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17.555 Wörter, 93 Minuten Lesezeit.


Abschnitt #1

Der Tag der Vereidigung von Captain Hikari war gekommen. Der Paradeplatz auf dem Vorflugfeld füllte sich langsam mit Offizieren des Oberkommandos, es herrschte geschäftiges Treiben: Organisatoren, Sicherheitsdienste, Kameraleute und Techniker liefen hin und her. Die Live-Übertragung im Fernsehen lief bereits und zwei Kommentatoren begleiteten die Zuschauer an den Bildschirmen und lieferten erste Informationen zu den eingeblendeten Einheiten und Gästen. Das Highlight war der fünfzehn Meter lange und fünf Meter breite blaue Teppich, der sich über den Platz zog. Am Anfang und am Ende war das Emblem des Neuen Grenzland, kunstvoll in Gold eingewebt worden und glänzte im Sonnenlicht. Die Tribünen für die geladenen Gäste waren schräg hinter dem Geschehen aufgebaut worden, von dort hatte man einen hervorragenden Blick über den gesamten Paradeplatz.

Am Ende des blauen Teppichs würde zum Schluss der First-Grad mit seinem gewählten Militärstab Aufstellung nehmen. Doch wer letztendlich zum Stab gehören würde, darüber schwieg man sich bislang aus. Die Namen sollten erst während der offiziellen Ernennung bekannt gegeben werden, solange befanden sich die Namen in einem versiegelten Umschlag.

Zudem war auch nicht bekannt, wer Captain Hikari die fünf Sterne anheften würde, die ihn offiziell zum First-Grad des Neuen Grenzlands machten. Im Oberkommando und in den Wettbüros im NG liefen bereits Wetten, ob es König Jarred oder General Whitehawk sein würde, Spannung war also garantiert.

Wilcox 

Colts Second Lieutenant Uniform saß perfekt und das musste sie auch, schließlich war sie neu, makellos und ein Symbol für den Neubeginn, den dieser Tag für ihn symbolisierte. Er musterte sich vor dem Spiegel und strich mit der Hand über den Stoff. Sein Name, auf hochwertigem Material, präzise gestickt, diese Jacke war nur für ihn angefertigt worden. Es war ein stiller Moment, in dem sich Stolz und Ehrfurcht in ihm miteinander verschmolzen. 

Robin, die ein cremefarbenes knielanges Kleid trug, trat an ihn heran und zupfte seine Krawatte etwas zurecht. In der Uniform gefiel er ihr ausgesprochen gut, sie strich mit ihrer flachen Hand den Stoff der Jacke glatt und lächelte: „Cowboy, du siehst sexy aus“, hauchte sie ihm zu, bevor sie ihm einen Kuss gab. Colt grinste: „Sie auch, meine Holde.“ Robin lachte leise, drehte sich um und verschwand wieder im Bad, um noch perfekter auszusehen, als sie es ohnehin schon tat, zumindest fand Colt das, als er ihr nachsah.

Für beide war es ihr erster offizieller Auftritt als Paar in der Öffentlichkeit und Robin würde als seine Verlobte auf der Gästetribüne Platz nehmen und das alles vor Ort sehen. Langsam kroch in ihm etwas Aufregung hoch. Im Hintergrund lief die Liveübertragung über den Fernseher. Sein Blick ging zum Bildschirm und er nahm die Dose Kaktussaft, die auf dem Tisch stand und ließ die Bilder auf sich wirken: “Was ein Aufgebot”, dachte er als die Livebilder von “The Westury Hotel” gezeigt wurden, in dem König Jarred, General Whitehawk und vor allem Captain Hikari mit seiner Familie sowie andere hochrangige Gäste untergebracht waren, also all jene, die heute unter besonderem Schutz standen.

Es gab schließlich nicht nur Befürworter der ganzen Sache, sondern auch Gegner. Colt hatte seinen Hombre deshalb noch gar nicht gesehen, obwohl er wusste, dass Fireball schon seit zwei Tagen auf Yuma war. Der Gedanke ließ ihn grinsen, der Bunker da war für Fireball das reinste Gefängnis, dessen war sich der Cowboy sicher. Doch er freute sich, seinen besten Freund heute zu sehen, während er gemütlich an seinem Kaktussaft nippte.

Vom Scheitel bis zum Kilt

Saber überprüfte noch einmal den korrekten Sitz seiner Uniform. Der Säbel hing in der richtigen Position, die blütenweißen Handschuhe hielt er in seiner Hand, auch seine neue Uniform machte etwas her, fand er. In goldenen Lettern prangte auf seiner Brust: Major Richard Lancelot, darunter das Abzeichen seines Ranges. Einen Moment lang musste er lächeln, nicht aus Eitelkeit, sondern weil dieser Tag etwas bedeutete, es war sein erster offizieller Termin als Major.

Sein Vater stand neben ihm, im Kilt kombiniert mit der schottischen Generalsuniform. Edward legte Saber eine Hand auf die Schulter und sagte ruhig: „Genieße diesen Tag, mein Sohn, es ist auch deiner als Befehlshaber!“ Saber atmete tief aus: „Ja, Vater.“ Edward reichte ihm eine Kordel für seinen Säbel: „Das zeichnet uns als Highlander aus“, sagte er mit einem stolzen Lächeln. Saber nahm sie ehrfürchtig in die Hand und betrachtete sie. Die Kordel war schlicht, aus festem, geflochtenem Zwirn, doch jeder Knoten darin erzählte eine Geschichte. 

„Für jeden Freund und jeden Gegner, dem du auf deinem Weg begegnest, bindest du einen Knoten“, erklärte Edward weiter: „Ein Highlander schmückt sich nicht mit Worten, seine Kordel spricht für ihn. Sie zeigt, wem er begegnet ist, wer ihn geprüft hat und wer ihn begleitet hat. Manche Knoten erinnern an Siege, andere an Verluste. Doch alle gehören zu dir.“ Saber sah auf die Kordel hinab. „Als wahrer Edelmann prahlst du nicht“, fügte Edward hinzu, „aber du sollst dich auch nicht verstecken, vor das, was dich geformt hat.“ Ein Gänsehautschauer lief Saber über den Rücken. Mit stiller Ehrfurcht legte er die Kordel um den Griff seines Säbels.

“Den Tag genießen!” ging es ihm nochmals durch seinen Kopf, das wollte er seinem Team nachher auch nochmal sagen, sie sollten alle Eindrücke mitnehmen und stolz auf sich sein! 

The Westury Hotel

Captain Hikari stand im Ankleidezimmer seiner Suite des Hotels, das sich in den letzten Tagen zu einer regelrechten Hochsicherheitsfestung entwickelt hatte. Schließlich residierte auch König Jarred mit seiner Familie in diesen Mauern. 

Das Westury auf Yuma war der Inbegriff von Luxus: ein Hotel im viktorianischen Stil mit französischen Einflüssen, einer hohen, weißen Fassade, eleganten, großen Fenstern und einem prunkvollen Eingangsbereich mit Marmorboden, der heute zusätzlich mit einem roten Teppich ausgelegt war.

Er schloss die letzten beiden Knöpfe seiner Uniform und richtete sorgfältig seine Krawatte. Langsam ließ er die Luft aus seinen Lungen strömen und sein Blick fiel auf die weiße Uniform, die er später als First-Grad tragen würde. Ja, es war nur Stoff und doch war sie ein Symbol für die Verantwortung, die in wenigen Stunden auf ihm lasten würde. Er trat näher heran und betrachtete die Abzeichen und Orden an der Jacke. Es waren all seine Karriere Steps, beginnend vom Second Lieutenant bis hin zum General, er strich mit seinen Fingern über seine 4 Sterne, heute würde alles mit dem fünften Stern und dem First-Grad Emblem vereint werden. Sobald er diese Uniform tragen würde, wäre sein Status neutral, sozusagen Eigentum des Militärs, deswegen schmückte die First Grad Uniform auch keine Flagge.

Nach einigen Momenten wandte er sich ab und blickte wieder in den großen, breiten Spiegel vor sich. Sein Blick blieb an seinen Augen hängen. Er sah sich einfach nur an und ließ die Gedanken über seinen gesamten Weg Revue passieren, etwas, das er schon lange nicht mehr getan hatte. Der Wahnsinn dessen, was er in den letzten Jahren erlebt hatte, flutete seine Erinnerung und er schüttelte leicht den Kopf. “Das alles würde für fünf Leben reichen”, dachte er und atmete tief ein.

Es klopfte und die Tür hinter ihm ging auf, er blieb weiter regungslos vor dem Spiegel stehen und sah, wie sein Vater das Ankleidezimmer betrat und die Tür hinter sich schloss. Auch sein Vater trug seine Generalsuniform des japanischen Militärs. Ein General blieb selbst im Ruhestand. Doch so wirklich im Ruhestand war er nicht: Er war weiterhin Berater und übte nach wie vor viel Einfluss aus. 

Sein Vater trat schräg hinter ihn, und beide betrachteten einander schweigend im Spiegel. Dann nickte sein Vater ihm zu und begann ruhig, beinahe leise zu sprechen: „Shinjiro …“, und machte eine Pause, die Stille hing schwer über die beiden im Raum, doch niemand wandte sich dem anderen direkt zu.

„Das Schlimmste in den 16 Jahren war, als ich überzeugt war, du seist tot.“

Shinjiro zog kaum sichtlich seine Augenbrauen leicht zusammen und sah seinen Vater im Spiegel nicht direkt an, aber hörte dessen Worte: „Und jetzt … ist es so weit. Das Ziel ist erreicht.“ Der Ältere trat einen Schritt näher, seine Schultern waren aufrecht und seine Haltung streng wie eh und je: „Heute … erfüllt sich, wofür ich dich ausgebildet habe”. Ein kurzes Funkeln in den Augen seines Vaters ließ Shinjiro den Druck spüren und das unausgesprochene Maß an Leistung, das noch immer von ihm erwartet wurde. Keine Worte der Wärme, kein Lob, nur die kalte Erinnerung daran, dass nichts, was er bisher erreicht hatte, je genug gewesen war und nie genug sein würde.

Sein Vater blickte noch einmal zu ihm und ging wieder aus dem Raum. Shinjiro blieb zurück und starrte auf die geschlossene Tür, durch die sein Vater gerade gegangen war. Er schüttelte sich ein wenig und ging aus dem Raum, eine kurze Übelkeit stieg in ihm auf. Schnell verließ auch er das Ankleidezimmer. 


Er betrat das Wohnzimmer der Suite. Hitomi zupfte noch an ihrem Outfit, während sein Sohn gerade einen kleinen Zweikampf mit seiner Krawatte austrug. Er ging zu ihm, griff nach den verhdderten Enden und löste das Chaos um den Hals seines Sohnes. “Was hatte er hier vorgehabt, sich zu erwürgen?” fragte er sich und musste leicht grinsen. “So wird ein Mann daraus … na ja bald.”, sagte er und stupste ihn leicht mit der Rückseite seiner Hand gegen die Brust. Fireball verzog sein Gesicht und drehte sich zum Spiegel, er trug einen schwarzen maßgeschneiderten Anzug. Er strich seine Krawatte glatt und machte die ersten beiden Knöpfe seiner Jacke zu. 

Shinjiro stellte sich vor Hitomi und ihre Blicke trafen sich, beide grinsten einander an. In ihren Augen funkelte die Liebe, die sie verband. Shinjiro musterte sie: Das blau-weiße Kleid stand ihr fabelhaft, ihre Haare waren leicht und elegant gesteckt.

Noch immer war sie an seiner Seite, sie hatte tatsächlich auf ihn gewartet. Manchmal musste er sich selbst daran erinnern, dass das alles kein Traum war, sondern Wirklichkeit. Er ging langsam einen Schritt auf sie zu: „Ich liebe dich“, flüsterte er leise. Sie blickte auf und sah ihn tief in die Augen, ihr Lächeln legte sich sanft über ihr Gesicht. Langsam schüttelte sie den Kopf, ohne den Blick abzuwenden: „Du glaubst gar nicht, wie sehr“, hauchte sie zurück. Ein kleines schelmisches Lächeln huschte über sein Gesicht, bevor er ansetzte etwas zu sagen.

„Ich bin übrigens anwesend!“, durchschnitt Fireball augenrollend die romantischen Anwandlungen seiner Eltern. Hitomi kicherte leise, während Shinjiro nur kurz die Augen schloss und den Kopf schüttelte. Beide sahen sich belustigend und etwas erwischt an, Shinjiro drehte sich in die Richtung seines Sohnes und sagte, gespielt streng: „Ich liebe deine Mutter, sonst gäbe es dich nicht!“ Beim letzten Teil drehte er sich wieder zu Hitomi. 

Hitomi blickte zu ihrem Sohn, sie war sich sicher, dass es ihm gerade mega peinlich war, musste sich jedoch ein Lachen verkneifen. Und ja, Fireball war es peinlich! Genervt zog er sich schnell seine Schuhe an und sagte, als er Richtung Tür verschwand: „Oh bitte keine Details!“ und war auch schon weg, Hitomi und Shinjiro lachten los. 

Absatz 5

„Puh …“, lehnte sich Fireball gegen die Tür, doch auch hier war er nicht allein. Im Gang standen seine Großeltern und sein Onkel Royu, ebenfalls in Uniform und alle blickten ihn fragend an. Fireball stieß sich von der Tür ab und stellte sich etwas abseits, um auf Aaiko zu warten, die sich bestimmt auch noch am Zurechtzupfen war. Alle waren ruhig, gesprochen wurde nur das Nötigste und auch das nur im ruhigen, flüsternden Ton. Man konnte die Anspannung fühlen. Fireball blickte auch nochmal an sich hinab, er trug als einziger in dieser Runde keine Uniform, er würde das Oberkommando heute als Zivilist und als Gast betreten. Wie gern hätte er bei seinen Freunden und Team gestanden. Doch über diese nicht mehr existierende Tatsache, war er fast hinweg, er freute sich nun einfach, bald aus diesen Gefängnismauern herauszukommen und seine Freunde wiederzusehen. 

Es kamen immer wieder Anweisungen, vom Sicherheitsdienst und den Organisatoren, wohin jeder zu gehen und zu stehen hatte und es keine Abweichungen davon geben sollte. “Blah – Blah“, es war eh immer das gleiche … So langsam aber sicher schlug seine Anspannung in Ungeduld um.

Doch da kam sie seine Aaiko, er strahlte, denn so hatte er sie noch nie gesehen, ein schlichtes aber trotzdem sehr elegantes Kleid, ihre Haare waren ausgesprochen schön zurecht gemacht und sie trug dezentes Make-up, überhaupt waren alle Frauen in diesen Raum heute besonders schön, aber er hatte gerade nur Augen für sie, er ging zu ihr und strahlte sie an: “Wow heute übertriffst du sie alle!” sagte er und sie strahlte ihm mit ihrem schönsten Lächeln an. 

Aufbruch

Nebenher machten sich alle anderen auf den Weg zum Kavallerie-Oberkommando. Zum Schluss würde Captain Hikari und seine Familie das Hotel verlassen und plötzlich lag auch die Aufmerksamkeit wieder stark auf ihm. Eigentlich wollte Fireball mit dem Rest der Familie fahren, doch sein Vater hatte darauf bestanden, ihn an seiner Seite zu wissen. Diese Tatsache freute ihn zwar, doch die mediale Aufmerksamkeit war ungewohnt. Tief atmete Fireball ein und ließ die Luft hörbar entweichen, um sich selbst zu sammeln. Aaiko merkte, wie nervöser ihr Freund von Minute zu Minute wurde: „Du schaffst das!“, versuchte sie ihn mitzumachen. Fireball nickte und hauchte ihr ein leises: „Ja …“, entgegen. Da traten sein Vater und seine Mutter aus der Suite und alle gingen gemeinsam in die Hotellobby.

Im Oberkommando

Saber, Colt, April und die weiteren Teammitglieder trafen fast gleichzeitig am verabredeten Treffpunkt im Oberkommando ein. Auch im KOK lief die Live-Übertragung, jedoch ohne Ton, über die Bildschirme. Solange sie sich im Gebäude aufhielten, genossen sie noch ein Stückchen Privatsphäre, denn das Innere im Oberkommando durfte nicht fotografiert oder gefilmt werden.

Saber blickte sein Team an. Auf jeden Einzelnen war er stolz! Sein Blick wanderte über die Uniformen, prüfte, ob bei jedem alles ordentlich saß. Und doch war das Bild nicht, wie es sein sollte. Obwohl sie sich alle in den letzten Wochen aufeinander eingespielt hatte und jeder wusste, was er zu tun hatte, fehlte jemand und gerade heute fiel es Saber besonders auf. Er hoffte, dass er irgendwie Zeit finden konnte, mit Fireball zu sprechen, er war sich sicher, dass vieles zwischen ihm und dem jungen Japaner lag, das wollte Saber bereinigt wissen! Doch jetzt wandte er sich an sein Team: 

„Team Ramrod, zeigt heute, dass wir zusammengehören! Und ich möchte, dass ihr alles genießt, es ist auch euer Tag!“ Sein Team salutierte vor ihm, und Saber erwiderte den Gruß mit einem breiten Grinsen, das seine Truppe ansteckte: „Na dann, los! Hoch mit euch und raus mit euch!” sagte er und trat als erster über die Schwelle zum Vorfeld.

Einer nach dem Anderen betrat den Paradeplatz, ab jetzt gehörten sie der Öffentlichkeit. Um sie herum war das geschäftige Treiben in vollem Gange. Ihre Familien waren schon auf die Gästetribüne gebracht worden. Und da waren sie auch schon von einer Kamera entdeckt worden, Team Ramrod war schließlich jeden im neuen Grenzland ein Begriff.

Der Kameramann ging mit ihnen und ein Platzanweiser brachte das Team zu ihrem vorgegebenen Platz am Teppich. Die Kamera verfolgte sie bis zum Endpunkt und holte jeden nach und nach in Großaufnahme ins Bild. Robin schmunzelte, als sie ihren Cowboy auf dem Monitor erblickte.

Für Colt war das alles ganz schön viel, doch er wollte, wie Saber gesagt hatte, es einfach genießen. So viel Aufmerksamkeit war ungewohnt, aber nicht unangenehm, wie er fand … Na ja, zumindest bis zu einem gewissen Grad. Und er gehörte schließlich zu diesem Team, und das erfüllte ihn mit Stolz. 

Colt blickte, nachdem sie am Teppich ihre Plätze eingenommen hatten, zur Gästetribüne und suchte seine Robin, er sah sie nicht, aber er wusste, sie war da! Die Eindrücke waren gigantisch, sogar Ramrod stand auf hochglanzpoliert gut sichtbar neben dem Paradeplatz, das Flaggschiff wurde gerne eingeblendet, sowie die Peacekeeper sieben und die Royal Monarch Supreme. Die Militärkapelle nahm ebenfalls nach und nach ihre Plätze ein. Er schaute weiter, weiter hinten, aber noch nah genug standen Truppen von verschiedenen Teilen der Kavallerie und Delegationen von der Erde. Der Cowboy erkannte als Erstes die Engländer mit ihren tollen Mützen, die Schotten mit ihren Röcken, ups nee Kilts, berichtigte er sich schnell in seinen Gedanken, bevor Saber es tat und er musste grinsen. Er blickte zu Saber, der neben ihm stand und ihn an grinste und garantiert gerade die gleichen Gedanken hatte: “Mega, oder?” fragte er. Saber nickte und setzte sich seine Sonnenbrille auf und blickte auf seine Uhr, in 30 Minuten würde es losgehen! Punkt 10 Uhr, so stand es jedenfalls auf dem Ablaufplan. 

Saber entdeckte Sincia auf der Tribüne, sie saß neben Robin, es war schön sie auch hier zu wissen, da sich ihre Beziehung wieder so vertieft hatte, nach den vielen Gesprächen. Saber schaute zu einem Übertragungs-Monitor, das Hotel war zu sehen und König Jarred verließ gerade das Gebäude und stieg mit seiner Frau und seinem Sohn Roland in die schwarze Limousine. 

„König Jarred ist auf dem Weg!“, teilte er seinem Team mit.

Auch April ließ die Bilder auf sich wirken. So etwas hatte sie selbst noch nicht erlebt, obwohl sie im Oberkommando groß geworden war, kleine Zapfenstreiche und Paraden, mal ausgenommen. Aber das hier war etwas Einmaliges, und sie durfte es aus der ersten Reihe miterleben. Sie sah ihren Vater auf dem Monitor und musste lächeln. Nun wurde die Luftaufnahme des Hauptveranstaltungsortes eingeblendet. Von oben wirkte alles riesig und imposant, doch hier unten, mittendrin, sah man nur Menschen, die dem Ereignis erwartungsvoll entgegen fieberten.

Eine Limousine wurde gezeigt, die gerade auf dem Rollfeld einfuhr und mit einem bekannten Trompeten klang angekündigt wurde, es war die Fanfare des Königreichs Jarr. Im nächsten Moment fuhr eine zweite Limousine auf den Platz und die Generäle wurden auf der Tribüne platziert, sie sah ihren Vater, der sich ebenfalls gerade einen kleinen Überblick verschaffte, sein Blick traf den ihren und sie lächelten sich zu. 

Saber blickte zur Seite, während sich die Anwesenden mit Salut und Handschlag begrüßten. Er stellte sich leicht schräg, um einen Blick auf Ramrod zu erhaschen. Ja, der Friedenswächter, sein Schiff sah großartig aus, wie er da so in der Sonne glänzte. Er schmunzelte und richtete den Blick wieder auf den großen Monitor: Captain Hikari verließ zusammen mit seiner Frau und seinem Sohn das Hotel. Saber musste innerlich grinsen, er wusste genau, dass das alles so gar nichts für seinen ehemaligen Piloten war.

April, die ebenfalls zum Monitor blickte, bekam große Augen. „Das soll Fireball sein?“, dachte sie und musterte ihn eine ganze Weile. Irgendwie wirkte er so ganz anders, oder war es der Anzug, der ihm so ausgezeichnet stand? 

Absatz 8

„Na gut, sie sind unterwegs!“, holte Saber sein Team ins Hier und Jetzt zurück.
„Noch gute 15 Minuten!“, ergänzte der Schotte und wies sein Team an, in Aufstellung zu gehen. Colt trat neben Saber, und die beiden nickten sich stumm zu. Langsam lichtete sich das Menschen-Chaos um sie, und Ordnung kehrte in die Reihen der Teams und Einheiten ein.

Aus der Vogelperspektive ließ sich nun eine klare Ausrichtung erkennen: Neben dem fünf Meter breiten blauen Teppich standen die besten Einheiten des Kavallerie-Oberkommandos in perfekter Formation.

Die Limousine mit Captain Hikari hielt schräg hinter der Tribüne und er stieg gemeinsam mit Fireball aus. Der Wagen fuhr weiter in Richtung Gästetribüne, wo Hitomi ausstieg. 

Colonel Murry nahm sich, wie wohl abgesprochen Fireball an und die beiden wurden rechts neben der Tribüne platziert: “Wir ziehen die ganze Sache jetzt gemeinsam durch und heute Abend gibt es ein leckeres Dinner!” sprach der alte Fluglehrer und Fireball musste lachen, atmete dann tief ein und sah in die Gesichter, welche in seiner unmittelbaren Umgebung standen, neben ihm stand die Air Base aufgereiht und Captain Lorenz nickte ihm zu. 

Gegenüber entdeckte er die Ramrod-Crew und hielt kurz seinen Atem an, während er sie musterte. Die neuen Uniformen standen ihnen gut und Colt grinste ihn die ganze Zeit an. Fireball nahm es jetzt erst wahr und nickte den Cowboy frech grinsend zurück. “Ein Cowboy ohne Cowboyhut, kein Wunder, dass er seinen Freund nicht sofort erkannt hatte!” musste Fireball innerlich lachen. Aber Colt sah wirklich gut aus, das musste er zugeben.

Sein Blick wanderte weiter zu Saber, dessen Uniform natürlich herausstach, die individuelle Note des Kilts unterstrich seine Autorität. Der Schotte musterte ihn freundlich und Fireball erwiderte den Blick etwas unsicher. Er hatte keinen Plan, wie er dem Schotten in nächster Zeit gegenübertreten sollte. Als sein Blick nachdenklich schließlich auf April fiel, verharrte er etwas, die Blondine und er blickten sich einige Sekunden in die Augen

Ein Ton erklang über den Lautsprecher und beiden lösten, fast erleichtert einatmend, ihre Blicke. Ein Sergeant rief laut: “Achtung!” und alle richteten sich zum “Stillgestanden aus.” Es wurde still, man hörte kein Gerede mehr, alles, was man vernahm, waren die umliegenden Geräusche wie entfernte Flugzeuge, die den Luftraum für diese zwei Stunden sicherten. Es ging los. Team Ramrod stand parat, Saber atmete tief ein und aus. So eine stille auf dem Vorrollfeld war wohl schonmal das erste Ereignis des Tages. 

Nach gefühlten endlosen Minuten kam ein dumpfes Geräusch, der Basstrommel der Militärkapelle, die durch Mark und Bein ging. Ab dem ersten Schlag schritt der noch bestehende Militärstab mit General Whitehawk den Teppich entlang. Es waren insgesamt 3 Schläge in einem gleichen Abstand. Die Zeremonie war damit offiziell eröffnet. Auch Robin und Sincia waren aufgestanden, so wie alle anderen auf der Gästetribüne. Es begann anders als erwartet. Robin hatte mit Trompeten gerechnet, doch das gefiel ihr sehr gut! 

Hitomi ließ ihre Augen nicht von ihrem Mann, was ging gerade in ihm vor? Sie schickte ihm ihre liebenden Gedanken! Der Stab richtete sich auf der Tribüne aus und salutierte ebenfalls vor den ganzen Truppen, Verbände und Delegationen, Einheiten und Teams. Der letzte Schlag erklang! “Rühren!” gab der Sergeant zu verstehen. 

Der Stab setzte sich und ein Rednerpult wurde aufgestellt. Die Blicke der Anwesenden richteten sich gespannt auf den Bürgermeister von Yuma-City, der mit fester Stimme das Wort ergriff. Nachdem er seine Rede beendet hatte, trat Commander Eagle vor, mit einem leichten Lächeln auf seinen Lippen, begann er Geschichten aus der Geschichte der Kavallerie zu erzählen, doch hinter jedem Wort schwang auch ein Hauch von Abschied mit: „Ich bin stolz auf die vergangenen Jahre und auf das, was wir gemeinsam erreicht haben. Zusammen haben wir gezeigt, dass wir jede Herausforderung meistern können. Heute stehen wir erneut vereint, bereit, unseren größten Feind, die Outrider, zu bezwingen. Mit dem heute neu gewählten, noch unbekannten Militärstab werden wir diesen Weg gemeinsam gehen.“ beendete Eagle seine Rede und die Offiziere applaudierten, April wischte sich auch ein Tränchen weg. 

Die Kapelle spielte ein feierliches Militärlied und als die letzten Töne verklungen waren, trat König Jarred ans Mikrofon. Er verkündete seinen militärischen Zusammenschluss mit dem neuen Grenzland und erklärte, dass ihn das Vertrauen an der militärischen Spitze des Grenzlandes zu diesem Schritt bewogen habe. Die Menge applaudierte, und alle bereiteten sich auf den bevorstehenden Marsch vor.

Alle Verbände der angereisten Truppen marschierten und stellten sich schließlich im Halbkreis hinter der Tribüne auf, bereit für die abschließende Vereidigung. Im Hintergrund dröhnten die Hochleistungstriebwerke der Jets. General Whitehawk verkündete, dass Captain Hikari nun offiziell das Kommando über die Air Base an Captain Lorenz übergab.

Zwei Minuten später starteten die Jets und flogen über die Köpfe der Versammelten hinweg, wer eine Mütze aufhatte, hatte sie nun nicht mehr auf. 

Die Jets sammelten sich in Pfeilformation in der Luft, an der Spitze führten zwei Jets: der vordere von Captain Hikari, der hintere Captain Lorenz, gefolgt von den 30 weiteren Maschinen der Einheit. Sie vollführten eine Schleife. Und Colt war immer wieder beeindruckt, dass die sich da oben nicht über den Haufen flogen. 

Als die Jets den Mittelpunkt des Geschehens erreichten, zog sich Captain Hikari nach unten zurück und Lorenz übernahm dessen Position an der Spitze.

Am Boden salutierte man den Jets zu, während sie noch einmal Vollgas gaben und ihr Rauchwerk zündeten. Am Himmel bildeten 31 weiß-blaue Streifen einen beeindruckenden Salut für den abgetretenen Captain. Captain Hikari, der quer durch das Rauchwerk flog, atmete tief ein, denn auch für ihn war es ein Abschied als Captain der Air Base. Dann setzte er, ohne lange darüber nachzudenken, zur Landung an.

Hitomi musste sich eine Träne wegwischen. Es begann nicht nur etwas Neues, sondern für Shinjiro ging hier auch etwas zu Ende. Sie wusste, dass ihm das Fliegen immer mehr bedeutet als der Rang des First Grad.

Fireball schaute nach oben, er war ganz ergriffen von dieser Geste und der bewussten Übergabe des Kommandos. Lorenz war damals vor sechzehn Jahren automatisch Captain der Air Base geworden, nachdem er zuvor Wingman und erster Offizier seines Vaters gewesen war. Zwar hatte sich das Kommando geändert, doch mit dem Auftauchen seines Vaters unterstand die Air Base noch immer ihm. Nun war Captain Lorenz offiziell der Befehlshaber der Air Base und jetzt wusste es jeder.

Saber nickte, das nannte er mal einen Act, einen Kameraden öffentlich zu ehren! Sogar Colt fand diese Geste von Hikari cool, auch wenn er selbst für die nächsten Minuten taub sein würde, diese Jets machten ein Höllenlärm! Captain Hikari war bereits wieder gelandet. Diese Minuten wurden für eine Pause und den Umbau genutzt. Lorenz und die Air Base kamen auch wieder hinzu.

Vereidigung

Ein Sergeant rief laut: „Achtung!“ und augenblicklich erstarrte alles.

Captain Hikari betrat allein die Tribüne, in der Uniform des First Grad, noch ohne Abzeichen und Orden. Für einen Moment stand er dort und blickte in die uniformierten Menschen.

Fireball spürte, wie sich eine Gänsehaut über seine Arme legte. Der Anblick seines Vaters, so gefasst und souverän, machte ihm die Knie weich. Für ihn war das ein Augenblick voller Ehrfurcht, und sein Vater stand da, als wäre es das Selbstverständlichste der Welt.

Saber beobachtete seinen Vorgesetzten aufmerksam, doch in dessen Gesicht war nichts zu lesen. Keine Regung, kein Zucken. Da erklang die „Kreuzritter-Fanfare“. Ein ehrfurchtgebietender Klang erfüllte den Platz und hallte zwischen den Tribünen wider. Der alte Militärstab setzte sich am anderen Ende des Teppichs in Bewegung. Schritt für Schritt rückten sie vor, feierlich und mit ernsten Mienen. Nun würde sich das Geheimnis lüften – wer Captain Hikari nach der Vereidigung die fünf Sterne des First Grand an die Uniform anheften würde.

Je näher der alte Stab auf Shinjiro zukam, desto schneller schien sein Herz das Blut durch seinen Körper zu jagen. Und doch, da war sie eine Reaktion. Captain Hikari atmete tief ein, sein Blick blieb jedoch fest auf die Männer gerichtet, die mittig über den blauen Teppich auf ihn zukamen.

Saber ließ den Blick schweifen und sah, wie König Jarred, General Francis, General Whitehawk und General Finalli immer näher kamen. Sie blieben vor der Tribüne stehen und warteten, bis die letzten feierlichen Töne der Fanfare verklungen waren.

Dann trat Stille ein. Captain Hikari salutierte und die Männer erwiderten die Geste.

König Jarred trat an Captain Hikari heran. Die beiden Männer blickten sich kurz, respektvoll, aber ohne jede Regung von Vertrautheit an. Professionalität lag in jeder Geste der beiden. Jarred sprach leise einige Worte zu Hikari, der nur stumm nickte. Ein Offizier trat vor und stellte ein Mikrofon auf. Colt reckte neugierig seinen Kopf in die Luft, um besser sehen zu können. Zwei Kameras richteten sich aus, das Licht spiegelte sich auf dem silbernen Rand des Mikrofons. Dann begann König Jarred, den Eid vorzusprechen – klar und feierlich, mit der Autorität eines Monarchen. Gut, damit war das Geheimnis gelüftet, wer Captain Hikari den Eid abnahm. Captain Hikari wiederholte die Worte ruhig und gefasst, seine Stimme hallte über den Platz und schien doch ganz bei sich zu bleiben. 

Colt flüsterte zu Saber: „Mist, ich habe die Wette verloren, ich hatte auf Whitehawk gesetzt.“ Saber schüttelte amüsiert mit seinem Kopf, ihm war klar gewesen, dass diese Wetten nicht spurlos an seinem Team und vor allem nicht an den Cowboy vorbeigingen und wandte sich wieder dem Geschehen zu.

Der Eid war gesprochen. Stille legte sich über den Platz. Ein Offizier trat hervor und brachte das Emblem sowie die fünf Sterne. König Jarred verließ die Tribüne, ein leises Gemurmel ging durch die Reihen. Captain Hikari blickte geradeaus und zog leicht die Augenbrauen zusammen, ein winziges Zucken, so subtil, dass es fast niemand bemerkte. Doch Hitomi bemerkte es, sie ließ ihren Mann nicht aus den Augen, weder auf dem Monitor noch in der Ferne.

Saber richtete seine Aufmerksamkeit auf den blauen Teppich. Dort ging er – der Mann, der aus Shinjiro Hikari den First-Grad gemacht hatte. Schritt für Schritt bewegte er sich auf die Tribüne zu, jeder Schritt fest, durchdrungen von unmissverständlicher Autorität. Colt trat ebenfalls einen Schritt vor, prüfend, und murmelte: „Na toll, jetzt hat keiner gewonnen!“ Saber blickte zu Colt.

Der ältere Hikari trat vor seinen Sohn. Dieser sah ihn ernst an – mit einem Blick, den niemand zu deuten wagte, fast so, als schaue er durch seinen eigenen Vater hindurch. Hitomi beobachtete die Szene auf der Leinwand in Nahaufnahme. Sie wusste nicht, was dieser Blick zu bedeuten hatte. Sie wandte ihren Blick zu Kaasan, die ihre Arme verschränkt hielt. Hatte sie es etwa gewusst?

First Grad

General Hikari nahm die Sterne entgegen und steckte sie seinem Sohn an. Mit jedem angesteckten Stern schien Shinjiros Brust enger zu werden, als würde der Sauerstoff in seinem Körper schrittweise schwinden. Er spürte die Schwere der Sterne nicht nur an seiner Uniform, sondern wie sie eine physische Last auf seinen Schultern wurden, jeder einzelne von ihnen war ein Symbol für die unzähligen Leben, die nun in seinen Händen lagen. Ein scharfer Druck drängte seine Lungen weiter zu atmen, doch sein Blick blieb starr nach vorn gerichtet, unbeirrbar und ernst, obwohl sein Inneres beinahe zerspringen wollte. Zum Schluss salutierte sein Vater, trat einen Schritt zurück zu den anderen Generälen. Captain Hikari war jetzt offiziell der erste First-Grand des neuen Grenzlandes.

Fireball stand still, seine Augen beobachteten jeden Handgriff und jede Geste, alles von ihm war auf seinen Vater fixiert. Eine kräftige Hand legte sich auf seine Schulter und katapultierte ihn zurück ins Hier und Jetzt. Er blickte zur Seite, wo Colonel Murry ihn angrinste: „Na, es scheint, als hätte man deinem Vater gerade eine ganze Galaxie auf seine Brust geschnallt, diese Sterne sind ja fast so golden wie sein Ego!“ Fireball konnte sich ein kleines Schmunzeln nicht verkneifen, obwohl sein Herz noch immer vor Aufregung hämmerte, wurde ihm auch gerade die Verantwortung, die daran hing, bewusst. Tauschen wollte er jetzt nicht mit seinem Vater.

Saber Rider and the Star Sheriffs

Es wurde wieder still. „Was passiert jetzt?“, fragte Colt, „Er wird jetzt seinen Stab zusammenstellen!“, erklärte der Schotte.

Eine Trompete erklang, und als der Ton verklang, salutierten alle Teams, Truppen, Einheiten und Delegationen. Hikari wartete einen Augenblick und tat es ihnen allen gleich. Ein Signalton ertönte über die Lautsprecher. In den TV-Studios öffnete man die versiegelten Umschläge, um den Zuschauern den Stab im Moment der Wahl vorstellen zu können.

First-Grad Hikari stieg von der Tribüne, ohne Musik, ohne Eskorte, ohne jemanden vor, neben oder hinter sich und lief auf dem Teppich an allen Truppen und Einheiten vorbei. Am Ende warteten seine Sekretärin Miss Ellnys und ein Mann in roter Uniform, die einige Mappen in den Händen hielten.

Saber und Colt blickten gespannt zum anderen Ende. Auf der Tribüne wurde der neue Teppich mit dem neuen Emblem des Neuen Grenzlands in der Mitte verlegt, denn dort würde in wenigen Minuten der neue Stab stehen. 

Es erklang eine einsame Trommel, und Saber erkannte dieses Lied sofort, es war “Highland Cathedral” – “was eine passende Musikwahl für den jetzigen Akt!” fand er. 

Die Bagpipes begannen einzustimmen, und als das Orchester einsetzte, setzte sich auch der First-Grad in Bewegung. Zuerst hielt er vor Colonel Rosso, dem Befehlshaber der Task-Force des Kavallerie Oberkommandos. Rosso wirkte kurz perplex, nickte und salutierte. Der Mann in der roten Uniform überreichte Colonel Rosso eine schwarze Mappe mit goldener Aufschrift. Anschließend schritten Hikari und Rosso weiter, Schritt für Schritt durch die Reihen der Truppen.

“Ok Rosso gehört schon mal dazu, auf den hatte ich auch gesetzt“, kam Getuschel hinter Saber, so wie es aussah, hatte sein Team kräftig mit gewettet, Saber Grinste und hakte ebenfalls seinen Einsatz als gewonnen ab. Hikari kam näher und stoppte vor Captain Lorenz, dieser musste sein breites Grinsen stark unterdrücken, sah jedoch Hikari dabei schelmisch an und nickte, Hikari sagte ebenfalls etwas zu dem Captain der Air Base, beide salutierten sich zu. Danach bekam auch Captain Lorenz, eine schwarze Mappe überreicht. “Da standen die Wetten gut, fast jeder hatte auf Captain Lorenz getippt!” Kam es von Alex im Hintergrund. 

Saber nickte und freute sich für Lorenz. Jetzt gingen Hikari, Rosso und Lorenz zusammen weiter, sie waren nur noch wenige Meter von der Tribüne entfernt, da stoppte Hikari vor dem Ramrod Team. Saber erschrak, Colt war sprachlos und beobachtete die Szene neben sich: “Was, Saber? Sein Boss?” Colt bekam eine Gänsehaut, die sich über seinen gesamten Körper ausbreitete. April trat einen Schritt näher, sie konnte es nicht fassen, was gerade vor ihr passierte. “Captain – Major Lancelot, willkommen im Stab des neuen Grenzlandes!” sagte Hikari und salutierte vor Saber. 

Sabers Herz setzte für einen Moment aus, so fühlte es sich jedenfalls an. Schnell salutierte der Schotte und bedankte sich mit einem Lächeln. Und Saber bekam ebenfalls besagte schwarze Mappe mit Goldschrift gereicht und schloss sich den anderen an. Colt schlug Saber kurz bevor er losging noch schnell auf seine rechte Schulter. Sincia, Sabers Mutter und Robin waren von ihren Plätzen aufgestanden, sie konnten nicht glauben, was da gerade geschah. 

Genau wie viele weitere auf den Tribünen und am Teppich. Edward, der das alles von der schottischen Delegation aus beobachtete, musste einige Mal tief einatmen, damit hatte er ganz ehrlich nicht gerechnet. Und er salutierte dem Bild seines Sohnes auf der Leinwand zu und seine Augen wurden feucht vor väterlichen Stolz! Ein General neben ihm sagte: “Meinen Glückwunsch, Edward!” 

Saber ging den Teppich neben Lorenz und Rosso entlang, es fühlte sich an, als ginge er durch einen Tunnel, aber er bekam alles um sich herum mit, dazu auch noch die Musik aus seinem Heimatland! Die letzten Meter waren geschafft, sie stiegen auf die leere Tribüne und positionierten sich neben dem First-Grad und lauschten den letzten Klängen von “Highland Cathedral” 

Saber blickte über den Paradeplatz und zwang sich, es wahrzunehmen. Unter seinen Füßen auf der Tribüne prangte das neue Emblem des Grenzlandes. Saber ließ den Blick in den Himmel schweifen, nur um ihn dann wieder zu senken. Seine Augen glitten über sein Team, bis zur anderen Seite, wo sie Fireball fanden. Auf dessen Gesicht spielte ein Lächeln, und Fireball grüßte Saber mit einem Salut. Saber deutete ein Nicken an und atmete tief ein. Das Lied endete. 

Und plötzlich brach Jubel aus. Es war so weit – das Grenzland hatte eine völlig neue militärische Führung, und das musste gefeiert werden. „Yippie-Ya-Yeah!“, rief Colt voller Freude. Mitten in diesem Jubel stimmten die „Royal Scots Dragoon Guards“ einen feierlichen Song an. „Was für eine Dudelei heute hier!“, dachte Colt amüsiert – aber es passte. Saber sah seinen Vater auf die Tribüne zukommen. Dieser salutierte vor ihm, und Saber erwiderte grinsend den Gruß und salutierte ebenfalls.

Damit war die Vereidigung im Oberkommando offiziell beendet. Heute Abend jedoch würde auf dem Rollfeld weitergefeiert, mit einer Bühne und viel guter Musik. Und das ohne die ganzen „Hohen Tiere“, wie Colt sie immer noch scherzhaft nannte, für die gab es im Opernhaus auf Yuma ein Generals-Dinner. Hinter der Tribüne hielt eine schwarze Limousine, Captain Hikari sah seinen Stab an, nickte ihnen zu und verließ ohne ein Wort zu sagen die Tribüne und stieg in das wartende Auto. 

Lorenz trat an Saber: “Na dann Richard auf gute Zusammenarbeit!” Saber nickte und grinste, “Ebenso!” Ein Veranstalter bat sie, die Tribüne aus Sicherheitsgründen zu verlassen. Sie sollten hinter den abgesperrten Bereich gehen. Dort hielten auch die Limousinen. Saber nickte, er brauchte eh einen Stuhl und vor allem etwas zu trinken!

Captain Hikari stieg in die Limousine und saß Jarred gegenüber, ein Umstand, der ihn eigentlich hätte freuen sollen. Doch gerade fehlten ihm sowohl Gedanken als auch Worte. Alles, was in den letzten zwei Stunden geschehen war, musste erst einmal sacken. Zwei Stunden im grellen Licht der öffentlichen Aufmerksamkeit hatte ihn ausgesaugt und länger hätte er vermutlich auch gar nicht mehr standhalten können. Jetzt, in der gedämpften Stille des Wagens, spürte er erst, wie schwer die Luft um ihn geworden war. Jarred schwieg und blickte nach draußen, der Wagen verließ mit Eskorte das Kavallerie-Oberkommando. 

Lorenz und Saber kamen im Sicherheitsbereich an, ab hier waren Kameras verboten und es gab Sitz und Trinkmöglichkeiten. Saber setzte sich und ließ sich ein Wasser bringen und sah sich die Mappe, welche er bekommen hatte genauer an. Enthalten war das neue Emblem des Oberkommandos und das persönliche Stabsabzeichen, Saber lachte innerlich auf, als er das vergoldete kleine Wappen in deiner Hand hielt, “Seit wann stand das wohl fest?” fragte er sich und fischte zusätzlich seine neue Keycard und zwei Gästekarten für das Generals-Dinner heute Abend heraus. Lorenz, der neben Saber saß, holte eilig seinen Kommunikator aus der Tasche. 

“Was ist jetzt passiert?” fragte Saber, Lorenz sah den Schotten an: “Ich muss meine Frau anrufen, dass wir hier heute keine Party machen, sondern …” und er wedelte mit den Karten des Generals-Dinners und telefonierte auch schon. Saber riss seine Augen auf und er schrieb Sincia, damit sie genügend Zeit hatte, sich darauf vorzubereiten und musste schmunzeln, “ja es war sicherer, sowas den Frauen sieben Stunden vorherzusagen!” Er schrieb auch Colt, dass sie sich in einer Stunde im Offizierskasino treffen würden. Nicht weil er noch etwas zu erledigen hatte, nein, diese eine Stunde brauchte er, um von dem Adrenalinschub herunterzukommen. 

Jetzt war er offiziell im Militärstab des Neuen Grenzland, allein dieser Gedanke schien gerade noch so weit weg, was würde da jetzt alles auf ihn zukommen? Es ist ihm eine Ehre, keine Frage! Doch länger darüber nachzudenken brachte jetzt auch nichts, er musste sich ablenken und fischte erneut seinen Kommunikator hervor, er war neugierig, wie die Wetten standen, schließlich hatte auch er auf Lorenz gesetzt.

Kopfschmerzen

Captain Hikari saß in der Limousine und hatte seine Augen geschlossen, der erste und vermutlich anstrengendste Akt war abgeschlossen, jedenfalls sobald er in seiner Suite war. “Wie geht es dir?” wollte Jarred wissen, der seinen Freund vor sich beobachtete. Shinjiro hob schwerfällig seinem Kopf, den er auf einer Hand abgestürzt hatte und sah Jarred an: “Gut.” war seine knappe Antwort und setzte sich wieder auf, “ich bin froh, wenn alles vorbei ist!” Jarred nickte verstehend: “Es verlief alles ohne Verzögerungen oder Zwischenfälle!” berichtete ihm Jarred. Shinjiro nickte nur. Jarred wusste, dass sein Freund jetzt erst einmal Ruhe brauchte, er kannte es von sich selbst, von großen Staatsanlässen oder Paraden. 

“Wessen Idee war das denn?” Fragte Shinjiro rau und räusperte sich direkt, dass ihm seine Stimme versagte, damit hatte er nicht gerechnet. Jarred wusste, was er meinte: “Das stand schon damals im Protokoll.” Shinjiro nickte nur und schloss erneut seine müden, brennenden Augen. Wieder brach Schweigen zwischen den beiden aus, bis der Wagen hielt und beide strafften sich noch einmal durch: “Ok auf die letzten Meter, dann brauche ich etwas gegen diese Kopfschmerzen!” sagte Shinjiro, etwas gereizt. 

Die Tür wurde geöffnet und beide blickten sich noch einmal an: “Danke …!” sagte er, Jarred nickte seinem Freund zu und stieg als Erstes aus. Beide gingen zwischen den Reportern ins Hotel. In der Pressefreien Lobby löste sich jetzt auch Jarreds Anspannung, durch einen Hintereingang betrat die Königin gemeinsam mit Prinz Roland das Hotel. 

Shinjiro ging direkt in seine Suite und hoffe, dass Hitomi und sein Sohn auch jeden Moment sicher im Hotel eintreffen würden. Eilig öffnete er die Tür und trat ein. Er lehnte sich an die geschlossene Tür und atmete einige Male tief ein und aus.

“Endlich Ruhe” dachte er sich und begrüßte zum ersten Mal die abgedunkelten Fenster. Er atmete tief ein, was ihm nur schwer gelang, eilig begann er die Uniformjacke aufzuknöpfen und zog sie direkt aus, achtlos legte er sie über den erstbesten Stuhl. Und ging weiter in den Raum hinein, es war ein kleines Buffet aufgebaut worden und Getränke standen auch bereit, er griff nach einer Flasche Wasser und öffnete sie. Wann hatte er das letzte Mal etwas getrunken? Kein Wunder, dass er jetzt Kopfschmerzen hatte.

Sein Blick fiel auf die Jacke, die über dem Stuhl hing. Er öffnete die viel zu eng sitzende Krawatte und öffnete die ersten beiden Knöpfe seines Hemdes, bevor er die kleine Flasche Wasser leerte. Danach griff zu dem 5 Sterne Orden, welchen ihm sein Vater angesteckt hatte, kein kleines ironisches Lachen kam aus ihm und er ließ das Abzeichen wieder los: “Mission erfüllt” ging es ihm durch den Kopf, ja, sein Vater hatte sein Ziel erreicht. “Hmm …” stöhnte er und ließ von der Jacke ab und begann seine Krawatte komplett zu lösen und strubbelte sich durch seine Haare, während er im Zimmer auf und ab lief. Bevor er beschloss, duschen zu gehen, er wollte noch ein, zwei Stunden schlafen, um am Abend wieder fit zu sein.

KOK

Colt und April schlängelten sich durch die Menschenmenge im Oberkommando. Es wurde sich begrüßt und geplaudert, schließlich gab es viel zu erzählen. Einige sah man nach langer Zeit wieder und man verabredete sich für den Abend, das Vorfeld würde zu einer kleinen Partymeile werden. Doch gerade war alles hier ein Haufen Freude. 

Saber beobachtete, wie das große Schild über dem großen gläsernen Eingang von seiner Abdeckung befreit wurde. Sogar die Tassen vom Offizierskasino waren schon ausgetauscht worden, gut, dass er sich noch vier mit dem alten Logo des Oberkommandos gesichert hatte. 

Das Thema, welches ihm in der letzten Stunde immer wieder zu Ohren kam, war die nicht erfüllte Wette der Vereidigung, egal auf wen man gewettet hatte, alle hatten verloren, denn mit dem Vater von Captain Hikari hatte tatsächlich niemand gerechnet. Aber so wie überall, vernahm er auch einige kritische Stimmen, das ist durchaus akzeptabel, jeder hat darüber seine ganz eigene Meinung, die man wieder revidieren kann und auch manchmal muss. 

Wenn Saber zurück an die erste Begegnung mit Captain Hikari dachte, hatte auch er damals eine festgefahrene Meinung über ihn gehabt. Er dachte, dieser sei einer von denen, die sich unglaublich viel auf ihren Rang und Titel einbilden. Denn die Erzählungen vor dessen Rückkehr und sein Handeln waren zu Beginn sehr unterschiedlich. Aber die Erzählungen kamen von Menschen, die den Captain sehr lange auch persönlich gekannt hatten. Und in seiner Persönlichkeit hielt sich der Captain sehr bedeckt, aber immer wieder, vernahm Saber menschliche private Züge, wie die Wette mit Eagle über Colts Gesuch. Wahrscheinlich waren die Erzählungen doch nicht so weit hergeholt, als der Schotte vor einigen Monaten noch dachte.

“Mein Sohn, meine allergrößten Glückwünsche!” Saber erschrak, war er tatsächlich so tief in seine Gedanken versunken gewesen. Doch er konnte sich ein Grinsen nicht unterdrücken: „Danke, Vater, ich kann das gerade selbst noch gar nicht realisieren!” Edward lachte kurz auf: „Ja, so ging es mir auch, als ich die Szene gesehen habe.” Saber nickte: “Es ist das, worüber wir uns vor einigen Monaten unterhalten hatten Vater!” Edward nickte: “Respekt, er hätte sich auch gestandene Generäle und Colonels herauspicken können!” Saber nickte, doch weiter ging das Gespräch nicht, da kamen auch schon die Ladys auf sie zu und einige Minuten später kam Colt mit dem Rest der Ramrod-Einheit.

Alle gratulierten ihm noch einmal persönlich, klopften ihn auf seine Schultern oder drückten ihn sogar. Colt hatte vor, Saber Gewichte an den Füßen anzubringen, damit er nicht abhebe. Saber sagte den gemeinsamen Abend auf dem Vorfeld ab, er würde mit Sincia und seinem Vater zum Generals-Dinner gehen. “Sag’ ich doch Gewichte, nun mag er nicht mal mehr mit uns Speisen und Party machen.” scherzte Colt und grinste, bevor er sich jetzt den Highlander zur Brust nahm, ihm gratulierte und freundschaftlich umarmte: “Komm her, du alter Schwede!” – “Schotte, ich bin Schotte, Cowboy” – “Ach das ist eh dasselbe …” alle lachten und Robin stieß ihren Cowboy ala Frau Lehrerin an. 

April teilte mit, dass auch sie zusammen mit ihrem Vater auf dem Generals-Dinner sein würde, Saber nickte ihr entgegen: “Gut, dann sehen wir uns dort. Colt und Robin hielten am eigentlichen Plan fest und würden heute Abend mal so richtig abtanzen. Aber jetzt wollte er dringend aus diesen formellen Klamotten raus und vor allem sitzen, sitzen und ab und zu auch mal liegen, um Abend eine flotte Sohle mit Robin auf das Parkett legen zu können! Und so waren Robin und Colt die ersten, die das Oberkommando verließen. Nach und nach löste sich die Gruppe auf, und die diensthabende Ramrod Crew bezog ihre Stellung an Bord, des Friedenswächters.

Hotel

Hitomi und der ganze Rest waren vor einigen Minuten im Hotel angekommen, sie wussten, dass Jarred in der Limousine gesessen hatte, die Shinjiro vom Vorfeld abgeholt hatte, damit er in den ersten Minuten danach nicht allein sein musste. Leise betrat Hitomi die Suite, sie sah seine Uniform, die über einem Stuhl lag, und sie wusste, dass er sich hingelegt hatte.

Shinjiro löste diesmal ein Fliegenproblem seines Sohnes, der ihm gerade sein Leid klagte, dass Aaiko heute so gar nicht ansprechbar war. Shinjiro grinste dabei, er wusste, was sein Sohn meinte: “Shinji, Frauen wollen bei solchen Anlässen einfach nur glänzen und sich auf hübschen. Ich bin mir sicher, du wirst eine wunderschöne Frau gleich an deiner Seite haben!” sagte er zu seinem Sohn und beendete seine Handgriffe an der Krawatte. Fireball nickte nur leicht und zog sich die schwarze Weste seines Dinner-Anzuges an und fragte: “Müssen wir den ganzen Abend bleiben, reicht es nicht bis zum Dessert?” und griff nach seiner Jacke aus schwarzem Samt. 

Shinjiro der gerade seinen Kragen hochklappte, um sich nun auch seiner Fliege zu widmen, fragte: “Warum, habt ihr noch was vor?” Fireball trat hinter seinen Vater in das Sichtfeld des Spiegels und atmete sichtbar ein und pustend wieder aus.” Shinjiro verstand. Das war wohl nicht in Worte zu fassen. Und legte sich seine Fliege um und brachte den Kragen seines Hemdes in Form.

Daraufhin schloss er die Knöpfe seiner Weste und griff nach seiner ebenfalls aus Samt bestehende Jackett Jacke in der Farbe Midnight Blue, sie gab einen dezenten Glanz ab und hob sich elegant von der maßgeschneiderten schwarzen Stoffhose ab. 

“Ihr wollt ins Oberkommando, auf die Party, oder?” fragte er und drehte sich zu seinem Sohn, dieser grinste. Shinjiro richtete seine Hemdsärmel unter seiner Jackett Jacke aus und steckte die tiefblauen Manschettenknöpfe an: “Ich möchte erst die Lage vor Ort wissen, wenn dort alles ohne Zwischenfälle abläuft, bekommt ihr mein Ok, mit der Bedingung, dass ihr bei Royu bleibt! Und auf die Security hört!” sagte er und ging zum Tisch. Fireball rollte darauf kurz mit seinen Augen und folgte seinem Vater. Shinjiro holte eine Uhr aus einem Etui und legte sie sich an. Echt jetzt einen Babysitter?” fragte Fireball leicht genervt. Shinjiro lachte kurz auf und sagte: “Hey, es ist Royu, er bräuchte einen!” und musste kurz auflachen, als er merkte, dass er es tatsächlich gerade laut ausgesprochen hatte, Fireball lachte mit und sagte: “Ok, hast recht, dann lieber mit Royu, als gar nicht!” und Shinjiro nickte seinem Sohn zu.

Fireball ging eilig in Richtung Tür, um Aaiko von der guten Nachricht zu berichten, doch bevor er die Suite seiner Eltern verließ, grinste er seinem Vater entgegen: “Nicht nur ich werde eine schöne Frau heute an meiner Seite haben, ich vermute du auch und zeigte Richtung Ankleidezimmer.” und verließ die Suite. 

Shinjiro grinste und sagte der geschlossenen Tür hinterher: “Ich hab eh die schönste!” und schaute wie seine Haare lagen: “Wirklich?” hörte er hinter sich und drehte sich gleich darauf um und verstummte. Langsam ging er auf sie zu und reichte ihr eine Hand und forderte sie auf, sich einmal zu drehen. Der leichte Stoff ihres Rockes um wirbelte sie leicht. “Wie schaffte es diese Frau immer sich so dezent zu kleiden, aber trotzdem ein Hingucker zu sein?” fragte er sich, doch genau das gefiel ihm ja so sehr an ihr. Sie stoppte vor ihm und er legte seine Hände auf ihre Hüften: „Ja, so wie ich sagte, du schaust wunderschön aus!” Sie umschloss seinen Nacken mit ihren Händen: “Du auch!” und gab ihm einen leichten Kuss auf seine Lippen.” Diese formten darauf ein schelmisches Grinsen und er erwiderte: “Ja, ich weiß!” und sah ihr dabei frech, fordernd in ihre Augen. Sie hielt diesem Blick nicht lange stand und musste sich ablenken: “Ach du!” war ihr Argument, sich von ihm zu lösen. Er grinste und atmete einmal tief ein, um sich von der aufkommenden Hitze abzuwenden und ging zu einem seiner Koffer. 

Hitomi stand vor dem Wandspiegel und richtete ihr Armband und wollte sich dann ihre Kette umlegen, die auf dem Tisch lag. Shinjiro trat hinter seine Frau und legte ihr eine schlichte Perlenkette um ihren Hals, sie erschrak leicht wegen der Kälte der Perlen auf ihrer Haut: “Was Schönes für die schönste.” kommentierte er und kam ihr mit seinem Gesicht näher und küsste ihren Hals unterhalb ihres Ohres. Hitomi lehnte genießerisch ihren Kopf nach hinten und drehte ihren Kopf zur Seite, um ihn zu küssen.” 

Da klopfte es zweimal fest an die Tür, beide erschraken und wandten sich schnell voneinander ab. “Herein …” sagte Shinjiro und räusperte sich dabei. Jarred trat ein, sah sich um: “Wir warten … nur auf euch!” und sah sich die beiden ernst an und musste dann etwas grinsen: “Wir müssen los!” mahnte er nochmals, aber jetzt leicht neckend: “Hitomi, du schaust wundervoll aus!” sagte er und Hitomi nickte Jarred mit leichten roten Ohren entgegen. Jarred sah darauf direkt zu Shinjiro: “Wir hätten deine Frau statt deines Vaters heute Morgen zum Sterne anstecken schicken sollen, dann hättest du garantiert deine Fassung verloren … so wie jetzt!” musste Jarred noch anfügen. Shinjiro sah ihn überfahren an, und ging an ihm vorbei und sagte stumpf: “Das werdet ihr nie schaffen!” Hitomi ging leicht errötet ihrem Mann nach und Jarred schloss grinsend die Tür. 

Smalltalk

Auf der Partymeile des Oberkommandos herrschte ausgelassene Stimmung. Über eine große Leinwand konnte man die Ereignisse des Abends im Opernhaus live mitverfolgen. Währenddessen legte ein DJ moderne Songs auf, begleitet von farbenfrohen Lichtshows, die über die Fassaden des KOK tanzten. Zwei Bars sorgten dafür, dass niemand durstig blieb. Und das Wetter war für Anfang Mai fast schon sommerlich, perfekte Bedingungen also für diese Nacht. 

Es gefiel Colt, der zur Feier des Tages seinen besten Cowboyhut trug. Gemeinsam mit Robin schlenderte er über das Partygelände. Er wusste gar nicht mehr, wann er das letzte Mal auf einer Party gewesen war, das Oberkommando ließ heute wirklich ordentlich was springen!

In den letzten zwei Jahren war er erwachsen geworden, ob er wollte oder nicht. Seit dem Tod seiner Eltern hatte er Verantwortung übernommen, für sich selbst, für andere und für eine Rolle, die ihm manchmal zu groß vorkam. In dieser Zeit hatte ständig jeder etwas von ihm erwartet. Klar, er liebte, was er tat, keine Frage. Doch gerade jetzt, inmitten von Musik, bunten Lichtern und dieser leichten Abendluft, wurde ihm etwas bewusst: Er war zweiundzwanzig, verdammt, er wollte leben und mit dem schönsten Mädchen an seiner Seite Spaß haben, dabei nahm er Robin enger in seinen Arm.

Auf der Party tummelten sich nicht nur Offiziere und deren Angehörige des Oberkommandos, sondern auch die Delegationen aus Alamo, Jarr und der Erde. Colt kam schnell ins Gespräch und mit dem ein oder anderen Offizier aus den USA hatte er schon Brüderschaft geschlossen. Einige hatten ihn erkannt und erzählten stolz, wie cool sie es fanden, dass ein Amerikaner auf Ramrod als Schütze diente. Bei solchen Worten ging Colt sein kleines Cowboyherz auf. “Wurde ja auch mal Zeit”, dachte er grinsend. Von Saber bekam er schließlich viel zu selten mal ein Lob und wenn, dem Schotten aus Versehen doch mal sowas über seine Lippen kam, dann klang es meist nach einer taktischen Anweisung.

Robin schaute zur großen Leinwand und stupste ihren Cowboy an. Colt drehte sich um, folgte ihrem Blick und grinste. Da war er, sein Hombre, fein herausgeputzt und steif wie ein frisch gebügelter Uniformkragen: „Na sieh mal einer an“, murmelte Colt, „der Junge kann ja richtig brav aussehen.“, und er grinste breiter, um darauf leise zu seufzen. Er wusste, dass das alles nichts für Fireball war, er tat das für seinen Vater. Und verdammt, er machte seine Sache gut, fand Colt: „Armer Kerl“, murmelte er, „hoffentlich gibt’s da drinnen wenigstens etwas Anständiges zu Essen.“


Fireball versuchte irgendwie den Überblick zu behalten, alle riefen durcheinander, jeder wollte etwas anderes. Erst sollte nur sein Vater fotografiert werden, dann mit seiner Mutter, dann wieder mit ihm, dann alle zusammen und kaum hatte er sich richtig hingestellt, hieß es schon wieder: „Nein, nochmal anders!“ Da spürte er auf einmal eine Hand auf seiner Schulter, sein Vater schob ihn mit etwas Druck Richtung Eingang des Opernhauses, gleich wären sie drinnen und es würde ruhiger werden. Und tatsächlich, drinnen angekommen atmete er erst einmal genervt ein, er bekam völlig unerwartet ein Glas Champagner in die Hand gedrückt: “Das ist nur zum Herumstehen, damit du was in der Hand hast!” erklärte ihm sein Vater, der den Fehler bemerkt hatte. Fireball blickte in das Glas: “Schade …” flüsterte er in das Glas, obwohl er gar nicht wusste, wie so ein Champus überhaupt schmeckt. 

Aaiko war bereits im Saal. Da sie weder verlobt noch verheiratet waren, galt ihre Beziehung offiziell als privat. Ein gemeinsamer öffentlicher Auftritt wäre also unangebracht gewesen und ganz ehrlich, Fireball war das nur recht. Er wollte sie ohnehin aus all dem Rummel heraushalten und sie schützen. Manche Dinge mussten nicht vor aller Welt zur Schau gestellt werden. 

Sein Großvater trat hinter ihm zusammen mit Royu und seiner Frau ein. Royu prostete seinen Neffen zu und trank sein Glas mit einem Hieb leer: “Sollte ich mal vereidigt werden, gäbe es Bier!” sagte Royo voraus und stieß Fireball leicht an. Fireball lachte und sagte: “Ich dachte das war nur zum Festhalten und er sah wieder zum Glas in seiner Hand!” Royu grinste typisch Hikari like: “Sagt wer, .. er …?” und zeigte mit seinem leeren Glas in Richtung seines Bruders, der gerade sein leeres Glas gegen ein volles tauschte. Fireball bekam große Augen und zog darauf seine Brauen zusammen. 

Da sagte sein Onkel etwas leiser zu ihm: “Er will nur nicht, dass du was trinkst!” Der Großvater ermahnte das kleine Schauspiel zwischen Royu und Fireball und sagte, dass sie hier durchgehend Englisch sprechen sollten, schließlich seien sie offiziell hier! Es standen schließlich weitere geladene Gäste um sie herum! Royu verneigte sich kurz etwas frech vor seinem Vater und trat wieder neben seine Frau. Saber hatte das gerade mitbekommen und musste etwas grinsen, er brauchte den Satz des älteren Hikaris, denn Fireball und Royu waren sofort wieder in der Spur. An Bord würde das sehr viel Zeit sparen. 

Saber begrüßte den Colonel und Bruder seines Vorgesetzten und stellte ihm seine Sincia vor. Royu erwiderte die Begrüßung ebenso herzlich und die beiden Frauen verstanden sich auf Anhieb. Royu gratulierte den Schotten noch einmal persönlich zur Aufnahme in den Stab.“ Ein sehr schönes Ambiente!” sagte Saber als er sich umsah, er war zu seiner Schande noch nie hier gewesen, dabei lebte er schon ein paar Jahre auf Yuma. 

Royu scherzte: “Wir sind nur hier, weil es im Hotel einen Babysitter gibt.” und seine Frau sah ihn genervt an: “Schade, dass es hier keinen für dich gibt!” sagte sie darauf. Royu sah sie etwas entsetzt an und diese lächelte ihn süß an. Royu verabschiedete sich erst einmal und ging mit seiner Frau Richtung Saal und sammelte seinen Neffen auch gleich mit ein. Saber fand diese Szene gerade sehr amüsant, Colt und Robin konnten nicht anders sein: “So haben die Japanerinnen also ihre Männer im Griff, muss ich mir merken!” neckte Sincia, nun war es Saber der Sincia einen etwas sprachlosen Blick zu warf, und beide mussten im selben Moment lachen und sie stießen auf einen schönen Abend an. 

Commander Eagle ab jetzt offiziell Mentor Eagle trat zusammen mit April an Sincia und Saber heran und begrüßte die beiden, auch von ihm bekam Saber einen persönlichen herzlichen Glückwunsch: “Hätte ich mal auf dich gesetzt, dann hätte ich nicht so viel Geld verloren!” sagte Charles etwas traurig, aber leicht scherzhaft zum Schotten. April schüttelte belustigend mit ihrem Kopf.

Saber musste jetzt einmal herzhaft auflachen: „Ja, ich habe heute Nachmittag gesehen, dass ich tatsächlich mit im Rennen war, aber mit 5,6 Prozent die Wette gehalten habe!” Antwortete Saber: “Genau, also auf die 5,6 Prozent!” Saber nahm sich schnell ein neues Glas von einem Tablett und stieß mit Charles an. Sincia und April unterhielten sich über ihre Kleider und die, die sie an den anderen Damen sahen.

Eagle nahm Saber leicht am Oberarm bei Seite und zog ihn mit sich. Mit seinem leeren Glas deutete Eagle auf eine Gruppe und sagte: „Komm, ich stelle dir ein paar Leute vor!“ Saber nickte: „Gerne doch!“ Sie traten näher, und vor ihnen stand eine gemischte Runde: einige in Uniform, andere in teuren Anzügen. Darunter waren auch Sabers Vater und Captain Hikari mit seinem. Die sich gerade alle sehr angeregt, aber irgendwie belustigend unterhielten. 

Eagle erhob als Nächstes das Glas und der Kellner reichte jedem von ihnen geistesgegenwärtig ein volles: “Meine Herren darf ich vorstellen Captain-Major Richard Lancelot!” Alle protesten ihn zu, darunter war auch der abgesandte Militärstab der Erde, auch der schottische Generalmajor. Und der aufgelöste Stab des neuen Grenzlandes. Ein älterer 4 Sterne Captain aus Kanada sprach in Richtung Sabers Vater: “Edward warte ab, in ein paar Jahren, salutierst du vor deinen Sohn!” Lobte er und spielte auch auf die heutige Szene der Vereidigung an und gab in Richtung Captain Hikari ein Salut mit seinem leeren Glas. 

Alle waren amüsiert, Captain Hikari, der gerade aus seinem Glas trinken wollte, erhob es in Sabers Richtung: “Er macht den Stab komplett!” unterstrich er das Gesagte und begann sein jüngstes Stabs-Mitglied der Runde vorzustellen: “Major Lancelot darf ich vorstellen, General Tremblay, kanadische Air Force, Senior Master Sergeant Smithny, United States Navy, Colonel Mc Dorswons Irish Defence Force und Captain-General Hikari ehemals japanische Air Defence Force, auch bekannt als mein Vater!” beendete er die Vorstellung und leerte sein fast leeres Glas.

Einige salutierten, andere schüttelten die Hand, man war ja schließlich fast privat in dieser Runde. Beim letzteren verharrte Saber einige Sekunden und wurde von Eagle ganz aus Versehen angestoßen und streckte dem Vater seines Vorgesetzten die Hand entgegen: “Es ist mir eine Ehre, Sir!” sagte Saber und der ältere nickte und nahm die Hand des jungen Schotten fest entgegen. 

Captain Hikari grinste leise vor sich hin, als Saber diesen Blick aufnahm, musste er innerlich mit dem Kopf schütteln, da hatte Captain Hikari wohl auch gerade an ihre erste Begegnung denken müssen.

Saber nickte nun auch Lorenz und Rosso zu. Edward stellte sich neben seinen Sohn und die kleine Diskussion von vorhin kam zurück, das Thema war eine eventuelle Invasion der Outrider und es wurde über Taktiken und Strategien philosophiert. Einer meinte: “Wir müssen einfach darauf vorbereitet sein und alle größeren Schauplätze stationieren, um die Wege kurz zu halten, dann wäre schnell Ruhe!” 

Alle nickten zustimmend. Hikari erwiderte sarkastisch: „Klingt interessant, auf diese Idee ist bestimmt noch niemand gekommen …“, und nahm sich ein weiteres Glas Champagner. Natürlich wussten alle Anwesenden, wie sie diese Antwort deuten mussten: Die meisten in dieser Runde hatten vor fast 17 Jahren im Gremium gesessen und es war genau Hikaris damalige Strategie.

Saber beobachtete das Ganze und musste schmunzeln. Hikari war entspannt, doch in seinen Augen blitzte seine typische, unverkennbare Art auf, er wusste ganz genau, wie sie auf ihn reagieren würden: “Moy delayem eto” sagte er in die Runde und es wurde ruhig, der ältere Hikari schüttelte mit seinem Kopf. Und der Captain grinste überlegen und trank von seinem Glas bevor er erklärte: “Das ist eine hübsche russische Strategie, sehr erfolgreich und vielversprechend, man sollte sie öfter im Kampfgeschehen mit einbeziehen!” und hob sein Glas einem russischen Begierde-General entgegen. General Tremblay fragte: “Wie funktioniert sie?” Hikari grinste: “Ich möchte ihnen den Spaß nicht nehmen, es selbst herauszufinden!”

“Sa Sdorówje!” kam es von dem russischen General lachend und hob sein Glas!

Ein Gong ertönte, jetzt sollten sich doch alle langsam in den Saal begeben. Sabers Vater ging zusammen mit seinem Sohn und sprach etwas leiser zu ihm: “Siehst du, gesunde Arroganz ist wichtig in diesen Kreisen!” Saber sah Captain Hikari nach, “gesunde?” wiederholte er in seinen Gedanken und beobachtete, wie der Captain mit seinem Vater gerade den Saal betrat und von einem Tischzuweiser an ihre Plätze begleitet wurden. 

“Was heißt das?” fragte er nach, Edward lachte kurz auf und sagte zu seinem Sohn: “Dein Captain hat gerade verkündet: “Er wird es regeln, oder selbst machen!” Saber schüttelte grinsend seinen Kopf. “Ja, wenn das mal nicht arrogant war, er spielte damit auf die letzte Schlacht an und gleichzeitig hatte er allen leicht vor den Kopf gestoßen, die damals gegen ihn gestimmt hatten. “Die Sprache hier, ist eine andere, sei ruhig, etwas selbst überschätzend, aber übertreibe nicht, lege immer etwas mehr mit jedem Rang drauf, step by step!” Saber verstand, sonst wäre man wohl schnell im Aus bei solchen Gesprächen. 

Wetten dass?

Das Dinner wurde serviert und jeder Gang hatte eine andere Musikrichtung als Thema. Nach gut einer Stunde oder länger war dieser Akt auch vorbei und es ging über zum sich weiter kennenlernen und sich unterhalten, da kam Colonel Murry lachend auf Saber zu und setzte sich auf den freien Stuhl neben ihm: “Na Richard, das hättest du nicht erwartet!” Saber der den alten Colonel sehr mochte, antwortete ihm: “Nein Sir, ich dachte, ich falle aus meinen guten Schuhen!” Murry lachte auf. “Sie wussten es Sir?” es war eher eine Feststellung, der Colonel nickte und antwortete lachend: “Psst, ja, und die Wette hat sich gelohnt, zu eröffnen!” Saber lachte nun mit: “Sie Fuchs!” und beide lachten kurz herzhaft. Lorenz, der das Gespräch aufgrund der Lautstärke mitbekommen hatte, mischte sich jetzt ein: “Es wäre der Fairness halber Richards Topf!” Hikari trat indessen heran und sagte: “Wetten ist nie fair! Also, wie viel ist im Topf?” wurde jetzt auch dieser neugierig. Rosso und Eagle kamen auch aus allen Richtungen. Saber stand kurz vor einem Lachanfall. 

Da haben die Herren hier eine Wette eröffnet und alle ihr Geld darauf gesetzt und wussten dessen Ausgang, das darf doch nicht wahr sein. War das überhaupt erlaubt? Er hoffte, dass keine spitzen Ohren eines Reporters in der Nähe waren, aber diese wurden gut abgeschirmt vom Tisch des First-Grad! Dass sie hier gut frei reden konnten, wahrscheinlich genau deswegen. Colonel Murry schaute auf seinen Kommunikator und hielt ihn einfach in die Mitte. Lorenz sagte, das ist sehr viel, da gibt es sehr lange, “free Café” im Oberkommando, “Ah daher kam also manchmal wochenlang, der kostenlose Kaffee im Offizierskasino” Saber lachte innerlich auf, das wird ja immer besser und gab ebenfalls dazu: “Oder einmal volltanken für Ramrod!” Hikari winkte in Richtung Murry ab: “Gib es ihm, er wird was finden, wohin es gehen soll!” Saber sah zu Hikari auf und es klingelte bei Saber, er solle es irgendwohin spenden, das passierte also mit den von ihnen unter sich gesammelten großen Wetteinsätzen, interessant und gleichzeitig eine tolle Geste. 

Saber nickte und holte seinen Kommunikator heraus und ließ das Geld von Murry auf sein Konto transferieren. Hinter Hikari trat eine Security vom Oberkommando heran, um ihm etwas mitzuteilen. Hikari verabschiedete sich erst einmal. Saber stand auf und brauchte erst einmal etwas frische Luft und ging zu einer geöffneten Tür, die in den Innenhof führte. Sincia war gerade im Gespräch mit der Frau von Captain Lorenz. 

Er trat in den Hof, der ganz nett beleuchtet und fand auch gleich einen Raucher, der sich ebenfalls abgeseilt hatte, es war Royu. Saber grinste und ging zu ihm, dieser bemerkte ihn und fragte: “Ist ihnen wohl auch zu voll dort drinnen Mr. Lancelot!” Saber nickte: “Ja etwas frische Luft tut gerade mal gut!” Royu nickte bestätigend. “Es war eine tolle Vereidigung gewesen!” begann Saber ein Gespräch. Royu zog an seinem Glimmstängel und nickte: “Ja, in der Tat … und wir haben eine große Wette gecrasht, wie ich gehört habe!” Saber lachte auf: “Es war überraschend, dass ihr Vater die Sterne ansteckte.” Royu nickte ernster und zog ein weiteres Mal: “Ja das war es für uns auch!” und schüttelte leicht mit seinem Kopf. Saber bemerkte, dass der Bruder von Captain Hikari auch auf irgendeine Reaktion gewartet hatte.” Saber sah sich um und sprach es einfach an: “Entschuldigen Sie, Sir, dass ich das jetzt sage, aber sie unterscheiden sich schon sehr voneinander!”

Royu dachte kurz über die Worte des Schotten nach und musste etwas lächeln: “Interessante Feststellung! Ich glaube nicht, dass er und ich so verschieden sind, wie es vielleicht wirkt, Mr. Lancelot!” und machte den letzten Zug von seiner Zigarette und überlegte. Saber vernahm es und wartete. Royu schaute sich um und erklärte: “Das Schicksal wollte es, dass ich die Nummer zwei bin und ich bin dankbar dafür, dass rettete mich vor dem “Bō de Shitsukeru”, deswegen ist er so, wie er ist!” erzählte er und packte sich einen Kaugummi aus und wechselte schnell das Thema: “Ich hoffe, es gibt bald Dessert, ich möchte noch auf eine richtige Party!” und ging wieder nach drinnen.

Saber sah Royu nach und blieb nicht verstehend zurück. Royu hatte alles klug verpackt, ohne etwas groß preis zu geben. Saber erinnerte sich an etwas, was er mal über die Gesprächskultur gelesen hatte, dass Gesagtes manchmal tiefer und anders gehört werden musste, Japaner verpacken ernste Themen in kompakte Worte, damit diese niemanden diskreditieren oder gar bloß stellen. Auch wenn Royu mit ihm Englisch gesprochen hatte, hatte er sich seine Worte genau überlegt und eigentlich nur das japanische fast eins zu eins umgelegt. Den Schotten ist auch nicht entgangen, dass Royu in einer ganz anderen Art und weiße gesprochen hatte, bekanntermaßen ist dessen Redefluss doch lockerer! Auch hatte er nicht alles ausgesprochen oder übersetzt, “Bō de Shitsukeru” … wahrscheinlich gab es dazu keine greifbaren englischen Begriffe, oder es erklärte einfach den Rest, oh man, nun stand er zusätzlich noch vor einem Rätsel, das er nun durch seinen Ehrgeiz auch gelöst haben wollte. Doch eine Lösung heute war nicht in Sicht und er wollte wieder hineingehen. 

Zumindest hatte er das vor, doch da sah, er noch jemanden der sich abseilte, Fireball stand hinter einer Säule und war einfach nur genervt, das erkannte der Schotte mit geschlossenen Augen und ging auf ihn zu: “Na alles wohl nicht so spannend für dich!” sprach er ihn feststellend an. Fireball blickte zu Saber und grinste: “Ja dir gefällt sowas, das weiß ich! … Vielleicht habe ich das nächste Mal eine Grippe, oder sowas.”  

Saber musste lachen: “So schlimm?” Fireball schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, aber es reicht jetzt langsam, Aaiko und ich wollen noch weg!” Saber stellte sich vor seinem jungen Freund: “Ihr wollt euch also auch davon machen.” Fireball grinste: “Ja, am besten schon vorhin!” Der Schotte zeigte, seinem Genervten gegenüber wieder an hineinzugehen, die Stunde sei gleich vorbei und erzählte ihm, während sie in Richtung Eingang liefen. “Da wird sich Colt freuen, dich zu sehen, er ist mit Robin auf der Party im KOK!” Fireball bedauerte sich jetzt noch mehr: “Na toll, der Cowboy hat wieder den ganzen Spaß, der glückliche, der!” Saber lachte und sie traten gemeinsam zurück in den Saal. “Was heißt eigentlich Bō de Shitsukeru?” fragte Saber fast beiläufig. Und Fireball sah Saber fragend an. 

Das Dessert eines Starkochs war der letzte Akt der Feierlichkeiten im Opernhaus. Der Starkoch beschrieb seine Dessertkreation, während sie serviert wurde: “Sie werden gleich einen dekadenten Schokoladentraum aus Single-Origin-Criollo-Kakao, gefüllt mit flüssiger 99-prozentiger Schokolade und einem Hauch geräucherter Vanille aus Madagaskar genießen. Eingebettet ist der Schokoladentraum auf einem Spiegel aus goldener karamellisierter Kakaobutter, begleitet von einer handgefertigten Schokoladenkugel mit Cassis und einem Tropfen 25-jährigen Rum. Verziert mit zarten Blattgoldflocken, essbaren Kakaoblüten und einem Mini-Schokoladen Zwirbel, wird es all ihre Sinne verführen.” versicherte der Koch und alle konnten es kaum erwarten, diesen Traum aus Schokolade zu genießen. 

“Oh Mann“, flüsterte Shinjiro, als der Teller vor ihm hingestellt wurde. Hitomi musste schmunzeln, sie wusste schließlich, dass Shinjiro sich so gar nichts aus Schokolade machte. Ja und Jarred konnte es kaum erwarten, in den schokoladigen Traum zu versinken. Und in der Tat, sogar Saber war begeistert.

Fireball war der Erste, der sich traute. Nach den ersten wenigen Bissen zuckte er nur mit einer Schulter: „Ok, also ein Schokoladenkuchen“, degradierte er das Dessert. Shinjiro, der neben seinem Sohn saß, musste grinsen und überlegte, seinen Teller seinem Sohn zu überlassen. Doch bevor er auch nur daran denken konnte, es umzusetzen, schritt Hitomi unauffällig ein: „Da ist Rum drin“, erinnerte sie. Fireball verzog ein bisschen das Gesicht, und Shinjiro stand plötzlich vor einer kulinarischen Herausforderung.

Partymeile 

Auf der Partymeile legten Colt und Robin bereits eine flotte Sohle auf das Parkett. 

Und im Opernhaus verschwanden Aaiko und Fireball gemeinsam mit seinem Onkel Richtung Hotel, um sich umzuziehen. Saber spürte förmlich die Erleichterung seines Freundes und musste lachen, als dieser sich blickend verabschiedete. Saber gesellte sich grinsend an den Tisch des Captains, an diesem saßen jetzt auch Lorenz, Murry und zwei weitere Offiziere, welche er zu Beginn in der Lobby kennengelernt hatte. 

Colt und Robin fegten gemeinsam über die Tanzfläche und genossen die Party, der Bass war toll, die Songs wechselten von schnellen guten Techno Beats und zwischendrin gab es für die Tanzwütigen auch mal eine etwas ruhigere Ballade. Die DJs wechselten sich stündlich ab. Das alles zwang einen förmlich zum Tanzen oder Mitwippen. Die Lightshow war perfekt, es war voll, jedoch verteilten sich die Menschen gut. Die Barkeeper hatten gut zu tun. Auch die Logen zum Ausruhen zwischen den Tanzeinlagen waren gut besucht. Die Security hatte im Hintergrund alles im Griff, es gab kaum ernste Zwischenfälle, kleine Streitereien, aber nichts Ernstes. 

Und seine Robin war ein echtes Partymäuschen, stellte Colt fasziniert fest, es gefiel ihm, sie gingen zu einer der 3 Bars, die nicht unmittelbar beschallt wurden, um sich etwas auszuruhen. Colt orderte sich ein Bier und für seine Robin ein schmunzelwasser, wie er es nannte, einen Fruchtsekt mit Eis, sie stießen an und gaben sich einen Kuss: “Nehmt euch ein Zimmer!” 

Colt drehte sich um und wollte gerade etwas sagen, aber er entschloss sich dann doch lieber für eine freudige Umarmung. Stand da Tatsache sein Hombre mit Aaiko seiner Freundin, die er zwar schon von Fotos und Erzählungen gut kannte, aber persönlich hatte er das Mädchen noch nicht kennengelernt. Er begrüßte die beiden herzlich, auch Robin freute sich über die beiden Neuankömmlinge.

“Waren die beiden etwa abgehauen?” Fragte er sich grinsend, doch da entdeckte er auch Royu und vermutlich dessen Frau im Hintergrund, also kein Ausbruchsversuch! “Was macht ihr denn hier?” fragte der Cowboy und begrüßte auch Royu, die beiden gaben sich die Hand und Royu stellte seine Frau Hana vor: “Wir wollten zu einer richtigen Party!” sagte Royu und Colt lachte auf, Robin musterte den Japaner, der ihr von Colt als der jüngere Bruder des Captains vorgestellt wurde. “Wie lange bleibt ihr uns fehlt schließlich noch das entscheidende Duell auf dem Schießplatz!” erinnerte der Cowboy herausfordernd! Royu grinste: “Noch zwei Tage, aber das bekommen wir hin!”, sagte Royu und verabschiedete sich erst einmal, schließlich waren sie zum Tanzen hier. 

Robin sah Colt an und schüttelte mit ihrem Kopf: “Was ist meine schöne?” – “Das ist der Bruder von Captain Hikari?” fragte Robin noch einmal nach. Colt nickte und sagte: “Ja, er ist 20 Jahre älter als wir und ein Colonel irgendeiner Spezialeinheit!” erklärte Colt, Robin nickte und schaute dem Colonel nach. Wo sind eigentlich Fireball und Aaiko?”, fragte sie, als sie die beiden nicht mehr finden konnte. Colt sah sich nun ebenfalls um: “Hatte er doch tatsächlich seinen Hombre aus den Augen verloren?” Robin und Colt grinsten, nahmen sich aber vor, nach den beiden Ausschau zu halten. 

Im Opernhaus am Tisch des First-Grad las man die ersten Kritiken und man war im Allgemeinen zufrieden. Captain Hikari befasste sich damit nicht, alles, was er wissen müsste, würde er schon erfahren, dazu brauchte er keine Klatschblätter! 

Er hatte heute genug Privates von sich preisgegeben, mehr würde niemand bekommen! Wer allerdings sehr plötzlich unbeabsichtigt in den Mittelpunkt gerutscht war, war zum Erstaunen aller Fireball, vor allem bei den jungen weiblichen Zuschauern, kam er gut an. Obwohl er heute eigentlich nur Zaungast hinter seinem Vater gewesen war, wurde er ziemlich oft mit gezeigt. 

Auch über Saber wurde gerade in den Medien viel diskutiert, schließlich war er der jüngste Major, der in einen Militärstab gewählt wurde. Der Pressesprecher gab noch ein Interview zum Ende des Tages. Einige Delegationen der Erde und Jarr würden in der Nacht auch schon wieder Yuma verlassen. Und das Oberkommando würde in den nächsten 24 Stunden wieder auf Normalbetrieb laufen. Im Allgemeinen aber kam die Vereidigung und die Feier sehr gut in der Bevölkerung an, es machte das Oberkommando greifbarer. Jetzt hieß es, diesen Ruf zu wahren und zu nutzen, um neue Kadetten anzuwerben.

Die Band im Saal spielte die schönsten Walzer und Balladen und der Sänger tätigte auch gerne mal einen kleinen Witz zwischendurch, die Stimmung war gut und die Tanzfläche im Saal war auch gut gefüllt. König Jarreds Frau Marijane und Hitomi liefen durch die Gänge des Opernhauses, um es sich anzuschauen und um die Kunst zu betrachten! 

Auch Saber hatte über das ausgelegte Tablet mit den gesammelten Berichten des heutigen Tages geschaut. Er fand es clever, wie das KOK mit der Meldung umging in Bezug zu ihm und Fireball. Es gelangte überhaupt nichts darüber in die Öffentlichkeit, das KOK hatte erklärt, dass Fireball eine Zeitlang unter dem Kommando von Richard Lancelot geflogen war, jetzt aber in Japan studieren würde und in der Zukunft wieder ins Oberkommando zurückkommen würde. Denn das Ramrod-Team ist seiner Besatzung heute öffentlich anders aufgetreten und es kamen vereinzelte Fragen dazu. Saber fand die Erklärung sehr gut, damit konnte er leben, niemand wurde auch nur irgendwie an den Pranger gestellt! Auch über den Cowboy wurde berichtet, so wusste die Presse, dass er bald heiraten würde, “woher wissen die, dass alles immer ist?“ fragte sich Saber und schüttelte mit seinem Kopf. Für alle wurde ein Bier serviert, Lorenz hatte ein gutes deutsches Weizenbier besorgt: “Na dann “Prost! So sagt man es in Deutschland!” und brachte allen danach auch gleich die deutsche Bierkultur nahe. 

Saber schmeckte es und Lorenz schlug gleich vor: “Wir trinken heute die Biere der Nationalitäten hier am Tisch, mit dazugehörigem Trinkspruch!” Alle kommentierten es zustimmend, mit einem Lachen, das dürfte lustig werden. Captain Hikari schaute in die Runde und blickte darauf zu Lorenz: “Du möchtest also heute noch 10 Biere trinken?” und sah auf seine Uhr. Lorenz grinste: “Solange mir niemand das Wasser reichen kann, nehme ich das Bier!” und erhob sein Glas in die Richtung des Captains, Saber tat es Lorenz gleich. Hikari griff nach Lorenz‘ Antwort, lächelnd zu seinem Glas und die drei stießen an. Saber schaute sich um: “Wo ist eigentlich General Whitehawk?” Diesen habe er nach der Vereidigung überhaupt nicht mehr gesehen. Lorenz erklärte den Schotten: “Einer muss ja nüchtern die Stellung halten!” Saber verstand, also würde der alte Indianer in den nächsten zwei Tagen der Befehlshaber im Oberkommando sein. Commander Eagle stieß nun auch zu dieser Runde, er hatte gerade seine Tochter verabschiedet, sie würde jetzt auch mit einer Freundin auf die Oberkommando Party gehen. 

Murry sah sich um, als er bemerkte, dass sich die Jugend tatsächlich abgeseilt hatte: “Das nächste Mal feiern wir dort und die Partypeople kommen hier rein!” Captain Hikari, lehnte sich in seinen Stuhl zurück und überschlug seine Beine und sah herausfordernd zu Murry: “Das nächste Mal?” Lorenz fügte mit an: “Das nächste Mal machen wir einen Rollator Tanz hier!” Murry lachte herzhaft und steckte somit wieder alle an: “Da müssen wir uns fit halten! Und zeigte auf Hikari, Japaner werden bekanntlich sehr alt.” Hikari grinste und meinte trocken: “Nicht unter diesen Umständen hier!” und zeigte in die Runde. Lorenz schöpfte aus seinen Weisheiten: “Wer Bier trinkt, lebt länger, na ja zumindest länger glücklich.” Hikari schüttelte seinen Kopf, Lorenz fragte darauf: “Was ist?” Hikari sah ihn ernsthaft an: “Ich denke gerade darüber nach, die Air Base jeden Morgen auf Bierkonsum testen zu lassen!” Lorenz winkte ab: “Ach, viel zu aufwändig!“ König Jarred mischte sich nun auch breit grinsend mit ein: “Dann bitte auch nach Rauchspuren hinter den Hangars.” Lorenz und Hikari sahen sich an. Saber beobachtete es und ihm kam ein da Gedanke. Lorenz verteidigte sich: “Die Zigarre war 16 Jahre alt, aus irgendeinem Grund hatte ich sie zufällig in meiner Jacke!” Shinjiro zuckte mit den Schultern und gab nur zurück: “Ich sagte ja, es war widerlich!” Lorenz nickte und gab nochmals zu verstehen: “Und der richtige Abschluss!” 

Shinjiro zeigte auf Jarred und erklärte Lorenz: “Er ist böse mit uns, weil es sein Hangar war!” Lorenz: “Es wäre auch damals sein Hangar gewesen!” Saber blickte hin und her, also haben die beiden auf Jarr, die Sache vor 16 Jahren mit dieser alten Zigarre beendet! Lorenz fragte leiser Richtung Shinjiro: “Woher weiß er das?” Saber hörte grinsend zu, so wie die anderen Beteiligten. Shinjiro blickte ernst zu Jarred: “Ich hatte es ihm erzählt und wir dürfen es uns jetzt jedes Mal anhören!” Stimmt, beim internen Dinner damals im Jarr wurde es ja auch schon mal ganz nebenbei erwähnt. Jarred grinste: “Lebenslänglich!” Hikari nickte: “Ich werde uns rapporten!” Saber musste breit grinsen und er musste es jetzt einfach fragen: “Mussten sie schon einmal zu einem Rapport?” fragte Saber unverblümt seinen Captain. Lorenz musste lachen, Hikari sah seinen Major an und grinste: “Natürlich!” war seine knappe Antwort. Commander Eagle lachte mit. Saber sah es und dachte sich: „Ok, das schien wohl ein Erlebnis gewesen zu sein.” Eagle erklärte und zeigte auf Lorenz und Hikari. “Die beiden wurden damals von General Campbell so richtig durchgefegt, nachdem sie einen Jet geschrottet hatten!” Saber bekam große Augen. Lorenz fügte hinzu: “Ja, dass wir überlebt haben, war für alle irgendwie eine Nebensächlichkeit!” Shinjiro blickte zu Lorenz: “Da gab es nichts zu überleben, du hast nicht geguckt!” Lorenz stellte sein Glas ab und fing an, sich zu verteidigen: “Oh, oh nein, nein, du hast zu früh gezündet!” Hikari sah nun Lorenz ernster an: “Du hattest nichts hinter mir zu suchen!” 

Saber und die anderen fingen an zu lachen, das Thema schien wohl immer noch unlösbar zu sein, stellten sie fest! Lorenz und Hikari lehnten sich stumm zurück und schwiegen sich an. Nach einer Weile erklärte Lorenz: “Jedenfalls verließen wir das Büro völlig fertig und das einzige, was er dazu zu sagen hatte, war: “Ja, so muss man nach einem Rapport aussehen!” äffte der Deutsche die damalige Situation fast nach.

Saber musste auflachen. Lorenz erzählte weiter: “Ich meinte dann noch sauer zu ihm, er solle bei Campbell Stunden nehmen!” Hikari grinste vor sich hin und griff nach seinem Glas Bier. Commander Eagle löste auf: “Und er tat es!” Nun war es vorbei mit der Fassung aller. Saber konnte sich das sowas von vorstellen. Hikari, der ein Schluck getrunken hatte, fügte noch an: “Von General Campbell konnte man viel lernen und das habe ich auch, war ein guter Mann!” Murry ergriff sein Glas: “Auf General Campbell!” und alle gaben ihr Prosit, auf ihren gefallenen Kameraden und ehemaligen Vorgesetzten. 

Saber wurde dabei sehr betroffen, wenn er daran dachte, wie dieser General gefallen war, mit seiner ganzen Besatzung von über 40 Mann, diese Bilder waren beim Ansehen für Saber ein echter Schock gewesen, sowas wollte Saber nie erleben müssen! Würde er dann auch da sitzen und einem gefallenen Kameraden zuprosten, ihm lief es bei diesem Gedanken eiskalt den Rücken runter. 

Lorenz schwenkte seinen Kopf leicht zu seinem ehemaligen Captain: “Hast du dir das alles mal angeschaut?” Hikari sah ihn an und sprach: “Ich war dabei! Aber um deine Frage zu beantworten, Ja, das habe ich! Schöner Tribut!” Lorenz strich sich über seine Augen: “Ach halt die Klappe!” entkam es ihm sehr leise, aber hörbar für Saber, der vor Schreck um das gehörte sich fast verschluckte. Shinjiro sah zu Lorenz und tat, als wenn er es nicht gehört hätte. Dieses Thema saß noch sehr tief, das hatte Saber schon beim letzten Dinner gemerkt, alle anwesenden, waren damals mittendrin gewesen und würden wohl für immer emotional darin gefangen sein. 

Lorenz stand auf, nahm sein Bier und ging nach draußen. Nach einer Weile überlegte Saber ihm nachzugehen, doch Captain Hikari kam ihm zuvor und verließ mit seinem halbvollen Glas den Saal. “Das müssen die beiden unter sich klären!” kommentierte Jarred, der die Sache wohl auch mitbekommen hatte. Saber nickte zustimmend.

Freundschaft

Fireball und Aaiko hatten die Gunst der Stunde genutzt, um endlich mal allein sein zu können, denn seit mehr als 24 Stunden waren ständig irgendwelche Menschen um sie herum. So standen sie etwas abseits des Geschehens, in einer dunklen Ecke und küssten sich erst einmal ausgiebig, auch das war in den letzten beiden Tagen viel zu kurz gekommen, vor allem heute, wo irgendwie immer etwas war, die Anspannung ließ nun allmählich nach: “Sich ständig benehmen zu müssen, ist anstrengend, wie schaffst du das nur?” fragte Fireball seine Freundin zwischen zwei Küssen. “Einfach lächeln und an etwas Schönes denken!” Fireball grinste frech: “Ich hoffe, du denkst dabei an mich!” Aaiko umarmte ihn: “Natürlich!” Fireball gab ihr einen weiteren Kuss und sagte: “Gib mir diesen Tipp das nächste Mal bitte vorher!” und die Knutscherei begann von vorn und sie kamen sich näher: “Wer ist da?” rief ein Wachposten streng, die beiden hatten wohl einen Sicherheitssensor ausgelöst. Erschrocken ließen die beiden voneinander ab und fuhren ertappt herum. Schnell näherte sich die Wache und blendete die beiden mit seiner Taschenlampe. 

Fireball griff Aaiko am Handgelenk, er rannte mit ihr davon, beide lachten und rannten schnell sie konnten um die nächste Ecke. Um sich mitten im tanzenden Getümmel zu verstecken, hier würde sie der Wachposten nicht mehr finden. 

Doch zwischen den Partypeople stand plötzlich Royu vor ihnen: “Wo wart ihr und warum habt ihr es so eilig?” fragte er ernst, als er die beiden ansah, die vollkommen außer Atem waren, aber dennoch amüsiert grinsten. Er bekam keine Antwort, doch Royu verdrehte seine Augen, er konnte es sich schon denken und wollte auch kein Spielverderber sein: “Bleibt in Sichtweite!” wies er sie an. “Gefunden!” rief Colt, der sich nun zusammen mit Robin von der anderen Richtung näherte. Da erlangen die ersten Töne eines neuen Songs, der gerade dabei war, die Charts zu stürmen und überall hoch und runtergespielt wurde. Zu dem irgendwie nur die Mädels voll abtanzen konnten, Aaiko ging zu Hana und beide freuten sich.

“Ich verstehe diesen Song nicht!” kam es von Fireball. Colt sah sich um: “So wie alle um uns herum!” stellte er fest, als er die stehengelassene Männer front erblickte. “Das sind 5 Minuten Ruhe!” sagte Royu und Colt nickte bestätigend. Doch beide hatten wohl Robins Anwesenheit vergessen, Colt bekam eine Kopfnuss und in Richtung Royu sagte sie gespielt sauer: “Und ihrer Frau werde ich es erzählen!” Hoppla, riss Royu seine Augen auf und erwiderte mit einem charmanten Lächeln: “Das ist nett!” Colt rieb sich seinen Kopf. Royu blickte zum Cowboy und schüttelte mit seinem: “Sie müssen auf ihre Deckung achten, Mr. Wilcox!” Fireball mischte sich nun ein: “Bei seiner schönen Frau verliert er jegliche Deckung!” Colt sah darauf scharf zu Fireball und wollte nach ihm greifen: “Na warte, du bist noch Grün, was das betrifft!” Fireball bekam große Augen, “oh weh, was hatte er denn nun wieder gesagt?” fragte er sich und schlängelte sich nun wieder durch die Massen, ein wildgewordener Cowboy verfolgte ihn. Royu und Robin sahen sich an. Robin erklärte: “Das brauchen die beiden einmal am Tag, wenn sie sich sehen!” Royu sah den beiden nach und ließ es so stehen, wenn sich die beiden jetzt prügeln, dann wüsste er von nichts. 

Fireball hatte sich mittlerweile aus den Massen gekämpft und rannte über das erschlossene Rollfeld, bis er plötzlich stehen blieb. Colt rannte fast in ihn hinein, aber er griff nach dem Japaner und rubbelte durch seine immer noch anständig frisierten Haare und lachte herzlich auf und ließ ihn dann wieder los. Dieses vertraute Gefühl hatte er vermisst! Als Fireball sich von dieser Attacke erholt hatte, grinste er den Cowboy an: “Man werd erwachsen, Kuhtreiber!” sagte er belehrend. Colt lachte kurz auf: “Erwachsen, das sagt der richtige!” gab er zurück und bemerkte, dass sie vor Ramrod standen, dessen Rampe geöffnet war und zwei Wachposten davor standen. Daneben standen der Peacekeeper und die Monarch Supreme, die Flaggschiffe des neuen Grenzlandes, diese wurden heute präsentiert und gehörten zum Gesamtbild des ganzen anstrengenden Tages. Beide schauten stumm zu den Schiffen, das war es, was beide aneinander auch schätzten, sie konnten einfach nebeneinander stehen und schweigen. 

Colt sah nach einigen Momenten zu seinem Kumpel neben sich und musste grinsen: “Jetzt schaust du wieder aus wie du!” und meinte damit die verstrubbelten Haare, die seitdem sein Vater wieder da war, immer korrekt saßen. Fireball ging sich durch seine Haare und versuchte, das bestimmt mega haarige Chaos etwas zu bändigen und musterte indes seinen Freund, der wieder wie ein Cowboy aussah: “Du jetzt auch! Heute Morgen hätte ich sie kaum wiedererkannt, Lieutenant Wilcox!” und grinste. Colt hatte gerade ein Déjà-vu: “Du hast gerade wie dein Vater geklungen, lass das!” Fireball lachte auf und ging etwas näher an das Schiff heran, fast bis zur am Boden markierten Absperrung. Colt ging ihm langsam nach: “Du vermisst Ramrod!” fragte Colt und zeigte auf den Friedenswächter. Fireball nickte: “Ja! Jedoch muss ich sagen, es ist irgendwie gerade nicht wichtig, aber ich vermisse die Zeit!” Colt nickte, verstand es aber gerade nicht: “Hast du dich entschieden?” Fireball nickte und sah Colt an und zeigte mit seinem Kopf auf die Schiffe. Colt verstand und es gefiel ihm, das passte zu Fireball, denn auf ein solches Schiff gehörte er.

“Erzähle es aber niemanden!” bat Fireball und Colt nickte, er konnte sich schon denken, warum und er setzte sich auf einen Bodenstopper, und genoss gerade diese Zeit mit seinem Freund ohne irgendeine Störung: “Hast du schon Gelegenheit gehabt, mit Saber zu sprechen?” wollte Colt nun wissen. Fireball nickte: “Ja, aber über das eigentliche Thema haben wir nicht gesprochen, auch wüsste ich nicht warum, es steht nichts zwischen uns, ich brauchte zwar eine Weile, aber als Freund ist er mir viel wichtiger, als irgendeine dienstliche Entscheidung, die er treffen musste und nicht mehr rückgängig zu machen ist. Ich akzeptiere es!” Colt war gerade tief beeindruckt von den Worten seines jungen Freundes, hätte er doch glatt vermutet, dass Fireball voll sauer auf den Schotten sein würde, da hatte er sich wohl sehr geirrt! “Und April?” Fireball drehte sich zu Colt und sah ihn fragend an: “Was ist mit ihr?” wollte er wissen. Colt blickte Fireball fragend an. Fireball atmete tief ein: “keine Ahnung”, gab er zu. Colt nickte nur, die Situation war verzwickt, aber nichts, was man nicht aus der Welt schaffen könnte. Der Cowboy war sich sicher, dass früher oder später alles gut werden würde, das wünschte er sich jedenfalls für seine Freunde! „Weißt du, einen Fehler zu machen heißt nicht, dass unsere Freundschaft weniger wert ist. Im Gegenteil, es zeigt, dass wir menschlich, verletzlich und ehrlich sind. Eine echte Freundschaft hält sowas aus, sagte mir mal ein Cowboy. Gerade dann, wenn es schwer wird, und vielleicht ist genau jetzt so ein schwerer Moment.“ Colt stieß Fireball leicht mit der Faust gegen die Schulter: „Gut, Partner! Genau das wollte ich hören. Und dieser Cowboy … scheint wirklich weise zu sein.“ Fireball drehte sich zu Colt, musste lachen und im nächsten Moment klatschten sie beide fröhlich die Hände zusammen. 

Sie drehten sich zur Partymeile, deren Lichter und Getümmel sie von ihrer Position aus gut erkennen konnten. Fireball atmete tief ein und begann: “Und ich muss mich auch bei dir entschuldigen!” Colt blickte neben sich und verstand nicht: “Was, wofür?” Fireball sah Colt kurz an und schaute wieder zu den bunten Party-Lasern, dort wurde gerade Rauch gezündet und das bunte Licht verteilte sich über die Fläche der feiernden Menschen. “Generell, wie ich mich manchmal benommen habe, auch damals auf Alamo, ihr hattet recht, ich war ein “Spoiled Boy” es war mir damals wirklich nicht bewusst, es war mir alles selbstverständlich, ich hatte gar keinen Blick für das, weil es eben normal war. Ich hatte auch vieles provoziert!” 

Colt riss bei diesen Worten seine Augen auf und schaute seinen Hombre baff an, lächelte in dessen Richtung und schnippe ihm leicht gegen seine Schläfe: “Du bist immer noch ein Spoiled Boy!” berichtigte er. Fireball wich kurz zur Seite aus nach Colts Aktion und fügte noch an: “Ja, klar, aber ich nehme es jetzt bewusst wahr, dass sowas eben in vielen Fällen nicht normal ist, dass alles zur Verfügung steht. Geld, ja ist toll, aber es gibt dir halt nur Dinge, jedoch gibt es dir nicht das, was ich in den letzten Monaten verstehen und fühlen lernen musste. Und seitdem ich weiß, was es heißt, eine richtige Familie zu haben, ist mir das wichtiger als alles andere, dass meine ich auch in Bezug auf Freundschaft, Danke Bill, dass du mein bester Freund bist, auch wenn ich es dir nie gesagt habe, aber es ist so!” Colt war sehr gerührt von diesen Worten und konnte plötzlich gar nichts dazu sagen, er war nie in der Erwartung gewesen, dass sich Fireball bei ihm entschuldigen musste. Aber ja Fireball konnte ein richtiger Rotzlöffel sein, der nur schnippen brauchte und alles und jeder würde da sein. Doch das stand nie zwischen ihnen, Colt hatte es akzeptiert, obwohl er sich schon das ein oder andere Mal Sorgen um ihn gemacht hatte, denn was würde aus seinem Freund werden, würde dieses Sicherheitsnetz mit doppeltem Boden irgendwann mal wegbrechen? Da war richtig was passiert mit ihm in Japan, da hatte eine Entwicklung stattgefunden, die Reife, die er heute Morgen an ihm wahrgenommen hatte, war also nicht nur durch einen teuren Anzug angezogen gewesen, sie war echt! Er war gerade mega stolz auf seinen Freund! Colt legte ihm einen Arm um seine Schultern und hielt ihn fest: “Danke Shinji!” Mehr konnte er nicht sagen, denn gerade hatte nicht Fireball mit ihm gesprochen, sondern Shinji Hikari so wie es nur ein echter Freund tat! Auch hatte es Colt überhaupt nicht gestört, dass Fireball ihn mit Bill angesprochen hatte. “Wir sollten uns wieder in das Getümmel stürzen, bevor Royu uns seine Einheit auf den Hals schickt.” sagte Fireball und zeigte in Richtung Partymeile. Colt nickte. 

Arschtritt 

Shinjiro trat in den Innenhof des Opernhauses und sah sich einen Moment um. Er atmete tief ein und genoss die frische Abendluft und spürte, wie sich die Anspannung in ihm etwas löste. Vielleicht war er mit seinem Zynismus eben doch ein Stück zu weit gegangen, auch wenn er bezweifelte, dass es Lorenz wirklich nur darum ging.

Am Rand der Raucherzone entdeckte er Lorenz, der gedankenverloren an einer niedrigen Mauer lehnte und eine Zigarette rauchte. “Keine schlechte Idee.” dachte sich Shinjiro und ging langsam auf ihn zu: „Bekomme ich auch eine?“, fragte er ruhig, während sein Blick nach oben wanderte. Mehrere rot blinkende Punkte zeichneten sich am Himmel ab, es waren Drohnen, die den Luftraum über dem Opernhaus überwachten. So wie in den letzten Tagen wurde alles um ihn herum kontrolliert und beobachtet wurde. Doch langsam war ein Ende dieses Zustands in Sicht.

Lorenz reichte ihm wortlos die Schachtel hin. Shinjiro stellte sein Bier auf dem kleinen Tisch neben sich, nahm sich eine Zigarette, zündete sie an und blies den Rauch langsam vor sich aus. Einen Moment lang sah er zu, wie sich der graue Schleier im milden Abendlicht auflöste, bevor er schließlich verschwand. “Entschuldige, wenn ich zu zynisch gewesen war!” sagte er, Lorenz nickte und zeigte auf Shinjiro: “Genau dahinter versteckst du dich. Du kannst mir nicht erzählen, dass dich das alles nicht mehr anhebt, oder gar beschäftigt!” Shinjiro schaute auf Lorenz und erklärte: “Doch es beschäftigt mich genau in solchen Momenten, wie gerade eben, wenn es zum Beispiel um General Campbell und all die anderen geht, aber nicht, wenn es um mich dabei geht!” Lorenz, der gerade scharf ausblies, sagte darauf: “Gut, aber bitte gestehe es anderen zu, weißt du, ich, oder wir hatten keine 16 Jahre, um zu realisieren, dass du noch lebst und wieder zurückkommst, wenn ich heute an den Tribut zurückdenke, mit dem Wissen von jetzt, dass dir in diesem Moment auf der anderen Seite geholfen wurde, überschlagen sich meine Gefühle von Trauer in Erleichterung und zum Teil auch Dankbarkeit! Aber bereit, es als gegeben hinzunehmen, bin ich noch nicht!”

Shinjiro nickte verstehend und nahm einen Zug von der Zigarette: “Danke, ich werde es das nächste Mal berücksichtigen!” Lorenz sah zu Hikari und fragte ernst: “Warst du niemals so richtig wütend auf diesen ganzen Haufen Scheiße damals?” Shinjiro lachte kurz auf, er wusste um die Wortwahl seines ehemaligen Wingmans und erklärte ihm: “Oh, doch, und zwar ganze 10 Jahre lang, bis ich merkte, dass genau diese “Scheiße”, wie du so schön sagst, mich handlungsunfähig macht, aber ich will handeln!” sprach er fest und blies den letzten Rauch von seiner Zigarette aus und warf sie in den Aschenbecher vor sich. Und drehte sich darauf zu Lorenz und ging zwei Schritte auf ihn zu: “Und es wird mir eine Ehre sein, den Outridern dafür in den Arsch zu treten!” sprach er ernst und grinste dazu. Lorenz stand auf und stellte sich vor seinen Freund und sein Grinsen wurde immer entschlossener: “Und mir ist es eine Ehre, dabei an deiner Seite zu sein!” und salutierte. Hikari tat es ihm gleich und sagte: “Mir auch und genau dich brauche ich auch dafür!” Lorenz nahm sein Bier von der Mauer und trank einen Schluck: “Du hast schon alles fertig, oder?” Shinjiro sah sich um und antwortete: “Soweit ja, wie das alles zum Schluss aussehen soll, wird sich zeigen, ich warte nur auf den richtigen Moment!” Lorenz antwortete: “Gut genießen wir die Ruhe vor dem Sturm!” und beide stießen mit dem unteren Teil ihrer Gläser an, Shinjiro wollte gerade sein Glas zum Trinken ansetzen, als Lorenz sprach: “Nicht lang schnacken, Kopp in Nacken!” und trank sein Weizenbier aus. Shinjiro sah ihn an und sagte: “Jetzt reicht es!” und ging Richtung Saal. 

Lorenz sah ihm nach und lief ihm eilig nach: “Was ist los?” Shinjiro hielt an und sagte genervt zu Lorenz: “Ich ziehe ein anderes Land vor!” und trank sein Glas leer. Und sie gingen zum Tisch zurück und setzten sich wieder. Shinjiro blickte über den Tisch in die fast leeren Gläser und stellte fest: “Wir brauchen neues Bier, das deutsche wird anstrengend!” 

Whitehawks Rückblick

General Whitehawk stand im zwanzigsten Stock des Oberkommandos und beobachtete die feiernden jungen Menschen auf dem Vorfeld. Die Zwischenfälle hielten sich in Grenzen, ihm gefiel diese ausgelassene Stimmung. Er hatte sich freiwillig angeboten, für die nächsten zwei Tage im Oberkommando die Stellung zu halten, er wusste, dass die Feiernden im Opernhaus jetzt bei einem guten Bier zusammensitzen würden und das sollten sie auch. Denn der alte Indianer sah dunkle Wolken auf sie alle zukommen. Auch wenn das Oberkommando auf einem guten Weg ist, gab es noch immer viele Unruhestifter und diese hieß es ausfindig zu machen. Ansonsten würde es für einige sehr gefährlich werden. Seit 5 Jahren lag dieser Plan der strukturellen Veränderungen in den Schubladen, aber niemand wollte ihn in Angriff nehmen. Aus Angst, zu scheitern oder in die Schusslinie zu geraten. Doch dann tauchte Shinjiro wieder auf, was Whitehawk immer noch für ihn ein Wunder hielt. Er hatte nie daran geglaubt, dass er noch am Leben sein könnte, schließlich sprachen alle Videoaufnahmen dagegen, es war eindeutig, bei so einem Manöver ist man schon Sekunden vorher tot. 

General Campbell und er selbst waren einige von den wenigen gewesen, die Shinjiros damalige Strategie unterstützt hatten. Leider war die Mehrheit dagegen, zu aufwendig, zu teuer und der Captain der diese Strategie vorgeschlagen hatte zu jung. Und es war zu unsicher, dass es überhaupt so weit kommen würde, wenn nicht, hätten sie damals völlig umsonst diese gewaltige Truppenstärke aktiviert. Um so schlimmer war es, als es passierte. General Whitehawk wurde immer betroffener, schließlich kannte er jeden, der in dieser Schlacht zu Schaden gekommen war, oder gar sein Leben gelassen hatte. Umso dramatischer war der Ausgang, dieser Schlacht gewesen, in der sie von Anfang an den Kürzeren gezogen hatten, egal, ob die Verstärkung nun 10 Minuten eher eingetroffen wäre. Das wusste Whitehawk und da ließ er sich auch nicht hineinreden, nicht einmal von Hikari, mit dem er in den letzten Wochen so einige Gespräche darüber gehabt hatte!

Alle, die dort unten gerade feiern, standen im Dienst gegen die Outrider, es waren alles tapfere Frauen und Männer, die das Neue Grenzland zu einem Ort des Frieden machen wollten. Auch wenn der Tod immer über ihnen schwebte, dessen war sich jeder Einzelne im Klaren. General Whitehawk hoffte, diesen Tag des Friedens noch erleben zu können. Aber selbst am Kampfgeschehen teilzunehmen, dazu war er mittlerweile schon zu alt, aber er war der Älteste im Rat und hatte noch Einfluss. So wie bei den alten Indianerstämmen, haben die Alten genau diese Aufgabe, die Jungen zu unterstützen und genau das würde er tun! 

„Er wurde dafür gemacht“, ging es Whitehawk durch seinen Kopf und musste fast kurz schmunzeln. Es war ein Satz, mit dem wohl jeder Captain Hikari beschrieb. Ein Satz, der so wahr war … und zugleich so bitter. Hikaris Fähigkeiten kamen natürlich nicht aus dem Nichts. Sie wurden früh erkannt, dann geschliffen, trainiert und schließlich perfektioniert. Doch Whitehawk wusste, was hinter dieser Perfektion stand, sie war das Ergebnis von Jahren harter Disziplin, von Drill und Entbehrung, von einem Leben, das schon als Kind auf dieses Ziel ausgerichtet worden war. 

Er schaute hinaus auf das Rollfeld hinter den tanzenden Menschen, wo in der Ferne ab und zu ein Schiff startete und landete. Dahinter zeichnete sich die Stadt wie ein Lichtermeer ab. Ja, die Menschen sollten feiern und er freute sich darüber. Dann setzte er sich wieder, ließ den Blick über das alles schweifen.

Slàinte mhath!

König Jarred und Captain Hikari hatten ihre Frauen verabschiedet. Kurz darauf wurde das schottische Bier serviert, ein “Gordon Scotch Ale”, ein kräftiges, dunkelrotes Starkbier, so wie es die Schotten lieben. 

Edward stand von seinem Platz auf und hob das Glas: „Slàinte mhath!“, rief er, im tiefsten schottischen Akzent in die Runde und alle prosteten sich zu. Lorenz, der erklärte Bierkenner, verzog nach dem ersten Schluck leicht sein Gesicht und kommentierte das Gebräu mit einem halb begeisterten: „Uie!“ Saber grinste und prostete den Deutschen noch einmal zu und meinte: „Beim zweiten wird’s besser!“

Hikari nahm die dazu gereichte Flasche in die Hand, lass das Etikett und zog scharf die Luft ein. Dann hielt er die Flasche Lorenz hin und kommentierte trocken: “Der Abend endet böse danach!” Lorenz lachte und meinte: “Dein Major sagte, nach dem zweiten wird es besser, ich weiß noch nicht, ob er Schluck oder Flasche meinte!” Saber lachte und gönnte sich einen Schluck.

“Ach so jung kommen wir nicht mehr zusammen, also cheers!” sagte der Amerikaner. Colonel Rosso trank von dem Ale und kommentierte: “Bei Cheers sind wir noch nicht, Saluti!” König Jarred und der weißhaarige General Hikari verließen den Saal mit einer ungewöhnlichen Geste. Die Saber im Augenwinkel, während er sich mit Colonel Murry unterhielt, wo sich herausstellte, dass der alte Fluglehrer aus Glasgow stammte. 

Nun stand auch Captain Hikari auf und gab Lorenz ein knappes Zeichen. Saber beobachtete die beiden aufmerksam. Kurz darauf erhob sich auch Colonel Rosso, nickte Saber zu und gemeinsam folgten sie den anderen in den Innenhof. Dort standen bereits König Jarred und General Hikari, die in ein Gespräch vertieft waren. 

„Was habt ihr gehört?“, fiel Shinjiro ohne Umschweife mit der Tür ins Haus. König Jarred und sein Vater sahen gleichzeitig auf. Saber verstand zunächst nicht ganz und warf Rosso einen fragenden Blick zu. Dieser beugte sich leicht zu ihm und erklärte leise: „Es braut sich etwas in den eigenen Reihen zusammen.“

Saber hob überrascht seine Augenbrauen und richtete seine Aufmerksamkeit wieder auf die Gruppe. Lorenz übernahm das Wort: „Einer unserer Informanten wurde letzte Woche direkt angesprochen.“ – „Von wem?“ fragte Shinjiro und sein Ton war schärfer, als er es beabsichtigt hatte. Lorenz führte weiter aus: „Von einem gewissen Lieutenant Delweg. Er dient auf Captain Jonsens Schiff.“ Saber, dem nun klar war, worauf das alles hinauslief, fügte hinzu: „Es heißt, sie planen, Captain Jonsens zu degradieren.“ Shinjiro nickte darauf langsam: „Ja, ich kenne diese Gerüchte. Wenn ich jemanden degradieren wollen würde, hätte ich es längst getan! Das Letzte, was wir brauchen, ist ein Lauffeuer im Oberkommando!“ Lorenz nickte nachdenklich: “Wo ist Johnsons überhaupt? Seit der letzten Schlacht vor Jarr, in der du zurückkamst, ist es sehr still um ihn geworden.” 

Hikari presste seine Lippen aufeinander und überlegte: “Nun, er ist der Rattenfänger im KOK!” Saber bekam große Augen und hörte weiter zu. Rosso nickte verstehend: “Also hat er uns diesen Ausschuss auf den Hals gejagt!” Hikari bestätigte. Saber pustete die Luft scharf aus: “Aber warum?” fragte er jetzt. Lorenz antwortete: “Neid, Eifersucht, Macht, suchen sie sich was aus.” Saber blickte zu Lorenz. Hikari führte weiter aus: “Und das macht ihn gefährlich, wir wissen Sicht, wie tief der Sumpf ist. Und was Johnsons betrifft, er vorerst beurlaubt.” Wow, dachte sich Saber, im Hintergrund war ja doch ganz schön was los. Und es war gefährlich. “Also, wie damals, er will dich aus dem Spiel haben, egal wie!” gab Lorenz zurück. Hikari grinste kurz, wurde dann aber wieder ernst.

 „Jonsens ist harmlos. Wir brauchen die Drahtzieher, die noch im Verborgenen agieren und nach außen hin eine gute Miene machen.“ Lorenz lachte leise auf:
„Tz, harmlos…“ murmelte er und zündete sich eine Zigarette an.

Rosso fragte nochmal nach: “Was ist jetzt mit dem Ausschuss, der könnte einigen Beteiligten beruflich das Genick brechen?” Alle sahen zu Hikari: “Schon mal wieder was von denen gehört?” fragte dieser in die Runde und nahm die angebotene Zigarette von Lorenz entgegen und erklärte: “Gestoppt ist nichts, aber ich bin davon überzeugt, wenn das kleine Feuer gelöscht ist, löst sich auch das auf!” Nun war es General Hikari, der seine Stimme erhob: “In drei Monaten habt ihr ein Streufeuer im Oberkommando!” Shinjiro nickte ruhig und sagte: “Das ist mir bewusst, doch wir müssen erst wissen, wer alles darin verstrickt ist, um eben alle hochnehmen zu können.” Saber atmete tief ein, “das ging ja gut los”, dachte er. 

„Du musst jetzt handeln, wer sind die beiden?“ forderte General Hikari mit Nachdruck und verlangte eine Antwort. Saber blickte zum Captain, dieser zog an seiner Zigarette, blies den Rauch aus und sagte ruhig: „Wir drehen das Ganze einfach um. Wir spielen mit, bis zu einem bestimmten Punkt und unterwandern sie von innen.“ Rosso nickte: “Also still, ohne großes aufsehen!” Lorenz überlegte: “Die Taktik ist gut, wer ist der andere?” Jarred sagte: “Lieutenant Delweg, dieser ist mit ihnen ja bereits in Kontakt getreten.” Lorenz bekam große Augen: “Woher wisst ihr das alles?” Hikari erklärte: “Nachdem Johnson versucht hatte Eagle zu sich zu ziehen, ist der Geheimdienst dran. Die Militärpolizei kann ich erst aktivieren, wenn wir das Nest kennen!” Saber atmete scharf aus, sollte auch nur eine undichte Stelle im Stab oder bei diesem Gespräch sein, wäre es ab jetzt lebensgefährlich für alle Beteiligten! Saber trat einen Schritt nach vorn: “Captain, was ist zwischen ihnen und Johnsons?” wollte Saber jetzt wissen. Hikari ging einen Schritt auf Saber zu und sagte: “Das wird er ihnen bestimmt bald erzählen, versuchen sie auch diplomatisch zu sein, er kann gerne ein Gespräch mit mir bekommen!” Jarred schüttelte nur mit seinem Kopf: „Lasst uns besser wieder hineingehen!“

Saber hingegen machte einen kleinen Umweg. Zuerst mussten die Toiletten herhalten, das Bier verlangte nach seinem Recht. Außerdem wollte er sich nach all den Informationen und dem Wahnsinn hinter den Kulissen etwas frisch machen. Unglaublich, woran im Hintergrund alles gearbeitet wurde!

Gute Nacht

So langsam klang der Abend im Opernhaus aus, es war für alle ein langer Tag gewesen. Sogar Saber freute sich auf sein Bett.

Auch auf der Partymeile wurde es langsam ruhiger. Der Shuttle-Service zum Hotel wartete bereits ungeduldig auf die vier Partygänger. Colt und Robin hatten die ausgelassene Stimmung und die vielen guten Gespräche genossen, doch nun merkte man deutlich, dass die Luft raus war. Der DJ spielte einen Rausschmeißer nach dem anderen, und an den Bars begann man bereits, aufzuräumen.

„Wann sehen wir uns wieder, Hombre?“, fragte Colt, bevor sie sich verabschiedeten.

„Ich bleibe noch etwa eine Woche auf Yuma“, antwortete Fireball. „Aaiko reist morgen schon ab, sie hat Prüfungen. Ich schreib’ dir, sobald wir aus diesem Hotelbunker raus sind!“ Colt lachte auf. „Ok, so machen wir das! Macht’s gut und schlaft schön!“, grinste der Cowboy und stieg mit Robin in das wartende Taxi. Auch sie wollten noch etwas Schlaf bekommen – Robins Bruder Joshua würde morgen, oder besser gesagt in wenigen Stunden, auf Yuma ankommen, um hoffentlich an der Militärschule des Oberkommandos angenommen zu werden, an der Robin unterrichtete. Er hatte sich in den letzten Monaten darauf vorbereitet und jetzt hofften sie, dass er eines der 3 Stipendien bekommen würde. 

„Geschafft!“, murmelte Shinjiro, als er durch das Wohnzimmer der Suite ging, und sich auszog. Er wollte jetzt nur noch duschen und ins Bett, den nächsten Tag würde er ohnehin größtenteils dort verbringen, jedenfalls war das sein Plan nach diesem Tag und er verschwand im Badezimmer.

Völlig erschöpft schlich er einige Minuten später ins Schlafzimmer. Hitomi schlief bereits tief und fest, leise legte er sich zu ihr, schloss seine Augen und atmete ruhig aus und versank immer tiefer. Er war schon fast im Reich der Träume, als er spürte, wie sich ein warmer Körper halb auf ihn legte. Arme schlangen sich um ihn, sanfte Hände strichen über seine Haut, zärtliche Küsse folgten. Er lächelte im Halbschlaf und ließ es einfach geschehen, ohne seine Augen zu öffnen.

„Du glaubst doch nicht wirklich, dass ich dich, nachdem ich dich in deiner Uniform gesehen habe, dich nun einfach schlafen lasse“, flüsterte Hitomi mit einem leisen Lächeln. Shinjiro drehte sich auf den Rücken und öffnete jetzt doch seine Augen und ein müdes, aber warmes Grinsen huschte über sein Gesicht: „Wenn du sowas sagst, lohnt sich der ganze Wahnsinn gleich doppelt“, erwiderte er leise, ehe er sie noch fester an sich zog.


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