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5.885 Wörter, 31 Minuten Lesezeit.


Absatz 1

Das silberne Shuttle durchbrach die Atmosphäre von Alamo, in wenigen Minuten würde das Schiff im Ausbildungscamp landen. Captain Hikari blickte aus dem Fenster und betrachtete die ihm vertraute Landschaft aus Wüsten und Canyons.

Alamo war ein Planet, der auf den ersten Blick unbewohnbar erschien. Die karge Landschaft wirkte abweisend und lebensfeindlich, doch tief im Inneren des Planeten schlummerten immense Schätze: die Antromit-Kristalle. Diese Kristalle, die aus den essentiellen Aminosäuren bestanden, hatten die Fähigkeit, ganze Planeten fruchtbar zu machen. Aber das war nicht alles. Sie waren auch eine unverzichtbare Energiequelle, die es den Raumschiffen ermöglichte, ohne fossile Brennstoffe im All zu operieren. Die Speicherkapazität des Antromits war in den letzten 16 Jahren sowohl militärisch als auch zivil-technisch revolutioniert worden. Das hatte er in den wissenschaftlichen Archiven gelesen, überhaupt hatte er in den letzten Wochen die meiste Zeit mit Lesen verbracht, um auf den neuesten Stand der Dinge zu kommen. Er fühlte sich nicht wie in einer Zeitkapsel, schließlich war er in den vergangenen Jahren auch von Technik umgeben gewesen. Aber er musste wieder auf den technischen Stand des Neuen Grenzlandes kommen, Energien und Effizienz waren anders, wenn auch zeitgemäß, nahezu gleich. 

So karg und unwirtlich Alamo auch schien, so war er doch das Zentrum des Neuen Grenzlandes. Der Planet lag zwischen Sektor A, dem Verwaltungsgebiet des Königreichs Jarr, und Sektor B, dem Verwaltungsgebiet des Grenzlandes. Diese strategische Lage machte Alamo zu einem neutralen Boden, auf dem die zukünftigen Offiziere ausgebildet wurden. Hier spielte es keine Rolle, ob die Kadetten später dem Königreich oder dem Oberkommando dienen würden.

Das Shuttle neigte sich und glitt durch einen engen Canyon, dessen felsige Wände hoch und bedrohlich befragten. Dahinter, gut geschützt, lag das riesige Ausbildungszentrum. Es war immer wieder ein beeindruckender Anblick, eingebettet in die raue Schönheit der Landschaft. Alle Bereiche des Militärs wurden hier ausgebildet, vom Piloten bis zur Task-Force. Einige Kilometer nördlich, hinter den hohen Bergen, lag die Hauptstadt “Alamo-City”. Auch diese Stadt war einmal sein Zuhause gewesen. Hitomi und er hatten sich damals direkt nach ihrer Hochzeit mit gerade einmal zwanzig Jahren ins Abenteuer Neues Grenzland geschmissen. Andere behaupteten, sie seien durchgebrannt und vielleicht stimmte das auch zum Teil. Shinjiro schmunzelte bei dem Gedanken und erinnerte sich an die Aufregung und das Adrenalin jener Tage. Damals war er noch in der Ausbildung zum Captain und flog für die Air Base unter dem Kommando von Colonel Murray, der heute voller Herzblut die jungen Piloten ausbildete. Murry war ein gerechter Mann mit einer Vorliebe für gutes und vor allem teures Essen. Da fiel es ihm wieder ein, ein wenig rollte Shinjiro mit seinen Augen, ein Abendessen war wohl fällig!  

Das Shuttle setzte zum Landeanflug an, die Sonne stand tief und Shinjiro erkannte bereits unter ihm das weitläufige Flugfeld.

General Whitehawk hatte ihn nicht dienstlich geladen, doch für Shinjiro war es selbstverständlich, der ‚Einladung‘ des indianischen Generals zu folgen. Schließlich war Whitehawk noch sein General, aber nicht nur das, er war auch ein Mann, den er zutiefst respektierte. Der General war einer der wenigen Menschen im Militär, die das Schicksal eines Soldaten wirklich verstanden und ehrten. In den Jahren seiner Abwesenheit hatte Whitehawk immer einen besonderen Platz in Shinjiros Erinnerungen gehabt. Der General war bekannt für seine präzisen und gut überlegten Handlungen. Und sie teilten die Vorliebe für lange Haare, innerlich musste er auflachen. Und doch erfassten ihn Erinnerungen an die vergangene Zeit mit einer bittersüßen Nostalgie. 

Absatz 2

Saber betrat pünktlich und vorschriftsmäßig in Uniform, die ihn als Kommandanten auswies, einen Gebäudekomplex des Kavallerie-Oberkommandos, der sich etwas außerhalb von Yuma-City befand. Von außen wirkte alles recht unscheinbar, ein fünfgeschossiges, modernes Bauwerk, das man aber doch lieber von außen als von innen sah. Der Schotte hatte schon einige Geschichten, die in diesen Räumen geschahen gehört; die meisten hatte er als übertrieben abgetan. Doch je weiter er vordrang, desto mehr krampfte sich sein Magen. 

Er befand sich in der Rechts- und Disziplinarverwaltung in der das Tribunal des Untersuchungsausschusses zusammenkam, um ein militär gerichtliches Verfahren einzuleiten. Irgendwie war sein Team und somit vor allem er, da hineingeschlittert, wie Colt es so schön nannte. Das Wort „hineingeschlittert“ löschte Saber vorsichtshalber direkt aus seinem Wortschatz, denn für texanische Lockerheiten waren diese Hallen hier nicht bekannt. Hier wurden Schicksale von Soldaten und Offizieren besiegelt, die oft mit deren Degradierung endeten.

Die MPs, die diesen Ort bevölkerten, bewegten sich mit einer unnachgiebigen Entschlossenheit. Ihre grauen Uniformen saßen perfekt, ihre Gesichter waren ausdruckslos, was die Härte und Disziplin dieses Ortes noch mehr unterstrich. Die schmucklosen Wände und die langen, grauen Flure, waren in ein kaltes, ungesundes Licht getaucht und rundeten das Nicht-Willkommen-Sein vollends ab. An die kargen Neonröhren an der Decke wollte er gedanklich gar nicht erst anfangen. „Neonröhren?“, schwenkte sein Bewusstsein jetzt doch zurück und er versuchte, sich damit etwas abzulenken. „Entweder wurde an diesem Komplex gespart, oder die Einrichtung sollte den Ort auch psychologisch unterstreichen!“ Er musste zugeben, dass es gelungen war. Seine regelmäßigen Schritte hallten durch den Gang, als ob das Gebäude seine Anwesenheit verkünden wollte. Während er weiter ging, bemerkte er die völlige Abwesenheit von Leben auf den langen, kalten Fluren. Es gab keine Menschen, die umher liefen, keine Sitzecken, geschweige denn Pflanzen und die Türen waren nummeriert, anonym und fest verschlossen.

Heute musste er sich den Tatsachen der letzten großen Schlacht stellen. Über das “wie?” hatte er sich in den letzten Tagen den Kopf zerbrochen. Sehr zum Leidwesen seines Teams, jegliche Diskussionen, auch wenn sie noch so spontan und locker gewesen waren, hatte er im Keim erstickt und Ruhe verlangt! Egal wie gut er sich vorbereiten wollte, er wusste ja nicht einmal, in welche Richtung diese Befragung hier heute gehen sollte. Es konnte alles geschehen, von simplen Fragen bis hin zum Verlust seines Kommandos. “Sie werden bald kein Team mehr haben“, hörte er die Stimme von Captain Hikari in seinen Gedanken, die er versuchte abzuschütteln, was ihm aber nicht wirklich in dieser Umgebung gelang. 

In den nächsten Stunden würde jede seiner Bewegungen beobachtet, jedes Wort und Zögern auf die Goldwaage gelegt werden. Seine Anspannung war mit Händen zu greifen und er hoffte, dass sie nicht sichtbar war. Er blickte auf seine Uhr und noch einmal an sich herab, ob seine frisch gestärkte Uniform auch keinen Makel hatte. Das Gesamtbild musste stimmen. Er stoppte vor der Tür 341, atmete tief ein und aus und schloss für einen Moment seine Augen, bevor er gegen die kalte graue Tür klopfte.

Absatz 3

„Hi und sorry, dass ich zu spät bin!“, entschuldigte sich April völlig außer Atem, als sie sich neben den Cowboy setzte, der konzentriert etwas auf seinem Kommunikator las. „Äh-ham …“, kam es darauf nur nickend von Colt, der einfach weiterlas. April hob ihre Augenbrauen und blickte fragend zu Alex, der genüsslich an seinem Milchkaffee schlürfte und ihr entgegen grinste: „Alles gut, du bist nur 40 Minuten zu spät.“ sagte der aschblonde Pilot und April verzog minimal ihr Gesicht: „Wow, danke für die Auskunft, Mr. Pünktlichkeit“, konterte die Blondine zurück und warf einen verstohlenen Blick auf Colts Kommunikator. „Was liest du da eigentlich so angestrengt, etwa die Zutatenliste von den Raumschiff-Rationen?“ versuchte sie, den Cowboy aus seiner Starre zu holen. Doch Colt nickte nur, ohne von seinem Kommunikator aufzusehen: „Genau“, murmelte er trocken: „Ich möchte wissen, was mich umbringt.“, und legte tief ausatmend das Gerät genervt vor sich auf den Tisch ab.

“Wo warst du denn?”, fragte der Lockenkopf jetzt. April pustete Luft aus: “Im Labor, Ramrod bekommt demnächst eine neuartige Schutzlackierung verpasst.”, teilte sie den beiden begeistert mit. „Eine neue Schutzschicht?“, fragte Alex und hob eine Augenbraue. „Und ich dachte schon, du warst im Schönheitssalon.“ April zog ihre Augenbrauen zusammen: “Hör auf damit, Freundchen!“, drohte sie leicht. Colt nickte einmal und sah zu Alex: “Ja, pass auf, sonst holt sie ihren Dampfhammer raus!” Daraufhin hob Alex ergeben seine Hände: “Okay, okay, dann geht eben Ramrod in den Schönheitssalon!” Colt verzog etwas seinen Mund: “Der darf wenigstens in einen Saloon!”, murmelte er eingeschnappt vor sich hin und überlegte, wann er das letzte Mal tatsächlich in einer Cowboy Disco gewesen war und beschloss, Robin am Wochenende zum Linedance mitzunehmen.

April lehnte sich zurück und ging sich dabei durch ihre Haare: “Wenigstens hat Ramrod eine regelmäßige Beauty-Routine!“, sagte sie und träumte von einem Wellnesswochenende, das sie sich schon lange nicht mehr gegönnt hatte. „Ein Wellnesswochenende klingt gar nicht schlecht“, meinte Alex, der sich auf einmal für diese Idee brennend interessierte. Die Blondine riss ihre Augen auf und sah Alex leicht erschrocken entgegen. Hatte sie etwa gerade laut gedacht? Der Deutsche grinste: “Bin dabei, Prinzessin!“ Colt rollte mit seinen Augen: „Also wenn du jetzt anfängst, uns Gesichtscremes zu empfehlen, bin ich raus.“ 

Alex musterte den Cowboy: “Eine gute Feuchtigkeitscreme würde deiner Haut gut tun!”, konterte er darauf. April grinste, während sie sich Colt in einem Schönheitssalon mit kuscheligen rosa Handtüchern vorzustellen versuchte. Der Cowboy musterte die beiden Hobby-Beautyqueens vor sich, die ihm nun breit angrinsten: „Meine Haut ist vollkommen in Ordnung!“, sagte er und stand auf. “Seine Haut ist so weich, wie ein 16-jähriger Pfirsich!“, murmelte April leise in Alexs Richtung. “Oh!” kam es daraufhin vom Piloten. „Mein Superfood ist…“, – „Coca-Cola?“, unterbrach Alex frech grinsend den Cowboy. Der Lockenkopf fuhr herum. „Nein, Guavensaft und den hole ich mir jetzt NUR für mich ganz alleine!“, und ging zum Tresen des Offizierskasinos. April und Alex grinsten und suchten sich ein Wellnesscenter aus, das sie sich gemeinsam gönnen wollten.

Colt schlängelte sich durch die Tischreihen und strich sich dabei mit einer Hand über sein Kinn, „Päh, von wegen trockene Haut, stimmt doch gar nicht!”, dachte er und stoppte, als sich Captain Lorenz ihn in den Weg stellte: “Wo ist Captain Lancelot?” fiel dieser grußlos und direkt mit der Tür ins Haus. Der Cowboy musste sich erst einmal sortieren, bevor er antwortete: “Bei Kommander Rollins, irgendeine Anhörung.“, teilte Colt direkt mit. „Geht es auch genauer?”, hakte Lorenz, der sichtlich im Stress war, nach. Der Lockenkopf schüttelte mit seinem Kopf, und Colts Antennen gingen auf Empfang. 

„Versuchen Sie ihn zu erreichen!”, wies Lorenz den Cowboy an und verließ eilig das Offizierskasino. Mit einem sichtbaren “Hä?”, auf dem Gesicht blieb der Cowboy zurück und blickte dem Air Base Captain nach, während er in seine Hosentasche griff, doch sein Kommunikator lag noch auf dem Tisch bei den beiden Beauty-Queens.

Absatz 4

An einer mit Holz vertäfelten Wand im General Whitehawks Büro hingen alte indianische Relikte aus längst vergangenen Zeiten. Shinjiros Blick fiel auf eine ihm bekannte, prächtige indianische Haube, mit scharf polierten Büffelhörnern. Eine Haube, wie sie wohl die Häuptlinge im Wilden Westen trugen, an der Wand. Die Haube war kunstvoll gefertigt und mit Federn und bunten Perlen verziert, die in einem hypnotisierenden Muster angeordnet waren. Die Büffelhörner rankten stolz und einschüchternd heraus, als würden sie die Energie und den Geist der Prärie noch immer in sich tragen.

Shinjiro stand heute wie damals fasziniert vor der Haube, betrachtete die handgefertigten Details und konnte den Blick nicht abwenden. Er spürte förmlich die Geschichte und die Kraft, die davon ausging. Langsam streckte er eine Hand nach einem der Hörner aus, getrieben von einer unstillbaren Neugierde, sie zu berühren. 

„Ich habe gesagt, nicht anfassen!“ Shinjiro zuckte leicht zusammen und hielt inne, seine Hand schwebte nur wenige Zentimeter vor der Haube. Shinjiro drehte sich ertappt um und blickte in das freundliche Gesicht von General Whitehawk, der sich im wahrsten Sinne des Wortes wie ein Indianer angeschlichen hatte. 

Der General, der seine Wurzeln in Kanada hatte, trat mit einem leichten Schmunzeln im Gesicht neben Shinjiro. General Whitehawk war nach wie vor eine beeindruckende Erscheinung. Seine Gestalt war hochgewachsen und trotz seines fortgeschrittenen Alters immer noch kräftig. Jede Falte in seinem Gesicht schien eine eigene Geschichte zu erzählen. Seine Augen waren tief und dunkel, die die Erfahrungen und Weisheiten seines Lebens widerspiegelten, die stets ein Funken von Humor in sich trugen, was seine Lachfalten verrieten. 

„Auch wenn ich es vor 16 Jahren gesagt habe, ist es immer noch bindend!“, sagte er, während er Shinjiro sanft aber bestimmt auf die Schulter klopfte. Ein Lächeln, das sowohl Ermahnung als auch Verständnis ausdrückte, lag auf seinen Lippen. Shinjiro trat einen Schritt zurück und nickte respektvoll, während er Whitehawk ansah. Die Botschaft war klar! Manche Dinge sind wertvoller, wenn sie unberührt blieben. Doch Shinjiro musste auch hier feststellen, dass die vergangenen 16 Jahre in diesem Raum eingefroren waren und die Zeit sich nur an den etwas älter gewordenen Gesichtern zeigte. Whitehawk ließ Shinjiro los und zeigte auf die Haube, die vor den beiden Männern an der Wand hing: “So etwas ist auch heute noch ein Versprechen. Dazu braucht es keine gold umrandeten Urkunden.” 

Shinjiro presste seine Lippen leicht aufeinander, er wusste genau, worauf der General anspielte und nickte. Die Worte des indianischen Generals trugen das Gewicht der Tradition und der Verantwortung, die sie beide trugen. Whitehawks Augen funkelten in dem sonnendurchfluteten Raum. Seine Stimme klang ruhig, aber nach wie vor eindringlich.

Die Haube war ein Symbol, nicht nur für den Stolz und die Geschichte eines Volkes, sondern auch für die ewigen Werte. Sie erinnerte daran, dass manche Verpflichtungen tief in der Seele verankert waren und weder Zeit noch moderne Formalitäten sie verändern konnten. Das war die Gefahr des neuen Grenzlandes, Menschen wurden von ihren Traditionen und ihrer Kultur getrennt und verloren ihre Wurzeln. Jeder einzelne war dafür verantwortlich, dass dieses kostbare Gut erhalten blieb. 

In diesem Moment spürte Shinjiro die Tiefe der Verbindung, die er mit Whitehawk und einer uralten Kultur, die es auch in Japan gab, teilte. Wahrscheinlich war es genau das, weswegen die beiden Männer immer schon mit wenigen Worten kommunizieren konnten und sich trotzdem unmissverständlich verstanden. General Whitehawks Worte hallten in seinem Herzen nach, wie ein stiller Eid, der ihn durch die Jahre begleitet hatte, aber wohl in den letzten 16 Jahren stiller geworden war. Und Shinjiro betrachtete erneut die prächtige Haube und verstand die Lektion, die ihm vermittelt wurde. Manchmal musste man sich daran erinnern, dass die bedeutendsten Verpflichtungen durch das Wort gebunden waren und nicht durch einen Vertrag mit Unterschrift. 

„Shinjiro, ich weiß, es ist schwer, in so kurzer Zeit alles aufzuarbeiten!“, begann der alte General und zeigte auf einen Sessel in der Sitzecke des Büros und bedeutete ihm an, sich zu setzen. Shinjiro beobachtete Whitehawk, wie er sich auf einem anderen Sessel niederließ und folgte dieser Einladung. „Unsere Entscheidungen und Handlungen sind Teil eines größeren Gewebes. Wir können nicht alles sofort verstehen oder lösen, aber wir müssen uns immer daran erinnern, wer wir sind.“ beendete der General seine Worte. Die Stille, die folgte, war nicht unangenehm. Shinjiro spürte, wie die Last seiner Entscheidung, wegen des First-Grad, leichter wurden. „Ich weiß, dass du mit dieser Entscheidung gehadert hast! Wir konnten nicht anders handeln!”, stieg Whitehawk nun direkt ein und vermied es seinem Gegenüber mit seinem Rang zu betiteln, er wollte sich mit Shinjiro und nicht mit dem im Dienst abgeklärten Captain unterhalten. Shinjiro lehnte sich im Sessel zurück, überschlug seine Beine und musterte den indianischen General vor sich. 

“Ich habe es verstanden, als mich Jarred direkt in sein Gästehaus einquartiert hatte.”, erwiderte Shinjiro. Whitehawk nickte: “Hätten wir dich, wie es das Protokoll vorsieht, direkt nach deiner Ankunft nach Pectos geschickt, wärst du wahrscheinlich immer noch dort.” fuhr der ältere Mann fort. “Deswegen wart ihr so schnell an Bord der Monarch Supreme.”, antwortete Shinjiro darauf, dem die Tragweite immer mehr bewusst wurde. Whitehawk nickte und sprach weiter: “König Jarred hatte sich sofort mit mir in Verbindung gesetzt, nachdem er dich an Bord genommen hatte. Damit behielten er und ich die Oberhand. Ich habe König Jarreds Entscheidung während des Kampfgeschehens, dir das Kommando zu übergeben, nicht gutgeheißen, aber toleriert, weil wir eben nicht wussten, ob du es wirklich bist, oder auf welcher Seite du fungierst.“ Shinjiro sah sich einen Moment still im Raum um. Whitehawk beobachtete sein Gegenüber ganz genau. Nach einigen Augenblicken atmete Shinjiro tief ein, bevor er sprach: “Und vor wem, sollte ich geschützt werden?”, fragte er direkt. Whitehawk sah ihn mit durchdringendem Blick an. „Du bist nicht im Bilde?“, fragte er fast fassungslos. Shinjiro erwiderte den Blick: „Doch, aber ich möchte es gern von offizieller Seite hören.” 

Der General ließ es unkommentiert, wartete aber einen Moment, wissentlich, dass das alles auf Shinjiro wirken musste wie eine Bombe an Informationen und begann: “Du weißt, was das Protokoll vorsieht, wenn ein verschollener Offizier nach so langer Zeit wieder auftaucht.” Shinjiro nickte nur stumm, normalerweise hätte er auf der Monach Supreme direkt verhaftet werden müssen, damit hatte er sogar gerechnet. Weiterhin sah das Protokoll vor, dass er sofort nach Pectos auf das militärische Hochsicherheits-Gelände gebracht worden wäre, wo er in Isolationshaft unter strenger Beobachtung stünde, bis seine Identität in allen Bereichen vollständig bestätigt worden wäre.

“Wir wussten, dass der vertretene Stab, der aus mir als General, Kommander Bradley und Chief Gupta besteht, dich als Erstes in Empfang genommen hätten, damit wäre ich überstimmt gewesen und du hättest Pectos nicht mehr verlassen.” erklärte Whitehawk nüchtern. „Um das Gefängnis zu umgehen, musste ich das Risiko eingehen und dich sofort wieder in den Dienst stellen. Auf Jarr war es dann König Jarreds Gerichtsbarkeit und Verantwortung, sich deiner Lage anzunehmen und sich angemessen um dich zu kümmern. Die Untersuchung auf Pectos musste trotzdem stattfinden! Die ich auch angeordnet hatte, um letztendlich vollends sicherzugehen.“, erklärte Whitehawk.

Shinjiro nickte langsam, das Verfahren war ihm soweit bekannt. Doch bevor er etwas sagen konnte, fügte der alte indianische General mit einem Anflug von Bedauern hinzu: „Und ich mache mir nach wie vor Vorwürfe, vor 16 Jahren nicht vor Ort gewesen zu sein. Es wäre garantiert alles anders gelaufen!“ gestand Whitehawk. Shinjiro blickte stumm auf, seine Augen waren schwer von den Erinnerungen. „Ich hatte 16 Jahre Zeit, mir dieses Ereignis immer und immer wieder durch den Kopf gehen zu lassen“, sprach er leise. „Und wie ich es jetzt aus den Protokollen und Berichten von damals entnehmen konnte, wurde Eagle mit der Kavallerie aufgehalten, obwohl das Oberkommando König Jarred die volle Unterstützung zugesprochen hatte!“ Seine Stimme war angestrengt, er atmete tief ein und schloss für einen Moment seine Augen, um die aufwühlenden Gefühle in Schach zu halten. All die Jahre hatte er sich alle möglichen Szenarien zurechtgelegt und landete immer bei diesem, aber warum? Das konnte ihm bis heute niemand beantworten. Die Stille im Raum war drückend, als die beiden Männer in die Vergangenheit blickten, jeder auf seine Weise von der Last der Erinnerungen gezeichnet. Whitehawk wartete einen Moment, bis er wieder Shinjiros volle Aufmerksamkeit hatte und sprach weiter: “Du hattest damals nicht nur Befürworter, als es um den First-Grad ging. Ich nehme an, dass es dir bewusst ist!“ 

“Damals wie heute!”, nickte Shinjiro Whitehawk bestätigend entgegen und stand auf: “Also war es, wem auch immer, wert, unter einer fremden Bedrohung, in ein laufendes Kampfgeschehen einzugreifen, ohne zu wissen, wer überhaupt der Feind ist. Und unschuldige Menschen zu opfern, darunter vier meiner Männer und General Campbell, inklusive seiner Besatzung, nur für irgendwelche Machenschaften?”, fasste es Shinjiro zusammen und blickte aus dem Fenster, an dem gerade ein Trupp von Kadetten im Gleichmarsch vorbeilief. “Und vor allem dich!”, beendete General Whitehawk unverblümt nach einigen Momenten, Shinjiros Ausführung. Shinjiro hielt kurz seinen Atem an und schloss abermals seine Augen, als ob er dadurch die Realität besser verarbeiten könnte. Diese Tatsache war ihm nur zu bewusst, damals wie heute, doch das Drumherum, die Intrigen und vor allem die Opfer, war etwas, womit er gerade nicht klarkam.

Er fungierte damals zusammen mit General Campbell, auch er war ihm seinerzeit ein enger Vertrauter geworden. “Du warst die Zielscheibe und der Angriff und eure immer weniger werdende Verteidigung spielte ihnen in die Karten. Sie wussten, wenn du erst einmal als First-Grad vereidigt wärst, würde die militärische Führung nur vereint mit dem Königreich Jarr vonstattengehen.” führte es Whitehawk noch detaillierter aus. “Was politisch durchaus gewollt war und immer noch ist!“, setzte Shinjiro noch ran. “Natürlich, nur so kann das Neue Grenzland unabhängig von der Erde werden. König Jarred brach danach zwar alle politischen und militärischen Bündnisse ab, behielt aber den unabhängigen Teil von Alamo. Das war strategisch sehr klug von ihm, denn nur so konnte er verhindern, dass willkürlich, ohne sein Einverständnis, Generäle und eventuell ein neuer First-Grad ernannt werden konnten.“ erklärte Whitehawk weiter. 

Shinjiro nickte und ergänzte: „Stattdessen wurde ein Konstrukt geschaffen, das sich nur auf die Bekämpfung der Outrider beschränkt.“, und spielte mit dieser Aussage auf das aktuelle Bündnis mit Jarr an, das nur ein militärisches und kein politisches oder gar wirtschaftliches war. Whitehawk nickte. „Ja, zu mehr war König Jarred nicht bereit, sein Königreich zu öffnen.” erklärte der General. Shinjiro nickte: “Was verständlich ist, sonst wäre Jarr nur eine Kolonie für Yuma.“ Shinjiro ließ diese Worte auf sich wirken. Die Komplexität der politischen und militärischen Landschaft war schon immer überwältigend. Doch so mittendrin zusammen mit Jarred und Whitehawk als Schachfigur war es ein Drahtseilakt. „Wir mussten uns anpassen und improvisieren, um das Beste aus einer schlechten Situation zu machen“, fuhr Whitehawk fort. Shinjiro hörte weiter zu. 

„Gemeinsam mit dem Militärstab der Erde konnten wir König Jarred davon überzeugen, das Grenzland in der Zukunft erneut unter das Kommando eines First-Grad zu bringen. Auf wen unser zukünftiges Augenmerk lag, ist dir bekannt!“, beendete Whitehawk seine Erläuterungen. Shinjiro nickte und lief etwas durch den Raum, er musste sich bewegen und seine Gedanken ordnen – das Oberkommando war dabei unterwandert zu werden! Er fuhr sich durch seine Haare und versuchte, die Flut an Informationen mit seinem Wissensstand zu updaten. 

Whitehawk beobachtete ihn, wissend, dass diese Enthüllungen schwer zu verdauen waren. Es war harter Tobak, nichts anderes war es die letzten sechzehn Jahre gewesen. Der ältere Mann blickte auf und fragte schließlich: „Reicht dir das zur Bestätigung?“, Shinjiro stoppte neben dem Sessel, auf dem er vor wenigen Minuten noch gesessen hatte und nickte. Mehr wollte er jetzt nicht mehr hören: „Also konzentrieren wir uns auf Bradley und Gupta.“ Whitehawk nickte zustimmend. „Und auf sein Gefolge haben wir sie im Blick. Der Geheimdienst ist dabei, an das Netz anzuknüpfen. Wir müssen wissen, wer mit ihnen zusammenarbeitet und dürfen uns dabei keine Fehler erlauben! Ihre Machenschaften gehen so weit, dass sie bereit sind, Leben zu opfern, ohne Rücksicht auf Verluste.“, fuhr Whitehawk mit bedrückter Stimme fort. „Ich habe es damals nicht kommen sehen. Wir alle haben Fehler gemacht!”, Shinjiro zog seine Augenbrauen zusammen. Whitehawk stand nun von seinem Sessel auf und stellte sich vor Shinjiro: “Aber deine Rückkehr gibt uns die Chance, die Dinge richtigzustellen. Wir mussten so entscheiden!“, sprach Whitehawk mit einem entschuldigenden Unterton. Der Japaner blickte den Älteren an und sah wie die Last der Vergangenheit, die auf Whitehawks Schultern lastete. 

Cpt. Hikari & General Whitehawk

Er nickte langsam, ohne etwas zu sagen. Whitehawk erwiderte ebenfalls mit einem Nicken: „Lass uns dafür sorgen, dass solche Opfer nie wieder nötig werden.“ Stille breitete sich im Büro des Generals aus, bis dieser sie letztendlich brach: “So, und jetzt zeige ich dir das Ausbildungszentrum und du erzählst mir von deinem Sohn!”, lenkte Whitehawk von dem doch ernsten Thema ab, für das Zwischenmenschliche musste natürlich auch Zeit sein und es interessierte den Indianer brennend, auch die Neugier schlummerte in ihm. Beide verließen das Büro. “Ja, zu den neuartigen Erziehungsmethoden, die in der Akademie laufen, hätte ich einige Fragen!”, kam es von Shinjiro, als er vor Whitehawk in den Gang einbog. Der General schloss seine Tür und hielt einen Moment inne, Shinjiro war also nicht nur Strukturmäßig im Bilde, sondern auch, was im Ausbildungszentrum mit seinem Sohn abging. Er atmete tief ein und schmunzelnd wieder aus.

Absatz 5

Fireball betrat sein Elternhaus, das ihm während der Abwesenheit seiner Eltern anvertraut worden war. Es fühlte sich anders an, normalerweise war seine Mutter da, es war merkwürdig, ganz allein durch die vertrauten Räume zu gehen. Etwas hatte sich in dem Haus, in dem er aufgewachsen war, verändert. 

Als er den ersten Stock betrat, schaute er kurz in jeden Raum, um sicherzustellen, dass alle Fenster geschlossen waren. In der Tür zum Büro seines Vaters blieb er etwas länger stehen und blickte sich um. Der Raum kam ihm plötzlich belebt und vertraut vor. Selten war er hier drinnen gewesen, weil die Tür normalerweise immer geschlossen war. Doch heute stand sie, fast einladend, offen und Fireball trat langsam ein. Sein Blick fiel sofort auf den neuen Computer auf dem Schreibtisch. „Chic,“ dachte er und nickte das Gerät ab, während sein Blick zu dem Zeitungsstapel daneben wanderte. Einige Zeitungen schob er beiseite, und plötzlich wurde ihm etwas bewusst. Nicht nur er musste die 16 Jahre Abwesenheit aufarbeiten, auch sein Vater, wenn auch auf eine andere Art und Weise. Es fehlten nicht nur ihm als Sohn 16 lange Jahre. Doch was muss das für ein Gefühl sein, sich in einer komplett veränderten Zeit wiederzufinden? Okay, es waren »nur« 16, keine hundert, aber dennoch war alles um seinen Vater herum älter geworden.

Er nahm den Stapel Zeitungen an sich, um sie zu entsorgen, als ihm ein bunt bedruckter Klappumschlag auffiel, der ihm sehr bekannt vorkam. Fireball griff danach und nahm ihn an sich. Als er den Umschlag öffnete, hielt er kurz seinen Atem an. Es waren Karten für das Abschluss Sumo Turnier, das letzte Woche stattgefunden hatte. Fireball sah, dass die Karten nicht eingelöst worden waren. Aber er selbst war dort gewesen, und zwar mit seinem Großvater. Die Erkenntnis traf ihn tief und er spürte die verstrichene Zeit, die er mit seinem Vater hätte verbringen können. Er legte die Karten zurück auf den Tisch und verließ das Büro.

Absatz 6

Saber trat vor den Untersuchungsausschuss und salutierte, das Geräusch seines Schuhwerks hallte in dem Raum. Hinter dem metallenen Tisch befand sich ein Monitor, auf dem das Kampfgebiet vor Jarr angezeigt wurde. Die vier Ausschussmitglieder erwiderten den Salut und nahmen ihre Plätze ein. Commander Bradley, der Leiter des Untersuchungsausschusses, nahm in der Mitte Platz. Saber musterte den älteren, erfahrenen Offizier mit einem ernsten Ausdruck. Neben Bradley saß ein Offizier mit einem Datenpad, der alles protokollierte. Der Blick des Schotten schweifte über den langen Tisch, auf dem verschiedene Akten und Tablets lagen. Er atmete tief ein und versuchte etwas Entspanntes in sein Blickfeld zu bekommen, was ihm in dem spartanisch und kühl eingerichteten Raum nicht gelang. Trotz seiner äußerlichen Ruhe war Saber innerlich angespannt. Ein Knoten der Nervosität zog sich in seinem Magen zusammen und sein Herzschlag beschleunigte sich leicht. Die Realität der Situation, die möglichen Konsequenzen seiner Entscheidungen – lastete schwer auf ihm. Er wusste, dass jeder Satz, den er sagen würde, jede Erklärung, die er gab, über seine Zukunft entscheiden konnte. 

Commander Bradley

Commander Bradley räusperte sich: „Captain Rider – Oh, entschuldigen Sie, Captain Lancelot! Bitte setzen Sie sich,“ eröffnete der Commander die Anhörung. Saber atmete tief ein und nahm auf seinem Stuhl vor dem Tisch Platz. Das Metall fühlte sich kalt und unnachgiebig unter seinem Hintern an. Bradley begann: “Diese Anhörung soll die Ereignisse während der letzten Weltraumschlacht klären. Wir beginnen mit Ihrer Darstellung der Vorfälle. Sie haben fünf Minuten,“ erklärte Commander Bradley. Saber spürte die Blicke auf sich, und er holte tief Luft und begann mit fester Stimme, klar seine Handlungsweise offen zu legen. 

Colt stand vor dem großen Panoramafenster des Offizierskasinos, seine Stirn legte sich nachdenklich in Falten, als er ungeduldig versuchte, Saber zu erreichen. Das Rollfeld lag unter ihm, die startenden und landenden Maschinen sahen wie stählerne Vögel aus, die in den wolkenverhangenen Himmel verschwanden. Aber Sabers Kommunikator blieb stumm, ausgeschaltet. Colt wusste nicht einmal genau, was er dem Schotten sagen sollte, wenn er ihn erreichte, aber er spürte, dass etwas nicht stimmte. 

Er beendete einen erneuten Versuch, eine Verbindung zum Schwertschwinger aufzubauen und starrte weiter nachdenklich nach draußen. Sein Blick glitt über das Rollfeld, bis er auf Kommander Rollins fiel. Die Augen des Cowboys verengten sich, während er sich erinnerte. Hatte ihm Saber nicht von einem Treffen mit Rollins erzählt? Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in seiner Magengegend aus, als sich die Puzzleteile in seinem Kopf langsam zusammenfügten. 

„Was ist los, Colt?“ Die besorgte Stimme von April riss ihn abrupt aus seinen Gedanken. Der Cowboy drehte leicht erschrocken zu ihr um, und seine hellblauen Augen sahen sie angespannt an. Ein Moment der Stille hing zwischen den beiden, bevor der Cowboy schließlich entschlossen nickte: „Los, komm mit!“, sagte er ruhig, aber die Dringlichkeit in seiner Stimme war nicht zu überhören. Er steckte seinen Kommunikator ein und wies Alex an, die Stellung zu halten. Der Pilot blickte überrascht auf, wollte etwas sagen, aber Colt war bereits aus dem Offizierskasino verschwunden, und April dicht hinter ihm. “Okay!”, murmelte Alex nicht verstehend, aber widmete sich wieder seiner Arbeit.

„Colt, was ist los?“, fragte April erneut, als sie den Cowboy endlich eingeholt hatte. Ihre Stimme war eine Mischung aus Besorgnis, und voller neugier, während sie versuchte, mit seinem Tempo schrittzuhalten und ärgerte sich, heute ihre neuen, chicen Sneaker nicht angezogen zu haben!  Colt warf ihr einen kurzen Blick über die Schulter zu, ein leichtes Grinsen umspielte seine Lippen. „Das weiß ich noch nicht, aber hoffentlich gleich!“, gab er knapp zurück und bog Richtung Vorfeld ein. Ohne weiter zu zögern, zog er seine ID aus der Tasche und die gläserne Schiebetür öffnete sich mit einem leisen Zischen und glitt zur Seite, die beiden traten auf das Vorfeld hinaus.

Um sie herum herrschte reges Treiben: Mechaniker und Techniker hasteten oder fuhren mit ihren kleinen, wendigen Fahrzeugen von einem Punkt zum anderen. Der gewohnte, immer starke Wind, der über das Vorfeld fegte, ließ Colts Hut gefährlich wackeln. April und er mussten aufpassen, nicht von den flink umher flitzenden Fahrzeugen erfasst zu werden. Die Geräuschkulisse war ein einziges, hektisches Durcheinander: das Summen und Brummen der Maschinen, das Rufen der Vorfeldarbeiter, alles vermischte sich zu einer chaotischen, aber erstaunlich gut koordinierten Choreografie. Der scharfe Geruch von Treibstoff und kaltem Metall hing schwer in der heißen Sommerluft. In der Ferne starteten und landeten Raumschiffe, ihre Triebwerke dröhnten wie Donnergrollen, während sie die Atmosphäre durchbrachen. Gehörschutz wäre angebracht gewesen, doch dafür blieb keine Zeit.

„Pass auf, dass du nicht plattgewalzt wirst!“, rief Colt zu April, während er seinem Hut einen festen Griff festhielt. April warf dem Cowboy einen belustigten Blick zu und steuerte geschickt um einen Stapel von Kisten, die gerade von einem Transportfahrzeug abgeladen wurden und versuchte, mit Colts Tempo mitzuhalten, während sie sich fragte, was ihn so aufgeschreckt haben könnte. War es nur eine Ahnung? Ein Instinkt? Sie wusste es nicht, aber eines war sicher: Wenn Colt erst einmal eine Fährte aufgenommen hatte, ließ er nicht locker, bis er wusste, was los war. Und dieses Mal schien es besonders eilig zu sein. Sie schluckte erst einmal ihre Fragen herunter und blieb dicht hinter ihm. Irgendwann würde er ihr schon erklären, was hier vor sich ging. Aber bis dahin würde sie ihm folgen, auch wenn es gerade eher so aussah, als würden sie Slalomrennen als auf einer Spur zu sein, die zu irgendwas führen könnte. Aber tief im Inneren wusste sie, dass Colts Instinkt selten daneben lag.

“Da!“ sagte Colt und blieb abrupt stehen, so plötzlich, dass April keine Chance hatte, rechtzeitig zu bremsen. Sie rannte direkt in ihn hinein, prallte gegen seine Schulter und stolperte leicht zurück. „Hey, nicht so stürmisch!“, witzelte Colt, mit einem Grinsen und hielt April kurz fest, bevor er ohne ein weiteres Wort wieder loslief. April blieb für einen Moment verdutzt stehen, schaute sich um. Sie standen auf einer leeren Parkposition unter einer Rampe, die genauso gut ein beliebiger Ort auf diesem riesigen Areal hätte sein können. Nichts an dieser Stelle schien besonders oder gar verdächtig zu sein. Sie stemmte die Hände in die Hüften und pustete sich eine widerspenstige Haarsträhne aus dem Gesicht, die der Wind genau in dem Moment hinein geweht hatte. „Tja, das Workout für heute Abend kann ich wohl ausfallen lassen!“, murmelte sie und atmete tief ein. Und folgte dem Cowboy wieder, noch bevor der um eine Ecke verschwand, holte sie ihn wieder ein.

Absatz 7

“Kommander Rollins!”, rief Colt so laut, er konnte gegen den Lärm um sie herum an und legte noch einen Zahn zu. Der Angesprochene stoppte und sah sich um. “Rollins?”, fragte sich die Blondine, der Kommander war der Stellvertreter ihres Vaters, wenn dieser nicht auf Yuma war. Eilig lief sie zu den Beiden, die schon miteinander sprachen. 

„Ich habe Captain Lancelots Anhörungstermin gestern gecancelt!“, erklärte Rollins dem sichtlich abgehetzten Cowboy vor sich. April blieb etwas abseits stehen, um zuzuhören. Colt zog nachdenklich eine Augenbraue hoch: „Aber Saber ist offiziell gerade bei Ihnen, Sir!“ Rollins musterte den Cowboy, der offensichtlich versuchte, die Situation zu durchschauen. „Wie Sie sehen, nicht! General Whitehawk hat entschieden, dass die Befragungen auf neutralem Boden, sprich auf Alamo, durchgeführt werden sollen. Das hat Kommander Bradley gestern Captain Lancelot mitgeteilt.“

April warf Colt einen fragenden Blick zu und der Cowboy sah sie ebenso ratlos an, bevor er sich wieder Rollins zuwandte. „Danke, Sir, dann habe ich wohl etwas durcheinander gebracht!“, entschuldigte sich Colt plötzlich und setzte sich seinen Hut wieder auf. Rollins nickte knapp und machte sich auf den Weg ins Innere des riesigen Gebäudes des Oberkommandos.

April und Colt standen schweigend da und sahen dem Kommander nach, bis er außer Sichtweite war. „Bekomme ich jetzt Antworten?“, fragte April schließlich, die Neugier in ihrer Stimme war kaum zu überhören. Colt nickte und seufzte. „Die Antwort suche ich gerade selbst,“ gestand er. April atmete darauf hörbar frustriert aus, aber auch Erleichterung, dass sie nicht die Einzige war, die das alles gerade nicht verstand. Denn auch die Blondine wusste, dass Saber offiziell bei Kommander Rollins war. Und anlügen würde Saber sie nicht. Colt blickte neben sich und entschied April seinen Wissensstand mitzuteilen: „Captain Lorenz sucht Saber, der doch bei Rollins sein soll.“ Und Colt zeigte auf die Tür, hinter der Rollins gerade verschwunden war. April nickte. Bis hierhin konnte sie folgen. „Obwohl wir jetzt wissen, dass er es nicht ist. Verstehst du das?“ April nickte erneut, schüttelte dann aber sofort den Kopf. „Ja, siehst du, ich auch nicht!“, erwiderte Colt, der seine Stirn in Falten legte. April sah ihn nachdenklich an, ein ungutes Gefühl machte sich in ihr breit. “Was hatte das alles nur zu bedeuten?”, grübelte ihr kluges Köpfchen jetzt auch.

„Weißt du, wo diese Befragungen auf Yuma gemacht werden?“, fragte Colt plötzlich und riss April aus ihren Gedanken. Sie überlegte kurz und nickte dann entschlossen: „Ja, das weiß ich.“ Colt grinste und klopfte sich auf die Brust: „Na dann los!“, entschied er und machte Anstalten, loszugehen. Doch bevor er einen Schritt machen konnte, hob April die Hand und trat vor ihn: „Aber ich fahre!“, erklärte sie mit einem entschlossenen Blick, der keine Widerrede duldete. Colt zog eine Augenbraue hoch und grinste schief. „Na gut, aber wir halten nirgendwo an!“ Stellte er fest klar, schließlich war es nicht das erste Mal, dass er mit April durch die Stadt fuhr. Ihre Fahrten endeten oft mit einem spontanen Zwischenstopp für „wichtige“ Dinge, wie ein Abstecher zu einem neuen Cupcake-Laden oder der dringende Kauf von Lockenwicklern, die sie schon immer haben wollte. „Hm!“, April und zuckte mit den Schultern und zückte ihren Kommunikator, um Sincia zu erreichen. Vielleicht wusste die Kindergärtnerin ja etwas, das ihnen weiterhelfen konnte. Während sie die Nummer wählte, schob sie Colt leicht an, um sich auf den Weg zu machen. 

Auch Sincia hatte den beiden nicht weiterhelfen können, sie betraten das Parkhaus und stiegen in Aprils weißen Sportwagen: „Keine Umwege, Fräulein!“, wiederholte Colt spaßig mit einem frechen Grinsen, während er sich anschnallte, schließlich war er ihr jetzt ausgeliefert. Mit einem Zwinkern trat April das Gaspedal durch und der Cowboy hielt seinen Hut fest, die beiden verließen das Gelände des Oberkommandos.


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