aufeinander und sah ihm nach. Denn dieser grinste sie jetzt frech an, als er in das Haus ging. “Danke, dass du meinen Sohn so tapfer verteidigt hast! Wie ist dein Name?” Das Mädchen war etwas peinlich berührt, hatte sie doch nicht gewusst, dass es Brüder waren, sie senkte ihren Kopf und verneigte sich leicht: “Sato Hitomi” der Vater der beiden, lächelte sie an und verabschiedete sich darauf von Hitomi und ging ins Haus. Hitomi wartete noch, bis er im Haus verschwunden war, sah auf das Namensschild aus Holz und schaute sich noch einmal um: “Ziege? Na warte Freundchen!” und ging nach Hause.
++++Flashback ende ++++
Shinjiro öffnete seine Augen, ein Arzt und eine Schwester standen vor ihm, sie hatten wohl gerade etwas zu ihm gesagt, er hatte es jedoch nicht gehört, sie lächelten ihm entgegen und verschwanden auch schon wieder. Fragend blieb er zurück, wo war er, was… Da kam Royu in sein Sichtfeld: “Guten Morgen!” sagte dieser und grinste. Shinjiro sah ihn fragend an, aber es verließen ihn darauf wieder die Kräfte und er schlief traumlos ein.

Royu grinste immer noch, der Arzt hatte seinem Bruder gerade ein Schlafmittel gespritzt, damit er endlich einen tiefen und erholsamen Schlaf bekam. Das Hin und Her des Blutdrucks und die Schmerzschübe waren Stress gewesen und das Cortisol hieß es jetzt zu senken, denn sie wussten nun, was ihm gespritzt worden war und konnten ihn behandeln. Es war sieben Uhr morgens und er rief den Sekretär des Königs an und teilte diesen mit, dass der First Grad wach sei. Und machte sich auf den Weg nach Hause.
Absatz #5
“Ihre Frau erwartet ihr erstes Kind, oder?“ Die Frage kam für Colts Geschmack zu beiläufig und seine Augenbrauen zogen sich unmerklich zusammen. Sein Blick blieb ruhig, doch in seinem Inneren zog sich etwas fest zusammen, was ihm kaum Atmen ließ. Der Commander war ihm unbekannt, zu geschniegelt, zu interessiert. Und die Art, wie er „Ihre Frau“ sagte, klang nicht nach Höflichkeit. Es klang nach Wissen und dieses Wissen würde er nutzen, dessen war sich Colt sicher!
Doch Colt antwortete nicht sofort, stattdessen glitt sein Blick durch den Raum. Er war immer noch perplex, ausgerechnet Timothy Dooley hier getroffen zu haben. Aber eigentlich auch wieder auch nicht, Dooley war überall dort, wo es etwas zu holen gab. Informationen, Timothy kannte die Unterwelt, des Neuen Grenzland wie kein anderer, und die Unterwelt kannte ihn, und genau das machte ihn so gefährlich. Man sah ihn selten kämpfen, nein Timothy sorgte dafür, dass andere es für ihn taten. Und doch hatte sein plötzliches Auftauchen ihm vor wenigen Minuten den Arsch gerettet. Ein Wort von Dooley, und die misstrauischen Blicke waren verstummt gewesen. Zweifel waren erstickt worden, bevor sie sich festsetzen konnten, zum ersten Mal war der Cowboy tatsächlich für seine Zeit als Kopfgeldjäger dankbar gewesen, wo er Dooley kennengelernt hatte. Ab jetzt, so schien es, gab es keinen offenen Zweifel mehr an Colt, doch er steckte mittendrin, wenn nicht sogar schon zu tief. Der Gedanke nagte, war er gerade gerettet worden, oder markiert?
Das neue Grenzland war kein Ort für Unschuld. Es war ein Sumpf aus Abmachungen, verdeckten Allianzen und Schulden, die irgendwann eingefordert wurden. Colt spürte, wie sich ein kalter Gedanke in ihm festsetzte: Vielleicht war Dooleys Hilfe kein Rettungsring gewesen, sondern die erste Schlinge um seinen Hals. Er hoffte nur, nicht zu tief hineingezogen zu werden, bevor er begriff, wer hier wirklich die Fäden zog.
“Meinen Glückwunsch, Cowboy!” holte ihn Neo aus seinem Gedankenstrudel zurück: “Halt die Klappe!” kam es darauf wütend und ungehalten von Colt darauf zurück. “Was wollt ihr Ratten?” fragte er jetzt und ein anderer stand auf und ging auf den Cowboy zu: “Ihr wissen, sie sind nah am Geschehen und hören Gespräche, die wir nicht hören.” Colt sah seinem gegenüber direkt in seine Augen: „Sagen Sie mir ihren Preis!” Colt blieb Stumm und ließ seinen Blick nicht von dem graumelierten Mann vielleicht Ende 50. Jeden Millimeter seines Gesichts wollte er sich merken. “Aber überlegen Sie nicht zu lange!” sagte der Mann und wandte sich ab. “Wir werden auf sie zukommen, Colt, einen schönen Abend noch!”
Und Neo zeigte Colt an, mit ihm hinauszugehen. Sie liefen stumm einige Meter, da packte Colt unerwartet Neo fest am Kragen: “Das ist der absolute Wahnsinn und Finger weg von meiner Frau, ich schwöre, dann bin ich niemandes Freund mehr”, drohte der Lockenkopf und schliff neo durch den staubigen Sand in der Dunkelheit. Neo hob seine Hände: “Hey, hey, beruhige dich!” Colt umgriff Neo fester und blieb abrupt stehen und blickte Neo ins Gesicht: „Beruhigen? Die da drinnen benutzen auch dich!” und schmiss Neo von sich in den Staub. Colt drehte sich um und ging in Richtung Parkplatz, da piepste sein Kommunikator: “Wir melden uns bei Ihnen, Colt” las er die Nachricht, am liebsten hätte er das Gerät vor Wut auf den Boden geworfen, er musste handeln, Robin war in Gefahr.
Colt fuhr viele Umwege in dieser Nacht, holte sich einen starken Kaffee und stellte sein Auto einige Kilometer weiter ab, seinen Communicator ließ er ebenfalls in seinem Wagen und lief durch die dunkle Nacht.
Ein kaum wahrnehmbares Geräusch schnitt durch die gewohnte Stille der Nacht. Saber war noch nicht im Tiefschlaf, denn zu viele Gedanken, zu viele offene Fragen,kreisten immer wieder durch seinen Kopf. Als er das fremde Geräusch erneut vernahm, lauschte er, es war ein leises Scharren, kein Wind, und auch nicht das übliche Knacken des Hauses, jetzt war er wach, blieb jedoch reglos liegen. Neben ihm schlief Sincia tief und fest, ihr Atem ruhig und gleichmäßig, sie hatte nichts gehört. Langsam richtete sich der Schotte auf, seine Bewegungen waren kontrolliert und routiniert. Er lauschteweiter und da wieder dieses Geräusch, es kam von draußen, von der Veranda. Einbrecher? Er griff nach dem Blaster, der im Holster über dem Stuhl hing, auf dem seine Kleidung vom Abend lag. Der Griff fühlte sich kühl, aber vertraut in seiner Hand an. Barfuß verließ er das Schlafzimmer, jeder Schritt war bewusst gesetzt. Im Wohnzimmer war es dunkel, nur das schwache Licht des Mondes schimmerte durch die Glasfront. Das Geräusch kam eindeutig von draußen.

Ohne Vorwarnung riss er die Balkontür auf und hob den Blaster in die Nacht. Eine Gestalt stand direkt vor ihm: „Guten Morgen, Schwertschwinger!“ Saber zuckte heftig zusammen, sein Puls schoss in die Höhe, ein Adrenalinstoß fuhr ihm durch die Adern. Erst nach einem Sekundenbruchteil erkannte er das Gesicht im fahlen Licht. “Colt, verdammt!” und Saber ließ den Lauf des Blasters sinken und atmete scharf ein und aus. „Verdammt nochmal…“ Seine Stimme war angespannt udn machte der Erleichterung Platz. „Was machst du hier?“ Doch Colt grinste nicht, es kam kein lockerer Spruch und kein spöttischer Unterton. Seine Augen waren ernst udn er sagte: „Ich muss reden.“ Saber musterte den Cowboy ihn kurz und trat Langsam einen Schritt zur Seite und machte ihm Platz. Colt setzte einen Fuß über die Schwelle und trat ins Wohnzimmer, die Dunkelheit folgte ihm wie sein Schatten. Saber schloss die Tür leise hinter sich. Die Nacht blieb draußen, aber die Unruhe nicht.
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