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6.650 Wörter, 35 Minuten Lesezeit


Phase 1

Die schweren Hangartore fuhren auf und die Sirenen schrillten über das Militärgelände von Jarr. Soldaten, Offiziere und Mechaniker hasteten zu ihren Posten, wie ein einstudiertes Ballett, während die Lautsprecherdurchsagen unablässig wiederholten, dass es sich nicht um eine Übung handele und das Königreich tatsächlich angegriffen werde. Die Männer der Air Base, des Kavallerie-Oberkommandos, waren zurzeit für Übungsmanöver auf Jarr stationiert, sie rannten zu ihren Maschinen und sprangen hinein.

Captain Shinjiro Hikari, der bereits in seinem Jet saß, bekam alle erforderlichen Informationen über Hypercom mitgeteilt. Tief atmete er ein, als er sich seinen Helm aufsetzte und funkte: „Take-off, und zwar mit Vollschub!“

General Campbell vom Kavallerie-Oberkommando meldete sein Eintreffen im Orbit von Jarr an und berichtete von mehreren feindlichen, ihm unbekannten Schiffen und kleinen wenidigen Gleitern.

Phase 2

Captain Hikaris Geschwader flog bereits in V-Formation Richtung Orbit und er staffelte seine Männer in Einheiten auf. Plötzlich, wie aus dem Nichts, blinkten immer mehr feindliche kleine, schnelle Raumschiffe im Orbit von Jarr auf. Shinjiro sah ungläubig auf den kleinen Ortungsschirm in seinem Jet: „Na, ganz toll! Das ist alles eine grün rote Suppe da draußen!“ sagte er und drückte seinen Schubregler kraftvoll durch und gab die Anweisung des Ausschwärmens: „Und keine Solonummern! Jeder mit seinem Wingman!“, mahnte er, als er das Aufgebot der feindlichen Schiffe nun live vor sich erblickte.

Über Funk kam die Meldung, dass König Jarred soeben mit der Royal Monarch Prime gestartet sei.

Die Air Base erreicht den Orbit von Jarr

Phase 3

Im Kavallerie-Oberkommando auf dem Planeten Yuma schrillten ebenfalls die Sirenen. Die Einheiten machten sich einsatzbereit, während im Hauptquartier alle in heller Aufregung waren. Offiziere, Soldaten und Generäle liefen durch die weiten Gänge des Oberkommandos. Die Nachricht, dass das Königreich Jarr, von unbekannten, angegriffen wurde, verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Kommander Major Danwens, der Befehlshaber des Oberkommandos, machte die gesamte siebte Kavallerie startklar.

Danwens und weitere hochrangige Offiziere versammelten sich in der Einsatzzentrale, in der bereits Funker, Analytiker, Navigatoren und Strategen dabei waren, sich einen ersten Überblick der gemeldeten Ereignisse zu verschaffen. Der große Rasterortungsschirm blinkte und übertrug das Geschehen vor Jarr in Echtzeit. Der riesige Monitor empfing die ersten Live-Bilder der Satelliten, die das Geschehen für spätere Analysen aufnahmen. Die vielen Funksprüche der beteiligten Schiffe tönten durch den Raum. 

Major Charles Eagle und Captain Frances waren bereits mit Vollschub Richtung Jarr unterwegs. Major Eagle verfolgte wie gebannt die Aufnahmen an Bord seines Schiffes. So etwas hatte er noch nie erlebt. Der Rasterortungsschirm zeigte viele kleine, schnelle und sehr wendige Gleiter an, die die Jets und Kampfschiffe des Königreichs unter Dauerfeuer durch das All jagten. Sie wiesen ohne Zweifel eine hohe Technologie auf. Die Analytiker des Oberkommandos verpassten diesen Gleitern den Namen “Hyperjumper”.

Major Charls Eagle

Eagle wandte seinen Blick vom Monitor ab: „Sollte Hikari wirklich recht gehabt haben?“, fragte er sich und wies seine Leute an, schneller zu fliegen.

Phase 4

König Jarred erreichte mit seinem Flaggschiff das Zentrum der Schlacht. Captain Hikari befand sich mit seinem Wingman Michael Lorenz oberhalb des Kampfgeschehens, um sich einen Überblick zu verschaffen. Was sich jedoch, als nahezu unmöglich herausstellte. Sie kämpften sich von einem Punkt zum anderen, nur um festzustellen, dass sich die feindlichen Schiffe zwar abschießen ließen, jedoch immer wieder erneuerten. “Was geht hier vor sich?”, fragten sich Shinjiro und Lorenz und sie zogen weiter nach oben, um weiter in das Kampfgeschehen vorzudringen. Captain Hikari hatte dabei immer einen Blick auf seine Männer. Da nahm sie ein Schlachtschiff der Fremden ins Kreuzfeuer, als sie das Gebiet rund um die feindlichen Schiffe abscannen wollten.

„Die sind ja wie Kletten!“, funkte Lorenz zu Shinjiro und dieser nickte der Aussage stumm zu: „Ja, Kletten“ war das richtige Wort für diese Jumper. Er wies seine Männer an, sich zu sammeln, um mehrere frontale Angriffe zu fliegen.

„Ich gehe hoch, du bleibst neben mir bei 45 Grad, so müssten wir eine Chance haben, das Gebiet auszumachen.“ 

„Aye, Aye!“, bestätigte Lorenz die Anweisung und änderte seinen Kurs und passte seinen Schub den des Captains an. „Jetzt abdrängen. Die Hyperjumper müssen weg vom Planeten Jarr! Es dürfen keine feindlichen Truppen oder Geschütze in den Orbit gelangen!“, sagte er und sah, dass die Frontalangriffe ihre Wirkung zeigten. Die Jets schwärmten nach Anweisung aus und versuchten unter Feuerschutz von König Jarred diese Taktik auszuführen. Lorenz wandte sich an Hikari: „Ich habe einen Scan!“, meldete er und schickte diesen sofort auf alle umliegenden Schiffe und ins Hauptquartier. 

Auf Yuma begann man sofort damit, die gesammelten Daten zu analysieren, um die Schwachstelle des noch unbekannten Feindes ausfindig zu machen.  Ein Kampfschiff der Fremden sonderte darauf mehrere Jumper ab, die Lorenz durch das All jagten.

„Ich kann mich nicht mehr lange halten, ein ganzes Schwadron ist hinter mir!“, funkte der Deutsche. Captain Hikari hatte das Vorgehen der Jumper beobachtet. „Bleib ruhig und steige auf 20 Grad. Und sag mir dann, wohin du möchtest, nach links, oder nachrechts?“ Lorenz verstand, welche Formation Shinjiro durchführen wollte, und antwortete gut hörbar: „Links, links, links!“ und brachte sich, so schnell er konnte, in Position. Die Jumper der fremden Angreifer folgten ihm, wie es zu erwarten war. 

Captain Hikari feuerte inmitten eines Geschwader der Hyperjumper, wodurch diese nun auch auf ihn aufmerksam wurden. Er grinste leicht und drehte seinen Jet jetzt mit Vollgas frontal Richtung Lorenz ein, der schon im Anflug mit seinen Anhängseln war. „Das wird rummsen!“ Sofort danach nach oben konstant durchziehen!“ 

„Okay“, flüsterte Lorenz konzentriert, während er seinen Schubregler voll durchdrückte.

„GO!“

Und die beiden Jets flogen mit Kollisionskurs aufeinander zu, das „TICase“ der beiden Jets ließ ein schrilles Warnsignal ertönen. Lorenz blickte starr geradeaus, Shinjiro näherte sich, ebenfalls gefolgt von Hyperjumpern, die auch ihm im Nacken saßen. Fest umfasste er seinen Schubregler, um bereit zu sein, diesen in wenigen Millisekunden mit voller Kraft nach oben zu ziehen.

„Was haben die vor? Das ist Wahnsinn!“, brüllte ein Generalmajor aufgeregt auf Yuma und zeigte dabei entsetzt auf den Monitor. Das Manöver der beiden Captains blieb auch dort nicht unbemerkt. Wie gebannt starrten alle auf den Ortungsschirm. Major Danwens sah zum Monitor, um das Geschehen zu verfolgen.

„Links!“ – „Rechts!“, riefen Lorenz und Hikari sich zu, bevor sie frontal miteinander kollidierten, drehten sie ihre Jets in die vorher abgesprochene Richtung ab. Die Hyperjumper hinter ihnen hatten keine Chance, zu reagieren. Sie prallten frontal aufeinander. Die darauf folgenden Explosionen beschädigten ein Kampfschiff der Fremden so schwer, dass es explodierte.

Jarred hielt die Luft an und sah wie gebannt nach draußen, ob er die beiden Jets ausmachen konnte. Durch die mehrere Meter hohen Explosionen konnte er nichts sehen: „Los, kommt schon!“, murmelte er angespannt vor sich. Einige Augenblicke später tauchten die beiden auf. König Jarred atmete erleichtert auf und gab daraufhin den Befehl, sich jetzt um die feindlichen Schiffe zu kümmern. Die Jets hatten die Jumper schließlich im Griff!

„Ja, wahnsinnig gut!“, kommentierte Kommander Major Danwens auf Yuma das waghalsige, aber effektive Manöver der beiden First-Class-Piloten.

Analytiker und Strategen saßen an den Computern und tippten auf ihren Tastaturen. Sie verglichen alle ihnen bekannten Daten, nur um daraufhin alles gleich wieder frustriert verwerfen zu müssen. Sie konnten einfach keine bekannte Kennung an den Schiffen der Angreifer ausmachen. Diese Erkenntnis war bitter und nahezu unglaublich. Es müssen Angreifer nicht menschlicher Herkunft sein! „Mit welcher Macht haben Sie es hier zu tun?“ Der Scan von Lorenz brachte eine eindeutige Erkenntnis zutage: Die wissenschaftlichen Analytiker aus Pectos, Alamo und Yuma mussten zugeben, was die Daten hergaben. Ein Offizier trat an Major Danwens heran und überreichte ihm die Nachricht.

Der alte Major las sie sich mehrmals durch und schaute wie in Zeitlupe zum Rasterortungsschirm. Er beobachtete die Punkte, die scheinbar aus dem Nichts erschienen. Er trat näher heran und sprach ernst: „Wer zur Hölle ist das?“ Die anderen hochrangigen Offiziere sahen den Major fragend an.

🟠 Phase 5 🟠

Hikari und Lorenz wurden ganz schön durchgeschüttelt und hatten Mühe, ihren Kurs zu halten. „Hätte ich mal lieber BWL studiert!“, funkte Lorenz, nachdem er seinen Jet in eine etwas angenehmere Position gebracht hatte. Hikari konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen und orderte gleich darauf wieder seine Männer an, sich zu sammeln. Ohne jede Vorwarnung bildete sich neben einem Kampfschiff der Fremden eine blitzartige Energie, die sich aus sich selbst speiste. Sekunden lang war es sehr hell. Aus dieser Energie manifestierte sich ein riesiges Mutterschiff, das eine große gläserne Kuppel auf dem Dach hatte. Das Schiff gab immer wieder kleinere Blitze ab.

 „Wer soll das sein? … ET?“, fragte Lorenz, der seine Sprachlosigkeit irgendwie in Worte fassen versuchte.

Jarred starrte mit weiteren Offizieren dieses riesige Schiff an. Sie konnten nicht fassen, was da draußen gerade vor ihren Augen geschehen war!

General Campbell musste mit seinem Schiff abdrehen, damit sie nicht mit dem plötzlich, aufgetauchten Schiff kollidierten. Dieses war geballte Energie und gab diese an die umliegenden Schiffe ab. Alle Messsysteme auf Campbells Schiff schrillten auf. „Los, wir müssen hier weg!“, wies er seine Männer etwas lauter an. General Campbell nutzte vorausschauend die Nähe, um es abscannen zu lassen, und schickte alle Daten nach Yuma und Alamo.

Das Outrider-Mutterschiff

Fünf Jets, der Air Base konnten, gerade noch ausweichen, als sich die Energie um das feindliche Schiff sammelte. Hikari und Lorenz drehten sofort ab, um den fünf Kameraden einen sicheren Abzug zu gewährleisten. In diesem Moment gingen hunderte Laser wie eine Flak auf sie nieder. Hikari rief den fünf Jets zu: „Zieht hoch, haut ab da!“ Dann flog er in deren Richtung, um ihnen Feuerschutz zu geben. Von der anderen Seite tat es Lorenz dem Captain gleich. Die Jets flogen in den Korridor, den Lorenz und Hikari für sie errichtet hatten.

Das Flakfeuer bündelte sich und kam in geballter Ladung auf sie zu. Zwei Jets schafften es in den Schutzkorridor , die anderen beiden wurden innerhalb von Millisekunden getroffen und explodierten sofort. Hikari sah, dass der dritte Jet, der sich unterhalb der beiden abgeschossenen befand, von den Trümmern mitgerissen wurde. „Was?“, kam es fassungslos von Captain Hikari. Er hatte gerade drei seiner Männer verloren und blickte wie hypnotisiert in die Explosionen.

Es war, als ob Raum und Zeit einen Moment stillstanden. 

„Verdammt! Verdammt! Verdammte Scheiße!“ holte ihn Lorenz vor Entsetzen schreiende Stimme wieder zurück ins Hier und Jetzt. Shinjiro atmete tief ein, es musste weitergehen, und funkte zu seinen Männern: „Abdrehen! Alle!“, um diesen den weiteren Anblick zu ersparen. 

Jarred hatte das Geschehen beobachtet und blickte vor sich auf die Rasterortung. Drei grüne Punkte schimmerten grün-gelb, bevor sie für immer erloschen. Es blieb keine Zeit für Trauer, es musste weitergehen, sonst würde es allen wie diesen drei tapferen Männern ergehen. Diese drei waren die ersten menschlichen Opfer dieses Krieges. 

Phase 6

Auf Yuma war man geschockt und gedrückte Stimmung breitete sich über dieses Ereignis aus. Zwei abgeschossene Jets, der dritte hatte keine Chance gehabt, als er von seinen getroffenen Kameraden mitgerissen wurde. Major Danwens wurde einige Minuten später die Namen der Männer mitgeteilt, die ihr Leben im Kampf gelassen hatten.

„Besorgt mehrere Seelsorger. Die Familien müssen benachrichtigt werden!“, wies er mit bedrückter Stimme an. „Ja, Sir!“, nickte der Offizier und verließ die Kommandozentrale.

Major Danwens wusste, es würde nicht bei den dreien bleiben. Sie hatten es hier mit einer unbekannten Übermacht zu tun.

Auf Jarr konnte man die Weltraumschlacht durch Lichtblitze am Himmel wahrnehmen. Im Offizierscasino des Militärraumhafens verfolgten Bodentruppen und andere Einsatzkräfte das Geschehen im Orbit: „Jetzt, sind wir im Krieg!“, sprach einer aus, was sich bis jetzt noch niemand so richtig getraut hatte, und es wurde ruhig, nachdem dieser Satz gefallen war. Jeder hing seinen Gedanken nach, während sie im Hintergrund die Funksprüche ihrer tapferen Kameraden hörten, die inmitten dieser Hölle kämpften, um eine große Katastrophe abzuwehren.

Hikari und Lorenz sammelten sich bei ihren Männern. König Jarred und die Kampfschiffe des Königreiches feuerten aus allen Rohren. Jarred betrachtete fassungslos das gigantische Mutterschiff in Nahaufnahme. „Wie kann das nur möglich sein?“, ging es ihm durch den Kopf.

Das riesige Schiff der Invasoren brachte sich in Stellung und es strömten weitere Hyperjumper aus diesem aus. Die Jets von Captain Hikari flogen in drei Reihen über das Geschehen. Sie wurden von diesen Jumpern von allen Seiten angegriffen. Captain Hikari, Lorenz und weitere Jets stießen wieder nach unten durch, sodass die Jets, die sich hinter ihnen befanden, das Feuer eröffnen konnten.

Die Feinde waren überrascht von dieser Strategie, die sie nicht kannten. Eine Linie nach der anderen brach immer weiter durch die feindliche Stellung. Die Air Base hatte Hunderte Male diese Kampfformation in Manövern trainiert, heute, hier und jetzt, hat es ihnen ermöglicht, die Stellung der Angreifer, die jetzt orientierungslos flogen, zu durchbrechen. „Diese Himmelhunde!“, kam es von Jarred anerkennend für diese Aktion.

Einige Jets wurden von diesen Hyperjumpern abgedrängt und getrennt, Hikari erkannte diese Taktik der Feinde und rief seinen Männern ernst zu: „Was macht ihr? Zusammenbleiben, lasst euch nicht auseinandertreiben!“ Die drei Jets, die keinen Wingman mehr hatten, blieben zusammen und schlossen sich den beiden Captains an, um ihnen Feuerschutz zu geben, die sich dem Mutterschiff näherten, um es auszukundschaften.

🟠 Phase 7 🟠

General Campbell entfernte sich von dem Mutterschiff. Er hatte genügend Daten gesammelt und allen Beteiligten geschickt. Nun befahl er seiner Besatzung den Rückzug, um darauf Stellung zu beziehen, um den Jets unter die Flügel zu greifen. Sein Schiff hatte auch eine Flak zur Verfügung. Die Jets, die um das Mutterschiff kreisten, waren dabei, Hyperjumper zu jagen. Dabei erledigten sie einen Jumper nach dem anderen und sammelten sich für einen weiteren frontalen Angriff, um die nächste Verteidigungslinie zu durchbrechen. 

General Campbell war in Position und gab den Jets, die auf der Höhe des Mutterschiffs waren und sich somit in seiner Schusslinie befanden, den Befehl, sich zurückzuziehen. Er würde jetzt sein Flak auf das riesige Kampfschiff eröffnen. Doch kaum hatte er seinen Satz beendet, eröffnete das Mutterschiff das Feuer auf Campbells Schiff. Ein riesiger, kraftvoller, gebündelter Laserstrahl raste auf Campbells Schiff zu, für einen Bruchteil einer Sekunde realisierte der schottische General, was geschehen würde, doch es war zu spät.

Denn nicht einmal eine Millisekunde später sprengten die gewaltigen Laser den Rumpf des Schiffes auf, Funken stoben durch die Gänge, Konsolen und Geräte explodierten ohne Vorwarnung. Die Druckwelle der ersten Treffer schleuderte die Besatzung durch die Korridore, einige wurden sofort ins All hinausgesogen, es war ein sofortiger, kalter Tod. Weitere feindliche Laser trafen, das Schiff, Türen wurden eingedrückt und Sauerstoffsysteme explodierten. Alarme schrillten und verstummten sofort wieder, Feuer brach aus, die Kommunikation versagte. Schließlich zerbrach das Schiff am Druck. Es endete in einem Flammeninferno und brutaler Zerstörung, das niemand überleben konnte. Metallteile flogen unkontrolliert herum und ein weiterer Jet wurde von diesen mitgerissen.

Die Antwort darauf war ein Dauerfeuer der Schiffe von König Jarred, die aus allen Rohren feuerten. Die Jets mussten sich so schnell sie konnten in Sicherheit bringen. Hikari brüllte in den Funk: „Seid ihr wahnsinnig, wir waren noch nicht draußen!“ Geschockt von den Geschehnissen feuerten jetzt auch die Jets mit vereinter Stärke auf die kleineren Kampfschiffe der Feinde, bis letztendlich auch diese explodierten.

Auch auf Yuma musste man mit ansehen, wie das Schiff von General Campbell in mehrere Teile auseinanderbrach und ein weiterer Jet von den Trümmern erfasst wurde. Danwens starrte auf das Erlöschen des Punktes, der einmal General Campbells Schiff gewesen war: „50 Mann Besatzung!“, sprach er rau und fast stimmlos vor sich hin und musste sich setzen. Sein Herz raste, seine Beine wurden weich. Campbell war nicht nur einer seiner befehlshabenden Offiziere, nein, er war ein langjähriger, sehr enger Freund gewesen, ein Freund, der nicht mehr wiederkommen würde.

Dem alten Major wurde klar: Captain Hikari hatte mit seiner Vermutung beim Gremium recht gehabt! Hätten sie seine Strategie verfolgt, wären jetzt alle verfügbaren Schiffe und Truppen vor Ort gewesen. Man hätte wenigstens eine einsatzfähige Kavallerie gehabt, mit dauerhaftem Truppennachschub aus Jarr, Alamo und Pectos. Alle Planeten, die sich im unmittelbaren Umkreis befanden.

„Allmächtiger, steh uns bei!“, sagte er und schloss seine Augen.

Die Analytiker, die die Daten von General Campbell auswerteten, welche er noch geschickt hatte, stellten fest, dass dieses riesige Mutterschiff geballte Energie war. Es schien die Hauptquelle der vereinzelten Anomalien zu sein, welche sie seit Monaten beobachteten. Ihre Erkenntnisse teilten sie sofort Danwens mit. Dieser atmete tief ein und sah fragend zu einem Analytiker: „Aber wie kann das möglich sein?“ Der Mann nickte ihm nur bestätigend entgegen: „Ja, Sir, aus einer anderen Dimension.

Phase 8

Major Eagle, der mit der siebten Kavallerie Richtung Jarr unterwegs war, war ebenfalls über die letzten Ereignisse vor Jarr geschockt. Sein Schiff befand sich unmittelbar vor Alamo, als ihn die unglaubliche Nachricht erreichte, sich nicht in das Kampfgeschehen einzumischen und den neutralen Raum zwischen Alamo und Jarr nicht zu verlassen. „Von wem kommt diese Anweisung?“, fragte Eagle aufgebracht, als er eilig zum Hypercom lief. 

Captain Hikari und Lorenz flogen versetzt über das Mutterschiff. Hikari ging, ohne es seinem Wingman Lorenz mitzuteilen, in den Sinkflug, Lorenz sah es und fragte nervös: „Was hast du vor?“ Hikari drehte eine Schleife und schaffte es, über die gläserne Kuppel zu fliegen und schnell wieder abzudrehen. Sofort eröffnete das feindliche Schiff das Feuer auf ihn und letztendlich auch auf Lorenz. „Da ist das Nest!“, funkte er. „Ach, was du nicht sagst!“, kam es darauf sarkastisch von Lorenz. Hikari setzte sich hinter seinen Wingman und sie kümmerten sich gemeinsam um die Hyperjumper.

Die Messgeräte schlugen aus, als die Sensordaten von Hikaris Jet eintrafen. „Das ist es!“, rief ein Wissenschaftler, der die Flugbahn von Captain Hikari zurückverfolgt hatte, um die Energiequelle genau zu lokalisieren. „Major, wir haben da was!“ Danwens sah sich die Daten an, mit denen er erst einmal gar nichts anfangen konnte. Der junge Wissenschaftler erklärte es ihm: „Das ist deren Hauptenergiequelle. Sie befindet sich genau in dieser Kuppel. Sollten wir eine Chance haben, sie zu beschädigen oder gar zu zerstören, sollte der Kampf ein Ende haben … na ja, erst einmal“, sagte er schnell und aufgeregt. Major Danwens nickte und ließ die Nachricht an alle Schiffe schicken.

König Jarred erhielt die Mitteilung aus Yuma und funkte darauf sofort Major Eagle an. Er wollte wissen, wie lange dieser noch benötigen würde, denn sie brauchten hier dringend gebündelte Energie! Dabei schaute er auf die Uhr.

14 Uhr 30.

Captain Hikari, der ebenfalls diese neue Erkenntnis erhalten hatte, dachte nach, während er das Kampfgeschehen beobachtete. Die Schlacht lief seit zwei Stunden. Lange, würden sie der Übermacht nicht mehr standhalten können.

Die Jets hatten es geschafft, dass die Hyperjumper ihr Hauptangriffsgebiet verlagert hatten. So waren die Feinde weit genug von Jarr entfernt.

„Gebündelte Energie, also, hm?“, funkte er zu Jarred: „Also, was habt ihr noch aufzufahren, eure Hoheit?“ Der König ließ sich alle verfügbaren Laser- und Waffenstände geben. Und das Ergebnis war niederschmetternd. „So gut wie nichts mehr. Mit allem zusammen können wir noch etwa 30 Minuten die Stellung halten“, teilte Jarred dem Captain mit.

Shinjiro schüttelte mit seinem Kopf: „Nein, so lange hält die Stellung, wie sie jetzt ist, nicht mehr. Ich gebe dieser Strategie höchstens noch fünf Minuten und euch acht!“, kam es von ihm zurück.

Jarred kommentierte es mit einem wissenden Brummen. Er verließ sich auf die Aussagen seines Freundes. Shinjiro kannte alle gängigen Kriegsstrategien, er konnte sie kombinieren und für sich setzen, wie er sie gerade benötigte, und wusste somit auch, wie lange der Feind brauchte, um eine Taktik wie diese zu durchschauen.

Hikari und Lorenz kreisten mehrmals über der Kuppel des Mutterschiffs. Lorenz wurde langsam nervös und fragte etwas genervt: „Okay, wir fliegen im Kreis, und was kreist dir im Kopf herum?“

Sie wurden entdeckt, was nicht überraschend war, Flak richtete sich auf sie. Lorenz und Hikari stiegen in einem rasanten Tempo und teilten sich. Hikari antwortete: „Das ergibt sogar Sinn.“ Lorenz, der sich noch im Looping befand, kannte sich nun gar nicht mehr aus: „Hä? Sinn? Hier macht schon lange gar nichts mehr Sinn! Also beschießen wir jetzt die Kuppel?“ Hikari, der sich die Stellungen seiner Männer ansah und das Kampfgeschehen der Schiffe beobachtete, antwortete Lorenz: „Nein, wir haben zu wenig Feuerkraft, wir müssen sie hinhalten, bis die Verstärkung da ist.“

Jarred mischte sich in das Gespräch: „Yuma benötigt noch mindestens 15 Minuten.“

Da schlug Shinjiro wütend mit einem Arm gegen sein Verdeck. Als er die Zeitangabe von Jarred hörte. Und drehte erst einmal ab und flog unterhalb durch das Kampfgebiet des feindlichen Schiffes, welches oberhalb immer noch die anderen Schiffe unter Beschuss hatte.

Er kreiste einige Male und veränderte dabei immer wieder seine Höhe und Geschwindigkeit. Jarred war etwas irritiert über diese Aktion. „Was soll das werden?“, fragte er dann doch nach. Shinjiro antwortete über einen neuen offenen, nicht verschlüsselten Hypercomkanal: „Ich habe da was!“ Jarred wurde leicht sauer. Konnte sein Freund nicht mehr in ganzen Sätzen sprechen? Aber er funkte ebenfalls über diesen Kanal zurück: „Was haben Sie?“ hakte er nach.

Phase 9

Auch auf Yuma sah man sich irritiert an. Man wurde aus der Aktion und den Funksprüchen des Captains nicht schlau. Major Danwens beobachtete Hikaris Punkt auf dem Rasterortungsschirm. Immer wieder flog er unterhalb und höhenversetzt die gleiche Route. Dabei funkte er in regelmäßigen Abständen Nachrichten, dass er Informationen über die Schwachstellen des feindlichen Schiffes hätte und diese jetzt schicken würde.

Aber nichts kam an, weder Daten noch Bildmaterial. Danwens wusste, dass Hikari nichts ohne Grund tat, schon gar nicht in solch einer Situation! Also gab er Anweisung, den angeblichen Dateneingang zu bestätigen. Der Funker sah den Major fragend an. Danwens wurde lauter: „Na los, machen Sie schon!“ Erschrocken nickte der Funker und bestätigte rasch den Eingang der Daten. 

Lorenz flog eine Schleife, die Fremden hatten Lunte gerochen und die Stellung würde jeden Moment zusammenbrechen. Und er verstand absolut nicht, was Shinjiro da gerade trieb.

Shinjiro beobachtete die Fremden: „Mann, besonders schnell im Denken sind sie ja nicht!“, sprach er ungeduldig zu sich selbst. Doch wenige Sekunden später eröffnete das Mutterschiff das Feuer auf ihn.

Lorenz und die Begleitjets konnten gerade noch reagieren, Hikari zog steil nach oben und musste direkt abdrehen, sonst wäre er in seine Männer hineingeflogen. Erschrocken und sauer rief er in den Kanal: „Was macht ihr hier? Verschwindet! Sofort!“

Jarred roch den Braten und stürmte von seinem Kommandostand auf das große Panoramafenster zu und befahl während des Laufens: „Sofort Feuerschutz für Captain Hikari!“

Lorenz schrie während des Manövers seinen Captain an: „Was soll das?“ In diesem Moment ließen die Hyperjumper von ihm und den anderen vier Männern ab und jagten Shinjiro durch das All. Lorenz war irritiert von der Aktion und blickte von seinem Schirm auf und eilig nach draußen: „Scheiße, Mann! Was ist hier los?“, kam es aufgebracht von ihm, als er sah, wie Shinjiro weiter nach vorn und feindlichen Linien durchbrach.

Lorenz riss seinen Sidestick Controller ruckartig nach rechts: „Raus hier! – Und rein da!“ wies Lorenz seine Begleitjets an und sie schossen auf die Hyperjumper, die Shinjiro durch das All jagten.

Major Danwens verfolgte diese Aktion, es kam ihm so vor, als ob Hikari genau das provoziert hatte. Er sah auf seine Uhr: 14 Uhr 36! 

Hikari funkte ernst zu Lorenz, als er sah, dass dieser mit zwei weiteren Jets ihm Deckung geben wollte: „Ich habe gesagt, abdrehen! …. Das ist ein Befehl!“

Jarred funkte ungehalten dazwischen: „Nein! Du drehst sofort ab!“, wies er seinen Freund fest an! Als er schockierender weise beobachtete, dass sich Shinjiro inzwischen mit Vollschub auf Kollisionskurs auf das Mutterschiff befand, das ein Feuerwerk mit seinen Lasern auf ihn veranstaltete: „Dreh ab!“ Schrie Jarred in den Kanal.

Lorenz starrte nur auf dieses unglaubliche Manöver. „Er wird doch nicht!“, sprach er fassungslos zu sich selbst.

Jarred beobachtete das Vorgehen im All und funkte immer verzweifelter zu seinem Freund, dessen Dienstgrad ihm schon gar nicht mehr über die Lippen kam, zum Schluss brüllte er nur noch. Er wusste nicht, wie er ihn noch aufhalten konnte, seine Stimme war bereits heiser, doch er funkte weiter, als könnte er die drohende Katastrophe mit bloßen Worten abwenden: „Shinjiro, dreh ab! Sofort! Das ist Wahnsinn!“

„Verdammt!“ Am liebsten wäre er durch das dicke Fenster gesprungen, gegen das er mit seiner flachen Hand kraftvoll schlug. Doch das Fenster blieb unbeeindruckt, so wie der Lauf der Ereignisse.

Die Augen des Königs brannten, während er das unaufhaltsame Vorwärtsdrängen des Jets verfolgte, und es schnürte ihm die Kehle zu. Hikari würde das feindliche Mutterschiff beschießen, aber doch in letzter Sekunde nach oben ziehen, hoffte der König inständig. Jarreds erster Offizier trat neben den König und beobachtete, was sich vor aller Augen abspielte. 

„Na los, zieh hoch, zieh …“, flüsterte Jarred, seine Faust schlug gegen das kalte Glas, des Panoramafensters und seine Augen blieben auf das kleine Licht von Shinjiros Jet fixiert, das sich immer schneller dem Ungetüm näherte.

Das alles waren nur Sekunden, doch es fühlte sich an wie in Zeitlupe.

Auf Yuma trat man näher an die Monitore der Ortungsschirme heran. Der erfahrene Major fixierte Hikaris Jet auf dem Schirm und zoomte ihn heran, bis die Kennung mit dessen Geschwindigkeit klar und deutlich angezeigt wurde und sich geradewegs in Richtung des massiven Mutterschiffs bewegte. Der Major atmete tief ein und ließ seinen Blick zwischen den beiden Punkten auf dem Schirm wandern, als wolle er die unsichtbare Linie dazwischen sichtbar machen.

„Er wird nicht mehr hochziehen“, murmelte der Major leise, doch alle im Raum konnten es hören, so still war es. Kurz bevor die beiden Punkte aufeinandertrafen, schloss Major Danwens seine Augen und ließ die Welt um sich versinken. Niemand wagte es, auch nur ein Wort zu sagen. Nur das leise Summen der Monitore und das entfernte, auch immer langsamer werdende Klappern von Tastaturen waren die einzige Geräuschkulisse, die die Kommandozentrale auf Yuma erfüllte.

Plötzlich begann das gigantische Mutterschiff, sich zu verändern. Die ohnehin bedrohlich zuckenden kalten weißen Blitze entlang seiner Oberfläche wurden intensiver, schossen in chaotischen Mustern hervor und begannen, sich in einem unheimlichen Gleichklang zu bündeln. Sie formten einen rotierenden, leuchtenden Tunnel, der alles, was sich in dessen Nähe befand, in sich hinein zog.

Phase 10

Mit unerschütterlicher Präzision steuerte Captain Hikari sein Schiff direkt in den sich auftuenden grellen Tunnel von Laserstrahlen. Die gläserne Kuppel des Mutterschiffs schien förmlich zu pulsieren und alles um das feindliche Schiff begann, die bekannten Gesetze der Physik zu ignorieren. Zeit und Raum schienen sich zu verbiegen, alles um Shinjiro dehnte sich aus und erstrahlte in einem beißenden weißen Licht, das selbst die Filter des Panoramafensters an seinen Jet kaum noch dämpfen konnten.

Jarred und seine Crew mussten sich ebenfalls vor dem grellen Licht schützen, während sie weiter versuchten, alles zu beobachten. Jeder Sensor, jede Messung schlug aus, diese Energie, die sich aus sich selbst zu speisen schien, war einfach nicht mehr messbar. Zahlen und Daten flackerten über die Bildschirme, die eine Warnung nach der anderen ertönen ließen, bevor sie gänzlich erloschen. „Unmöglich …“, flüsterte ein Offizier.

„Was passiert da gerade?“, fragte jemand im Hintergrund, dessen Stimme voller Schrecken und Ehrfurcht war. Doch eine Antwort darauf hatte niemand. Sie alle waren gerade Zeugen von etwas noch nie Dagewesenem. Und hätte man nicht Gewissheit, dass alle anderen das auch gerade sehen würden, lief man Gefahr, verrückt zu werden. Denn alles bekannte, was man über die Gravitation im All zu wissen glaubte, löste sich vor ihren Augen mit diesem Schiff auf. Jarred war von dem Anblick wie gelähmt.

Man spürte über Wellen die Kraft des feindlichen Schiffs. Wo sich alles Licht begann, sich auf einen einzigen Punkt zu konzentrieren, direkt dort, wo sich auch Shinjiro befand. 

Captain Lorenz kniff seine Augen zusammen und schaute starr auf seine Anzeigen, die unmissverständlich zeigten, dass die Situation dabei war, außer Kontrolle zu geraten, er musste handeln! „Air Base, Rückzug, sofort!“, befahl er mit schneidender Stimme, die den Funk durchdrang, es fiel ihm schwer, aber für Shinjiro konnte er jetzt nichts mehr tun: „Verlasst den Bereich! Egal, was das ist, wenn es zur Explosion kommt, wird hier alles mitgerissen“, war sich der Deutsche sicher! 

Die Piloten bestätigten widerstrebend, die Anweisungen von Lorenz, ihre Stimmen waren von den Ereignissen gezeichnet. Niemand wollte die Front und ihren Captain verlassen, doch sie alle erkannten die Notwendigkeit und zogen sich zurück.

Lorenz beobachtete, wie sich auch die umliegenden Kampfschiffe des Königs zurücksetzten. Ein letztes Mal blickte er direkt nach draußen in den grellen Sog, bevor auch er sich zurückzog, ohne noch einmal auf seine Anzeigen zu schauen. Als erfahrener Kampfpilot brauchte er keine weiteren Erklärungen.

In dem Moment sah er wie die Feinde die Verteidigungslinie durchbrachen, die Zeit lief gnadenlos gegen sie. Jetzt war es nur noch eine Frage von Minuten, bevor der Feind ungehindert auf Jarr zusteuern konnte. Lorenz biss seine Zähne zusammen, ein einzelner Gedanke nagte in seinem Kopf. „Wenn Jarr fällt, fällt das gesamte Grenzland. Und das wussten verblüffenderweise auch die Feinde.“ und er begann, die ausbrechenden Hyperjumper abzuschießen, weitere Jets schlossen sich ihm an, kein Jumper sollte auch nur in die Nähe des Orbits von Jarr kommen.

Bis … ein stummer, greller Lichtblitz, der das gesamte All taghell aufleuchten ließ, die Anzeigen in den Jets und den umliegenden Schiffen übersteuerten und das Mutterschiff wurde zu einem gigantischen Feuerball. Die Wucht der Explosion ließ das All um sie herum beben. Auch auf der Brücke des Königs musste man sich festhalten. Diese Kräfte da draußen mussten unglaublich sein.

Vor allem die Jetpiloten spürten das Dröhnen und Vibrieren, was sich wie ein Faustschlag anfühlte. Instinktiv zogen sie sich vom Kampfgeschehen zurück, nicht dass auch sie noch mit dieser Energie mitgerissen wurden.

Im Inneren des Tunnels war Shinjiro von einem Chaos aus grellen Lichtblitzen und ohrenbetäubendem Energiesummen umgeben. Hyperjumper folgten ihm und hatten ihn nach wie vor unter Beschuss, und mit jedem Treffer fiel ein weiteres Modul vor ihm aus. Die Instrumente in seinem Jet blinkten und piepten wie verrückt, unverständliche Warnmeldungen hallten und flackerten über die kleinen Monitore. Ein schrilles, durchdringendes Piepen bohrte sich in seinen Kopf. Seine Hand umschloss fest den Sidestick, dass es schon schmerzte, als er die letzten Befehle in das Steuerungsmodul eingab, und das metallische Beben des Jets war beinahe synchron mit dem pochenden Schmerz in seiner Brust. Die Erschütterungen der umliegenden Explosionen wurden heftiger und rissen seinen Jet wie ein Spielzeug mit sich. Doch er schaffte es weiterhin, auf Kurs zu bleiben.

Denn würde er jetzt aus diesem Tunnel ausbrechen, würde ihm die Energie, die ihn umgab, in Stücke reißen, die Situation war fatal, wenn nicht sogar aussichtslos. Da zuckte ein glühend heißer Schmerz durch seinen Körper, als ob ihm etwas von innen zerreißen wollte, er keuchte auf, ließ aber den Sidestick nicht los, um weiter auf Kurs zu bleiben, sein Atem aber wurde immer schwerer, was darauf hindeutete, dass wohl eine O²-Versorgungseinheit getroffen wurde. 

Er blickte auf, in die grellen Tunnel, der gefühlt immer länger wurde, kalter Schweiß bildete sich auf seiner Stirn und er begann zu frieren, sein Atem wurde schnappender. Vor ihm zeichnete sich die Glaskuppel des Mutterschiffs ab, inmitten der tobenden Laserenergie um ihn herum, die bedrohlich und trotzdem wunderschön war, die grellen Lichter flackerten, und mit einem letzten Ruck, den er sich gab, aktivierte er alle verbliebenen Waffensysteme.

Der Jet schoss voran und jede Zelle seines Körpers schrie vor Schmerz. Im letzten Moment riss er die Steuerung nach links und der Jet begann zu vibrieren, als ob er jeden Moment auseinanderbrechen würde.

Seine Kraft ließ nach, seine kalten Finger wurden taub und sie glitten vom Sidestick und Schubregler hinab. Doch inmitten des Schmerzes und des Wahnsinns um ihn herum, wurde es still, so als hätte jemand auf die Mute-Taste gedrückt. Sein schwerer Atem hallte in seinen Ohren und er öffnete langsam und ruhig seine Augen. Die Welt, die um ihn herum, noch vor wenigen Sekunden so hell, schnell und vor allem laut gewesen war, war verstummt und verblasste immer mehr. Er sah in die Augen seiner Frau Hitomi, die Shinji, seinen Sohn, auf dem Arm hatte. Sie standen einfach da, lächelten und winkten ihm zu, das Bild ihrer vollkommenden Wärme und Liebe nahm ihn ein und er lächelte, “Shinji …” flüsterte er kraftlos, während eine seltsame, unaufhaltsame, Dunkelheit ihn umarmte.

Um Hikaris Jet schien das All zu explodieren, der Jet wurde wie ein Pingpongball hin- und hergerissen, Tragflächen rissen ab und er verschwand in der nächsten unaufhaltsamen Welle des Energiesogs.

Das All vor dem Planeten Jarr hüllte sich in ein kaltes, glänzendes Licht, alle mussten ihre Augen schützen, denn es wurde eine Gewalt freigesetzt, die selbst die tiefsten Geheimnisse des Universums erreichte. Diese Energie zerfetzte die Dunkelheit.

Das All vor Jarr explodierte. „Vollschub, weg hier!!“ brüllte Lorenz, denn es war, als ob der dunkle Raum um sie in Flammen stand udn in einem Vakeum verschwand, nicht auszudenken, sollten sie davon erfasst werden.

Das feindliche Mutterschiff, das wenige Sekunden zuvor noch in seiner gesamten Bedrohlichkeit zu sehen war, schien sich inmitten der Flammenhölle aufzulösen. Kurz darauf ging ein gewaltiger Stoßwellen-Effekt durch den Weltraum und riss alles mit sich, was sich in der unmittelbaren Umgebung des Mutterschiffs befand. Jumper und Trümmer wurden wie Spielzeug in einem unaufhaltsamen Sturm mitgerissen. Zudem lösten sie die verbliebenen Hyperjumper synchron auf und waren verschwunden, genauso plötzlich, wie sie gekommen waren.

Phase 11

Jarred konnte spüren, wie sein Schiff sich vom Zentrum der Explosion entfernte. Die Energie des Infernos ließ das gesamte Schiff erbeben, mit einer Wucht, die beinahe das gesamte System lahmlegte. Es war der Moment des Endes, dessen war sich Jarred sicher, so und nicht anders sah es aus, und er kniff seine schmerzenden Augen zusammen. 

Seine andere Hand lag flach auf der kühlen Scheibe, seine Stirn näherte sich langsam dem Glas, als wollte er den Schmerz der Realität irgendwie abpuffern und sich von den qualvollen Gedanken ablenken.

„Shinjiro!“, flüsterte er, fast wie ein Gebet, das er nicht laut auszusprechen wagte. Und er spürte, wie Gefühle von Wut, Verwirrung und Trauer in ihm aufstiegen. Mit zunehmendem Zorn hämmerte er immer wieder mit seiner Faust gegen die Scheibe.

„Was hast du getan?“, flüsterte Jarred erneut, seine Stimme war gebrochen und es schnürte ihm die Luft ab. Er presste die Faust gegen das Glas und ließ seinen Tränen freien Lauf. Der Schmerz, der in seiner Brust aufstieg, drückte ihn nieder. Die Wut, die sich tief in seinen Magen grub, durchzog sein Innerstes wie scharfe Dolche. „Was …?“, wiederholte Jarred, er war vollkommen durcheinander und der Kloß in seiner Kehle machte es ihm fast unmöglich zu atmen. „Shinjiro! Deine Frau! … dein Sohn … dein Sohn!“ Wiederholte er, immer leiser. Der Verlust seines besten Freundes stürzte über ihn herein.

Der erste Offizier, der still neben ihm stand, konnte den inneren Zusammenbruch seines Königs nicht übersehen. Er trat einen Schritt näher, legte eine beruhigende Hand auf Jarreds Schulter, als wollte er ihm Halt geben. Doch Jarred war nicht in der Lage, sich daran zu klammern.

Doch die Zeit drängte, der Offizier räusperte sich, bevor er mit ruhiger, aber bestimmter Stimme sprach: „Alle zurück auf ihre Posten!“ Der Befehl hallte durch die Brücke, der ein klarer Kontrast zur vorherigen gesehenen Situation war, die die Crew in einem Zustand der Schockstarre gehalten hatte. Doch nun musste es weitergehen und Jarreds erster Offizier übernahm das Kommando: „Die Aufklärer sollen alles im Umkreis absuchen und die Gegend scannen!“ Die Besatzung nickte und jeder ging wie gewohnt an seine Arbeit, es half etwas, das Geschehen zu verarbeiten, sie mussten den Orbit sichern, das war jetzt das Wichtigste.

Zwei Wachoffiziere positionierten sich, um den König vor Blicken in seiner Trauer zu schützen. 

Die Routine kehrte auch auf den anderen Schiffen zurück. Vom Militärraumhafen Jarr starteten die ersten Transportschiffe, um die zerschossenen Schiffe und Wrackteile der Kameraden sowie die der Feinde zu bergen, alles musste untersucht werden. Man musste herausfinden, wer diese Feinde, die den Namen Outrider von den Wissenschaftlern verpasst bekommen hatten, waren.

Auch auf Yuma war es still geworden. Alle blickten betreten auf bereits wieder schwarze All auf den Monitoren. Major Danwens öffnete langsam seine Augen. Vor sich auf dem Ortungsschirm sah er, dass Captain Hikaris Kennung immer wieder rot aufleuchtete und dann aufhörte zu existieren. Der alte Major sah zur Übertragung, vereinzelte Jets flogen umher und die Kampfschiffe des Königs näherten sich auch langsam wieder. Doch es war nichts mehr da.

„Meine Herren!“ Alle drehten sich daraufhin dem alten Major zu: „Wir haben gerade unseren fähigsten Mann verloren!“, sprach Danwens und verließ nach dem Gesagten die Kommandozentrale.

Phase 12

Lorenz sammelte die Air Base, wo sich vor wenigen Minuten noch das Mutterschiff befunden hatte, und die Jets brachten sich in Stellung: „Feuer frei! Alles, was ihr noch habt!“, und die Jets feuerten ihre Munitionssysteme leer. Einige starrten dabei stur geradeaus, anderen liefen die Tränen, während sie feuerten. Es war Trauer und Wut, die sich jetzt wie die Munition entleerte. Ein dunkler Schatten legte sich über die Brutalität der Schlacht, denn alles, was sie jetzt noch tun konnten, war dieser letzte Akt der Hingabe, eine Hommage an ihren Captain und die vier Kameraden, die ihr Leben geopfert hatten.

Tribut der Jets für die 4 gefallenden Kamerade und Captain Hikari

Die Schiffe der siebten Kavallerie trafen ein. Captain Lorenz beobachtete argwöhnisch das Aufgebot: „Ja, jetzt braucht ihr auch nicht mehr hier auftauchen!“, sagte er wütend und wies den Abzug an, die Männer mussten runter! „Wir fliegen in V-Position, so wie wir gekommen waren!“ sagte er und alle nahmen stumm ihre Plätze ein. Die Spitze, ihr Captain fehlte, und es gab vier weitere Lücken. In dieser Position würden sie landen! Der Funkverkehr war ruhig, keiner sprach.

König Jarred stand nun vor einer enormen Herausforderung. Trotz des schmerzhaften Verlustes, wusste er, dass er als König stark und entschlossen auftreten musste, um seine Männer zu führen. Er konnte es sich nicht erlauben, von Trauer überwältigt zu werden. Sein Freund hätte gewollt, dass er die Oberhand behält und weiterhin seine Pflicht erfüllt, dessen war sich Jarred sicher!

Inmitten der Trümmer und des Chaos wies Jarred an, dass das Oberkommando für die Aufräumarbeiten zuständig sein sollte.

Wenige Minuten später, bereitete ein erfahrener Schütze alles, für den König vor. Jarreds Hand umgriff den Joystick, der die Raketen kontrollierte und drückte dreimal auf den Auslöser. Dies war nicht nur ein Akt der Verteidigung, sondern auch ein Tribut an alle, die heute hier ihr Leben gelassen hatten. Als die Raketen abgefeuert wurden, erfüllte ein Streufeuer das dunkle All, das den gefallenen Jet-Piloten und General Campbell samt seiner Besatzung galt, niemals würde man ihre Namen vergessen, schwor sich der König. Ein Soldat trat an den König heran. „Eure Hoheit, Major Eagle möchte mit Ihnen sprechen“, sagte der junge Mann und reichte dem König ein Headset. Jarred atmete tief ein und blickte zu dem Soldaten: „Teilen Sie Major Eagle mit, dass ich erwarte, dass die Kavallerie, die Trümmer ordnungsgemäß auf Pectos abliefern und dem KOK werden alle Allianzrechte entzogen!“ sprach Jarred ernst, der junge Soldat sah den König etwas geschockt entgegen, nickte dann aber und tat, was ihm gesagt wurde.

In einem Moment der Stille und Einkehr richtete Jarred seine Worte in das Universum: „Mein Freund, ich danke dir!“ Seine Stimme wurde von den Weiten des schwarzen Alls als Zeichen des Abschieds aufgenommen. Jarred fühlte die Last der Verantwortung, aber er wusste, dass er die Erinnerung an seinen Freund ehren konnte, indem er stark blieb!

Im Militärraumhafen auf Jarr und im Hangar der Air Base versammelten sich Einsatzkräfte und Seelsorger, bereit, die Piloten nach diesem extrem belastenden Einsatz aufzufangen. Vereinzelt öffneten sich die Verdecke der Jets und die Piloten stiegen heraus. Einige liefen aufgeregt umher, andere ließen ihren Emotionen freien Lauf, sei es in Form von Wut, Trauer, Verzweiflung oder Ohnmacht über den Verlust ihrer Kameraden. Alles entlud sich hier und jetzt. 

Lorenz schleuderte seinen Helm auf den Boden und stellte sich vor den Hangar, während laut in den Himmel schrie, dass sich seine Stimme schmerzvoll überschlug: „Du verdammter Idiot!“, und er verpasste der Luft einen kraftvollen Faustschlag. So kraftvoll, dass er dabei fast sein Gleichgewicht verlor. Er zog eine Zigarre aus der Brusttasche seines Kampfanzuges und schmiss sie vor sich auf das Rollfeld. Er wusste, dass es gerade nicht fair war, doch er brauchte jetzt jemanden, auf den er seine ganze Wut über die ganze Sache hinaus brüllen konnte. Es war für alle, die da oben geblieben waren! Shinjiro, sein Freund und Captain, die vier Kameraden und ein komplettes Schiff mit Besatzung. Sie würden alle nicht mehr zurückkehren. Und Lorenz fiel erschöpft auf die Knie und ließ seinen Tränen freien Lauf.

Captain Lorenz trauert

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DieRosaBurg
DieRosaBurg
2 Monate zuvor
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Erstmal wow! Ich kenne ja tatsächlich sogar die allererste Version von Lichtkrieger, und seitdem lieb ich die Story. Das Kapitel ist mega geworden die selbe Story nur noch besser 👍 besonders mag ich die Ernsthaftigkeit und den kleinen Humor, ohne die Szenen ins lächerliche zu ziehen. Ich freu mich aufs Nächste Kapi.

Alice Dvorak
Alice Dvorak
21 Tage zuvor

Hallo Sanni und Jana!
Das Kapitel ist absolut fesselnd geschrieben. Ich habe richtig mitgelitten.
Gelesen hab es schon länger, aber es noch nie kommentiert.
Da ist echt viel Herzblut drin.
So klasse!!!
Schöne Grüße
@traum_herzele

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