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Absatz 1
Captain Hikari betrat am nächsten Morgen das Offizierskasino. Am Fenster saßen Commander Eagle, Saber und Colt, die ihren zweiten Kaffee tranken und sich unterhielten.

Kommander Eagle erhob sich und trat neben Hikari: „Startet dein Sohn?“, fragte er. Hikari nickte und zeigte auf das schwarze Schiff, das sich zur Centerbahn bewegte. Auch Saber und Colt standen auf, schließlich war es der erste Start ihres Freundes seit Monaten, den wollten sie nicht verpassen. Hikari verschränkte seine Arme vor der Brust: „Na dann, Take-off!“ sprach er vor sich und wenige Augenblicke später setzte sich der Gleiter in Bewegung und fegte über die Startbahn.
Doch das Schiff aktivierte den Rückschub, die Turbinen öffneten sich, und es bremste ab und rollte wieder von der Startbahn herunter. Saber und Colt tauschten fragende Blicke aus. „Vielleicht stimmt etwas nicht?“, meinte Commander Eagle und verschränkte nun auch seine Arme. Hikari, schüttelte leicht mit seinem Kopf: „Nein, es ist alles in Ordnung“, sagte er und beobachtete weiter, wie das Schiff zur Startbahn rollte. Saber nickte stumm: „Ein ‚Rejected Take-off‘ ist nichts Ungewöhnliches. „Es kann technische Gründe haben oder der Luftraum ist blockiert.“ ging es dem Schotten durch seinen Kopf. Schließlich hob das Schiff von Colonel Murry und Fireball ab und verschwand schnell in den grauen Schneewolken.
Commander Eagle, Saber und Colt kehrten zu ihrem Kaffee zurück, und Captain Hikari zog sich einen Stuhl an den Tisch heran und setzte sich.
Mit einem wissenden Grinsen sah Charles zu Shinjiro und meinte: „Ihr habt ihm einen kleinen Systemfehler eingebaut, damit er abbrechen musste.” Captain Hikari schmunzelte leicht. Nach einigen Minuten standen Captain Hikari und Commander Eagle auf und verabschiedeten sich von den Drein.
Saber machte sich keine Sorgen, was Fireballs Flugkünste angingen, und war sich sicher, dass der Japaner heute noch seine Fluglizenz zurückbekam! So zog er sein Notebook hervor, um seinen Flug nach Schottland zu buchen. Schließlich hatten sie bald einige Tage frei und diese wollte er nutzen. Gestern nach seinem Gespräch mit Captain Hikari im Museum war ihm so einiges klarer geworden, und er wollte sich intensiver mit seinem Vater austauschen, er hatte Fragen. Colt sah zu seinem Boss: „Na, buchst du Sonne, Strand und Palmen?“ scherzte er und Saber lachte: „Nein, ich besuche lieber die Heimat.“ Colt nickte, in Texas war er auch schon lange nicht mehr gewesen, und es packte ihm gerade etwas Sehnsucht. Doch sein Zuhause war dort, wo Robin war, aber er plante ihr in naher Zukunft Texas zu zeigen, vor allem Dangerfield, dem Ort, wo er aufgewachsen war.. „Und du, wolltest du nicht auch weg?“, fragte Saber. Colt nickte: „Ja, doch Robin und ich haben beschlossen, die kurze Zeit nicht mit Reisestress zu vergeuden.“ Saber verstand, schließlich rückten die Feiertage immer näher, und auf den Raumhäfen war garantiert die Reise-Hölle ausgebrochen, das sah er auch an den bereits fast ausgebuchten Flügen.
Absatz 2
April und Robin schlenderten durch die belebte Innenstadt von Jarr, die bereits von Lichtern und weihnachtlicher Dekoration erstrahlte. Die Luft war kalt und klar, ihr Atem bildete Wölkchen, während sie lachten und sich erzählten. Um sie herum schwebte der Duft von gebrannten Mandeln.
Vorfreude lag in der Luft, als sie das große Einkaufszentrum betraten, das mit funkelnden Lichterketten und riesigen Tannenzweigen geschmückt war. Ein riesiger, geschmückter Weihnachtsbaum stand im Eingangsbereich, und Kinder drängten sich um den Weihnachtsmann, der auch heute vorbeigeschaut hatte und in seinem großen Sessel saß. Robin und April warfen sich einen Blick zu und grinsten – die festliche Stimmung hatte sie schon längst erfasst. Nicht mehr lange, und das Fest der Feste wurde wieder gefeiert. April fand es erstaunlich, wie Jarr doch jedes Mal im Dezember das reinste Weihnachtsparadies wurde, sie wusste aus erster Hand, dass König Jarred ein großer Liebhaber dieses Festes war und das spiegelte sich in kleinsten Details hier und da wider. Doch die Vorfreude, war immer noch die schönste Freude, fand sie.
„Da drüben müssen wir hin!“, sagte April und zeigte auf ein Werbeplakat, auf Französisch, das mit Rabatten auf Schlittschuhen und dicken Winterjacken warb. Das war genau das, was sie suchten. Sie zogen einander durch die Menge, bis sie die das Sportgeschäft erreicht hatten und nun vor einem Regal voller Schlittschuhe standen. Sofort begannen sie, die verschiedenen Modelle anzuprobieren und lachten, wenn einer von ihnen dabei ins Schwanken geriet oder eine zu große oder zu kleine Größe erwischte.
„Perfekt! Die hier sind es!“ rief Robin triumphierend, als sie schließlich ein Paar weiße Schlittschuhe, die wie angegossen passten, gefunden hatte. April folgte mit einem begeisterten Nicken und zog sich ebenfalls ihre neuen schwarzen Schlittschuhe an. Beide strahlten, als sie sich den Abend vorstellten, wie sie unter dem Sternenhimmel vor dem Palast über das Eis gleiten würden. Und das Beste war: “30 Prozent Rabatt” jubelten sie fast zur gleichen Zeit und mussten lachen. „Wir werden einen unglaublichen Abend haben“, sagte April, und ihre Augen leuchteten, während sie ihre Schuhe im Karton verstaute und voller Vorfreude, sich mit Robin auf den Weg zur Kasse machten.

An der Kasse war viel los und während sie warteten, schmunzelte Robin vergnügt: „Ich bin gespannt, welch eine Figur Colt macht, wenn er seine Stiefel in Kufen tauscht.“ Ihr Blick glitzerte vor Vorfreude, als sie sich das Szenario lebhaft ausmalte. April stieg lachend ein: „Also, auf Skiern hat er wirklich eine gute Figur gemacht!“, erinnerte sich die blonde Navigatorin mit einem belustigen Grinsen. „Der Mann hat zwar Standhaftigkeit, aber ob er auch rutschfest ist, wird sich noch zeigen.“ Beide kicherten darauf vergnügt. „Wir sollten auch Fireball fragen, ob er Lust hat, mitzukommen. Schließlich ist er nicht mehr lange auf Jarr“, schlug Robin vor, nachdem sie sich vom Lachen erholt hatte. Aprils Gesichtsausdruck wurde daraufhin etwas ernster. Sie wollte die Stimmung jedoch nicht trüben und nickte der blonden Lehrerin ein: „Klar, warum nicht“ zu. Robin hob ihre Augenbrauen und musterte April, die eben noch so ausgelassen gewesen war: „Ist alles in Ordnung zwischen euch?“, hakte sie vorsichtig nach. „Le prochain, s’il vous plaît!“ unterbrach die Kassiererin in einem etwas forschen Ton ihre Unterhaltung. „Oh, endlich sind wir dran!“, sagte April und ging zur Kasse. Robin atmete ein wenig frustriert aus und folgte ihr, ihre Frage blieb vorerst unbeantwortet.
Saber und Colt bereiteten Ramrod für die Übergabe an die Ersatzcrew vor, die das Schiff am Nachmittag übernehmen würde. Colt konnte das seltsame Gefühl nicht abschütteln, Ramrod einfach so in andere Hände zu geben. Schließlich war der Friedenswächter auch so etwas wie ein Zuhause, jedenfalls für ihn, und plötzlich würden andere hier sein. „Komisch”, sprach er seine Gedanken laut aus, während er eine der Kontrolltafeln überprüfte. Saber nickte, er wusste sofort, was der Cowboy meinte: „Ja, es fühlt sich ungewohnt an. Aber wir haben es uns verdient. Die freien Tage werden uns gut tun.“, versuchte der Schotte den Cowboy auf andere Gedanken zu bringen. Colt grinste schief: „Freie Tage, ja. Weißt du, April hat sich schon längst abgesetzt. Sie ist in der Stadt und rate mal, mit wem.“ wechselte er das Thema und steckte seinen Kommunikator ein. Saber zog nachdenklich eine Augenbraue nach oben, „Robin?“ fiel ihm da jetzt spontan ein, da es das naheliegendste war. „Genau“ seufzte Colt. „Und jetzt habe ich ein bisschen Angst, wo ich am Ende lande, ich hoffe nicht wieder in einem Museum.“
Saber lachte: “Ach komm, das hat dir nicht geschadet!” Colt verzog das Gesicht. „Ich hab nichts gegen Kultur. Aber bei Robin und April kann das schnell ausarten.“ Saber klopfte seinem Scharfschützen ermutigend auf die Schulter. „Feierabend, ich übergebe das Schiff, und dir viel Glück.“ Colt blickte dem blonden Highlander entgeistert entgegen, unsicher, ob er den Humor des Schotten teilen sollte oder ob er sich lieber auf das Schlimmste vorbereiten sollte.
Shinjiro betrat am späten Nachmittag das Haus und ging direkt in den ersten Stock und blieb vor der Zimmertür seines Sohnes stehen. Er klopfte und wartete einen Moment. Keine Reaktion. Nur gedämpfte Musik drang aus dem Raum. Mit einem leisen Seufzen legte er eine Hand auf den Türknauf und öffnete die Tür langsam. Im Zimmer fand er seinen Sohn am Schreibtisch sitzend, umgeben von Büchern und seinem Tablet vor. Doch anstatt in seine Arbeit vertieft zu sein, wie es um diese Zeit üblich sein sollte, starrte Fireball gedankenverloren vor sich aus dem Fenster.
Absatz 3
April ließ ihren Blick kurz über Robin gleiten, bevor sie seufzend die Tasse in die Hand nahm. Sie wusste genau, dass ihre Freundin nicht so leicht aufgeben würde, wenn sie einmal Feuer gefangen hatte. Mit einem leichten Augenrollen nahm sie einen Schluck ihrer heißen Schokolade, während Robin sie gespannt musterte: „Robin, du bist schlimmer als ein Detektiv auf der Jagd nach einer heißen Spur“, meinte April schließlich mit einem schiefen Grinsen. Robin lehnte sich darauf zurück, verschränkte ihre Arme und grinste April herausfordernd an: „Und du bist besser im Ausweichen als jeder Skifahrer. Aber ich warte. Also, raus damit!“ forderte die Lehrerin erneut. April presste ihre Lippen etwas aufeinander und atmete hörbar aus.
Shinjiro trat langsam in das Zimmer ein. Die leichte Unordnung, die Musik, die abwesende Haltung seines Sohnes nahm er auf und es war offensichtlich, dass hier schon seit einer Weile nichts Produktives mehr geschehen war.
Wortlos schaltete er die Musik aus. Fireball blinzelte, als würde er aus einem Traum erwachen, und drehte sich leicht erschrocken um, als er seinen Vater bemerkte. „Entschuldige, ich habe dich nicht gehört“, sagte er hastig und richtete sich etwas auf. Shinjiro nickte kaum merklich und trat näher an den Schreibtisch und ließ seinen Blick über die noch zugeschlagenen Bücher und das Tablet gleiten. „Ja, das habe ich gemerkt“, antwortete er trocken, ohne die Augen von den Büchern zu nehmen. Er griff nach einem der Bände und begann darin zu blättern. „Was beschäftigt dich?“, wollte er wissen.
Fireball zuckte leicht mit seinen Schultern: „Ich denke einfach nur nach“, murmelte er. Shinjiro legte das Buch zurück auf den Tisch und verschränkte die Arme vor der Brust. „Nachdenken ist gut, aber nicht, wenn es dich davon abhält, das zu tun, was getan werden muss“, sagte er, sein Tonfall wurde streng, aber nicht unfreundlich. „Deine Leistungen an der Akademie sind gut, aber du könntest noch viel mehr erreichen. Und stattdessen … träumst du vor dich hin.“ Fireball hob seine Augenbrauen, als die Worte auf ihn einwirkten. „Seit wann sitzt du hier?“, fragte Shinjiro ohne auf eine Reaktion seines Sohnes zu warten. Fireball atmete tief einen und ließ seine Luft mit einem, nachdenklichen, “Pfffff” entweichen, “Seit drei Stunden, oder so.” antwortete er und streckte sich durch, die Antwort war ihm gerade selbst unangenehm. Shinjiro nickte langsam, diese Antwort bestätigte nur, was er bereits vermutet hatte: „Nimm das hier mit“, sagte er schließlich, deutete auf die Bücher. „Und komm mit.“
Zusammen gingen sie den Gang des oberen Stockwerks, bis sie vor der Tür zum Büro standen. „Hier hast du Ruhe zum Arbeiten“, sagte er ruhig, während er seinen Blick prüfend auf Fireball ruhen ließ.
Fireball seufzte leise, rollte die Augen, bevor er durch die Tür trat, und machte sich auf den Weg zum Schreibtisch. Doch ehe er ihn erreichte, spürte er plötzlich eine feste Hand, die sich um seinen Oberarm schloss. Überrascht drehte er sich um.
Sein Vater stand dicht vor ihm und seine Augen funkelten ihn ernst an: „Hör zu, Shinji“, begann er mit einer Stimme, die keine Widerrede duldete. „Du hast vor drei Stunden mit diesem Buch angefangen …” Fireball blinzelte überrascht auf. Ihre Blicke trafen sich, und Shinjiro verlor sich in den Augen seines Sohnes. Millisekunden vergingen, die sich für beide wie eine kleine Ewigkeit anfühlten.
Schließlich löste Shinjiro seinen Blick und zog seine Augenbrauen zusammen, als wäre er selbst von seiner Reaktion irritiert. “Du wirst es also heute noch fertig bekommen.“ sagte er nun etwas entspannter..
Fireball bemerkte die Veränderung im Blick und Ton seines Vaters, konnte diesen jedoch nicht zuordnen. Shinjiro nickte kaum merklich und straffte sich durch, musterte noch einmal seinen Sohn und ging zur Tür. Fireball nickte darauf nur leicht, er war noch immer etwas überwältigt von dieser Reaktion.
Doch der Tonfall und die unerwartete Schärfe ließen Fireball schlagartig klar werden, dass sein Vater das Thema Disziplin mehr als ernst nahm. „Ja, ich hab’s verstanden“, war alles, was er darauf antworten konnte. Shinjiro blickte zu seinem Sohn, und nickte: „Gut“, und verließ das Zimmer.
Fireball stand noch einen Moment reglos im Raum und blickte zur Tür, aus der sein Vater verschwunden war, er ging zum Schreibtisch und ließ die Bücher schwer darauf fallen. „Oh Mann. …, murmelte er. Sein Vater hatte ihm gezeigt, wie ernst ihm das war. Fireball ließ sich auf den Stuhl sinken und starrte auf die Bücher vor ihm. Der Druck lastete schwer auf ihm, und er pustete scharf Luft aus seinen Lungen.
Shinjiro bewegte sich langsam durch den Gang, sein Sohn war ehrgeizig – eine Eigenschaft, die gut war. Aber diese Impulsivität, die ihn immer wieder zu unberechenbaren Handlungen trieb, bereitete ihm Sorgen. In der militärischen Welt, in der er sich eines Tages beweisen musste, durfte es keinen Raum für Unbeherrschtheit geben. Es ging um mehr als Regeln. Es ging um Verantwortung, für sich selbst und für die Menschen, die eines Tages auf Shinji angewiesen sein würden.
Shinjiro verstand, dass er streng sein musste, ausnahmen waren undenkbar, auch wenn es um seinen Sohn ging. Berichte über riskante Manöver und impulsive Entscheidungen wurden noch als „jugendliche Unbesonnenheit“ abgetan. Auch hatte ihm der Name, den er trug, vor Konsequenzen in der Vergangenheit mehr als einmal bewahrt. Er sah das Leuchten, wofür der Name “Hikari” stand, in den Augen seines Sohnes, diese Mischung aus Stolz und Trotz, das unbändige Feuer, das für Größe, aber auch für Untergang stand. Was, wenn er ihn dann nicht rechtzeitig auffangen konnte?
Seine Hand umfasste den Türknauf zum Schlafzimmer, und er ging, mit seiner angestauten Anspannung, ins Badezimmer, um sich für den Empfang fertig zu machen.
Saber zog sich sorgfältig seinen Anzug an, den er frisch und perfekt durch gesteift aus der Reinigung abgeholt hatte, die tiefblaue Farbe verlieh ihm eine gewisse Eleganz. Mit einer ruhigen Hand strich er über den Stoff, um sicherzustellen, dass alles in Ordnung war, bevor er den Kragen mit einem kleinen, präzisen Ruck gerade zog. Dann glättete er noch die Ärmel und betrachtete das Ergebnis im Spiegel. Und stylte sich dann seine Haare, er hatte es sogar noch zum Friseur geschafft. Mit einem letzten prüfenden Blick nickte er sich ab. „Nicht schlecht“, murmelte er, während ein zufriedenes Grinsen über sein Gesicht huschte. Er griff nach seinem Kommunikator, aktivierte ihn mit einem kurzen Fingertipp und rief sich ein Taxi.

Shinjiro trat aus dem Bad und begann, sich anzuziehen. Hitomi hatte ihm seinen Anzug bereitgelegt. Als er in die Hose steigen wollte, umarmten ihn zwei Arme von hinten. Er fuhr leicht erschrocken herum. „Geht es dir gut?“, fragte Hitomi mit einem sanften Lächeln. Shinjiro entspannte sich und erwiderte die Umarmung: „Ja, bis ich den Kontostand nach diesem Abend sehe!“, entgegnete er mit einem schiefen Grinsen.
Hitomi lachte leise auf und zog ihn mit sich auf das Bett: „Ich meinte eigentlich, die Sache zwischen Shinji und dir.“ erklärte sie und strich ihm sanft über den Arm. Shinjiro schloss für einen Moment die Augen und antwortete: „Er träumt … und dreht sich im Kreis!“ Hitomi nickte verstehend: „Gut, dann bringe ich ihm nachher das Abendessen.“ Und beugte sich vor und küsste ihn liebevoll. Shinjiro war dabei den Kuss zu erwidern, als er plötzlich erschrocken seine Augen aufriss: „Abendessen!“, wiederholte er alarmiert und sprang vom Bett auf und griff hektisch nach seinem Hemd. Hitomi musste sich ein Lachen verkneifen, während sie aufstand und zur Tür ging. Während Shinjiro dabei war, seine Krawatte zu binden.
Colt hatte seit seiner Ankunft bei Robin im Hotelzimmer immer wieder versucht, Fireball zu erreichen, vergeblich. Es widerstrebte ihm, allein auf die Schlittschuhbahn zu gehen. Etwas männliche Unterstützung würde er sich da schon wünschen. Mit einem genervten Seufzen legte er seinen Kommunikator auf dem Tisch vor sich ab: „Na toll!“, murmelte er und starrte auf das kleine Gerät, als könnte es von selbst klingeln, wenn er nur lange genug drauf schaute.
In diesem Moment betrat Robin den Raum, gekleidet in ihrem neuen Eislauf-Outfit, dass sie heute zusammen mit April geshoppt hatte. Sie drehte sich einmal im Kreis, sodass der Cowboy es von allen Seiten bewundern konnte. „Und? Wie findest du es?“, fragte sie mit einem strahlenden Lächeln.
Colt musterte seine Liebste mit einem verschmitzten Grinsen und meinte: „Viel zu viel Stoff!“ Robin lachte darauf herzhaft und nickte: „Oh ja, das Anziehen dauerte wirklich eine halbe Ewigkeit.“ Colt trat näher an sie heran, und seine blauen Augen funkelten schelmisch: „Ich meinte eher, das Ausziehen!“ Robin schmunzelte und legte ihren Kopf auf seine Schulter: „Hast du Fireball erreicht?”, fragte sie und genoss die kurze Nähe. Colt schüttelte resigniert mit seinem Kopf: „Nein, niemand ist erreichbar: “wahrscheinlich weiß er, was ihm blüht”, sagte er und Robin kicherte kurz auf und löste sich von ihm, während sie ihm über die Wange strich: „Vielleicht solltest du ihn nicht gleich mit deiner Angst vor einer Pirouette abschrecken.“
Colt hob darauf eine Augenbraue, er glaubte, sich verhört zu haben: „Angst? Ich bin Texaner, und wir Texaner haben keine Angst vor ein paar Schlittschuhen!“ sprach er mit gespielter Empörung. Auf Robin formte sich ein freches Lächeln auf ihren Lippen: „Dann hast du ja nichts dagegen, wenn ich meine Kamera mitnehme. Und keine Sorge, ich lade nur Bilder hoch, wenn du hinfällst”, sagte sie und ging zu ihrem Koffer. Colt verdrehte nach dem Gehörten seine Augen und stöhnte theatralisch auf, während er sich selbst bemitleidete: „Und ich dachte, der Feind ist da draußen im All und nicht in meinem Hotelzimmer.“ murmelte er vor sich und blickte noch einmal auf seinen Kommunikator, in der Hoffnung, dass Fireball ihn im letzten Moment doch noch retten würde. „Na gut! Augen zu und durch“, dachte er schließlich und beschloss, sich ebenfalls für die Eisbahn fertig zu machen.
Während er in seine Jenas schlüpfte, hallte es aus dem Badezimmer: „Wusstest du, dass April und Fireball sich geküsst haben?“
Colt stoppte, als Robin diese Worte beendet hatte, er hüpfte langsam halb in seiner Hose zu ihr und sah sie fragend an: „Was hast du gesagt?“, fragte er und seine Stirn legte sich in Falten.

Absatz 4
Commander Eagle, Colonel Murry und Captain Hikari standen im Séparée des »Grand Hotel Royal« und führten eine ruhige Unterhaltung. Der Raum strahlte Luxus und Eleganz aus.
Als Saber den Raum betrat, wurde ihm von einem makellos gekleideten Kellner ein Glas Champagner gereicht, das er dankend entgegennahm. Er nickte in die Runde, und seine Augen glitten über das prachtvolle Interieur.

Das Séparée war mit einem edlen, weichen Teppichboden ausgelegt, der die Schritte dämpfte und auf dem einige elegante Läufer drapiert worden waren. Die riesige Fensterfront war geschmückt mit schweren, langen Vorhängen in tiefem Blau und Rottönen, die dem Raum eine dramatische, aber warme Atmosphäre verlieh. Ein imposanter Kristall-Kronleuchter, dessen Licht funkelnde Muster auf die Wände warf, die teils mit dunklem Holz vertäfelt und mit exquisiten Gemälden geschmückt waren, erstreckte sich. In der Mitte des Raums stand ein großer Esstisch aus poliertem Mahagoni-Holz, der bereits für sechs Personen gedeckt war.
Sechs? Saber zählte noch einmal nach und runzelte seine Stirn und fragte sich, wer denn noch erwartet wurde. Er hatte bereits die Sicherheitsleute vor dem Hotel und im Flur bemerkt, die unauffällig aber wachsam in der Nähe postiert waren. Das Servicepersonal machte die letzten Handgriffe, ihre Bewegungen waren nahezu lautlos.

Es öffnete sich die Tür zum Gang erneut, und Lorenz erreichte die Gruppe. Mit einem breiten Lächeln auf seinen Lippen nahm er das ihm gereichte Glas Champagner entgegen und begrüßte die Anwesenden.
Saber, der sich zuerst mit Commander Eagle und dann im Gespräch mit Colonel Murry befand und erfahren hatte, dass dieser doch tatsächlich aus Glasgow stammte. So setzten die beiden ihre Konversation auf schottisch fort.

Noch während sie alle in ihren Unterhaltungen steckten, betrat der Privatsekretär des Königs den Gang vor dem Séparée, seine Miene war konzentriert und würdevoll. „Sa Majesté, le roi Jarred.“ verkündete er mit klarer Stimme.

Sofort verstummten die Gespräche, um den Monarchen würdig zu empfangen. Saber freute sich, schließlich war es lange her, dass er den König persönlich gesehen hatte. Und wer hatte schon die Ehre, mit einem König zu speisen. “Ein königliches Dinner?” kam es leise fragend von Lorenz, der zwischen Saber und Hikari stand. “Nein, er hat sich selbst eingeladen.” antwortete Captain Hikari flüsternd zu Lorenz und lehrte sein Glas Champanger. Saber musste schmunzeln, natürlich wusste er, dass der Monarch und Captain Hikari eine enge Freundschaft verband. König Jarred hatte nie an Hikaris Rückkehr gezweifelt, selbst in den Zeiten, in denen andere die Hoffnung längst verloren hatten. Die Freundschaft zwischen König Jarred und Captain Hikari war ungewöhnlich, besonders angesichts des Altersunterschieds von 14 Jahren. Der eine ein regierender Monarch, der andere ein hochrangiger General vom japanischen Adel, und doch hatten sie eine Verbindung aufgebaut, die tiefer reichte als die bloßen formalen Rollen.
Es war wohl die Kombination aus gemeinsamen Erlebnissen, Vertrauen und einer gegenseitigen Achtung, die diese Freundschaft festigte. Captain Hikari war bekannt für seine Integrität und Disziplin. Qualitäten, die König Jarred hochschätzte, wusste Saber. Auch wenn König Jarred älter war, verband die beiden wohl eine ähnliche Weltsicht.
Die Tür schwang auf, und König Jarred trat ein. Er strahlte eine strenge Autorität aus, die jedoch durch seine warme und persönliche Art abgemildert wurde. Er ging von Gast zu Gast, und begrüßte jeden mit einem freundlichen Lächeln, doch bei Saber verweilte er etwas länger. „Captain“, sagte er, mit einer leisen, fast freundschaftlichen Stimme, “es ist schön, sie wiederzusehen.” und legte dem jungen Schotten eine Hand auf dessen Schulter, ein Zeichen der Wertschätzung.

Als die große, schwere Flügeltür sanft ins Schloss fiel. Positionierten sich die Sicherheitsleute davor. Es war ein geschlossener Kreis – die Welt draußen wirkte jetzt weit entfernt.
Lorenz ließ seinen Blick durch den prunkvollen Raum schweifen, die teuren Möbel, die kunstvollen Gemälde, und schließlich den massiven Mahagonitisch, der unter dem glitzernden Kronleuchter erstrahlte. Mit einem verschmitzten Lächeln auf den Lippen konnte er sich einen kleinen spöttischen Kommentar nicht verkneifen: „Tja, ich sollte mehr auf die Stellenausschreibungen im Oberkommando achten. Das kann man sich also als Captain-General leisten.“ Seine Stimme war voller Selbstironie, und die anderen grinsten über die bekannte humorvolle Art des Drei-Sterne-Air Base Captain.
Captain Hikari, der gerade an Lorenz vorbeiging, blieb kurz stehen, warf ihm einen herausfordernden Blick zu und sagte: „Dieser Rang wird demnächst frei, also, gib dir Mühe!“ grinste er und ging weiter. Lorenz winkte ab: “Und wenn, bei mir würde es ein anständiges Bier mit Brezn, Weißwurscht und süßem Senf geben.” Das Lachen der Anwesenden erfüllte den Raum, und die formellere Atmosphäre lockerte sich in diesem Moment auf. Es war ein Augenblick, in dem die militärische Disziplin und der royale Glanz von einem Gefühl der Kameradschaft durchbrochen wurde. Sie alle waren, unabhängig von Rang und Status, in diesem Raum.
Absatz 5
Mitten im Herzen Jarrs, vor der prächtigen Kulisse des königlichen Palastes, fand die jährliche weihnachtliche Lichtshow statt. Der Platz vor dem Palast war in ein glanzvolles Lichtermeer getaucht, das die kalte Winterluft mit einem warmen, goldenen Schein erfüllte. Vereinzelte Schneeflocken tanzten vom Himmel herab.
Im Zentrum des Platzes ragte eine majestätische Tanne in den Abendhimmel, geschmückt mit Tausenden funkelnden Lichtern, goldenen und roten Kugeln, und handgefertigtem Schmuck. An ihren spitzen Ästen glitzerten Eiskristalle, die wie kleine Sterne funkelten. Der Baum war das Herzstück des Festes, und um ihn herum tummelten sich die Menschen, dick eingehüllt in warme Jacken und Schals. Mit geröteten Wangen und fröhlichen Gesichtern.
Der Duft von Lebkuchen, gerösteten Mandeln und frisch gebackenen Crêpes lag in der Luft und zog die Menschen zu den festlich geschmückten Ständen. Dort boten Händler handgefertigte Weihnachtsdekorationen und dampfende Becher, heißen Punsch und Apfelsaft an. Kinder hüpften aufgeregt von einem Stand zum nächsten, die Hände ihrer Eltern dabei fest umklammert, während ihre Augen voller Staunen die bunte Vielfalt betrachteten.
Nicht weit entfernt hatte man eine weitläufige Schlittschuhbahn errichtet, deren Eisfläche im Schein der Lichter wie ein silberner See glänzte. Die Musik wechselte vom Pop zur klassischen Weihnachtsmusik. Die Stimmung war gut und gelöst. Robin, die selten Gelegenheit hatte, so ausgelassen zu sein, genoss es, in vollen Zügen zusammen mit April ihre neuen Schlittschuhe einzuweihen. Sie wagte sich an eine elegante Pirouette. Ihre Arme schwangen in einer anmutigen Geste übermütig nach oben, doch sie verlor für einen kleinen Moment das Gleichgewicht und geriet leicht ins Taumeln. April, die neben ihr fuhr, reagierte blitzschnell und griff nach Robins Arm. Doch ihre Rettungsaktion brachte auch sie ins Wanken. Mit einem letzten verzweifelten Versuch, sich aufrecht zu halten, landeten beide letztendlich auf ihrem Popo. “Oh, wie peinlich“, sprach Robin, musste sich aber ein Lachen unterdrücken. April feixte los.
Die umstehenden Besucher schmunzelten über die Szene, während die beiden Freundinnen sich jetzt lachend aneinander klammerten und versuchten, so elegant wie möglich wieder aufzustehen. Sie benötigten drei Anläufe, bis sie beide wieder Eis unter ihren Kufen hatten. Ihr ausgelassenes Gelächter war so ansteckend, dass selbst die, die nicht auf dem Eis waren, mit einem Lächeln zusahen.
Lachend und mit hochroten Wangen, fuhren April und Robin weiter nebeneinander her. Während die Kälte ihre Atemwolken sichtbar machte. Die Melodie eines Weihnachtsliedes, das von einem kleinen Chor vorgetragen wurde, untermalte die ausgelassene Stimmung.
“Na, ihr zwei Eisprinzessinnen, alles okay?“ hallte eine leicht spöttische Stimme über das Eis. Robin warf dem Spötter einen spielerisch genervten Blick zu: „Ha, ha, sehr witzig, Cowboy! Komm selbst aufs Eis, bevor du große Sprüche klopfst!“
Colt stand am Rand der Schlittschuhbahn und konnte sich sein breites Grinsen nicht verkneifen, als er Robin und April auf dem Eis beobachtet hatte. Ihre katastrophale Pirouette und das anschließende wackelige Schauspiel hatten ihn köstlich amüsiert. „Okay, Cowboy“, murmelte er zu sich selbst, „wie schwer kann das schon sein? Also, wenn die beiden da draußen schon wieder frech sind.“ – „Colt, komm schon! Das schaffst du!“ rief Robin mit einem breiten Grinsen, während sie elegant an ihm vorbeizog und eine Kurve drehte. Ihre Wangen glühten vor Kälte und Freude, und ihr Lachen hallte über die Eisbahn. April glitt ihr hinterher und rief kichernd: „Ja, Cowboy! Lass uns sehen, ob du auf dem Eis genauso mutig bist wie auf dem Schlachtfeld!“
Colt, der immer noch am Rand der Bahn stand, lachte kurz auf und hob beschwichtigend seine Hände. „Ein Cowboy gehört in einen Sattel, nicht aufs Eis.“ Doch dann sah er den herausfordernden Blick von Robin, der ihn auf das Glatteis führte. Er seufzte theatralisch. „Na schön, aber wenn das schiefgeht, will ich eine doppelte heiße Schokolade für meine Tapferkeit!“ stellte er seine Bedingung auf.
Vorsichtig betrat er das Eis mit etwas wackeligen Beinen. Robin stoppte neben ihm und fragte mit einem schelmischen Funkeln in ihren Augen: „Brauchst du Hilfe, Cowboy?“ Colt richtete sich auf und straffte demonstrativ seine Schultern durch: „Aber nie nicht!“, entgegnete er mit einem selbstbewussten Grinsen, während einige seiner braunen Locken unter einer warmen roten Strickmütze hervorblitzten. „Pff, ist ja einfach“, sagte er fast spöttisch und stieß sich mutig ab und für einen winzigen Moment schien es tatsächlich so, als hätte er die Sache im Griff – bis das Eis ihn eines Besseren belehrte. Keine zwei Meter weiter verlor er die Balance und landete mit einem unsanften Plumps direkt auf seinem Allerwertesten. “Haha”, fuhr ein circa 10 Jahre alter Junge an dem Scharfschützen gekonnt vorbei.

Robin, war erst etwas erschrocken, doch nun hielt sie sich eine Hand vor ihren Mund, um nicht laut loszulachen, während April sich das Kichern schon nicht mehr verkneifen konnte. Sie glitt geschickt zu Colt hinüber, der sich mühsam auf rappelte, während das Kind, das ihn ausgelacht hatte, erneut vorbei sauste und demonstrativ eine perfekte Drehung hinlegte. “Angeber!” murmelte Colt, als er sich den Schnee von seinen Sachen klopfte. Sein Hintern schmerzte etwas.
„Na, Eisboy?”, sagte April mit einem breiten Grinsen und verschränkte die Arme vor der Brust. Colt, der sich mittlerweile wieder einigermaßen stabil auf seinen Beinen hielt, warf ihr einen gespielten empörten Blick zu: „Eisboy? Na warte! Ich zeig’ euch gleich, wie ein richtiger Cowboy über dieses Eis reitet!“ Robin prustete los und rief: „Vergiss aber nicht, deinen Hintern zu polstern.“ sagte sie und fuhr dicht an ihm vorbei und klopfte ihm leicht auf seinen Hintern und verschwand, auch schon wieder im Getümmel der anderen Eisläufer. “Oh, hihi” kicherte April, die diese kleine Geste durchaus bemerkt hatte.
Während Colt sich erneut unsicher abstoßen wollte, wackelte er erneut gefährlich. April lachte und ergänzte trocken: „Oder vielleicht brauchst du ’nen Eis-Sporen-Upgrade.“
So zogen die drei einander immer wieder mit spitzen Bemerkungen auf, während sie das Lachen und die ausgelassene Stimmung genossen. Die funkelnden Lichter, die fröhlichen Klänge der Weihnachtsmusik und die verlockenden Düfte von Zimt und heißer Schokolade schufen eine Atmosphäre, die selbst Colt über seine wackeligen Schlittschuh-Künste hinwegsehen ließ.
Absatz 6
Im Separee des »Grand Hotel Royal« flackerte mittlerweile ein behagliches Feuer im Kamin, dessen warmes Licht sich mit dem strahlenden Glanz des Kronleuchters vermischte und den Raum in eine einladende Atmosphäre hüllte. Captain Hikari, der Gastgeber des Abends, trat mit einer Mappe in der Hand an die kleine Runde heran. Sein Blick glitt aufmerksam über die Gesichter der Anwesenden, ehe er die Stille mit einem dezenten Lächeln durchbrach: „Es freut mich, diesen Abend mit euch verbringen zu dürfen. Doch bevor wir fortfahren, fehlt Captain Lancelot noch seine Eintrittskarte!“
Die Bemerkung löste bei Saber einen neugierigen Blick aus, der zwischen Hikari und den übrigen Anwesenden hin- und her wechselte. Lorenz, der sich bereits an Sabers Seite positioniert hatte, schenkte ihm ein verschmitztes Grinsen – als hätte er gerade einen Insiderwitz verstanden, den Saber offenbar noch nicht kannte.
Die Spannung in Sabers Haltung war unübersehbar. Seine Schultern strafften sich leicht, während er die bedeutungsvollen Blicke von Hikari, Eagle und König Jarred auf sich wahrnahm. Es schien, als läge eine unausgesprochene Erwartung in der Luft. Schließlich trat Captain Hikari vor und reichte dem Highlander die dunkelrote Urkundenmappe aus feinstem Leder. Sabers Finger schlossen sich langsam um das edle Objekt. „Was hatte das zu bedeuten?“, schoss es ihm durch den Kopf, während er das glatte, hochwertige Material in seinen Händen spürte. Langsam öffnete er die Mappe, seine Augen fixierten den Inhalt und weiteten sich mit jedem Satz immer mehr.
Es war eine Ernennungsurkunde, die mit einem goldenen Siegel versehen war. Sein Herz schlug ihm bis zum Hals und sein Blut raste spürbar durch seine Adern. “Das konnte doch nicht sein”, dachte er, während er sich immer wieder das Dokument durchlas, um sicherzugehen, dass er sich nicht täuschte. Langsam sah Saber auf und blickte direkt in das Gesicht von Commander Eagle, der ihn stolz anblickte und sprach: “Das ist verdient!”
Saber nickte dem Kommander stumm und dankend zu, so überwältigt war er: „Willkommen, Captain-Major Lancelot!“ Sabers Blick ging zu Captain Hikari und ein Moment der Stille entstand, in dem sich die Bedeutung des Augenblicks für Saber manifestierte. Der Captain streckte ihm seine Hand entgegen.
Saber blickte dem Captain entgegen, bevor er die Hand ergriff, er spürte den Druck und Halt in dieser Geste und der Schotte wusste sofort, dass dies mehr war als eine formelle Begrüßung. Es war eine Einladung, zu wachsen und ein Versprechen.
Saber räusperte sich, denn er traute seiner Stimme in diesem Moment nicht über den Weg: Doch als er sprach, war sein Ton fest und entschlossen: „Danke, Captain Hikari. Ich werde mich dieser Beförderung als würdig erweisen!“ Hikari nickte dem jungen Schotten anerkennend zu. „Davon bin ich überzeugt.“ Mit diesen Worten ließ er Sabers Hand los und wandte sich einem geöffneten Etui zu, das Commander Eagle bereithielt. Mit Bedacht nahm Hikari einen goldenen Stern in Form einer Edelweißblüte heraus – das Symbol, das Saber fortan als Major auszeichnete.
Hikari befestigte den Stern an Sabers Anzug, während die Anwesenden stumm die Zeremonie verfolgten. Diese Handlung markierte die endgültige Übergabe der Verantwortung, die nun auf Sabers Schultern ruhte. „Jetzt dürfen Sie hier auch zuhören!“, fügte Hikari mit einem leichten Schmunzeln hinzu, woraufhin die Anwesenden Saber herzlich beglückwünschten.
Lorenz reichte Saber einen Scotch und sagte: ”Hier, damit Sie nicht aus den Latschen kippen, Major Lancelot!” und prostete ihm zu. Saber nickte und nahm den Scotch dankend entgegen, ja den benötigte er jetzt! Und nachdem alle ihre Glückwünsche ausgesprochen hatten, ließen sie Saber einen Moment für sich.
Es war eine Gelegenheit, die er nutzte, um die Bedeutung dieses Augenblicks ganz für sich zu erfassen und seine Gedanken zu sammeln.
Sein Blick fiel auf die dunkelrote Mappe in seinen Händen – ein Symbol seines Aufstiegs in der Rangordnung. Als Captain-Major würde er jetzt eigenständig Militäroperationen planen. Zudem war er verpflichtet, das Oberkommando in diplomatischen Angelegenheiten gegenüber anderen Einrichtungen im Neuen-Grenzland zu repräsentieren. Er schüttelte leicht ungläubig seinen Kopf. Es war kaum zu fassen, dass all dies jetzt zusätzlich auf seinen Schultern ruhte. Die Urkunde trug die Unterschriften von General Whitehawk, Captain Hikari und Captain Lorenz – und direkt daneben prangten das königliche Wappen von Jarr sowie das Emblem des Kavallerie-Oberkommandos.
Vor wenigen Wochen hatte er noch geglaubt, dass Captain Hikari ihn für unfähig hielt. Jetzt jedoch dämmerte ihm die Bedeutung der „Eintrittskarte“, die Hikari und Eagle zuvor erwähnt hatten. Er war im inneren Kreis aufgenommen worden und durfte von jetzt an, an internen Besprechungen teilnehmen – eine Ehre, die ihn gleichzeitig zur Geheimhaltung sensibler Informationen verpflichtete.
Mit jedem Moment wurde ihm deutlicher, welche Verantwortung auf ihn zukommen würde. Der neue Rang bedeutete nicht nur Prestige und eine beinahe gleichwertige Stellung zu Commander Eagle im Rang eines Majors OF-3, sondern auch eine erhebliche Erhöhung seiner Pflichten. Es würde mehr von ihm erwartet als je zuvor – volle Hingabe und absolute Zuverlässigkeit.
Commander Eagle trat langsam an den Schotten heran: “Na geht’s wieder, Richard?” Saber nickte dem Kommander zu: „Ja, Sir!“ Eagle lächelte und sagte: “Wenn etwas ist, stehe ich dir als Mentor jederzeit zur Verfügung!” – “Danke …!” erwiderte Saber darauf! Murry, der auch einen Scotch in seiner Hand hielt, kam auf die beiden zu und sagte: “Hier kommt man nur mit etwas goldenem rein!” erzählte er lachend. Saber grinste dem Colonel entgegen, und dieser fügte noch an: “Und ein gutes Essen gibt es auch noch.”
Charles lachte: „Ja, ausgezeichnet!“ Murry stieß Eagle kurz an und zeigte auf Captain Hikari: “Der kann heute ruhig bluten, 16 Jahre hat er nichts ausgegeben.” Charles und Murry lachten und Saber stieg mit ein, das Lachen des älteren Colonel war wie immer ansteckend! Saber mochte diesen Mann, er versprühte pure Lebensfreude und teilte diese gerne.
Absatz 7
Colt reichte den Ladys einen heißen Kakao, bevor er an seinen nippte. Er riss seine Augen auf und zischte: „Verdammt, das Zeug ist ja heißer als ein Raumschifftriebwerk!“ Robin lachte, während sie ihren Kakao vorsichtig anpustete: „Was hast du denn erwartet, Cowboy?” Der Lockenkopf äfft seine holde darauf etwas nach, aber versuchte seine pulsierende Zunge abzukühlen: „Hey, ich hab nur getestet, ob das Zeug auch Sterne zum Schmelzen bringen könnte. Das ist eine Metapher, wie bei einem Schießeisen, wo sich der Lauf schnell erhitzt, und die Wärme danach langsam durch die Luft und das Metall abgegeben wird. Wissenschaft, verstehst du?“
Robin und April tauschen für einen Moment überraschte, stumme Blicke aus. April schmunzelte darauf und nahm vorsichtig einen kleinen Schluck aus ihrer Tasse: „Wissenschaft oder nicht, vielleicht solltest du beim nächsten Mal vorher einfach pusten, bevor du etwas Heißes trinkst.“ Die drei lachten und genossen ihre süße, heiße Pause auf dem »marché de Noël“ bevor sie noch eine Runde auf dem Eis drehen wollten.
Das Dinner im Séparée neigte sich dem Ende, die Gespräche waren erheiternd. Nachdem König Jarred den letzten Bissen seines deliziösen Desserts genossen hatte, legte er die feine Stoffserviette sorgfältig zur Seite und lehnte sich entspannt in seinem Stuhl zurück. Captain Hikari richtete sich in seinem Stuhl, legte entspannt seine Arme auf die Armlehnen und schlug ein Bein über das andere, dabei fixierte Jarred mit einem ernsten Blick. Saber, der diese Szene beobachtete, konnte sich ein Schmunzeln kaum verkneifen, hatte das nicht etwas von seinen beiden Pappenheimern, Colt und Fireball, nur eben in einem ganz anderen Universum?
Jarred sprach, als ihm auffiel, dass alle Blicke auf ihn gerichtet waren: „Er ist böse auf mich. Ich habe mich heute einfach selbst eingeladen.“ Mit einem amüsierten Lächeln wies er auf Shinjiro neben sich. Die Anwesenden konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. Jarred nutzte die Gelegenheit und fuhr mit bedeutungsvoller Stimme fort: „Und da wir nun schon einmal hier beisammensitzen, möchte ich etwas verkünden!“ Und Jarred ließ sich eine mit einem Siegel versehene Urkunde reichen, und gab sie zur Begutachtung in die Runde. Shinjiro schloss für einen Moment die Augen, atmete tief durch und ließ das Geschehen schweigend über sich ergehen.
Jarred nutzte den Moment, um mit einer feierlichen Stimme fortzufahren: „Ab Mai wird es zum ersten Mal in der Geschichte des neuen Grenzlandes einen ‚First-Grad-General‘ geben.”
Die Worte des Königs hallten in den Ohren der Anwesenden nach. Saber betrachtete das Dokument in seinen Händen, es war die unterzeichnete Zustimmung von Captain Hikari, dass er den Posten des First-Grad angenommen hatte. Mit einem leichten zustimmenden Nicken reichte Saber die Urkunde an Murry, weiter, der mit einem kräftigen Klopfen darauf hinwies und fröhlich sagte: „Wisst ihr noch, was ich vor etwa zwanzig Jahren gesagt habe? Das da …“ und der alte Colonel deutete mit einer Hand auf Captain Hikari. „Das ist der Mann, der genau für das geschaffen wurde!“
Darauf wanderten die Blicke zu Captain Hikari, der das Ganze ruhig und ohne erkennbare Emotionen verfolgte. Dennoch schien er für jeden von ihnen einen Blick übrig haben, leicht ernst, aber dennoch freundlich. Saber konnte diese Mischung nicht ganz einordnen.
Lorenz kommentierte mit einem schiefen Lächeln: „Dann gibt es dieses Essen aber jeden Monat!“ Die meisten stimmten belustigend dafür. Hikari fuhr sich leicht grinsend mit einer Hand über seine Augen und stützte seinen Kopf in der Hand ab.
Doch Commander Eagle war der erste, der sich erhob: „Und warum stoßen wir nicht darauf an? Wir werden einen ‚First-Grad‘ haben!“ Murry stimmte sofort zu: „Genau, genau! Champagner, den besten, den Jarr zu bieten hat!“
Saber und die anderen am Tisch lachten herzhaft. Und Murry übergab Hikari die Urkunde, die dieser an Jarred zurückgab. Dabei flüsterte er ihm etwas ins Ohr: „Wenn der Champagner nicht hält, was er verspricht, habe ich das Recht, meine Urkunde zurückzugeben, oder?“ woraufhin der König kurz auflachte.
Der Champagner wurde serviert, und alle stießen auf den neuen Meilenstein an.
Die Gespräche setzten sich fort, das Hauptthema war der First-Grand, doch Saber war gerade in ein intensives Gespräch mit Captain Lorenz über die Truppenführung vertieft. Als Colonel Murry plötzlich das Wort ergriff, seine Stimme klang ernst, und die Atmosphäre im Raum schien sich sofort zu verdichten.
„Der Hauptgrund für dieses Essen war nicht nur der First-Grad“, begann der Colonel, „sondern weil ich Antworten von meinem ehemaligen besten Studenten möchte.“
Ein unerwartetes Schweigen legte sich über den Raum. Saber, Lorenz, König Jarred, Commander Eagle und Captain Hikari unterbrachen gleichzeitig ihre Gespräche und blickten gespannt in Murrys Richtung. Der Colonel ließ seine Worte einen Moment lang in der Luft hängen, um die Bedeutung dessen, was er sagte, wirken zu lassen. Schließlich fuhr er fort, ohne den Blick von Hikari abzuwenden: „… Denn, Kamikaze-Aktionen bringe ich meinen Schülern nicht bei.“ Es war eine klare und direkte Aufforderung. Die Schwere der Worte des Colonel durchbrach die lockere Stimmung und jeder Blick im Raum war nun auf Captain Hikari gerichtet.
Saber presste seine Lippen zusammen, um seine Anspannung abzubauen, während sich die Spannung aufbaute. Captain Hikari betrachtete jeden einzelnen am Tisch, bis sie schließlich bei Colonel Murry hängenbleiben. Saber spürte, wie die Neugier in ihm aufstieg, vor allem, nachdem Fireball dieses Thema bereits bei ihrem letzten Abendessen angeschnitten hatte.
Die Atmosphäre im Separee hatte sich völlig verändert, von einer freudigen Feierlichkeit zu einer geladenen, elektrischen Spannung. Sabers Blick wanderte zu König Jarred, der sich gerade entspannt in seinen Polsterstuhl zurück lehnte, er war bereits eingeweiht und wusste genau, was los war. Erkannte Saber, sonst hätte der König niemals einen First-Grad zugestimmt. Doch an der stillen, aber deutlichen Reaktion der anderen Anwesenden konnte Saber erkennen, dass tatsächlich nur der hohe Stab auf Alamo und Jarr eingeweiht war. Und das waren, wenn es hochkam, gerade einmal zwei Personen, die bis Mai noch in einer höheren Position als Hikari stehen, würden und das waren General Whitehawk und König Jarred.
Captain Hikari setzte sich langsam auf seinen Stuhl auf. Die anderen positionierten sich ebenfalls auf ihren Plätzen, als wüssten sie, dass der Moment gekommen war, um zuzuhören. Hikari wartete zwei Atemzüge bevor er, in seiner gewohnt ruhigen Art, zu sprechen begann.
Absatz 8
Colt, Robin und April hatten bis zum Schluss durchgehalten und bestaunten die Eisskulptur in der Mitte der Eisbahn, die vor wenigen Minuten mit einer wunderschönen Lichtshow, die sogar den Cowboy beeindruckt hatte, enthüllt worden war. Ihre Gesichter waren gerötet vom Wind, und ihre Atemwolken stiegen in die kalte Luft. Die Eisskulptur war der perfekte Platz für Fotos, und die drei hatten inmitten des fröhlichen Durcheinanders zahlreiche Erinnerungsfotos gemacht – einige schief, einige voller Lachen, aber alle unvergesslich. Sogar Colt hat es sichtlich genossen, dabei hatte er doch etwas Bedenken gehabt, was das Eislaufen anging. Doch für einen Tausendsassa, war das nach 5, ok 30 Minuten Übung kein Problem mehr gewesen, einige Male war er zwar unsanft, auf seinem Hintern, den blauen gelandet, doch dieses nebensächliche Detail konnte man ja getrost bei Erzählungen weglassen. Ein gelungener Abend, wie alle fanden, inzwischen standen sie am Taxistand, wie all die anderen Besucher und wollten nur noch nach Hause und unter einer warmen Dusche stehen, oder wie April, die sich auf ein heißes Schaumbad freute. So verabschiedeten sie sich mit ihren Plänen und verabredeten sich morgen zum Brunch im Hotel “Victoria Chatelet” wo Robin und Colt zurzeit wohnten.
Im Separee weiteten sich Sabers Augen und er lehnte sich unbewusst interessierter nach vorn, um noch besser zuhören zu können. Seine Ohren begannen förmlich zu brennen, als er jedem Wort, das Captain Hikari sprach, lauschte. “Was musste damals nur alles geschehen sein?” In diesem Moment war es, als würde Saber die Geschichte zum ersten Mal hören – eine Geschichte, die er dachte zu kennen.
Der Schotte, nahm einen großen Schluck aus seinem Glas und war dankbar für den Vorteil, den sie heute hatten, sie wussten genau, wer und was die Outrider waren. Doch in diesem Moment wurde ihm erneut bewusst, dass die Männer am Tisch damals keinerlei Ahnung hatten, gegen wen oder was sie kämpften. Sie mussten in eine Schlacht ziehen, blind und ohne das Wissen, was heute selbstverständlich war.
Der Anfang klang genauso, wie Saber es unzählige Male gehört hatte – alle Untersuchungen, die nach der Schlacht durchgeführt worden waren, und die Aufnahmen bestätigten genau das, was Hikari jetzt sagte. Es war eine Geschichte, die sich wie ein schwerer Schatten über Jahre, das Grenzland legte. Doch als Hikari den Teil erzählte, den niemand wissen konnte, den Teil, in dem er sich in diesem Laser-Flakfeuer-Tunnel wiederfand, ein Tunnel aus flimmernden und zischenden Schüssen. Saber spürte, wie sich die Atmosphäre um ihn zusammenzog.
Hikari beschrieb, wie sein Jet zweimal getroffen wurde, die Einschüsse schwere Schäden verursachten und er nur noch handlungsunfähig war. Jeder konnte sich vorstellen, wie der Druck in diesem Moment auf seinen Schultern lastete. Nur ein einziger, verzweifelter Versuch blieb ihm, um irgendwie herauszukommen – das 45-Grad-links-Manöver. Eine kleine, fast ausweglose Chance, die den Unterschied zwischen Leben und Tod ausmachen konnte.
Saber fühlte, wie ihm fast die Luft zum Atmen wegblieb, als Captain Hikari diese Geschichte, seine Geschichte erzählte. Der Captain war damals halb tot in seinem Jet gewesen – und trotzdem hatte er gehandelt. Jeder, der das hörte, konnte sich kaum vorstellen, wie weit der menschliche Wille in dieser extremen Situation getrieben werden kann. Doch Hikari hatte überlebt, hatte agiert, als es fast unmöglich schien.
Captain Lorenz, der neben Saber saß, stand erschüttert auf. Er selbst war damals so nah dabei gewesen, es war, als ob er, mit seinem Aufstehen, versuchen wollte, die Geschichte zu ändern, während er sich mit einem tiefen, abgehackten Atemzug aufrichtete und sich durch seine aschblonden Haare ging: „Scheiße, man!“ fluchte er erstickt, als ob die Realität dieser Geschichte ihn erneut körperlich getroffen hätte. Saber sah ihm nach, wie er sich abwandte, um sich zu sammeln. Es war zu viel, um es sofort zu verarbeiten, das verstand der Schotte.
Saber blickte in die Gesichter der anderen am Tisch, und jeder reagierte anders auf das, was sie gerade gehört hatten. Eagle, der sonst so beherrscht war, hielt sich die Hand vor den Mund, strich immer wieder nachdenklich über seinen Bart, als ob er damit versuchte, das gerade gehörte in seinem Kopf zu ordnen. Colonel Murry nickte nur, seine Augen waren weit offen und der Blick in ihnen war ein ständiges Abwägen von Respekt und Bedauern. Der Colonel war ein erfahrener Pilot und gehörte in seinen aktiven Jahren zu den ersten Weltraum Jetpiloten und hatte noch zusammen mit Whitehawk das Oberkommando aufgestellt. Er kannte jede Niete, jede Schraube an den Jets und verstand wie kein anderer die Handhabungen dieser.
Captain Hikari erzählte weiter, seine Stimme blieb ruhig und gefasst – zumindest schien es so. Doch als er zu den gefallenen Kameraden kam, war da plötzlich ein kaum merkliches Zittern, ein Nachklang von Schmerz zu hören. Es waren seine Männer gewesen. Männer, die ihm vertraut hatten, die ihm gefolgt waren.
Saber spürte einen Kloß in seinem Hals, den er nicht herunterschlucken konnte. Die Vorstellung, dass auch nur einer aus seinem eigenen Team in einem Kampf, den er befiehlt, sein Leben lassen könnte, war wie ein Schlag in die Magengrube. Saber hörte plötzlich kaum noch die Worte. Stattdessen sah er die Bilder seiner Kameraden vor seinem inneren Auge, Colt, grinsend und sorglos, wie er ist. Fireball, frech grinsend. April, mit ihrem unerschütterlichen Optimismus. Und Alex, der alles sarkastisch untermalte. Was wäre, wenn…? Er wollte den Gedanken nicht zu Ende denken.
Und doch schob sich eine andere, beunruhigende Erkenntnis in seinen Verstand: Sein Team wurde größer. Mit jedem Kampf, mit jeder Beförderung, mit jedem Gesuch würden mehr Menschen in sein Leben als Befehlshaber treten, für die er verantwortlich war. Und damit wuchs auch das Risiko, dass er eines Tages denselben Schmerz würde ertragen müssen, den die Männer an diesem Tisch mit sich trugen und in solchen Momenten offenbar wurde. Ein Teil von Saber wollte aufzuhören, zuzuhören. Doch er zwang sich, jedes Wort in sich aufzunehmen. Stumm, schwer atmend, und doch entschlossen, jede Lektion aus dieser Geschichte zu ziehen, die es zu lernen gab.
König Jarred hatte seine Augen geschlossen, er lauschte den Worten seines Freundes nicht nur, sondern erlebte sie noch einmal. Noch einmal hörte er die Geschichte, die Shinjiro ihn vor einigen Wochen in seinem Billardzimmer erzählt hatte. Ab und zu öffnete er seine Augen, um seinen Freund neben sich zu betrachten – ein Blick, der Verständnis und Bewunderung gleichermaßen ausdrückte. Shinjiro, der so viel durchgemacht hatte und dennoch mit solch ruhiger Würde erzählte. Jarred fragte sich, ob Shinjiro das genauso fühlte, ob es ihm bewusst war?
Captain Hikari beendete seine Erzählung. Der Raum blieb still, als hielten alle den Atem an, um nicht die Schwere dieser Worte zu stören. Murrys Fragen waren größtenteils beantwortet, und doch lag etwas Unausgesprochenes in der Luft, etwas, das jeder Anwesende für sich erst einmal verarbeiten musste.
Saber konnte nur erahnen, was diese Männer fühlten. Für sie war es, als würden sie diese Schlacht erneut erleben, diesmal jedoch mit dem Abstand der Jahre und aus einer Perspektive, die ihre Wunden wieder aufriss. Saber fühlte sich als würde die Luft im Raum dünner. Auch er musste sich nach dem Gehörten auf den neuesten Stand bringen. Alles, was man vermutet hatte, dass Captain Hikari wissentlich, frontal in das Mutterschiff der Outrider geflogen war, war schlicht falsch. Saber strich sich über seine Stirn, er brauchte jetzt nichts Hochprozentiges, sondern ein kaltes Wasser, etwas, das den Kloß in seinem Hals hinunterspülen und seinen Gedanken Klarheit verschaffen könnte.
Captain Hikari stand auf und ging ohne ein weiteres Wort hinaus auf den Balkon. Die schwere Balkontür fiel leise hinter ihm ins Schloss. Und ließ einen kalten Windstoß durch das Separee gleiten. Der die Lebensgeister der Anderen weckte.
Jarred blickte Shinjiro nach, seufzte kaum hörbar und erhob sich schließlich, um ihm zu folgen.
Colonel Murry, der wie versteinert wirkte, brach die Stille: „Wir brauchen was zu trinken“, sprach er mit fester Stimme und klopfte mit der flachen Hand auf den Tisch, als wolle er die düstere Atmosphäre vertreiben, als er aufstand und zur Anrichte, auf der die Getränke standen, ging.
Saber beobachtete die Reaktionen der anderen, wie auch sie langsam zu reagieren begannen. Einige nickten zustimmend, fast erleichtert über Murrys Worte. Doch Sabers Blick blieb auf die Balkontür gerichtet, hinter der Hikari und König Jarred verschwunden waren. Was mag der König gerade zu seinem Freund sagen?
Lorenz, der immer noch im Raum auf und ab lief, war wie ein brodelnder Vulkan kurz vor dem Ausbruch. Plötzlich blieb er stehen, drehte sich um und sprach lauter in die Runde, fast verzweifelt: „Verdammt, warum habe ich das damals nicht gecheckt? Wir hatten das Thema über Funk! Ich hätte die Base darüber positionieren können!“ Erklangen seine schmerzvollen Vorwürfe und fuhr sich mit einer Hand durch seine Haare, als wolle er die Gedanken damit wegschieben, die ihn innerlich zerfraßen.
Colonel Murry, der sich einen Scotch eingeschenkt hatte, drehte sich abrupt um, als er die Worte des Air Base Captain vernommen hatte und fixierte Lorenz mit einem scharfen Blick: „Und dann was, … Michael?“ begann er, seine Stimme war fest und voller Autorität. „Dann hättet ihr ihn mit abgeknallt oder er euch, oder noch schlimmer, die Explosion hätte euch alle mitgerissen! Egal, wie du es drehst und wendest, du hättest niemals gewusst, wann er hochziehen würde!“ Murrys Stimme wurde zum Ende lauter, und seine Worte schärfer. „Und hätte er es geschafft, dann wäre er in irgendjemanden von euch hineingeflogen! … Ich will davon nichts hören!“
Lorenz erstarrte. Seine Schultern sanken leicht herab, und für einen Moment wirkte er, als hätte Murry ihm sämtliche Kraft entzogen. Doch bevor jemand etwas sagen konnte, ergriff Commander Eagle das Wort.
„Wir waren noch 17 Minuten entfernt“, warf Eagle ein, seine Stimme blieb ruhig: „In der Zeit hätte das Mutterschiff längst den Orbit von Jarr durchbrochen. Wir hätten nichts mehr tun können.“
Colonel Murry, leerte sein Glas und stellte es schwungvoll auf den Tisch zurück. Dass die Gläser, die darauf standen, klirrten und alle Gespräche augenblicklich verstummen ließ.
Alle Augen waren auf den Colonel gerichtet, der sich langsam erhob. „Ich sage euch jetzt, was wirklich los war!“ begann er, und die Wut in seiner Stimme wurde von etwas anderem überlagert, Frustration, vielleicht auch Schuld. „Wir und ich meine, das gesamte verdammte Gremium, das vier Monate vor dieser Mission zusammengesessen hat, hätten einfach auf ihn hören sollen! Hikari hatte, wie auch immer, die Strategie der Outrider durchschaut!“ Er ließ seine Worte einen Moment wirken, bevor er weitersprach. „Ich habe es allen gesagt, Whitehawk hat es allen damals gesagt und König Jarred hat es allen gesagt und wollte sogar die Verantwortung übernehmen. Aber warum haben sie Hikari ignoriert? Weil er für dieses ‚große Ganze‘ angeblich zu jung war? Zu jung? Nein! Es ging nur um Prestige und militärische Ignoranz und Arroganz und wenn das aufeinandertreffen, wird es tödlich!“
Die Anwesenden schwiegen, doch die Luft im Raum war wie vor einem Gewitter geladen. Saber wurde mit Informationen überflutet. Es war zu viel, zu schnell, zu heftig. Die Schuldzuweisungen, die Emotionen, die Enthüllungen, alles schien wie ein gewaltiger Sturm auf ihn einzuwirken. Der Schotte hatte das Gefühl, dass dies nur die Spitze des Eisbergs war – und dass das, was Hikari in dieser Schlacht und danach durchlebt hatte, viel mehr war, als er je verstehen konnte.
Nach einer halben Stunde hatte sich die Lage merklich entspannt. Man kehrte an den Tisch zurück. Ein leises Klirren von Gläsern, des Services, der sich erkundigte, ob die Gäste etwas benötigten und das gelegentliche Scharren eines Stuhls waren die einzigen Geräusche sowie leide Gespräche, waren die Geräusche des Raums.
Saber, der bisher nur schweigender Beobachter war, räusperte sich schließlich. Der Schotte blickte sich um und vergewisserte sich, dass sie allein waren. Seine Stimme war ruhig, ja fast vorsichtig, als er das Wort ergriff. „Mr. Hikari, das ist … eine völlig neue Wendung der Ereignisse.“ Er hielt kurz inne und blickte in die Runde, bevor er weitersprach. „Ich denke, ich spreche für uns alle, wenn ich frage: Was geschah danach? Sie waren schwer verletzt, alles wurde in die Phantomzone gezogen … jemand muss Ihnen geholfen haben!“, sprach der Schotte aus, was ihn und wahrscheinlich auch den anderen brennend interessierte.
Lorenz nickte und hob eine Hand, es war eine entschuldigende Geste, während er Saber unterbrach. „So ist es, es will mir einfach nicht in den Kopf, dass dir ausgerechnet Outrider geholfen haben sollen. Oder doch? Aber warum? Wofür?“
Saber nickte Lorenz zu. Tatsächlich war es auch die Frage, die ihm auf der Zunge gelegen hatte – nur hatte Lorenz sie mit der unverblümten Direktheit ausgesprochen, die Saber selbst nicht gewagt hätte.
Captain Hikari, der noch immer stand und bisher mit einem kühlen Ausdruck geschwiegen hatte, ließ seinen Blick über die Anwesenden schweifen. Die Spannung kehrte mit einem Mal zurück, als alle auf seine Antwort warteten. Er atmete tief durch, bevor er schließlich begann. „Das ist die Frage, nicht wahr?“ Seine Stimme war leise, aber sie durchbrach die Stille wie ein Messer.
Hikari stand neben König Jarred, der wie vorher entspannt auf seinem Stuhl saß. Zwischen den beiden war ein stilles Verständnis spürbar, ein Austausch, der ohne Worte stattfand. Jarred hob leicht die Hände, die Handflächen nach oben, es war eine Geste des Einverständnisses.
Shinjiro nickte knapp und atmete tief ein und aus, bevor er mit entschlossenen Schritten zu seinem Platz ging. Die Augen aller im Raum folgten ihm.
Saber, spürte, wie sein Puls anstieg. Er wusste, dass das, was nun folgen würde, von großer Tragweite sein würde. Um ihn herum waren die anderen Männer ebenso angespannt, obwohl sie versuchten, ihre Fassade zu wahren. Captain Hikari setzte sich, überschlug seine Beine, nahm einen Schluck von seinem Glas und ließ den Blick langsam durch die Runde wandern: „Bevor ich anfange, muss ich Sie darauf hinweisen, dass es sich bei diesen Informationen um eine streng geheime Angelegenheit handelt. Sie werden in Mitwisserschaft dessen gezogen, und wer das nicht möchte, sollte jetzt gehen.“ Saber riss seine Augen auf, Hikaris Stimme war zwar weiterhin ruhig, doch jeder Satz war soeben mit Nachdruck und Autorität ausgesprochen worden.
Ein Raunen ging durch den Raum. Die förmliche Sprache und das „Siezen“ waren ein unmissverständliches Zeichen: Ab jetzt war dies keine persönliche Unterhaltung mehr, sondern eine offizielle Anweisung. Ein Tablet ging über den Tisch. Jeder, der blieb, verpflichtete sich, mit seiner ID und Fingerabdruck, zur absoluten Geheimhaltung! Die Männer sahen einander an, dann griff einer nach dem anderen stumm nach dem Tablet. Saber registrierte, wie sich die Stimmung mit jedem Scan, der ID, veränderte.
König Jarred und Hikari warteten geduldig, bis alle unterschrieben hatten, oder evtl. doch noch jemand das Separee verließ. Draußen hörte man Schritte und leise Stimmen, als das Sicherheitspersonal die letzten Anweisungen ausführte, niemand Unbefugtes durfte sich diesem Raum auch nur nähern.
Saber atmete tief ein, bevor er seinen Fingerabdruck als letzter auf das Tablet setzte. Die Berührung fühlte sich an, als würde er einen Vertrag mit dem Unbekannten unterschreiben. Als die letzte Formalität erledigt war, nahm Captain Hikari das Tablet wieder an sich und warf einen prüfenden Blick darauf und bestätigte die Eingaben mit einem knappen Nicken. Mit einer beiläufigen Bewegung legte er es zur Seite, doch in der angespannten Stille des Raumes hallte selbst dieses leise Geräusch nach.
Ab jetzt waren sie nur noch sechs Männer, die alle bald eine Information erhalten würden, die so geheim war, dass sie einen Top Secret! Status erfüllte. Alle Augen waren auf Hikari gerichtet, der noch einen Schluck aus seinem Glas nahm. Der Moment war gekommen, er hob seinen Blick, sein Ausdruck war ernst, als würde er die Reaktionen seiner Zuhörer bereits vorwegnehmen. Schließlich blickte er Lorenz entgegen: „Es haben mir keine Outrider geholfen.“ begann er und machte eine kurze Pause, bevor er die Bombe platzen ließ. „Es waren Menschen!“
Und seine Worte trafen wie ein Hammerschlag:
Für einen Moment schien die Zeit stillzustehen. Lorenz wollte etwas sagen, doch nicht ein Ton entwich seiner Kehle. Charles zog seine Augenbrauen fest zusammen und legte seinen Kopf etwas schief, als wollte er den Worten nach lauschen. Murry schüttelte nur kurz mit seinem Kopf, als hätte er mit so etwas absurden tatsächlich gerechnet, oder dem alten Colonel überraschte heute einfach gar nichts mehr! Saber blieb stumm, als hätte die Enthüllung ihm die Stimme geraubt. Sein Atem stockte, sein Kopf fühlte sich an, als wäre er in Watte gepackt. Seine Gedanken rasten, doch nichts ergab einen Sinn. Menschen? Wie konnten Menschen in die Phantomzone gelangen? Wie war das überhaupt möglich? Schossen ihn die nächsten Fragen in den Kopf.
Der Schotte suchte verzweifelt nach Antworten, während die Worte: „Es waren Menschen!“, immer wieder in seinen Gedanken widerhallten:
Stimmengewirr erfüllte langsam den Raum, jeder sprach durcheinander, Worte wie „unmöglich“ und „das kann nicht sein“ schwebten über allem. “Jetzt seid doch mal still!” war es Murry, der für Ruhe sorgte: „Captain Hikari, bitte erklären Sie sich!“ gab er das Wort zurück an Hikari, damit sie endlich ihre Antworten bekommen.
Hikari neigte dankend seinen Kopf Richtung Murry. Er ließ seinen Blick durch die Runde gleiten, und nahm sich einen Moment, um die Spannung im Raum wirken zu lassen, und fuhr dann fort:
„Ich muss euch eine Illusion nehmen“, begann er mit ruhiger, aber eindringlicher Stimme. „Das, was ihr ‘Phantomzone’ nennt, ist keine mystische Dimension, kein unerreichbares Nirgendwo. Es ist ein anderer Teil des Universums. So weit entfernt, dass es mit unseren Mitteln, mit jedem uns bekannten Schiff und selbst über Generationen hinweg, niemals erreichbar wäre.“ Die Anwesenden starrten ihn ungläubig an, als hätte er ihnen gerade den Boden unter den Füßen weggezogen. Einige schluckten schwer, andere schüttelten langsam den Kopf, unfähig, das Gehörte zu verarbeiten.
Saber, der sich vorgenommen hatte, einfach zuzuhören, presste seine Lippen aufeinander und ließ die Worte auf sich wirken. Er beschloss, die aufkommenden Fragen und es waren viele, beiseite zuschieben, überzeugt davon, dass sich die Antworten mit der Zeit ergeben würden.
Hikari fuhr fort, und seine Stimme wurde noch einen Hauch ernster: „Die Wesen, die wir Outrider nennen, tragen dort einen anderen Namen: ‘Deathcula’.“ Die Erwähnung dieses Namens ließ eine eisige Stille im Raum entstehen. Der Klang allein schien eine fast greifbare Bedrohung zu verkörpern.
Hikari fuhr fort: „Die Menschen, die mir geholfen haben, haben keinerlei Interesse an unserem Teil des Universums. Sie wissen, dass wir existieren, ja. Aber sie haben, wie wir, nicht die Technologie, diese Distanz zu überwinden. Im Gegensatz zu den Outridern, oder besser gesagt, den Deathcula – fehlt ihnen, sowie uns noch das Wissen und die Möglichkeit, ein solches Energieaufgebot zu erzeugen.“ „Auch sie haben fast dieselben Probleme wie wir hier“, fuhr Hikari fort, seine Stimme wurde etwas nachdenklicher, „in einigen technischen Bereichen sind sie weiter, in anderen nicht. Es hält sich fast die Waage.“
Ein Raunen ging durch das Separee, doch es war verhalten. Eagle lehnte sich langsam zurück und fuhr sich nachdenklich mit der Hand über seinen Bart. „Das erklärt einiges … und doch so wenig“, murmelte er, seine Augen blieben dabei auf Hikari gerichtet.
Lorenz, rieb sich seine Schläfen und flüsterte: „Das ist Wahnsinn … es verändert alles.“ murmelte er und Saber musste dem Air Base Captain recht geben, es warf ein ganz anderes Licht auf die Outrider und stellte ein fest etabliertes Glaubenskonstrukt, was die Physik und das Universum betraf infrage.
Die Anwesenden tauschten leise, ungläubige Blicke. Commander Eagle, der bisher stumm zugehört hatte, senkte den Blick auf den Tisch vor sich, als er leise, aber bestimmt fragte: „Woher kommen die Outrider?“
Hikari hielt kurz inne, bevor er schließlich sagte: „Das weiß man dort auch nicht.“ Seine Worte schienen in der Luft zu hängen: „Die Outrider waren plötzlich da, genau wie hier – nur nicht in einer so gewaltigen Konstellation.“
Eagle nickte langsam, sein Blick immer noch auf den Tisch gerichtet. „Warum?“, fragte er knapp, ohne den Kopf zu heben, seine Stimme ein Ausdruck purer Konzentration.
Hikari atmete tief ein: „Ich bekam darüber nur spärliche Auskünfte“, gab er schließlich zu: „Auch weiß ich nicht, wie viele bewohnte Planeten es in diesem Teil des Universums gibt. Wahrscheinlich hielten sie diese Informationen zurück, um sich selbst zu schützen – das wäre zumindest der naheliegendste Grund.“
Die Anwesenden schwiegen, einige rangen sichtlich mit der Fülle an Informationen. Doch Hikari sprach weiter, seine Stimme wurde ernster, ein Hauch von Bedrohung lag in seinen Worten. „Was jedoch klar ist: Auch dort tauchten die Outrider eines Tages auf. Sie gehören genauso wenig in diesen Teil des Universums wie hier. Aber eines wurde mir unmissverständlich klargemacht: Sie sind keine natürlichen Wesen. Sie sind künstlich – eine abscheuliche Verschmelzung aus organischer Intelligenz und maschineller Perfektion. Sie lernen, passen sich an, und sie wissen immer mehr. Wie eine außer Kontrolle geratene KI. Ihre Fähigkeit, durch das Universum zu springen, von einem Teil zum anderen, macht sie zu so etwas wie eine Heuschreckenplage, die alles auf ihrem Weg zerstört.“
Er hielt inne, und blickte in die gespannten Gesichter der Anwesenden, die die Fülle der Informationen zu verarbeiten versuchten. „Wie viele Kriege sie gleichzeitig führen, können wir nur erahnen.“ Ein schweres Schweigen breitete sich aus, während die Worte im Raum widerhallten. Commander Eagle nickte nachdenklich, während Lorenz sich anlehnte, als bräuchte er Halt: „Das ist Wahnsinn“, murmelte er erneut.
Hikari sprach weiter, seine Stimme blieb ruhig, um die Anspannung seiner Gäste nicht noch weiter zu fordern: „Dort ist man der Hoffnung, dass sich das Problem irgendwann von selbst lösen wird. Die Outrider müssen für die Überwindung solcher Entfernungen eine unfassbare Menge an Energie aufbringen – immer und immer wieder. Es besteht die Möglichkeit, dass sie sich letztlich selbst damit zerstören. Es gibt kleinere Anzeichen, dass dies bereits der Fall sein könnte, aber …“
Er hielt inne, trank einen Schluck Wasser und ließ seinen Blick langsam durch die Runde schweifen: „Aber … wir wissen aus unseren eigenen Kriegen, dass solche Momente der Schwäche oft auch ein letztes Aufbäumen sein könnte – oder der Beginn von etwas noch Größerem. Was letztendlich passiert, steht in den Sternen. Doch eines ist sicher: Wir können vorbereitet sein. Aber dazu später mehr.“
Lorenz schüttelte fassungslos immer wieder seinen Kopf. Er fixierte Hikari mit einem Blick, der zwischen Unglauben und Frustration schwankte, und fragte schroff: „Wo zur Hölle warst du?“
Die Frage hing für einen Moment in der Luft. Alle Augen wanderten wieder zu Hikari, der zunächst nur schwach lächelte. Es war kein fröhliches Lächeln – eher eines, das tiefen Schmerz und einen Hauch von Sarkasmus in sich trug.
„Nein, da war ich, Gott sei Dank, nicht“, antwortete Hikari leise, fast mehr zu sich selbst als zu den anderen. „Gut, lass die ersten Jahre die Hölle gewesen sein. Aber um deine Frage zu beantworten: Ich war auf einem Planeten namens Priamos.“
Er machte eine kurze Pause, bevor er hinzu fügte: „Auf einem Hochsicherheits-Militärgelände … anfangs in einem Krankenhaus.“
Colonel Murry, der sich bisher zurückgehalten hatte, stützte seinen Kopf auf die Hand und sagte nichts, aber seine Miene sprach Bände.
Und Saber, fuhr sich mit den Händen über sein Gesicht, als könnte er die Flut an Informationen damit abstreifen. Es war, als würde ihm alles entgleiten, was er bisher für sicher gehalten hatte.
Commander Eagle sah Hikari nachdenklich an und fragte schließlich: „Aber warum haben sie dir geholfen?“
Hikari erwiderte den Blick, zögerte kurz, bevor er den Kopf schüttelte: „Was würdet ihr tun, wenn eure Abtaster nach solch einem Rums menschliche Lebenszeichen empfangen würden?“
Die Anwesenden schwiegen einen Moment, bis Saber schließlich leise, aber bestimmt sagte: „Es sind Menschen.“
Hikari nickte. „Ja, so erkläre ich es mir auch.“
Lorenz richtete sich wieder auf und lehnte sich nach vorne, seine Augen fixierten Shinjiro: „Was haben sie mit dir gemacht? Ich meine … klar, man sieht, sie haben dich wieder gut zusammengeflickt – wie auch immer sie das geschafft haben. Aber was wollten sie von dir wissen? Und was hast du sie gefragt?“
Hikari verstand, worauf Lorenz hinaus wollte, er wechselte das übergeschlagene Bein und atmete tief ein, als würde er einen unangenehmen Gedanken abschütteln wollen, bevor er antwortete: „Die ersten zwei Jahre …“ Er machte eine Pause und suchte offenbar nach den richtigen Worten: „Heute weiß ich es. Damals nicht. Ich hatte kein Gefühl mehr für Raum oder Zeit. Niemand sprach mit mir. Ich sprach mit niemandem. Alles lief stumm ab. Einfach alles. Ab und zu hörte ich eine Sprache, aber ich konnte sie nicht einordnen. Aber ich habe trotzdem zugehört – einfach, um irgendetwas anderes in meinen Kopf zu bekommen.“
Commander Eagle nickte ernst und stellte nüchtern fest: „Das ist eine altbekannte Foltermethode.“
Saber hob den Kopf und sah Hikari an. Auch er erkannte diese Taktik aus Lehrbüchern und psychologischen Schulungen. Hikari begegnete ihrem Blick.
„Ja“, bestätigte er leise. „Und glaubt mir, man denkt, man verliert seinen Verstand. Aber die Wahrheit ist: Man tut es tatsächlich. Nichts … wirklich nichts ist schlimmer als die eigenen Gedanken, die so laut werden können, dass du irgendwann nur noch sterben möchtest.“
Lorenz schüttelte ungläubig seinen Kopf, bevor er begann, im Raum auf und ab zu gehen. Schließlich hielt er inne und sah Shinjiro ernst an. „Komm mit“, forderte er und deutete auf den Balkon.
Hikari nickte nur und sagte knapp: „Ja, Pause.“ Er stand auf, zog diesmal jedoch seine Jacke an, bevor er Lorenz nach draußen folgte.
Im Raum herrschte eisiges Schweigen. Saber starrte auf sein Glas, als würde er darin eine Antwort suchen, die er nicht finden konnte. Murry schenkte sich stumm einen Scotch ein und schüttelte nur den Kopf, unfähig, die Worte zu finden, die er suchte.
Commander Eagle wandte sich schließlich an König Jarred. „Wie konnte bei dem ärztlichen Gutachten kein Trauma festgestellt werden? Das, was er durchgemacht hat, reicht für mehrere Leben!“ Jarred nickte langsam. „Frag ihn.“ Eagle musterte den König. „Wann hat er ihnen das alles erzählt?“ Jarred runzelte nachdenklich seine Stirn: „Es war in der ersten Woche.“ Eagle stand ebenfalls auf. Er musste sich bewegen, die Last der Informationen machte es unmöglich, ruhig zu bleiben.
Saber versuchte, sich in das Gehörte hineinzuversetzen, doch es wollte ihm einfach nicht gelingen. Alles, was er spürte, war ein lähmendes Gefühl des Ausgeliefertseins. Schließlich schenkte auch er sich einen Scotch ein und beobachtete, wie Lorenz und Captain Hikari wieder in das Separee zurückkamen.
Eagle, der immer noch stand und auch Sabers verstörte Miene bemerkte, konnte nicht länger schweigen. Er trat an den Tisch und zeigte auf Hikari: „Wie kannst du hier sitzen und das alles erzählen, ohne auch nur irgendeine Regung zu zeigen?“
Saber drehte seinen Blick in die Richtung des Captains, dessen Augen fest auf Eagle gerichtet waren. Captain Hikari lachte kurz, doch es war kein wirkliches Lachen. Eher eine leise Resignation. „Das alles liegt für mich 16 Jahre zurück. Für euch ist es neu“, erklärte er und schüttelte leicht seinen Kopf. „Auch die Menschen dort haben in dieser Zeit Ruhe gehabt, genau wie ihr hier. Ihr konntet euch vorbereiten. Ich aber habe die meiste Zeit mit meinen inneren Dämonen gekämpft. Die Schlacht mit ihren Verlusten ploppte immer und immer wieder in Flashbacks auf und die Stimmen meiner gefallenen Männer verfolgten mich. Es fühlte sich an, als würde alles, was in dir ist, über dich gestülpt werden, nur um dann wieder geordnet und verpackt zu werden. Ich weiß nicht, ob es dort bewusst eingeleitet wurde, keine Ahnung. Aber diese Ereignisse, die erste Schlacht und alles, was danach kam, sind abgeschlossen. Es ist passiert. Ja, und auch wenn es unglaublich war, es fühlt sich jetzt wie eine verrückte Erfahrung an.“
Die Anwesenden verstanden – in diesem Moment gab es nichts mehr zu sagen. Die Stille füllte den Raum, jeder in Gedanken versunken, auf seine eigene Weise.
Murry, durchbrach die Stille und fragte mit einer Mischung aus Neugier und Besorgnis: „Wie kam der erste Kontakt zustande? Ich meine, du kamst mit deinem Jet zurück, der hoch technologisiert wurde, sie hatten also tatsächlich vorgehabt, dich wieder zurückzuschicken, aber warum?“ Shinjiro schaute für einen Moment nach unten, als ob er die Frage durchdachte, und richtete dann einen Blick auf seinen Fluglehrer: „Es begann nach dieser Zermürbungstaktik. Nach zwei Jahren der Isolation kam der erste wirkliche Kontakt, ein Verhör, geführt auf feinstem Oxford-Englisch.“
Eagle, der die Bedeutung dieser Methode gut kannte, wusste die Auswirkungen, auf den menschlichen Geist, doch er berief sich in diesem Moment nur auf die Fakten, auch um sich selbst vor der ganzen Informationsflut zu schützen, er unterbrach mit einer schnellen Frage: „Was hast du erzählt?“
Alle Anwesenden, die diese Methoden kannten, waren gespannt auf die Antwort. Hikari musste etwas grinsen, das ihm aber auch gleich wieder verging, als er sich daran erinnerte: „Tja, ich verstand so gut wie nichts.“ Ein Raunen ging durch den Raum. Alle blickten ihm nun fragend entgegen. Er fuhr fort, seine Augen waren dabei auf Eagle und Lorenz gerichtet, als wolle er eine bewusste Herausforderung stellen: „In welcher Sprache denkt, träumt oder redet ihr mit euren Familien?“
Saber, der sich immer noch etwas verloren fühlte, schaute zu Lorenz, der in diesem Moment sichtlich nachdachte. Der Schotte, wusste, dass Lorenz Deutscher war, schien dem Gesagten zu folgen. Hikari fuhr fort: „Mich rettete, dass ich kein englischer Muttersprachler bin.“ half er den beiden und lüftete das Geheimnis.
Der Groschen fiel. Ein leises Nicken ging durch die Runde. „Gut, ihr versteht. Nach zwei Jahren nur mit meinen Gedanken, Erinnerungen und allem, was in mir war, war aber nicht auf Englisch … ich musste das Englische wieder lernen, also mein Unterbewusstsein musste sich step by step erinnern. Es wurde besser, aber erst einmal musste ich die Fragen langsam übersetzen und auch meine Antworten – so hatte ich auch die Zeit, sie mir zu überlegen, was ein Muttersprachler nicht hätte!“
Hikari, dessen Gesicht nun von einem Anflug von Sarkasmus geprägt war, fügte an: „Macht euch keine Hoffnung, ich kann jetzt genauso schnell folgen, wie früher!“
Ein allgemeines Lachen folgte, eine kleine Erleichterung in der angespannten Stimmung. Saber, der nun wirklich nachdachte, schmunzelte und erkannte etwas, was ihm nie bewusst gewesen war: Wie erstaunlich es war, dass Menschen, die Englisch nicht als Muttersprache hatten, es trotzdem blitzschnell umsetzen konnten. Was für eine außergewöhnliche Leistung das Gehirn vollbrachte, ständig „fremd“ gesagte Worte umzuwandeln und genauso umgewandelt wiederzugeben. Es war, als ob das Gehirn ständig zwischen den Welten wechseln musste, ohne eine Pause. Saber, der selbst seine Fremdsprachenkenntnisse eher bescheiden fand, dachte darüber nach. Französisch hatte er in der Schule gelernt, doch das war eine Herausforderung für ihn. Er musste innerlich schmunzeln, wenn er daran dachte, wie lang es dauerte, bis er in Französisch überhaupt einen ganzen Satz im Kopf zusammenbekommen konnte. Bevor er sich der Sprache so weit sicher fühlte, war jedes Gespräch schon längst zu Ende, und der Gedanke daran brachte ihn zum Lachen.
Inzwischen fuhr Hikari fort und erklärte, wie sein Jet aufbereitet wurde und was ihm dabei alles gezeigt und erklärt worden war. „Wie bereits erwähnt, hatten auch sie 15 Jahre Zeit und haben entsprechende Vorkehrungen getroffen. Sie haben ein Frühwarnsystem, das die Energie-Ansammlungen misst und ein Aufeinandertreffen bis zu 30 Minuten oder sogar einer Stunde vorher ankündigen kann. Wie genau, frag nicht, unsere Wissenschaftler arbeiten bereits daran!“
„Und doch hatten diese Menschen vor, sie wieder in unseren Teil des Universums zu schicken oder zu entlassen?“ hakte der Schotte noch einmal nach. Hikari nickte: „Ja, aber es gab 15 Jahre lang keine Outrider, und damit auch keine Sprünge. Für alle gut, für mich nicht! Denkt, was ihr wollt.“ Eagle warf ein: „Aber es gibt seit zwei Jahren vermehrte Outrider-Angriffe. Warum kamst du erst jetzt?“ Hikari nickte und antwortete: „Ich durfte mich in diesem Komplex bewegen. Kontakt zur Bevölkerung hatte ich nicht und wenn nur begrenzt. Ich war ‚frei‘, aber in einem eingeschränkten Radius. Ich konnte sogar fliegen, allerdings nur im Orbit oder in sehr großer Höhe, immer mit Begleitung … ich denke, ihr versteht.“ Alle nickten.
Saber fragte weiter: „Also musste eine größere Schlacht zwischen uns und den Outridern in der unmittelbaren Umgebung stattfinden?“
„Korrekt“, antwortete Hikari. „Und na ja, ihr hattet ja gute drei Stunden zu tun. Irgendwann meinte man, ich sollte es versuchen. Ich möchte nicht schon wieder anfangen, aber ein offener Funkkanal ist keine gute Idee!“ Alle Anwesenden nickten und schmunzelten in sich hinein. „Also haben auch sie uns gehört?“, fragte Lorenz nach. Hikari sah Lorenz an und sprach: „Ja, und ich war nicht freundlich zu euch, gebe ich zu!“
Hikari stand auf, holte sich etwas zu trinken vom Servicetisch und sagte während er ging: „So, das war’s im Groben!“ Lorenz folgte ihm und sagte: „Na danke, und wie schlafe ich jetzt die nächsten Tage?“ Shinjiro griff nach einem Bier und las sich das Edikt durch, bevor er antwortete: „Du hattest die Chance, zu gehen!“
Saber hörte die beiden reden, doch nun war es er, der frische Luft benötigte und er ging auf den Balkon. Die Lage drinnen beruhigte sich, und König Jarred beendete das Thema für heute.
Murry stand auf, ging nach draußen und stellte sich neben Saber: „Das war viel auf einmal!“ Saber nickte dem alten Colonel zu: „Ja, aber je mehr ich darüber nachdenke, ergibt einiges Sinn, auch wenn es sich vielleicht nicht so anhört!“ Murry nickte. „Ich gebe ihnen einen Tipp, Major Lancelot.“ Saber drehte sich daraufhin dem Colonel zu: „Nehmen Sie das, was hier gesprochen wurde, als gegeben hin. Versuchen Sie nicht zu viel zu hinterfragen, sonst kommt man aus der Spirale nicht wieder raus. Es wird ihnen helfen, einige Dinge zu verstehen. Fragen Sie nur das nach, was wirklich wichtig ist. Sie werden in ihrer Laufbahn garantiert noch einige solcher Gespräche haben. Versuchen Sie, es aus der Vogelperspektive zu betrachten, das große Ganze. Wie ein Pilot, der von einem kleinen Punkt am Himmel über weites Land sehen kann.“ Saber nickte. Er verstand. „Danke, Sir!“ Murry nickte ebenfalls, und die beiden ließen ihre Blicke über die Lichter der Stadt gleiten.
Nach einer Weile gingen sie wieder ins Warme. Dort saß man beisammen und hatte schon wieder ganz andere Themen. Das war wohl das, was Murry ihm gerade gesagt hatte: Das Wichtigste war, dass die wichtigsten Fragen geklärt waren. Alles andere würde die Zeit bringen. Saber nahm sich Murrys Worte zu Herzen und würde sie sich für immer auf die Fahne schreiben.
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