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Absatz #1
Shinjiro stand im Schlafzimmer und versuchte sein Hemd mit seiner geschienten Hand zu zuknöpfen, was ihm mehr schlecht als recht gelang. Aber schließlich hatte er es irgendwie ja auch geschafft, seine Hose anzuziehen, mit dem Gürtel dafür würde er sich später befassen, es dauerte jetzt halt etwas länger als gedacht. Sein Blick fiel auf das eingestickte neue Symbol, das nun auf seinen Hemden prangte. In der Mitte funkelte der goldene Stern, der alle 5 miteinander verband, der im Grenzland für Neutralität und Führung stand. Jener Stern, unter dem er seinen Dienst als First Grad tat, auf dem er einen Eid geschworen hatte.
Er löste den Blick und wandte sich wieder seinem Tun zu und musste leicht grinsen, als er seine Ungeschicktheit im Spiegel beobachtete.
„Na, brauchst Du Hilfe?“, fragte Hitomi mit einem leicht schadenfrohen Unterton, als sie das Zimmer betrat und sah, womit er da gerade kämpfte. Shinjiro tat so, als hätte er rein gar nichts gehört und bemühte sich so elegant wie möglich mit dem widerspenstigen Knopf seines Hemdes zurechtzukommen: „Lachst Du mich etwa aus?“, fragte er schließlich doch, und trat näher an den Spiegel heran, “dieser Knopf war eindeutig zu groß für das Knopfloch”, fing er langsam an zu glauben. Hitomi konnte sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen und verschwand schließlich im begehbaren Kleiderschrank, um sich für den Tag anzuziehen.
“Dann hilf mir bitte!” kam es nun doch überraschend und sie drehte sich leicht erschrocken der Tür zu und ging zu ihm, stellte sich vor ihm und begann grinsend sein Hemd zuzuknöpfen. “Hm, ich glaube, daran könnte ich mich gewöhnen!” kommentierte er mit einem unterdrückten lächeln. Hitomi knöpfte den letzten Knopf und schmunzelte ihn entgegen und strich ihm wieder etwas ernster das Hemd glatt: „Was ist?“ fragte er, als er den Stimmungswechsel in ihr bemerkt hatte und musterte sie darauf etwas besorgt. Hitomi schüttelte langsam mit ihrem Kopf und ging ihm mit einer Hand durch seine Haare: “Nichts.” antwortete sie und sah ihn in seine Augen, Shinjiro musterte sie darauf fragend.
“Es gibt manchmal Momente, wo ich es einfach immer noch nicht fassen kann.” flüsterte sie und ihre Augen begannen verräterisch zu glänzen, Shinjiro legte seine linke gesunde Hand an ihre Wange, neigte sich und küsste sie, Hitomi rückte näher an ihn heran und beide versanken in der Stille ihres Kusses.
“Ich habe jetzt alle Extras für das …” stürmte Fireball in den Raum und stoppte im selben Atemzug seinen Satz, drehte sich um und ging etwas schneller, als er gekommen war, wieder hinaus. Shinjiro rollte mit seinen Augen, ließ von Hitomi ab und ging eilig seinem Sohn, dem Störenfried, hinterher. Auf dem Flur vor der Treppe blieb er stehen.
Fireball war bereits auf den letzten Stufen, als er seinen Vater von oben rufen hörte: „Was ist dein Problem mit dem Thema anklopfen?” Fireball blickte nach oben: “Oh, keine Sorge, ab jetzt tu’ ich es!” versicherte er und verschwand im Wohnzimmer.
“Ja, jetzt!” brummte Shinjiro leise vor sich hin und ging wieder zurück ins Schlafzimmer, um sich weiter anzuziehen, dort sah er, wie Hitomi mit sich kämpfte, um bloß nicht loszulachen: “Jetzt hat er es gelernt.” sagte er sarkastisch und griff nach seinem Gürtel, um sich diesen anzulegen, doch da fiel es ihm wieder ein und sah das braune Leder frustriert an. Schwer ausatmend drehte er sich Hilfe suchend Hitomi zu, die jetzt vollends einen Lachanfall bekam.
Verschlafen
Auf Ramrod war es an diesem Morgen ruhig, heute stand nur ein Routineflug nach Alamo an. Colt und April saßen bereits in der Küche des Friedenswächters bei ihrem allmorgendlichen Kaffee und planten die Route. Die Information über den Tagesablauf hatten sie auch erst vor wenigen Minuten von Saber bekommen, der sich etwas verspäten würde, jetzt fehlte nur noch Alex.
Saber fuhr etwas schneller als erlaubt ins Parkhaus des Oberkommandos ein. Er war bereits spät dran und hoffte, dass seine Crew Ramrod bereits startklar gemacht hattte, sonst drohte wieder eine lästige Slot-Diskussion mit dem Tower und darauf hatte er heute wirklich keine Lust. Das Gute war, dass der Weg an Bord jetzt kürzer war, als noch vor ein paar Monaten. Denn dank des Umbaus im Oberkommando hatte Ramrod nun auch eine feste Parkposition und war mit einer Gangway mit dem Hauptgebäude verbunden. Eilig lief er den Flur entlang, es gab einige “Guten Morgens!“ und natürlich weitere schnelle Glückwünsche, zu seiner Aufnahme in den Militöär-Stab.
Da entdeckte er Alex, seinen Piloten, der ebenfalls eilig auf ihn zukam. Saber verabschiedete sich soeben gedanklich endgültig von einem pünktlichen Start. Alex wünschte den Schotten einen “guten Morgen” und übergab Saber den neuesten Schriftverkehr für die Ramrod Crew. Saber nahm diesen nickend entgegen, und würde sich später darum kümmern. Der Schotte sah noch einmal demonstrativ auf seine Uhr: “Haben Sie verschlafen?” Alex nickte: „Ja, Sir, aber ich bin immer noch pünktlich!” Saber sah Alex fragend an und Alex grinste ihm entgegen: „Na ja, ich bin nicht später als sie Major!” Saber ließ das einfach mal so stehen, musste aber innerlich lachen, denn schließlich hatte auch er verschlafen! Alex ließ seine ID vor der Gangway abscannen und die Glastür gab den Weg zum Friedeswächter frei.

Schon im Hangar von Ramrod stieg dem Schotten der Kaffeeduft in die Nase, genau den brauchte er gleich. Er hatte kaum geschlafen, ihm war das Gespräch mit Royu nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er betrat direkt die Brücke, wo Colt und April bereits alles vorbereitet hatten. Alex stieg eilig in seine Steuereinheit und fuhr Ramrod hoch: “Guten Morgen” begrüßte ihn April und reichte ihm eine Tasse dampfenden Kaffee, so wie er ihn mag. “Guten Morgen, danke“, nahm er das koffeinhaltige Heißgetränk entgegen. “Aber nicht daran gewöhnen!” scherzte die Blondine und setzte sich in ihre Satteleinheit, um Kontakt mit dem Tower aufzunehmen. Sie hatten nur noch 10 Minuten, bis ihr Slot verstreichen würde, das dürfte reichlich knapp werden. Eile war geboten und Saber setzte sich in seine Satteleinheit, kurz darauf begann sich der massige Friedenswächter zu bewegen und rollte die für sie vorgesehene Startposition an. Saber bestätigte den 100-prozentigen Einsatz seiner Steuereinheit, darauf folgte Colt, der auch meldete, dass alle Schießstände vollständig waren, schließlich mussten sie auch auf einem Routineflug mit allem rechnen. Danach folgte April und Alex. Als sie den Orbit erreicht hatten, übernahm der Autopilot.
Colt lehnte sich zurück: „Ich hoffe, alles verläuft problemlos, dann haben wir heute pünktlich Feierabend“, sprach er hoffnungsvoll seine Gedanken aus. Da meldete sich auch schon April zu Wort: „Du bist gerade mal eine Stunde da und denkst jetzt schon an den Feierabend”. Colt hob seine Augenbrauen und schaute fragend in die Runde: “Wieso, macht ihr das etwa nicht?”
Saber grinste und genoss seinen Kaffee und wechselte das Thema: “Wie geht es euch, habt ihr die Vereidigung gut überstanden?” Colt nickte: „Ja, tat gut, nach so langer Zeit mal wieder abzutanzen, so kann es gerne jedes Wochenende hier laufen!” Saber nahm einen weiteren Schluck seines Wachmachers und hörte der weiteren Unterhaltungen zwischen Alex und April zu.
Autokauf
Fireball stand mit seinem Vater und Royu in einem Autohaus vor einer schwarzen, hochglänzenden S-Klasse-Limousine. Shinjiro hatte vor einigen Tagen nur mal so nebenbei erwähnt, dass er nach einem neuen Auto schaute. Darauf hatte sein Sohn natürlich längst mit einer ausführlichen Recherche begonnen. Und genau dieses Modell, vor dem sie jetzt standen, auserkoren, na klar, kannte er jedes technische Detail und warf seinem Vater und Royu eine Datenlawine über Leistung, Ausstattung und Assistenzsysteme entgegen.
Shinjiro nickte geduldig, während Royu leise breit grinste und zu seinem Bruder flüsterte: „Also, wenn Shinji noch weiter macht, fängt der Verkäufer an zu heulen und er verkauft uns den Wagen aus Mitleid günstiger.“ Auf Shinjiros Gesicht zeichnete sich darauf ein Lächeln ab und sah zum besagten Verkäufer, der neben dem Wagen stand und auch aufmerksam zuhörte. In einigen Dingen hatte wohl Fireball gerade mehr Ahnung als er selbst.
Shinjiro trat, während sein Sohn begeistert redete, an den Wagen heran. Der Verkäufer öffnete ihm die Fahrertür mit einer einladenden Geste und Shinjiro setzte sich hinein. Wo sich die weichen, weißen Ledersitze lautlos sofort an sein Gewicht und Größe anpassten. Das braune, lederbezogene Armaturenbrett mit dezentem LED-Lichtspiel beherbergte einen Bordcomputer, der offenbar alles konnte, was man sich so vorstellen konnte. Shinjiro legte eine Hand auf das Lenkrad, das ebenfalls einige interessante Funktionen hatte, die ihm sein Sohn bestimmt noch erklären würde.
Die Beifahrertür ging auf und Royu ließ sich schwungvoll in den Sitz fallen: „Fahr los, ich bin bereits per Du mit dem Wagen.“, meinte er mit einem breiten Grinsen. Shinjiro schmunzelte, zeigte auf Fireball, der vor dem Auto stand und mit dem Verkäufer sprach: „Darf ich vorstellen: mein Sohn, der Autoverkäufer!“ Royu lachte auf und tippte neugierig auf dem Bildschirm des Bordcomputers herum: „Ich dachte, dein Wagen kommt morgen aus Jarr?“ kam es überrascht von Royu der sich über den Besuch im Autohaus wunderte. Shinjiro nickte nur, während er Royu dabei beobachtete, wie dieser scheinbar jeden Knopf einmal drücken musste: „Wenn du so weiter machst, findest du garantiert noch den Schleudersitz” – “haha”, kam es darauf nur von seinem Bruder. Doch noch bevor er etwas sagen konnte, stand Fireball neben ihm und blickte durch das offene Fenster: “Und diese Musikanlage benötigst du noch!” und drückte ihm den Katalog in die Hände. Shinjiro schaute sich die besagte Musikanlage an, drehte seinen Kopf in Richtung Fireball der vor Begeisterung über dieses Auto gerade nur so am Abheben war und fragte trocken: “Wozu?” und gab seinen Sohn den Katalog wieder zurück. Fireball sah sich den Innenraum an und antwortete schulterzuckend: „Zum Musik hören!” und ging um den Wagen. Shinjiro zog seine Augenbrauen nach oben: „Ah, ja!” sagte er und strich über eine Armatur vor sich, die darauf einen Getränkehalter freigab. “Ich wette, das Ding kann auch Kaffee kochen” kam es darauf scherzhaft von Royu.
Shinjiro stieg wieder aus und stellte sich vor den Wagen und musterte ihn ausgiebig, während der Verkäufer einen Knopf betätigte. Mit einem leisen Surren öffnete sich die Motorhaube und gab jetzt den Blick auf das glänzende Innenleben frei. Shinjiro trat näher, “Chic”, dachte er und nickte anerkennend. In diesem Moment gesellte sich Fireball wieder zu ihm und beugte sich über den Motor: „Nicht schlecht, oder?” fragte er, obwohl er die Antwort eh schon kannte. Shinjiro nickte wieder nur. Darauf startete der Verkäufer die Zündung und ein satter, kraftvoller Motor erfüllte die Halle. Shinjiro hob eine Augenbraue. Darauf trat der Verkäufer noch ein paar Mal auf das Gaspedal und der Wagen ließ sein Können hören. Fireball grinste breit: „Klingt, als hätte jemand Hunger.“ Shinjiro verschränkte seine Arme und nickte langsam und hörte dem Motor aufmerksam zu: „Er klingt auf jeden Fall selbstbewusst“, beschrieb er den Sound trocken und das Schmunzeln auf seinem Gesicht verriet, dass ihm dieser Ton sehr gut gefiel. Der Verkäufer nickte eifrig. „Ein Wagen mit Charakter, Sir, präzise, kraftvoll, zuverlässig. Wie für Sie gemacht.“ Shinjiro sah zum Verkäufer und danach zu seinem Sohn, der ihn natürlich bestätigend zunickte und der Verkäufer zeigte auf den Wagen: „Wenn Sie möchten, können Sie ihn gerne Probefahren”, und reichte Shinjiro eine Keycard, “auch mit dem gebrochenen Arm ist das kein Problem!“, sagte er mit einem bemühten Lächeln. Das ließ sich Shinjiro nicht zweimal sagen und nahm dem Verkäufer die Karte ab und deutete seinen Sohn an, einzusteigen. Royu grinste und beobachtete das vorgehen.
Kurze Zeit später öffnete sich die große Glasfront des Autohauses und die schwarze Limousine rollte hinaus und reihte sich in den Mittagsverkehr von Yuma City ein. Fireball grinste breit: „Das fühlt sich schon beim Anfahren gut an!“, meinte er begeistert und koppelte seinen Kommunikator mit dem Audiosystem. Shinjiro bog auf den Highway ein und als die Spur frei war, drückte er das Gaspedal entschlossen durch und der Motor brummte kraftvoll auf und beschleunigte schnell. Fireball lachte kurz begeistert auf: „Das ist irre!“, rief er gegen den Sound an und drehte die Musik noch weiter auf. Shinjiro warf ihm einen kurzen Seitenblick zu und konnte sich ein Lächeln nicht verkneifen und gab noch etwas mehr Gas. Für einen Moment war alle Förmlichkeit vergessen, kein Captain, kein Oberkommando, nur Vater und Sohn, die gemeinsam den Rausch der Geschwindigkeit genossen.
Nach einer halben Stunde kamen sie zum Autohaus zurück und Fireball war absolut begeistert. Shinjiro hingegen stieg gemächlicher aus und die Autotür schloss sich hinter ihm lautlos. Mit verschränkten Armen blieb er stehen, und ließ seinen Blick über die glänzende Karosserie gleiten und nickte dem Wagen zu.
Fireball stellte sich neben ihm: “Die Musikanlage empfehle ich dir trotzdem, für den Rundum-Hörgenuss!“, betonte er und versuchte, ernst zu klingen, was ihm aber nicht ganz gelang. Shinjiro grinste und schüttelte leicht mit seinem Kopf: „Ja, genau deswegen kaufe ich ein Auto, wegen der Musikanlage. Der Sound war doch gut, davon hab ich jetzt noch den ganzen Tag was im Ohr.“ Fireball ließ es unkommentiert und grinste den Wagen an: “Und? Nimmst du ihn?” Shinjiro spitzte nachdenklich seine Lippen und nickte langsam: „Ja, aber in einer anderen Farbe!” Fireball fiel darauf fast alles aus seinem Gesicht und sah seinem Vater sprachlos an, das konnte doch unmöglich dessen Ernst sein! Shinjiro nickte seinem Sohn zu: “Rot, Gelb oder Grün!” sprach er und nahm Fireball den Katalog ab und ging zum Verkäufer. Fireball blickte den beiden fassungslos nach, wie sie in einem Büro verschwanden.
Royu, der auf der anderen Seite des Wagens stand, musste laut auflachen. Das Lachen seines Onkels holte Fireball schnell aus seiner Starre und er ging zu Royu hinüber: “Er wird doch nicht wirklich …?“ fragte er ungläubig. Doch Royus bestätigendes Nicken ließ Fireball erneut innehalten. „Doch, vielleicht sogar bunt!“ neckte Royu seinen Neffen mit einem breiten Grinsen. Fireball war nun völlig fertig und drehte sich entsetzt zum geschlossenen Büro um. „Was?“
Ramrod
„Huhu, Colt!“, rief eine Stimme und riss den Cowboy aus seinen Gedanken. Mist, da war er wohl doch kurz eingenickt. Hastig setzte er sich in seiner Satteleinheit auf und rief laut und völlig aus dem Zusammenhang: „Ich heirate bald.“ Einen Moment lang herrschte Stille und Colt realisierte, dass er es gerade tatsächlich gut hörbar ausgesprochen hatte und rollte mit seinen Augen, er wusste, was jetzt kommen würde. Alle brachen in schallendes Gelächter aus.
Saber der seinen Kaffee getrunken hatte, stand mit einem breiten Grinsen auf der Brücke: „Gut, dass du das weißt!“ kommentierte er und ging Richtung Küche. Alex grinste breit: „Wenn du in der Ehe genauso auf Zack bist wie beim Einschlafen, wird Robin begeistert sein!“ Colt äffte Alex leicht nach und holte seinen Blaster aus dem Halfter. April dagegen lehnte sich verträumt zurück: „Hach, ich bin so gespannt auf Robins Kleid!“ Colt seufzte leise, und sah zu Saber, der wieder in seiner Satteleinheit platz nahm. Dann zog er sein Poliertuch hervor und begann, seinen Blaster auf Hochglanz zu bringen, sicher ist sicher, so lief er wenigstens nicht Gefahr, noch einmal einzuschlafen.
Vor Ramrod erstreckte sich das unendliche Schwarz des Alls. Ab und zu kreuzte ein ziviler Raumgleiter ihre Route, meist waren es Schiffe auf dem Weg zur Erde oder nach Jarr. Diese zivilen Flugrouten waren ein begehrtes, aber auch empfindliches Angriffsziel der Outrider, weshalb sie rund um die Uhr von Truppen des Oberkommandos und dem Königreich Jarr patrouilliert wurden.
Signal
Colt saß in seiner Satteleinheit und sprach mit April über die bevorstehende Hochzeit, es gab seit Stunden gefühlt kein anderes Thema mehr. Während Alex bereits damit beschäftigt war, die nötigen Vorbereitungen für den Rückflug zu treffen, saß Saber, in seiner Satteleinheit, umgeben von einem Berg an digitalen Papierkram, dazu hatte er auch noch etwas schlechte Laune. Erstens wollten die endlosen Berichte kein Ende nehmen, zweitens hatte er zu wenig Schlaf gehabt und drittens verfolgte ihm dieses ewige Hochzeitsthema, das langsam an seinen Nerven zerrte. Alex ging es nicht anders: „Wenn ihr beide nicht endlich Ruhe gebt, beantrage ich meine Lizenz als Zeremonienmeister und traue euch gleich hier an Bord!“ beendete er das Thema. Saber blickte auf und ein kleines “Danke!” huschte durch seine Gedanken und widmete sich wieder seiner Arbeit.
Colt verzog nach dem Satz sein Gesicht, während April sich an die Satteleinheit von Alex stellte, und ein freches Funkeln blitzte in ihren Augen: „Du bist nur neidisch, weil du keine solchen Pläne hast!“ Alex ließ von seinem Tun ab, nahm sich seine Dose Kaktussaft und lehnte sich zurück und erwiderte trocken: „Woher willst du das wissen?“, und funkelte sie genauso frech und herausfordernd an. April grinste: „Du hast keine Freundin!“ Alex rollte leicht mit seinen Augen und griff nach seinem Getränk: „Aber einen Freund“, ließ er nun beiläufig fallen.
Für einen Moment herrschte absolute Stille, selbst das leise Summen der Bordinstrumente schien vor Schreck still geworden zu sein. “Na, jetzt ist’s raus”, dachte Alex, während er seine Dose Kaktussaft wieder abstellte. April blinzelte einige Male leicht überrumpelt und ihre Wangen nahmen einen zarten Rot-ton an. Colt warf Alex einen Seitenblick zu, grinste breit und zuckte mit seinen Schultern, irgendwie hatte er das ja schon immer vermutet, trotzdem kam die Bestätigung gerade unerwartet.
Saber hob nach dem Gehörten seinem Blick vom TAC-Desk, er sagte nichts, aber begrüßte die Stille, die damit über sein Team gefallen war. Schließlich war es wieder Alex, der das Schweigen brach: „Können wir ab jetzt bitte immer in dieser Tonlage fliegen?“ April stieg die Hitze in ihre Ohren und wollte eigentlich nur noch im Boden versinken: „Mist, war das peinlich“, dachte sie und ging zu ihrer Satteleinheit. Alex flog eine 60 Grad Kurve, um die Route für den Rückweg einzuschlagen. Entschuldige, aber ich hätte es niemals bei dir, von dir, ach du weißt schon gedacht, aber gut!” und sah auf ihre Navigationsanzeigen. Colt polierte seinen Blaster und grinste Richtung Alex: “Also plant ihr auch!” Doch Alex zuckte nur mit seinen Schultern.
„Hm, komisch …” kam es von April. Colt drehte seinen Kopf in ihre Richtung: “Was ist daran komisch?” April schüttelte mit ihrem Kopf: “Ach, nicht doch das, Cowboy!“ Ich habe hier ein UD-Signal, das überhaupt nicht lesbar ist, aber in regelmäßigen Abständen funkt. Saber blickte von seiner Arbeit auf und sagte zu Alex: “Halte unsere Position!” Alex nickte und ging in die Schwebeposition. Danach wandte er sich an April: „Leg es mir bitte auf den Schirm.” Der Bildschirm des Schotten blinkte auf und Saber sah sich die Daten an: “Hm …” kam es nachdenklich von ihm, denn es erschien eine Signalerkennung, die jedoch von den Systemen als unbekannt eingestuft wurde. Er legte es zu Colt und Alex, Colt konnte damit überhaupt nichts anfangen, für ihn war es ein Punkt, wie jeder andere, der blinkt.
“Wollen wir hinfliegen?” fragte Alex das Naheliegendste. “Nein, wir nehmen es erst einmal nur auf.” und trug den Vorfall ins Logbuch ein: “Wir bleiben auf unserem Kurs!” Alex nickte und ging wieder auf Kurs Richtung Yuma.
Alles mit Links
„Guten Tag, First-Grad“, sprach ihn eine Stimme an und holte ihn aus seinen Gedanken: „Guten Tag, Charles“, erwiderte er mit einem kurzen Nicken. Charles betätigte den Fahrstuhlknopf und grinste: „So viel hast du gar nicht getrunken!“, scherzte Charles. Shinjiro wusste sofort, worauf er anspielte, und musste ebenfalls schmunzeln: „Ein Kendo-Schwert und ein menschlicher Arm vertragen sich nicht“, erklärte er darauf nur trocken. Mit einem leisen “Bing” öffneten sich die Fahrstuhltüren und beide traten ein.
„Wie läuft’s als Mentor?“, fragte Shinjiro, während sich der Fahrstuhl in Bewegung setzte, Charles nickte: „Es ist ziemlich interessant“, hielt er sich noch bedeckt, schließlich hatte er noch keinen wirklichen Überblick. „Ist irgendetwas Spannendes dabei?“, fragte Shinjiro beiläufig, Charles lachte auf. „Guter Versuch, aber nein!“ Shinjiro grinste, während er sich im System des Oberkommandos einloggte und sah darauf zu Charles, mit einem gespielt unschuldigen Blick: „Ich hab doch nur gefragt.“ Charles war natürlich klar, dass Shinjiro neugierig war und gerne wissen wollte, was in den Köpfen der Offiziere vorging. Doch als Mentor unterlag er der Schweigepflicht, solange es nicht um Straftaten ging. Bisher waren es ohnehin nur harmlose Dinge gewesen, wie, kleine Unsicherheiten, oder den ein oder anderen Ratschlag. Also nichts wirklich Spannendes, aber genau das Richtige nach sechzehn Jahren gefühlten Dauerstress. Natürlich war er gerne Commander gewesen, hatte aber schnell gemerkt, dass es nicht sein Platz war und sah zu dem Mann neben sich und lächelte: „Du machst das schon mit links.“ Der Fahrstuhl hielt, Shinjiro sah fragend zu Eagle und stieg aus.
Miss Ellnys wünschte den beiden einen guten Tag und reichte Captain Hikari einen Ordner. Charles nahm ihr diesen mit einem Grinsen ab: „Bringen Sie uns doch bitte einen Kaffee“, sagte er und trat nach Shinjiro in das offenstehende First-Grad-Büro ein.
Shinjiro ging direkt zu seinem Schreibtisch. In der Mitte stand ein schöner, bunter Blumenstrauß und so einiges an Süßkram, es waren Glückwünsche aus allen möglichen Ecken des Grenzlandes, er würde sich später damit beschäftigen. Miss Ellnys betrat mit zwei Tassen Kaffee das Büro und stellte sie auf den Tisch in der Lounge. Charles ließ sich auf dem weichen Lounge Sofa nieder und gönnte sich einen kräftigen Schluck Kaffee. Shinjiro setzte sich Charles gegenüber und betrachtete eine Karte, die dort lag und begann sie zu lesen, dabei musste er schmunzeln und reichte die Karte an Charles weiter. Neugierig, wie er war, konnte Charles nicht widerstehen, las sie und nickte bestätigend: „Ja, die Damen aus der Verwaltung vergessen keinen Geburtstag“, meinte er: „Pass nur auf, dass sie nicht herausfinden, was dein Lieblingskuchen ist. Den Fehler habe ich mal gemacht.“
Shinjiro grinste und nahm seine Tasse Kaffee: “Bedien dich!” sagte er und zeigte auf die Süßigkeiten, die vor ihnen auf dem Tisch lagen. “Warum machst du so ein Geheimnis um deinem Geburtstag?“ fragte Charles, der sich eine Praline gönnte. “Der ist doch nicht geheim.” antwortete Shinjiro und öffnete den blauen Ordner, in dem Post- und die letzten Pressemitteilungen lagen Zeitungsberichte. Er blätterte durch die Seiten: “Na ja, ich meine, es war dein erster Geburtstag hier.” kam es darauf von Charles, der fand, dass sowas nach 16 Jahren schon etwas Besonderes war. Shinjiro nickte und zog sich einen random Artikel vor: „Wir waren gestern essen, das genügt!” war seine beiläufige Antwort. Charles nickte: “Ist etwas Interessantes dabei?” fragte er neugierig . Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf, „Nein.“
Salle du Lys d’Or
Im “Salle du Lys d’Or”, dem Plenarsaal des Königreichs Jarr, saß Jarred mit mehreren Regierungsvertretern an einem langen, ovalen Tisch aus dunklem Holz. Die Diskussion drehte sich um die kommenden Wochen und die notwendigen Anpassungen nach dem Ende des militärischen Bündnisses. Die alte Struktur, die vor sechzehn Jahren gegolten hatte, sollte mit einigen Änderungen wieder in Kraft treten. Dazu mussten Gesetze vorübergehend ausgesetzt und gleichzeitig überarbeitet werden.
Der private Sekretär des Königs trat ein und reichte Jarred einen schmalen Dokumentenordner. Jarred nickte ihm dankend zu, während die Krohnräte und Abgeordneten debattierten. Der König öffnete den Ordner, blätterte durch die Berichte und Tabellen, und sein Blick wurde zunehmend nachdenklicher. Schließlich wandte er sich leise an seinen Sekretär: „Schicken Sie das über TSID den First Grad.“, und gab Philippe den Ordner wieder zurück und der Sekretär verließ den Saal. Jarred widmete sich nun wieder dem Geschehen im Saal zu.
Feierabend
Captain Hikari stand an seinem höhenverstellbaren Schreibtisch, seine Finger glitten über die Tastatur, während sein Blick fokussiert auf die Anzeigen seines TAC-Desks gerichtet war. Er legte Strategien, studierte Karten der Truppenbewegungen und las sich durch endlose Zahlenreihen mit ermittelten Einsatzdaten. Shinjiro scrollte durch die neuesten Informationen zur Outrider Basis auf Alamo und zog einzelne Berichte heran und überprüfte Koordinaten, es lag Anspannung in seiner Haltung, denn jeder Datensatz konnte entscheidend sein und es wäre fatal etwas zu übersehen.
Etwas gefrustet trat er einen Schritt vom Tisch zurück und verschränkte seine Arme vor der Brust. Sein Blick blieb jedoch auf den Monitor gerichtet, auf dem das neueste Bild der Outrider-Basis angezeigt wurde.
„Was ist da los? Warum kommen die nicht voran?“, murmelte er leise nachdenklich. Seit zwei Wochen hatte sich dort kaum etwas verändert. Plötzlich durchzuckte ihn ein stechender Schmerz, der von seinem Kopf bis in den Nacken ausstrahlte. Er keuchte leise und hielt inne, nach einigen Augenblicken ließ der Schmerz allmählich nach. Mit einem tiefen Atemzug öffnete er seine Augen und griff nach der kleinen Wasserflasche auf dem Tisch. Wahrscheinlich hatte er einfach zu lange auf den Monitor geschaut, dachte er, und ein schneller Blick auf die Uhr bestätigte ihm dies sogar. So nahm er seine Sonnenbrille und beschloss, einen Rundgang durchs Oberkommando zu machen, etwas Bewegung und frische Luft würden guttun. Und er verließ das Büro und sperrte es mit seiner ID ab.
Zehn Minuten später betrat er das Vorfeld und war über die Wärme, die ihm entgegenkam, überrascht. Trotzdem atmete er erst einmal tief durch und setzte sich seine Sonnenbrille auf und lief Richtung Hangar, wo ihm schon Lorenz breit grinsend entgegenkam. Als Lorenz auf seiner Höhe war, salutierte dieser. Shinjiro nickte und wartete auf die allgemeine Frage der letzten 24 Stunden. “Was ist passiert?”, kam es von Lorenz und zeigte auf seinen Arm. „Einmal darfst du raten!” kam es darauf von Shinjiro, Lorenz lachte und antwortete: „Kendo, sollte man können!” Shinjiro sah sich um, es war ihm klar, dass sein gebrochener Arm und der Grund bereits die Runde im KOK gemacht hatten, wenn hier eins ausgezeichnet funktionierte, dann war es der Buschfunk, daran hatte sich in den letzten 16 Jahren auch nichts verändert.
„Kommst du mit, was essen?“, fragte Lorenz. Shinjiro nickte. Das Kasino war der Dreh- und Angelpunkt des Oberkommandos. Leise Stimmen, Lachen, das Klirren von Geschirr und das Mahlwerk der Kaffeemaschinen war die typisch vertraute Geräuschkulisse, schließlich kam hier jeder mindestens einmal am Tag vorbei. Einige Offiziere saßen über ihren Berichten, andere diskutierten lebhaft oder lehnten entspannt in den Sesseln in den halboffenen Séparées, in die man sich zurückziehen konnte, wenn man einmal kurz seine Ruhe wollte.
An der langen Theke reihten sich Köstlichkeiten von deftig und süß, vom kleinen Snack bis zur vollwertigen Mahlzeit aneinander. Der Küchenchef und seine Crew hatte stets alle Hände voll zu tun, das wichtigste war, es musste schmecken, sonst drohte Meuterei. Selbst nachts gab es noch eine Versorgung für ankommende Schiffe, sofern man sich rechtzeitig anmeldete.
Zudem mussten auch die Raumschiffe mit Lebensmitteln und Getränken bestückt werden, die zwei Tage oder länger im All unterwegs waren. Die Großküche befand sich direkt unterhalb des Offizierskasinos und hinter der langen Theke lag eine kleinere Zulauf Küche, in der der Service schnell auf besondere Wünsche der Offiziere reagieren konnte. Drei Servicekräfte bewegten sich mit routinierter Leichtigkeit zwischen den Geräten, scherzten mit den Offizieren, ein kurzer Plausch gehörte hier einfach dazu.
Captain Lorenz und Captain Hikari gingen geradewegs in das für den First-Grad reservierte Séparée und nach ein paar Minuten stieß auch Eagle zu den beiden.
Ramrod befand sich im Landeanflug und der Feierabend war in Sichtweite, zumindest für Colt, denn der freute sich bereits auf einen entspannten Nachmittag zusammen mit Robin und Joshua. Und überlegte, während er aus dem Fenster blickte und die glühenden Lichtstreifen der Landebahn immer näher kamen, was sie heute noch spontan unternehmen könnten. Denn nach einem Tag auf Ramrod sehnte er sich nach frischer Luft und Bewegung.
Ramrod setzte auf und sie rollten direkt zu ihrer Parkposition, wo die Support Technicians sofort damit begannen, Ramrod von außen zu versorgen, um die ständige Einsatzbereitschaft des Friedenswächters zu gewährleisten. Heute wurden die Wassertanks aufgefüllt, die Energiezellen gewartet und es gab kleinere Reparaturen an der Thermobeschichtung. Die Gangway wurde mit Ramrod verbunden, Alex fuhr alle Systeme runter und nahm den Tagesbericht in Form eines Sticks an sich, um diesen in das digitale Logbuch zu übertragen. Colt hatte seine Satteleinheit schon längst heruntergefahren und verschwand als erster, mit einem schnellen “Bis dann …” von der Brücke. Saber sah dem Cowboy nach. Er konnte sich nicht erinnern, bereits „Deck-Off“ ausgesprochen zu haben, sagte aber nichts.
April und er hatten vor, sich die Daten des aufgenommenen Signal noch einmal genauer anzuschauen: „Das könnte auch ein Jet, oder so gewesen sein, es ist nicht groß!” murmelte April nachdenklich, doch der Schotte schüttelte mit seinem Kopf: “Für einen Jet ist es zu langsam, zudem gibt es dort gar nichts.” – “Wir werden das Signal in unsere Datenbank einspeisen zur Beobachtung”, sagte Saber und April fügte die Daten hinzu. “So fertig!” sagte sie nach einigen Minuten: „Na dann, Feierabend!“ rief Alex. Saber nickte, doch für ihn war von Feierabend noch nichts zu sehen. Er wollte noch zu Captain Hikari, um Colt offiziell zu seinem Ersten Offizier an Bord zu ernennen.
So verließen sie gemeinsam den Friedenswächter und trennten sich in verschiedene Richtungen auf. Alex musste in den Briefing Room um seine heutigen Flug Bilanzen aufgeben. April würde ihren Vater aufsuchen. Und Sabers Weg führte direkt zu Captain Hikaris Büro.
Misses Ellnys stand hinter ihrem Schreibtisch und unterhielt sich mit einer Kollegin. Als der blonde Schotte aus dem Fahrstuhl trat, hoben die beiden adretten Frauen gleichzeitig den Blick und ein freundliches Lächeln huschte über ihre Gesichter: „Major Lancelot, was kann ich für Sie tun?“, fragte Misses Ellnys, Saber erwiderte das Lächeln als er an den Tisch trat: „Ist der Captain zu sprechen?“ – “Bestimmt”, kam es direkt von Misses Ellnys und tippte etwas auf ihre Tastatur. Die leisen Klickgeräusche füllten den lichtdurchfluteten Vorraum, während die andere Kollegin Saber etwas musterte. “Sie können eintreten”, sagte Misses Ellnys und zeigte auf die Bürotür.
Privater Abfangschirm
Als Saber das Büro betrat, sah er, dass Captain Lorenz gemeinsam mit Captain Hikari im Meetingraum saßen und sich Aufnahmen der Outrider-Basis ansahen. „Gibt es dort etwas Neues?“, fragte er, als sein Blick den Monitor erfasste. Lorenz und Hikari schüttelten leicht ratlos mit ihren Köpfen: „Nein, seit zwei Wochen kaum Aktivität“, erklärte Lorenz knapp und streckte sich.
“Was führt sie her, Major Lancelot?” wechselte Captain Hikari das Thema, denn der Schotte war bestimmt nicht ohne Grund in seinem Büro. “Sir, ich komme für ein Offiziersgesuch, für Leutnant Bill Wilcox zum First Lieutenant.“ Captain Hikari nickte langsam und legte eine ältere Karte, von der Basis auf den Monitor. Lorenz, stöhnte auf und meinte leicht genervt: “Kann da nicht jemand klopfen und “Hallo” sagen? Dann wüssten wir, was los ist.” Saber fixierte sich auf die neue Karte und verglich sie mit der alten und auch er wurde skeptisch, schließlich wusste er zu gut, dass die Outrider normalerweise nicht so lange für einen Basisbau benötigten.
Da legte Hikari seinen Pen ab und stand auf. Saber und Lorenz sahen ihn fragend nach. Captain Hikari ging an seinen Schreibtisch und kam mit einem Briefumschlag in der Hand wieder zurück. “Das war die falsche Frage, Mr. Lancelot, da ist ihre Kündigung!” scherzte Lorenz leise. Saber lächelte und nahm den Brief entgegen und öffnete ihn direkt. Er zog drei Unterlagen heraus und bekam große Augen, “Das kann doch nicht …” schoss es dem Highlander durch seinen Kopf und blickte auf: “Sir, sie haben Lieutenant Wilcox bereits zum ersten Offizier gelistet?” Hikari sah Saber an und grinste: “Noch nicht, ihre Unterschrift fehlt noch.” und zeigte auf das Schreiben. Saber nickte und atmete erleichtert ein und aus: “Danke, Sir!” nickte der Schotte und steckte Colts Unterlagen wieder zurück in den Umschlag.
Da blinkte ein rotes Kästchen auf den Monitoren auf, TSID Eingang. Hikari aktivierte den Abfangschirm und ein leises, mechanisches Klacken ertönte, als die Tür sich verriegelte und das Büro nun komplett gesichert war. Hikari lehnte sich zurück und sagte: „Na, dann schauen wir mal!” und rief die Nachricht aus dem Königreich Jarr ab und sofort listeten sich verschiedene Daten auf. Captain Hikari isolierte einige und schaute nach der Häufigkeit eines gewissen Wertes.
“Was soll das sein, ET?” kam es von Lorenz und Hikari musste kurz schmunzeln. Saber schaute sich die Daten genauer an und deren Abstände: “Sir!”, begann er nachdenklich: “Genau solch ein Signal haben wir heute vor Alamo aufgenommen!” Lorenz sah von den Daten auf und Captain Hikari lehnte sich interessiert zurück und sah zum Schotten.
Saber begann detaillierter zu erzählen: “Wir haben es an die zuständigen Datenbanken geschickt.” Hikari hob seine Augenbrauen und rief etwas auf seinem Tablet auf: “Haben Sie schon eine Antwort bekommen?” fragte er, doch Saber schüttelte mit seinem Kopf: „Nein, Sir!“ Hikari sah zu Lorenz und zeigte auf den großen Monitor: “Dahin kannst du fliegen und, “Hallo” sagen.” Lorenz lehnte sich zurück und verschränkte seine Arme: “Ach ich weiß nicht, dunkles All, weit und breit nichts und ein kleiner einsamer Jet.” Saber musste darauf still auflachen.
Und Captain Hikari wechselte wieder zur Basis. Saber sah sich um und fragte: “Wo ist eigentlich Colonel Rosso?”, denn er hatte den Colonel der Task-Force seit dem Meeting um die Basis vor einigen Tagen nicht mehr gesehen. Lorenz zeigte auf dem Monitor: “Da!” und Saber blickte auf.
“Er ist auf Alamo.” begann Captain Hikari: “Wir sind dabei, um die Outrider Basis in drei Kilometer tiefe, mehrere HyperWave-Scanner zu installieren, damit können wir die Basis hoffentlich kartieren, dann … ja … sehen wir weiter!” klärte Captain Hikari den Schotten auf. Saber nickte: “Gute Idee, Sir!” Hikari sah zum Schotten: “War nicht meine!” gab er mit einem grinsen zu und lehnte sich zurück. Saber hob fragend eine Augenbraue. Und Captain Hikari erklärte: „Ich habe die Basis gestern meinem Vater gezeigt, mit der Animation, die wir bereits kennen. Ich weiß nicht, ob sie es wissen, aber mein Sohn hat ein an-klopf-Konflikt.“ Saber ließ die Worte auf sich wirken, ihm dämmerte da etwas, und ein kaum sichtbares Schmunzeln zeichnete sich auf seine Lippen, während er dem Captain weiter zuhörte.
„Irgendwann wurde mein Büro gestürmt, weil er mir dringend die Umdrehungszahl eines Autos mitteilen musste.“ Nun wurde Sabers Grinsen breiter, er wusste ganz genau, dass Fireball gerne einfach mit der Tür ins Haus fiel und erst danach darüber nachdachte, ob er hätte anklopfen sollen: „Also war es seine Idee!“, kam es feststellend darauf vom Schotten. „Ja …“, seufzte der Captain, stand auf und ging zu seinem Schreibtisch weiter: „Und ich überlege ernsthaft, mir so einen Abfangschirm in mein Haus einbauen zu lassen …”
Saber war darauf etwas irritiert und warf Lorenz einen fragenden Blick zu. Der grinste ihn nur breit entgegen, ohne etwas zu sagen, doch sein Blick war eindeutig, zweideutig und ein paar Sekunden später machte es bei Saber klick und beide brachen in ein leises Lachen aus.
In diesem Moment kam Captain Hikari wieder in den Meetingraum zurück und holte gerade Luft, um das stumme Lachen zwischen Saber und Lorenz zu kommentieren, als durch die Gegensprechanlage die Stimme von Misses Ellnys erklang: „Mentor Eagle bittet um Einlass.“ Hikari deaktivierte den Abfangschirm und der Monitor schaltete auf das goldene Emblem des Neuen Grenzland um und verließ kommentarlos das Büro.
Eagle trat ein und begrüßte Saber und marschierte zum Getränkespender und zapfte sich ein kaltes Wasser: „Habe ich etwas verpasst?“, fragte Charles und sah prüfend zwischen den beiden Hin und Her. Saber und Lorenz lehnten sich mit viel zu unschuldigen Gesichtern in ihre Stühle zurück. Das erkannte Charles mit verbundenen Augen.
„Och, pff … es ging nur gerade um Abfangschirme“, erklärte Lorenz mit einem gespielt beiläufigen Tonfall. Charles legte seine Stirn in Falten: „Abfangschirme?“, hakte er nach und die beiden versuchten, ihr Grinsen zu unterdrücken und scheiterten kläglich. Charles atmete tief ein, rollte mit seinen Augen und setzte sich.
Gavin Delweg
Colt hatte seinen Bericht endlich fertiggestellt und schrieb Robin, dass sein Feierabend nun in greifbarer Nähe war: „Hi Colt, darf ich mich setzen?“ riss ihn jemand aus seinen Feierabendgedanken, schnell sah er auf und vor seinem Tisch stand ein Mann in seinem Alter, mit einer Coke in der Hand. Der Cowboy zuckte mit seinen Schultern: „Klar“, grinste er. „Freies Land, freier Platz.“ und deutete auf den begehrten Stuhl neben sich. Der junge Mann grinste zurück und ließ sich nieder. „Verrückt …“, murmelte er, während er seine Cola öffnete: „Du erinnerst dich tatsächlich nicht mehr.“ Colt zog seine Augenbrauen nachdenklich zusammen und musterte seinen Gesprächspartner und in der Tat, irgendetwas kam ihm bekannt vor. Der Fremde half nach: „Ich bin Lieutenant Delweg vom Aufklärungsschiff Redwink.“ Jetzt begann es in Colts Kopf zu rattern: „Delweg? Delweg …?“ und der Lockenkopf runzelte noch tiefer seine Stirn, dann machte es Klick und sah sein Gegenüber überrascht an: „Gavin!“
Der junge Mann hob seine Cola und prostete Colt, grinsend zu und gratulierte dem Lockenkopf, dass er sich tatsächlich an ihn erinnert hatte und nahm einen großen Schluck.
„Du dienst jetzt also auf der Redwing“, begann Colt direkt, “Ich hatte vermutet, dass du damals … “ Gavin fiel ihm ins Wort: „Was? Dass ich einfach, nachdem Neo geschmissen wurde, aufgegeben hätte?“ lachte er kopfschüttelnd. Colt zog fixierend seine Augenbrauen zusammen, das Lachen klang schärfer in seinen Ohren als es sollte. Gavin sah Colt direkt an: ‚Nein‘, aber nachdem du deinen Eliteplatz dank deiner Verbindung zum berühmten Saber Rider an der Akademie bekommen hattest, hast du dich nie wieder bei uns blicken lassen.“ erklärte der dunkelblonde Lieutenant, ruhig, doch der Vorwurf lag klar in der Luft.
Colt hörte aufmerksam zu, der Unterton entging ihm natürlich nicht, das wäre auch schwer gewesen, aber er ließ sich nicht provozieren. Schließlich wusste er nur zu gut, dass seine Zeit an der Akademie alles gewesen war, nur kein Urlaub: „Und deswegen setzt du dich zu mir, um mir das zu sagen?“ fragte er mit fester Stimme und zog eine klare Grenze, schließlich war Saber sein Vorgesetzter und Freund, beides hieß für Colt Loyalität, er würde sich nicht hinreißen lassen, über den Schotten herzuziehen, wäre ja noch schöner.
“Nein, ich verbringe meine Feierabendstunde gerne auf diesem Platz, von hier kann man einfach alles überblicken.” und zeigte auf das Flugfeld und in die andere Richtung zum Haupteingang. Colt verstand: „Ah, ein Menschen-Beobachter also.” stellte der Cowboy belustigend fest. Gavin lachte kurz auf: “Ja, das ist hier wichtig, man muss wissen was los ist!” Colt dachte über das Gesagte nach: “Wie meinst du das?” Gavin sah Colt an und fragte geradeaus: “Können wir offen reden?” – „Klar doch!” erwiderte Colt und war gespannt, was da nun kommen würde. Gavin nickte: “Hast du dich nie gefragt, warum immer die gleichen an der Spitze sind?”
Es wurde kurz still zwischen den beiden, mit so einer Wendung hatte Colt jetzt nicht gerechnet und musste das Gefragte erst einmal sortieren. “Die halten uns mit Absicht klein, warum fristen wir hier ewig als Lieutenant herum, oder kennst du jemanden, der aus unserem Jahrgang schon seinen Captain hat?” Colt zog seine Augenbrauen zusammen: “Ja, Major Lancelot vor 3 Monaten war er noch Captain und er war ein Jahrgang vor uns auf Alamo!” gab Colt zu verstehen. Gavin zuckte mit seinen Schultern: “Ja und woher kommt er?” Colt sah zu Gavin und wusste, dass dieser auf die adlige Herkunft des Schotten anspielte.
“Siehst du und das gleiche Spiel wird jetzt vor unseren Augen weiter gehen, oder besser vor deinen.” Colts Ohren spitzten sich, er vernahm Neid und dieser konnte gefährlich werden. “Ich habe Feierabend, komm auf’n Punkt!” forderte Colt, dieses um den heißen Brei Gerede konnte er nicht leiden, außerdem wollte er sich noch einen schönen Nachmittag mit Robin machen.
Gavin setzte sich auf, als hätte er nur darauf gewartet und begann zu erklären: “Ist es nicht komisch, dass Hikari, einfach so, als sei nichts gewesen, auftaucht und sofort wieder in den Dienst gestellt wird?” Colt blieb ausdruckslos, er kannte einige Theorien, vieles spuckte davon frei im Internet herum, wie bei jedem, der irgendeine hohe Position, sei es in der Wirtschaft oder Politik hat. Natürlich war Colt anfangs auch skeptisch gewesen. So lehnte Colt sich erst mal zurück. “Bist du dir sicher, dass du mir sowas erzählen solltest?” fragte Colt herausfordernd. Gavin blickte darauf sehr ernst dem Cowboy in die Augen: “Was willst du nun tun? Zu deinem Vorgesetzten Saber Rider gehen, der im Stab von Captain Hikari sitzt, auch wieder so ein Beweis dafür, dass dort nur die “Richtigen” hinkommen.”
Colt grinste: “Es wäre jetzt meine Aufgabe, es zu melden.” Gavin lachte auf: “das wirst du nicht, denn du bist kein Handlanger von denen, du bist, einer von uns.” schluckte: „Siehst du, wir verpetzen uns, die da oben, decken sich und wir sollten auch mit sowas anfangen!” Colt kniff seine Augen zusammen: “Nennen Sie mir ein Beispiel!” forderte Colt den Lieutenant heraus! “Ok, euer kleiner Pilot, mit der großen Klappe, sogar bei König Jarred und hätte beinahe ein Bündnis gefährdet, mit seinem Verhalten, er hat seinen Lieutenant einfach so, ohne ein Gesuch bekommen. Aber nicht einmal König Jarred oder die Generäle ließen deswegen Disziplinarverfahren anlaufen und warum, weil auch er aus dem richtigen Stall kommt und alle vor Hikari kuschen!”
In Colt kroch Wut hoch, seine Einstellung zu dem ganzen Rang Getöse war eine Sache, aber seinen Hombre sollte man doch bitte aus dem Spiel lassen! Er schaute Gavin ernst an: “Das geht zu weit, pass auf, was du sagst!” drohte er leicht. Gavin sah jetzt doch etwas besorgt zum Cowboy: “Schau dich an, auch du bist nur ein Leutnant, wie ich auch und seit 3 Jahren und es ist kein Ende in Sicht. Ach so und bevor du petzen gehst, fang an zu beobachten.” Colt schlug seine Faust auf den Tisch und schaute sich im nächsten Moment um, einige umstehende sahen die beiden an und Colt nickte ihnen zu und sprach leiser: “Lass mich mit deinem Quatsch in Ruhe!” Gavin grinste leicht und stand auf: “Gut, ich werde ja sehen, was passiert“, sprach der dunkelblonde und sah Colt fest in die Augen, bevor er sich umdrehte und ging.
Colt sah Gavin nach, bis dieser das Gebäude verlassen hatte. Und Colt dachte über Gavin nach, den er doch etwas positiver in Erinnerung hatte, das erste Mal hatte er überhaupt eine so negative Sichtweise gehört, sein Spürsinn verriet ihm, dass da mehr dahinter steckte. Vielleicht hatte er sogar zu schnell reagiert und beschloss, Gavin auf jeden Fall im Auge zu behalten.
Genervt stand Colt auf und ging Richtung Parkhaus, der Tag hätte ja so schön enden können, er verschränkte eine Arme vor seiner Brust und dachte angestrengt nach. Da riss ihm sein Kommunikator, aus den trüben Gedanken, es war eine Nachricht seiner Liebsten: „Na toll, das auch noch!” verfinsterte sich sein Gemüt wieder und steckte das Gerät wieder in seine Tasche. Robin und Joshua würden den Abend mit Lernen verbringen. Kurzerhand beschloss er, sich für unterwegs noch etwas aus dem Getränkeautomaten zu ziehen.
Und je mehr er über das Gespräch nachdachte, kam es ihm geplant vor, es war nicht zufällig dahergeredet, da konnte sich der Cowboy auf seine Menschenkenntnis verlassen. Aber er musste zugeben, es machte gerade etwas mit ihm, denn in einigen Dingen hatte Gavin nicht so ganz unrecht, aber beeinflussen wollte er sich deswegen nicht. Der Automat gab die Dose Guavensaft frei und er ging zu seinem Wagen, er musste mit jemanden reden, das war klar! Er stieg ein und öffnete die Dose und trank sie mit einem Zug leer. Der Saft war noch nicht ganz aus seinem Bewusstsein, da zerdrückte er die Dose mit einer Hand und stieß gegen den Lenkrand: “Ach verdammt” sagte er und stieg wieder aus dem Wagen.
Aussicht auf Suspendierung
Im Büro des First-Grand legte man die Fakten offen auf den Tisch.
„Sir … Captain Jonnsons und ich hatten vor zwei Tagen eine Unterhaltung.”, begann Saber: “Er kam auf mich zu, und ich kann dem Gesagten wirklich nichts abgewinnen. Zumal Johnson, ich nenne es mal “einfältig”, mit mir gesprochen hatte“, berichtete Saber über sein Zusammentreffen. Hikari hob etwas überrascht seine Augenbrauen und sah zum Schotten: „Und wann hatten Sie vor, mir davon zu berichten?“ Saber atmete tief ein und Captain Hikari nickte nur, bevor er ernster weiter sprach: „Ich hoffe, Sie haben ihm klargemacht, wo er als Captain und wo Sie als Major, stehen!“, sagte Hikari und öffnete mit seinem digitalen Pen eine neue Akte.
Saber straffte sich etwas durch: „Nein, Sir, ich hatte die Befürchtung, dass er das Gespräch sonst sofort beendet hätte.“ Captain Hikari sah von seinem Tun auf und musterte den Highlander. Saber bemerkte dies und wartete, ihm war klar, dass er, in seinem Alter, im Rang höher stand als Captain Johnsons und sich solche Respektlosigkeiten nicht gefallen lassen müsste.
“Und weiter?” fragte Captain Hikari weiter und ignorierte das Gesagte, er wollte nun erst einmal alle Informationen. Saber nickte und erzählte: “Nun, Captain Jonnsons erkundigte sich über mein Team, über die ganzen Veränderungen und er möchte mir, ich zitiere: “Unter die Arme greifen, um weiterzukommen.” beendete Saber und blickte zu Eagle, der aufmerksam zugehört hatte. Lorenz gab leicht wütend zu verstehen: „Richard, sie hätten Johnsons als Major zurechtweisen müssen, es wäre sogar ihre Pflicht gewesen! Wenn das die Runde macht, dass man mit ihnen so reden kann, dann gute Nacht!” Saber atmete tief ein und nickte dem Captain der Air Base zu.
„Ich weise dich gleich zurecht!” fiel jetzt Hikari zwischen die beiden ein. Lorenz sah zu Hikari und lehnte sich zurück. „Wobei möchte er ihnen denn unter die Arme greifen?” fragte Hikari weiter. Saber rutschte etwas auf seinem Sitz nach vorn und legte einen Arm auf dem Tisch ab: “Er kenne Sie und die Strukturen des Oberkommandos!” Eagle grinste darauf etwas verhalten. “Oh! Kam es darauf von Hikari und nickte einige Male leicht: “Warum haben sie ihn nicht in seine Schranken gewiesen, Major Lancelot?”
Saber zog seine Augenbrauen zusammen und atmete ein, er war überrascht von dem schnellen Themenwechsel und antwortete erneut: “Aus besagten Grund Sir.” Hikari tippte mit seinem Pen auf sein Tablet und fragte währenddessen: “Wie soll es jetzt mit ihnen weitergehen?” Saber holte seinen Kommunikator hervor: “Er will sich mit mir privat treffen.“ fuhr der Schotte weiter fort, Hikari blickte auf: „Haben Sie zugesagt?” Saber schüttelte mit seinem Kopf: “Nein Sir!” – “Sagen Sie ihm jetzt gleich ab, er soll sich Gedanken machen” – “Ja, Sir!” kam es darauf von Saber.
“Und ich zitiere ihn zum Rapport“, sagte Shinjiro … “Das ist zu schnell!” warf Charles dazwischen. “Und du bist dabei!” überhörte er den Einwand und blickte Charles entgegen. Eagle atmete tief ein, er hatte ein ungutes Gefühl bei der Sache. Lorenz lehnte sich schwungvoll zurück: “Das geht zu schnell, Shinjiro!“ Eagle gab Lorenz mit einer Handbewegung zu verstehen, sich wieder zu beruhigen: “Das kann nach hinten losgehen!” unterstütze aber Lorenz Einwand. Saber nickte ebenfalls seinem ehemaligen Kommander entgegen. Hikari lehnte sich in seinem Stuhl zurück und schaute zu Lorenz und zeigte mit seinem Pen auf ihn: “Immer noch Captain!” Lorenz presste seine Lippen zusammen und nickte: “Ja, Sir!” Danach wandte sich Hikari an Saber und Eagle: “Wir können nicht länger warten, ich möchte wissen, wo er war und wir werden euer Gespräch aufgreifen, mit Aussicht auf Suspendierung!”
Saber atmete tief ein, er fand es ebenfalls zu schnell, doch er verstand auch Captain Hikari, er war im Zugzwang, es musste sich der Sache annehmen und nur so konnte er die Fronten abstecken.
Shinjiro griff nach der Wasserflasche, die in der Mitte des Tisches stand, öffnete sie und sah Saber fest an. „Und das nächste Mal, wenn jemand unter Ihrem Rang so mit Ihnen spricht, weisen Sie ihn gefälligst zurecht“, mahnte er den jungen Major. Der Schotte nickte stumm.
“Gut, hat sonst noch jemand was?” fragte Hikari, nachdem er von seinem Wasser getrunken hatte. Lorenz verneinte: “Ich muss los, meine Männer landen in einer halben Stunde und ich mache heute eine Visuelle!“ Hikari nickte und Lorenz packte seine Sachen zusammen. “Ich werde mich auch verabschieden, ich habe noch etwas mit Leutnant Wilcox zu klären.” sagte Saber und verließ zusammen mit Captain Lorenz das Büro.
„Und was hast du vor?“, fragte Shinjiro Charles, der sich gerade einen Kaffee einschenkte. Charles grinste leicht und sah zu Shinjiro: „Das wird ein Flächenbrand“, kam es vom ehemaligen Kommander. Shinjiro musterte Charles ruhig, während dieser sich mit seiner Tasse zurücklehnte. „Nicht, wenn man den Feuerlöscher griffbereit hat.“ Charles horchte auf und stellte seine Tasse ab: „Okay“, sagte er mit einem Anflug von Neugier, „was weißt du?“
Absatz #11
Vor dem Büro atmete Saber erst einmal tief ein und aus und stieg zusammen mit Captain Lorenz in den Fahrstuhl: “Da waren wir wohl heute über das Ziel hinausgeschossen!” sagte Saber zu Lorenz. Lorenz schaute den jungen Schotten neben sich an und sagte: “Ach, darum ging es gar nicht.“ Saber holte seinen Kommunikator heraus und fragte: “Um was dann?” und schickte Sincia eine Nachricht. Lorenz erklärte: “Es ging um die Position eines jeden Einzelnen in diesem Raum, ich habe Privates mit Dienstlichen vermischt. Genau wie sie, Mr. Lancelot muss jeder von uns in seiner Position bleiben, wenn es um diese dienstlichen Themen geht, auch und vor allem Captain Hikari, wir hatten vergessen, wo wir sitzen, er hat uns nur daran erinnert!” Saber verstand! “Sie müssen ihn wirklich gut kennen, wenn Sie das daraus entnehmen, ich hätte es jetzt auf den zweideutigen Witz zurückgeführt!” Lorenz lächelte verhalten und winkte ab: “Das kann er ab, glauben Sie mir! Aber er lässt sich nicht in seiner Autorität untergraben, das ist es, womit viele nicht klarkommen.” erklärte der deutsche, Saber verstand.
“So richtig kennenlernen tut man sich beim Arbeiten und in Ausnahmesituationen, wie bei uns damals in Manövern, Einsätzen oder wenn man kurz davor ist, sich zu prügeln!” fuhr Lorenz redselig fort, Saber sah Lorenz ungläubig nach: “Sie wollten sich prügeln?” Lorenz lachte auf und schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, na ja, sagen wir, wir waren kurz davor gewesen, nach der Sache mit dem blöden Jet, damals. Das ist jedoch schon ewig her, da waren wir Anfang 20, so wie sie Mr. Lancelot!”
Saber musste grinsen: “Diese Sache scheint unlösbar zu sein!” sagte er und Lorenz nickte und zog Saber etwas zur Seite und erklärte leiser: “Ich war damals schuld gewesen, Campbell hat uns den Marsch geblasen, der Schaden ging in die Millionen, jetzt dürfen sie raten, wer mich in diesem Rapport, in dem Campbell auch ihm dermaßen durch die Mangel genommen hatte, rausgehauen hat!” erzählte Lorenz wieder ernster und ging langsam weiter. Saber nickte und verstand. “Also sind sie ihm deswegen dankbar!” Lorenz winkte ab: “Nein, das Ding ist durch, heute ist es ein netter Witz.”
Saber lachte auf, als er an das Dinner dachte, ja es klang wirklich nur lustig, kannte man jedoch die Hintergründe, war es damals alles andere als lustig gewesen. Nicht auszudenken, sein Team würde Ramrod wegen einer Unachtsamkeit schrotten.
“Ach und sagen Sie immer klar, was sie von ihm wollen, schießen sie auch ruhig mal über das Ziel hinaus. Er möchte keine Arschkriecher, sondern Leute um sich, wo er weiß, dass sie da sind, wo sie hingehören! Das sage ich ihnen alles jetzt, weil wir hier vielleicht vor einem internen Krieg stehen und sollte das hier ein Streufeuer werden, können wir keinen mehr vertrauen, nicht einmal uns.” sprach Lorenz frei aus, was auch Saber dachte. “Also passen sie auf ihre Umgebung auf, ich will nicht wissen, was nach dem Rapport mit Jonsons abgehen wird!” und Saber fügte noch ernst mit an: “Er zündet jetzt die Bombe!” Lorenz nickte ernst: „Ja!”
Nach wenigen Augenblicken, grinste Lorenz den Schotten entgegen: “Also, behalten Sie einen kühlen Kopf, Richard! Ich muss jetzt los, sonst sind die unten und ich nicht draußen!” verabschiedete sich der Captain der Air Base und klopfte Saber noch auf seine linke Schulter, bevor er auf das Rollfeld ging. Und Saber ging Richtung Offizierskasino, wo er Colt telefonierend in einer Ecke vorfand, er zeigte dem Cowboy an, dass er sich ins Casino setzen würde, Colt nickte zur Bestätigung.
Butty
Saber hatte Hunger und schaute, was die Küche denn heute empfiehlt. Er sah auf die Anzeigen, ein Steak wäre ihm jetzt aber doch zu viel des Guten, so suchte er in der Theke nach diversen Snacks: “Guten Tag Major Lancelot, was darf es denn sein?” Fragte ihm Florentine, eine Mitte dreißig jährige, immer lächelnde Frau: Saber sah auch und lächelte: “Hallo, ich suche etwas für den kleinen, großen Hunger!” und sah sich weiter um und blieb bei den Sandwiches interessiert stehen. “Ich kann ihn auch ein frisches englisches Gurkensandwich mit Chips und Salat machen.” bot ihm Florentine an, Saber freute sich. “Das klingt nach etwas Gutem, in Schottland, nennen wir das “Butty”, was so viel wie “Klappstulle” heißt!” erklärte er und beide lachten amüsiert: „Nehmen Sie Platz, ich bringe es ihnen dann!” Saber hielt seine ID an den Scanner und nickte der Frau zu und ging in das Offizierskasino und suchte sich einen schönen, vor allem ruhigen Platz.
Saber setzte sich und atmete langsam aus, das Meeting hallte noch, aber noch bevor er einen klaren Gedanken fassen konnte, setzte sich ein ziemlich genervter Colt zu ihm an den Tisch. Saber riss seine Augen auf und beobachtete den Cowboy eine Weile stumm, der gerade gar nicht wusste, wohin mit sich. “Darf ich fragen, was los ist?” harkte Saber nach. Colt schüttelte mit dem Kopf und ließ frustriert seine Schultern hängen: “Ach, dieses Schulthema nervt mich gerade total. Heute kam raus, dass es ausgerechnet dieses Jahr nur zwei Stipendienplätze gibt. Und Robin wird nun die ganze Woche intensiv mit Joshua lernen.”
Saber nickte verstehend: “Wann soll es denn zu den Entscheidungen kommen?” fragte er direkt nach, Colt zuckte mit seinen Schultern: “Keine Ahnung irgendwann im Sommer mitten in den Ferien, wenn es dann, “Nein!” heißt sind die auch gelaufen, herzlichen Glückwunsch!” antwortete Colt und stand auf, noch bevor Saber etwas darauf antworten konnte und fragte. “Möchtest du auch einen Kaffee?” und war weg, Saber sah ihn etwas verdutzt nach, “Ja, gerne.”, sprach er ins Nichts, denn der Cowboy war schon an der Kaffeebar.
Von draußen dröhnten die Triebwerke der Jets so laut, dass man sie selbst im Gebäude nicht ignorieren konnte und Saber beobachtete die Landungen, da wurde ihm kommentarlos eine Tasse Kaffee vor die Nase gestellt. Und Saber betrachtete das tiefschwarze Gebräu, als hätte man ihm gerade flüssigen Teer serviert, und hob langsam eine Augenbraue und fragte Richtung Colt: „Was hast du damit vor? Dein Blutdruck ist doch jetzt schon jenseits von Gut und Böse.“
Colt grinste: „Ich neutralisiere” und nahm seelenruhig einen Schluck seines Kaffees.
Saber nickte bedächtig: „Ich auch“ und griff zur Milch und kippte so viel hinein, bis der Kaffee kurz vor einem diplomatischen Grau stand. Florentine trat an den Tisch und servierte Saber sein “Butty Sandwich” mit einem liebenswerten: “Guten Appetit, Major!” Colt sah auf Sabers Teller und erinnerte den Schotten: “Heute ist Steaktag!“ Saber der gerade von einer Sandwich-Ecke abgebissen hatte, nickte und kaute: “Ja, das wäre mir jetzt zu viel!” erklärte er und genoss das gute Butty, das zwar nicht an das von seiner Mutter ran kam, aber trotzdem sehr gut war!
Und bevor er die zweite Hälfte seines Sandwiches verspeiste, griff er in seine Tasche und legte Colt den Briefumschlag von Captain Hikari vor die Nase: “Hier, vielleicht hebt ja das deine Stimmung!” sagte er und biss genüsslich in das weiche Brot. Colt sah zu Saber und las den Umschlag vor: “Oho … vom First Grade persönlich!” kommentierte er leicht sarkastisch. Saber schüttelte kauend und augenrollend mit seinem Kopf, während Colt den Brief öffnete und las.
“Was, jetzt?” fragte der Cowboy und begann den Brief noch einmal zu lesen: “Wie hast du das denn geschafft?” fragte Colt verdattert und las den Brief noch ein drittes Mal. Saber zuckte nur mit einer Schulter und kaute den letzten Happen seines Sandwiches auf und beobachtete seinen Scharfschützen amüsiert. “Hatte Hikari einen guten Tag, oder was?” hakte Colt spaßig raus. Saber trank von seinem Kaffee und grinste seinen Freund an: “Nein, der lag schon fertig in seiner Schublade!” Colt blickte von dem Schreiben auf und sah zu Saber: “Was?” Saber nickte nur und widmete sich jetzt den Chips. “Und wann ist das offiziell?” wollte Colt nun genauer wissen. Saber zeigte auf das leere Signaturfeld, neben der Unterschrift von Captain Hikari, “Wenn du möchtest sofort.” Colt staunte, nach gerade mal 3 Monaten Lieutenant wäre er jetzt schon First Lieutenant, ja das hob gerade seine Stimmung, hätte er doch nie gedacht, dass Hikari das sogar schon fertig gehabt hatte. Das revidierte gerade alles in seinem Kopf, was Delwig ihn heute weiß machen wollte. “Sollte er damit über Saber über diese Begegnung reden?” fragte er sich kurz. “Also ab wann?” Unterbach Saber seine Gedanken und klickte bereits mit einem Kugelschreiber. Colt grinste, und sagte direkt: “Jetzt!” Beide grinsten. Saber stand auf und salutierte vor Colt: “First Lieutenant Wilcox, ich gratuliere!“ Die Drei Tische, um sie herum, die das mitbekommen hatten, protesten mit Kaffee und anderen Getränken dem Cowboy zu. Colt und Saber lachten: “Und damit bist du jetzt offiziell mein erster Mann an Bord!” Colt sah Saber an: “Oh Mann, was kommt da auf mich zu, ich mache nicht deinen ganzen Papierkram!” stellte er gleich klar. Saber schüttelte mit seinem Kopf: “Du bist sozusagen meine Vertretung an Bord, wenn ich nicht dabei bin, da weise ich dich dann auch noch ein und etwas Papierkram wird auf dich zukommen, das gehört auch dazu!” Colt grinste: „Danke, Schwertschwinger, darauf stoßen wir alle zusammen auf der Hochzeit an!” Saber grinste zurück: “So machen wir das!”
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