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Naku
Shinjiro und Fireball hatten vor wenigen Minuten die Mega-City Tokio hinter sich gelassen und es wurde immer ländlicher. Fireball hatte von seinem Vater ein dickes Buch in die Hand gedrückt bekommen, welches er während der Fahrt durchblätterte. Er kannte dieses Buch, hatte sich aber nie so richtig damit befasst. So blätterte er halbherzig durch die Seiten. Vieles, vor allem am Anfang, war in einem Japanisch geschrieben, das kompliziert zu lesen war, die Ausdrucksform war damals noch eine ganz andere.
Also blätterte er so lange weiter, bis er endlich an eine Stelle gelangte, die er verstand. Er stieß auf das Jahr 1875, zwei Jahre vor dem großen Samurai-Aufstand. Dort waren die Vor- und Nachteile eines Beitritts festgehalten und in Shinjichis kurzen Sätzen ließ sich sein innerer Zwiespalt deutlich spüren.
Wäre der Aufstand erfolgreich gewesen und er hätte sich nicht angeschlossen, wäre seine Familie von den anderen ausgelöscht worden. Fireball atmete tief durch. Ja, die Zeiten waren brutaler, das ließ sich auch in früheren Aufzeichnungen immer wieder nachlesen. Er blätterte weiter, doch auch die andere Möglichkeit war kaum besser: Was, wenn er sein Katana niederlegte? Der Kaiser versprach den Samurai, die ihm in die neue Welt folgten, Wohlstand und symbolisch den Titel. Aber ihren besonderen Status verloren sie – und waren damit in der aufkommenden modernen Welt praktisch arbeitslos. “Was ein Zwiespalt” dachte sich Fireball, er wüsste nicht, was er getan hätte. Aber sein Vorfahre Shinjichi war der damalige Shogun von Naku, klar ging es um Machterhalt, aber auch um den eigenen Kopf und die Familie, er musste sich entscheiden und das hatte er. Ein Großteil seiner Samurai standen hinter ihm, doch andere schlossen sich dem Aufstand an.
“Ich bin der Diener des Erleuchteten, Kaiser Mejin, ich werde tun, was er von mir verlangt!” Das war der letzte Eintrag von Shinichi in dieser Chronik, danach schrieb sein ältester Sohn in 3 Einträgen die nächsten Jahre auf. Fireball klappte das Buch zu.
Shinjiro warf hin und wieder einen Blick auf seinen Sohn, der im Buch der Familienchronik blätterte. Ja, man musste den Inhalt erst erfassen und die Hintergründe kennen. Vieles war schwer zu lesen, und anderes ließ sich mit dem heutigen Blick nur schwer verstehen. In weiser Voraussicht hatten ihre Vorfahren all das als Leitfaden für die Nachkommen niedergeschrieben, damit die Familie überleben konnten. Denn das Leben im alten Japan war alles andere als einfach. Seine Vorfahren hatten die Fähigkeit, Aufstände frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig niederzuschlagen – nicht immer ohne Blutvergießen. Denn wer am Hof eines Shogun das Katana zog, musste mit dem eigenen Tod bezahlen, so grausam das aus heutiger Sicht auch klingen mag. So war es halt und das musste man auch annehmen, nicht nur das gute, oder in der Neuzeit das romantisierte Bild der Samurai. “Wer die Fehler der Vergangenheit sieht, vermeidet sie in der Zukunft!”
Sie erreichten eine Region namens Naku. Auch hier war Fireball schon einige Male gewesen, besonders als Kind im Sommer. Sein Großvater besaß hier ein traditionelles Sommerhaus, in dem seine Großeltern fast jeden Sommer verbrachten.
Als Kind hatte er es geliebt, barfuß mit den anderen Kindern aus dem gleichnamigen Dorf durch die Reisfelder zu rennen, was gar nicht mal so ungefährlich gewesen war und die umliegenden Wälder zu erkunden. Er musste leicht grinsen, als er sich daran erinnerte, wie sie den Waldgeist Totoro gesucht hatten. Oder nach Flusskrebsen gefischt hatten. Er hatte aus Naku die schönsten Kindheitserinnerungen, er blickte etwas wehmütig aus dem Fenster, jeder Baum schien ihm zuzurufen, “Hey, ich kenne dich!” so schnell wie die Landschaft an ihm da draußen vorbeizog, so schnell war seine Kindheit vorbei gewesen, und er war gerade einmal 17 Jahre alt, er erschrak etwas bei dieser Erkenntnis. Doch all das hier war irgendwann nicht mehr spannend gewesen, da bot die Mega-City Tokio und jetzt das Neue Grenzland mehr. Und er hatte Naku schon fast vergessen, bis heute, bis gerade, er sah, wie der heiße Wasserdampf die kalten, winterlichen Berge umhüllte, diese gegend war Berühmt für seine Onsen, und die heißen Quellen, man sagt ihnen nach: “101 Jahr alt zu werden, wenn man nur regelmäßig darin badet”. Bekannte Straßen und sogar Geschäfte zogen an ihm vorbei. Irgendetwas war gerade so ganz anders. “Ist alles in Ordnung?” riss ihn die Stimme seines Vaters aus seinen Gedanken.
Er wandte sich vom Fenster ab und blickte kurz zu seinem Vater, der genau wusste, wohin er fahren musste, als wäre er nie fort gewesen. Fireball schluckte, atmete tief ein und nickte. „Ja, alles in Ordnung, ich hab nur gerade an etwas gedacht“, sagte er tonlos und blieb in den Gefühlen gefangen, die ihn gerade überrollten, warum auch immer und doch ließ er es zu. Shinjiro nahm die Antwort ebenfalls tonlos hin.
Er hatte eine schöne Kindheit, das wusste Fireball, alle um ihn herum hatten ihm ein Umfeld geschaffen ohne irgendwelche Sorgen, er landete immer weich und er wusste genau, wie er seinen Großvater zu einem Ja bewegte, selten hatte er ein “Nein!” von ihm gehört. Und im selben Moment kam ihm das laute Gespräch zwischen seinem Vater und Großvater wieder in den Sinn, in das er gestern zufällig hineingestolpert war. Und schaute kurz noch einmal zu seinem Vater, atmete tief ein und steckte sich seine AirPods in die Ohren und blickte wieder nach draußen und ließ seine Gedanken schweifen.

Was hatte er da gehört, oder hatte er sich einfach nur verhört? Und warum war sein Großvater so wütend gewesen? Fragen über Fragen, doch es nagte an ihm, hatte sich festgekrallt, egal wie er es drehte und wendete. Und doch erkannte Fireball, dass er so gut wie gar nichts aus der Vergangenheit seines Vaters wusste. Er hatte nie seine Mutter oder Großvater danach gefragt, warum eigentlich nicht? Wäre es zu schmerzhaft gewesen? Hatte er sich als Kind davor geschützt? Und jetzt, jetzt saß er neben ihm und er könnte ihn alles fragen, was er wollte. Und doch tat er es nicht, was nicht an den Fragen lag, denn die hatte er zuhauf, was ihn aber auch gleich wieder schmerzhaft verstummen ließ. Er hatte tiefen Respekt vor seinem Vater, auch wenn er ihn erst ein paar Monate kannte,fühlte es sich ungewohnt vertraut an. Er drehte die Musik lauter. Eine halbe Stunde später hielten sie an einem Ryokan mit anliegenden Onsen und checkten ein.

Komödien Abend
April hatte den Tag mit ihrer Cousine June verbracht und die beiden ließ den Abends auf dem Sofa ausklingen, eine Komödie flimmerte über den Bildschirm und sie war einfach nur froh wieder in ihren vier Wänden zu sein! Die Zeit im Königreich Jarr hatte sie sehr genossen, vor allem, weil sie dort im Alltag so selbstverständlich Französisch sprechen konnte. Hier würde es sich wieder auf ihren Vater im Privaten beschränken.

Während des Films warf sie einen schnellen Blick auf ihren Kommunikator, schließlich würde in den nächsten Tagen einiges anstehen und sie wollte keine Änderung verpassen. Sie öffnete ihre Nachrichten. “Okay, Saber ist also auch wieder vor Ort,” dachte sie, als sie die Nachricht des Schotten las. Sie scrollte weiter durch, auch der Cowboy hatte sich gemeldet, aber außer zwei lustigen Videos hatte er nichts Wichtiges geschickt, sie schmunzelte und würde sich die Fundstücke des Cowboys später anschauen. Sie zögerte kurz, und ihr Schmunzeln erlosch, als sie überlegte, ob sie sie Fireball schreiben sollte? Ihr Vater hatte erwähnt, dass seine Familie derzeit in Japan war und Fireball nicht mit zurückkehren würde. Wie würde es für ihn nun weitergehen? Schließlich tippte sie: Hallo, ich hoffe, es geht dir gut! Liebe Grüße, April. Sie schickte die Nachricht ab, legte den Kommunikator beiseite und wandte sich wieder dem Film zu.
Ryokan
Shinjiro und Fireball erreichten das älteste Ryokan im Ort, das an einem dampfenden Fluß lag, der aus den heißen Quellen in den Bergen entsprang. Sie stiegen aus dem Auto und traten in das Gästehaus. Ein Ryokan ist ein traditionell japanisches Gasthaus, in dem man tief in die Kultur und Gastfreundschaft Japans eintauchen kann. Beim Eintreten empfing Fireball und Shinjiro der Duft von Holz und grünem Tee, was einen sofort empfangen fühlen ließ. Die glänzenden Holzböden spiegelten das sanfte Licht der Lampions, andere Gäste ließen oder saßen in ihren „Yukatas“ Kleidung, die vor allem in Ryokans als bequeme Hauskleidung dienten.
Der Inhaber, der in einem schlichten dunklen Kimono gekleidet war, begrüßte sie mit einer Verbeugung und einem freundlichen Lächeln, als er sie willkommen hieß und zeigte den beiden den Weg zu ihrem Zimmer.
Dort angekommen, fanden sie einen hellen Raum vor: der Eingangsbereich aus poliertem Holz, der weiter in einem Tatami-Bereich überging. In der Mitte stand ein niedriger Tisch mit beinlosen Stühlen und weichen Sitzpolstern, schlicht und doch einladend. Alles strahlte Ruhe und Harmonie aus, so als würde die Zeit hier langsamer vergehen.
Der zweite Bereich war mit einem Shoji eine Tür, abgetrennt, dort lagen auch schon die zwei Futons für die Nacht bereit. Ihre normale Kleidung tauschten sie mit den bereitliegenden Yukatas.

Fireball ging zum Fenster und blickte hinaus, der Tag neigte sich langsam dem Ende und die Sonne würde bald untergehen. Dampf stieg immer wieder aus der unteren Etage empor, dort war wohl das hauseigene Onsen. Durch den Dampf war das Bild nach draußen einfach mystisch, und es begann wieder zu schneien. In der Ferne sah er Lichter und den Fluss, der sich vom Horizont bis vor das Gasthaus schlängelte. Sein Vater trat stumm neben ihn und schaute ein paar Sekunden mit ihm nach draußen: “Wonach hältst du Ausschau?” wollte er wissen.

Fireball schüttelte mit seinem Kopf und erklärte: “Nach gar nichts, ich überlegte gerade, ob ich dem Onsen einen Besuch abstatten sollte!” Sein Vater nickte und ging wieder in den Raum zurück und öffnete seine Tasche: “Und wie fällt deine Entscheidung aus?” Fireball drehte sich zu seinem Vater und sah ihn etwas gefrustet an. Shinjiro blickte auf, weil er keine Antwort bekam und grinste, als er den Gesichtsausdruck seines Sohnes sah: „Ich meinte: Onsen, ja oder nein?“ Fireball hob den Kopf verstehend, er hatte die Frage tatsächlich falsch aufgefasst: „Ja“, nickte er und dachte nach: „Ich weiß gar nicht mehr, wann ich das letzte Mal in einem war.“ Shinjiro nickte darauf ebenfalls nachdenklich: „Das weiß ich von mir auch nicht mehr.“ Fireball lachte kurz auf.

Yuma
Beim Kavallerie-Oberkommando wurde die Erweiterung des Vorfeldes abgeschlossen. Diese bauliche Maßnahme war seit Langem vorgesehen, da die neuen Schiffsklassen größere Rangiere und Parkpositionen erforderten. Gleichzeitig wurde der Bereich so ausgelegt, dass er künftig auch für offizielle Zeremonien, wie Truppenappelle, Paraden und insbesondere die Vereidigung, genutzt werden kann.
Für letzteres kamen immer mehr offizielle Anmeldungen, von Staatsgästen, militärischen Abgesandten. Diese Veranstaltung war die Chance den Menschen, das Oberkommando vorzustellen, doch es stellte auch erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Es wäre das perfekte Angriffsziel, denn es gab auch Gegner. Doch die meisten Menschen im Neuen Grenzland waren für einen Zusammenschluss, das ergaben die aktuellen Umfragen und diverse TV-Debatten, die sich Charles so manches Mal in der Nacht angehört hatte, so saß er auch heute in seinem Wohnzimmer, doch das TV blieb, der Nerven wegen aus. Es war so viel zu organisieren, dass Charles es in letzter Zeit vorzog, den Tag in seinem gemütlichen Sessel mit einem guten Glas Rotwein in der Hand und leise klassischer Musik ausklingen zu lassen. Es war ein Rotwein, den er aus Jarr mitgebracht hatte. Auch er genoss es wieder zu Hause zu sein und dachte über die vergangenen Jahre nach, bei einigen Erinnerungen musste er schmunzeln und einige Erlebnisse stimmten ihn traurig.

Wie gerne würde er jetzt mit seiner Frau hier sitzen und mit ihr reden, aber das tat er auch sehr oft, einfach so. Es mangelte nicht an Angeboten für den Witwer, musste er grinsen, aber private Zeit hatte er kaum noch gehabt, als er damals als Major die Leitung des Oberkommandos übernommen hatte, “für maximal 5 Jahre” hieß es damals, aus diesen 5 Jahren waren ganze 16 Jahre geworden. “16 Jahre”, murmelte er leise vor sich und nahm einen Schluck des guten Weines.
Es war ein kleiner Abschied und doch empfand er ihn als gut. Eine Beraterposition als Mentor konnte er sich gut vorstellen, er würde den jungen Menschen besser zur Seite stehen können und das sogar besser als bisher als Commander. Es wird anders werden, dessen war er sich bewusst. Er hatte das Glück, dass er in seiner Zeit als Commander sehr lange Frieden gewesen war. Das Oberkommando wird sich verändern, denn das Grenzland verändert sich auch, die Siedlungspolitik war so gut wie beendet. Und es wurden feste politische Strukturen eingeführt, nichts Schwammiges mehr und so sollte es jetzt auch mit dem Militär sein, auch das war längst überfällig, die Aufgaben waren kaum noch umsetzbar gewesen ohne einheitliche Befehlsstruktur.
Charles war sich sicher, dass seine ersten grauen Haare genau davon kamen. Eine klare Linie sollte und musste gefahren werden und kaum dachte er diesen Gedanken, musste er mit seinem Kopf schütteln. “Perfektes Timing”, dachte er, doch Charles wüsste auch niemanden, der das in den Griff bekommen würde, Shinjiro ist dafür wie gemacht!
Erinnerungen
Charles war damals ein junger Ausbilder auf Alamo gewesen, dort traf er auf den 18-jährigen Shinjiro, der von seinem Vater geschickt worden war. Heute war sich Charles sicher, der alte General Hikari hatte einen Plan mit seinem Sohn und den verfolgte er Regulus! Shinjiros Schul- und Ausbildung liest sich wie eine Abschrift oder Auflistung der besten Schulen und Lehrer. Eagle glaubte nicht, dass dieser eine Kindheit in dem Sinne gehabt hatte! Jedoch hatte Shinjiro sich nie in irgendeiner Weise über seinen Vater beschwert. Auch am Anfang kam Eagle als Ausbilder mit Shinjiros Art nicht klar, er empfand den jungen Kerl sehr von sich überzeugt. Jedoch bestätigte dieser immer wieder sein Können. Shinjiro kennt seine Schwächen ganz genau und diese gleicht er aus, indem er sich dann auch die richtigen Leute heranzieht, die davon Ahnung haben. Auch die Freundschaft zwischen Jarred, der damals noch Kronprinz war, und Shinjiro, hatte Charles mitbekommen. Jarreds Vater war krank und Jarred bereitete sich darauf vor, in absehbarer Zeit König zu werden, er wollte eine eigene königliche Garde aufbauen und warb Offiziere auf Alamo an. Jarred gefiel jedoch die Art und Weise des Japaners, was Eagle damals überhaupt nicht verstehen konnte! Aber etwas verband Jarred und Hikari, sie hatten immer etwas zu reden, es war die erste freundschaftliche Verbindung, die nicht von Shinjiro blockiert oder unterbunden wurde. Erst einige Jahre später wusste auch Charles den jungen Japaner irgendwie zu händeln.
Den plötzlich war er kein Vorgesetzter mehr für Hikari, dieser war schneller Captain geworden als man schauen konnte. Und als dieser dann noch seinen ersten Stern bekam, war Eagle ihm unterstellt, ja er war neidisch gewesen, wie so viele andere auch! Denn die, die sich jahrelang abrackerten, um in die nächste Stufe einer Beförderung zu kommen, sahen, wie sie von einem jüngeren überholt wurden.
Er schenkte sich noch ein Gläschen ein und schaute auf das Familienfoto an der Wand und ein Blick fiel auf seine Tochter und er musste tief einatmen. Sie bereitete ihm Sorgen, wo blieb sie? Er hörte sie nie von ihrer Zukunft erzählen, das müsste er wirklich einfach mal ansprechen. Hatte er da etwas als Vater übersehen, es fehlte einfach die Mutter, es gibt Dinge, die eine Frau eher als ein Mann sieht! “Kleine Kinder, kleine Sorgen, große Kinder, große Sorgen!” wie wahr kommentierte er seine Gedanken und trank ein Schluck seines Weines und lehnte sich zurück und lauschte der klassischen Musik.
Absatz 2
Fireball und sein Vater waren im Onsen des Royokan angekommen, nach der gründlichen Waschung entschieden sie sich in ein Außenbecken zu gehen und stiegen in das bis zu 45 Grad heiße, braune Mineralreiches Wasser. So heiß hatte es Fireball überhaupt nicht mehr in Erinnerung, aber er wollte, nein, er musste rein, denn die Außenluft war zu kalt. „Ja, hier wird man abgebrüht.” kommentierte sein Vater, Fireball nickte zustimmend, eine schöne bildliche Vorstellung fand er. Sie lehnten sich an die felsige Wand und genossen das natürliche heiße Quellwasser eine Weile.
“Und bist du noch sauer?” Fireball riss seine Augen auf, er war doch gerade in anderen genießerischen Gefilden unterwegs gewesen, als ihm die Frage seines Vaters aus der warmen Stille riss. Fireball schluckte und setzte sich etwas auf: “Wegen des Rapports?” fragte er zurück und blickte zu seinem Vater, dieser legte sich das heiße Handtuch auf seine Stirn und zog es sich über die Augen und lehnte sich mit dem Kopf zurück: “Jaaa …” Fireball könnte schwören, dass sein Vater bei diesem “Ja” die Augen verdreht hatte! “Hm, ich weiß nur jetzt noch weniger, was nun werden soll …” war seine ehrliche Antwort und er wusste, dass sie seinem Vater nicht gefällt! “Hmm …!“, bekam er als Antwort darauf zurück und Fireball sprach nachdenklich weiter: “Ich weiß nicht, wie ich Richard gegenüber treten soll, wenn ich ihn das nächste Mal sehe.” öffnete er sich. Sein Vater nickte: „Dann hast du ja jetzt genug Zeit darüber nachzudenken!” erwiderte er. Nun war es Fireball, der mit einem: “Hmm …” antwortete.
Shinjiro wartete noch eine Weile, ob da jetzt noch was von seinem Sohn komme: “Du wirst bei deinen Großeltern bleiben bis Mai, deine Mutter und ich fliegen allein zurück nach Yuma. Wir möchten, dass du dich hier zu 100 Prozent auf dein Studium konzentrierst, ich habe deine Punktzahl im Blick!” fiel er mit der Tür ins Haus. Fireball sah zu seinem Vater und wurde ein klein wenig sauer, seine Leistungen waren mehr als gut, wenn nicht sogar sehr gut: “Ich liege mit Abstand bei 92 Prozent!” gab er zu verstehen. Sein Vater fragte: “Wo sind die anderen acht?” Fireball rollte leicht mit seinen Augen und sah frustriert zu seinem Gegenüber.
„Gib dir einfach mehr Mühe … ”, sagte sein Vater mit einem Grinsen im Gesicht: “Was?” Fragte Fireball. “Siehst du und schon weißt du nicht mehr, worum es gerade ging?“ Fireball lehnte sich an die Steinwand und blickte in den dunklen Abendhimmel: “Oh Mann!” dachte er sich und tauchte mit einem genervten Seufzen unter, wo das heiße Onsen Wasser sein Gesicht, das kalt von der winterlichen Luft war, umschloss, und ein leichter stechender Schmerz wie tausend kleine Nadeln breitete sich auf seiner Gesichtshaut aus, während der Dampf seinen Kopf heiß umarmte, er tauchte tief einatmend wieder auf, er hatte das Gefühl gerade gekocht worden zu sein. Ja, zum Tauchen ist so ein Onsen im Winter ziemlich ungeeignet, aber es tat gut, sein Ärger hatte sich gelegt.

Shinjiro musste stumm auflachen, als Fireball wieder auftauchte, er war krebsrot im Gesicht und sein Kopf dampfte, ein perfektes Bild, das das Gemüt seines Sohnes einfing. Fireball hörte seinen Vater lachen und grinste: “Ich bin immer zu schnell mit meinen Reaktionen!” Sein Vater, der sich indes beruhigt hatte, nickte zustimmend: “Ich wollte dich ein wenig reizen, gab er zu, das setzt meine Forderung um die 8 Prozent jedoch nicht außer Kraft!” Fireball nickte und er wusste, dass sein Vater es gerade mit Absicht getan hatte.
Sein Vater wechselte die Seite des Beckens. Fireball beobachtete ihn und sah sich nachdenklich um,als ihm die ereignisse auf Jarr zurück ins Gedächtnis kamen, doch diesmal waren es die in König Jarred Büro, als er vor dem katana gestanden hatte und er hatte gesehen, die Geschichten seines Großvaters waren also nie erfunden? Er kratzte sich an seiner Schläfe: “Aber warum erfahre ich das alles erst jetzt?” sprach er seine Gedanken laut aus. Shinjiro rieb sich seine Augen und sah seinen Sohn fragend an. Fireball sah auf und nickte: “Ja, ok, ich habe nie richtig zugehört, wenn Großvater davon erzählte, einiges war spannend, aber doch irgendwie so weit weg.” fügte er noch hinzu, Shinjiro nickte, e verstabnd den Themen wechsel nicht aber er verstand was seinem Sohn da wohl gerade durch den Kopf ging: “Das alles, wäre meine Aufgabe gewesen! Um das alles zu verstehen, braucht man Jahre, doch wir haben gerade mal 2, mit deinen 17, fast 18 Jahren bist du noch offen dafür, ab 20 verschließt sich das Verständnis und es würde dir schwerer fallen, es anzunehmen. Und ich bin sehr dankbar, dass ich diese zwei Jahre mit dir gehen kann!” Fireball blickte seinem Vater entgegen, das Gesagte ging ihm tiefer als er dachte, er nahm sich vor, sich dafür zu öffnen, schließlich schien es seinem Vater und Großvater viel zu bedeuten.
“Ich möchte dich bitten, alles um dich herum zu beobachten und auch zu hinterfragen!” sprach sein Vater ruhig, Fireball nickte still, was auch immer sein Vater damit meinte, aber er würde es versuchen. Shinjiro stand auf: “Mir wird es zu warm, kommst du mit oder lässt du dich weiter kochen?” Fireball grinste: “Ich bleibe noch einen Moment, ich mag es Medium!” scherzte er. Shinjiro nickte: “Gut!” sagte er und stieg aus dem Becken und warf sich sein Handtuch um die Hüften. Fireball schaute in die Dunkelheit, weiter weg, am Horizont, stand eine Burg, sie war beleuchtet, es war die Burg von Naku, als wollte sie ihm etwas sagen.
Willkommen zu Hause
Am nächsten Morgen waren Fireball und sein Vater direkt zur Burg von Naku gefahren und standen nun vor dem imposanten steinernen Wall. Fireball schaute nach oben, kalte Luft blies ihm ins Gesicht, als würden diese Mauern Atmen und ihm die Luft entgegen pusten. Sein Vater stellte sich neben ihm und erklärte:

„Die Burg war ursprünglich komplett aus Holz erbaut, überwiegend aus Kiefer und besaß Flügel an der Ost- und Südseite. Die Fertigstellung wird irgendwie auf die Jahre 1392 und 1399 datiert. Im Jahr 1929 ging sie in Staatseigentum über.
Die Burg, so wie du sie heute siehst, bewahrt nur noch den originalen Steinwall und den Innenhof, alles andere wurde nach einem Brand im Jahr 1946 aus Holz und Beton in jahrzehntelanger Arbeit und Recherche originalgetreu rekonstruiert. Der 1958 fertiggestellte Nachbau beherbergt heute ein Museum.“
Fireball blickte während der Erzählung seines Vaters immer wieder mal zur Burg hinauf: „Woher weißt du das alles?“, fragte er schließlich und sein Vater der über jedes Detail Bescheid zu wissen schien. Shinjiro grinste seinem Sohn etwas überlegen entgegen: “Na, dass steht in dieser Broschüre, die im Ryokan auslag.” und hielt sie ihm vor die Nase. “Mhmm”, verzog Fireball das Gesicht und nahm die Broschüre über die Burg entgegen und blickte zu seinem Vater.

“Willkommen zu Hause!” sagte dieser grinste und ging Richtung Burg. Fireball riss seine Augen auf und sah ihm verwirrt nach: “Hä? … Was?” und schaute noch einmal nach oben zur Burg und ging ihm schnell nach.
Sie gingen durch einen kleinen Seiteneingang: “Ok, das ist jetzt echt Spooky!” dachte Fireball, als sie die unzähligen Treppen hinaufstiegen, die kein Ende zu nehmen schienen. Oben angekommen, klopfte sein Vater auf einen massiven Holzbalken, der die Abgrenzung des Steinsockels bildete, und ging weiter. Fireball blieb stehen und sah sich diesen etwas genauer an, er war aus Kiefernholz und wies auch Brandspuren auf, inmitten dieses Balkens war ein Schriftzeichen eingebrannt und Fireball bekam große Augen, es war tatsächlich das Kanji für “Hikari” er sah es sich eine weile an, um eventuell doch noch einen Fehler zu finden und zog seine Augenbrauen zusammen und ging die letzten stufen hinauf.
Er trat neben seinen Vater in einen sehr gepflegten Innenhof mit mehreren Gebäuden. Ein traditioneller japanischer Garten war angelegt, dieser lag zwar gerade unter einer hübschen Schneedecke, aber die einzelnen Bereiche konnte man erkennen, er sah ein Teezeremonie-Häuschen und die Engawa eine “Veranda”, die rings um die ersten Stockwerke aus Kiefernholz verlief.

“Schau dich um, du kannst auch hineingehen!” sagte sein Vater zu ihm, der in die andere Richtung ging, um sich ein Tor, welches originalgetreu in den letzten Jahren gebaut wurde, anzusehen. Fireball schluckte, etwas in ihm dämmerte, aber er wollte es noch nicht wahrhaben. Er ging auf das Hauptgebäude zu, seine Schritte knirschten im Schnee, ein Geräusch, das er unglaublich friedvoll empfand. Vor der Engawa sah er sich noch einmal um, es war still, unscheinbar, aber doch strömte dieser Ort etwas aus, nur das Rauschen des Flusses war zu hören und vereinzelte Wintervögel. Langsam stieg er die vier Stufen hinauf unter die überdachte Veranda.
Bedächtig setzte er einen Schritt vor den Anderen und trat an das Holzgeländer und war erstaunt, mit so einer Aussicht hatte er hier noch nicht gerechnet. Seine Augen glitten langsam über den verschlafenen Ort, der unterhalb der Burg war. Ja sogar das Ryokan, konnte er von hier aus sehen, den Onsen Kawa (温泉川) Fluss, der sich dampfend wie eine Schlange durch den Ort schlängelte und die vielen Onsen mit dem Mineralienreichen Wasser speiste.

Doch in ihm regte sich etwas ganz anderes, was er nicht verstehen konnte, doch es war angenehm. Obwohl rings um ihn alles unter einer Decke aus Schnee und Eis tief und fest zu schlafen schien, kitzelte ihm die aufgehende Sonne, die sich mühevoll durch die dichten Schneewolken kämpfte. Er atmete tief die kalte Luft ein und dieses leise, warme Gefühl, das sich aus der Brust in alle Glieder ausbreitete, wärmte ihn und er verlor sich in den Ausblick vor ihm.
Fireball löste nach einiger Zeit seinen Blick, ihm begann nun doch etwas zu frösteln. Er drehte sich um und trat an eine Tür und blickte zuerst einmal durch einen Schlitz hinein, nichts rührte sich im Inneren. Einen Moment lang zögerte er, dann schob er sie beiseite, stille empfing ihn, gekonnt, beiläufig zog er sich beim Eintreten seine Schuhe aus und trat in den doch erstaunlich warmen Innenbereich.
Er sah sich um, blickte in die einzelnen Vitrinen mit diversen Ausstellungsstücken, Bilder und Karten hingen an den Wänden. Er erinnerte sich, er war schon einige Male hier gewesen und er ging zielsicher und erwartungsvoll um die nächste Ecke und da stand sie, die rote Samurai Rüstung mit dem Lang- und Kurzschwert davor.
Fireball musste etwas in sich hinein schmunzeln, als kleiner Junge hatte er vor dieser immer Angst gehabt. Die Maske war ja auch alles andere als freundlich. Ein Schild, welches das Alter und den Besitzer identifizierte, überflog er und musste etwas ungläubig mit seinem Kopf schütteln: “Das kann doch alles nicht wahr sein!” war sein Gedanke dazu … Es gab noch andere Gegenstände, die nichts mit der Hikari Familie direkt zu tun hatten, aber eben geschichtlich mit dieser Gegend verbunden waren. Er betrachtete einige Katanas und auch Kurzschwerter, Zeichnungen und Holzschnitte. Sollten diese wirklich seine Vorfahren zeigen, es wollte einfach nicht in seinen Kopf gehen, obwohl ihn das alles hier anschrie, etwas wehrte sich innerlich, es glauben zu dürfen.
Vor einer alten Zeichnung blieb er stehen. Diese zeigte eine Alltagsszene vor der Burg, die im 14. Jahrhundert datiert wurde. Skeptisch begutachtete er sie und er erinnerte sich daran, wie Saber ihm, Colt und April einmal die Ahnengalerie im Schloss der Lancelots gezeigt hatte, etwas was er damals stinklangweilig gefunden hatte und doch hatte er sich einiges von den Erzählungen. Und musste lachen, als er sich an diese Tage in Schottland erinnerte, April, die einen Romantik flow bekommen hatte und Colt kurz davor war, tatsächlich einen Kilt anzuziehen, nur damit Saber dem Cowboy verriet, was so ein Schotte darunter trug. Leider passte der Cowboy im letzten Moment und somit blieb dieses Geheimnis weiterhin ungelüftet.
Doch jetzt hier, vor etwas Ähnlichem zu stehen, fühlte sich seltsam an und statt Stolz oder Bewunderung spürte er ein leichtes Unbehagen, als würde er der Vergangenheit plötzlich zu nahe kommen.
Echo der Vergangenheit
Shinjiro lief im Außenbereich an der hüfthohen Steinmauer entlang. Der Wind war kalt und roch nach Schnee, er zog den Reißverschluss seiner Jacke höher, damit die Kälte draußen blieb, zu seinem Erstaunen hatte sich hier seit sechzehn Jahren kaum etwas verändert, wie so vieles in seinem Umfeld. Er wusste nicht, ob ihn das beruhigen sollte, oder nicht? Doch das Zeit vergangen war, sah er in den Gesichtern der Menschen, die er kannte. Sechzehn Jahre lang hatte er sie unverändert in seiner Erinnerung behalten und nun blickte er in Augen, die ihre eigenen Jahre erlebt hatten, gute wie schlechte.
An einem Mauervorsprung auf der Ostseite blieb er stehen und ließ seinen Blick über den Ort Naku schweifen, der friedlich und still unter ihm lag. An einem Haus blieb sein Blick hängen. Etwas darin rührte eine Erinnerung in ihm, undeutlich und fern. Langsam zog er die Augenbrauen zusammen, während er das Gebäude fixiert betrachtete.
Katana
Fireball stand vor einem Tatami-Zimmer, das abgesperrt war und man nur hineinblicken konnte. Auf einer kleinen Erhöhung im Raum war die Kleidung eines Shogun ausgestellt, so drapiert, wie man es halt trug: “Was hatten die an Stoff zu schleppen jeden Tag.” ging es Fireball durch den Kopf und er las sich die Beschreibung, wo diese Kleidung detailliert beschrieben wurde durch: “Ok, nicht jeden Tag, nur zu bestimmten Anlässen” korrigierte er sich und wandte sich ab, in den anderen Räumen wurden alte hochwertige Kimonos von Männern, Frauen und Kindern ausgestellt. Und nach diesem Rundgang landete er wieder im Raum, wo die beeindruckende, unglaublich gut erhaltene rote Samurai Rüstung stand. Und ging wieder zu ihr.
Er blickte sie an und hatte das Gefühl, sie würde ihn immer tiefer anstarren, je näher ihr kam. Er wandte sich ab und beschloss, ein Stockwerk höher zu gehen, der Gang der Treppen war mit alten Kalligrafien und Gedichten behangen. Die zweite Etage war von der Geschichte durchflutet an den Wänden hinter Glas. Es waren Schriftstücke und Erklärungen dazu. Ganze Gerichtsbarkeiten und auch Abschriften, die er kannte, aus der Familienchronik. “ Was?” Genau dieses hatte er doch auch gestern in den Händen gehalten und hier lag es aus, ein kleines Stück original. Er ging weiter und die Chronik wurde hier ab dem 14. Jahrhundert gelistet, ab dem Zeitpunkt, von dem es Holzschnitte und Papierschnitte gab, alles davor waren nur Daten und eben diese kleinen Papierfetzen. Er las sich alles durch und verzog auch ab und zu sein Gesicht.
Da trat sein Vater neben ihn und zeigte auf: “Es war nicht alles romantisch und schön gewesen, im Großen und Ganzen sogar überhaupt nicht, aber durch die schönen Geschichten, die es gab, lebt das alles noch!” Fireball blickte nicht begeistert auf, doch sein Vater klopfte zweimal auf die Glasscheibe und erklärte: “Es ist wichtig, sowas zu wissen, dann macht man die Fehler nicht nochmal, naja wenigstens in der Theorie!” Sie gingen weiter, eine Wand mit verschiedenen kleinen Holztäfelchen, einige waren schon sehr alt, es nagte sogar der Verfall daran, immer wieder tauchten Namen mit demselben Wortstamm, “Shin” auf. Manchmal fehlte ein Name, wahrscheinlich gab es dieses kleine Holztäfelchen nicht mehr, ging verloren oder was auch immer. Er ging weiter und irgendwann tauchte das Geburtsdatum seines Großvaters auf und … Er blickte zu seinem Vater, dieser nickte und zeigte ihm an, er solle weiter lesen. Fireball ahnte schon, worauf das hinauslaufen würde. Weiter ging es mit seinem Vater und Royu.
“Wer hat denn, … ist das alles wahr?” und starte, auf ein weiteres holz an. “Was brauchst du noch als Beweis Shinji?” fragte ihn sein Vater. Fireball schüttelte langsam mit seinem Kopf und erwiderte: “Ich nicht, aber mein Hirn!” Sein Vater gab ihm einen leichten Klaps auf seinen Hinterkopf: “Mach es mal kurz aus und geh noch einmal den Weg zurück, aber diesmal mit dem Wissen, welches du jetzt hast!”
Fireball drehte sich langsam um und setzte sich in Bewegung. Shinjiro folgte seinem Sohn und trat hinter ihm in den Raum, in dem die Samurai-Rüstung steht.
Fireball stellte sich vor die Rüstung. Sein Vater stoppte kurz neben ihm, und beide sahen sich einen kurzen Moment an. Shinjiro ging weiter und machte einen Schritt über die Absperrung und griff nach dem Katana, das vor der Rüstung auf einem Aufsteller lag. Fireball bekam große Augen und sah sich um und beobachtete, was er da tat: “Was machst du?” Sein Vater grinste leicht und nickte ihm zu: “Es ist in Ordnung.” beruhigte er seinen Sohn und hob das alte Katana: “Das gehört der Familie, also dürfen wir es berühren!” sagte er und reichte es seinem Sohn: “Es ist 400 Jahre alt und somit eines der ältesten, welches noch in unserem Besitz ist!”
Fireball stand vor dem ihm gereichten Langschwert und blickte, abwechselnd zu seinem Vater und zu dem Katana: “Jetzt nimm es!” sagte sein Vater etwas fordernder. Fireball nickte kurz und umfasste den Griff mit seiner rechten Hand, ja, es hatte Gewicht, aber es war nicht so schwer, wie man erwarten würde. In diesem Moment ging ihm alles durch den Kopf, was er hier gesehen, gelesen und gehört hatte, er hatte Bilder im Kopf, hörte die Geschichte, als ob sein Inneres ihm diese erzählte. Er zog es langsam aus der Schwertscheide und las die Kanji, auf dem polierten Metall der Klinge. “Der heißblütige Mut ist im Zaum zu halten“, er bekam große Augen und sah seinen Vater vor sich an, dieser grinste und sagte: “Na passt doch, oder?“ … Fireball schmunzelte.
“Und es steht dir!“, fügte Shinjiro noch hinzu. Fireball zog das Schwert und hielt es vor sich, es glänzte, er konnte einen Teil seines Spiegelbildes sehen und die Schärfe des Metalls fühlen. Shinjiro trat einen Schritt beiseite und sagte: „Weißt du, damals hätte es den Tod bedeutet, am Hof des Shogun sein Schwert zu ziehen!” Fireball sah zu seinem Vater: “Sein?” fragte er nach. “Steck es wieder ein, ich werde nervös!” erklärte Shinjiro, Fireball lachte kurz auf und steckte es zurück in die Schwertscheide und reichte es wieder seinem Vater. Shinjiro stellte sich vor seinen Sohn und machte keine Anstalten, das Schwert entgegenzunehmen: “Es gehört dir!” Fireball starrte seinen Vater an und wollte etwas sagen, aber es öffnete sich nur sein Mund, aber kein Wort kam ihm über seine Lippen.
Sein Vater griff nach der Hand seines Sohnes, die das Katana umfasste und sagte: “Glaubst du, dass hier im Raum einfach so ein 400 Jahre altes Katana herumliegt?” Fireball blickte zum Schwertaufsteller vor der roten Samurai-Rüstung. “Wer hat denn, was, das ist jetzt meins?” und er blickte zum Katana in seiner Hand. Sein Vater drückte seine Hand nun fester und sagte: “Es macht es greifbarer!” Fireball nickte und blickte auf die Hand seines Vaters. Dieser ließ seine Hand los und verbeugte sich vor seinem Sohn, Fireball erschrak und tat es ihm gleich und etwas tiefer. Sein Vater richtete sich wieder auf und grinste: “Jetzt musst du nur noch lernen, damit umzugehen.”

Fireball hielt sich das Schwert vors Gesicht und pustete es an, das hatte er mal in einem alten Film gesehen und wollte sowas schon immer mal machen und grinste. “Hast du schonmal Kendo probiert?” Fireball nickte, in der Schule ein paar mal, aber meistens habe ich zugeschaut. “Vom Zuschauen lernt man gar nichts!” erwiderte Shinjiro und er ging nach draußen. Fireball sah sich noch einmal um und blickte zu der Samurai-Rüstung vor sich, hob seine Augenbrauen und sagte: “Danke Kumpel!” und hielt das Schwert in dessen Richtung und ging mit dem Schwert in seiner Hand nach draußen. Er trat auf die schmale Veranda und schaute noch einmal über den Innenhof und spürte das Schwert in seiner linken Hand: “Das ist schon Cool” sagte er grinsend zu sich und ging Richtung Ausgang, dort wartete bereits sein Vater: “Tu mir bitte einen Gefallen, bring dich damit nicht um und auch sonst niemanden!” sagte er, während sie zum Auto gingen. Fireball lachte kurz auf: “Nein, keine Sorge!”
Sie kamen am Auto an und Fireball blickte noch einmal hinauf zur Burg und fragte: “Was hat das mit dem Namen auf sich, die Vorsilbe “Shin” ist so gut wie immer vertreten.” – “Das hatte man früher gemacht, so wurde die Linie auch mündlich weitergeführt, so wusste man, wem man vor sich hatte, heute ist das eine Familientradition, dass der erste Sohn den Namen “Shin” bekommt. Fireball verstand, nickte: “Pfff” pustete er seine Luft aus und trat vor die Autotür. “Und welchen Namen gibst du deinen Sohn?” Fireball sah erschrocken zu seinem Vater, musste im nächsten Moment jedoch grinsen und stieg ins Auto. Shinjiro sah seinem Sohn nach und schüttelte mit seinem Kopf: “Was ist denn? Man wird doch mal fragen dürfen!” und stieg auch ein.
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