5.624 Wörter, 30 Minuten Lesezeit.
Absatz 1
Die Sonne über Yuma-City stand bereits tief. Saber saß in seinem Apartment und las sich zum bestimmt dritten Mal den Brief des unabhängigen Untersuchungsausschusses durch, während er sich mit einer Hand immer wieder über seine Schläfen rieb. Die letzte Schlacht vor Jarr sollte untersucht werden, das hatten ihm Captain Hikari und Kommander Eagle ja bereits im Rapport angekündigt. Doch dass die ganze Sache schon ins Rollen gekommen war, damit hatte der Schotte nicht gerechnet. “Normalerweise mahlen die Mühlen doch langsamer.” dachte er sich. Saber wusste, dass es ein großes allgemeines Interesse an dieser Schlacht gab. Aufgrund der unerwarteten Ereignisse durch das letztendliche Auftauchen von Captain Hikari selbst, konnte man im neuen Grenzland im selben Atemzug die Sache von vor 16 Jahren aufarbeiten. Saber legte den Brief vor sich hin und lehnte sich in seinem Stuhl zurück. Selbst wenn ihn die Sache vor 16 Jahren auch brennend interessierte, steckte nun auch er mittendrin, was ihn sein Kommando kosten könnte und sich ganz auf Glück zu verlassen, war in dieser Situation auch keine Option. Es gab keinen großen Handlungsspielraum, dessen war sich der Highlander vollkommen bewusst! Der Ausschuss wollte Konsequenzen sehen, die er daraus zog. Es stand eine Entscheidung an, die die Struktur seines bestehenden Teams auseinanderreißen und vermutlich die Freundschaft seiner Kameraden kosten könnte.
Er stand leicht stöhnend auf. Und zog ein dickes Buch aus seinem Bücherregal und blätterte darin. Noch nie in seiner Laufbahn als Captain musste er so klar zwischen Dienst und Freundschaft trennen. Überstürzen wollte er nichts, der Ausschuss interessierte sich nicht für private Verbindungen, sondern hielt sich an kalte Fakten, die auf den Militär- und den Gesetzen des Oberkommandos beruhen. Er markierte sich einige Stellen und machte sich Notizen. Sein Handlungsspielraum war eingeschränkt. Doch die emotionale Last dieser Entscheidung drückte schwer auf seinen Schultern. Wie sollte er zwischen Pflicht und Freundschaft wählen, ohne sich selbst oder seine Kameraden zu verraten?
Die sengende Sommerhitze legte sich wie ein schwerer Mantel über die Straßen Tokios und hinterließ einen flirrenden Schleier über der Stadt. Die Luft war erfüllt vom Summen der Zikaden, deren allgegenwärtiger Gesang ein treuer Begleiter dieser Jahreszeit war, ihr Gesang war ein Lied, das er seit seiner Kindheit kannte. Dazu mischte sich eine monotone, sich ständig wiederholende Werbung, eines Supermarktes: »Die besten Melonen der Saison – jetzt im Angebot!«, rief sie mit übertriebener Fröhlichkeit entgegen. Shinjiro blieb einen Moment stehen, ließ seinen Blick auf die Schaufenster fallen und beobachtete, wie eine ältere Frau eine prall gefüllte Einkaufstüte nach Hause trug. Hitomi sah ihn an und wartete, sie konnte sich vorstellen, dass alles ziemlich schnell für ihn gehen musste, vielleicht sogar zu schnell.
Die letzten Jahre hatten ihn von dieser Welt getrennt, und obwohl die Straßen vertraut wirkten, spürte er eine Kluft, die er nicht greifen konnte. Da war das scharfe Klacken eines vorbeifahrenden Fahrrads, die hohen Stimmen von Kindern, die spielten. Es war, als ob alles gleichzeitig nah und doch unerreichbar war. Die Hitze drückte schwer, und als ein Zug auf den nahegelegenen Gleisen vorbei ratterte, war der Moment so vertraut, dass es ihm die Kehle zuschnürte. „Nichts hat sich verändert“, murmelte er, mehr zu sich selbst als zu Hitomi. Doch zugleich wusste er, dass es nicht stimmte. Alles war noch da, wie es immer gewesen war, und doch war nichts mehr wie vorher.
Sie liefen weiter, Hitomi sah ihn von der Seite an, ihre Augen musterten ihn stumm. Langsam ließen sie die lebhafte Straße hinter sich und tauchten in ruhigere Wohnviertel ein. Die Schatten wurden länger, und die vertraute Stille, wo nur die Zikaden den Hintergrund bildeten, erfüllte Shinjiros Sinne. Doch tief in ihm blieb dieser seltsame Nebel. „Vielleicht brauchst du einfach etwas Zeit, um dich wieder einzuleben.“ holte ihn Hitomi ins Hier und Jetzt zurück. Er nickte nur stumm, aber etwas in ihm sagte, dass es mehr war als das.
Absatz 2
Die Tage vergingen für die Ramrod-Einheit wie im Flug, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Die Zeit gemeinsam im All diente vor allem dazu, sich auf engstem Raum besser kennenzulernen. Denn an Bord gab es keine Möglichkeit, Konflikten auszuweichen und man musste den Lagerkoller überwinden, ohne einander an die Gurgel zu gehen. Vor Alamo trafen sie, wie vermutet, auf kleinere Auseinandersetzungen mit den Outridern, die sie überraschenderweise gut als Team bewältigen konnten, was Colt tatsächlich überraschte. Er hatte gedacht, dass es länger dauern würde, sich mit den anderen einzuspielen. Doch Alex, der Pilot, war nicht nur sehr gut ausgebildet, sondern vor allem auch teamfähig. Sonst wäre er nie auf ein Schiff wie Ramrod gekommen. Dennoch vermisste Colt seinen Kumpel. Er verstand sich zwar sehr gut mit Alex und den anderen, die auch mal einen derben Spaß vertragen konnten, aber einen besten Freund konnte halt niemand ersetzen. Die Freizeit an Bord war spürbar ruhiger geworden. Seit einer Woche pendelten sie schon zwischen Yuma, Alamo und Jarr hin und her. Morgen würden sie wieder auf Yuma, ihrer Home Base, landen. Kommander Eagle hatte sie zurückbeordert, was für Colt kaum zu erwarten war, er würde Robin, die tatsächlich seine Verlobte war, wiedersehen, zusammen mit ihr und Joshua hatte er vor, sich ein paar schöne Tage zu machen. Mit Fireball hatte Colt regelmäßig Kontakt, doch der Cowboy merkte, dass sein Freund keine Fragen über Ramrod stellte und so unterhielten sie sich über die privaten Dinge, die sich bei ihm und seinem Kumpel gerade häuften.
Fireball erzählte von seinem Unmut, den Colt durchaus nachvollziehen konnte und auch mal mit schimpfte. So entluden sie sich beide hin und wieder. Doch riet der Cowboy seinem Freund, dem noch so frischen Kontakt mit seinem Vater nicht aus dem Weg zu gehen. Schließlich hatte sein Hombre seinen Vater wieder, auch wenn Colt das Handeln des Captains nicht nachvollziehen konnte, stellte er sich nicht zwischen Vater und Sohn. Viel eher benötigte Fireball mit dem Thema “Vater” Unterstützung, denn solch eine Beziehung war etwas vollkommen Unbekanntes für seinen Freund. Im nächsten Atemzug war Fireball voll im Bilde, was Robin und den Cowboy betraf.
Doch vor allem hatte Colt ruhigen langen Abende an Bord dafür genutzt, sich Gedanken über seine Zukunft im Oberkommando zu machen und stand mittlerweile einem Offiziersgesuch offener gegenüber als noch vor einigen Wochen. Denn der Cowboy musste zugeben, dass ihm die Arbeit an Bord nicht nur Spaß machte, es gab ihm auch viel zurück. Seine Freunde waren zu seiner Familie geworden und die Familie lässt man nicht hängen, wenn es mal gerade nicht so läuft! Gegangen wäre er eh nicht, es war zwar immer noch seine Sicherheitstür, jederzeit ohne Konsequenzen gehen zu können, doch abhauen gab es schon lange nicht mehr. Ein Offiziers-Status würde nicht nur ein Wegkommen vom niedrigen Soldaten Status und Sold bedeuten, vor allem würde es bedeuten, dass er etwas mit seinen gegebenen Fähigkeiten erreichen konnte, worauf er und seine Kinder irgendwann einmal stolz sein konnten.
“Kinder!” musste er schmunzeln und schüttelte mit seinem Kopf. Auch wenn beruflich alles schon Form in seinem Kopf annahm, den Zeitpunkt hielt er sich jedoch noch offen und wollte auch erst mit Robin darüber reden. Ihre Meinung war ihm wichtig, sie hatte da schon manchmal einen ganz anderen Blick drauf!
April saß an diesem Abend allein auf der Brücke von Ramrod, das vertraute Summen und die leisen Pieptöne der Instrumente boten eine beruhigende Kulisse für ihre Gedanken. Sie ließ die letzten Wochen Revue passieren. Die Veränderungen hatten sie alle unerwartet getroffen. Die neue Konstellation im Team und die Anpassungen an Bord forderten ihre volle Aufmerksamkeit. Ihre Gedanken wanderten zu ihrem Vater, dem Kommander des Oberkommandos, der bald seinen Posten aufgeben würde. Sie konnte es kaum ertragen, dass er nicht mehr der Kommandant sein würde, der sie immer unterstützt hatte. Doch er schien sich damit abgefunden zu haben, und das verwirrte sie. Wie konnte er so ruhig bleiben, wenn sich alles veränderte? Ein weiteres Thema, das sie beschäftigte, war Captain Hikari, seine Art und Weise war anders als alles, was sie bisher erlebt hatte. Seine Strenge und sein distanzierter Führungsstil ließen April oft unsicher zurück. Sie versuchte, sich an seine Methoden zu gewöhnen, aber es fiel ihr schwer, Vertrauen zu ihm aufzubauen. Seine unerbittliche Haltung und die ständige Forderung nach Perfektion setzen sie unter Druck. Im selben Moment schlich sich Fireball in ihre Gedanken. Der als erste Amtshandlung seines Vaters aus dem Team genommen wurde. Er war doch ein Pilot, und nicht nur irgendeiner, nein, er war der Beste für Ramrod. Das stand für April fest, auch wenn sie es ihm in den letzten Wochen nicht spüren lassen hatte. Warum nur waren sie so aneinandergeraten? Natürlich wusste sie es und sie bereute es, nicht doch noch einmal mit ihm gesprochen zu haben, bevor er ging. Sie seufzte schwer und hoffte, dass sie es eines Tages mit dem Japaner klären könnte.
Ein Signalton riss sie aus ihren Gedanken, dankbar betätigte sie die Anzeige. Ihre Wachschicht war zu Ende und sie würde gleich abgelöst werden. Aber in diesem stillen Moment auf der Brücke erlaubte sie sich, die Sorgen und Ängste zu fühlen, die sie normalerweise tief in ihrem Inneren verbarg. Sie freute sich jetzt darauf, bald auf Yuma zu landen und ihren Vater wiederzusehen.
Absatz 3
Colt und Joshua warteten auf dem großen Parkplatz vor dem weitläufigen Schulcampus des Oberkommandos, der Kindergarten, Grundschule, Highschool und auch ein Internat beherbergte. Die Sonne von Yuma würde in wenigen Minuten ihren Höchststand erreichen. Colt sah sich um, um sich einen Moment vom Dauer-Nörgler Joshua abzulenken, dem er in der letzten halben Stunde alles Mögliche versprochen hatte. Der Parkplatz war weitläufig, wenige Autos standen verteilt, aber die Architekten hatten den Schatten vergessen anzubauen. bemängelte der Cowboy. Aber gut, wer stand schon freiwillig zur Mittagszeit hier herum, außer er zusammen mit seinem immer unzufriedener werdenden zukünftigen Schwager. „Da ist sie!“, riss Josh ihn aus seinen auch bereits nörgelnden Gedanken.
Colt sah Richtung Robin, die aus dem Grundschulgebäude kam und langsam den Parkplatz erreichte. „Oh Oh!“, murmelte Joshua. Der Cowboy nickte, denn wirklich glücklich sah seine Robin tatsächlich nicht aus. Er ging der blonden Lehrerin einige Schritte entgegen und richtete dabei seinen alten Glückshut, den er doch extra heute für sie heute aufgesetzt hatte. Robin stoppte vor dem Lockenkopf und sah ihn in seine hellblauen Augen. Colt verzog sein Gesicht und wollte gerade etwas sagen, um sie aufzuheitern, da fiel sie ihm auch schon um den Hals: “Es hat geklappt, ich bin nächsten Monat eine Lehrerin der Grundschule des Oberkommandos!” freute sie sich, Colt umgriff seine Liebste schnell und jubelte mit ihr. Er drehte sich und setzte sie wieder ab: “Und die schönste noch dazu!” fügte er noch mit an, bevor er sich zu ihr neigte, um sie zu küssen.
Robin nahm dem Cowboy seinen albernen, alten Hut vom Kopf und ging mit diesem zu Joshua, der schließlich auch noch da war. „How,“ jammerte Colt, der den kleinen Nörgler vom Dienst ja fast vergessen hatte. Colt nahm Robin den Hut wieder ab und setzte ihn sich auf seine, in der Sonne brutzelnden Locken. “Zur Feier des Tages fahren wir zu Taco Bell!“ beschloss Colt und öffnete seinen Wagen. “Ja, juhu!” freute sich Joshua, der schon wieder besser gestimmt war und verschwand im Auto. „Taco Bell?“, fragte Robin entgeistert. Colt nickte einige Male: “Ich musste ihn….,“ und er deutete auf den Rücksitz. “In der letzten Stunde so einiges versprechen, also steig ein, die Liste ist lang!” fasste der Cowboy seine letzte Stunde zusammen, als er in den Wagen stieg. “Colt! So geht das nicht!” mahnte Robin und nahm dem Cowboy erneut den komischen cremefarbenen Hut ab: “Und nimm das Ding vom Kopf!” murrte sie und ging um den Wagen.
“Hey, das ist mein Glückshut!“, rief Colt entsetzt. Robin stieg ins Auto und musterte ihren protestierenden Verlobten. “Wie alt ist der?” fragte sie und begutachtete den alten, von der Sonne angeschlagenen Lederhut. “Wahrscheinlich so alt, wie das Glück selbst!” kam es belustigend von der Zwergen-Rückbank. Colt riss, bei dem gehörten seine Augen auf: „Jahaa!”, nickte er Robin einige Male hintereinander an. „Das vermutet man und er hat dir doch Glück gebracht, oder etwa nicht?” wollte er jetzt wissen, während er den Hut wieder an sich nahm. Robin begann zu lächeln, sie war gar nicht sauer, aber über die Sache mit der Erziehung sollten sie auf jeden Fall nochmal sprechen. “Na los du Glücksritter, ich hätte Lust auf einen Käse Taco!” Colt grinste und hielt den Hut hinter Robin, sodass Joshua nichts sehen konnte: “Wie schreibt man Käse-Taco, Frau Strenge Lehrerin?“, flüsterte er schelmisch, bevor er sie kurz küsste. “Können wir jetzt, ich weiß das ihr euch knutscht?” kam es genervt von der Rückbank.
Robin erschrak und wurde etwas rot um ihre Nase, Colt rollte mit seinen Augen, lachte aber leise: „Es wird Zeit, dass du ein bisschen Nachhilfe bekommst, Cowboy“, sagte sie mit einem Zwinkern, während sie sich anschnallte. „Wir fahren ja schon, keine Sorge“, beruhigte sie auch ihren Bruder. Joshua rollte nur mit seinen Augen und Colt fuhr breit grinsend los.
Absatz 4
Saber hielt Sincia die Autotür seines Cabrios auf, sie hatten sich zum Mittagessen verabredet und waren schon recht spät dran. Die braunhaarige Kindergärtnerin, die im Internat die Kleinsten betreute, hatte sich gefreut, in den letzten Wochen wieder mehr vom Highlander gehört zu haben, hatte sie doch schon vermutet, dass sich ihre Bekanntschaft mit der Zeit verlieren würde. Vielleicht war es auch einfach nur die Entfernung gewesen, im ländlichen Teil auf der anderen Seite des Planeten Yuma war man doch sehr abgeschnitten. Deswegen hatte sie vor zwei Monaten beschlossen, nach Yuma-City zu wechseln, ihr fehlten die Menschen und das Leben um sich herum.
Saber hatte das Spitz bekommen und sich direkt bei ihr gemeldet, seitdem verbrachten sie die wenige knapp bemessene Zeit miteinander, wenn Team Ramrod auf Yuma stationiert war. Sincia genoss diese zuvorkommende Aufmerksamkeit, die ihr Saber entgegengebrachte, hatte sie doch aufgrund ihrer Arbeit wenig Kontakte außerhalb des Internats. “Da schau“, kam es grinsend von Saber und zeigte auf ein Fenster, an dem einige Kinder standen und sie beobachteten. Sincia musste ein wenig kichern, als sie ihre Rasselbande sah: “Sie sind neugierig, weil ich heute nicht mit ihnen Mittag esse“, erklärte sie. Saber sah Sincia lächelnd an. Beide lachten und fuhren los, das Hupen verkniff sich der Schotte, schließlich war es Mittagszeit und in dem Gebäude schliefen wahrscheinlich die Kleinsten schon längst ihren verdienten Mittagsschlaf. Sincia freute sich auf den freien Nachmittag und genoss den warmen Wind, der ihr durch die Haare wehte.
“Ich hätte nicht gedacht, dass du ein zweites Mal mein Haus betrittst!” Shinjiro blickte darauf stumm zu seinem Vater, der vor sich auf dem Tisch Unterlagen betrachtete. “Das letzte Mal warst du hier, da war Shinji gerade geboren“, erzählte der Ältere und legte seinem Sohn eine mit Goldrand und dem Emblem des Neuen Grenzland vor. Shinjiro achtete nicht auf das ihm gereichte Papier. Er erinnerte sich an diesen Besuch von vor 17 Jahren und daran, dass er vor der Geburt seines Sohnes sein Elternhaus bestimmt sieben Jahre nicht betreten hatte. „Ja, und du hast Shinji nicht einmal angeschaut!“ kam es darauf von Shinjiro.
„Ich habe meine Verantwortung damals als Vater und vor allem als Großvater wahrgenommen, nachdem mir nur ein lächerliches Stück Papier von dir geblieben war!“ ging der Ältere nicht auf den letzten Satz seines Sohnes ein, sondern konfrontierte ihn mit geballten Vorwürfen. Shinjiro sah seinem Vater stum entgegen: „Du wolltest mit mir reden“, erinnerte Shinjiro seinen Vater daran, warum er an diesem Abend hier war. Der ältere nickte und legte ihm jetzt die Abstimmungsunterlagen vor. „Ich möchte deine Entscheidung wissen!“, forderte er und goss sich vom kühlen Bier ein. Shinjiro überflog die Unterlagen. Er war überrascht, dass sein Vater in diese Abstimmung eingebunden war.
„Ich habe beschlossen, die Frist abzuwarten,“ teilte er seinem Vater mit. Der ältere nickte, bevor er zum Stift griff und auf dem Papier seine Entscheidung demonstrativ fällte. “Du besprichst es also zuerst mit Hitomi?” kam es wissentlich vom älteren und unterschrieb das Dokument. Shinjiro nickte: “Natürlich, sie ist meine Frau, auch sie, und Shinji” erwiderte er darauf. “Ach! Also hast du sie damals um Erlaubnis gefragt?” kam es zynisch von seinem Vater. Shinjiro zog seine Augenbrauen zusammen: “Du weißt, dass es schiefging und ich hatte keine Ahnung, was im Hintergrund ablief …”
“GENAU DAS IST DER PUNKT, Shinjiro!” unterbrach der Ältere lautstark seinen Sohn. Doch Shinjiro ließ dadurch nicht zum Schweigen bringen: “Ich hatte bereits 4 Männer verloren!”, gab Shinjiro darauf zurück. “Du warst abgelenkt, genau wie du dich hast immer ablenken lassen! Und im Krieg sterben nun einmal Soldaten!“ sprach der Ältere wütend weiter. Shinjiro sah seinen Vater darauf einen kurzen Moment sprachlos an. “Könnte ich die Sache rückgängig machen, würde ich es tun!” erwiderte er darauf und musste aufpassen, nicht auch laut zu werden. “Dann hast du jetzt die Chance dazu, sogar mit Goldrand!” entgegnete sein Vater und legte den Stift neben seinem Voting ab.
Fireball, der die letzten Tage bei seinen Großeltern verbracht hatte, stand im Flur zwischen den Türen und hatte das laute Gespräch zwischen seinem Vater und seinem Großvater mitbekommen. Leicht erschrocken hielt er inne, noch nie hatte er seinen Großvater so aufgebracht gehört. Die Tür zum Wohnzimmer war nur leicht geöffnet, beinahe wäre er in dieses Gespräch geplatzt, was er nun auf diese Weise doch irgendwie war, aber einzutreten traute er sich jetzt gerade nicht. Und ging einige Schritte zurück. Er hatte vorgehabt, mit seinem Vater gemeinsam nach Hause zu fahren, er hatte sich beruhigt, nicht zuletzt durch die Gespräche mit Colt. Es fiel ihm leichter, die Situation, wie sie eben gerade war, anzunehmen.
“Was wirst du jetzt tun?“ wechselte der ältere das Thema. Shinjiro sah seinem Vater an, er wusste, worauf dieser hinaus wollte: “Es ist das Beste für Shinji, wenn er zusammen mit Hitomi hier bleibt. Er muss verstehen, wer er ist und was er kann, denn das ist ihm überhaupt nicht bewusst“, führte er seine Entscheidung aus. Der Großvater hatte genau zugehört: „Machst du mir Vorwürfe?“, fragte der ältere direkt. „Shinji hat gute Ansätze und Absichten, wahrscheinlich auch ein Ziel, aber er weiß nicht, wo er anfangen soll. Er ist nicht er selbst und deswegen verliert er immer wieder den Überblick!“ beendete Shinjiro und trank ein Schluck seines Bieres, um der Spannung, die im Raum greifbar war, etwas zu entkommen. Der Großvater dachte nach und nickte, entschlossen: “Er bleibt!”, sagte er und goss den letzten Rest des Bieres in sein Glas. „Vater, warum habt ihr Shinji …?“ Weiter kam er nicht, denn sein Vater unterbrach ihn scharf: „Weil ich es nicht konnte!““ Shinjiro sah fragend auf und musterte seinen mittlerweile weißhaarigen Vater und stand auf, um etwas Distanz zwischen sich zu bringen, ging im Raum einmal auf uns ab und sah erneut fragend zu seinem Vater. Der den Blick wahrnahm und die immer noch im Raum stehende Frage beantwortete: “Er ist ein sehr guter Pilot mit viel Herzblut!“ Shinjiro horchte auf: “Ich sehe durchaus mehr Potenzial in ihm, aber es geht mir gerade nicht um seine militärische Laufbahn.“ erklärte Shinjiro. Der Ältere trank den letzten Schluck seines Bieres und erwiderte: „Darum sollte es dir aber gehen. Du bist der First Grad! Und er ist dein Sohn! Wäre es nach ihm gegangen, wäre er Rennfahrer oder Mechaniker oder gar Taiyaki-Verkäufer geworden und er stünde jetzt mit Sato-san auf den Sommerfesten herum. Und weiter werde ich jetzt nicht darüber diskutieren!“, beendete der Großvater und ließ somit keine Nachfragen mehr zu. Shinjiro strich sich durch seine Haare und schob die Holztür, die zum Garten führte, einen Spalt auf. Zu viele zusammenhanglose Informationen prasselten gerade auf ihn ein. Er brauchte etwas frische Luft. Seit er in Japan war, verfolgten ihn Kopfschmerzen in regelmäßigen Abständen.
Fireballs Augen wurden bei den Gehörten immer größer. Hallo, es ging um ihn, um seine Zukunft, um sein Leben, er unterdrückte fast schmerzhaft den Impuls in das Gespräch hineinzuplatzen. Vor allem, was hatte sein Großvater-Sato, der Vater seiner Mutter, mit der ganzen Sache jetzt zu tun? Ja, er hatte gerne mit ihm zusammen in den Sommerferien als Kind Taiyakis verkauft, ok er hat sie meist gegessen bis er Bauchschmerzen bekam und war auf den Festen mit Freunden herum gestromert. Plötzlich ging im Flur das Licht an, was ihn aus seinen Erinnerungen und Gedanken riss. Fireball erschrak, als seine Großmutter schnellen Schrittes auf ihn zukam und ihn scheuchte, als sie sah, dass er lauschte. Fireball verschwand fast stolpernd im ersten Stock.
„Du möchtest, dass ich ihm das Wissen vermittle?“ hörte Shinjiro seinen Vater fragen. Er nickte, während er in den dunklen Garten hinaus blickte, die Luft, die ihm entgegenkam, war schwül und schrie förmlich nach Abkühlung. Ein knappes „Ja!” kam ihm schwer über die Lippen und lehnte seinen Kopf an das dunkle kühle Holz und er schloss seine Augen. Diese Bitte fiel ihm schwer, zum einen war es doch seine Aufgabe als Vater. Auf der anderen Seite stand sein Vater, der sich trotz der Vorkommnisse vor seinem Verschwinden um seinen Sohn gekümmert hatte. Shinji konnte er nun nicht aus der Familie herausreißen, das würde eine noch größere Trennung zwischen seinem Sohn und ihm herstellen, gerade bei diesem Gedanken pochte es in seinem Kopf schmerzhaft stumpf auf. Doch zum weiter darüber nachdenken kam er nicht: “Wie lange bleibt er?” holte ihn sein Vater wieder ins Hier und Jetzt zurück. Shinjiro öffnete seine Augen und drehte sich seinem Vater zu: “Bis Mai!” kam es rau aus seiner trockenen Kehle. “Er bleibt hier, aber allein!” beschloss der Großvater. Shinjiro beobachtete seinen Vater, der Getränke auf den Tisch stellte und sich wieder setzte. Shinjiro presste seine Lippen fest aufeinander: „Danke, Vater!“, sagte er und verbeugte sich leicht. Der Vater nickte und deutete seinen Sohn an, sich wieder zu setzen. “Und ich bin es, der dir Vorwürfe machen sollte! Ich hätte strenger mit dir sein sollen. Du kamst deiner Verantwortung nicht nach und warum, wegen einer Frau, der Tochter eines Schmiedes! Was eine Schmach, nur allein durch deinen Egoismus, hatte sich damals alles in die Länge gezogen. “Shinjiros Augen weiteten sich: “Du sprichst von meiner Frau und der Mutter deines Enkels!” intervenierte er: “Das soll der Grund sein? Ihr habt Shinji überhäuft mit allem, was er wollte, ihm ist kaum bewusst, was um ihn herum passiert, es ist ihm eine Selbstverständlichkeit!” sprach Shinjiro weiter. Der ältere brummte darauf nur: “Als Großvater steht es mir zu!“ beharrte er und es entstand eine kurze Stille zwischen den beiden. Shinjiro nickte darauf nur stumm und rieb sich zwischen seinen Augen.
“Vor 16 Jahren habe ich meinen Sohn in Flammen aufgehen sehen.” Shinjiro hielt in seinem Tun inne und atmete schwer aus: “All die Jahre, in denen ich nur ein Ziel hatte, dich zu einem 5-Sterne-General zu machen, war alles vergebens!” Shinjiro konnte seinen Vater nicht ansehen er blickte geradeaus und sagte leise: “Vater bitte … ” Sein Vater gab wütend zurück: “Was! Glaubst du, dass es mir all die Jahre leicht fiel dich unter elitären Drill zu stellen, seitdem ich gemerkt hatte, welche Fähigkeiten du hast und ich die Mittel und die Chance dazu, diese in dir zu fördern und zur Perfektion zu bringen, ermahnen, dir Weisungen zu geben und wenn das alles nicht funktionierte auch zu züchtigen, damit du diese Aufgabe verinnerlichst?”
Es war still im Raum, keiner von beiden bewegte sich. Shinjiro hatte gerade das Gefühl, dass alles Blut in seine Beine sackte, als er die Worte seines Vaters hörte. Es war, als ob gerade eine Mauer eingerissen wurde und er darunter erschlagen wurde. Wie konnte es sein? Bilder schossen durch seinen Kopf, Bilder, zu denen er 16 Jahre keinen Zugang gehabt hatte, tief abgekapselt in der hintersten Ecke seines Bewusstseins, Bilder, Emotionen, die ihm gerade lähmten und die Luft zum Atmen nahmen.
Nach gefühlt endlosen Minuten wandte er sich der Flasche Sake auf dem Tisch zu und goss sich einen Becher ein und trank. Der starke Alkohol brannte, als er seine Kehle hinunter rann. Der klare, scharfe Geschmack breitete sich sofort in seinem Mund aus und hinterließ eine unangenehme Hitze, die sich langsam in seinem ganzen Körper ausbreitete, doch sie half gerade das gehörte aus sein Bewusstsein zu verdrängen und im Hier und Jetzt zu bleibemn. War es diese Tatsache, die ihm hier jetzt noch gefehlt hatte, in der Präsenz, die ihm in den letzten Tagen unvollständig vorkam? Er winkelte sein rechtes Bein an und stützte seinen Ellenbogen auf und legte seine Stirn in seine Hände und rieb sich die Augen: „Ich war ihm ein Vater, der du ihm nicht sein konntest“, schloss der ältere Mann die Unterhaltung. Und Shinjiro hatte für einen Moment das Gefühl, sein Herz würde stehen bleiben. Es war nicht nur die Konfrontation mit seiner verdrängten Kindheit, die ihm in den letzten Jahren völlig unzugänglich gewesen war. Nein, sein Vater hatte deutlich gemacht, dass er die Rolle des Vaters für Shinji übernommen hatte.
Er stand mit dem Rücken zur Wand, vor ihm standen die Erwartungen, die das Neue Grenzland und dutzende Menschen an ihn stellten. Das Königreich Jarr hatte bereits seine Entscheidung über ihn gefällt, dessen war er sich sicher. Auch hier hatte er keine Möglichkeiten, bei Jarred zu intervenieren, denn auch Jarred stand unter Zugzwang und musste seine Position als König für sein Königreich vertreten. Egal wie er es drehte und wendete, das „Ja“ von damals zählte nach wie vor. Das hat er mit seinem Dienstantritt bei seiner Rückkehr bereits bestätigt. Ein „Ja“ jetzt wäre nur eine hübsche formale Bestätigung, mit besagtem Goldrand. Während ein „Nein“ das Grenzland früher oder später ins Chaos stürzen würde, sollte es ohne Vereinigung so wie jetzt weitergehen. Der auserkorene neue Anwärter für den First Grad befand sich zwar in der Warteschleife, aber Shinjiro hielt ihn noch für zu unerfahren und zu jung, das wäre nicht zu verantworten. In seiner aktuellen Position würde der vertretene Stab ihn nur verheizen, dessen war er sich sicher. Jarr und das Oberkommando arbeiteten nicht fließend miteinander, zu viele Befehlshaber und Kommandanten standen noch immer zwischen der Befehlskette, die dringend erneuert und vor allem verringert werden musste. Das Verhängnis von damals holte ihn ein, und das mit einem gewaltigen Rums, alles, gegen das er sich immer gewehrt hatte. Und all dem gegenüber standen Hitomi und Shinji.
Er stand auf und beschloss zu gehen, doch noch bevor er einen Schritt hinaus trat, hörte er die Stimme seines Vaters: “Wäre es doch so gewesen, wie alle dachten? Wäre es besser gewesen, wenn du nicht mehr zurückgekommen wärst!” Shinjiro blickte geradeaus in den Flur und sah in das erschrockene Gesicht seines Sohnes, der wohl das Gesagte gehört hatte. Shinjiro schloss, ohne ein Wort darauf zu erwidern, die Wohnzimmertür hinter sich. Sein Sohn und er sahen sich einen Moment lang an, bis Fireball das Schweigen brach: “Ich hole nur schnell meine Sachen.“ sagte er und verschwand im Obergeschoss. Shinjiro blieb in dem langen Flur zurück und atmete tief ein und aus, es war komplett, das Puzzleteil, das ihm in den letzten Tagen gefehlt hatte. Er wusste wieder, warum er damals, mit Hitomi, direkt nach der Hochzeit gegangen war, und trotzdem wurde er von allen Seiten in eine Richtung gelenkt, alles, was er geschafft hatte, war sein Weg nur hinauszuzögern.
Absatz 5
In Sincias kleiner Wohnung war der Abend längst hereingebrochen. Die warmen Lichter der Straßenlaternen draußen warfen sanfte Schatten und nur wenige Autos waren in diesem Stadtteil von Yuma-City noch unterwegs. Während drinnen eine ruhige, wohlige Atmosphäre mit einer großen Schüssel Nachos und Sincias berühmter selbstgemachter Guacamole herrschte. Auf dem Sofa, zwischen weichen Kissen, hatten es sich die beiden bei einem guten Film gemütlich gemacht. Der Schotte war zum ersten Mal, seitdem er die braunhaarige Erzieherin kannte, in ihren privaten vier Wänden, bis jetzt hatten sie sich immer nur außerhalb gedatet.
Sie hatte ihn gut bekocht und nun schauten sie bereits den zweiten Film, in dem es gerade um einen königlichen Ball ging, sehr schnulzig, kitschig, auch etwas oberflächlich, aber die volle Ladung Romantik war gegeben “Prinz verliebt sich in armes Mädchen”. Die braunhaarige Kindergärtnerin liebte solche Schnulzen, wie Saber amüsiert feststellte. Für ihn war es anfangs gewöhnungsbedürftig, doch es war der volle Kontrast zu seinem Alltag und er konnte tatsächlich einmal von seinen Pflichten als Captain abschalten und er konnte sein, wie er war und das gefiel ihm. Der Film lief leise im Hintergrund, denn gerade waren die beiden in ein Gespräch vertieft. „Weißt du, Richard“ begann Sincia mit einem verträumten Lächeln, während sie eine Strähne ihres langen braunen Haares um ihren Finger wickelte, „ich habe immer davon geträumt, einmal auf einen königlichen Ball zu gehen. Mit einem wunderschönen Kleid und allem Drum und Dran.“ Der Highlander, der heute eine Jeans und ein T-Shirt trug, musterte aufmerksam, wie sie mit ihrem Haar spielte, ein weiches Lächeln zeichnete sich auf seinen Lippen ab: „Aber warum sollte es nur ein Traum bleiben?“ fragte er. Sie seufzte leise und lehnte sich etwas zurück: „Ich weiß nicht einmal, wie man diese Tänze tanzt. Es sieht alles so kompliziert aus und doch so elegant.“ schwärmte sie weiter. Saber grinste, ihm kam da eine Idee: „Ich könnte es dir beibringen. Möchtest du es versuchen?“ schlug er vor. Überrascht und gleichzeitig erfreut hob Sincia ihren Blick und nickte. „Das würdest du tun?“ Der Schotte nickte: „Wenn du möchtest, sogar jetzt gleich“, bestätigte er mit einem warmen Lächeln und er erhob sich, um seine Worte schnell in die Tat umzusetzen und streckte ihr elegant seine Hand entgegen: „Darf ich bitten, My Lady?“ forderte er sie formell und Gentlemanlike auf.
Mit einem Kichern und ein wenig Aufregung legte Sincia ihre Hand in seine und stand so elegant wie möglich vom Sofa auf. Sie positionierten sich in der Mitte des kleinen Wohnzimmers, umgeben von Büchern und kleinen Pflanzen, während Saber ihr die ersten Grundschritte eines einfachen Walzers zeigte. Bevor sie zur Musik die ersten Schritte tanzten, rückten sie noch einige Möbel zur Seite und der Raum verwandelte sich in eine kleine Tanzfläche.
„So, Position eins“, sagte Saber sanft: „Ein Schritt vor, ein Schritt zurück und zur Seite.” Begann er und es blieb nicht aus, dass Sincia den Schotten so einige Male auf seine Füße trat: “Oh entschuldige, ich bin so ungeschickt.“ bedauerte die braunhaarige und schämte sich nach dem gefühlt zehnten Mal: “Lass dich einfach von mir führen, du musst nichts anderes machen als die Schrittfolge, den Rest mache ich!” bestimmte er jetzt mutiger, Sincia sollte ihren Kopf ausschalten und entspannt der Musik lauschen! “Ok, ich versuche es!” sagte sie und richtete sich noch einmal tief einatmend ganz neu aus. Die Musik begann und tatsächlich, es wurde besser und dank Sabers geduldiger Anleitung wurde sie sogar bald mutiger und ihre Bewegungen flüssiger. „Du machst das großartig, Sincia“, lobte er sie, als sie eine besonders elegante Drehung schaffte, ohne ihm dabei auf einen seiner Füße zu treten. Die Musik endete und beide lachten herzhaft über kleine Stolperer und misslungene Drehungen. „Das alles ist so … magisch“, antwortete sie, während sie sich in seinen Armen immer sicherer fühlte. „Ich hätte nie gedacht, dass gemeinsames Tanzen so viel Spaß machen kann.“
Saber schmunzelte: “Das funktioniert auch nur mit dem richtigen Partner!” erwiderte der Schotte und sah sie fest an, während sie ihre Schrittfolge langsam weiter übten. Sincia verlor sich dabei in seinen Augen und hatte das Gefühl, dass sich ihre Füße von allein den seinen anpassten. Sie tanzten weiter und ihre Haltung wurde immer enger, und das Lächeln auf ihren Gesichtern wuchs. Die Welt draußen schien für einen Moment stillzustehen, während sie in dem kleinen Wohnzimmer durch die Zeit tanzten, mit Gedanken an gemeinsame königliche Bälle und Nächte im Herzen.
Als der Abend fortschritt und die Sterne am Himmel immer mehr funkelten, beendeten sie ihren Walzer mit einer letzten, eleganten Drehung. Atemlos und glücklich sahen sie sich an, und Saber sagte leise: „Ich denke, du wirst auf so einem Ball die schönste sein.“ Sincia errötete leicht und sah ihn mit leuchtenden Augen an: „Nur wenn du mein Tanzpartner bist.“ Die Musik lief aus und ihre Blicke verschmolzen ineinander, ihre Herzen begannen im selben Rhythmus zu schlagen. Während ihre Lippen sich langsam immer näher kamen und sich vorsichtig berührten und in einen sanften, vorsichtigen, zärtlichen Kuss übergingen, der wie ihre Tanzschritte immer mutiger wurde. Der Abend endete mit einem tiefen Gefühl der Vertrautheit und dem Versprechen vieler weiterer gemeinsamer Tänze.
Shinjiro saß bis in die Nacht im Wohnzimmer, schlafen konnte er nicht und hielt einen Stift in seiner Hand, vor ihm lag die Zustellungsurkunde mit besagtem Goldrand. Er stützte seinen Kopf in seine Hand und schloss seine Augen. Eine warme, sanfte Hand berührte ihn, erschrocken öffnete er seine Augen, wäre er doch tatsächlich fast eingeschlafen. „Es ist gleich drei Uhr.” sprach Hitomi leise und setzte sich neben ihn. Shinjiro nickte, legte den Stift ab und streckte sich kurz durch. Hitomi musterte das Papier, über dem Shinjiro wohl grübeln eingenickt war und sah ihn an: “Dir fällt die Entscheidung schwerer als du dachtest!” fragte sie feststellend. Er sah sie mit müden Augen an und schüttelte mit seinem Kopf: “Nein, die Entscheidung ist gefallen, es ist das, was dran hängt.” äußerte er jetzt seine Gedanken. Hitomi verstand, Shinjiro holte die Vergangenheit ein. “Es ist ok!” sagte sie Shinjiro, sah sie stumm an und atmete tief ein: „Es wird ein ständiges Hin und Her zwischen Yuma und Jarr geben.“ Hitomi lächelte und strich ihm über seine Hand. „Das ist es, was dir Sorgen macht?“, fragte sie überrascht. Er nickte.
“Glaub mir so sehr, ich es liebe hier zu sein, doch nach 16 Jahren allein, möchte ich jetzt auch mal wieder was anderes sehen, außerdem glaubst du wirklich, ich lasse euch beide da draußen allein?” erklärte Hitomi fest. Shinjiro musste grinsen und lehnte sich zurück. Hitomi lehnte ihren Kopf an ihn. Er schloss seine Augen und war schon wieder kurz davor, wegzudösen, als Hitomi flüsterte: “Wir haben schon einmal so dagesessen und von diesem Haus hier geträumt, weißt du noch?” fragte sie und schmunzelte leicht vor sich hin. „Hmmh!“, kam es müde zustimmend von Shinjiro, ohne seine Augen zu öffnen.
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Ich mag die Tanzszene zwischen Sincia und Saber sehr gerne 🙂