4.638 Wörter, 25 Minuten Lesezeit.
#1 Ankunft auf Yuma
Stündlich landeten die Schiffe, die aus Jarr abkommandiert worden waren. Die Landeanflüge erfolgten in gut getakteten Intervallen, sodass der Tower nicht allzu überlastet wurde. Das Dröhnen der Triebwerke mischte sich mit den gedämpften Funksprüchen der Bodencrews, während das Rollfeld in der winterlichen Nachmittagssonne schimmerte.
Seitdem Abbefehl lag eine fast greifbare Erleichterung über dem Obekommando, denn nach langen Monaten angespannter Einsatzbereitschaft auf Jarr durfte das Oberkommando bald wieder in seinen gewohnten Rhythmus zurückfinden. Der Betrieb lief noch auf Interimsmodus, nicht mehr Ausnahmezustand, aber auch noch nicht die gewohnte Routine. Unter dieser scheinbaren Ruhe vibrierte jedoch leise die nächste, gespannte Erwartung. Schließlich waren aus Jarr bereits erste Veränderungen eingetroffen, die nun langsam auch im KOK nach und nach einzogen: Captain Hikari hatte dort begonnen, die Truppen nach neuen Maßstäben zu ordnen, präziser, straffer, effizienter. Manche empfanden diesen frischen Wind mit Vorfreude, andere mit einer Mischung aus Neugier und Skepsis. Selbst das imposante Gebäude des Kavallerie-Oberkommandos erstrahlte Stück für Stück in neuem Glanz, eine Maßnahme, die eh schon geplant gewesen war, doch nun auch baulich umgesetzt wurde, als hätte man nur auf genau diesen Augenblick gewartet.
#2 Vorbereitungen
In den unteren Stockwerken liefen die Planungen seit Wochen auf Hochtouren, die Pressestelle des Kavallerie-Oberkommandos arbeitete unter Hochdruck. Schließlich musste jede Nachricht, die das KOK verließ, sorgfältig kontrolliert werden, um die Bevölkerung gezielt auf die militärischen Veränderungen im Neuen Grenzland vorzubereiten, die mit der Ernennung eines First Grand einhergehen würden. Ein sensibles Thema, das Fingerspitzengefühl verlangte. Denn es gab natürlich nicht nur Befürworter für diesen Kurswechsel, der auch nach und nach politische Veränderungen mit sich bringen würde.
So war das Zeremonien Komitee damit beschäftigt, Abläufe aufeinander abzustimmen und Sicherheitsmaßnahmen bis ins kleinste Detail zu planen, schließlich erwartete man hohe Gäste wie König Jarred, dessen Protokoll ebenfalls eingehalten werden musste. Da durfte nichts dem Zufall überlassen werden, schließlich würde die Zeremonie live ausgestrahlt und für das Oberkommando war es die Chance Einblicke und Vertrauen zu schaffen, vollem aber auch um neue Rekruten anlocken.
Es herrschte also rege Aufregung auf Yuma. Dennoch war die Ankündigung nicht gänzlich neu: Schon vor 16 Jahren hatte man erwogen, einen First Grand für das Grenzland einzusetzen, der damalige Ablauf lag, wenn auch verstaubt in den Schubfächern.
Die neue militärische Aufstellung im neuen Grenzland
Somit würde ab dem nächsten Jahr der bisher bestehende Militärstab im Neuen Grenzland aufgelöst und durch den gewählten Stab des First Grad ersetzt werden. Auch ein neues Emblem war bereits im Entwurf, doch welches letztendlich angenommen werden würde, stand noch in den Sternen. Die Regierungen der Planeten und die der Erde hatten bereits erste Truppen und Verbände entsandt. Es würde nun ein Austausch zwischen diesen geben, denn das Neue Grenzland war so weit erforscht, dass der Heimatplanet der Menschen langsam ausgegliedert werden konnte, allerdings erst einige Jahre später. Somit würde die Galaxie Neue Grenzland eigenständig vin vollkommen autonom agieren.
Zudem entschieden sich immer weniger Menschen dazu, die Erde zu verlassen, die Goldgräber- und Aufbruchsstimmung war nahezu verflogen. Die Populationen auf den Planeten des Neuen Grenzlands verfügten über eine solide Ausgangsbasis. Die riesigen Städte auf Yuma, Laramie und Jarr florierten, die Wirtschaft war stabil und gut entwickelt, und bald würde sich auch das Königreich Jarr für die wirtschaftliche Öffnung bereit erklären.
Jedoch blieben die Probleme dieselben wie auf der Erde: Es gab Aufstände, Drogenhandel und vereinzelte kleine Kriege. Die größte Gefahr kam jedoch von außen, von den Outridern, die so plötzlich auftauchten und wie Heuschrecken alles vernichteten. Noch kämpfte jeder Sektor gegen diese Bedrohung für sich, doch unter einem First Grad würde die Befehlsgewalt über alle Truppen zentralisiert liegen, das versprach man sich von dieser neuen militärischen Position, schließlich ging es hier um interstellare Kriege.
Natürlich gab es auch Menschen, die es nicht geschafft hatten und ganz unten angekommen waren, wie immer und überall. Auch dort versuchte man mit sozialem Engagement zu helfen. Doch Hoffnung lag weiterhin in der Luft und neue Anfänge warteten auf diejenigen, die den Mut hatten, sie zu ergreifen.
#4 Silver Highway
So stand ein Pärchen am zivilen Raumhafen Yuma an der Gepäckausgabe: Sie waren gerade aus Jarr gelandet und hier auf Yuma sollte ihr gemeinsames Leben beginnen. Sie hatten einen Koffer voller Träume und Optimismus im Gepäck und nachdem Colt den letzten Koffer auf den Trolley geladen hatte, blickten sich die beiden kurz an. Die letzten Tage hatten sie noch einmal in Ruhe für sich genossen, um nun gemeinsam in den alltäglichen Wahnsinn zu starten.

Sie traten aus dem Raumhafen hinaus, es dämmerte bereits, als ihnen ein beißend kalter, feuchter Wind ins Gesicht schlug. Der matschige Schnee klebte an ihren Stiefeln und die dampfende warme Atemluft vermischte sich mit der kalten Winterluft. Überall um sie hasteten Menschen an ihnen vorbei, die nur eins wollten, genau wie sie so schnell wie möglich der Kälte entkommen. Colt und Robin suchten nach einem Taxi, ihre Augen waren auf jedes vorbeifahrende Fahrzeug gerichtet. Als ein freies gerade an ihnen vorbeisausen wollte, hob Colt blitzschnell seinen Arm und der Wagen bremste hörbar. Mit geübten Handgriffen half er dem Fahrer, das Gepäck zu verstauen, während Robin sich neben ihn stellte und den Blick auf das lebhafte Treiben am Raumhafen richtete.
Los, schnell weg hier!‘ sagte Colt und hielt Robin die Taxitür auf. Das Fahrzeug setzte sich in Bewegung und fuhr auf den Silver Highway, einen der größten Knotenpunkte dieser Mega-City, der auch direkt zum Kavallerie-Oberkommando führte.
Colt lehnte sich zurück und sein Blick glitt stumm und müde über die vorbeiziehende Landschaft. Am Horizont erhob sich die vertraute Silhouette des Towers, das Herz des Oberkommandos, der wie ein stiller Wächter über der Stadt mit seinen Lichtern blinkte. „Da bin ich also wieder“, dachte er und ein warmer Schauer lief über seinen Nacken, als er die warme Hand von Robin auf sich spürte. Er drehte langsam seinen Kopf und blickte liebevoll in ihre blauen Augen, die ihm Mut machten, wie ein stilles Versprechen inmitten der kalten Abenddämmerung. Denn diesmal würde er nicht mehr als einfacher Soldat ins Oberkommando zurückkehren, sondern als Second Lieutenant.

Er hatte bereits gehört, dass sich vieles parallel zu Jarr auch im Oberkommando verändert hatte und das KOK dabei war sich zu renovieren, hochmodern, glänzend und bereit für die Zukunft sollte es werden. Erstaunlich, alles schien sich zu verändern, seit der Rückkehr des Captains, so als hätte dieser das alles mitgebracht.
Genau wie sein Leben, dass er nicht mehr als einsamer Cowboy beschreiten musste, diesmal hatte er ganz offiziell die Frau an seiner Seite, die er liebte! Ein leises Gefühl von Stolz mischte sich mit der Aufregung, die in ihm wuchs, denn tatsächlich freute er sich auf diese Veränderung. Was sollte schon schiefgehen, solange Robin bei ihm war? Morgen würden sie bereits einige Wohnungen besichtigen, Termine, die sie noch von Jarr aus vereinbart hatten. Ein gemeinsames Zuhause, ein neues Kapitel. Colt spürte, wie ihn die Vorfreude erfüllte. Schnell ging er die anstehenden Termine durch, die er noch in seinem Mini Urlaub erledigen wollte. Saber würde erst morgen Abend auf Yuma eintreffen. April war wohl schon vor Ort. Und Fireball? Colt atmete tief ein. Er wollte sich jedenfalls regelmäßig bei ihm melden, doch vorerst ließ er Fireball seine Zeit. Schließlich veränderte sich vorallem bei ihm alles.
„Es ruckelt manchmal, wenn sich das Leben neu ausrichtet,“ hatte seine Mutter immer gesagt. Und plötzlich war da wieder dieses schmerzhafte Vermissen. Wie gerne hätte er Robin seinen Eltern vorgestellt. Er war sich sicher, dass sie sie gemocht hätten, ganz bestimmt sogar. Davon war der Cowboy überzeugt.

#5 Ahnengalerie
In den Highlands standen Saber und sein Vater in der Ahnengalerie. Edward erzählte von den einzelnen Edelleuten an den Wänden, und Saber hörte zu, obwohl er die Geschichten bestimmt schon hundert mal gehört hatte. Dennoch ließ er seinem Vater diese Freude.
Diesmal fiel ihm jedoch etwas ganz anderes in den Erzählungen seines Vaters auf: Der gerade dabei war, die Eigenschaften seiner Vorfahren zu benennen: Besonnenheit, Mut, Ehrlichkeit und vor allem der meisterhafte Umgang mit dem Schwert. Ja, genau diese Eigenschaften wurden auch ihm immer wieder zugeschrieben. Sein Blick fiel auf eine Tafel: 1745, ein Jahr, das die Geschichte des Hauses Lancelot in die Moderne führte. Und Saber spürte plötzlich den Druck auf sich. Er war es, der den Namen Lancelot ins Neue Grenzland tragen sollte, doch genau das fühlte sich gerade mehr wie eine Last als eine Ehre an. Mit einem Seufzer wandte er den Blick ab und hörte seinem Vater weiter zu, während ein zwiespältiges Gefühl von Stolz und Zweifel in ihm nagte.
Das verdanken wir der Besonnenheit und klugen Entscheidung dieses Edelmanns. Bis heute haben wir gute und weniger gute Entscheidungen getroffen, aber wir sind noch da. Wir waren die Ersten hier – und wir sind immer noch hier. Das darfst du niemals vergessen, mein Sohn!”, beendete Edward seinen kleinen, doch etwas ausgeschweiften Vortrag.
Saber ließ den Blick über die Gesichter seiner Vorfahren an den Wänden der Ahnengalerie schweifen. Das warme Abendlicht der Highlands draußen fiel durch die hohen Fenster und ließ die goldenen Rahmen schimmern: „Vater, das werde ich nicht. Aber ich hätte es beinahe … Und ich bin dankbar, jetzt hier mit dir stehen zu dürfen.“
Weg der Lancelots
Edward trat näher und seinem Sohn eine Hand auf die Schulter: „Ich auch, Richard, es erfüllt mich mit Freude, dass du erkannt hast, wer du bist, und nun den Weg eines Lancelots gehst. Für Fragen werde ich dir immer zur Seite stehen, mein Sohn und eines Tages auch meinen Enkeln davon erzählen.“
Saber zog überrascht seine Augenbrauen hoch: „Enkel? Oh Vater, bitte, dieses Thema hatten wir doch schon!“ Edward schmunzelte, doch ein leicht besorgter Zug zeichnete sich um seine Lippen: „Nun ja … du weißt ja, wie schnell die Zeit vergeht. Ich war selbst in deinem Alter bereits mit deiner Mutter verlobt und ich kenne dich, Richard, einer hübschen Frau kannst du auch du nicht widerstehen.“
Saber lachte leise aus: „Vater, ich glaube, ich fange erstmal bei mir selbst an, bevor wir über Enkel reden.“ Edward deutete auf die Ahnenbilder. „Na gut, fangen wir also bei dir an. Aber vergiss nie: Die Lancelots sind zäh, wir kommen immer wieder zurück, aber nie allein.“ Saber grinste, er verstand die letzte Andeutung, das Echo der Geschichten seiner Familie und die Weite der Highlands draußen gaben ihm ein tiefes Gefühl von Geborgenheit und einem leichten Schmunzeln über Edwards gut platzierten Seitenhieb. „Dann will ich hoffen, dass ich auch zäh genug bin, um Schritt zu halten und vielleicht auch, um einer hübschen Frau standzuhalten.“ Edward lachte vergnügt und sie lösten sich von der Galerie und gingen den Gang entlang.
„Richard, es wird auch dafür Zeit. Ein Mann kann zwar Erfolg in seiner Berufung finden, doch das Glück im Privatleben muss auch vorankommen. Das ist ebenfalls deine Pflicht! Doch entscheide weise!” Sagte Edward und ließ seinen Sohn allein.
Saber ließ die Worte seines Vaters langsam in sich wirken, er hatte ja recht. Er spürte, dass ihm etwas fehlte – nicht nur körperlich, sondern auch ein richtiges Zuhause, ein Ort, an dem er sagen konnte: “Jetzt bin ich kein Major mehr.” Bald wurde er 22, und tief in seinem Inneren sehnte er sich nach genau dem, was auch der Cowboy so sehr schätzte: eine Familie, ein Leben, das er mit jemandem teilen konnte, den er liebte.
Er musste es zugeben: Dieses Thema würde er nicht länger so weit hinten anstellen.
Bibliothek
Saber blickte kurz aus dem Fenster, während das unbeständige Wetter der Highlands gegen das dicke Glas prasselte, drehte er sich um und trat in die Bibliothek. Er wollte sich belesen, um wenigstens etwas vorbereitet zu sein auf die bevorstehenden Treffen mit Captain Hikari, dachte er und die Tür fiel hinter ihm zu.

Er griff nach einem Buch und ließ sich in einen der schweren Sessel sinken. Um ihn herum erhoben sich hohe, dunkle Regale, vollgestopft mit Wissen aus Jahrhunderten. Saber liebte Bibliotheken, vor allem diese im Schloss, die Ruhe, die Stille, den Geruch von Papier und Leder. Hier konnte er abschalten, nachdenken und seine Gedanken ordnen, bevor die Welt da draußen wieder an ihm zerrte.
Er las einige Kapitel und musste dabei schmunzeln. Ja, jeder wird in eine Kultur hineingeboren, die man mit dem ersten Atemzug aufnimmt. Auch wenn Saber manchmal seine schottische Herkunft oder Lebensweise, zum Beispiel gegenüber Colt, April und Fireball, erklärte, war es für sie nicht immer leicht, wirklich dahinterzusteigen. Die reale Begegnung mit dem schottischen Grafen vom Schloss der Nebelberge hatte es für die drei damals viel greifbarer gemacht.
„Sehr interessant“, murmelte er und schloss das Buch. Die Lesestunde hatte ihm viel Input gegeben, und Saber hoffte, dass all dieses Wissen ihm in den kommenden Tagen helfen würde.
Er stand auf und verließ die Bibliothek, den Geruch von Papier und Leder noch in der Nase. Gleichzeitig wuchs die Vorfreude in ihm: Bald würde er nach Yuma zurückkehren und Sincia war schon jetzt in seinen Gedanken. Er würde sie dort oft sehen und das ließ sein Herz ein wenig schneller schlagen.
#6 Japan
Shinjiro schob die Tür vom Wohnzimmer zur überdachten Veranda, der Engawa, auf. Sein Blick fiel auf den Pflaumenbaum, in der Mitte des Gartens, dessen Zweige mit einer sanften Schicht Schnee und Eis bedeckt waren. Auch dieser war in den vergangenen sechzehn Jahren herangewachsen, wie sein Sohn, dachte Shinjiro, und ein leises Lächeln zeichnete sich auf sein Gesicht. Er erinnerte sich noch daran, wie er den Baum damals als kleinen Zweig zusammen mit Hitomi gepflanzt hatte. Im Frühjahr würde der Baum wieder seine rosa Blütenpracht zeigen, einen Moment blieb er stehen, ließ die kühle Winterluft in seine Lungen strömen und den Frieden des Gartens auf sich wirken. Es war erstaunlich, wie sich manche Dinge entwickelten, wie Erinnerungen wuchsen und doch an derselben Stelle blieben. Sechzehn Jahre, eine halbe Ewigkeit, alles war vertraut und doch seltsam entrückt, als wäre er nur ein Gast in seinem Leben, das ohne ihn weitergegangen war.

Der Baum erinnerte ihn an die Zeit, die vergangen war, sein Sohn war wie dieser Baum gewachsen, ohne ihn, ohne seine Nähe. Er hatte gehofft, endlich Zeit mit ihm verbringen zu können und ihn weiter kennenzulernen. Doch er wusste, dass er ihn schon bald wieder hier lassen musste.
Die verlorene Zeit ließ sich nicht zurückholen, er atmete tief durch, doch in seinem Innern tobte ein Sturm: das Wissen, dass er seinem Sohn wieder nur Erinnerungen hinterlassen würde, so wie diesen Baum, den er einst als Versprechen, ihm Wurzeln zu geben, gepflanzt hatte. Langsam trat er zurück ins Haus. Die Wärme umfing ihn, doch diesmal wollte sich das Gefühl, des Zuhause seins nicht einstellen.
Der nächste Tag
Robin und Colt hatten ihren Besichtigungs-Marathon fast beendet und saßen nun in einem Selbstbedienungsrestaurant in Yuma-City. Sie diskutierten über die Pros und Contras der besichtigten Wohnungen, wollten sich aber noch nicht festlegen. Eine letzte Wohnung stand noch aus, in „Elmwood“, einem ruhigen, klassischen und sehr wohnlichen Stadtteil.
Eine Stunde später betraten sie die letzte Wohnung des Tages. Es war eine 4-Zimmer-Wohnung im Erdgeschoss. Robin könnte sich hier ein Büro für ihre Arbeit einrichten und Josh hätte sogar sein eigenes Zimmer, wenn er aus Tranquility nach Yuma kommt. Beide gingen noch einmal alleine durch die Räume, um die Atmosphäre auf dich wirken zu lassen.
Die Wohnung war im Altbaustil erbaut, mit hohen Fenstern und Holzböden. Die Küche und vom Wohnzimmer aus öffnete sich ein großer Balkon mit gusseisernem Geländer, von dem aus man den Blick auf den gegenüberliegenden Park genießen konnte, der im Frühling in voller Blüte stehen würde.
Colt streifte durch die Räume und blieb schließlich auf dem kleinen Küchenbalkon stehen. Er öffnete die Tür, ließ den Wind durch die Wohnung wehen und lächelte. Nicht irgendeine 08/15-Wohnung in der Stadt, dachte er. Sie hat Charakter. Mit dem Auto würde er zwar etwa 15 Minuten im Stadtverkehr benötigen, nicht gerade um die Ecke, aber noch gut im Rahmen für die Angestellten des Oberkommandos. Ja, das könnte passen, dachte er zufrieden.
Von weitem konnte er sogar das Hauptgebäude des Oberkommandos, welches 40 Stockwerke zählte, erblicken. Der Tower blinkte, dort wurde rund um die Uhr fleißig gearbeitet. Robin trat hinter ihm auf den Balkon und umschlang ihn, auch um sich zu wärmen. Sie fragte: “Und, was denkst du?” Colt grinste wissend und sagte: “Du hast dich schon entschieden, oder?” Robin nickte. Colt drehte sich zu ihr um und sah sie an: “Na dann, wir stehen auf unserem Balkon!” Robin freute sich und umarmte ihren Cowboy und küsste ihn, sie war glücklich, sie hatten eine gemeinsame Wohnung, ein Zuhause, ihr Anfang auf einer gemeinsamen Reise!
Gespräch
“Es ist gut so wie es ist!” sagte Shinjiro zu seinem Vater und ein kurzes Schweigen entstand. “Was hast du jetzt vor?”, fragte sein Vater und musterte seinen Sohn. Shinjiro blicke kurz zu seinem Vater: “Es das Beste, er bleibt hier, er muss endlich wissen, wer er ist und was er möchte.” Ein kurzes, angespanntes Schweigen legte sich über die beiden.
„Machst du mir Vorwürfe?“ Shinjiro griff nach seinem Glas und sagte: “Er hat gute Ansätze und Absichten, auch ein Ziel, aber er weiß nicht, wo er anfangen soll, er ist nicht er selbst, deswegen verliert er immer wieder den Überblick!” erzählte Shinjiro weiter, ohne auf die Frage seines Vaters einzugehen und leerte sein Glas.
Der ältere Hikari nickte nur und schaute nachdenklich in den Raum. “Ich weiß, dass es meine Aufgabe war, Vorwürfe mache ich mir selbst genug und ich hoffe, Shinji wird mir das eines Tages vergeben können!” fügte Shinjiro ausweichend hinzu. Der Ältere verzog keine Miene und trank einen Schluck Bier und nickte nur stumm. Shinjiro stand auf, strich sich durch die Haare und schob die Holztür, die zum Garten führt, ein Stück auf, er brauchte gerade etwas frische Luft! Er hatte schon wieder Kopfschmerzen, seit dem Dinner verfolgten sie ihn stoßartig.

“Du möchtest jetzt also, dass ich Shinji das Wissen vermittel!” Shinjiro schaute in den dunklen Garten und nickte: “Ja!” sagte er und lehnte seine Stirn gegen das dunkle kalte Holz und schloss seine Augen. Der ältere weißhaarige Japaner verschränkte seine Arme vor seiner Brust und sah zu seinem Sohn: “Wie lange?” wollte er jetzt wissen.” Shinjiro öffnete seine Augen und drehte sich zu seinem Vater und antwortete: “Bis Mai!” nach dieser Antwort stand sein Vater auf: “Natürlich bleibt hier, aber allein!” während er etwas aus einem Schrank holte: Shinjiro beobachtete seinen Vater, der sich jetzt wieder hinsetzte. Shinjiro verbeugte sich und sagte: “Danke Vater!” sein Vater nickte ihm nur zu und deutete ihm an sich zu setzen.
Der Ältere schob das Buch über den Tisch, Shinjiro nahm es entgegen und schlug es auf. Nach einer Weile legte er die Notizen seines Vaters zur Seite und sprach noch ganz eingenommen von dem gerade gelesenen: “Du hast ihn seit seinem dritten Lebensjahr beobachtet und seine Fähigkeiten analysiert?” Sein Vater sah zu seinem Sohn und sprach mit fester Stimme: “Ich habe dazu nichts weiter zu sagen!” Shinjiro sah seinen Vater ernst an und sprach fest und ruhig weiter: “Ich war vermisst …” begann er, doch weiter kam er nicht, denn ein dumpfer Schlag auf dem Tisch unterbrach seine Worte: “Du warst tot!” durchschnitt sein Vater in einem Ton, der keine Widerworte zuließ. Shinjiro hielt inne, stand auf und ging zur gegenüberliegenden Tür, schob sie auf und ging in die Küche, “das kann doch nicht wahr sein!” ging es ihm durch den Kopf und holte eine Flasche Sake und kehrte zurück.
Er stellte die Flasche und die Becher auf den Tisch ab, als sein Vater anfing zu reden: “Vor 16 Jahren habe ich meinen Sohn in Flammen aufgehen sehen.”
Shinjiro atmete langsam aus, als sein Vater sprach: „All die Jahre, in denen ich nur ein Ziel hatte, dich zu dem General zu machen, der du sein solltest … alles, was ich getan habe, jede Entscheidung, jeder Schritt … war damals in einem Feuerball aufgegangen. “Shinjiro konnte seinen Vater nicht anblicken, er schaute geradeaus und sagte leise: “Vater, Bitte!” Doch sein Vater gab wütend zurück: “
Ich habe dich unter elitären Drill gestellt, weil ich keine Wahl hatte, weil ich in dir gesehen habe, was du sein könntest und ich hatte die Mittel, die Chance, sie zu fördern und zur Perfektion zu bringen!“ – „Tag für Tag habe ich dich ermahnt, dir Befehle gegeben, dich angetrieben – und wenn du nicht hören wolltest, wenn alles andere scheiterte, … Dann habe ich dich diszipliniert, weil Schwäche keine Option war!“
Fireball lief den Flur zwischen Wohnzimmer und Küche entlang, er hatte Durst und hoffte, dass seine Großmutter ihren berühmten selbstgemachten Pfefferminz-Eistee im Kühlschrank hatte. Plötzlich hielt er in seiner Bewegung inne, und sein Gedanke an den kalten Eistee war verflogen, als er das wütende Reden seines Großvaters hörte. Er blickte zur Wohnzimmertür, die etwas aufgeschoben war, doch hineinblicken konnte er nicht, langsam wich er einen Schritt zurück, beinahe wäre er mitten in das Gespräch hinein platzt, ok, in gewisser Weise, war er gerade mittendrin. Doch was hatte er da gerade gehört? Fragend zog er seine Augenbrauen zusammen.

Es wurde still im Wohnzimmer, keiner von beiden bewegte sich, oder wagte zu es atmen. Shinjiro hatte gerade das Gefühl, dass alles Blut in seine Beine sackte, als er die Worte seines Vaters hörte. Es war als eine Mauer gerade eingerissen wurde und er darunter erschlagen wurde. Bilder schossen durch seinen Kopf, Bilder, welche er Jahrzehnte nicht mehr gesehen und gefühlt hatte, Bilder, die ihm gerade lähmten und die Luft zum Atmen nahmen.
Nach einigen Momenten, die sich wie endlose Minuten angefühlt hatten, griff Shinjiro zur Sakeflasche und schenkte zwei Becher ein. Einen nahm er selbst, und hauchte heiser ein „Kampai“ in den Raum und trank ihn in einem Zug leer. Der Sake lief scharf seine Kehle hinab und breitete sich warm in seiner Brust aus und ließ ihn schwer aufseufzen, bevor er sich wieder setzte. Er zog das rechte Bein an, stützte den Ellenbogen darauf und vergrub seine Stirn in seine Hand und rieb sich müde die Augen. Der ältere Hikari griff stumm nach dem anderen Becher und kippte diesen ebenfalls schnell.
Plötzlich stand er Flur im grellen Licht und drehte sich erschrocken um, er riss seine Augen auf, als seine Großmutter mit erstaunlich schnellen Schritten auf ihn zukam. Sie hatte wohl sein Lauschmanöver entdeckt und fuchtelte energisch mit ihrer Hand, als wolle sie ihn wie eine Katze vom Küchentisch scheuchen. “Ohh, weg hier …” murmelte und machte sich schnell davon.
Shinjiro stand auf, als er das Licht bemerkte und schob die Tür zum Wohnzimmer zu “Und Royu?” fragte er, ohne seinen Vater anzusehen. Sein Vater antwortete: “Dein Bruder ist ein Träumer, er hat ständig irgendwelche Ideen im Kopf, aber ich habe es geschafft, ihn zu einem guten Colonel zu machen, mit seinen ihm gegebenen Fähigkeiten!” Shinjiro nickte und setzte sich wieder: “Er leistet hervorragende Arbeit mit seinen Männern!” warf er jedoch sachlich ein, der ältere Hikari nickte, stand auf und verließ das Zimmer. Shinjiro sah sich das Buch noch einmal an, sein Vater hatte gerade etwas in ihm hervorgerufen, er wusste, er als ältester Sohn hatte eine andere Stellung als sein Bruder und ja sein Bruder war manchmal in seinen Ausführungen sehr Blumenhaft, aber da musste Shinjiro schmunzeln, trotzdem irgendwie professionell, “muss man auch können.” dachte er sich und schob das Buch von sich weg.
Sein Vater kam ins Wohnzimmer zurück, schob die Tür hinter sich zu und setzte sich. „Gib Shinji das, damit kann er sich erst einmal beschäftigen. Und dann fährst du mit ihm nach Naku – zeig ihm den Ort. Es ist wichtig, dass du dort an seiner Seite bist.“ Shinjiro nickte und nahm das dicke, alte Buch entgegen: es war die Kafu (家譜)eine „Familien-Genealogie“ oder „Stammbuch“. Das Buch ist eine Ahnentafel oder Chronik, die vor allem von Adels- und Samurai-Familien über Generationen hinweg angelegt wurde. Als er die erste Seite aufschlug, öffnete sich vor ihm ein Schatz aus über tausend Jahren Familiengeschichte, mal ruhmreich, mal weniger, doch immer wurde alles sorgfältig aufgeschrieben.
Schon als Kind war Shinjiro von diesem Werk begeistert gewesen, besonders von den ersten Seiten, der Anfang von allem überhaupt. Die Tinte war schon verblasst, doch die Zeichen waren noch erkennbar und lesbar – nach so vielen Jahrhunderten. Der reine Wahnsinn. Er nickte und sagte: “Ich werde es ihm geben!” und klappte das Buch zu und verabschiedete er sich von seinem Vater, stand auf und war dabei, dass Wohnzimmer zu verlassen, als sein Vater sagte: “Ich werde bei der Vereidigung dabei sein!” Shinjiro stoppte, nickte nur stumm, verließ den Raum und schloss die Tür hinter sich, und ging den langen schmalen Gang entlang. Uns schob die Tür zu einem Zimmer auf, das Gespräch zwischen Hitomi und seiner Mutter verstummte und die beiden blickten ihn an: “Können wir los?” fragte er und ging schon mal Richtung Ausgang. Er wollte jetzt einfach nur nach Hause! Hitomi stand auf, verabschiedete sich von Kaasan.

#7 Yuma
Saber, war vor nicht einmal einer Stunde auf Yuma gelandet und saß bereits im Taxi, Richtung Yuma-City, es war ein merkwürdiges Gefühl, ja beinahe fremd, nach all den Monaten wieder auf Yuma zu sein. Und doch war es ein nach Hause kommen, vor allem für sein Team und Ramrod, dessen Homebase nun einmal Yuma war.
In 4 Tagen ist Weihnachten und Yuma war bereits unter einer schönen weißen Schneeschicht bedeckt und überall war diese riesige Stadt das reinste Lichtermeer. Er mochte es, aber freute sich auch schon wieder auf wärmere Tage, dieses nasse kalte Wetter wollte er jetzt langsam auch nicht mehr sehen, schließlich hatte er in Schottland davon genug abbekommen. Jetzt reichte es sogar den hartgesottenen Highlander und das sollte schon etwas heißen! In seinem Apartment unweit des Oberkommandos angekommen legte er erst einmal ab, er müsste auf jeden Fall noch einkaufen, und wie er feststellen musste Staubwischen. Er grinste und ging in den Wohnbereich.
Auf dem Fensterbrett fiel sein Blick auf das Foto, auf dem sein Team abgebildet war, es war schon älter, doch die Menschen waren noch die gleichen. Sein Blick fiel auf Colt, von dem er wusste, auf ihn kann er sich verlassen! Danach auf April, da war er sich jetzt gar nicht mehr so sicher, es gab viele unausgesprochene Dinge, auch zwischen ihnen. Und zum Schluss auf den jüngsten in dieser Runde, Saber wusste, dass er an Bord eines Kampfschiffes gehörte, an Bord an dieses Kampfschiffes! Tief einatment, wandte er sich ab und blickte nach draußen. Es war zu wenig Zeit gewesen, er hatte nur kurz gedacht und nicht das große ganze gesehen, ja wenn er könnte, würde er sich in den Hintern beißen. Waren sie noch Freunde, er hoffte, sich mit ihm auch irgendwann zusammensetzen zu können. Er holte seinen Kommunikator heraus, um zu schauen, welche Termine Team Ramrod ab morgen hatte. Zu seinem Erstaunen las er, dass Captain Hikari eine Woche auf abwesend stand.
Als Major bekam er ein Büro im Oberkommando zugewiesen, das würde er sich morgen anschauen, “tja, das gehöre dann zu den angenehmeren Dingen!” dachte er sich. Er beschloss wirklich erst einmal seine Wohnung vom Staub zu befreien, so könnte er sich nicht auf seine Arbeit konzentrieren, Ordnung war ihm wichtig und so war seine Wohnung innerhalb einer Stunde wieder staubfrei und bewohnbar war, so sollte es auch jetzt in seinem Team werden, er musste sich auch noch mit der Personalabteilung und gegebenenfalls mit Alamo in Verbindung setzen, er benötigte jetzt einen zweiten Piloten, welcher von den beiden dann zu seiner Stammbesetzung gehören würde, wird sich mit der Zeit zeigen. Sein Team hatte sich innerhalb eines halben Jahres verdoppelt, das merkte er nicht nur an der mehr Arbeit, nein er merkte auch, dass sein Ziel sich immer klarer vor seinen Augen erfüllte. Acht Mann standen unter seinem Kommando, er trug die Verantwortung für jeden einzelnen von ihnen, jeder einzelne hat oder würde in Zukunft auch Familie haben, sollte da jemanden etwas passieren, Saber konnte sich das nicht vorstellen und soweit würde er es nicht kommen lassen, dafür betete er jeden Tag! Er setzte sich an seinen Schreibtisch und bestellte seine Einkäufe, er würde sie sich liefern lassen, er wollte das Team-Meeting jetzt noch weiter vorbereiten.
© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube




















