loader image

8.664 Wörter, 46 Minuten Lesezei


Absatz 1

April parkte ihren weißen Flitzer mit einem leichten Ruck vor dem Bürogebäude, in dem sie Saber vermuteten. Mit einem zufriedenen Lächeln nippte sie an ihrem »Almond Milk Honey Flat White Latte« eine der neuesten Retro-Kreationen von Starbucks, die offenbar alle Hipster-Träume wahr werden ließ. „Lecker“, dachte sie, als sie den Mix aus Nostalgie und überteuerten Kaffee schmeckte.

Die Sonne glänzte auf dem perfekt polierten Lack, als Colt aus dem Wagen mit einem »Iced Brown Sugar Oat Milk Shaken Espresso« stieg und sich um sah. Ja, er hatte gesagt, dass sie nirgends anhalten sollten. Aber den neuen Drive-in am Crimson Highway wollte er schon lange mal ausprobieren. Und wirklich angehalten hatten sie ja sowieso nicht. 

„Ohne Genehmigung kommen wir da nicht rein, Cowboy”, sagte April, und deutete auf die bewachte Einfahrt und erklärte weiter: “Das hier ist Sicherheitsstufe 3, der zentrale Knotenpunkt für alle internen Informationen.“ Colts Blick schweifte über das Gelände und ruhte für einen Moment auf den uniformierten Soldaten, die in regelmäßigen Abständen patrouillierten: „Sieht so aus“, murmelte er und leerte seinen »Iced Brown Sugar Oat Milk Shaken Espresso« geräuschvoll. „Na gut, dann fragen wir mal die Herren an der Schranke, schließlich arbeiten wir im selben Verein“, sprach Colt hoffend und warf seinen Becher in einen Mülleimer. „Oder wir fragen einfach Daddy!“, schlug April das naheliegendste ihrer Meinung nach vor, während sie dem Cowboy mit ihrem »Almond Milk Honey Flat White Latte« folgte. Colt winkte ab: „Nein, nein, nur keine schlafenden Hunde wecken!“ In diesem Moment spürte er einen kleinen Schmerz in seinem Oberarm und sah April entsetzt an. „Hast du gerade meinen Vater als Hund bezeichnet?“, fragte sie fassungslos. „Aua, aber nie nicht!“, verteidigte er sich rasch und rieb sich die Stelle: „Ich meinte nur, wir sollten nicht zu sehr auffallen!“, fügte Colt hastig hinzu und zog seine ID hervor. „Nicht auffallen?” sah sich April um, “Das sagt der Typ mit dem Hut!“, konterte sie und zog ebenfalls ihre ID heraus.

Absatz 2

Die Spannung im Raum war erdrückend, Saber hatte gerade seinen Bericht abgeschlossen, aber die Anspannung löste sich keineswegs in ihm. Im Gegenteil, sie schien sich weiter zu verdichten. Bradley, fixierte den jungen Captain mit einem Blick, als wollte er die Gedanken des Schotten lesen. „Captain“, setzte Bradley an, seine Stimme war eine Mischung aus Autorität und Misstrauen: „Ich verstehe, dass Kampfeinsätze wie dieser oft von unvorhergesehenen Ereignissen geprägt sind. Doch in Ihren Schilderungen gibt es Aspekte, die nicht ganz zusammenpassen. Vielleicht können Sie erklären, warum Sie der Bitte um Verstärkung nachgekommen sind, obwohl Ihr Team bereits erheblich belastet war? Ihr Team hatte bereits zwei Gefechte an diesem Tag erfolgreich durchgestanden.“ 

Saber spürte, wie sich das Innere seiner Brust enger schnürte. Die Luft im Raum schien dünner zu werden, und obwohl er tief einatmete, schien es ihm, als würde der Sauerstoff nicht ausreichen. Bradley hatte ganz klar das Ziel, den Druck auf ihn zu erhöhen, und Saber war sich der Konsequenzen nur zu bewusst. Das war doch schon kein “einfaches” Verhör mehr, es ging um weit mehr als nur die Verteidigung seiner Entscheidungen und seines Teams. Sein Kommando stand auf dem Spiel und somit seine Zukunft. Und das wussten Bradley und auch Saber nur zu gut. Kameradschaft und Loyalität hatten hier keinen Platz, so hart es auch klingen mochte. Als Captain trug Saber die Verantwortung, seine Entscheidungen hatten direkte Auswirkungen auf die Sicherheit und das Leben seines Teams. Er wusste, dass er nicht zögern durfte, dass jeder Befehl, den er gab, diszipliniert und ohne Rücksicht auf persönliche Gefühle ausgeführt werden musste. Doch die Menschen unter seinem Kommando waren nicht nur Soldaten, sie waren seine Freunde geworden. Menschen, mit denen er nicht nur unzählige Stunden im Einsatz war, nein, sie waren in schwierigen Momenten unterstützend bei ihm gewesen und er ebenso bei ihnen.

Saber wusste, dass Bradley möglicherweise darauf hinaus wollte, dass seine Entscheidungen nicht nur taktisch, sondern auch emotional geprägt gewesen sein konnten Der Gedanke, dass er seine Kameraden im Stich lassen könnte, war für den Schotten unerträglich. Saber war klar, er musste seine nächsten Worte mit größter Sorgfalt wählen. Er durfte kein Eingeständnis eines Fehlers geben, obwohl er schmerzlich wusste, dass er welche gemacht hatte, so wie alle Beteiligten an diesem Tag. Und mit alle meinte Saber tatsächlich alle! Er räusperte sich, um seine Stimme zu kräftigen: „Nun Sir, wie bereits erläutert …“ begann er mit fester Stimme. „Stehe ich nach wie vor zu meinen Entscheidungen. Die Anfrage zur Verstärkung kam von Prinz Roland persönlich und wurde von allen Teammitgliedern unterstützt. Dies ist durch die Berichte von April Eagle, Bill Wilcox und Shinji Hikari belegt. Zu dem Zeitpunkt war die Situation vor Ort äußerst dynamisch und unvorhersehbar. Es war meine Pflicht, schnell zu handeln, um die Sicherheit unserer Position im Kampf und vor allem das militärische Bündnis mit dem Königreich Jarr zu sichern. Wir sind schließlich zur Erfüllung dieser Allianz verpflichtet. Zudem war es im allgemeinen Interesse, die Mission erfolgreich abzuschließen. Sollte mein Handeln dennoch als widersprüchlich betrachtet werden, so bin ich bereit, jede Entscheidung zu erklären und die Konsequenzen zu tragen, falls ein Fehler vorliegt. Ich habe gehandelt, weil ich überzeugt war, dass es das Richtige war – nicht aus Kameradschaft oder persönlicher Motivation, sondern aus Pflichtgefühl und Verantwortungsbewusstsein!“, beendete Saber seine Erläuterung und hatte das Gefühl gleich in Ohnmacht zu fallen, ließ sich aber nach außen hin nichts anmerken.

Bradley schwieg und musterte Saber mit einem unergründlichen Blick. Er konnte nicht leugnen, dass der junge Captain sich geschickt ausdrückte. Kein einziges Wort deutete auf einen Fehler hin, stattdessen verteidigte er sein Handeln und das seines Teams mit Nachdruck. Aber er ließ sich davon nicht beirren. Saber hielt den Blickkontakt stand und blieb ruhig, innerlich jedoch brodelte es in ihm. Normalerweise sollte das hier ein internes Verhör sein. Doch wollte Bradley tatsächlich von ihm ein Eingeständnis, dass er falsch gehandelt hatte? Saber fiel es schwer es in Betracht zu ziehen, dass sein Gegenüber nicht gerade positiv auf ihn zu sprechen war. Aber warum? 

Absatz 3

Der Rundgang durch das Ausbildungscamp hatte länger gedauert als geplant. Vieles hatte sich verändert und einige Gespräche mit den Ausbildern hatten zusätzliche Zeit in Anspruch genommen. General Whitehawk und Shinjiro diskutierten noch letzte Details, als sie ein leises, aber bestimmtes Klopfen an der Tür unterbrach.

Whitehawk drehte sich überrascht um, Termine gab es seines Wissens heute keine mehr! „Herein!“, sagte er ruhig, aber die Neugier in seiner Stimme war deutlich zu hören. Whitehawks erster Offizier trat ein und salutierte den beiden Generälen entgegen: „Entschuldigen Sie die Störung, aber Captain Lorenz möchte Sie sprechen, er sagte, es sei dringend.“ Whitehawk und Shinjiro tauschten einen schnellen Blick aus. Der Indianer nickte leicht und Lorenz trat wenige Augenblicke später ein.


Colt marschierte zielstrebig auf den Wachposten zu, seine Schritte knirschten auf dem Beton. Der stämmige Kerl hatte den Cowboy und die Blondine längst bemerkt und beobachtete sie misstrauisch. Als April und Colt ihre ID Cards vorzeigten, ging Colt direkt in die Offensive: „Wir müssen dringend mit unserem Captain Richard Lancelot sprechen, der heute hier ein Gespräch hat!“ Der Wachposten antwortete direkt, ohne auf das Gesagte einzugehen. „Tut mir leid, aber ohne direkte Einladung kommt hier keiner durch, auch Sie nicht … ähm, Mr. Wilcox“, sagte er ernst und reichte den beiden die IDs zurück. April versuchte, die Wogen zu glätten. „Das wissen wir, aber wenn es nicht dringend wäre, wären wir gar nicht hier!“ Doch noch bevor sie ihren Satz beenden konnte, schüttelte der Offizier energisch mit seinem Kopf. „Vorschrift ist Vorschrift!“, erklärte er und machte damit deutlich, dass er das Gespräch beenden wollte. Colt verzog seinen Mund zu einem schiefen Grinsen. „Vorschrift, hm? Also, wenn ich das richtig verstehe, steht da drin, dass ich nicht rein darf, selbst wenn es im Hauptquartier brennt?“ Der Wachposten blieb unbewegt. „Genau so steht’s da drin.“, und blickte an dem Cowboy vorbei. Gerade als Colt zu einer weiteren Bemerkung ansetzen wollte, vibrierte sein Kommunikator. 

Genervt rollte der Cowboy mit seinen Augen und drehte sich weg, doch als er den Namen auf dem Display las, hellte sich seine Miene schlagartig auf. Blitzschnell wandte er sich wieder dem Wachposten zu, nahm den Anruf an und sprach laut: „Sehen Sie, wie ernst die Lage ist? Der Pilot von Ramrod kann die Stellung nicht mehr halten, wir müssen dringend mit Captain Lancelot sprechen!“ sprach er mit der Hoffnung, dass der Wachposten beeindruckt wäre. April verstand zwar nichts, versuchte aber, ihre Fassung zu bewahren. Inzwischen hoffte Colt inständig, dass der Anrufer den Wink verstand und mitspielen würde.

Absatz 4

„Sie werden Lancelot die Applikationen abreißen … na ja, und ein wenig seine Würde!“, versuchte Lorenz, die Stimmung aufzulockern. Doch der Versuch missglückte, denn zwei Augenpaare sahen ihn ausdruckslos und nachdenklich an. Shinjiro nickte nach einigen Momenten: „Gut, dann stecken wir sie ihm wieder mit einer langen Nadel an!“ – “Aua!” verzog Lorenz sein Gesicht, vor seinem inneren Auge lief ein Film mit einer sehr langen Nadel in der Hauptrolle. Kurz darauf blickte er besorgt auf: “Wenn er es vermasselt, war’s das!” 

Whitehawk verschränkte die Arme vor seiner Brust und dachte einen Moment nach: „Ich bin mir sicher, dass Captain Lancelot sich nicht in Widersprüchlichkeiten verwickeln lassen wird!“, sagte der indianische General und richtete seinen Blick auf Shinjiro, der einige Schritte auf Whitehawks Schreibtisch zuging: „Sollte er auch nur ansatzweise zugeben, dass sein Handeln falsch war, ist er raus. Da hilft auch keine Vitamin-B-Infusion mehr!“ versuchte Hikari, die Situation noch einmal zu verdeutlichen, in der sich der Schotte befand.

Whitehawk nickte Shinjiro wissend zu und wandte sich darauf an Lorenz: „Wer hat Ihnen gesagt, dass Captain Lancelot nicht von Commander Rollins, sondern von Commander Bradley verhört wird?“

“Commander Evans, Sir“, beantwortete Lorenz die Frage. Shinjiro, rollte nach dem Gehörten mit seinen Augen: “Ist es nicht schön, dass wir so eine lange Perlenkette von Kommandanten haben?”, fragte er etwas ironisch. “Und wer ist dieser Commander Bradley?” wollte er im Ansatz noch wissen. Lorenz atmete hörbar aus und blickte zum General. Shinjiro blickte zwischen den beiden Hin und Her, „Was ging hier vor sich?”, fragte er sich und legte seine Stirn in Falten: “Dann erzählt, ich bin ganz Ohr!“, unterstrich er seine Forderung nach einer Antwort.

Whitehawk stand auf und ging um seinen Schreibtisch herum: „Commander Bradley ist der Commander der 46. Einheit und wurde vor einem Jahr hinter Commander Eagle gestellt, für dessen Vertretung.“ Shinjiro holte Luft, um etwas zu sagen, doch Whitehawk zeigte ihm an, weiter zuzuhören. „Ich weiß, was du sagen möchtest, aber ich bin hier immer noch der General.W, machte Whitehawk klar und sprach weiter. “Eagle und ich arbeiten seit drei Jahren daran, König Jarred dazu zu bringen, einen vereinten militärischen Stab für das Neue Grenzland zuzulassen“, erzählte der grauhaarige Indianer.

„Ja, das ist mir bekannt!“, bestätigte Shinjiro. Whitehawk nickte und fuhr fort: „Doch König Jarred weigert sich weiterhin. Er vertraut ihnen nicht …“ – „Berechtigt!”, unterbrach Shinjiro und stimmte damit Whitehawks letzten Satz zu. “Denn würde König Jarred zustimmen, wäre sein Königreich eine Kolonie des Neuen Grenzlandes!“, fügte Shinjiro hinzu. Der Indianer nickte.

„Moment, Einheit 46?“ sprach Lorenz laut seinen Gedankengang aus und lenkte damit das Gespräch um. „Ja, es war die Einheit, die vor 16 Jahren aus Alamo zur Verstärkung nach Jarr geschickt wurde“, half Whitehawk dem Air Base Captain auf die Sprünge. “Und die nie ankamen und das, obwohl sie den kürzesten Weg hatten!“, ergänzte Shinjiro. “Richtig!” bestätigte Whitehawk: „Und deshalb sitze ich noch immer hier, um Eagles Position im KOK zu sichern. Und dank König Jarreds Bündnis, das er vor einem Jahr unterzeichnet hatte, können Bradley und Co. zwar Commander ausrufen, aber keinen General ernennen, denn dazu benötigt es jetzt König Jarreds Zustimmung.“

Shinjiro atmete darauf fest aus: “Herzlichen Glückwunsch, das Oberkommando ist dabei unterwandert zu werden, und zwar mit System!“ Lorenz strich über sein Gesicht und murmelte: “Na großartig!” und drehte sich zum Fenster: “Und jetzt versuchen sie so unauffällig wie möglich alle Offiziere aus dem Weg zu räumen, die Potenzial hätten, in den vereinten Stab des First-Grad zu kommen.” Whitehawk stimmte Lorenz zu: “Aufgrund der neuen Situation, von Shinjiros auftauchen, müssen sie so handeln und Captain Lancelot ist pro Königreich Jarr!” Lorenz verstand die Welt gerade nicht mehr: “Ist den Herren klar, dass wir inmitten eines Krieges sind?”, kam es vom aschblonden deutschen. “Das konnte doch nicht wahr sein, nur für etwas mehr Macht, riskieren sie, von den Outridern überrannt zu werden und damit zig tausende Menschenleben aufs Spiel zu setzen”, ging es Lorenz weiter durch seinen Kopf. 

“Hm, wir fliegen nach Yuma!“, durchbrach Shinjiro die kurze Atempause. Lorenz sah erstaunt auf: “Wie? Jetzt? Was willst du da?”, hakte er nach. Shinjiro grinste ein wenig: „Ich möchte diesen Commander Brandly kennenlernen. Denn ich hatte noch nicht das Vergnügen!“, erklärte er und ging bereits Richtung Tür, um das Büro zu verlassen. “Oh Man!”, murmelte Lorenz und blickte zu Whitehawk. Der Indianer nickte zustimmend. “Shinjiro!” Der Angesprochene hielt inne und drehte sich dem General zu, der auf ihn zukam: “Für alle Fälle!“ Der Japaner sah den Grauhaarigen ausdruckslos an, Whitehawk nickte wohl wissend was Shinjiro dachte: “Menschen mit so viel Gier im Herzen sind wie ein unaufhaltsames Feuer. Sie sind bereit, alles, was sich ihnen in den Weg stellt, zu zerstören.” Tief atmete Shinjiro ein und Lorenz stellte sich neben ihm: “Danke, aber gerade wäre mir eine Uniform lieber!”, antwortete Shinjiro und nahm den Blaster vom General entgegen, bevor er zusammen mit Lorenz das Büro verließ.

Whitehawk sah den beiden Männern nach, ging zurück zu seinem Schreibtisch und setzte sich, “Nun, es beginnt!“, sprach er leise vor sich hin und setzte eine Verbindung über sein Hypercom.

Absatz 5

„Hä?“, kam es leise von Fireballs, als er plötzlich die Stimmen am anderen Ende der Leitung hörte. Seine Stirn legte sich in Falten, während er seinen Kommunikator kurz musterte: “Hatte Colt versehentlich seinen Anruf entgegengenommen?”, fragte er sich, denn so, wie es klang, war der Cowboy mitten in einer hitzigen Diskussion, und das nicht gerade leise. Fireball zuckte mit seinen Schultern und versuchte, den Sinn aus dem wirren Wortgefecht herauszufiltern. Er grinste leicht und lehnte sich gemütlich zurück und beschloss, einfach weiter zuzuhören. Es war ja nicht so, als hätte er gerade etwas Spannenderes zu tun. Ganz im Gegenteil, die Langeweile hatte ihn schon vor einer Stunde eingeholt. Während er lauschte, mahnte ihn plötzlich eine sehr bekannte Stimme: „Der Lauscher an der Wand, hört seine eigene Schand’“, hatte seine Großmutter immer gesagt. „Ja, ja“, dachte er genervt und rollte mit den Augen. „Das hier ist doch was ganz anderes. “Außerdem war hier gerade keine Wand dazwischen“, verteidigte er sich halbherzig vor sich selbst. Und spitzte wieder seine Ohren.

„Ich habe Ihnen doch gesagt, dass ich Sie ohne offizielle Einladung hier nicht hineinlassen darf!“, polterte eine Stimme durch die Leitung. „Das sage ich Ihnen jetzt zum letzten Mal, ansonsten werde ich sie melden!“, drohte der Offizier dem Cowboy. Fireball grinste, schließlich wusste er, dass Colt sich von solchen Drohungen wenig beeindrucken ließ. Und tatsächlich, die Stimme des Cowboys klang alles andere als kneifend: „Wie offiziell muss diese Einladung denn sein, Kumpel?“, Und Fireball konnte sich die genervte Augenbraue, die Colt dabei hob, lebhaft vorstellen. 

„Eine Einladung mit Goldrand wäre angebracht“, kam es daraufhin spöttisch vom Wachoffizier zurück, „Am besten persönlich unterschrieben von General Whitehawk, Kommander Eagle, oder …“ – „Oooder?“, fragte Colt mit herausforderndem Unterton. Der Offizier machte eine dramatische Pause. Fireball musste sich das Lachen verkneifen.

„Oder“, setzte der Wachoffizier erneut an, jetzt mit einem triumphierenden Grinsen: „oder ich sorge persönlich dafür, dass Sie bald eine Einladung bekommen, in Form eines Abbefehls!“ Fireball riss seine Augen auf … und er richtete sich interessierter auf, diese Sache wäre jetzt nicht mehr so witzig. Doch noch bevor Colt allerdings richtig in Fahrt kommen konnte, schaltete sich April ein, die offensichtlich genug von der Eskalation hatte. Ihre diplomatische Stimme drängte sich zwischen die Fronten: „Bitte, es ist wirklich wichtig. Sie können doch eine Meldung durchgeben, dass Captain Lancelot mit seinem Team Verbindung aufnehmen muss!“

Fireball verzog etwas sein Gesicht, als sich eine ganze Armee von Fragezeichen über seiner Stirn bildete; „April ist auch vor Ort? Wo auch immer die beiden gerade waren… und warum ist es so ein Problem, mit Saber zu sprechen?“ fragte er sich. Und hörte den Cowboy am anderen Ende der Leitung missmutig sagen hörte: „Das ist doch eine komplette Entennummer!“ – Klick – und die Verbindung war weg. Fireball zog fragend seine Augenbrauen zusammen: “Colt?”, fragte er vorsichtig, wissentlich, dass der Cowboy ihn nicht hören konnte. “Hä?” Was war das bitte? Sollte er das etwa alles mit anhören, nur warum? Er lehnte sich wieder zurück und riss die Chipstüte auf, die er sich vorhin im Konbini gekauft hatte. Doch noch bevor die ersten würzigen Kartoffelscheiben in seinem Mund landen konnten, ließ er sie fallen, “Entennummer” schoss es ihm durch den Kopf und sprang auf: “Uie!” 


Saber presste seine Lippen fest zusammen. Seit zwei Stunden musste er Rede und Antwort stehen, und die Zeit schien sich endlos zu dehnen. Mittlerweile kam er sich zermürbt vor, seine Gedanken drohten sich in einem Strudel aus Erschöpfung und Verwirrung zu verfangen. Er zwang sich, konzentriert zu bleiben! Er musste aufpassen, nicht in die gefährliche Spirale abzurutschen. Es klang verlockend und einfach, die Antworten zu geben, die Kommander Bradley und die Anwesenden hören wollten. Doch Saber wusste, dass dieser Gedanke trügerisch war. Es war genau das, worauf alle im Raum warteten, ihn brechen, ihn an den Punkt bringen, an dem er die Kontrolle über sich verlor, die Konsequenzen waren hoch, er als Captain wäre unfähig, und sein Team würde aufgelöst, somit hing auch die Zukunft seiner Teammitglieder an ihm. Er zwang sich den Commander, mit dem er in seiner Laufbahn so gut wie noch nie etwas zu tun gehabt hatte, zuzuhören. 

“Sie ordneten eine Evakuierung inmitten eines Kampfgeschehens an”, las der Ältere den nächsten Punkt vor, ohne eine direkte Frage darauf zu stellen. Saber blieb stumm, doch das grelle Neonlicht über ihm drückte auf seine Augen, als ob das Licht sich durch seine Schädeldecke bohren wollte. Ein kleiner, pochender Kopfschmerz kündigte sich an, zunächst nur ein leises Klopfen hinter seiner Stirn, doch mit jeder Minute wurde es lauter und intensiver. 

„Und ihr Pilot wurde verletzt, aber das ist nicht alles“, fuhr Bradley mit fester Stimme fort. „Laut den vorliegenden Berichten durfte er gar nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen. Eine prekäre Situation, und das auf einem Kampfschiff. Wie möchten Sie weiter verfahren, Captain Lancelot?“ fragte Bradley nun eindringlich und sein Blick bohrte sich in Saber. Jeder der Anwesenden im Raum wartete gespannt auf seine Antwort. Die Gesichter der Anwesenden waren distanziert, als ob das, was hier geschah, für sie nichts weiter als tägliche Routine war. Doch für den Schotten war es ein Kampf. Ein falscher Schritt, eine unüberlegte Antwort, und er würde alles riskieren – seinen Ruf, seine Autorität und zum Schluss seinen Rang. 

Er atmete tief durch, zwang sich damit innerlich zur Ruhe und wählte seine Worte mit Bedacht. Seine Stimme war kontrolliert und fest: „Sir, die Umstände der Evakuierung wurden bereits intern geklärt.“ Er hielt einen kurzen Moment inne, ließ die Worte sacken, bevor er fortfuhr. „Natürlich wird es Konsequenzen haben, doch auch ich muss die Entscheidung meines Vorgesetzten, in diesem Fall Commander Eagle, abwarten. Und in Bezug auf meinen Piloten“, fuhr Saber weiter fort: „Er wurde bereits bis auf unbestimmte Zeit aus meinem Team abgezogen. Über diese Entscheidung habe ich keine Kontrolle. Ich warte ebenfalls auf die endgültige Anweisung von meinem Vorgesetzten, in diesem Fall Captain Hikari.” Seine Antwort war diplomatisch, aber es war wichtig, dass sie keinen Spielraum für weitere Fragen bot. Auch wenn die Wahrheit komplexer war, musste er hier klug und bedacht handeln, um das Vertrauen in seine Entscheidungen nicht zu erschüttern. Nicht nur für diesen Moment, sondern für die Zukunft seines Teams und das neue Grenzland! Bradley lehnte sich ein wenig zurück. Er musste zugeben, dass er von der schnellen Wortgewandtheit des jungen Captains beeindruckt war. Er nickte einige Male, doch seine Augen waren weiterhin fest auf den jungen Captain gerichtet: „Und bis dahin, Captain Lancelot?“, fragte er, mit einem Anflug von Skepsis. Doch Sabers Blick blieb ruhig und seine Haltung fest. Die Anspannung, die ihn in den letzten Stunden begleitet hatte, fiel plötzlich von ihm ab. Er atmete tief ein und richtete sich etwas auf, seine Stimme klang ruhig, aber mit einer Autorität, die keinen Widerspruch zuließ. „Bis dahin habe ich alles gesagt, Sir.”

Wenige Sekunden verstrichen, Bradley blinzelte einige Male und runzelte seine Stirn, während er den jungen Schotten weiterhin musterte. Er dachte sich verhört zu haben, hatte er doch auf mehr gehofft – eine Lücke in Sabers Argumentation. Aber da war nichts. Sabers Antworten waren präzise, ohne Raum für Spekulationen. „Sie haben also alles gesagt?“ Bradley versuchte es noch einmal. Er wusste, dass es kein Weiterkommen mehr gab, nicht, solange die endgültigen Entscheidungen von Commander Eagle und Captain Hikari noch ausstanden. Saber ließ den Moment für sich wirken, bevor er fortfuhr: „Die Verantwortung für die weiteren Maßnahmen liegen nicht in meiner Hand. Solange die Befehle von Commander Eagle und Captain Hikari nicht vorliegen, ist jede weitere Diskussion sinnlos und es wäre eine Übertretung meiner Kompetenzen.“ Erklärte der Schotte darauf. Seine Worte waren sachlich, aber mit einem Hauch von Nachdruck. Die Machtverhältnisse im Raum hatten sich umgekehrt. Bradley, der zuvor das Verhör mit harter Hand geführt hatte, merkte nun, dass ihm die Argumente ausgingen. Ein leises Seufzen war zu hören. “Nun ja!”, sagte er während er sich in seinem Stuhl aufrichtete. „In Ordnung, Captain. Wir werden auf die weiteren Anweisungen warten“, kam es von Bradley etwas widerwillig, aber er wusste, dass er das Gespräch nicht weiterführen konnte. Bradley und die Anwesenden standen auf. Saber richtete sich aus und alle salutierten sich entgegen. Der Schotte nickte und wollte sich gerade verabschieden, als plötzlich ein schrilles, pulsierendes Signal aus Sabers Tasche den Raum beschallte. Es war ein Interner-Team-Alarm. Schnell griff Saber in die Innentasche seiner Uniformjacke und stellte das schrille Geräusch ab und nickte den Anwesenden noch zu und verließ eilig den stickigen Raum.

Absatz 6

Colt und April, die noch immer am Eingang neben der Schranke standen, hatten sich in die wartende Stille gefügt. Die Minuten zogen sich, bis plötzlich auch bei ihnen der Alarm auf den Kommunikatoren losging. Der Ton durchbrach die entstandene Ruhe. Selbst der Wachmann zuckte leicht zusammen. Ohne zu zögern, entsicherten Colt und April ihre Geräte, wodurch der Alarm sofort verstummte.

April riss erstaunt ihre Augen auf, als sie auf das Display ihres Kommunikators starrte, während Colts Miene Erleichterung widerspiegelte, nur um gleich darauf wieder in ernster Besorgnis zu versinken.

Im Oberkommando sprang Alex abrupt von seinem Platz auf und eilte auf die Brücke, als der Alarm ertönte. Ein Alarm dieser Art war für ihn neu und doch wusste er, was zu tun war. Seine Anweisungen lauteten, in diesem Fall, Ramrod startklar zu machen. Doch als er las, wer den Alarm ausgelöst hatte, zögerte er einen Moment, seine Gedanken rasten. Doch schließlich folgte er den Vorschriften und machte den Friedenswächter einsatzbereit.

Saber, der noch immer den Alarm in den Ohren hatte, fühlte sich zwischen Erleichterung und zunehmender Besorgnis hin- und hergerissen. Dieser Alarm war in seinem Team bisher noch nie vorgekommen. „Was war nur geschehen? War jemand verletzt? Gab es ein Problem mit Ramrod?“ seine Gedanken rasten besorgt. Während er den Gang entlang rannte, las er die Details des Alarms. Blitzartig stoppte er und seine glatten Schuhsohlen schlitterten über den Boden. Seine Augenbrauen zogen sich zusammen und er atmete hörbar tief ein und aus. Nach dem ersten Schock steckte er seinen Kommunikator wieder ein und verließ etwas langsamer als noch zuvor das Gebäude.

Fireball zog scharf die Luft zwischen seinen Zähnen ein und kniff die Augen zusammen, er wollte nicht hinsehen, als er den Alarm auslöste. Er wusste genau, was das bedeutete – Chaos, Panik und jede Menge Ärger. Sein einziger Vorteil war, dass er sehr, sehr, sehr weit von Yuma entfernt war und das panikartige Geschehen in wenigen Augenblicken dort nur erahnen konnte. Doch in diesem Moment hatte es für ihn keine andere Option gegeben. Er hatte die Anweisung verstanden, zumindest hoffte er das. Der Cowboy, war bekannt für seine Kuhhirten-Weisheiten, und hatte sie ihm immer wieder eingeschärft: „Sollte er die Entennummer erwähnen, ist die Kacke am Dampfen.“ Und wenn das der Fall war, dann seien alle „Tricks“ erlaubt. „Na toll“, murmelte Fireball, während er seinen Kommunikator wegsteckte. „Aus einem langweiligen Abend wird wohl noch eine schlaflose Nacht.“ Mit einem komischen Gefühl im Magen hob er die Chips vom Boden auf und überlegte, ob er wenigstens diese letzte friedliche Tat genießen konnte.

„Warst du schon auf Yuma?“, fragte Lorenz und warf einen neugierigen Blick auf Shinjiro, der mit verschränkten Armen neben ihm vor dem Panoramafenster stand. Shinjiro nickte knapp, ohne den Blick nach draußen abzuwenden: „Wir sind seit drei Tagen in Yuma-City,“ war seine doch überraschende Antwort.

“Ach..”, drehte sich Lorenz überrascht zu Shinjiro: „Und da besuchst du mich nicht in der Base? Ich bin enttäuscht“, sagte er, scherzhaft eingeschnappt.

Shinjiro grinste leicht: „Keine Sorge, ich werde das Oberkommando noch früh genug wiedersehen”, entgegnete er, und richtete seinen Blick jetzt auf den erdähnlichen Planeten, dessen Konturen im All immer deutlicher wurden. „Aber erst einmal bin ich privat vor Ort.“ Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg zu seinem Platz für die bevorstehende Landung.

Lorenz nickte verstehend: Er konnte sich gut vorstellen, was alles geregelt werden musste. Und in Shinjiros Haut wollte er gerade nicht stecken. Alles, was er tun konnte, war Shinjiro die Flügel freihalten, so gut er konnte, und folgte seinem ehemaligen Wingman und setzte sich ihm gegenüber. „Und jetzt willst du Bradley einen Besuch abstatten?“, fragte er während er sich anschnallte.

Shinjiro warf ihm einen flüchtigen Blick zu und antwortete trocken: „Ja! Und du kommst mit.“ Lorenz hielt nach dieser Antwort inne und musterte Shinjiro, seine Stirn war leicht gerunzelt. „Aber …“ begann er, doch seine nächsten Worte blieben ihm im Halse stecken. Er schloss seinen Mund wieder und blickte neben sich aus dem Fenster. „Au man, das war’s mit meiner Karriere”, murmelte er mit einem Hauch schwarzen Humor vor sich hin. Denn ein Besuch bei der Militärpolizei stand auf seiner Prioritätenliste eindeutig ganz weit unten.

„Über Karriere würde ich mir erst Gedanken machen, wenn überhaupt eine da wäre“, erwiderte Shinjiro darauf, als er das Gemurmel verstanden hatte. 

Lorenz riss seinen Kopf blitzartig Richtung Shinjiro. Seine Augen funkelten, als sich die Blicke der beiden trafen. Der Deutsche zeigte mit ernstem Blick auf seinen einstigen Wingman. „Das tat sehr, sehr weh, und muss ausdiskutiert werden!“, sagte er in einem strengen Ton, wobei ihm ein leichtes Lächeln über die Lippen huschte. Beide wussten, welche Diskussion damit gemeint war.

Das Shuttle ruckelte etwas, als es auf die Atmosphäre von Yuma traf. Die Anziehungskraft des Planeten war spürbar. Lorenz seufzte: “Ok, weihe mich in deinen Plan ein!” 


Colt zog seinen Hut tiefer ins Gesicht, als er Saber aus dem Gebäude kommen sah. Die Schritte des Schotten waren energisch, ja schon fast zornig. „Ich vermute, er ist sauer,“ murmelte Colt trocken, während er die scharfen, entschlossenen Bewegungen seines Vorgesetzten beobachtete. April riss überrascht ihre Augen auf: „Ach, wie kommst du darauf, Cowboy?“, fragte sie spöttisch, doch die Nervosität war ihr anzumerken. Colt zuckte mit seinen Schultern, als ob er sich auf das unvermeidliche Aufeinandertreffen vorbereitete. Saber durchquerte bereits den betonierten Platz vor dem Gebäude und marschierte wie ein Sturm über das Gelände. Er passierte die Wachen an der Schranke, ohne ihnen einen zweiten Blick zu schenken, um schnell zu seinem Wagen zu gelangen. Doch dann entdeckte er die beiden Gestalten, die ihn offensichtlich erwartet hatten.

Mit funkelnden Augen und festem Kiefer änderte Saber seine Richtung und kam auf Colt und April zu, die keinen Fluchtweg mehr hatten. Bevor einer von ihnen auch nur ein Wort sagen konnte, war Saber schon bei ihnen und explodierte fast: „Was ist hier los? Was macht ihr hier? Was hat es mit dem Alarm auf sich und welche Rolle spielt Fireball in der Sache?“ Seine Stimme war schneidend und selten so fordernd. Es war offensichtlich, dass er Antworten wollte, und zwar sofort.

April erstarrte, als sie Sabers Blick traf. Die Überraschung in ihren Augen wich schnell einem Anflug von Sorge. So hatte sie ihn noch nie erlebt. Saber, der sonst immer ruhig und besonnen als Captain agierte, war dieses Mal völlig außer sich. Sein Ärger lag greifbar in der Luft, und obwohl es selten vorkam, wusste April, dass es dieses Mal berechtigt war. Objektiv betrachtet, hatten sie hier einen klaren Formbruch begangen. Colt hingegen zog instinktiv den Kopf ein, als hätte er damit gerechnet, von einem Tornado erwischt zu werden. Langsam nahm er seinen Hut vom Kopf, und seine Finger spielten nervös mit dem Rand, während er schuldbewusst auf den Boden sah. Der Cowboy war brenzlige Situationen und harte Auseinandersetzungen gewohnt, doch Sabers Wut, wenn er dann mal Sauer war, war das eine andere Liga. Was Colt jedoch am meisten beunruhigte, war die Tatsache, dass er nicht einmal genau wusste, warum es so wichtig war, den Schotten dort herauszuholen. Captain Lorenz hatte ihm die Dringlichkeit nicht im Detail erklärt. Und wie so oft blieb es nun an ihm, den guten alten Colt hängen, die Situation aufzuklären. Er konnte sich jetzt schon vorstellen, wie er Fireball später durch den Kommunikator ziehen würde. Hatte der Cowboy doch gehofft, dass der Japaner einen Weg hätte, General Whitehawk zu erreichen, oder zumindest irgendetwas in diese Richtung. Aber das alles war gerade so chaotisch. Ja, Saber war draußen, ok Ziel erreicht. Doch jetzt standen sie hier, vor ihrem Captain, der selten seine Beherrschung verlor, aber heute eindeutig mehrmals an seine Grenzen gestoßen war. 

Absatz 7

Captain Lorenz und Captain Hikari wurden direkt nach der Landung abgeholt, ein dunkles, gepanzertes Fahrzeug wartete bereits auf sie, als sie aus dem Shuttle stiegen. Kaum hatten sie Platz genommen, setzte sich das Auto in Bewegung. Der Weg führte sie durch die belebten Straßen von Yuma-City, doch sie hatten keine Gelegenheit, die Stadt aus der Nähe zu betrachten. Captain Hikari war dabei, alle nötigen Informationen über Bradley zu bekommen, und Lorenz hatte Mühe, ruhig zu bleiben. Das Fahrzeug glitt schnell und ohne Unterbrechung durch den Verkehr, bis es die Stadtgrenzen hinter sich ließ und das militärische Verwaltungszentrum am Horizont auftauchte. 

April fuhr etwas schneller in das Parkhaus des Oberkommandos hinauf, als sie es eigentlich beabsichtigt hatte. Sie war innerlich und auch äußerlich sichtbar angespannt. Saber hatte das Gespräch vor dem Verwaltungszentrum abgebrochen. Wahrscheinlich wollte er keine neugierigen Ohren dabei haben und hatte die komplette Ramrod-Besatzung an Bord beordert. 

Sie blickte zum Cowboy neben sich, der sonst für jeden Moment einen lockeren Spruch parat hatte, war nun ungewöhnlich still. Und das machte alles nur noch schlimmer, fand sie. April versuchte, sich auf die schmale, kurvenreiche Zufahrt des Parkhauses zu konzentrieren, doch in ihrem Kopf kreisten tausend Gedanken. Was genau war bei diesem Termin geschehen? War tatsächlich der Team-Alarm der Grund, warum der besonnene Highlander so außer sich war? Noch nie hatte sie Saber so erlebt,…  so … verletzt? 

Shinjiro und Lorenz liefen durch die kalten, grauen Gänge des militärischen Verwaltungskomplexes. Die Wände wirkten massiv und bedrückend. „Oh Mann, das hat was von Gefängnismauern,“ murmelte Lorenz, während er sich mit einem Hauch von Unbehagen neugierig umsah. Er hatte nie geplant, dieses Gebäude in seiner Laufbahn betreten zu müssen, und nun marschierte er mit Shinjiro an einem wunderschönen Sommertag, an vorderster Front, direkt ins Herzstück dieser undurchdringlichen Stahlbetonmauern. 

Shinjiro grinste etwas und warf einen kurzen Seitenblick auf Lorenz. Ein Hauch von Spannung lag in der Luft, doch der Japaner zeigte keine Regung. Lorenz bemerkte den flüchtigen Blick und beschloss, die Stille zu brechen. „Und wonach riecht das hier eigentlich?“, fragte er, während sie im Gleichschritt durch den Korridor marschierten. Der glatte Boden unter ihnen ließ ihre Schritte in einem gleichmäßigen Takt wiederhallen.

„Vermutlich dein Angstschweiß“, kommentierte Shinjiro trocken. Lorenz stöhnte innerlich und rollte mit den Augen, auch wenn er wusste, dass der Spruch irgendwie genau ins Schwarze traf. „Ja, berechtigterweise”, gab er schließlich zu, während er sich nervös die Jacke seiner Uniform zurechtzog. „Die wissen hier alle, wo ich arbeite,“ sprach er leiser zu sich. Shinjiro marschierte einfach weiter, als wäre nichts Außergewöhnliches vorgefallen. Seine Schritte blieben gleichmäßig, als ob die grauen Wände um sie herum ihn nicht im Geringsten beeindruckten. 

Lorenz hingegen konnte das beklemmende Gefühl in seinem Magen nicht abschütteln. Sie blieben schließlich vor einer schweren, grauen Tür stehen. Lorenz, der seinen Humor nie ganz ablegen konnte, vor allem nicht, wenn er nervös war, sah die Tür an und fragte: „Was meinst du, ob wir einen Kaffee bekommen?“ Shinjiro klopfte ohne Vorwarnung, das sich Lorenz fascht erschrak. „Wenn wir Glück haben”, sagte Shinjiro mit einem Hauch Ironie und öffnete die Tür, ohne ein herein abzuwarten und trat ein, Lorenz beruhigte seinen Atem und folgte ihm.

Alle Anwesenden drehten ihre Köpfe unwillkürlich zur Tür. Commander Bradley, der gerade noch über das Protokoll des Schotten gebeugt war, fuhr empört herum, die Verärgerung war deutlich in seinen Augen zu erkennen. Wer hatte es gewagt, ohne Erlaubnis einzutreten? Doch noch bevor er auch nur ein Wort der Zurechtweisung aussprechen konnte, erkannte er, wer dort gerade unangemeldet sein Büro betrat. Commander Bradley und die anderen Offiziere sprangen förmlich von ihren Stühlen auf, um eilig zu salutieren.

Die Atmosphäre im Raum hatte sich schlagartig verändert. Captain Hikari blickte sich stumm um und musterte jeden einzelnen. Die Luft wurde schwer wie Blei, sehr zu Lasten der Offiziere, die immer noch salutierten, als Hikari und Lorenz ihren Eintritt an ihnen vorbei vollzogen. Der Captain musterte die Offiziere und zeigte ihnen mit einer Kopfbewegung an, den Raum zu verlassen. Lorenz, der mit einer unauffällig hinter seinem ehemaligen Shinjiro ging, erwiderte den Salut der Anwesenden mit einem stummen, aber respektvollen Nicken. 

Captain Hikari trat langsam vor den Schreibtisch von Commander Bradley, jeder Schritt war ein stummer Befehl, eine unausgesprochene Aufforderung, die Hierarchie, die von ihm ausging, anzuerkennen. Es war keine Eile in seinen Bewegungen, kein Wort kam über seine Lippen, doch das Schweigen, das folgte, war erdrückend. Lorenz blieb stehen, beobachtete Shinjiro und hielt einen Moment inne. Wann war der Moment gewesen, als bei Shinjiro der Schalter umgelegt wurde? In solchen Situationen erkannte er ihn damals wie heute nicht wieder. Er fand das nach wie vor beeindruckend, wie Shinjiro von einer Sekunde zur anderen den General verkörperte. Lorenz ließ seine Luft langsam entweichen und wartete ab. 

Commander Bradley, dessen Haltung sich unter Hikaris unerschütterlichem Blick nur minimal entspannte, löste seinen Salut nach einigen Momenten zögerlich von selbst. Seine Augen trafen die von Captain Hikari, und für einen Augenblick war es, als würde die Zeit stillstehen. 

Der Blick, den Hikari ihm zuwarf, war durchdringend, als würde er direkt in seine Seele blicken und all seine Schwächen offenlegen. Hikari machte auch ohne ein Wort klar, wer hier die Kontrolle hatte.

Commander Bradley, der nie geglaubt hätte, noch einmal in diese Augen zu blicken, räusperte sich, um die Spannung in seiner Stimme zu lösen. „Captain Hikari, Captain Lorenz, was führt Sie zu mir?“, fragte er schließlich, und bemühte sich, den Blick von Hikari noch etwas zu halten, während er auch Lorenz, mit einem festen, aber respektvollen Nicken bedachte.

“Und wer sind sie?” fragte Hikari den Offizier, der neben Commander Bradley stand. Der angesprochene antwortete laut und schnell: “Sergeant Mat …” – “Raus!” befahl Hikari, ohne den Offizier aussprechen zu lassen, und wandte sich wieder Bradley zu. Der Sergeant riss erschrocken seine Augen auf und verließ in einem reflexartigen Gehorsam so schnell er konnte den Raum. So schnell, dass er fast über seine eigenen Füße stolperte. Die Tür schloss sich hinter ihm, aber die Spannung im Raum blieb unverändert, als hätte Hikaris Befehl die Atmosphäre noch weiter verhärtet. 

Bradley, der die Szene stumm beobachtet hatte, zog seine Augenbrauen zusammen und musterte den Mann, der nach 16 Jahren wieder vor ihm stand: „Das war mein erster Offizier, er hätte die Befugnis gehabt, anwesend zu sein!“, kam es darauf von Bradley wissentlich, dass es auf Hikari keinen Eindruck machen würde. Und tatsächlich, wie zu erwarten, blieb dieser ungerührt und seine Haltung unverändert: „Genau deshalb bin ich hier”, antwortete er kühl: „Lassen Sie uns über Befugnisse reden.“ Es war keine Einladung zu einer Diskussion, sondern eine klare Ansage.

Absatz 8

Im Aufenthaltsraum von Ramrod herrschte dicke Luft. Würde April den Grund dafür nicht kennen, so würde sie meinen, dass die Belüftungssysteme verstopft wären. Sie saß Alex auf der gepolsterten Bank gegenüber, der noch immer nicht wirklich im Bilde war. Colt stand auf der anderen Seite des Tisches und erwartete die aufkommende schottische Standpauke. Ja, aber er war sauer und verlangte Aufklärung, seine Stimme war scharf und fordernd: „Was ist hier los?“ Seine Worte stockten, als sein Blick auf April fiel, die sofort ihren Blick senkte. Saber atmete tief ein, um ruhiger zu werden, er konnte seinen Unmut, der sich in seinen Körper in den letzten Stunden angesammelt hatte, nicht an seinem Team herauslassen. Doch es strengte ihn zusehends an, objektiv zu bleiben. Er machte einen Schritt nach vorn, und für einen Moment schien die Zeit stillzustehen, während er den Cowboy mit einem langen, durchdringenden Blick bedachte, der keine Ausflüchte duldete. Es war ein Blick, der Antworten verlangte, und zwar sofort! 

Sabers gesamte Haltung war angespannt, jeder Muskel in seinem Körper schien bereit, auf die kleinste Provokation zu reagieren. Alex lehnte sich mit verschränkten Armen zurück, auch er war neugierig, warum er Ramrod kampf- und einsatzbereit machen musste. “Saber …” begann April leise, doch Colt legte ihr eine Hand auf ihre Schulter und antwortete für sie: “Wir wissen es selber nicht genau, doch es schien wichtig zu sein, dass wir dich kontaktieren” mussten, fuhr der Cowboy fort und sah in Sabers fragendes Gesicht, in dem nun noch mehr Fragezeichen standen als zuvor. Der Schotte dachte einen Moment lang nach, während er seinen Kommunikator aus seiner Uniformjacke fischte, die er auch gleich auszog, die Wärme an Bord war ja unerträglich, fand er. “Ja, stimmt, da fehlt ja noch jemand!”, murmelte der Highlander vor sich, während er eine Nummer wählte und den Angerufenen auf den Monitor im Aufenthaltsraum legte. 


„Ich wurde gebeten, das Verhör von Captain Lancelot zu leiten!“, erklärte Bradley mit Nachdruck, als ob er durch die bloße Kraft seiner Worte Hikaris Blick abschütteln könnte. Doch Hikari ließ sich nicht beeindrucken. „Von wem?“, fragte er, mit ruhiger Stimme, die aber weiterhin seine bekannte Autorität ausstrahlte, die den Raum einnahm. Bradley räusperte sich leicht, bevor er antwortete: „In Vertretung von Commander Rollins, der heute Commander Eagle im Oberkommando vertritt.“ Hikari ließ diese Information kurz sacken, bevor er mit einem leichten, kaum sichtlichen Grinsen antwortete: „Nun, es mag Sie überraschen”, begann er kühl und präzise, „aber Captain Lancelots Befragung wurde von General Whitehawk aus guten Gründen verschoben und Ihr Name, Commander Bradley, wurde dabei mit keiner Silbe erwähnt.“ und er machte eine kurze Pause, damit seine Worte voll zur Geltung kommen würden. Der Commander verstand nicht so ganz und blickte etwas fragend zu Hikari, der ihn sofort aufklärte: „Auch haben Sie keine, ich wiederhole, überhaupt keine Befugnisse, Captain-Major Lancelot zu befragen“, fuhr Hikari fort, seine Stimme war nun wieder schneidend. Bradley wiederholte erstaunt: „Captain-Major?“ Was war hier gerade los, fragte sich der Commander und hörte Hikari weiter zu. „Somit befinden Sie sich, Commander Bradley, 1-OF unterhalb der  Befehlsstrukturen von Captain-Major Lancelot.” Bradleys Gesicht wurde daraufhin von Sekunde zu Sekunde blasser, doch er wagte es nicht, das Wort zu ergreifen. 

Hikari ließ ihm auch keine Zeit, sich zu rechtfertigen. “Das bedeutet, dass alles, was Captain-Major Lancelot heute hier gesagt hat, rechtlich null und nicht existent ist“, betonte Hikari und legte dem Commander die Ernennungsurkunde von Captain-Major Richard Lancelot vor. Unterschrieben war sie von General Whitehawk, Hikari und Captain Lorenz. Zudem gab es eine Wappierung von König Jarred. 

“Was? Wann?”, fragte der Commander fassungslos und sah sich das Dokument genauer an und hob seinen Blick zu Hikari. Der ließ eine kurze, fast quälende Pause entstehen, bevor er weiter sprach: „Ihre Rolle hier ist irrelevant, Commander Bradley und Sie werden sich dafür verantworten müssen“, sprach er und machte eine Handbewegung Richtung Lorenz, dieser trat nun einen Schritt nach vorn: “Bitte händigen Sie uns das Originalprotokoll der Aussagen von Captain-Major Lancelot aus”, forderte er von Bradley. Der Commander ließ daraufhin das Dokument in seiner Hand langsam sinken und reichte Lorenz, ein Tablet und einige Unterlagen. Captain Lorenz nickte Bradley entgegen und trat wieder einen Schritt zurück. Hikari sah sich in dem wenig einladenden Büro um und richtete seinen Blick wieder auf den Commander vor sich: “Da Ihnen diese verwaltungstechnischen Aufgaben so zusagen, erwartet General Whitehawk ihr Gesuch auf Versetzung! Einen schönen Tag, Commander Bradley und entschuldigen Sie mein doch sehr ziviles Auftreten, aber meine Uniform ist noch nicht fertig“, sagte er mit einem doch sehr ironischen Unterton, aber auch bedauerndem Unterton und verließ zusammen mit Lorenz das Büro.

Bradley blieb zurück und starrte die Tür, durch die Lorent und Captain Hikari gegangen waren, noch eine ganze Weile stumm an. Er griff nach seinem Communicator und stellte eine Verbindung her: “Hikari ist auf Yuma …” sprach er zu jemandem am anderen Ende.

Absatz 9

„Wie kommst du dazu, deinen internen Team-Alarm auszulösen?“, fragte Saber, dessen Stimme mittlerweile ruhiger, aber nach wie vor geladen war, wie ein Blitz. Fireball, der über den Monitor im Aufenthaltsraum zugeschaltet war, zuckte leicht zusammen, die Tonlage war auch für ihn selten bei Saber: „Und wie kommt es, dass du überhaupt noch Zugriff auf die Systeme über deinen Kommunikator hast?“ Die Fragen waren durchaus berechtigt, aber sie trafen Fireball mitten ins Mark. Schließlich war er immer noch Teil des Ramrod-Teams, oder? Warum sollte er also keinen Zugang zur Team-Frequenz haben? 

Scharf zog Colt Luft zwischen seinen Zähnen ein, er merkte, dass der letzte Satz Fireball besonders getroffen hatte, sonst wäre dieser jetzt nicht so still. Fireball spürte den Druck auf sich, als er in die vier erwartungsvollen Gesichter blickte. Die Stille im Raum war fast erdrückend und für Fireball war die Nacht definitiv gelaufen. Er wusste, dass er Mist gebaut hatte, aber was konnte er jetzt sagen?

Colt trat einen Schritt nach vorne und versuchte, die Situation zu entschärfen: „Boss, das war meine Idee, ich dachte, es wäre wichtig, das Team zu warnen. So ließ ich die “Entennummer” los, um zu wissen, wo du bist.“ Sein Versuch, die Verantwortung auf sich zu nehmen, schien die Spannung jedoch kaum zu lindern. Sofort warf Saber Colt einen scharfen Blick zu: „Ich will alles hören, ohne Umschweife oder Beschönigungen. Und wenn Namen in der Geschichte vorkommen, will ich sie auch alle hören!“ forderte der Schotte forderte eine klare Erklärung von allen ein. Alex, der bisher schweigend beobachtet hatte, hob eine Augenbraue und schüttelte leicht den Kopf, er hätte nun gerne Chips, denn diese Story interessierte ihn auch brennend. Seit er im Team Ramrod war, mangelte es ihm nicht mehr an Action, das stand fest.

Colt nickte, seine Haltung verriet, dass er wusste, dass diese Erklärung unangenehm werden würde. „Also, Boss, Captain Lorenz hat nach dir gefragt,“ begann er. „Offiziell warst du im Oberkommando gelistet, aber nach unserem Wissen warst du bei einer Anhörung bei Commander Rollins.” Saber nickte , denn bis hier war auch für ihn noch alles klar, er hörte dem Cowboy weiter aufmerksam zu. “Lorenz suchte dich und meinte, ich sollte versuchen, dich zu erreichen. Und mit dieser Anordnung hatte er mich stehen lassen.“ Saber runzelte seine Stirn und seine Augenbrauen zogen sich fragend zusammen. „Und weiter?“, fragte er, denn das war noch lange kein Grund, den internen Alarm auszulösen. Colt räusperte sich. „Naja, der Scout in mir wollte unbedingt wissen, wo du bist. Also habe ich Rollins gefragt, aber er wusste nicht, wovon ich sprach. denn, dein Termin wurde abgesagt und du wüsstest das, weil ein gewisser Commander Bradley dich gestern informiert hätte. Dem Schotten fiel gerade alles aus dem Gesicht: „Bradley?“, hakte Saber nach, und hoffte sich verhört zu haben. Colt nickte und die Augen des Schotten verengten sich. 

„Also habe ich mir April geschnappt, weil sie genau weiß, wo diese Anhörungen stattfinden.“ und Colt warf einen schnellen Blick zur Blondine, die nun etwas entspannter wirkte, als noch vor ein paar Minuten, und Saber sogar ein unsicheres Lächeln schenkte. „Und nach einem »Iced Brown Sugar Oat Milk Shaken Espresso«…“ – „Oh, der ist gut!“ kam es unerwartet Fireball über den Bildschirm. Colt nickte seinem Hombre zustimmend zu: „Ja, oder, aber total überteuert, ob retro oder nicht.“ – „Also, ich fand ihn auch gut.“ mischte sich nun auch Alex ein. “Oh ja, wer auf Diabetes steht, nur zu.” kommentierte April. “Oh ja, Miss »Almond Milk Honey Flat White Latte«” konterte der Cowboy direkt.

Saber, der gerade gar keinen Nerv für eine aufkommende Kaffee Diskussion hatte, beendete das Thema mit einem scharfen Stop. Colt, sammelte sich und fuhr fort: „Von den Typen an der Schranke will ich gar nicht erst anfangen. Wir haben gesagt, dass es dringend ist, dich zu sehen, aber er hat uns abblitzen lassen. Keine Chance, an Herrn Wachtmeister vorbeizukommen.“ 

Ein nervöses und auch schuldbewusstes Lächeln entwich Colt, als er zum entscheidenden Punkt kam: „Am Ende hab ich es der Entennummer überlassen.“ und deutete mit dem Daumen auf Fireball, “Ich hatte ja keine Ahnung, dass er es kapiert!” – “Hey!”, protestierte der Japaner, der sich gerade einen Chip in den Mund schieben wollte und mittlerweile vecht müde aussah. Der Cowboy ignorierte den Einwand und sprach weiter: „Manchmal muss man Entscheidungen dem Zufall überlassen. Die Entennummer hat gesprochen und du weißt, was dann passiert ist. Aber immerhin, ich hab dich erreicht, auch wenn ich nicht genau wusste, warum. Lorenz schien besorgt und mir war wichtig, zu sehen, dass es dir gut geht.“ beendete Colt seine Schilderung.

Saber ließ seinen Blick abwechselnd zwischen Colt, Fireball und April gleiten. Er war deutlich nicht amüsiert, aber ebenso verblüfft, wie es so weit hatte kommen können. Fireball schaute verlegen zur Seite, unsicher, ob er nun erleichtert oder noch besorgter nach dem Gehörten sein sollte. Der Schotte schüttelte mit seinem Kopf. Alle möglichen Gedanken strömten durch seinen Kopf, aber einer war am lautesten: sein Team. Alle hatten zusammengearbeitet, nur um sicherzugehen, ob es ihm gut ging. Colt blickte zu April, denn die Stille war gerade unheimlich, die Blondine zuckte nur leicht mit ihren Schultern. Die nun eintretende Stille war eine andere. Alex lehnte sich wieder zurück, auch wenn er nicht alles verstanden hatte, war es dem Piloten bewusst: das hier war ein Paradebeispiel von Teamwork gewesen. 

Nach einigen Momenten der Stille durchbrach ein scharfes, knisterndes Knacken, gefolgt von einem wohl vertrauten bröselnden Zerbrechen, die ruhe. „Krrk.“ Alle blickten zum Monitor und Fireball hielt erschrocken inne. Ups … hatte er etwa vergessen, den Ton auszuschalten? Colt grinste, Alex rollte mit seinen Augen, aß der Alarmauslöser auch noch in aller Seelenruhe nebenbei Chips. Er schüttelte mit seinem Kopf. April stand auf und streckte sich einmal durch: “Leute, ich brauch’ einen Kaffee!”, sagte sie und ging zur Küchenzeile. “Und ich einen doppelten!”, erwiderte Alex und folgte der Blondine. 

Saber, der noch immer Klarheit in die Situation hineinzubringen versuchte, sah abermals zu Colt und nickte diesem entgegen: “Danke!” Der Cowboy grinste sein schönstes Kuhhirtengrinsen: “Klaro, Nummero Uno!”, winkte der Lockenkopf ab und schnippte Fireball  zu, was soviel hieß, dass man sich später hörte, und ging zu Alex und April in die Küche, denn ein starken Kaffee würde garantiert auch Saber gut tun, dachte sich Colt. 

Saber wandte sich indes Fireball zu und musterte diesen. Fireball blieb ruhig, doch es behagte ihm gerade gar nicht, wie der Schotte ihn ansah. „Kommt jetzt die Moralpredigt?” fragte er sich. Saber verschränkte seine Arme vor seiner Brust und musste nun auch doch etwas grinsen und er bedankte sich auch bei seinem jüngsten Teammitglied, das dafür bekannt war, etwas über das Ziel hinauszuschießen. Doch je mehr Saber sich der Situation bewusst wurde, wurde ihm klar, dass sie ihn anders tatsächlich nicht aus diesem Gebäude bekommen hätten. Fireballs Augen wurden bei dem Danke von Saber groß und er zwinkerte seinem Boss auch schon wieder frech entgegen: “Ich habe nur gemacht, was ihr mir beigebracht habt!” sagte er und schob sich einen erneuten Chip in den Mund. Saber konnte sich ein Lachen nicht verkneifen, doch da fiel ihm ein: „Wie spät ist es eigentlich bei dir?“, fragte er in einem schelmischen Ton und schaute Fireball, der echt zerknirscht aussah, neugierig an. Doch das Grinsen auf Fireballs Gesicht verschwand schlagartig, als er einen Blick auf die Uhr warf: „Ich würde sagen, Zeit zum Aufstehen.“, murmelte er und trauerte seinen verpassten Schlaf hinterher. Und die beiden verabschiedeten sich.

Im nächsten Moment kamen auch schon Colt, April und Alex zurück. Colt trug eine große Kanne dampfenden Kaffee, April folgte mit der Milch und Alex hatte eine Auswahl an süßen Leckereien im Gepäck. Sie stellten alles auf den Tisch, wie bei einem hübschen Kaffeekränzchen. Saber betrachtete sein Team in Stille und eine Welle der Dankbarkeit überkam ihn. Diese Menschen waren nicht nur seine Kollegen, sie waren seine Freunde. Jeder von ihnen hatte heute gezeigt, wozu er fähig war. In all den Jahren hatte Saber nie daran gezweifelt, ob er das richtige Team an seiner Seite hatte, heute jedoch, heute wusste er es genau: Er hatte das beste Team, das man sich nur wünschen konnte.

Absatz 10

Lorenz und Hikari saßen im Wagen. In Lorenz wich gerade jede Art von Anspannung. Und er war sich sicher, sein Feierabend war heute mehr als verdient, doch da fiel ihm ein, er war der Captain der Air Base, er musste doch noch mal zurück in den Hangar. Sein Blick glitt durch den Wagen und blieb schließlich an Shinjiro hängen, der in konzentrierter Stille den Verlauf des Verhörs las. Lorenz konnte nicht anders, als mit seinem Kopf zu schütteln. „Wie zwei verschiedene Menschen“, dachte er bei sich. Der Gedanke ließ ihn nicht los. „War das damals auch schon so?“, fragte er in sich hinein und versuchte, sich zu erinnern, während seine Augen auf dem Tablet ruhten. Er musste es bejahen. Ja, es war damals schon so gewesen, als sie noch gemeinsam flogen. Er erinnerte sich an ähnliche Situationen, die mit der Zeit einfach verblasst waren. In den hitzigen Einsätzen war Shinjiro immer die Verkörperung von Disziplin gewesen. In der Gegenwart von Vorgesetzten oder unter seinem eigenen Kommando war er der geborene General. Die Art, wie er die Protokolle herunterbetete, wenn es nötig war, während er gleichzeitig mit Leichtigkeit seine Strategien an die jeweilige Situation anpassen konnte, hatte Lorenz schon damals beeindruckt. Und er muss zugeben, dass er einige Abläufe in der Base so beibehalten hatte.  Aber da war noch etwas, was Lorenz durchaus beunruhigte. Es war nicht die Kompetenz, die er in Frage stellte, sondern die Distanz, die Shinjiro zu seiner Umgebung in diesen Momenten aufbaute. Es war fast, als würde er hinter einer Maske agieren. Damals, als sie noch gemeinsam an der Spitze geflogen waren, hatte Lorenz dies nur vage wahrgenommen. Doch heute war es ihm deutlicher aufgefallen. Hatte sich hinter dieser Fassade jemals der Mensch versteckt, den er eigentlich kennen sollte? Oder war es immer nur der Soldat, der Captain, der über den Freund dominierte? Lorenz atmete tief ein, das waren jetzt nach diesem Hin und Her zu viele Gedanken. Er war froh, dass sein Freund und Captain wieder da war und das reichte ihm voll und ganz. 

So beschloss er nun seiner Neugier freien Lauf zu lassen: „Und wie hat Lancelot sich geschlagen?“, wollte er wissen. Shinjiro nickte, schaute nach einigen Augenblicken auf und reichte Lorenz das Tablet. Lorenz nahm es entgegen und überflog das Protokoll gekonnt. Und mit jedem weiteren Satz entwich ihm ein kleines Stück der zuvor aufgebauten Anspannung. Seine Mundwinkel verzogen sich erst zu einem leichten Grinsen, das schließlich zu einem herzlichen Lachen wurde. Nicht, weil er Saber auslachte, keineswegs, vielmehr war es ein befreiendes Lachen, das aus der Erkenntnis hervorging, dass sie sich all die Sorgen umsonst gemacht hatten. Der Schotte hatte sich makellos geschlagen.

–Saber setzte sich zu seinem Team, griff nach einer Tasse Kaffee und atmete den vertrauten Duft ein, der sich versöhnlich um seine Nervenbahnen legte. Ein letztes Mal schaute er in die Runde. Seine Gedanken waren wieder ruhig und klar. “Allerdings, eine Frage habe ich da noch”, begann der Schotte. Seine Freunde blickten von ihrem Kaffee auf und in Sabers wieder sehr ernstes Gesicht. “Obwohl es so dringend war, hattet ihr Zeit einen »Iced Brown Sugar Oat Milk Shaken Espresso« zu trinken?” April und Colt sahen sich an: “Ähm…”



© Echoes of the Frontier – www.echoesfrontier.de Folge uns auf Instagram & YouTube

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
Wie hat dir das Kapitel gefallen?
Bitte bewerte dieses Kapitel, Danke 💙
0 Comments
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen

Prev Post

Next Post

0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Datenschutz-Übersicht

Diese Website verwendet Cookies, damit wir dir die bestmögliche Benutzererfahrung bieten können. Cookie-Informationen werden in deinem Browser gespeichert und führen Funktionen aus, wie das Wiedererkennen von dir, wenn du auf unsere Website zurückkehrst, und hilft unserem Team zu verstehen, welche Abschnitte der Website für dich am interessantesten und nützlichsten sind.