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4.142 Wörter, 22 Minuten Lesezeit.


Absatz 1

Leise klappernde Geräusche drangen in Shinjiros Bewusstsein. Schwerfällig öffnete er seine Augen, und nahm schemenhaft zwei Gestalten wahr. Nach weiteren Blinzeln erkannte er, dass es der Service war, der so leise wie möglich das Frühstück bereitstellte. „Na, sehr schön“, dachte er, „war er doch tatsächlich auf dem Sofa eingeschlafen.“ Der Service verließ die Suite und Shinjiro blickte auf, er roch Kaffee und langsam zogen die Lebensgeister wieder in ihn ein. Sein Körper ließ die ersten Bewegungen schmerzfrei zu, seine Augen brannten und seine Kehle war staubtrocken. 

Mühsam stand er auf und streckte sich durch und ließ einen flüchtigen Blick über den liebevollen, gedeckten Frühstückstisch schweifen. Ein Umschlag lag ebenfalls für ihn bereit, der darauf wartete, geöffnet zu werden. Doch er schenkte sich erst einmal ein Glas Wasser ein, um seinem Körper das zu geben, wonach er gerade am meisten schrie. Und trat mit dem Glas an das Fenster. Die Sonne kämpfte sich an diesem Morgen durch die letzten Regenwolken. Die Wachen patrouillieren weiterhin vor dem Gästehaus, die Gärtner nahmen langsam ihre Arbeit in dem weitläufigen Schlosspark auf. 

Er hatte gestern nicht einmal die Möglichkeit gehabt, seinen Sohn zu sehen. Er wandte sich von dem Fenster ab und setzte sich auf einen der weichen Polsterstühle und öffnete den großen weißen Umschlag. Und holte seine neu ausgestellte ID-Card hervor, die es ihm ermöglichte, sich frei auf dem Militärkomplex zu bewegen. „Also war er der, der er vorgab zu sein.“ Und es formte sich, bei diesem Gedanken, ein kleines Schmunzeln auf seinen Lippen. Eine Weile betrachtete er die Karte und legte sie nach einigen Momenten auf dem Tisch ab und holte weitere Schreiben aus dem Umschlag heraus, die er  las, während er sich einen lang ersehnten Kaffee gönnte. 

Fragen

Jarred überflog das Protokoll des gestrigen Tages nur beiläufig und legte es nach wenigen Augenblicken beiseite. Er hatte jetzt eine vage Vorstellung von dem, was sein Freund gestern über mehrere Stunden hatte aushalten müssen. Und gab seinem Privatsekretär, die lederne Akte, in der das Protokoll eingelegt worden war, zurück: „Legen Sie das zu den Akten und ziehen Sie die Wachen von Captauin Hikari ab!“, wies er an und nahm eine weitere lederne Mappe vom heutigen Stapel, um zu erfahren, was noch alles so anstünde. Philippe verabschiedete sich, um die Anweisungen des Königs direkt umzusetzen.

Nach einer halben Stunde klopfte es an Jarreds Bürotür und Dr. Morel wurde angekündigt. „Natürlich, er soll eintreten“, sagte Jarred und stand auf. Morel trat ein und er begrüßte den König und gab diesem einen kurzen Bericht über den gestrigen Tag. „Ich danke Ihnen, Doktor!“, kam es von Jarred, und Morel nickte: „Nun, verzeihen Sie mir, Sire, aber ich hätte da noch zwei, drei… „Persönliche Fragen zu Captain Hikari“, begann Morel, und Jarred hob seine Augenbrauen, „War vielleicht doch nicht alles in Ordnung?“, ging es ihm durch seine Gedanken, und er deutete Morel an, Platz zu nehmen.

Absatz 3

Nachdem die Wachen abgezogen waren, hatte sich Shinjiro direkt auf den Weg ins Krankenhaus gemacht. „Erschrecken Sie nicht, es dient alles zur Überwachung und zur Versorgung“, warnte Dr. Renard, der Oberarzt der Intensivstation, bevor er die Glastür des  Zimmers öffnete. Überall piepste es, in verschiedenen Tonlagen, und das gleichmäßige Geräusch des Beatmungsgerätes war zu hören. Um den Captain mit der Umgebung vertraut zu machen, erklärte der Arzt die Geräte und deren Funktionen. „Ich lasse sie jetzt alleine, dort sind Stühle, sie können mit ihm reden, manchmal bekommen Patienten auch im Tiefschlaf unterbewusst einiges mit.“ Das hatte der Arzt schon oft erlebt, obwohl es medizinisch nicht erklärbar war. Dr. Renard verließ das Zimmer. 

Shinjiro trat an das Bett, da lag er, sein Sohn, in seinem Mund ein Beatmungsschlauch, seine Beine wurden auch etwas höher gelagert. Der Captain musterte seinen Sohn und strich ihn etwas über den Arm, um sich bemerkbar zu machen. Sein Sohn lag hier vor ihm, nach all den Jahren, er hätte nie mehr daran geglaubt, ihn je wiederzusehen, und nun konnte er ihn  ansehen und berühren. Es war so surreal, er hatte 16 lange Jahre lang ein Baby, vor seinen Augen gehabt, egal wie er sich seinen Sohn auch immer vorgestellt hatte, das hier übertraf gerade alles! Shinjiro sprach leise zu ihm. „Shinji, nanitozo go yōsha kudasai!“ (Shinji, bitte vergib mir!), dabei hielt er seinen Sohn leicht am Arm und verbeugte sich, nachdem er die Worte, die ihm seit Jahren auf dem Herzen gelegen hatten, ausgesprochen hatte.

Nach zwei Stunden verließ er nachdenklich das Krankenhaus: „Hey, Shinjiro!“, riss ihn jemand aus seinen Gedanken. Shinjiro fuhr erschrocken herum, es war Lorenz, sein ehemaliger Wingman: „Captain Lorenz!“, grüßte er zurück. Lorenz lachte kurz auf: „Geht es vielleicht noch etwas offizieller?“ Shinjiro schaute Lorenz überrascht an und musste dann unweigerlich auch kurz lachen und schüttelte dabei mit seinem Kopf: „Tut mir leid, ich war gerade woanders, mit meinen Gedanken“, erklärte er und lief weiter. Lorenz winkte ab: „Ach, sollte auch nur ein Witz sein! Wie geht es dir?“, fragte er zwanglos, und Shinjiro schaute Lorenz an. „Ja, du Witzbold! Mir geht es gut, ich bin kerngesund, das habe ich sogar schwarz auf weiß!“ Lorenz nickte verstehend, er konnte sich schon denken, worauf Shinjiro da gerade anspielte. „Wie geht es deinen Piloten?“, wollte Shibnjiro jetzt von Lorenz wissen, es waren schließlich auch Namen darunter, die damals unter seinem Kommando geflogen sind. Lorenz ging die Verwundeten im Kopf durch. „Einer auf der Intensiv, aber ansprechbar, und drei auf Station, die werden wohl bald entlassen, sie haben schon wieder eine große Klappe, also geht es ihnen gut!“ Das beruhigte Shinjiro. „Und wie geht es deinem Sohn?“, fragte Lorenz daraufhin interessiert. Er kannte den Wirbelwind zwar nur flüchtig, da die Ramrod-Einheit immer auf Patrouille war. Aber der Hikari-Spross war bekannt im Oberkommando, so wie das ganze Team. „Er schläft!“, war die knappe Antwort von Shinjiro, denn mehr hatte er dazu bis jetzt wirklich nicht zu sagen. Lorenz dachte kurz nach: „Er wird wieder, er ist zäh!“, erzählte Lorenz seinem ehemaligen Wingman. Shinjiro, brachte nur ein kurzes, nickendes „Hm!“ darauf hervor. 

Lorenz wechselte das Thema, er merkte, dass dieses Vater-Sohn-Ding noch zu frisch für Shinjiro war: „Ich habe dir noch gar nicht zur gewonnenen Schlacht gratuliert, diese Strategie war der Wahnsinn. Als ob du da auftauchen solltest.“ Shibnjiro grinste: „Das war mein Ziel, aber ich hätte nicht damit gerechnet, in ein solches Chaos zu geraten, und ja, danke, dass du mich nicht abgeknallt hast.“ Lorenz wurde ernster und nickte, während er sprach: „Ja, es war bescheiden.“ Shinjiro verstand, was Lorenz damit umschreiben wollte. 

Und eine kurze Stille entstand zwischen den beiden: „Shinjiro, bitte verrate mir, wie hast du es geschafft?“ Shibnjiro lief weiter neben seinem Lorenz, der vor Neugier zu platzen schien. „Was genau?“, fragte er. „Alles, hauptsächlich der Dimensionssprung, interessiert mich, wie geht das? „Ach, und woher ist der Jet, der übrigens gerade von einem Wissenschaftlerteam aus Yuma und Jarr auseinandergenommen wird!“ erzählte Lorenz.

Die beiden Männer liefen ein paar Meter schweigend nebeneinanderher. Shinjiro ließ sich Lorenz’ Fragen durch den Kopf gehen und begann dann: „Weißt du, es war pures Glück! Ich hielt mich an das letzte große Schiff und es hat irgendwie geklappt. Noch einmal würde ich das allerdings nicht mehr machen wollen!“ Letzteres betonte er ausdrücklich! „Und zum Jet, werde ich Fragen beantworten, wenn sie kommen.“ Lorenz nickte: „Okay, danke für deine Antworten!“ Lorenz wusste, dass es nicht das passende Thema für einen Spaziergang war, den sie wohl gerade machten. Das merkte auch Shinjiro und blieb stehen, sah sich um und sah darauf Lorenz amüsiert an. „Wohin gehen wir überhaupt?“ Lorenz sagte belustigt: „Tja, so ist das mit zwei alten Klatschweibern. Nicht mehr weit und wir sind am Militär-Raumhafen“, und zeigte in die Richtung: „Gut, da wollte ich ohnehin hin!“, sagte Shinjiro. „Na dann, zwei Männer, ein Ziel“, sprach Lorenz, gut gelaunt. „Und jetzt erzählst du mir etwas über dieses Bündnis!“, forderte Shinjiro jetzt sehr interessiert Lorenz auf. 

Absatz 4

Captain Hikari ging am Militär-Raumhafen direkt in Kommander Eagles Büro. Als Eagle sah, wer ihn gerade besuchte, stand er auf und begrüßte Shinjiro. Charles musterte den Captain jetzt noch einmal ganz in Ruhe. Äußerlich musste Eagle feststellen, dass Hikari sehr gesund aussah, und musste im Training stehen. Überhaupt das ganze Auftreten wunderte Charles, hätte er doch gedacht, nach 16 Jahren Phantomzone würde man anders aussehen, aber wie sieht man dann aus, gab es da einen Leitfaden? Auch hatte er das Gefühl, dass er kaum gealtert war. Eagle rechnete nach: 42 musste Shinjiro jetzt sein! Damals, das wusste Charles, wollte Hikari älter aussehen, viele hatten ihn nicht ernst genommen aufgrund seines jugendlichen Aussehens. Im nächsten Augenblick musste auch er sich dazu zählen, selbst er hatte den jungen Captain damals in vielen Dingen unterschätzt. Heute würde er in vielerlei Hinsicht anders handeln und auch entscheiden, aber hinterher war man bekanntlich ja immer schlauer. 

„Wie geht es dir?“, fragte Eagle, nachdem sie sich gesetzt hatten. Shinjiro, der mit überschlagenen Beinen im Sessel saß, nickte: „Mir geht es gut!“, und sah Eagle ernst an. Kommander Eagle bemerkte es: „Wie geht es deinem Sohn … es …“ Weiter kam er nicht, Shinjiro schnitt ihm das Wort ab. „Du hast sie gestern da draußen durch das Feuer gehen lassen, Charles!“, stieg Shinjiro direkt ein. Eagle, war überrascht, dass dieser gleich mit der Tür ins Haus fiel, aber im nächsten Moment auch wieder nicht. Shinjiro war immer sehr direkt gewesen, er bezog sich auf Daten und Fakten und hatte bei dienstlichen Gesprächen nie etwas Privates einfließen lassen. Die Tatsache, dass Shinjiro ihn mit Charles ansprach, zeigte ihm aber, dass der Japaner dieses Thema zuerst einmal unter vier Augen besprechen wollte, bevor es formell werden würde. 

So sprach jetzt Charles auch fester: „Ich wusste nichts von den Zuständen an Bord von Ramrod, was mit deinem Sohn passiert ist,  tut mir leid! Es wurde nicht kommuniziert!“, rechtfertigte sich Charles. Shinjiro schüttelte leicht mit seinem Kopf und erwiderte: „Es geht hier nicht um meinen Sohn, es geht um alle, die beteiligt gewesen waren!“ Charles lehnte sich nach vorn: „Wir wurden von der Stärke des Angriffes überrascht, wir benötigten alle Schiffe, die in der Nähe waren, und Ramrod hat diesen Einsatz angenommen!“, erklärte er. 

„Auch dieses Schiff hat einen Captain, aber das muss man mit diesem klären! Auch das wird noch zu klären sein“, stimmte Shinjiro zu. „Captain Rider … ich meine Captain Lancelot ist sehr objektiv, er hat Potenzial, aber er ist noch sehr jung!“, versuchte Charles zu beschwichtigen, er hatte Sabers Bericht noch nicht gelesen und wusste nicht, wie es an Bord zugegangen war: „Das hat mit seiner Jugend nichts zu tun, entweder man hat Führungsqualitäten, oder eben nicht!“ Charles nickte verstehend: „Dein Sohn schaut zu Captain Lancelot auf, vielleicht reicht dir das, als Antwort“, fügte Charles darauf noch an. „Es geht mir vielmehr um die Befehlsstruktur der letzten Schlacht: Wer hatte vor Ort das Sagen?“, fragte Shinjiro weiter, ohne auf das zuvor Gesagte einzugehen. Er wollte nichts über seinen Sohn hören, sondern sich sein eigenes Bild machen, so klammerte er dieses Thema so gut es ging aus, um neutral bleiben zu können. 

„Nun, der Angriff fand hier im Sektor A statt, da hat König Jarred die Befehlsgewalt!“ Shinjiro fixierte Charles und nickte. „Ihr seid militärische Bündnispartner, warum wurde das nicht im Vorfeld geklärt?“, wollte er wissen. „Das musst du König Jarred fragen!“, antwortete Charles. „Ich frage aber dich, du bist der Kommander des Oberkommandos, es ist deine Pflicht, die Befehlsstrukturen klarzustellen.“ Charles überschlug seine Beine: „Shinjiro, ich kann es mir nicht erlauben, König Jarred zu verstimmen. Hier sind wir Gäste!“ Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf: „Wenn du Angst hast, jemandem auf die Füße zu treten, spielst du mit Menschenleben! Und ihr führt hier einen echten Krieg!“, betonte Hikari ernst. Charles schluckte: „Wir müssen mit König Jarred zusammen eine Einigung finden!“ Hikari nickte und stand auf. „Ja, dann macht das!“, sagte er und ging zum Fenster und schaute auf das Rollfeld. „Hast du nicht noch weitere Fragen?“, wollte Eagle wissen, während er jetzt auch aufstand. Shinjiro drehte sich um und ging zur Tür. 

„Shinjiro! Du solltest erst einmal ankommen!“, sprach Charles seine Sorge aus. Der Japaner hielt einen Moment inne und nickte Eagle etwas versöhnlicher entgegen: „Ich soll mich umsehen, und das tue ich!“, erklärte er ruhiger mit einem leichten Lächeln. Charles musterte den Mann, den er vor 16 Jahren das letzte Mal gesehen hatte: „Dann tu das!“, erwiderte Charles. Shinjiro nickte und öffnete die Tür. Charles atmete hörbar aus, als die Tür zuging.

Absatz 5

Auf Ramrod war man fleißig, der Putztrupp war schon da gewesen, der Friedenswächter glänzte von innen wie ein neuer Penny. Die Satteleinheiten mussten aus Sicherheitsgründen von den Crewmitgliedern selbst gereinigt werden. Saber überflog den Bericht von Colt und signierte diesen mit seiner ID-Card ab. Zum ersten Mal war der Cowboy, der Erste, was Berichte schreiben anging. Das wurde ihm bewusst, und er grinste etwas stolz, als er auf die Brücke trat. 

Dort fand er seine beiden Putzteufel und er ging direkt zur Steuereinheit seiner Navigatorin: „Denkst du bitte an deinen Bericht, spätestens morgen benötige ich ihn!“, erinnerte er April noch einmal. April schaute auf und nickte Saber zu: „Ich setze mich heute Abend gleich daran!“ Sagte April. Saber nickte und ging darauf zu Colt, der gerade fertig mit seinem Feuerleitstand war und diesen nun stolz betrachtete. „Von dir benötige ich noch die komplette Einsatzzeit, wie lange deine Satteleinheit aktiv war.“ Sagte er ruhig zum Cowboy. Colt gab ihm darauf breit grinsend einen ausgedruckten Zettel: „Schon erledigt, Boss.“ und grinste den Schotten dabei breit an. Saber staunte nicht schlecht, der Cowboy überraschte ihn manchmal doch. Aber er konnte sich auch vorstellen, dass Colt seine Langeweile damit überbrückt hatte, schließlich fehlte Fireball an Bord.  Daraufhin ging er zur mittleren Satteleinheit und fuhr deren Bordcomputer hoch, auch von seinem Fireball benötigte er diese Informationen. „Na sieh mal einer, schau, wer da unten läuft“, vernahm Saber Colts leicht spöttische Stimme und drehte sich zum Cowboy. 

Dieser zeigte nach draußen und trat dabei näher an das Panoramafenster. April, die ebenfalls Colts Worte gehört hatte, ging zu ihren Kollegen. Colt sprach zu April: „Darf ich vorstellen: Mr. Namen sind wichtig und ich nehme deine Hand nicht.“ Saber, rollte mit seinen Augen und ging auf die beiden zu. April kannte sich gerade gar nicht aus. Saber trat an Colt heran und gab ihm eine angedeutete Kopfnuss: „Hey!“, kam es darauf protestierend von Colt, und er zog seinen Kopf ein. 

Der Schotte ignorierte den Cowboy und wandte sich April zu und erklärte ihr, was Colt so nett umschrieben hatte: „Das ist Captain Hikari, Fireballs Vater.“ April musterte den Mann, der dort mit einem Bodenoffizier sprach. So hatte sie ihn sich gar nicht vorgestellt, sie sah dort einen asiatischen Mann, den sie als groß empfand, ca. 1 Meter 75. „Na da bestand ja doch noch Hoffnung für Fireball, dass er noch ein paar Zentimeter wächst!“, musste April innerlich liebevoll schmunzeln. Der Mann hatte eine gute Figur, nicht viele Muskeln, aber man sah, dass er im Training stand, ein Läufer vielleicht, dachte sie gleich weiter. Die Art der Bewegungen, bei diesem Mann war gerader und abgestimmter, nicht so wild wie manchmal bei Fireball. Aber die ganze Statur erinnerte sie doch stark an ihren Piloten. 

„Wie alt ist er?“ Wollte April jetzt wissen, um ihr Bild abzurunden? Colt schaute sich den Captain an und zuckte mit seinen Schultern. Saber antwortete: „Laut Aufzeichnungen war Captain Hikari, damals 26 Jahre alt, somit ist er heute 16 Jahre später 42 Jahre alt.“ Colt schnippte mit den Fingern: „Tja, Liebes, das nennt man Gene, japanische wohlgemerkt …“ 

Saber schüttelte mit seinem Kopf. April sah zum Cowboy neben sich und sie verschränkte ihre Arme: „Du bist ja ein richtiger ‚Dich Auskenner‘ heute, erst deine Fremdsprachenkenntnisse und jetzt auch noch Genetik.“ Colt grinste besserwisserisch: „Das nennt man: ‚Schule des Lebens‘, Fräulein Eagle!“ und grinste der Blondine besserwisserisch entgegen. April rollte mit ihren Augen. Saber, schob Colt zu einer neuen Aufgabe. Wahrscheinlich bekam dem Cowboy das Putzmittel nicht. April wandte sich ab und sagte: „Ich gehe uns einen Tee kochen.“ Saber warf ein: „Nein, ich lade euch ein, vor dem Raumhafen, habe ich ein kleines, nettes Bistro entdeckt, das ich mal testen möchte.“ 

Colt freute sich: „Yipie-jayjay, der Boss lässt einen springen, „Marzi po-kuh“ sagte er dankend zu Saber. Doch in dem Moment sprang ihn April fast an: „Hör auf damit, Kuhtreiber!“ und Colt flüchtete vor der Brücke, April lief ihm nach: „Ich werde dich mit einem Wörterbuch verprügeln, Cowboy!“ Saber sah den beiden nur stumm nach.

Absatz 6

König Jarred hatte für heute seine Arbeit beendet und saß mit Tee und Gebäck mit seiner Familie zusammen. Marianne hielt ihre Teetasse in der Hand und rührte mit einem Löffel ihre Milch um. Dabei beobachtete sie ihren Mann, der noch gar nichts von seinem Kuchen gegessen hatte und sich über etwas den Kopf zu zerbrechen schien: „Du bist auffallend still!“, sprach sie ruhig und legte den Löffel, auf das feine Porzellan ab. Roland, blickte kauend von seinem Saint-Honoré, einem klassischen französischen Hofkuchen, auf und musterte seinen Vater.

Jarred lächelte leicht: „Bitte entschuldige, ich suche gerade nach den richtigen Worten.“ Marianne nickte und überlegte: „Kann ich dir dabei helfen?“ Jarred, der angestrengt nachdachte, nickte mit seinem Kopf: „Ja!“ Und erzählte ihr auch gleich, was ihm gerade Kopfzerbrechen bereitete: „Hitomi, wird morgen Mittag eintreffen!“ Marianne nickte: „Ja, ich weiß! Und du machst dir jetzt Gedanken, wie du ihr die Rückkehr von Shinjiro erklären sollst?“ Jarred atmete bestätigend ein und aus. Marianne lächelte: „Das ist doch eine gute Nachricht, glaub mir, sie wird sich freuen, sie hat 16 lange Jahre auf genau diesen Tag gewartet! Und eines kann ich dir versprechen: Eine Frau wartet nicht auf jemanden, den sie nicht liebt und wiedersehen möchte!“ Jarred schaute seine Frau darauf an und 

„Hättest du auf mich gewartet?“, wollte Jarred jetzt wissen. Marianne lächelte ihm mit einem hinreißenden Augenaufschlag entgegen. „Vermutlich!“, sagte sie und nahm einen Schluck ihres Tees. Jarred grinste: „Ich denke, ich habe da schon eine Idee für morgen, mon cœur!“ Seine Frau schenkte Jarred ein weiteres Lächeln und fragte darauf: „Wie geht es Shinjiro? Ich habe ihn noch gar nicht gesehen.“ Jarred nahm sich jetzt ein „Petit Four“ vom silbernen Tablett: „Es geht ihm gut, erstaunlicherweise, er schaut gut aus und ist voll klar, wie damals, ich hatte mir seine Rückkehr immer ganz anders vorgestellt, und jetzt steht er vor mir, als ob nie etwas gewesen wäre“, erklärte Jarred. Marianne nickte still: „Er wird dir alles erzählen, wenn er so weit ist, das weiß ich, und ich weiß auch, dass du vor Neugier innerlich fast platzt!“ Belustigend fügte sie noch an. „So wie die vielen „Petit four“ eines Tages.“ Jarred sah consterné, entgeistert zu seiner Frau und darauf zu dem kleinen kunstvollen Küchlein auf seinem Teller. Und er teilte es mit seiner Gabel und ließ ein Stück in seinem Mund verschwinden, das andere reichte er seiner Frau, die es mit Hochgenuss verspeiste, und Jarred dann ein, „Èlicieux.“ entgegen sprach. Roland, der wohl unsichtbar war, grinste und tat so, als würde er gar nichts mitbekommen.

Captain Hikari, lief über das Rollfeld und nahm alles um sich herum auf, die Offiziere, die ihm über den Weg liefen, salutierten ihm und gingen ihrer Arbeit 

nach. Er setzte sich seine Sonnenbrille auf und beobachtete die Landungen einiger Jets, die von ihren Übungsflügen zurückkehrten. Für die Jetpiloten hieß es, mindestens einmal am Tag zu starten. Man musste alles blind bedienen können, dazu kamen die Stunden im Simulator. Für die Jets würde sein Herz immer schlagen! 

Er wandte sich von den schnellen, lauten Fliegern ab und beobachtete das weitere Treiben auf dem Gelände. An einem Schiff blieb sein Blick hängen, es war der Friedenswächter Ramrod! Er schaute sich das Schiff genauer an. Dessen Pilot tatsächlich sein Sohn war. Er wusste somit, dass sein Shinji eine Jet-Kampfpilotenausbildung begonnen hatte. Und als die Ramrod-Einheit gegründet wurde, wurde er auf dem neuartigen Friedenswächter ausgebildet. Natürlich, hatte er auch auf die Bilanzen seines Sohnes geschaut und musste seinem Sohn neidlos zugestehen, dass diese fast besser waren als seine eigenen. Er grinste stolz, wie es nur ein Vater tun konnte. Und musterte das Schiff weiter und verschränkte seine Arme. Sein Sohn flog hier allen um die Ohren. Er hatte nichts dagegen, ganz im Gegenteil sogar, er würde sein Talent weiter fördern, wäre da nicht das Ding mit seinem Alter. Er verstand es nicht. Aber er würde Antworten bekommen. Und verließ das Militärgelände.

Absatz 7

Jarred ließ den Tag wie immer mit einem langsamen Spaziergang im Schlosspark ausklingen. Der Gärtner hatte ihm mitteilen lassen, dass der Garten fertig hergerichtet worden war, das wollte er sich jetzt ansehen. So schlenderte er durch die schmalen Wege, sprach vereinzelt mit den Gartenpflegern und erhielt, Informationen über die künftige herbstliche Gestaltung. König Jarred mochte Gärten aller Art, als Kronprinz hatte er noch selbst aktiv mitgestaltet, jedoch schlief dieses Hobby mit immer mehr Verpflichtungen ein. Er freute sich schon, sobald Roland die meisten der königlichen Aufgaben übernommen hatte, dann würde er sich für die Gärten auch wieder mehr Zeit nehmen können. „Ein Königreich, für einen Garten“, musste er vor sich hinlachen. Er lief noch bis zum Ende des Weges und würde dann so langsam, den Weg zum Abendessen antreten. 

Jarred sah auf, da kam, ihm ein Jogger entgegen. Dieser stoppte neben ihm, es war Shinjiro, schweißnass und vollkommen außer Atem. Jarred musste grinsen und kommentierte den Anblick: „Vor wem rennst du denn weg?“ Shinjiro ging ruhigen Schrittes, mit dem König weiter. „Vor mir selbst, vermute ich“, antwortete er, und seine Mundwinkel formten ein angestrengtes und um Luft kämpfendes Lächeln. Der König musterte seinen Freund und lachte kurz auf. „Und, … klappt es?“, fragte er zweifelnd. Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf: „Nein, ich musste mich einfach bewegen!“, erklärte er darauf. „Und du?“, fragte er, als er Jarred neben sich musterte. Jarred, schaute sich den klitschnassen Japaner neben sich skeptisch an: „Ich bewege mich doch auch!“, war seine belustigende Antwort. Shinjiro lachte und beide liefen einige Meter zusammen.

„Wie geht es deinem Sohn?“, wechselte Jarred das Thema. Shinjiro nickte: „Er schläft, und laut den Ärzten, macht er gut mit. Alles andere kommt, wenn sie ihn aufwachen lassen.“ Jarred nickte und stoppte: „Und dir?“ Shinjiro, lief noch zwei Schritte weiter, als er merkte, dass Jarred stehen geblieben war, und drehte sich zu ihm. „Was, mir?“, fragte er erstaunt. Jarred stand vor seinem Freund, der ihn etwas überfahren anschaute: „Ja! Wie geht es dir? Ich mein, du bist nach 16 Jahren wieder hier. Wie geht es dir damit?“ 

Shinjiro, zuckte mit seinen Schultern: „Ich kam noch gar nicht dazu, darüber nachzudenken.“ Er machte eine Pause und sprach weiter: „Mein Sohn, Hitomi, dann wo bin ich, was ist hier los, alles gerade und das immer alles auf einmal“, fasste es Shinjiro zusammen. Jarred nickte verstehend. Er konnte sich nur ansatzweise vorstellen, was in seinem Freund gerade alles los sein musste, und setzte sich nun wieder in Bewegung. Und die beiden liefen schweigend nebeneinanderher.

„Freust du dich auf Hitomi?“, brach Jarred das Schweigen. Shinjiro ließ seine Luft hörbar aus: „Ja, natürlich sehr!“ Und vor seinem inneren Auge sah er seine Frau. „Allerdings muss ich zugeben…“ Und das sage ich nur dir, ich habe auch Angst vor ihrer Reaktion.“ Jarred konnte das gut verstehen. Er sah zu seinem Begleiter: „So, so, Shinjiro Hikari, hat also Angst! Das muss ich mir notieren.“ Shinjiro rollte leicht mit den Augen: „Ja, mach das.“ Er wusste, dass es eines Tages gegen ihn verwendet werden würde. 

Der König blickte auf seine Uhr: „Möchtest du, mit uns zu Abendessen? Marianne würde sich freuen!“ Shinjiro blickte über die Parkanlage, als er darüber nachdachte. „Nein, aber danke, ich habe noch was zu tun“, lehnte er höflich ab.  Er war noch nicht bereit für ein tiefes gesellschaftliches Beisammensein, den Tag gestern und heute spürte er bereits. Jarred glaubte zu verstehen, dass sein Freund noch etwas Zeit benötigte. Somit verabschiedeten sie sich voneinander. 

Shinjiro sah Jarred noch nach, bis dieser in den hoheitlichen Gemäuern verschwunden war. Er war dankbar für einen Freund wie Jarred und nickte diesem zu und orientierte sich neu. Als er bemerkte, wie weit er vom Gästehaus entfernt war. Stemmte er etwas frustriert seine Hände in die Hüften und atmete tief ein: „Gut, dann sind es heute zwei Trainingseinheiten“, ermutigte er sich für die nächsten Kilometer und setzte sich langsam wieder in Bewegung. „Wenn man alles mit Laufen lösen könnte, wie einfach es wäre!“, schoss es ihm durch den Kopf. „Wie geht es dir?“ Wiederholte er Jarreds Frage in seinen Gedanken, während er durch den Schlossgarten lief? Darüber müsste er wirklich nachdenken! Geht es ihm so, wie es jemanden gehen sollte, der 16 Jahre lang als verschollen galt, oder gar als tot? Aber wie geht es so jemandem? Für tot hatten sie ihn nicht erklärt, erstaunlich, der Vermisstenstatus erlischt nach 10 Jahren.  Hitomi, würde er morgen wiedersehen. Und es zeichnete sich wieder das letzte Bild von ihr vor seinem inneren Auge ab. Er stoppte vor dem Gästehaus und beruhigte seinen Atem, bevor er hineinging. 


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